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Sommertour 2005 - Nach Vogtendorf im Frankenwald

Der Blick aus dem Fenster um 7:00 Uhr morgens zeigte mir blauen Himmel mit einigen weißen Wolken. Dann der Blick nach unten zur Straße, alles trocken. Der Tag konnte kommen. Es hatte wieder so um die 10░ C. Ich zog mich etwas wärmer an als am Vortag. Das war auch gut so. Vor mir lagen schließlich die Berge des Harzes und Thüringer Waldes. Dort würde es bestimmt noch kühler werden. Hauptsache trocken, dachte ich, und fuhr los.

Durch den Elm/Lappwald gelangte ich zur B 244. In Badersleben bog ich ab auf die Landstraße und gelangte so über einige weitere Dörfer nach Heimburg. Von hier sind es 11 Kilometer bis Elbingerode. 11 Kilometer nur Wald, und eine Kurve nach der anderen, immer bergauf. Dabei ist nur eine Spitzkehre. Alle anderen Kurven kann man schön flüssig durchziehen. Was für ein toller Einstieg in den Harz! In Rübeland wollte ich rechts abbiegen um über die Staumauer der Rapbodetalsperre zur B 281 zu gelangen. Eine Baustelle ließ das nicht zu. So folgte ich den Umleitungsschildern und blieb auf der B 27 bis Hüttenrode kurz vor Blankenburg. Jetzt aber nach rechts und im Almsfeld auf die B 81 in Richtung Süden. Nach wenigen Minuten auf der B 81 fing es an zu regnen. Um es kurz zu machen - es regnete bis nach der Überfahrt über den Kyffhäuser. Eine meiner Lieblingsstrecken im Harz ist von Hasselfelde nach Ilfeld. Oder umgekehrt, aber nicht bei Regen. Harz und Regen, das gehört irgendwie zusammen. Man muss schon Glück haben wenn man trocken durch den Harz kommen will. Am Wochenende vorher war ich vier Tage im Weserbergland und Harz auf Tour - natürlich bei Regen!

Meine Tour ging weiter über Neustadt, Rottleberode, Berga und Kelbra zum Kyffhäuser. In Rottleberode fuhr ein blauer Kleinwagen vor mir. Der wurde auf einmal ganz langsam, fuhr ganz nach links auf die Gegenfahrbahn. Jetzt konnte ich den Grund sehen. Auf unserer Fahrbahn stand ein Schwan. Die Flügel aufgestellt, den Hals weit nach vorne gestreckt, den Schnabel offen lief er auf das Auto zu um es anzugreifen. Der blaue Kleinwagen war schneller als der weiße Schwan. Das geht doch nicht, dass wir einfach seine Straße benutzen! Aber hinter dem Auto kam ich, ebenfalls ganz links fahrend. Der Schwan stürmte heran, ich hob den rechten Stiefel, gab Gas und . . . war vorbei ohne ihn abwehren zu müssen. Er war einfach zu langsam, das hat ihn gerettet.

Auf meinem Weg zum und über den Kyffhäuser begegnete ich bestimmt 100 Motorradfahrern. Alle hatten wohl gedacht es würde schön werden an diesem Sonntag. Aber so musste ich bei Regen die 36 Spitzkehren hoch zum Kyffhäuser und die 12 Kilometer im Süden runter nach Bad Frankenhausen fahren. Kurvenlinie, Schräglage und Geschwindigkeit glichen wohl eher einem Fahrschüler in der dritten Fahrstunde. Krampfhaft kämpfte ich mich über diesen Berg. Nur nicht stürzen, und sich dabei verletzen und meine kleine Honda verbeulen und verkratzen. Nach dem Kyffhäuser ging es weiter nach Sondershausen. Weiter auf der B 4, B 249 und B 84 in einem Bogen zum Thüringer Wald. Der Regen hatte irgendwann dazwischen aufgehört. Die Temperatur stieg von 7░ C auf 14░ C. Wir hatten schließlich Juni. Da sind 14░ C Tageshöchstemperatur ja nicht zu viel verlangt, oder?

