Bauanleitung elektronischer Diskettenlocher

Jeder C 64 User kennt das Problem mit den Diskettenaufklebern, will man seine gute Software vor dem Löschen oder gar vor dem Formatieren schützen:
Entweder die Aufkleber kleben zu schlecht, und nach spätestens zehn Diskettenwechseln fallen sie ab, oder sie kleben zu gut und man bekommt sie nicht mehr abgezogen, wenn man auf die Diskette doch noch etwas schreiben möchten.
Weiterhin unangenehm ist auch das Lochen der Diskette. Oftmals, wenn man einen Locher benötigt, hat man ihn gerade nicht zur Hand. Die meisten Disketten-10’er Packs besitzen jedoch nur 10 Schreibschutzaufkleber,und man ist gezwungen, will man seine Disketten wirklich alle komplett sichern, tief in die Tasche zu greifen, um sich die fehlenden Aufkleberim Fachhandel zu kaufen.
Alle oben angeführten Probleme beseitigt der „intelligente" elektronischeDiskettenlocher.
 

Das Prinzip:

Die Kerbe der Diskette wird in der Floppy durch eine Lichtschranke (Infrarot-LEDund Infrarot-Fototransistor) überwacht. Die Überwachung hat zweiwichtige Aufgaben:

1.  Bei unterbrochener Lichtschranke (Schreibschutzaufkleber auf der Disk) wird kein Schreibzugriff auf die Diskette vorgenommen.
2.  Diskettenwechsel werden durch die Impulse, die sie an der Lichtschranke erzeugen, erkannt.

Um nun ein Beschreiben einer ungelochten Diskette zu ermöglichen, muß man nur den Fototransistor überbrücken. Man könnte dies natürlich mit einem einfachen Schalter machen, aber dann erkennt das Laufwerk keinen Diskettenwechsel. Die Floppy vergleicht nun aber bei jedem Diskettenzugriff den Diskheader auf der Diskette mit dem bereits Eingelesenen im DOS-Speicher. Trifft nun keine Übereinstimmung zu, welches beim „unbemerkten Diskettenwechsel" der Fall wäre, gibt dieFloppy als nächste Handlung einen Fehler namens DISK ID MISMATCH aus.

Die Schaltung:

Disklocher - Bild 1
BILD 1 - Schaltung

BILD 1 zeigt die Schaltung die so aufgebaut ist, daß alle Diskettenwechsel erkannt werden und zusätzlich ein „Entschärfen" des Schreibschutzes ermöglicht. Der Einfachheit halber habe ich mich bei der Entwicklung der Schaltung auf ein Minimum an Bauelementen beschränkt. Die Bauelemente sind im Fachhandel (z. B. Conrad Electronic) schon fü r unter 5,- EUR erhältlich. So steht selbst Anfängern einem Nachbau nichts mehr im Wege. Als IC kommt ein SN 7400 (oder SN 7437) zumEinsatz. DIE NAND-Gatter dieses IC’s ermöglichen eine optimale Verknüpfung von Fototransistor, Taster zum „Entschärfen" des Schreibschutzes und 2-fach-LED (für die „unscharf/scharf" Anzeige). Für einen IC und drei Widerstände lohnt es sich nicht, eine Platine zu entwickeln bzw. die Schaltung auf eine Lochrasterplatine aufzubauen. Ich habe den IC einfach auf den „Rücken" gelegt und ihn - wie in BILD 2 ersichtlich - verdrahtet. Kurze Pin zu Pin - Verbindungen des 7400 (bzw. 7437) realisiert man durcheinfaches Zusammenbiegen und Verlöten der Pins. Für die längerenVerbindungen benutzt man einige kurze Drahtstücke, die man mit den entsprechenden Pins verlötet. Zum Einen ist dabei auf möglichst geringe Lötzeiten zu achten und zum Anderen darauf, daß sich die Pins, die sich laut BILD 2 nicht berühren dürfen, auch wirklich nicht berühren. Die Leitungen, die später zum Taster, zur LED, Masse (GND) und +5V führen, habe ich ausreichend lang gelassen (lieber etwas länger als zu kurz, denn kürzen kann man immernoch).
 

Disklocher - Bild 2
BILD 2 - Verdrahtung

Der Einbau:

