Institut Deutsche Adelsforschung
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»Lassen wir uns unsere Vergangenheit nicht verschütten« [1]

Buchrezensionen als Spiegel adeliger Geisteshaltung in den ersten Nachkriegszeit 1949 bis 1954

I. Vorwegwort, Forschungslage und Fragestellung

"Ich will Ihnen etwas sagen: Wer mitgemacht hat, was wir mitgemacht haben, der hat, wie man so sagt, das alles gefressen, der ist eingedeckt für dies Leben, der braucht nicht erst ins Kino zu laufen, um das kennenzulernen oder es sich im Radio anzuhören! Daran würgen wir bei jedem Stück Brot, das sitzt uns im Nacken, das hockt uns nachts auf dem Brustkasten und drückt uns die Kehle zu," [2] doch "die Welt lag vor uns. Wir mußten sie bestehen, mußten es unablässig versuchen. Ich war dazu bereit!" [3]

Mit diesen aus der ersten Nachkriegsliteratur stammenden Worten aus zwei Kurzgeschichten könnte man die traumatischen Erfahrungen und die nachfolgende trotzige Stimmung umschreiben, die den historischen deutschen Adel aus Mitteldeutschland nach 1945 begleiteten, nachdem er Vertreibung, Flucht und materiellem Verlust sowie den Verlust der Heimat erleben mußte.
Doch über die Geisteshaltung und Verfassung des deutschen Adels als sozialer und kulturökologischer Gruppe nach 1945 ist bisher nur wenig geforscht worden, obgleich der epochale Bereich nunmehr unzweifelhaft zur Zeitgeschichte gehört und die letzten Zeitzeugen des Dritten Reiches - der bisherigen Zeitgeschichte - langsam versterben. [4] Ansätze zum Verhalten der Sozialgruppe Adel und ihrer Identitätsneubildung nach der »Stunde Null« sind also noch rar gesät, außerdem häufig von den Betroffenen selbst inszeniert und daher auch wiederum dem Adelsethos verbunden, [5] der eine kritische Auseinandersetzung kaum zugelassen haben dürfte. [6]

Ob also wohl die These der Kontinuität deutscher Eliten vor und nach 1945, die sogenannte »Renazifizierung« in Verwaltung und Justiz, aber vor allem die »Renazifizierung in den Köpfen«, auch beim deutschen Adel noch vorhanden war? Immerhin gehörte er mit zu den Eliteträgern des Dritten Reiches, der sich vor allem in der Wehrmacht und in den grausamen Eroberungsfeldzügen des NS-Regimes durch Europa aus einem sehr speziell verstandenen Traditionsbegriff der Hochhaltung aller militärischer Auseinandersetzung engagierte.

Diese Frage nach der Kontinuität oder Diskontinuität nationalsozialistischen und deutschnationalen Gedankengutes, aber auch die Frage, wie sich der deutsche Adel in den Zeiten der Demokratie, der Gründung der BRD und den ersten Nachkriegsjahren eine neue Gruppenidentität durch Exklusion und Inklusion bestimmter Ideengebäude und Konstrukte schuf, ist daher von einiger Bedeutung für das Selbstverständnis des Adels. Dies gilt es hier nicht nur im Rahmen einer rezeptionsgeschichtlichen, sondern vor allem aus einer multidisziplinären kulturwissenschaftlichen Perspektive zu untersuchen.
Als ungewöhnliche Quellengrundlage wurden dabei die sämtlichen in der Zeitschrift »Deutsches Adelsarchiv« in den Jahrgängen 1949 bis 1954 publizierten Rezensionen von Büchern benutzt. Das »Deutsche Adelsarchiv« war die maßgebliche Zeitschrift des deutschen Adels in den Nachkriegsjahren und verstand sich, personell wie organisationsbeziehentlich, als Nachfolgeblatt des »Deutschen Adelsblattes«, welches in den Jahren 1883 bis 1944 als Mitteilungsblatt der »Deutschen Adelsgenossenschaft« herausgegeben wurde.

Das »Deutsche Adelsarchiv«, für das Rechtsanwalt v.Flotow und Regierungsrat Hans Friedrich v.Ehrenkrook verantwortlich zeichneten, sah sich somit in einer gewissen Tradition und war außerdem eng verbunden mit der Neugründung der politisch unmöglich gewordenen Genossenschaft in anderer Form als »Vereinigung der deutschen Adelsverbände«. Die Zeitschrift »Deutsche Adelsarchiv« war somit nicht nur irgendeine Randpostille des ehemaligen Adels, sondern das führende Periodikum zur Erziehung eines gemeinsamen Ideals und zur Neuschaffung eines neuen adelsethischen Codices, der durch die »zweite Erziehung« zur Demokratie hervorgerufen worden war.

