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Jubiläumstour 2013 - Nach Hallstatt im Salzkammergut

Am Morgen zeigte sich abgesehen vom Frühnebel der Himmel recht freundlich. Das gute Frühstück in der Pension steigerte noch meinen Optimismus. Ja, ich war recht optimistisch heute mal bei Kaiserwetter die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf dem Großglockner erleben zu können. Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg.

Von Kirchberg nach Kitzbühel sind es vielleicht 10 Minuten zu fahren. Der Motor meines kleinen Einzylinders war gerade warm geworden als ich auf der Bundesstraße, die um das Zentrum von Kitzbühel herum führt, im Stau stand. Es ging nur zäh voran an diesem Mittwoch im August um halb neun. Meine gute Laune war dahin. Ich bog deshalb nicht ab um mir das bestimmt schöne Zentrum des weltberühmten Schiortes anzusehen. Was muss hier erst los sein am Hahnenkammwochenende, jedes Jahr Ende Januar. Kitzbühel bekam kein Foto von mir, würde Heidi Klum sagen. Ich hielt nicht an und verließ den Ort mit dem Blick auf das imposante Bergpanorama gerichtet, nach Süden, auf der Paß-Thurn-Straße nach Mittersil. Das heißt, ich schwamm im flüssig rollenden Verkehr so mit. Der Verkehr wurde auch nicht weniger auf meinem Weg nach Zell am See. Ein paar Kilometer weiter kam ich nach Bruck an der Glocknerstraße. Hier machte ich einen Rechtsschwenk zur Großglockner Hochalpenstraße - und konnte endlich wieder normal Motorradfahren. Durch die hohen Berge Tirols und dann Salzburgs im Pinzgau gibt es von Kirchberg bis Mittersil leider keine kleinen aber freien Nebenstraßen für uns, die ich hätte benutzen können.

Bei Kaiserwetter über diese Königin der Hochalpenstraßen zu fahren ist schon etwas besonderes. Etwas Besonderes ist auch der Preis von 23 € für eine Motorradtageskarte. Trotz dieses Preises war viel los auf der Straße und den Aussichtspunkten. Von Fahrradfahrern bis zu Reisebussen wollten alle dieses Hochgebirgserlebnis bei Kaiserwetter genießen. Es war gerade noch so wenig Verkehr, dass ich immer behinderungsfrei mit meinem Wunschtempo fahren konnte. Unterwegs nach oben hielt ich zwei Mal an um den Ausblick zu genießen. Der nächste Boxenstopp war auf dem Parkplatz Fuschertörl. Der Parkplatz war sehr voll, aber für mein kleines Motorrad fand ich noch eine kleine freie Ecke. Ähnlich sah es etwas später auf der Edelweiß-Spitze aus. Aber das Postkarten-Panorama mit dem tiefblauen Himmel darüber entschädigte für alles. Natürlich ließ ich mir das Panorama von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auch nicht entgehen. Zusammen mit vielen anderen aus der ganzen Welt blickte ich auf den Gipfel des Großglockners (3798 m) und auf die Pasterze, den größten Gletscher der Ostalpen. 2003 stand ich das erste Mal hier. Mir scheint, der Gletscher war damals noch etwas größer. Der untere Rand des Gletschers war etwas tiefer vor der Aussichtsplattform des Panorama-Restaurants. 10 Jahre Erderwärmung haben auch hier ihre Spuren hinterlassen.

Dann war ich endgültig auf dem Weg nach unten. Ich passierte die Waldgrenze und ließ ein wenig später in Heiligenblut meine CS auf den Seitenständer sinken. Von oben herab kommend sieht man als erstes die Kirche mit dem hohen schlanken Turm von Heiligenblut. Es sieht genauso aus wie auf den Postkarten von diesem hochgelegenen Alpendorf. Meine CS war wohl der Star auf dem Hauptplatz vor der Touristinformation des Ortes. Jedenfalls interessierten sich einige andere Motorradfahrer für meine kleine BMW. Sie wollten alles wissen über dieses wenig erfolgreiche Modell von BMW.

