Die Geschichte der Stadt Krempe (noch in Arbeit)

Der exakte Beginn der Eindeichung und Kultivierung des Sumpfgebiets Kremper Marsch sowie der Gründung Krempes liegt heute noch im Dunkeln der Geschichte, da keine geschichtlichen Dokumente vorliegen. Es ist zu vermuten, dass zum Ende des 12. Jahrhunderts zur Regierungszeit des Schauenburger Grafen Adolfs III. mit diesem Großprojekt begonnen wurde. Aus vergleichbaren Vorgängen dieser geschichtlichen Epoche kann man annehmen, dass kirchliche und adlige Kräfte das Geld zusammenlegten, mit dem die Eindeichung der fruchtbaren Kremper Marsch und ihre Entwässerung finanziert werden konnte. Für die Ausführung dieses Plans wurden Siedler aus dem Niederrheingebiet (holländische Siedler), aber wohl auch aus Holstein selbst gewonnen.

Vor der Eindeichung war dieser Landschaftsraum den Tideeinflüssen von Elbe und Stör ausgesetzt: Sumpfwälder, Sümpfe, Prile, Schlickland dürften das Erscheinungsbild geprägt haben. Wasser gab es überall - teils in der Form von mäandrierenden Flüssen und Bächen, die das Regenwasser von der Geest zu Elbe und Stör abführten und teils als Prile, die sich - von den Fluten des Hochwassers gespeist - in das Land hineinfraßen.

Nur auf den höhergelegenen Bereichen der Marsch fand vereinzelt landwirtschaftliche Nutzung statt. In Geestnähe nutzten Geestbauern in der trockenen Jahreszeit das fette Marschland als Sommerweide. Spuren von Einzelgehöften und Landwirtschaft finden sich entlang des Störufers. Hier hatte die stets Überflutung der Marsch zur Ablagerung gröberen Sediments und damit zu höheren Uferzonen geführt, die unter Zuhilfenahme von Warftbauten einen gewissen Hochwasserschutz zuließen. Funde gibt es aus Fiefhusen, Borsfleth, Eltersdorf und Hodorf.

Erst die Neusiedler ermöglichten eine umfassende Nutzung des Marschlandes. Sie deichten das Land ein und schützten es so vor den Sturmfluten, die von der Elbe und der Stör her das Land bedrohten. Sie schufen ein umfassendes Entwässerungssystem von Wettern, Gräben und Grüppen, mit dem sie das Oberflächenwasser und die Zuflüsse von der Geest abführen konnten. Ein solches eingedeichtes Gebiet nennt man einen Koog.

Nach der Eindeichungließ sich der schwere

Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass die beiden Köge beiderseits der Kremper Au ( Grevenkoper Koog und Krempdorfer Koog) in etwa zeitgleich bedeicht und kultiviert worden sind. Dort, wo sich beide Köge gegenüberlagen und berührten, entstand (vielleicht durch spätere Zusammenlegung ?) als Ein- und Ausfuhrhafen die spätere Stadt Krempe.

(Link zu: Die Besiedlung des Grevenkoper Koogs)

1234 wurde Krempe erstmals urkundlich erwähnt und bereits 1239 von den Rittern von Barmstede Stadt ("oppidum") genannt. Eine Urkunde, in der Graf Gerhard I die Stadtgründung bestätigt, liegt mit Jahresangabe für 1271 vor. Sie gilt jedoch als nachträglich erstellt. Es wird eher vermutet, dass die Ritter von Barmstede, die in Krempe und Krempdorf über viel Land verfügten, an dem Kultivierungsprojekt beteiligt waren und auch die Stadtgründung veranlassten. So zeigt auch das Wappen Krempes neben 3 Fischen und dem Fluss Kremper Au. einen Wolfskopf . Dieser ist dem Familienwappender Ritter von Barmstede entlehnt.
Die holländischen Siedler übernahmen die Ortsbezeichnung "Krempe" vielleicht aus ihrer holländischen Heimat, wo es östlich von Rotterdam einen topographisch ähnlichen Ort namens "Krimpen" gibt.

Ursprünglich floss die Kremper Au mitten durch den Ort. Die Häuser standen beiderseits der Ufer auf Wurten, so dass die Lastschiffe direkt an den Ladetoren der Speicher festmachen konnten. Die Au war gut schiffbar und hatte über die Stör und die Elbe Verbindung zum Meer. (Heute wird sie südlich um Krempe herumgeführt. Sie wurde innerorts zugeschüttet und verrohrt.)

