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Sommertour 2007 - Nach Sachrang im Chiemgau

Ich wurde wach und hörte wie der Regen auf das Dach und gegen die Schrägfenster hämmerte. Der Tag verhieß also nicht viel Gutes. Es konnte nur besser werden. Während ich frühstückte ließ der Regen nach und hörte dann ganz auf. Der Himmel bekam sogar blaue Flecken. Voller Hoffnung sattelte ich meine kleine Honda und ritt auf klatschnassen Straßen vorsichtig los.

Mein Weg führte mich zunächst ein kleines Stück nach Norden, weg vom verkehrsreichen Bodenseeufer, und dann nach Osten. Über Tettnang und Wangen im Allgäu kam ich bei Sigmarszell zur B 308. Die Landstraßen des Allgäus bestehen nur aus flüssig zu fahrenden Kurvenkombinationen. Hier gibt es keine anstrengend zu fahrenden Hochgebirgsstraßen oder langweilige Strecken in der Ebene. Ich war mal wieder im natürlichen Lebensraum der CB500. Meine Hände und Füße kamen nicht zur Ruhe. Trotzdem fuhr ich schön vorsichtig. Die Risiken und Nebenwirkungen sollten auf den nassen Straßen nicht übertrieben werden. Immer wieder warf ich einen sorgenvollen Blick zum Himmel und beobachtete die Regenfronten, die übers Land zogen. Nur da wo ich gerade war waren sie gerade nicht. Ich kam immer zu spät zur Taufe. So erreichte ich gegen 11:00 Uhr Sonthofen. Vor mir lag der Oberjoch-Pass, der höchste Pass Deutschlands. Sehen konnte ich den Berg nicht vor lauter dunklen Regenwolken. Ich rechnete mit dem Schlimmsten und zog mein Regenzeug über. Die paar Minuten Pause retteten mich wahrscheinlich. Die Straße war so nass, dass das Wasser in kleinen Bächen über die Fahrbahn lief. Gleichzeitig schien doch tatsächlich die Sonne. Glück gehabt, großes Glück sogar. Oben setzte ich den rechten Blinker und fuhr über das Tannheimer Tal hinunter nach Tirol/Österreich.

Die Straße wurde immer trockener, die Sonne schien immer mehr. Meine sorgenvolle, gespannte Stimmung wich der Hoffnung, dass ich die folgenden Kurven in Alpenqualität richtig genießen konnte. Ab Weißenbach am Lech folgte ich dem gleichnamigen Fluss flussaufwärts bis Stanzach. Nach den hunderten von Kurven der letzten Stunden machte es richtig Spaß die CB mit 100 Km/h auf der Bundesstraße rollen zu lassen. Aber nur kurze Zeit denn ab Stanzach wartete das Namloser Tal auf mich. 16 Kilometer einheizende Kurven im Bergwald längs der Felsen, über die immer wieder Wasserfälle zu Tal rauschen. Die Gashand juckte, denn es sind so gut wie keine 180 engen Spitzkehren dabei und das Teerband war fast überall trocken. Viel zu schnell waren die 16 Kilometer verflogen. In Bichlbach machte ich einen Schlenker nach links und steuerte nach Reute, hier bog ich rechts ab zum Plansee. An seinem Nordufer längs geht es über den Ammersattel nach Oberbayern. Kurve um Kurve näherte ich mich Ettal mit dem berühmten Kloster und war kurze Zeit später in Kochel am See.

Zum ersten Mal konnte ich nun die Kesselbergstraße genießen. Bisher hatte es immer geregnet wenn ich hier war. Mit locker leichtem Hüftschwung jagte ich die CB500 durch die Kurven vom Kochelsee zum Walchensee und weiter bis nach Wallgau. Ein regelmäßiger Blick auf den Tacho zügelte mich ein wenig. Schließlich soll hier viel geblitzt werden. Das kann ich gut verstehen. An den Wochenenden ist diese ehemalige Bergrennstrecke für Motorradfahrer ganz gesperrt. Das kann ich auch gut verstehen. Wenn ich hier wohnen würde und hätte am Wochenende Zeit würde ich den Kesselberg rauf und runter fahren, immer wieder, bis der Sprit alle wäre. So toll ist es hier mit dem Motorrad. Einige haben das auch im Rennstil ohne dass ein Rennen gewesen wäre, so gemacht. Die Folge ist die Geschwindigkeitsbegrenzung und das Fahrverbot am Wochenende für Motorräder. Wer sich nicht daran hält wird geblitzt und rausgezogen.

Aber ich musste weiter. Von Wallgau fuhr ich auf einer schmalen, mautpflichtigen Privatstraße längs der Isar zum Sylvensteinstausee. Die 3 Maut habe ich nicht bereut. Die Straße ist zum ruhigen Genießen. Über leichte Hügel im Wald reiht sich eine Kurve an die nächste. Vom Stausee gelangte ich über den Achenpass und Wildbach-Kreuth zum Tegernsee. An seinem Westufer fuhr ich durch Bad Wiessee nach Norden. Der Verkehr war weit nicht so stark wie ich ihn in den Jahren davor am Ostufer des Sees erlebt hatte. Der Tegernsee ließ sich nicht vermeiden, der Schliersee schon. Von Gmund am Tegernsee fuhr ich nach Osten, nach Hausham und weiter ein Stück nach Norden nach Miesbach. Dann schlug ich einen Bogen über Fischbachau bis ich in Aurach zur B 307 kam. Den vielen Verkehr am Schliersee hatte ich aus den letzten Jahren in sehr schlechter Erinnerung. Auf der B 307 kam ich bis Bayrischzell flott voran. Diesmal fuhr ich nicht auf der Tatzelwurmstraße nach Tirol sondern über den Ursprungpass nach Süden über die Tiroler Grenze und dann nach Osten nach Kufstein. Hier tankte ich noch mal voll bevor es weiterging in den Chiemgau. Diese Route hat mir auch sehr gut gefallen. Es ist eine schöne Alternative zur Tatzelwurm- Sudelfeldstrecke Bayrischzell - Oberaudorf.

Aber in Kufstein ging es erst mal nicht weiter. Während ich tankte kam ein heftiger Platzregen hernieder. Den ganzen Tag hatte ich großes Glück gehabt. Immer da wo ich gerade war regnete es gerade nicht. Auch am Nachmittag waren die Straßen immer wieder mal feucht bis nass. Ich dehnte meine Tankpause um eine Leberkässemmel und ein Stück Nusskuchen aus. Das war gleichzeitig mein Abendessen. Und siehe da, es hörte alsbald auf zu Regnen. Das letzte Stück des Tages nach Sachrang in den Chiemgauer Alpen fuhr ich auf richtig nassen Straßen, aber geduscht wurde ich wieder nicht.

Alles in allem war es ein ganz schöner Tag mit viel Glück mit dem Wetter. Das hätte viel schlimmer kommen können.

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Sommertour 2007 - Nach Mitterbach am Erlaufsee

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