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Sommertour 2009 - Nach Pyhra im Weinviertel

Am Morgen zeigte sich der Himmel gewohnt unfreundlich grau in grau. Das konnte alles werden. Also fuhr ich einfach mal los in der Hoffnung, dass es trocken bleiben würde. Den Pyhrnpass hoch kam ich den Wolken immer näher. Bevor ich sie erreichte überschritt ich die Passhöhe auf 954 m Seehöhe und fuhr wieder hinunter nach Windischgarsten, dass auf ca. 600 m Höhe liegt. Die Berge rundherum sind aber über 2000 m hoch.

Hier beginnt eines meiner schönsten Tourstücke in Österreich. Die Fahrt über den 985 m hohen Hengstpass. Inmitten von Wald, Felsen und rauschenden Wildwasserbächen jagt eine flotte Kurve die nächste. Störenden Verkehr gibt es so gut wie gar nicht. Nach Rosenau kommt Altenmarkt bei St. Gallen, dann ging die Fahrt weiter nach Großreifling wo die Salza in die Enns mündet. In Palfau an der Salza ist das erste europäische Raftingcamp. Bei Lassing überschritt ich die Grenze nach Niederösterreich und scarvte sofort weiter nach Göstling an der Ybbs. Den nächsten Halt machte ich in Lunz am See am Ufer des Lunzer Sees, einem 68 ha großen Bergsee. Die touristische Infrastruktur bietet alles was der Mensch an so einem schönen Flecken Erde zur Erholung braucht. Die Weiterfahrt zum Erlaufsee bietet noch einmal alles was mir in den letzten Stunden so viel Freude bereitete. Wald, Felswände längs der Straße, einen Wildwasserfluss, Almen mit Kühen, Pferden und Schafen und ein Passanstieg mit einigen Kehren säumten meinen Weg. Sogar eine Baustelle fehlte nicht.

Um 11:30 Uhr erreichte ich den Erlaufsee, an dessen Ufer ich wieder eine kleine Pause einlegte. Der Wettergott hatte mich bis hierher mit Regen verschont. Ich wollte, dass es so bleibt. Immer wieder schickte ich einen Blick auf die Wolken über den knapp 2000 m hohen Ötscher. Dieser Blick sagte mir, dass ich mich nicht auf trockene Straßen verlassen konnte. In den letzten Tagen war es am Nachmittag recht schaurig geworden. Deshalb brach ich alsbald wieder auf. Es folgten Josefsberg und Annaberg mit der Passhöhe auf ca. 1000 m Höhe, die nur über ein Dutzend Kehren zu bezwingen sind. Die Fahrt über den Wastl war das nächste Highlight. Der Wirt der Gaststätte im Wald hieß Wastl mit Spitznamen. Irgendwann wurde der Name ‚Wastl im Wald' für den ganzen Höhenzug übernommen. Die Passhöhe ist auf 1100 m Höhe. Von dieser Passhöhe an ging es nur noch bergab, hinaus aus den Alpen, hinein in das Alpenvorland. Ich fuhr über Puchenstuben nach Scheibbs, im Erlauftal auf kleinen Landstraßen nach Mank und weiter durch den Dunkelsteiner Wald bis nach Melk an der Donau, dem westlichen Tor zur Wachau.

Erst bei 314 Kilometer leuchtete die Tankanzeige auf. Normal erinnert sie mich an das Nachtanken bei 250 bis 260 Kilometer auf dem Tageskilometerzähler. Auf diesem langen Bergabstück verbraucht der Motor meiner F 650 CS kaum Sprit. In Melk überquerte ich die Donau und fuhr alsbald hoch auf den knapp 1000 m hohen Jauerling. Das ca. 20 bis 30 Kilometer lange Straßenstück über den Jauerling ließ noch einmal so richtiges Alpenfeeling aufkommen. Auf der Abfahrt hatte ich einen wunderschönen Ausblick auf die Weinberge der Wachau und auf die Donau. Wieder unten folgte ich der Wachauer Bundesstraße längs der Donau. Über Spitz, Wöllersdorf, Weißenkirchen und Dürnstein kam ich nach Krems. In der Burg von Dürnstein war mal der englische König Richard Löwenherz über ein Jahr gefangen gehalten worden. Er war auf dem Rückweg vom 3. Kreuzzug als die Raubritter von der Burg ihn erkannten und festsetzten. Sie ließen ihn erst nach der Übergabe eines saftigen Lösegeldes weiter nach Hause ziehen. Die über 1 Mio. Touristen, die heutzutage jährlich hierher kommen, können noch die Burgruine hoch oben über der Donau besichtigen.

In Krems, als ich an der Tankstelle war, donnerte es. Der Himmel begann schwarz zu werden, die ersten Tropfen fielen vom Himmel. Ich strich sofort alle weiteren Zwischenziele aus meinem Navi. Es folgte der Versuch dem Gewitter davon zu fahren. Über einige kleine Kellergassen floh ich aus Krems. Hochkonzentriert gab ich Gas, die StVO legte ich ausnahmsweise als Empfehlung aus. Die Autos vor mir im Straßer- und Schmidatal hatten es entweder selbst sehr eilig oder mussten daran glauben. In den Rückspiegeln und links von mir war alles schwarz. Ganz vereinzelt bekam ich auch ein paar Tropfen ab. Erst ab Hollabrunn wurde es heller hinter mir. Noch 30 Kilometer, aber ich kannte doch den Buschberg. Wenn der erst mal nass ist zieht er alle Gewitter von der Donau, der March und der Thaya an. Das geht dann immer sehr schnell. Und der Buschberg war nass, es hatte in den letzten Tagen reichlich geregnet im Weinviertel. Da ich hier jede Straße und jede Kurve kannte holte ich alles heraus aus meiner BMW und erreichte um 17:00 Uhr trocken den elterlichen Bauernhof am Fuße des Buschberges. Übrigens, es blieb den ganzen Abend trocken rund um den Buschberg. Aus der Ferne hörte man aber den Gewitterdonner. In Spitz in der Wachau hingegen, hatte das Gewitter große Schäden angerichtet. Teilweise wurden sogar Straßen unterspült und weggerissen.

Hinter mir lagen sieben Tourtage. Sieben Tage hatte ich gebraucht um mein altes Heimatdorf zu erreichen. Ich hätte auch in Flensburg um 17:00 Uhr in den Zug steigen können und wäre mit nur einmal Umsteigen in Hamburg am nächsten Morgen in Wien gewesen. Einer meiner Brüder hätte mich sicherlich mit dem Auto am Bahnhof abgeholt und zwei Stunden später wäre ich auch da gewesen. Da hätte ich aber höchstens was Schönes geträumt.

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Sommertour 2009 - Nach Mittelherwigsdorf in der Lausitz

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