Sarka ist ein tschechisches Analogon zu der deutschen Penthesilea-Sage
(Kleist). Das recht blutrünstige Geschehen soll sich in einem wilden
Felsengelände abgespielt haben, das sich im äussersten Nordwesten
der Stadt Prag befindet (Divoka Sarka). Über den gleichen Stoff
schrieben Leos Janacek und Zdenek Fibich eine gleichnamige Oper. Die
sehr dramatische Handlung ist für die Opernbühne auch wie geschaffen.
Dennoch waren beide Opern nur mässig erfolgreich.
Die Bedeutung als nationales Symbol ist vielleicht etwas schwieriger
zu verstehen. Schon an früherer Stelle habe ich darauf hingewiesen,
dass Frauen bei der nationalen Wiedergeburt eine sehr bedeutende Rolle
gespielt haben. Bozena Nemcova war Initiatorin einer sehr natürlichen
Emanzipationsbewegung. Karolina Svetla, Eliska Krasnohorska und viele
andere Librettistinnen wurden bereits genannt. Auch auf die Auffälligkeit,
dass auf der Musikbühne, mehr als in anderen Kulturen Frauen die bedeutendsten
Figuren sind (Smetana, Janacek), wurde schon hingewiesen. Vieles lässt
sich davon mit dem Symbol Sarka in Verbindung bringen, ohne die grausige
Begebenheit natürlich als Anleitung zu verstehen.
Von allen Dichtungen von Ma vlast, ist diese, die kürzeste, am engsten an ein Programm gebunden und hat als einzige eine »Handlung« zum Gegenstand. Im Vergleich zu den vorangegangenen Dichtungen zeigt sich hier ein völlig anderer Stil.
könne zwar die Begebenheiten beim besten Willen heraushören, aber der Hörer bleibt innerlich unbeteiligt.Ja, Gott sei Dank ist das so! In der Tat ist die musikalische Aussage in dieser Dichtung extrem kurz und prägnant. Der blutrünstige Schluss wird alles andere als voyeuristisch ausgebreitet. Es ist ein Bild, das in eine Sage schauen lässt, ohne den Hörer als Akteur zu beteiligen. Das Orchester als Opernbühne. In keiner anderen Dichtung »sprechen« die Instrumente so wie hier. Trotz seiner musikalischen Reichhaltigkeit zeigt Dichtung eine enorme Disziplin der Beschränkung auf das Wesentliche (keine Note zuviel, keine zuwenig).