Next: Smetana: Ma vlast (Mein
Up: Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Orchesterwerke
Previous: Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Orchesterwerke
Contents
Während seines Aufenthaltes in Göteborg in den fünfziger Jahren schrieb
Smetana drei erste sinfonische Dichtungen, die ihrem Formgebilde und
ihrer Instrumentation nach Liszt verpflichtet sind. Alle drei sind
noch keine Meisterwerke. Die erste, Richard III op. 11,
zeigt Smetanas lebenslange Vorliebe für Shakespeare. Die letzte, Hakon
Jarl op. 16, war als ein Werk des Dankes an Schweden gedacht. Smetana
lag der Stoff nicht sonderlich. Die Musik ist nicht sehr reichhaltig
und wirkt nicht sonderlich inspiriert.
Die bedeutendste dieser drei Werke ist die mittlere Dichtung Valdustinuv
tabor (Wallensteins Lager) op. 14, die ursprünglich als Vorspiel
zu Schillers gleichnamigen Drama konzipiert war. Das Werk besteht
aus vier klar voneinander getrennten Teilen:, die wie folgt überschrieben
werden können:
- Das Leben im Lager
- Kapuzinerpredigt
- Nachtwache
- Morgenappell
Die ersten beiden Teile sind gedanklich miteinander verbunden. Die
Stimmungen sind wunderbar getroffen, der musikalische Einfall bestechend,
die Instrumentation allerdings etwas lärmend. In der Kapuzinerpredigt
erlaubt sich Smetana einige harmonische Raffinessen, wenn das wirbelnde
Leben im Lager den Prediger nach und nach immer mehr übertönt. Die
Nachtwache, Smetanas eigene Erfindung, ist ein kurzes, plastisch sprechendes
Intermezzo, das den letzten Teil von den ersten beiden trennt. Die
Schritte der wachhabenden Soldaten sind direkt zu hören. Der Morgenappell
ist quasi ein Werk im Werk und der ausgedehnteste Teil. Aus den schmetternden
Fanfaren entsteht ein sehr prägnantenr, markanten Marsch, der bereits
an Blanik erinnert. Im ganzen ist der Morgenappell ein angedeuteter
Sonatensatz. Am Schluss des Stückes werden Teile des Marsches als
donnernde Motive mehrfach wiederholt, die ähnlich wie später bei Tabor
ein Symbol für die Unnachgiebigkeit sein könnten.
Next: Smetana: Ma vlast (Mein
Up: Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Orchesterwerke
Previous: Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Orchesterwerke
Contents
Heiko Schroeder
2004-11-27