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Sommertour 2005 - Nach Talle im Weserbergland

Dieser Freitag sollte nicht so heiß werden wie die ganze Woche davor. Das sollte mir nur recht sein, ich hatte kein frisches T-Shirt mehr dabei. Bei Beginn der Reise vor 14 Tagen war der Sommer noch nicht in Deutschland angekommen. Es war zu kalt und zu nass für den Juni. Also packte ich zu den T-Shirts auch einige Hemden mit langen Ärmeln ein. Da mein Platz sehr beschränkt ist zähle ich alles ab was mitkommt. Das heißt, für jedes Hemd blieb ein T-Shirt zu Hause. Bei den bisherigen Touren war ich mit meiner Mischung immer gut hingekommen. Und diesmal? Der Himmel war am Morgen bedeckt mit Wolken, aber es hatte um 8:00 Uhr bereits 19 C. Bis um die Mitte des Nachmittages schwankte die Temperatur so um die 25 C. Dann wurden es doch noch 30 C bei blauem Himmel. Der Verkehr war den ganzen Tag wesentlich geringer als an den Tagen zuvor. Einzig Kassel war dicht bei meiner Route.

Die Tagesetappe begann in Fellen, mitten im Spessart. Von hier fuhr ich nach Nordwesten in Richtung Gedern und Schotten. Bis dahin war ich fast nur auf kleinen Waldstraßen unterwegs, die mir fast alleine gehörten. Ein paar hundert schöne Kurven brauche ich bestimmt nicht extra erwähnen. Von Gedern bis Flensungen befuhr ich die legendäre B 276, die schöne Strecke um den Vogelsberg. Bis Romrod war ich auf der B 49 unterwegs. Ich hoffte hier flott voranzukommen. Das Zwischenstück vom Spessart bis Schwalmstadt / Bad Wildungen / Edersee sollte möglichst einfach überbrückt werden. Die Landschaft hier in Hessen ist recht abwechslungsreich. Wald, Felder und Dörfer sind auf viele Hügel verteilt. Die Straßen gehen mal über die Hügel geradeaus - na ja - mal schlängeln sie sich durch die Hügel - schon viel besser. Ab Romrod fuhr ich ein kurzes Stück auf der Landstraße bis zur B 62. Diese mündet vor Kirchhain in die B 454, auf der ich nach Nordosten weiterfuhr. Über Neustadt in Hessen kam ich nach Schwalmstadt.

Ab hier wollte ich durch den Wald nach Jesberg fahren. Es ist die alte Poststraße und für ca. sieben Kilometer im Wald nicht asphaltiert. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich eine andere Strecke nach Jesberg gewählt. Die Straße ist für Land- und Forstwirtschaftliche Fahrzeuge recht ordentlich geschottert. Für kleine Hondas ist sie eher nicht geeignet. Die Steine krachten unter den Reifen, wenn sie wegspritzten. Die Maschine war ständig am schwimmen. Zurück wollte ich auch nicht mehr. Ich packte die CB 500 fest am Lenker und fuhr so mit 30 km/h im 2. Gang durch den Wald. Dabei blickte ich nicht direkt vor das Vorderrad sondern etwas weiter voraus und hoffte, dass dieses Straßenstück bald zu Ende sein würde. Dann kam mir der Förster in einem Geländewagen entgegen. Wir hielten beide an. Als erstes erklärte er mir, dass ich im Wald gar nicht fahren durfte. Die Tafel am Waldrand hatte ich wohl übersehen, sagte ich ihm. Außerdem war mein GPS-Gerät der Meinung, ich dürfe hier sehr wohl fahren. Und hielt das auch noch für die beste und schnellste Route. Na ja, gut dass der Mensch wenigstens noch in einigen Bereichen der Computertechnik überlegen ist. Wir hatten dann einen netten Plausch. Ich erzählte von meiner Reise und er von der Gegend und den Besonderheiten des hessischen Waldes. So erfuhr ich beispielsweise, dass Hessen das waldreichste Bundesland ist. Das hätte ich nicht gedacht. Ich war sehr froh als ich kurz vor Jesberg wieder Asphalt unter den Rädern hatte.

Auf der B 3 war Bad Zwesten schnell erreicht. Auf der B 485 ging es um Bad Wildungen herum dem Edersee entgegen. Dieses Stück Bundesstraße machte mir großen Spaß. Immer mehr Motorräder begegneten mir. Viele, viele Harleys waren dabei. In Affoldern angekommen wusste ich auch warum. Es war an diesem Wochenende ein großes Harley-Treffen am Edersee. Eine kleine Zeltstadt war am entstehen und das bunte Rahmenprogramm war bereits voll am Laufen. Zwei sehr spärlich bekleidete Mädels tanzen auf kleinen Bühnen und heizten den Zuschauern ein. Mir war so schon heiß genug. Warum müssen Harleys eigentlich so laut sein? Der Sound so mancher schweren Maschine versetzte mir so richtig Schläge in die Magengegend. Weiter oben an der Staumauer standen wie immer viele Motorräder geparkt. Hier kann man in Ruhe die schöne Landschaft mit dem See genießen und dabei ein Eis schlecken. Als ich danach den Tankrucksack von einer Parkbank hob um wieder zur CB zu gehen, hatte ich vergessen, den Reißverschluss zuzumachen. Schwupps, lag der ganze Inhalt auf dem Boden. Das kann ja mal passieren. Der Tankrucksack war schnell wieder gepackt. Knapp oberhalb der Staumauer war die Straße leider gesperrt. Eine der vielen Baustellen hatte eben auch die Straße am Nordufer des Edersees lahm gelegt. Schade, schade, aber es war nicht zu ändern. Das war bestimmt auch schade für die vielen Harley-Fahrer am See.

So musste ich auf der B 85 nach Korbach fahren. Das ist zwar kein Umweg von Affoldern aber weit nicht so schön wie über die Seeuferstraße und Vöhl. Weiter führte mich mein Weg über Adorf, Bad Arolsen, Volkmarsen, Breuna usw. bis Beverungen, meinem südwestlichsten Punkt des Weserberglandes. Vorher machte ich noch eine Pause am Twiste-Stausee. Das Weserbergland durchfuhr ich von Beverungen bis Kalletal, das ist kurz vor Vlotho im Nordwesten des Weserberglandes. Mal auf Bundesstraßen, meist auf Landstraßen. Waldgebiete wechseln mit Wiesen und Feldern. Kleinere und größere Dörfer säumten meinen Weg. Das Weserbergland ist mehr ein Hügelland. Selbst der Harz in der Nähe hat mehr Gebirgscharakter. Trotzdem, die Kurven sind überall schön. Zumal es am nächsten und letzten Tag meiner Sommertour 2005 nicht mehr so viele davon geben sollte. So ging auch dieser vorletzte Tag schön zu Ende.



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Sommertour 2005 - Nach Hause nach Jarplund-Weding

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