Die dort abgedruckten Buchbesprechungen seit Juli 1949 [7] waren außerdem die ersten ausführlichen und einzigen dezidiert politisch sehbaren Zeitschrifteninhalte, noch bevor es im April 1950 [8] zu den ersten thematischen Aufsätzen kam, die sich von dem Nachrichtencharakter mit dem Abdruck familiärer Veränderungen, Suchdienstannoncen und den dem Tagesgeschäft gewidmeten Kleinanzeigen für offene und gesuchte Arbeitsstellen deutlich abhob.

Aus diesem bedeutenden Grunde fällt ins Gewicht, daß die Buchbesprechungen somit sehr deutliche »Zeichenhaftigkeit« im Rahmen des »Circuit of culture« des deutschen Adels besaßen und ihnen einige Aussagekraft in Bezug auf die kulturökologischen Festlegungen der deutschen Nachkriegsnobilität inne wohnte. Rezensionen waren wichtige Bausteine innerhalb des geschlossenen adeligen »Kulturzirkels« und eine soziale Handlung, die sich durch die vermittelte Kommunikation im Dreiecksverhältnis zwischen Schriftsteller, Rezensent und Leser auszeichnete. Es gilt also zu bedenken, "daß alle sozialen Praktiken beziehentlich Handlungen einer Lebensweise ihre Bedeutungen haben (und damit kultureller Natur sind). Vor allem aber müssen die Menschen, um sozial handeln zu können, von diesen Praktiken ... eine Vorstellung haben und ihnen einen - wie auch immer gearteten - Sinn zuschreiben können." [9]

Auch Rezensionen von Büchern in selbstdefinierten sozialen Gruppen und Kollektiven stehen hiermit in engem Zusammenhang in der Schnittmenge von Produktion und Konsumtion: "Bedeutungen werden nicht nur im individuellen und kollektiven Austausch von Personen, sondern auch von gesellschaftlichen Institutionen - insbesondere den Massenmedien - produziert und zirkuliert. Um bestimmte Sachverhalte, Ereignisse, und die mit ihnen befaßten Grupen anzusprechen. Bei der Aufnahme und Verarbeitung dieser Bedeutungen produzieren die KonsumentInnen ebenfalls Bedeutungen (beispielsweise durch das Hören spezifischer Musik, Lesen bestimmter Printprodukte, Sehen ausgewählter Filme, aber auch das Tragen spezifischer Kleidung und den Besuch ausgewählter Veranstaltungen), um ihrer Persönlichkeit  (Identität) Ausdruck zu verleihen." [10]

Aus kulturwissenschaftlicher Sicht läßt sich also konstatieren, daß Rezensionen eine aufgeladene Bedeutung im Rahmen der Zeichenhaftigkeit der Identitätsstiftung und des Identitätsausbaus besitzen. Die zeitliche Einführung der Rezensionsbereiches der Zeitschrift im Juli 1949 kann somit auch als ein wichtiger Zeitpunkt der wiederstarkenden Suche nach adeliger Selbstvergewisserung gelten.
Wichtiger aber als das Datum und die ungefähre Wiederaufnahme bedeutender gruppensozialer Selbstfindungsprozesse war der Inhalt der Besprechungen, der von den seinerzeitigen Rezensenten und den Herausgebern der Zeitschrift absichtlich nach bestimmten Gesichtspunkten im Sinne des »Circuit of Culture« ausgewählt worden war.

