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Sommertour 2011 - Nach Diex in Südkärnten

Der morgendliche Blick aus dem Fenster nach dem Aufwachen bestätigte mir, jaaa, ich war in den Alpen angekommen. Die Berge sahen deutlich höher aus als die in den Mittelgebirgen, die ich in den vergangenen vier Tagen bereiste. Nachdem ich Kochel verlassen hatte fuhr ich über den Kesselbergpass zum Walchensee. Schöner kann man einen Motorradtag nicht beginnen als auf dieser ehemaligen Bergrennstrecke. Da viele Motorradfahrer die mit weiten, schnellen Kehren ausgestattete Strecke leider immer noch als Rennstrecke benutzen, sind die Behörden gezwungen, für Motorradfahrer das Tempo auf 60 Km/h zu beschränken und dies mit einigen Blitzern scharf zu kontrollieren. An den Wochenenden und Feiertagen ist die Kesselbergstraße für Motorräder ganz gesperrt. Der ständige besorgte Blick auf den Tacho verleidete mir doch etwas die Fahrt zum Walchensee. In einer der Applauskurven machte ich eine kleine Pause um einerseits den Blick hinunter zum Kochelsee mit den hohen Bergen im Hintergrund schweifen zu lassen und andererseits mochte ich auch die anderen vereinzelten Motorradfahrer beim Zug um die Kurven beobachten.

Viel zu schnell erreichte ich den Walchensee. Der See hat in etwa die Form eines Dreiecks dessen Spitze nach Norden zeigt. Ich kam den Pass herunter vom Norden genau auf die Spitze zu und folgte dem Seeufer auf der Westseite. Am südlichen Rand des Sees machte ich einen Schwenk nach Osten und blieb auf der mautpflichtigen Uferstraße bis zum östlichsten Zipfel des Walchensees. Mit einem langen Rundumblick nahm ich Abschied vom Walchensee, den ich zu zwei Dritteln umrundet hatte, und steuerte den bekannten Wintersportort Lenggries im Nordosten des Sees an. In Lenggries hielt ich mich nicht lange auf sondern scarvte weiter nach Süden zum Sylvensteinsee, der durch das Anstauen der Isar entstand. Von hier sind es nur wenige Kilometer bis zum Achenpass an der österreichischen Grenze. Binnen 20 Minuten überquerte ich auf der B 307 drei Mal die deutsch-/österreichische Grenze ehe ich endgültig in Tirol blieb. Vom Achenpass rollte ich hinunter nach Süden zum Achensee, überquerte bei Jenbach die Inntalautobahn und den Inn und fand mich schnell im Zillertal wieder. Damit hatte ich die Ausläufer des Karwendelgebirges hinter mir gelassen und schraubte mich im Zillerttal in die Höhe. Das vielbesungene und romantische Zillertal bot sich mir ganz anders dar. Nämlich LKW-verseucht. An ein vernünftiges Motorradfahren war gar nicht zu denken.

Das nördliche Zillertal zwischen den Tuxer und Kitzbühler Alpen ist für ein Alpental ziemlich breit. Im Zillertal geht es nur moderat nach oben, steil wurde es erst, als ich über Hainzenberg in das Gerlostal nach Osten abbog. Die Gerlos-Straße ist die Verbindung des Zillertales in Tirol mit dem Pinzgau im Salzburger Land. Auf ihr sind ca. 1000 Höhenmeter zu überwinden, an einigen Stellen kann man ganz gute Erfahrungen im Befahren von Hochgebirgsstraßen sammeln. Dazu das herrliche Hochgebirgs-Panorama mit den Gletschern der Großvenedigergruppe oder der Krimmler Wasserfälle. Mit 390 Metern Fallhöhe in 3 Fallstufen sollen es die höchsten Europas sein. Ich fand so manchen Norwegischen Wasserfall an den Fjorden imposanter.

