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Contents
- Geschichte:
- Der Wassermann verliebt sich in ein Mädchen und zieht
es zu sich hinab. Nachdem sich Nachwuchs eingestellt hat, verlässt
ihn das Mädchen. Der Wassermann glaubt sich verraten und schwört bittere
Rache. Er tötet das Kind und wirft dem Mädchen Kopf und Leib vor die
Füsse.
- Musik:
- Der Wassermann wird oft mit der Musik zu Rusalkaverglichen. Meiner Ansicht nach trifft dies aber vor allem
für das Umfeld der Geschichte zu, was aber eine Marginalität sein
dürfte. Das Stück ist ein diabolisch, düsteres Scherzo im 2/4-Takt.
Äusserst interessant ist gleich der Beginn, der wohl zum Unheimlichsten
gehört, was Dvorak schrieb: das Stück scheint sich zunächst vom Ton
nicht lösen zu können und das spätere Thema wird allein mit diesem
einen Ton als rhythmische Figur abgesteckt, wobei die flirrenden Verzierungen
unmissverständlich deutlich machen, dass der Wassermann ein böses
Wesen ist. Eindeutig h-moll. Das dann aus dieser Figur aufsteigende
Thema wandelt sich in eine fast »verführerisch liebliche« Form
nach Dur. Aber wie ist das gemacht? Das Thema besteht selbst wieder
aus zwei Motiven, die wie zwei scheinbare (!) Spiegelbilder geschaffen
sind: das erste Motiv ist absteigend
, das zweite aufsteigend
. Das erste Motiv könnte
immer noch als h-moll durchgehen und es bleibt weiterhin Anker des
Bösen. Die verführerische »Gemeinheit« aber, die das Spiegelbildliche
durchbricht, liegt in dem hell nach oben steigenden zweiten Teil der
zweiten Figur: statt des zurücklaufenden c, wie es eigentlich sein
müsste, wird ein e gesetzt1.2. Der Natur nach h-moll erscheint also das teuflische Wesen in der
so gar nicht benachbarten Tonart C-Dur, erhebt sich aus dem Wasser
und erscheint an der Oberfläche durch einen wuchtigen Marsch des vollen
Orchesters. Aber die düstere Komponente bleibt stets gegenwärtig.
In der Musik ist ein ständiges Schwanken zwischen Dur und Moll hörbar.
Nachdem Dvorak dem Hörer den Wassermann vorgestellt hat, betritt das
Mädchen die Bühne des Geschehens. Ein stärkerer Kontrast ist kaum
denkbar: zaghaft beginnen die Holzbläser mit einer wiegenden Weise,
in der Anmut und Liebe und Natorverbundenheit so bezwingend eingefangen
ist, dass sie zum Schönsten gehört, was Dvorak geschaffen hat. Hier
ist von der Musik her die Nähe zu Rusalka am deutlichsten spürbar,
vielleicht aber mehr noch die Nähe zum Motiv des Mädchens in der späteren
Dichtung »Das goldene Spinnrad«. Wer genau hinhört, wird aber
auch eine starke Bindung an das Thema des Wassermanns erkennen: auch
das Thema des Mädchens kreist um einen einzigen Ton, ja, es scheint
sogar seine Substanz aus dem Wassermannmotiv zu erhalten. Schliesslich
wird auch das Mädchen durch das volle Orchester in den wärmsten Farben
dargeboten.
Nach dieser »Exposition« sozusagen, ist das folgende Geschehen
der Musik unmittelbar zu entnehmen. Das Motiv des Mädchens wirkt in
dem vorwiegend düsteren Szenario als das einzige Licht. Die durchgehende
Verwendung des 2/4-Taktes scheint auch hier die Natur zu symbolisieren,
wie es bereits in dem ersten Teil des vorangegangenen Zyklusses »Natur,
Leben und Liebe« von Dvorak vorgenommen wurde.
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Heiko Schroeder
2004-11-27