Der Thüringer Wald war fast Neuland für mich. Im letzten Jahr war ich von Süden her schon einmal durch den Thüringer Wald gefahren. Ich erinnerte mich an viele, viele schlechte Straßen und viele Baustellen, die mich ständig von meiner geplanten Route runter zwangen. Diesmal war alles anders. Gutes Wetter, gute Straßen, meist jedenfalls, und ein Straßenverlauf wie für mich gemacht. Natürlich eine sehr schöne Landschaft drumherum. Von Tabarz fuhr ich über Brotterode, wo ich einen Wasserfall bewunderte, Trusetal, Seligenthal, Schmalkalden usw. bis Oberhof. Hier verweilte ich etwas um die großen Sprungschanzen neben der Straße zu bestaunen. Eine holländische Motorradgruppe tat es mir gleich. Oberhof ist ein durch das Fernsehen bekannter Wintersportort. Aber auch in allen anderen Orten begegnet man ständig dem Wintersport. Überall sind Hinweisschilder zu den Liftanlagen, zu den Sportgeschäften mit der Möglichkeit sich die Schiausrüstung auszuborgen, viele, viele Hotels und Pensionen und was sonst noch so alles dazugehört. Auch einige Sommerrodelbahnen gibt es hier. Und im Sommer viele Wanderer und Motorradfahrer. Früher war wohl der Bergbau eine wichtige Einnahmequelle für die Bevölkerung. Heute sind viele Bergwerke Museumsbergwerke. Heute ist neben dem Wintersport wohl die Forstwirtschaft ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig im Thüringer Wald. An vielen Stellen liegen neben der Straße ganze Berge von bereits geschälten Baumstämmen und warten auf den Transport in die Sägewerke.

In der Nähe von Oberhof sah ich einen Stein mit der Inschrift 964 m über null. Von nun an ging es bergab. Über Neustadt am Rennsteig, Gießübel bis Katzhütte. 45 Kilometer nur bergab. Meine Arme und Schultern fingen schon leicht an zu Schmerzen. Alle Straßen waren nun auch nicht neu. Es waren schon einige üble Flickstellenstraßen dabei. Auf denen wird man gut durchgeschüttelt. Am Vormittag muss ich mich immer zwingen einige kleine Pausen einzulegen. Am Nachmittag habe ich kein Problem mit den Pausen. Bei so Straßen vergesse ich sie bestimmt nicht. Auffällig im Thüringer Wald sind die vielen grauen Schiefertafeln auf den meisten Häusern. Die Außenwände und die Dächer sind damit verkleidet. Sogar die Kirchen und die Kirchtürme sind ganz grau. Selten sieht man ein rotes Ziegeldach oder Außenmauern die nicht mit meist grauen Schiefertafeln verkleidet sind. Wenn man nun von den Bergen hinunter durch den Wald in die Dörfer kommt und sieht die in die Steilhänge hineingeduckten grauen Häuser, meint man, man wäre in einem Märchenwald.

Ab Katzhütte geht es wieder im Wechsel bergauf und bergab. Ich fuhr weiter nach Osten, über Neuhaus am Rennsteig, Lichte, Gräfenthal, Probstzella nach Großgschwenda. Dann weiter nach Süden über Lichtentanne, Schmiedebach, Lehesten, Brennersgrün, Tschirn, Wilhelmsthal und Unterrodach nach Kronach. Aber halt - irgendwo bei Lehesten oder Brennersgrün stand eine Tafel "Willkommen im Frankenwald". Der Thüringer Wald geht also nahtlos in den Frankenwald über. Der Wald und die Berge sind die gleichen. Nur die Häuser sind auf einmal nicht mehr so grau. Sie sehen wieder énormal' aus. Kurz vor 19:00 Uhr erreichte ich mein Quartier in Vogtendorf bei Kronach. Auch wenn Harz und Kyffhäuser schon wieder ins Wasser fielen, die Fahrt durch den Thüringer Wald und den Frankenwald hat riesigen Spaß gemacht.

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Sommertour 2005 - Nach Haidmühle im Bayrischen Wald

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