Hierzu hieß es zur Ersteinführung der Rubrik »Buchbesprechungen« im Juli 1949 im »Deutschen Adelsarchiv«, es nicht darum gehe, einen Überblick über die deutsche Nachkriegsliteratur zu schaffen, sondern ganz explizit künftig nur solche Werke zu besprechen, "die tatsächlich wesentlich und wertvoll genug erscheinen, um von anspruchsvollen Lesern in die Hand genommen zu werden. Aus der Vielfalt des deutschen Buchschaffens sollen in erster Linie Bücher herausgehoben werden, die dem brennendsten Interesse, nämlich dem für die Zeitgeschichte, entgegenkommen. Viel Unwesentliches wird seit Jahren auf diesem Gebiete produziert, doch gibt es glücklicherweise auch eine beträchtliche Anzahl von Auslassungen, die beachtlich sind und von berufenen Menschen geschrieben wurden, die aus wirklicher Kenntnis der politischen Situation im weiten Sinne sine ira et studio klärend und erklärend den geistigen Tumult, den das Vergangene hinterlassen hat, zu durchleuchten suchen ... Darüber hinaus soll über wertvolle schöngeistige Literatur, erbauliche Bücher auf christlicher Grundlage und auch Jugendbücher gesprochen werden." [11]

Mit dieser stark auf mehreren Ebenen bedeutungszuweisenden Erklärung war die politische wie kulturelle Bedeutung der Rubrik »Buchbesprechungen« evident gemacht worden. Und diese programmatischen Äußerungen der Herausgeber des »Deutschen Adelsarchivs« warteten sogleich mit einer Überraschung auf. Die an anderer Stelle und später auch vom Adel betriebene Meidung der Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten im Dritten Reich wurde hier als dringend angesprochen und keineswegs auf dem Wege der Vermeidung und Verdrängung umgangen, wie das sonst in vielen Kreisen ehemaliger Eliten des Nationalsozialismus üblich war. Nicht das Verschweigen, sondern die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle schien diese Grundlagenerklärung zu fordern und zu versprechen.

Der für diesen Aufsatz hier gewählte Untersuchungszeitraum wurde auf das Ende des Jahres 1954 begrenzt, weil einmal bis dahin bereits eine große Menge von Besprechungen erfaßt wurden, die allein durch ihre Massenhaftigkeit repräsentativen Charakter beanspruchen dürfen und weil zum Zweiten eine gewisse Konsolidierung der politischen Verhältnisse in der Bundesrepublik und in der DDR eingetreten war. Außerdem wurden am 23. Oktober 1954 die Deutschlandverträge unterzeichnet, die der BRD ab Mai 1955 den Staus eines souveränen Staates einräumten. Dieser wurde seit September 1949 von der konservativ-liberalen Koalition unter Adenauer regiert, so daß sich auch in der politischen Führung der BRD bis Ende 1954 eine gewisse Konsolidierung und Beruhigung ergeben hatte.

Damit war auch der Adel in der Lage, die nach Flucht und Vertreibung eingetretenen Veränderungen weitestgehend zu kompensieren und neue Arbeits- und Aufgabenfelder zu finden: Man mußte sich zwar - nach Maslow - »im Jahre 10 nach Kriegsende« immer noch um die Grundbedürfnisse von Nahrung und Sicherheit bemühen, konnte aber schon wieder nach Selbstverwirklichung und kognitiven wie ästethischen Bedürfnissen streben. [12]

Die stichprobenartige und überblicksbeziehentliche Auswertung weiterer Jahrgänge des »Deutschen Adelsarchivs« hätte demgegenüber wohl ein mehr an Erfassungsarbeit, aber sehr wahrscheinlich keine akzentualen Verschiebungen in der Wertung gebracht. Zudem war der Untersuchungszeitraum auch auf die ersten Nachkriegsjahre zu beschränken, bevor mit dem Beginn des Wirtschaftswunders andere Aufgaben und Ziele in die Augen des historischen deutschen Adels rückten.

II. Quantitative Dimensionen der Rubrik »Buchbesprechungen«

In den Jahren zwischen Juli 1949 und Dezember 1954 wuchs die quantitative Bedeutung der Rubrik stetig an und umfaßte in der Regel je Ausgabe mehrere Rezensionen, die teils bis zu drei Druckseiten einnehmen konnte. Erschienen waren im »Deutschen Adelsarchiv« des Untersuchungszeitraumes insgesamt 307 Rezensionen von neu herausgegebenen Büchern und Zeitschriftenausgaben, welche Auskunft geben können über die Literaturpräferenzen des ehemaligen deutschen Adels.

