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Sommertour 2011 - Nach Freudenstadt im Schwarzwald

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen zeigte mir, dass der Wetterbericht stimmte. Es war nass, also startete ich zunächst im Regenzeug. Ich hatte es wenigstens nicht umsonst eingepackt. Bis weit in den Nachmittag hinein nieselte es leicht. Aber nur beim Fahren. Im Stehen bekam ich kaum etwas auf mein Haupt. Oder war das gar kein Regen sondern Heiliger Geist, der an diesem Pfingstmontag auf mich herabkam?

Nach ca. 30 Minuten hatte ich den Naturpark Nassau verlassen und erreichte bei St. Goarshausen wieder den Rhein, dem ich ein Stück flussaufwärts am Ostufer folgte. Schon von weitem sah ich den imposanten Loreley-Felsen. Kleine und größere Veranstaltungen wie das alljährliche "Rhein in Flammen" oder die Events auf der Loreley-Freilichtbühne rahmen eine der schönsten Landschaften Deutschlands ein. Der Rhein, das Schiefergebirge und der Weinanbau sind prägende Eigenschaften des Durchbruchstales durch das Rheinische Schiefergebirge. Das Obere Mittelrheintal mit dem besonderen Highlight des 132 Meter hohen Loreleyfelsens ist 2002 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden. Ich gönnte mir den Blick vom Felsen auf die enge und rauschende Flussbiegung. Da ich keine langen, blonden Haare habe und auch nicht singen kann, brauchte kein Schiffer wegen mir sein Schiff an den Felsen versenken.

Ich blieb noch ein Stück am Ostufer des Rheins und wechselte dann mit der Fähre bei Kaub auf die linksrheinische Seite. Von der Fähre aus hatte ich einen schönen Ausblick auf die Zollburg Pfalzgrafenstein aus dem 13. Jhdt., die auf einer Felseninsel im Rhein erbaut wurde. Erst als beide Rheinufer 1867 preußisch wurden verließen die letzten Zöllner die Burg. Bei Bingen verließ ich den Rhein um wieder etwas mehr über die Höhenzüge der Mittelgebirge des Nordpfälzer Berglandes und des Pfälzerwaldes zu scarven. Vorbei an Bad Kreuznach, Kaiserlautern, Neustadt an der Weinstraße und Landau an der Pfalz steuerte ich die Rheinfähre bei Leimersheim im Norden von Karlsruhe an. Ein herrliches Stück Motorradtour seit Bingen lag nun hinter mir. Die Straßen im Pfälzer Wald rund um den bekannten Bikertreffpunkt Johanniskreuz sind genau so steil, schmal und kurvig wie viele Alpenpässe.

Nach der Überquerung des Rheins galt es wieder geschickt zwischen Karlsruhe und Pforzheim wenig befahrene Schleichwege in den Nordschwarzwald zu finden um nicht im dichten Verkehr zu versinken. Das gelang mir dank Navihilfe ganz gut, trotzdem war ich froh, als ich mich auf Bad Herrenalb zu bewegte und damit diese verkehrsreiche Gegend hinter mir gelassen hatte. Im Schwarzwald wartete die eine oder andere Spitzkehre über kleinere Pässe auf mich. Zumeist aber war ich auf sehr kurvigen Landstraßen schön schwungvoll unterwegs. Von Bad Herrenalb zunächst nach Südwesten in Richtung Baden-Baden. Ein Stückchen nach Gernsbach an der Murg änderte ich die Richtung leicht nach Südosten. Über einige herrliche Bergstraßen stieß ich bei Forbach wieder auf das Murgtal. Ich hatte damit das breite, untere Murgtal umfahren. Von Forbach flussaufwärts an ist das Murgtal aber eine von Klippen durchsetzte enge und wilde Waldschlucht. Der kleine Fluss hat hier tiefe Einschnitte in das Gebirge gemacht und die Straßenbauer quetschten noch die B462 daneben in das dadurch geschaffene Tal. Zuletzt brachte mich die B 294 bis nach Freudenstadt. Es war auch schön nach den vielen engen und steilen Kurven die Maschine zumeist mit Tempo 100 auf der Bundesstraße rollen zu lassen. Nach einem langen aber sehr schönen Urlaubstag mit meiner kleinen BMW bezog ich hier in einer kleinen Privatpension mein Nachtquartier.

Nachdem ich ausgepackt und mich umgezogen hatte machte ich mich auf in die Stadt um zu Abend zu essen und vor allem, um heraus zu bekommen, wo die nächste BMW-Werkstatt wäre. Mein Klemmschraubenproblem hatte sich ja nicht von alleine gelöst. Mit dem Zahnriemen etwas seitlich auf der Riemenscheibe war ich den ganzen Tag problemlos gefahren. Am Wegesrand in Freudenstadt sah ich eine rote F 650 vor einer Villa stehen. Es war ein kleines Ärztehaus. Ob wohl am Feiertag am Abend jemand da wäre? Egal, die Maschine stand ja auch vor der Tür, also klingelte ich bei allen Arztpraxen. Tatsächlich meldete sich jemand. Es war der Besitzer der F 650. Er kam zu mir und schon hatte ich den gewünschten Namen der nächsten BMW-Werkstatt in einem Nachbarort von Freudenstadt. Der nettesten und hübschesten Kellnerin von Freudenstadt leierte ich beim Abendessen das regionale Telefonbuch heraus. So kam ich an die genaue Adresse und Telefonnummer der Werkstatt. Vielen Dank noch mal an den BMW-Fahrer aus Freudenstadt für seine Hilfe.

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Sommertour 2011 - Nach Kochel am See in Oberbayern

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