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Sommertour 2006 - Nach Vogtendorf im Frankenwald

Voll guter Erwartungen startete ich zum 2. Tag der Tour. Die Fahrten durch die Ebenen Norddeutschlands lagen alle hinter mir. Vor mir lagen so einige Mittelgebirge mit herrlichen Motorradstrecken. Zunächst durchquerte ich den Elm. Nach nur 20 Minuten auf einer mäßig kurvigen Landstraße kam ich im Süden aus Deutschlands größtem Buchenwald wieder heraus. In Ost-West Richtung ist er allerdings erheblich größer als von Nord nach Süd. Das anschließende Stück bis zum Harz ist geprägt von Hügeln und kleineren Bergen die nicht bewaldet sind. Mal gehen die Straßen bei 8% - 10% Steigung einfach geradeaus darüber, mal winden sie sich in Kurven darum herum. Auf alle Fälle kam keine Langeweile auf bis Heimburg - mein Einstieg in den Harz.

Die 10 Km von Heimburg nach Elbingerode fährt man nur berghoch. Gleich zu Beginn recht steil über einige Spitzkehren, dann etwas mäßiger über viele schwungvolle Kurven im Wald. Meine Ohren waren am Knacken und bald hörte ich nicht mehr viel. Der Höhenanstieg in so kurzer Zeit war zu viel für sie. In Elbingerode bog ich links ab auf die B 27. In Rübeland verließ ich die Bundesstraße und fuhr zur Rapbodetalsperre hinauf. Oben ist zunächst ein größerer Parkplatz mit einigen Souvenirgeschäften. Neben dem Parkplatz durchquert man in einem Tunnel einen Berg und gelangt so direkt auf die Staumauer des größten Sees im Harz. Dies war wohl mein höchster Punkt im Harz. Auf der B 81 fuhr ich weiter nach Süden. Zwischen Hasselfelde und Ilfeld mündet die B 81 in die B 4. Auf ihr ging es weiter nach Süden bis Niedersachswerfen. Die ca. 30 Km lange Strecke geht es nur bergab. Viele Kurven aller Radien auf gutem Asphalt im Wald machen so richtig Spaß. Das ist eine meiner Lieblingsstrecken im Harz.

Am Ortsanfang von Ilfeld kreuzt die B 4 eine Bahnstrecke. Als ich ankam wurde die Schranke gerade geschlossen. Zunächst tat sich nichts und es bildete sich allmählich eine kleine Fahrzeugschlange hinter mir. Dann hörte ich das Fauchen eines Dampfzuges in der Ferne. Ich dachte sofort daran ein Foto von dem Zug zu machen, der ja gleich kommen würde. Ich zögerte, bis ich knipsbereit wäre, würde der Zug doch schon vorbei sein. Der Dampfzug ließ sich Zeit, ich hätte doch den Fotoapparat zücken sollen. Jetzt war es schon zu spät. Der Zug war zu hören, aber er kam immer noch nicht. Ich konnte mich nicht entscheiden. Nachdem der Zug den Bahnübergang passiert hätte würde die Schranke aufgehen bevor ich den Fotoapparat wieder in der Jackentasche verstaut hätte. Ich könnte nicht sofort losfahren, die Autofahrer hinter mir würden nicht begeistert sein. Oder sollte ich doch? Dann kam der Zug. Eine große, richtig schöne Dampflock zog mehrere nostalgische Personen-Waggons. Ich ärgerte mich, ich hätte doch knipsen sollen! Vor dieser Kulisse wäre das ein Superfoto geworden. Nächstes mal, nahm ich mir vor, entscheide ich mich schneller. Zwischendurch warf ich öfter einen besorgten Blick auf die grauen Wolken am Himmel. Aber es blieb diesmal alles trocken. Die Temperatur war aber um ca. 5C gefallen. Bis Heimburg waren es ca. 22, ab Elbingerode nur noch 17. Die Höhenlage des Mittelgebirges machte sich bemerkbar. In Niedersachswerfen bog ich links ab nach Neustadt im Harz und weiter nach Rottleberode. Der Südharz ist nicht so stark bewaldet wie der Hochharz den ich vorher durchquerte. Das Gelände ist auch nicht mehr so steil aber die Kurven sind genau so schön.

Ab Rottleberode ging es klarerweise nach Süden zum Kyffhäuser. Die Nordauffahrt, das beste Stück, war leider gesperrt. Ich hörte die Straße soll einen neuen Belag bekommen. Eine Umleitung war ausgeschildert und brachte einige Biker und mich so ca. auf halbe Höhe der Südauffahrt. Die 6 Km nach Bad Frankenhausen hinunter sind einfach klasse. Eine Kurve schließt sich an die nächste an. Viel zu schnell ist man unten. Gut, mein nächstes Ziel war der Thüringer Wald im Süden. Über Sondershausen, Ebeleben und Bad Langensalza erreichte ich in Teutleben den Nordrand dieses Mittelgebirges. Eine Baustelle auf dem Weg dorthin zwang mich zu einer Streckenänderung. Dank GPS war das kein Problem. So lernte ich das Kopfsteinpflaster des Städtchens Gotha auch noch kennen. Bei der Endabrechnung der Tour wird das aber bestimmt nicht zu den Highlights zählen.