Meine Reise ging weiter nach Osten, erst kam Mittersil und Bruck an der Glocknerstraße, dann St. Johann und Altenmarkt im Pongau und schließlich Radstadt ehe ich nach Süden abbog. Von Mittersil bis Radstadt fuhr ich wie im Zillertal in der Autoschlange mit. Schade um das teure Benzin. Nachdem es in weitem Umkreis keine Alternativrouten gibt muss der ganze Verkehr zwangsläufig hier durch.

Über den Radstädter Tauernpass gelangte ich nach Kärnten. Schon in vorrömischer Zeit wurde dieser Alpenübergang angelegt. Die Römer bauten die Passstraße zu einer Militärstraße erster Ordnung aus um ihre Legionen schnell von Italien zur Nordgrenze des Reiches verlegen zu können. Einige Meilensteine aus Marmor aus der Römerzeit sind am Straßenrand noch erhalten.

Dann gönnte ich mir noch die Fahrt über die Turracher Höhe. Dieser Pass in den Nockbergen im westlichen Teil der Gurktaler Alpen ist auf 1.795 m Seehöhe. Ich musste also wieder einmal aus den Tälern heraus mindestens 500 Höhenmeter erklimmen und mich mit meinem Scarver auch wieder runterschwingen. Meine kleine BMW ist auf diesen sehr kurvigen und schwungvollen Bergstraßen in ihrem ganz natürlichen Lebensraum. Auf diesen Straßen macht Motorradurlaub richtig Spaß. Auf der Abfahrt ist ein längeres Stück mit 23% Gefälle ausgeschildert. Da geht es enorm steil bergrunter. Gut, dass mein Scarver eine sehr gute Motorbremse hat. Andernfalls könnte man hier die Bremsscheiben zum Glühen bringen.

Es ging immer weiter nach Süden. Aber die Pässe lagen nun alle hinter mir. Ich setzte meine Reise im Klagenfurter Becken fort. Klagenfurt, die Landeshauptstadt von Kärnten am Wörthersee, blieb etwas südlich von mir. Großstadtverkehr konnte ich an diesem herrlichen Urlaubstag wirklich nicht gebrauchen. Stattdessen machte ich einen Schwenk nach Osten und dann nach Nordosten bis ich auf einem Bauernhof in Diex, einem ganz kleinen Bergdorf in Südkärnten den Motor ausmachte und mit meinem Gepäck das bestellte Zimmer bezog.

Die Umfahrung des Klagenfurter Verkehrs gelang mir perfekt. Obwohl ich laut einer Straßentafel nur 11 Kilometer vom Zentrum der Metropole entfernt war zog ich ganz einsam meine Kreise auf ganz schmalen, kurvigen Bergstraßen. Ich kenne jetzt die Schleichwege im Norden von Klagenfurt!

Ca. 15 Kilometer vor Diex war ich mit einem Freund aus einem Motorradforum verabredet. Wir waren beide pünktlich am Treffpunkt. Zusammen fuhren wir hoch nach Diex, dass auf über 1.600 m Höhe liegt. Zunächst landete mein Gepäck auf dem bestellten Zimmer eines Bergbauernhofes oberhalb von Diex. Dann fuhren wir hinunter zum örtlichen Gasthof. Während wir einige Motorraderlebnisse austauschten gönnte ich mir ein leckeres Schnitzel mit Beilagen. Mein Freund hatte schon zu Hause gegessen. So konnte ich ihn nur zu einem Getränk einladen. Dafür bekam ich von ihm jede Menge Tipps von seinen Hausstrecken für die Weiterfahrt am nächsten Tag. Die Tipps hatte ich mir schon im Winter abgeholt und in meine Tour eingebaut.

Ach ja, es war der erste ganz trockene Tag auf meiner diesjährigen Tour. Zumindest von oben wurde ich nicht nass. Nasse Straßen hatte ich schon an einigen Stellen.

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Sommertour 2011 - Nach Admont in den Ennstaler Alpen

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