Infolge seiner günstigen Lage entwickelte sich Krempe immer stärker zum natürlichen Ausfuhrhafen für die agrarischen Überschussprodukte der ertragreichen Kremper Marsch und wurde im Laufe der Zeit zu einer vermögenden, wenn auch kleinen Handelsstadt, deren Ratsdelegierte ab 1470 zu den Landtagen geladen wurden. Zur wirtschaftlichen Blütezeit im 16. Jhd verfügte Krempe über eine Flotte von 19 Schiffen und trieb Handel bis in die Hafen Westeuropas. Die Festung - Aufbau..

Im Mittelalter war Krempe nur von einer einfachen Befestigungsanlage umgeben, die vermutlich aus einem Wall mit Palisaden, 4 Toren sowie zwei Gräben ("Borchgraven") bestand. Als König Christian III die Thronnachfolge im dänischen Reich antrat, musste er sich lange gegen militärische Anfeindungen zur Wehr setzen (Grafenfehde).
Zur Sicherung der Elbeals Südgrenze seinesHerrschaftsbereichs ordnete er den Ausbau Krempes zur Festung an und steckte l535 selbst die Lage derselben ab.
Das Bollwerk wurde unter Aufsicht des Statthalters Johann Rantzau gebaut (zeitgleich mit Rendsburg) und bestand aus einem hohen Erdwall und einem breiten Festungsgraben. Vier backsteinerne Stadttore sicherten die Zugänge zur Stadt. - Krempe wurde damals zur bedeutendsten Festung Holsteins nach Rendsburg .

In dieser Zeit (1541) wurde die Kremper Gilde als Brand- und Wehrgilde gegründet. Sie diente daneben zur Verstärkung der Festungsbesatzung, die selbst der Zeit entsprechend aus Berufssoldaten (Söldnern) bestand. - Die Gilde besteht auch heute noch als "Alte Kremper Stadtgilde" fort und hat vornehmlich geselligen Charaker zur Pflege des alten Brauchtums.

1595 veranlasste Christian IV. den Ausbau Krempes zu einer "modernen" Festung mit 6 Bastionen und 2 Tor-Ravelins. Der Festungswall und Der Burggraben wurden erheblich erweitert. Im letzten Ausbauzustand war der Graben 25 m breit und der Wall 4,5 Meter hoch.
Blickt man vom Mühlenberg auf den Burggraben,erhält man einen Eindruck von der Mächtigkeit des Bauwerks. Der Mühlenberg ist der Rest der ehemaligen Südost-Bastion der Kremper Festung. Er ist nach der "Wallmühle" (einer Windmühle) benannt, die 1779 dort errichtet worden ist. 1901 wurde sie abgebrochen und der Wasserturm gebaut.

Trotzdem erwies sich die Festung nicht als unbezwingbar, denn im 30-jährigen Krieg musste man sich nach 7-monatiger Belagerung den Truppen Wallensteins ergeben (14. November 1628).
1617 ließ Christian IV. eine neue Festung und Hafensadt direkt am Elbufer anlegen, da Krempe für die damaligen Seekriegsführung nicht mehr als Stützpunkt verwendbar war. Die neue Stadt und Festung lag direkt am Elbufer und hieß Glückstadt. Sie wurde reich mit Handels- und Steuerprivilegien ausgestattet und zog die Wirtschaftskräfte auch Krempes auf sich.
Zusätzlich geschwächt durchKriegsschäden und die Verschlammung der Kremper Au verarmte Krempe immer mehr, so dass es sogar das Rathaus eine Zeitlang verkaufen musste. Die Stadt konnte ihren militarischen Aufgaben nicht mehr gerecht werden. Auf Wunsch der Kremper und auf königlichen Befehl wurde deshalb die Festung um 1700 geschleift.

In der Folgezeit hatte Krempe keinerlei nennenswerte Bedeutung für Schleswig-Holsteins Geschichte. Erst als 1857 die Eisenbahnverbindung von Hamburg nach Elmshorn über Krempe hinaus verlängert wurde und Krempe einen Bahnanschluss erhielt, sammelte sich in Krempe wieder etwas Wohlstand, der jedoch mit der alten Blütezeit nicht zu vergleichen ist.


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