Dabei konnte sich die Zeitschrift auf eine breite Rezensentenschaft sowohl aus den eigenen Reihen der  »Standesgenossen« als auch auf zahlreiche nichtadelige Intellektuelle stützen: Insgesamt rezensierten im Untersuchungszeitraum 69 Personen im »Deutschen Adelsarchiv« neue Bücher, das waren durchschnittlich etwa 4,4 Buchbesprechungen pro Rezensent. Die meisten Besprecher traten jedoch nur selten auf, ein bis drei Mal (z.B. der "Kaufmann in Fetten" Klaus Schlegel, Johanniterritter aus Köln), [13] während dahingegen einige wenige Rezensenten Dauerschreiber für die Redaktion waren. Zu diesen zählten unter dem Sigel »D.Frhr.v.H.-R.« der hauptsächlich Jagdbücher besprechende Detlev Freiherr v.Hammerstein-Retzow (23 Rezensionen), [14] dann Ferdinand Freiherr v.Fürstenberg (9 Rezensionen), Ursula Katz-Strohkirch (25 Rezensionen), Hans-Friedrich v.Ehrenkrook (12 Rezensionen) sowie als quantitativer Spitzenreiter die beiden Vielschreiber Hans Erich v.Groll (52 Rezensionen) und ein gewisser »Dr. Reichert« (54 Rezensionen). [15]

Will man die besprochenen Werke kategorisieren, so lassen sich 13 Abteilungen bilden, die unterschiedlich stark vertreten waren. Die meisten Besprechungen wurden zu »Romanen und Erzählungen« abgedruckt (52 Stück). Hierbei handelte es sich meist um verklärende Romane.

Fast gleichauf folgten in der Menge Rezensionen zu Büchern, die sich mit »Sachthemen« beschäftigen (48 Stück). Diese Sachthemen waren stark an den kulturellen und pragmatischen Interessen des Adels ausgerichtet und befaßten sich mit praktischen Fragen der Bedeutung der Jurisprudenz für den Hausgebrauch, der Hauswirtschaft, der Auswanderung nach Übersee, dem Waldbau, dem Stahlbau, der Kochkunst, aber auch eher schöngeistigen Dingen wie der Philosophie, den Vornamen, der Etymologie, den Benimmregeln, dem Burgenbau, dem Städtebau, der Handelsgeschichte, der Tierwelt, der Jagd, der Malerei, dem Adelsrecht, mit Kunstführern, dem diplomatischen Dienst, der Kriegsschuld sowie dem prominenten Widerstand vom 20 Juli 1944.

Der nächstgrößere Posten befaßte sich, gewisse Überschneidungen mit der vorherigen Rubrik besitzend, mit der »politischen Zeitgeschichte«, wobei hierunter Werke zu zählen waren, die sich mit der Politik aus der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis hin zu Analysen der aktuellen Politik der UdSSR zogen (39 Stück) und sich durchaus nicht nur auf den Nationalsozialismus bezogen.
Einen weiteren größeren Posten innerhalb der besprochenen Bücher nahm dann die Rubrik der »militärischen Zeitgeschichte« ein (32 Stück). Hier wurden Hintergründe, Motive und Abläufe von großen Kriegszusammenhängen geschildert, nicht jedoch einzelne Regimentsgeschichten oder Schlachtengeschichten besprochen. Offensichtlich war das Bedürfnis in den ersten Jahren zur Klärung überblicksartiger Fragen größer und das Kontingent an erschienene Truppenteilgeschichte noch zu klein.

Einen weiteren großen Raum nahmen »Biographien« ein, die meist von historischen, weniger aber aktuellen Persönlichkeiten und großen Männern der Geschichte handelten (35 Stück). Den nächstgrößeren Beitrag lieferte die Rubrik »Unterhaltung«, wo vor allem Merians und Westermanns Monatshefte besprochen und empfohlen wurden (22 Stück). Auch der Bereich »Genealogie« war relativ zahlreich vertreten und bediente freilich eines der alten Grundanliegen adeliger Kulturidentität.

Die übrigen Bereiche dahingegen waren unterrepräsentiert: Die einst in der Vorrede zu den Besprechungen im Juni 1949 angekündigte «christliche Erbauungsliteratur« kam nur auf wenige Rezensionen (6 Stück), ebenso wie »Reiseberichte« (7 Stück), »Osterinnerung und Preußenreminiszenz« (10 Titel), »Lyrikwerke« (6 Titel) sowie die ersten »Schloß- und Gutsgeschichten« (4 Titel).

