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Sommertour 2009 - Nach Tristach in Osttirol

Diesmal sah der Morgen gar nicht gut aus. Eine dicke, feuchte, graue Suppe reichte bis zum Boden. Ich zippte die Klimamembrane in die Jacke und machte mich auf das Schlimmste gefasst. So startete ich vom Donauufer aus in Kasten direkt hinauf in den Sauwald. Doch schon nach 2 - 3 Kehren, noch bevor ich im Wald verschwand, hatte ich blauen Himmel über mir. Ich blieb stehen und blickte hinunter zur Donau, ich sah aber nur die graue Suppe von oben, die gerade dabei war hochzusteigen und sich aufzulösen. Schnell machte ich zwei Bilder davon, dann scarvte ich in vielen engen Kurven im Wald steil nach oben.

Oben angekommen hörte der Wald auf, es wurde etwas flacher, vor mir lag das Innviertel in Oberösterreich. Es ist ein mittelgebirgsähnliches Hochplateau des Böhmischen Massivs südlich der Donau und östlich des Inns. Also die Fortsetzung des Böhmerwaldes und Bayrischen Waldes südlich der Donau. Nur dass der Waldanteil recht gering ist. Zunächst hielt ich an und nahm die Klimamembrane aus der Jacke. Die paar grauen Wolken sahen mir recht unverdächtig aus. Die Membrane wärmt doch ganz schön, mehr als mir bei 20°C lieb ist. Dann durcheilte ich das Innviertel vom Norden bis in den Süden zum Salzkammergut. Die Fahrt war sehr abwechslungsreich. Mal auf kleinen schmalen Nebenstraßen, mal auf flotten Bundesstraßen; fast im Minutentakt änderte sich das Teerband vor meinem Vorderrad. Mal war der Asphalt schon recht schlecht und aufgebrochen, mal war er in hervorragendem Zustand. Mal ging es steil in engen Kurven hoch oder runter, mal elegant in weiten Schwüngen über die Hügel. Drei Stunden lang war scarven aller erster Güte angesagt. Ich kam auch dicht an Mattighofen vorbei. Als ich den Wegweiser sah musste ich sofort an KTM denken. Bei diesen Strecken vor der Haustür müssen einfach solche Kurvenräuber herauskommen. Aber auch mein Scarver ist hier in seinem ganz natürlichen Lebensraum. Das Kunstwort scarven kommt ja von Street und carven, der schwungvollen Wedeltechnik beim Schifahren. Ja, unseren Maschinen gehören die schönen Landschaften dieser Welt, die Sportler haben ihren richtigen Spaß dafür auf den Rennstrecken.