Ich verließ diese wunderschöne, aber von Touristen überlaufene Region und fuhr meist auf einer kleinen Nebenstraße im Mölltal weiter. Zuerst nach Süden und dann nach Osten, bis zur Mündung der Möll in die Drau in der Nähe des Millstätter Sees. Während der Verkehr sich auf der Bundesstraße dahin wälzte hatte ich höher oben an den Berghängen auf einer ganz schmalen Straße meine herrliche Ruhe. Ein paar Teilstücke meiner Tour musste ich aber doch wieder auf der Bundesstraße am Ufer der Möll zurücklegen. Am Nordrand von Seeboden am Millstätter See drehte ich nach Norden. Parallel zur Tauernautobahn scarvte ich auf der B 99, der Katschbergstraße. Fünf Mal kreuzen sich diese beiden Straßen, immer ist die vielbefahrene Autobahn oben auf hohen Brücken und die ruhige, aber umso kurvigere Bundesstraße unten. Gemütlich fuhr ich über den Katschbergpass und genoss dabei die Aussicht auf die umliegenden herrlichen Berge. Auf der Katschberghöhe überschreitet man die Landesgrenze zwischen Kärnten im Süden und dem Bundesland Salzburg im Norden. Kurz vor der Grenze sah ich zum letzten Mal die Tauernautobahn ehe sie im Katschbergtunnel verschwindet. Die Fahrer auf der Autobahn sind an der Grenze tief unter der Erde und sehen nichts von der Bergwelt der Hohen Tauern.

Immer auf der B 99 bleibend kam ich dann zum Radstädter Tauernpass. Hier ist es nicht mehr so gemütlich. Die Straße steigt steil bergan und genau so steil geht es auch wieder hinunter ehe die Straße im Ennstal gemütlich auspendelt. Die Straße ist sehr gut ausgebaut, immer wieder schützen Galerien und kleine Tunnel vor Steinschlag und Lawinen im Winter. Erstaunlicherweise kommt dieser Pass ohne richtige Spitzkehren aus. Im Ennstal hielt ich mich nicht so lange auf. Ich fuhr weiter im Norden von Schladming in die Ramsau in der Dachsteinregion. Es waren meine letzten sehr steilen Bergstraßen im hochalpinen Gelände an diesem Tag, ja auf der gesamten Tour. Wieder unten im Ennstal lenkte ich meine Maschine nach Osten ehe ich nach Norden auf die Salzkammergut-Straße einbog. Über Bad Mitterndorf und Bad Aussee fuhr ich zum Hallstätter See. Vorm Hallstätter See musste ich einige Kilometer auf den Asphalt auf der schmalen Straße verzichten. Der alte war weg und der neue noch nicht auf der Fahrbahn. Genau dieses Stück hatte aber 23% Steigung und dann Gefälle. Da muss man schön rund fahren um nicht wegzurutschen. Haken schlagen um z.B. einem entgegenkommenden Fahrzeug auszuweichen ist sehr schwierig. Ich jedenfalls war froh als ich wieder richtigen Gripp unter den Rädern hatte.

Gegen 18:45 Uhr stellte ich mein Motorrad in die Garage einer kleinen Pension in Hallstatt. Nach einem Stadtbummel mit Abendessen telefonierte ich zuerst mit BMW in München und dann mit dem ADAC. Meine kleine, treue F 650 CS brauchte ein wenig Hilfe. In den letzten 2 Tagen sah ich Tropfspuren am Bremsflüssigkeitsbehälter am rechten Lenkerende. Immer wieder wischte ich sie weg, immer wieder suchten sich feinste Tröpfchen meiner Bremsflüssigkeit den Weg unter der Dichtung hindurch nach draußen. Ich hatte versucht die Deckelschrauben selbst fester anzuschrauben. Aber mit sanfter Gewalt ließen sie sich nicht bewegen und mit roher Gewalt wollte ich dann doch nicht über diese kleinen Schrauben herfallen. Dass wollte ich doch lieber den Profis überlassen. Die nächste BMW-Werkstatt auf meinem Weg wäre erst in Passau, sagte der Pannendienst von BMW. Der ÖAMTC nannte mir eine Werkstatt in Bad Goisern, nur 12 Kilometer im Norden von Hallstatt am Hallstätter See. Da wollte ich am nächsten Morgen mal vorbeischauen damit sie einen fachkundigen Blick auf meinen inkontinenten Bremsflüssigkeitsbehälter werfen konnten.

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Jubiläumstour 2013 - Nach Zwiesel im Bayrischen Wald

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