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Dvorak: Die ersten beiden Sinfonien

Die ersten vier Sinfonien Antonin Dvoraks waren »für die Schublade« zwar nicht gedacht, aber sie blieben lange dort. Er begann bereits sehr früh mit einer ersten Sinfonie, der gleich eine zweite folgte. Beide Sinfonien orientieren sich stark an Beethoven. Die erste, op. 3 aus dem Jahr 1865 trägt den Beinamen »Die Glocken von Zlonice« und ist der fünften Sinfonie Beethovens verpflichtet. Sie steht ebenfalls in c-moll und ihre Stimmung ist dementsrpechend düster. Die Sinfonie ist mit einer enormen Spieldauer von 50 Minuten sehr ausladend, enthält aber schon interessante Abschnitte. Der erste Satz beginnt gleich mit wuchtigen »Glockenschlägen«, über deren Rhythmus das ausschweifende Hauptthema als eine c-moll Tonleiter sich erhebt. Diese Glockenschläge sind auch im letzten Satz spürbar, obwohl der Titel nicht von Dvorak selbst stammt. Dvorak schrieb diese Sinfonie für einen Wettbewerb in Deutschland. Sie kam nicht wieder zurück. Dvorak sah die Partitur zu seinen Lebzeiten nicht wieder. Sie wurde erst in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts in einem Leipziger Archiv gefunden und erst 1936 uraufgeführt. Das Werk ist insofern sehr interessant, weil es die damalige Instrumentationskunst Dvoraks unverfälscht zeigt; seine nachfolgenden drei Sinfonien hat Dvorak später umgearbeitet.

Die zweite Sinfonie, op. 4, aus demselben Jahr steht in B-Dur und ist sozusagen Dvoraks erste Pastorale. Das Werk hat einen noch grösseren Umfang als die erste Sinfonie. Sie ist in einigen Details zwar schon bewundernswert, überfordert den Hörer aber hoffnungslos durch eine derartige Fülle von Gedanken, dass diese für fünf Sinfonien ausgereicht hätten. Dvorak bestimmte diese Partitur zum Verfeuern. Sie wurde aber durch einen glücklichen Zufall gerettet. Der Verleger Simrock lehnte die Übernahme des Werkes ab, was Dvorak sehr kränkte. Während seinen Lebzeiten erklang das Werk nur ein einziges Mal und zwar im Jahr 1888.


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Heiko Schroeder 2004-11-27