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Sommertour 2006 - Nach Schotten in der Vogelsbergregion

Es wurde sehr schön an diesem Donnerstag im August. Den ganzen Tag schien die Sonne bei 15° bis 22°. Ich hatte trotzdem keine Lust zum Motorradfahren. Die letzten zwei Tage steckten mir noch in den Knochen und vor allem im Kopf. Aber da musste ich durch, ich musste ja irgendwie weiter. Auch wenn zunächst jeder kleine Rumpler über die Kanaldeckel nervte. Die ersten zwei Stunden fuhr ich relativ lustlos dahin. Über viele kleine Dörfer schlängelte ich mich nach Norden. Den Regionen Stuttgart, Karlsruhe und Heilbronn wich ich aus. Mein Ziel war durch möglichst wenig Verkehr behindert zu werden. Dank GPS und einer guten Streckenplanung klappte das ganz gut.

Bei Heinsheim etwas nördlich von Bad Wimpfen traf ich wieder auf den Neckar, der mich schon am Vortag begleitet hatte. Der Fluss hatte mächtig zugelegt seit Horb. Sein Wasser war sehr schmutzig braun. Er sammelte ja viel Wasser aus den starken Regengebieten der letzten Tage. In Gundelsheim fuhr ich über den Neckar an das Ostufer des Mains. In Hassmersheim mit der Fähre zurück an das Westufer. Hier blieb ich fortan. In Obrigheim verließ ich kurz den Neckar bis sich in Eberbach erneut unsere Wege kreuzten. Ich begleitete den Fluss noch bis Hirschhorn. Mein weiterer Weg führte mich durch den Odenwald. Zunächst über Rothenberg nach Beerfelden und weiter zum Marbach-Stausee bei Ebersberg. Hier machte ich eine größere Pause. Es folgte das Sahnestück meiner Tour durch den Odenwald von Hetzbach über Hesseneck, Kailbach und Kirchzell nach Amorbach. Das ist eine Traumstrecke trotz der ständigen Warnschilder und Geschwindigkeitsbeschränkungen nur für Motorradfahrer. Das Feuer war längs wieder da bei mir.

Von Amorbach ist es nicht sehr weit bis Miltenberg am Main. Ich schwebte noch auf Wolke 7 vom Odenwald - und stand plötzlich im Stau schon ca. 1 Km vor Miltenberg. Es ging nur sehr langsam voran. Immer wieder zog ich an der Schlange von Autos und Lastern vorbei bis ich in Miltenberg dann den Grund des Staus sah. Ein riesiges Volksfest brauchte viel Platz und lockte viele Besucher an. Trotz aktiven Staufahrens brauchte ich statt 10 Minuten eine knappe halbe Stunde um die Stadt hinter mir zu lassen. Am Südufer des Mains fuhr ich dann bis Kreuzwertheim. Die Strecke besteht aus vielen schwungvollen Kurven, die man schön mit 100 Km/H durchziehen kann. Außer man trifft auf zwei Lastzüge vor einem. Das Überholen ist wegen der vielen Überholverbotsschilder nicht so einfach. Die Schilder lassen als Ausnahme das Überholen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu. Wenn vor mir nun zwei PKWs gewesen wären, mit Hüten hinten auf der Hutablage, so könnten das womöglich Bauern sein in den Autos. Dann könnte man in Erwägung ziehen, ob die Autos der Bauern landwirtschaftliche Fahrzeuge seien und überholt werden dürfen . . . Auf so Gedanken kommt man während man auf die Gelegenheit lauert ein paar Hindernisse hinter sich zu lassen. Die Gelegenheit kam und die LKWs sah ich nie wieder.

Der Main hatte übrigens eine normale Flusswasserfarbe. In Kreuzwertheim überquerte ich den Main und fuhr über ein paar kleine Dörfer nach Marktheidenfeld wo ich wieder auf den Main traf. Nach wenigen Kilometern erreichte ich Hafenlohr, mein schon traditionelles Tor zum Spessart. Ich bog links ab und fand mich schon bald im Wald auf einer schmalen Landstraße wieder. Einsam zog ich durch die Kurven, kam nach Einsiedel, fuhr an einigen Waldseen vorbei, kam dann nach Rothenbuch und erreichte danach die B 26. Auf ihr fuhr ich zurück zum Main. Auf diese 25 Kilometer einsame Landstraße im Wald folgten 15 Kilometer schnellere Bundesstraße bis Lohr am Main. Dabei geht es fast immer leicht bergab durch leichte lang gezogene Kurven. Auch nach Lohr am Main blieb ich auf der B 26. In Langenprozelten verließ ich endgültig den Main und die Bundesstraße, bog wieder links ab und fuhr auf die Landstraßen hinein in die Wälder und die Berge des Spessarts. Es ist schon eine tolle Motorradstrecke über Ruppertshütten, Rengersbrunn und Fellen nach Aura im Sinngrund. Bis hier sind es viele schnelle Kurven in mäßig steilem Gelände. Ab Aura werden die Straßen wesentlich steiler und die Kurven spitzer. Richtig ‚alpin' werden die Kurven dann von Marjos nach Steinau An Der Straße. Damit war auch leider das Ende meiner Fahrt im Spessart erreicht. Insgesamt ist der Spessart eine ganz tolle Motorradregion. Die Straßen sind leider oft Buckelpisten und fordern Mensch und Maschine heraus. Trotzdem war das meine schönste Odenwald- und Spessarttour. Einfach auch deshalb weil das Wetter passte. Bei 20°, viel Sonne und ganz wenig Verkehr fuhr ich durch eine schöne Landschaft mit unzähligen Kurven aller Art.

Auf mich wartete noch die Vogelsbergregion. In Birstein traf ich zum ersten Mal auf die B 276, die berühmte Motorradstrecke durch die Vogelsbergregion bis nach Schotten. Auf einigen Landstraßen erreichte ich schön schwungvoll in Gedern wieder die B 276. Nun blieb ich auf ihr bis Schotten. Die Warnungen speziell für uns Motorradfahrer kann ich voll verstehen. Die Kurven verleiten einen zu sehr zum Schnellfahren. Mit der Geschwindigkeit steigt aber auch das Unfallrisiko. Was stand auf einer Tafel? Ich glaube in den letzen 5 Jahren gab es 6 Tote und 99 Verletzte auf den wenigen Kilometern mit den vielen Kurven bis Schotten. Ich kam aber gut an bei meiner kleinen Pension in Schotten. Wenn man es nicht übertreibt hat man ebenfalls viel Spaß bei der Tour durch die Kurven. Nur ohne schlimme Folgen für sich, die Familie, Freunde und die Maschine.

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Sommertour 2006 - Nach Talle im Weserbergland

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