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Jubiläumstour 2013 - Nach Oberlangau am Bodensee

Beim Frühstück prasselte heftiger Regen auf die Weinberge der Pfalz herab. Wir zogen unsere Regenklamotten an und warteten mit der Abfahrt bis der Wind die größten Schauerwolken vertrieben hatte. Wir starteten bei noch leichtem Regen in den Tag. Bald hatte es dann ganz aufgehört und es wurde unter den Regenjacken richtig warm. Ganz in der Nähe von Geinsheim, bei Landau in der Pfalz, ist ein Erdölfeld unter den Weinbergen. Wir hielten bei einer nickenden Erdölpumpe neben der Straße an, zückten unsere Pixelfänger und machten ein paar Fotos davon. Der Höhepunkt der Förderung war 1977. Seither sinkt die Förderung, aber immerhin bringen gegenwärtig noch 70 nickende Pumpstationen das begehrte Erdöl aus 1.200 bis 2.000 Metern Tiefe an die Oberfläche.

Landau hatten wir dann schnell hinter uns gelassen und lenkten unsere Maschinen nach Leimersheim am Rhein im Norden von Karlsruhe. An der Rheinfähre mussten wir doch länger warten bis uns die Fähre ‚Peter Pan' abholte und über den Rhein brachte. Ich hatte vorher bereits meine Regenjacke ausgezogen damit ich nicht bei der Wärme im eigenen Saft schmorte. Die Klimamembrane hatte ich aber auch nicht in der Jacke. Ich ging volles Risiko ein und vertraute darauf, dass es nicht wieder anfangen würde zu regnen. Während wir auf der Peter Pan waren fing es leider wieder an zu regen. Ziemlich heftig und plötzlich sogar. Ich dachte, so schnell und heftig wie es anfing würde es auch wieder aufhören. Die eine Wolke würde schnell vorbeiziehen. Der Fahrtwind würde mich schnell wieder trocknen. Ich hatte mich leider verspekuliert. Der Regen blieb mal mehr und mal weniger heftig. Nach kurzer Zeit war ich durch und durch nass, jetzt war es schon egal, also fuhr ich weiter. Alle meine Mitfahrer hatten schlauerweise ihre Regenbekleidung anbehalten. Wenigstens kalt war der Regen nicht.

Eine halbe Stunde nach der Rheinüberquerung erreichten wir bei Jöhlingen die B 293. Hier halbierte sich unsere Vierergruppe. Ich fuhr mit einem letzten verbliebenen Mitfahrer nach Süden in den Schwarzwald. Die anderen beiden fuhren weiter nach Osten auf der B 293 in Richtung Heilbronn. Der Abschied war kurz, im Regen, auf dem Bürgersteig gab es ein letztes ‚danke für die Begleitung, kommt gut nach Hause, hoffentlich hört es bald auf zu regnen, und alles Gute weiterhin'.

Kurze Zeit später schlüpfte ich unter einer Tankstelle doch wieder in mein Regenzeug. Das war gut so, denn es regnete noch lange auf unserem Weg im Schwarzwald. Dazu kamen an dem Tag noch fünf Umleitungen wegen Straßenbaustellen, von denen ich trotz vorheriger Recherche im Internet nichts wusste. Z. B. mussten wir in Gernsbach zunächst nach Osten zur B 294 statt auf der B 462 über Forbach nach Süden nach Freudenstadt zu scarven. Scarven ist auf beiden Strecken sehr gut möglich. Die Umleitungen waren ausnahmslos auf sehr guten Motorradstraßen. Nur die Zeitreserven der Tagestour wurden dadurch mehr und mehr aufgebraucht. Dabei hatte ich noch so einige interessante Punkte vorbereitet.

Die Fahrt im Schwarzwald machte uns trotz Regen sehr großen Spaß. Die Kurvenstrecken nehmen in diesem großen Mittelgebirge kein Ende. Zu Ende ging aber kurz vor St. Georgen das störende Regenwetter. Petrus hatte ein Einsehen mit uns und schob die Regenwolken zur Seite. Oder wer immer das wahr, jedenfalls danke dafür. Drei bis vier Kilometer nach St. Georgen hielten wir an einer kleinen Quelle an. ‚Brigachquelle' steht auf dem Holzschild neben der Quelle, die direkt vor der Hauswand eines schönen Schwarzwaldbauernhofes entspringt. Wir hatten einen der zwei Quellbäche der Donau erreicht. Die Quelle wird gut bewacht vom großen und gemütlichen Hofhund des Bauern. Nachdem er mich ordnungsgemäß mit lautem Bellen angemeldet hatte setzte er sich zu mir und ließ sich streicheln und fotografieren. Unser nächstes Ziel war natürlich Donaueschingen, wo wir im Garten des Fürsten zu Fürstenberg die schön eingefasste Quelle des Donaubaches sehen wollten. Es blieb leider bei dem guten Vorsatz. Wegen Bauarbeiten war der fürstliche Garten nicht zugänglich. Am Stadtrand von Donaueschingen standen wir dann am Zusammenfluss von Brigach und Breg. Genau ab hier heißt das neue Flüsschen Donau. Viel Wasser war aber nicht in dem Flussbett. Nach den heftigen Jahrhunderthochwassern im Frühjahr war später eine große Hitzewelle über Süddeutschland gekommen.

40 Minuten später standen wir bei Immendingen auf der Schwäbischen Alb im trockenen Flussbett der Donau. Die Stelle nennt sich ‚Donauversickerung'. In trockenen Sommern fließt das komplette Donauwasser im porösen Gestein unter dem Flussbett. Wir hatten das Glück dieses seltene Naturschauspiel sehen zu können. Die Stelle erreichten wir wieder nur über eine Umleitung, da die Straße von Geisingen nach Immendingen gesperrt war. Ein Teil des Wassers fließt unterirdisch aber nicht zurück zur Donau sondern zum Rhein, also es entspringt nördlich des Bodensees als Aachquelle der Erde. Das aus dieser größten Quelle Deutschlands entströmende Wasser bildet ein munteres Wiesenflüsschen, dass sich nur 14 km weit durch die Hegauniederungen seinen Weg sucht und sich dann in den Bodensee ergießt und somit über den Rhein in der Nordsee und nicht im Schwarzen Meer landet. Wir zwei verbliebenen nahmen die Landstraßen auf unserem Weg nach Aach.

Nachdem wir die Quelle ausgiebig besichtigt und auch einige Fotos davon gemacht hatten, entschieden wir zweierlei. Zunächst strich ich alle weiteren Zwischenziele aus der Naviroute um etwas schneller zu unserem Übernachtungsquartier zu kommen. Dann rief ich in Tettnang/Oberlangau an und meldete unser verspätetes Ankommen. Der direkteste und schnellste Weg laut Navi dahin war die Bundesstraße über Stockach, Überlingen, Meersburg und Friedrichshafen längs des Bodensees. Die Folge war, dass wir über 70 Kilometer in einer lockeren Verkehrsschlange mitfuhren. Zwei Mal kam die Schlange auch ganz zum Stillstand. Wären wir bloß im Hinterland geblieben. Die Strecke wäre viel schöner gewesen und Verkehr hätten wir so gut wie keinen gehabt. Schneller wären wir vielleicht auch gewesen. In Friedrichshafen kam auch noch ein Gewitter auf uns herab. Dieser Tag sollte der einzigste Regentag auf meiner gesamten Tour bleiben.

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Jubiläumstour 2013 - Nach Kirchberg in Tirol

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