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Sommertour 2006 - Nach Bad Liebenzell im Schwarzwald

Das Wetter war über Nacht noch schlechter geworden. Es regnete immer noch fast ohne Unterbrechung und dabei war es noch kälter geworden. Oberhalb von 1200 Meter sollte es schneien. Beim Blick nach oben in die Allgäuer Alpen sah ich den Schnee. Vorsichtig dirigierte ich meine Maschine im Regen durch die Kurven nach Fischen. In Au, einem winzigen Dorf, wurde ich geblitzt. Es ging steil bergab im Ort und 30 Km/H durften nicht überschritten werden. Ich war aber mit 35 bis 40 Km/H unterwegs. Dabei hatte ich besseres zu tun als ständig auf den Tacho zu schauen. Steil bergab durch die leichten aber nassen Kurven war mein erstes Ziel nicht wegzurutschen, aber auch nicht so langsam zu fahren, dass die Kreiselkräfte der Räder versagten. Mal sehen, ob da was nachkommt.

So gelangte ich zum Riedbergpass. Ganz vorsichtig fuhr ich hoch. Kurve um Kurve, Meter um Meter in die Höhe. Der Regen war mein ständiger Begleiter. Die Sicht wurde immer schlechter, dann wurde aus Regen Schneeregen. Im Schotter links und rechts der Straße blieb er als Schneematsch liegen. Ich stellte fest, dass Schuberth immer noch Probleme hat ordentliche Antibeschlagvisiere zu bauen. Der kräftige Luftstrom durch die Stadtstellung des Visiers reichte nicht aus um dieses beschlagfrei zu halten. Ich musste unten das Visier einen Spalt weit öffnen. Das Ergebnis war Regenwasser außen und innen am Visier. Bei dieser tollen Sicht sah ich, dass sich auch auf der Straße leichter Schneematsch bildete. Ich schaltete vom 2. zurück in den 1. Gang - und lernte die Supermoto-Eigenschaften meines kleinen Allrounders CB 500 kennen. Ich hatte zu schnell eingekuppelt, das Hinterrad verlor den letzten Grip und fing an zu schlingern. Zum Glück konnte ich die Schlingerbewegungen abfangen und einen Sturz vermeiden. Weiter ging es im 1. Gang. Nach endlos langer Zeit erreichte ich die Passhöhe von Deutschlands höchstem Pass. Nun kam meine noch weniger geliebte Passabfahrt. Es regnete immer noch als ich Balderschwang erreichte. Andere Motorradfahrer sah ich keine an diesem Vormittag. Ich war der einzigste Wahnsinnige, der es wagte bei diesem Wetter den Riedbergpass zu befahren.

In Hittisau in Vorarlberg tankte ich noch mal ehe ich Österreich endgültig Servus sagte. In Oberreute traf ich wieder im Allgäu ein. Mein weiterer Weg war zunächst auf der B 308 in Richtung Lindau am Bodensee. Kurz nach Scheidegg bewältigte ich nochmals einige Spitzkehren. Die mag ich so schon nicht besonders gerne und bei diesem grausigen Wetter schon gar nicht. Ganz kurz nach den Spitzkehren bog ich nach Niederstaufen im Norden ab. Hier sah ich plötzlich am fernen Horizont einen hellen Streifen - die Hoffnung auf besseres Wetter! Eben im Wald konnte ich mich davon überzeugen, dass meine Armaturenbrettbeleuchtung funktionierte. So dunkel war es im Regen. Und nun war vor mir, zwar noch weit weg, blauer oder hellgrauer Himmel. 20 Minuten später hörte zum ersten Mal an diesem Tag der Regen auf. Dann wurden für kurze Zeit sogar die Landstraßen in Richtung Ravensburg trocken. Die Landstraßen sind herrlich zu befahren, so über Neukirch, Bodnegg und Obereschach bis nach Ravensburg. Einige Schauer dämpften allerdings meine Freude. Von Ravensburg fuhr ich weiter auf den Landstraßen über Horgenzell, Fleischwangen, Königseggwald, Ostrach und Krauchenwies nach Sigmaringen. Die trockenen Abschnitte überwogen so allmählich.

Im Oberen Donautal von Sigmaringen nach Fridingen schauerte es wieder etwas mehr. In Thiergarten verließ ich das Donautal in Richtung Norden in die Berge. Über Stetten, Unterglashütte und Schwenningen kam ich in Hausen Im Tal wieder zurück zur Donau. Bei trockenem Wetter ist das eine sehr schöne Motorradstrecke. Vielleicht habe ich nächstes Jahr ja mehr Glück mit dem Wetter. Letztes Jahr war es zu heiß im Allgäu und in Oberschwaben. Diesmal zu kalt und vor allem zu nass. In Fridingen suchte ich die Donauversickerungsstelle - aber ich fand sie nicht. Vielleicht finde ich sie ja im nächsten Jahr und kann darüber etwas berichten.

Über die Dörfer wie Nusplingen, Unter- und Oberdigisheim erreichte ich Balingen. Dann weiter über Haigerloch nach Horb am Neckar. Die Strecke seit Niederstaufen in der Nähe des Bodensees ist wirklich klasse - und vor mir lag der Schwarzwald mit seinen tollen Motorradstrecken. Bei 17 und blauem Himmel riskierte ich es und zog mein Regenzeug aus. Von Horb fuhr ich kurz nach Süden um dann von der B 14 nach Westen auf die Landstraßen abzubiegen. In einem großen Bogen ging es wieder nach Norden. Über Glatt, Leinstetten, Glatten, Aach und Erzgrube fuhr ich vorbei an der Nagold-Talsperre nach Altensteig. Dabei kam ich doch wieder in Schauerwetter. Dann folgte ich der Landstraße über Simmersfeld zur B 294. Für längere Zeit konnte ich auf ihr meine kleine Honda frei laufen lassen. Mit ca. 100 Km/H drückte ich sie von einer Kurve in die Nächste. Das machte richtig Spaß. Kurz vor Neuenbürg verließ ich die B 294. Mein Tagesziel war Bad Liebenzell, welches auf einigen Umwegen ansteuerte. Hin und her auf den Landstraßen kam ich Bad Liebenzell näher, wobei ich auch Pforzheim kurz streifte. In Bad Liebenzell sagte mein Zimmerwirt: "Morgen soll es sehr schön werden bei 24C".


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Sommertour 2006 - Nach Schotten in der Vogelsbergregion

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