Zuerst erfolgt der mechanische Einbau. Dazu wird zunächst die Floppy vom Netz (!) getrennt und aufgeschraubt. Bei der 1541/II wird nun der Floppyknebel abgezogen und die Frontblende  abgenommen. Jetzt noch schnell diekleine Platine mit der POWER- und DRIVE-LED abgeschraubt, und schon läßtsich die Frontblende komplett von der Floppy lösen. Als nächsten Schritt müssen in die Blende Löcher für den Taster und 2-fach-LEDgebohrt werden. Die Lage der Löcher ist jedem selbst überlassen (z. B. in der linken oberen Ecke über den POWER- und DRIVE LED’s).Besitzer einer 1541/I, 1570/I und 1571/I können die Löcher auchz. b. in die Frontpartie  des Deckels bohren. Ich habe mich für eine LED mit 5 mm Durchmesser entschieden, also benutzte ich einen 5,0mm Bohrer. Als Taster benutzt man am besten einen Taster für Frontmontage.Diese können die unterschiedlichsten Einbaudurchmesser haben. Nachdemdie Löcher gebohrt wurden, können LED und Taster eingebaut werden.Die LED setzt man mit einem Tropfen Sekundenkleber ein, der Taster wird festgeschraubt. Der nächste Schritt besteht aus dem Befestigen des 7400 - IC’s. 1541/II - Besitzer kleben ihn am besten mit dem Rücken (Pins zeigen nach oben) auf die linke Seite des Laufwerkchassis. Bei der1541/I oder anderen Laufwerken kann man ihn auch einfach auf einen der40-poligen IC’s kleben. Nachdem alle Bauteile mechanisch eingebaut sind,erfolgt nun der elektrische Anschluß. Die Zweifarb-LED und der Tasterwerden nach BILD 2 angeschlossen. Beim Anschluß der LED istauf die richtige Polarität zu achten. Der Mittelanschluß ist die gemeinsame Kathode (geht über Widerstand R3 gegen Masse; sieheBild 2). Einer der beiden äußeren Anschlüsse ist ewas kürzer als der Andere. Der Kürzere ist der Anschluß für die rote, der Längere für die grüne Leuchtstufe. Zur Not hilft aucheinfaches Ausprobieren (ohne Diskette muß die LED später grünleuchten; leuchtet sie in diesem Moment jedoch rot, so muß man nurdie Leitungen zu den äußeren LED-Pins vertauschen). Jetzt wird die Versorgungsspannung (+5V und GND) des 7400 angelötet. Auch hierbei ist unbedingt die richtige Polung zu beachten, da bei falscher Polung der7400 sofort zerstört wird. Bei den Floppy’s 1541/I, 1570/I und 1571/Ilötet man die +5V-Leitungen einfach auf Pin 14, die GND-Leitung aufPin 7 eines beliebigen 14-poligen TTL-Chips auf der Platine (Aufschrift:74LS...)
 
Disklocher - Bild 3a
BILD 3a
Disklocher - Bild 3b
BILD 3b

Bei der 1541/II wird die +5V-Leitung auf den linken Anschluß des Widerstands R32 gelötet (dieser Anschluß ist auf eine etwas dickere Leiterbahn gelötet). Er befindet sich direkt vor den DIP-Schalternfür die Laufwerksnummernumschaltung. Die GND-Leitung wird oben auf das Metallchassis der POWER-Buchse des Laufwerks gelötet. Die letzten Anschlüsse sind die beiden Leitungen, die zwischen Fototransistor und Hauptplatine gelegt werden. Dazu ist die Leitung vom Fototransitorzur Hauptplatine zu unterbrechen. Die beiden entstandenen Enden „E" und„A" werden nun, wie in den BILDERN 2 und 3a (bzw. bei der 1541/II Bild3b) ersichtlich, mit den entsprechenden (vom 7400 kommenden ) Leitungenverbunden. Die Lötstellen werden mit Isolierband isoliert. Nach einer Kontrolle auf unerwünschte Lötspritzer kann die Floppy wieder zusammengebaut werden, und es erfolgt der erste Test.
Schaltet man jetzt die Floppy ein, so leuchtet die neu eingebaute LEDzunächst grün (wenn keine Diskette im Laufwerk ist). Legt man nun eine schreibgeschütze Diskette ein, springt die Zweifarb-LED sofort auf Rot um und signalisieren damit, daß diese Diskette nicht beschreibbar ist. Möchte man aber doch etwas auf diese Diskette speichern, so drücktman jetzt nur noch kurz auf den Taster, und schon springt die Farbe derLED wieder auf grün um, und der Datenspeicherung steht nichts mehr im Wege. Nach einem Diskettenwechsel jedoch springt die LED sofort wiederum schützt somit alle nächstkommenden schreibgeschützten Disketten, bis man sie wieder von Hand mit den Taster „entschärft".
Bei Disketten ohne Schreibschutz (gelochte Disketten ohne Aufkleber)verhält sich die Floppy wie gewohnt. Die LED signalisiert „Freigabe"(sie leuchtet grün) und die Disketten können wie gewohnt und ohne „Tastenlochung" beschrieben werden.
Ich habe den elektronischen Diskettenlocher schon seit mehreren Jahrenin meinen beiden 1541/II-Floppy’s und er funktioniert seitdem 100-%ig tadellos.
 

Stückliste:
 
ICSN 7400 (oder SN 7437)
R110 kOhm Widerstand
R210 kOhm Widerstand
R31,2 kOhm Widerstand
LEDZweifarb-LED rot/grün mit gemeinsamer Kathode und drei Anschlüssen
TasterMiniaturtaster für Frontmontage

 

 
  Schaltung, Layouts, Texte, Grafiken und Bilder sind  © by Gero Ihde

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