Dann änderte sich das Landschaftsbild. Vor mir tauchten Berge auf, hohe, gewaltige, majestätische Berge. Ich hatte das Innviertel verlassen und war im Salzkammergut angekommen. Die Berge bilden hier das Panorama für die Seen, für die das Salzkammergut so berühmt ist. Ich gönnte mir den Anblick des Irrsees, des Mondsees, des Fuschlsees und des Wiestalstausees, der schon dicht bei Hallein ist. Hallein wiederum ist dicht an der bayrischen Grenze. Ich schlug einen Haken über die Grenze und landete in Oberau am Beginn der Rossfeldhöhenstraße. Es war mein vierter Versuch diese berühmte Panoramastraße und ehemalige Motorrad-Bergrennstrecke kennen zu lernen und zu genießen. Das Wetter war immer dagegen. Diesmal sah es gut aus. Ich zahlte die 3,50 € Maut für die Fahrt, stellte alle meine Sinne auf Empfang für die kommende halbe Stunde und startete in das Kurvenparadies. Nach wenigen Minuten war die Straße nass, dann fing es an zu regnen. Eine der grauen Wolken konnte sich wohl doch nicht beherrschen. Das war aber etwas was ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen konnte. Die Klimamembrane hätte ich jetzt in der Jacke gebrauchen können. Aber weil ‚ist nicht' wurde ich bald nass bis auf die Haut. ‚Der Schauer muss ja bald aufhören, dann kommt die Sonne und der Fahrtwind trocknet mich schnell wieder, vielleicht schon auf der Abfahrt drüben', dachte ich und fuhr weiter. Statt der Sonne kamen die dunklen Wolken, genauer gesagt, ich kam in die Wolken. Je höher ich kam umso dunkler wurde es. Die Höhenangabeschilder am Straßenrand konnte ich noch sehen. Bis 1600 Meter geht es hoch. Sehen wollte ich das Berchtesgadener Land mit Kehlstein, Untersberg und Watzmann, auf der Salzburger Seite das Tennengebirge und das Dachsteinmassiv in der Ferne. Ich war froh die Kehren und Kurven richtig zu sehen vor mir. Immer wieder lag Sand und feiner Schotter auf der Straße. Die Gewitter der letzten Woche hatten ihn auf die Fahrbahn gespült. Kurz nach dem Scheitel hörte es auf zu regnen, aber da war ich schon nass bis auf die Haut. Die Abfahrt erforderte einigen Mut und Erfahrung im Bergfahren. 24% Gefälle sind eine Menge auf nassen Straßen mit Sandspuren, mittelprächtiger Sicht und einem Reisebus vor mir, der kaum um die engen Kurven kam. Irgendwann war es geschafft, ich war unten, der Verkehr Berchtesgadens war hinter mir und ich fuhr auf der Deutschen Alpenstraße durch die Ramsau. Der Himmel war auch wieder mehr blau als grau, die Landschaft ist gigantisch schön und es reicht fortgeschrittenes Fahrschulkönnen um richtig Spaß zu haben. Ich gönnte mir den Spaß bis Schneizlreuth.

Ein Linksschwenk brachte mich auf den Steinpass. Die Abfahrt ist bereits in Österreich. Nach Unken kommt noch der Kniepass, der den Namen ‚Pass' eigentlich nicht verdient, bevor sich das Tal etwas weitet. Ab Lofer nahm der Verkehr etwas zu ohne dass es zu lästig wurde. Ab Saalfelden wurde er dann doch ziemlich dicht. Das Stück ab Zell am See bis Bruck an der Glocknerstraße fuhr ich in der Autoschlange mit. Aber wir fuhren so mit 70 - 80 Km/h und standen nicht.

Es war 15:00 Uhr und ich war bereit für die Königin unter den Alpenstraßen, der Großglockner-Hochalpenstraße. Wenn es nur trocken bleiben würde! Es begann sehr gut, dann auf einmal, war die Straße wieder nass. Ab ca. 1500 Meter Höhe kamen immer wieder mal dunkle Wolken dazu. Der Spaß war vorbei. Bis zur Passhöhe auf 2500 Meter fehlte mir noch ein großes Stück. An die Abfahrt dachte ich noch gar nicht. Am Fuschertörl auf 2428 Meter Seehöhe hielt ich kurz an um einige Fotos zu machen. Aber selbst die Gedenkstätte direkt daneben war kaum zu sehen. Die eis- und schneebedeckten Gipfel der vielen 3000er ringsum versteckten sich ganz vor mir. Den Weg zur Franz-Josefs-Höhe und zur Edelweißspitze schenkte ich mir. Auch die Abfahrt auf der Kärntner Seite war nicht das was ich mir von diesem Highlight erwartet hatte.Nasse Straßen mag ich überhaupt nicht, ich fahre dann immer ängstlich und verkrampft und ohne Schräglage. Aber wie sonst soll man den die vielen Kurven und Kehren hinunter kommen ohne Schräglage bis Heiligenblut und weiter über Winklern und dem Iselsberg bis Lienz, der Hauptstadt Osttirols. Diese ca. 60 Kilometer hatten es in sich für mich. In Tristach, einem kleinen Ort neben Lienz stoppte ich für die Nacht und schloss dieses Kapitel ab für mich.

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Sommertour 2009 - Nach Birnbaum im Lesachtal

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