So richtig interessant wurde die Fahrt durch den Thüringer Wald ab Tabarz. Fast immer im Wald geht es steil bergauf und ebenso steil bergab. Spitzkehren wechseln mit geschwungenen Kurvenkombinationen. Mehrheitlich geht es aber bergauf. Über Brotterode, Kleinschmalkalden, Floh-Seligenthal, Struth-Helmershof, Steinbach-Hallenberg, Unter- und Oberschönau kam ich zum bekannten Wintersportort Oberhof. Ich glaube hier war der höchste Punkt meiner Reise durch den Thüringer Wald. Denn das nächste Stück ging 18 Km nur bergab. 18 Km auf holperigen Landstraßen wurde ich durchgeschüttelt. Durch die Bergabfahrt lastet auch noch besonders viel Gewicht des Oberkörpers auf den Armen und muss bei jedem Stoß abgefedert werden. Da nützt auch das beste Fahrwerk mit Wilbers-Gabelfedern und Ikon-Federbeinen hinten nichts. Die mussten alles geben um mich einigermaßen sanft über Allzunah nach Neustadt am Rennsteig zu bringen. Ich meine gesehen zu haben, dass unter dem Asphalt altes kleines Kopfsteinpflaster war. Das kann passieren wenn man Bundesstraßen meidet und kleine Landstraßen bevorzugt. Ab Neustadt am Rennsteig wurde es besser. Die Straße war genau so schlecht aber es ging nicht mehr so steil und kurvig bergab. Dafür fing es zu regnen an. In Kahlert unter einem Tankstellendach zog ich mein Regenzeug an und der Tankrucksack und mein Navigerät bekamen ihre Regenhauben übergezogen. So gerüstet fuhr ich weiter. In den nächsten 1,5 Stunden schauerte es immer wieder heftig. Dazwischen schien die Sonne und brachte die nasse Straße zum Dampfen. An einer Stelle war der Dampf so heftig dass dadurch die Sicht leicht behindert wurde. Ein anderes Mal schauerte es gerade heftig während schräg von der Seite die Sonne hereinschien. Also die Straße dampfte in der Sonne, es regnete und vor mir war ein schöner Regenbogen zu sehen. Und das alles gleichzeitig. Wenn nur die Straßen besser geworden wären. Manche Stücke waren ja ganz gut aber es gibt noch viel zu tun im Straßenbau im Thüringer Wald. So kam ich auch durch einen Ort namens Giessübel. Der Name war Programm an diesem Sonntagnachmittag. Weiter fuhr ich über Massetal nach Katzhütte und Neuhaus am Rennweg. Auf der B 281 näherte ich mich dem Ende des Thüringer Waldes und dem Beginn des Frankenwaldes.

Der Übergang ist landschaftlich nicht feststellbar. Ich sah nur ein Schild "Frankenwald-Hochstraße". Es ist aber gleichzeitig ein Übergang nach Bayern. Und es hatte aufgehört zu regnen. Die Häuser sind nicht mehr so viel mit Schiefer verkleidet. Im Thüringer Wald sind die Häuser samt Dächern oft mit Schiefertafeln in allen Farben verkleidet. Vielleicht gab es die Schiefertafeln ja mal im Sonderangebot. Noch etwas ganz Entscheidendes war im Frankenwald anders. Ab nun fuhr ich auf erstklassigem Straßenbelag durch die Kurvenkombinationen die Berge hoch und runter. Die Sonne schien, es hatte so etwas über 20 und die Fahrt machte wieder so richtig Spaß. Über Steinbach, Teuschnitz, Tschirn, Nordalbern, Steinwiesen, Zeyern und Marktrodach bis nach Kronach war eine Kurve schöner als die andere. Man kann sie dank besseren Straßen mit höherem Tempo fahren. Das hätte noch 100 Km so weitergehen können aber in Vogtendorf bei Kronach, das ich um 19:00 Uhr erreichte, hatte ich meine 2. Übernachtung gebucht. Auch beim Abendessen in dem Restaurant in Vogtendorf merkte ich, dass ich in Bayern angekommen war. Weiß-blaue Servietten und das Speisenangebot waren bayrisch, auch wenn ich nur in Oberfranken war.

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Sommertour 2006 - Nach Nach Rackling an der Donau

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