III. Qualitative Dimensionen der Rubrik »Buchbesprechungen«

In diesem Kapitel soll es nun nach der erfolgten Aufzählung und Kategorisierung um die inhaltlichen Ausrichtungen gehen, die weltanschaulichen Ausprägungen und ihre jeweiligen spezifischen Formen. Eine Annäherung an diesen qualitativen Bereich der Buchrezensionen wird einmal über den Zugriff auf eine Vita eines Rezensenten erfolgen, mehr noch aber über die inhaltlichen Aussagen und Positionierungen in den Besprechungen selbst. Zur Systematisierung werden in diesem Abschnitt dabei vor allem zwei Bereiche vorgestellt, die sich den positiven und den negativen Bedeutungszuweisungen widmen.

III.1. Die Rezensenten

Die bereits angesprochene Problematik der Vielzahl der Rezensenten, die teils nicht einmal identifizierbar waren, weil sie nur mit Kürzeln unterzeichneten, läßt die Schwierigkeit aufkommen, daß repräsentative aussagen zur Gemeinschaft dieser Personen nicht möglich sind. Es ist daher nur möglich, Schlaglichter auf die Rezensentenschaft zu werfen. Unter ihnen befand sich unter anderem der dem NS-Regime nahestehende Journalist Dr. Edgar v.Schmidt-Pauli (181-1955). [16] Dieser in den Rezensionen des Deutschen Adelsarchivs jedoch eher unbedeutende Beiträger wurde quantitativ allerdings bei weitem von jenen beiden Herren übertroffen, die die meisten Besprechungen lieferten: Ein "Doktor Reichert" und Hans Erich v.Groll.

III.1.1. Hans Erich v.Groll

Zu den eifrigsten und fleißigsten Rezensenten der Untersuchungszeit zählte der württembergische Historiker Hans Erich v.Groll (1906-1976). [17] Als Kind hatte er den ersten Weltkrieg miterlebt, war durch den frühen Tod seines Vaters, der bereits 1914 als Offizier in Polen gefallen war, Halbwaise geworden und war zu Ende des Krieges gymnasialer Schüler. [18] Wegen seines ausgeprägten Interesses am Schreiben studierte er bald die Geisteswissenschaften in Süddeutschland. Schon als Student der Geschichte fing er an für das »Deutsche Adelsblatt« zu schreiben und sich im baden-württembergischen Jungadel hervorzutun.

Im Jahre 1929 trat er im Adelsblatt mit einem programmatischen und kämpferischen Aufruf gegen die Weimarer Republik auf: Anläßlich der Festlichkeiten des 10.Geburtstags der Weimarer Reichsverfassung bemängelte er zuerst die "wahrlich recht sinnlose und ungerechtige Feststimmung" im Angesicht "unserer verzweifelten politischen Lage", die durch "ungesunde Zersetzungserscheinungen in unserem heutigen staatlichen Aufbau" gekennzeichnet wären. Seine antidemokratische Grundhaltung belegte er auch dadurch, daß er "in dem gepriesenen Zeitalter der Demokratie" der Auffassung war, "in ehrlicher Überzeugung zu einer Ablehnung der geltenden Verfassung und Staatsform sich bekennen [zu] müssen." [19] Als nach Aktivismus strebender Jungnationaler verachtete v.Groll allerdings die reine Kritikasterei der eher passiven altkonservativen Standesgenossen, die sich allein in der Bemängelung der Jetztzustände erschöpfte: Er setzte sich ein für eine »positive Staatsauffassung«, auch wenn er 1929 noch nicht angeben könne, wo sich dafür denn geeignete Betätigungsfelder im "krankhaften Staatskörper" befinden würden.

Im Jahre 1931 dann gehörte er als in Tübingen studierender »cand. hist.« der »Landesabteilung Württemberg-Hohenzollern« der »Deutschen Adelsgenossenschaft« an [20] und am 26.Februar 1935 promovierte er in Philosophie ibidem an der Universität mit einer Arbeit über »Ostpreußens Anteil an der politischen Bewegung im Vormärz 1840 bis 1847«.

Der Genossenschaft blieb er als Mitglied auch treu, nachdem diese 1933 in ihren Satzungen die "Erbgesundheitspflege, Bekenntnis zu Blut und Boden ... und Kampf gegen fremdrassigen Einfluß auf das deutsche Volkstum" verfügt hatte, [21] denn 1938 und 1941 lebte er als Doktor der Philosophie mit seiner Gattin Irmgard geborene v.Bünau (1909-1995) in Mainz-Gonsenheim und gehörte der »Landesabteilung Hessen-Darmstadt« an. [22] Von ihm stammen etliche Buchrezensionen und auch Aufsätze aus den Jahren 1929 bis 1972. [23]

Im Dritten Reich dann frohlockte er, daß die "traurigen Jahre der Systemzeit" (der Republik) vorübergegangen waren. Er wollte mit seinen Rezensionen zeigen, "wie sich die Führung der DAG [24] zu den politischen Geschehnissen der Systemzeit gestellt, in welchem Sinne sie ihn auf seine Aufgaben gegenüber Volk und Staat in den Jahren des Niedergangs und der Zersetzung hingewiesen hat." [25] Grundsätzlich antirepublikanisch eingestellt, behauptete er, der Parlamentarismus habe sich in Neuwahlen erschöpft und selbst diskreditiert, auch war v.Groll ein Verfechter eines geradezu religiös überhöhten sakrifizierten Willens zur »staatlichen Auferstehung« "gegen die zersetzenden Strömungen der Systemzeit". [26]

Im Jahre 1937 plädierte v.Groll bereits für einen Anschluß Österreichs und die »großdeutsche Lösung« und hoffte mit seinen Buchbesprechungen, den "tiefgreifenden Einfluß aufzuzeigen, den der deutsche Genius auf die Welt ausübte und noch ausübt". [27] Später im zweiten Weltkrieg, als v.Groll im Jahre 1942 "z.Zt. bei der Wehrmacht" [28] war, konzentrierte er sich auf die Förderung des »totalen Krieges« und lobte lebensverachtende Maximen, in dem er soldatische Vorbilder mit den folgenden Worten pries: "Gehen wir vor? Dann sterbe ich gern, das ist der schönste Tod." [29]

Mit dieser Grundhaltung erlebte v.Groll als 39jähriger das Ende des Nationalsozialismus und den Beginn der Besatzungszeit, der zweiten Besatzungszeit, die er im Leben mitgemacht hatte. Im März 1951 nahm er seine Tätigkeit als Rezensent des »Deutschen Adelsarchivs« (des Nachfolgeblattes des »Deutschen Adelsblattes«) auf und fing wieder an häufiger als Rezensent für den deutschen organisierten Adel zu arbeiten.

Seine erste Rezension war militärgeschichtlichen Charakters und behandelte das Leben des Generalstabschefs Franz Halder (1884-1972), eines hohen Offiziers, der einerseits im Widerstand gegen Hitler stand, andererseits aber nach Einschwenken auf Hitlers Kurs maßgeblichen Anteil an der Vorbereitung der Feldzüge gegen Polen, Frankreich und die Sowjetunion hatte und eine Vernichtung der sowjetischen Intelligenzia propagierte sowie Rußland kolonisieren wollte. [30] 1942 wurde Halder wegen des fehlenden Erfolges im Ostfeldzug von Hitler entlassen und nicht wieder mit einem Amt betraut.
Hans Erich v.Groll macht deutlich, daß er sich in seiner Weltanschauung radikal geändert habe, da er nun auf Seiten der Gegner des NS-Systems steht: Er macht jedoch aus dieser Entlassung Halders einen Widerstandsakt, weil "dieser deutsche Generalstabschef lieber aus dem Amte ging, als Hitler weiter willige Gefolgschaft zu leisten". [31]

Dabei fühlt sich v.Groll allerdings "dem Verantwortungsgefühl der historischen Wahrheit" verpflichtet, die er für sich erkannt zu haben glaubt und die für ihn objektiv zu sein scheint. [32] Doch die »historische Wahrheit«, die er für sich in Anspruch nahm, [33] bestand für ihn hauptsächlich in den Erinnerungen von hohen Militärs, die er öfters in den Rang von Standardwerken erhöhte, weil sie als Memoiren "tendenzfrei" seien und nicht "der zweckbestimmten Propaganda unseres damaligen Regimes" entsprachen [34] - eben jener Propaganda, dessen Vertreter er selbst bis vor wenigen Jahren noch gewesen war. Hier wird bereits deutlich: Groll sieht sich nunmehr als Außenstehender, als Beobachter, als Angehöriger einer »sauberen« widerständigen Wehrmacht, die Hitler unversöhnlich gegenüber gestanden habe und sein Opfer geworden sei. [35]

Diese Haltung findet sich häufig wieder in den Besprechungen auch anderer Rezensenten: Auf der einen Seite habe die »saubere Wehrmacht« gestanden, dort aber auf der anderen Seite "die verantwortungslose Leichtfertigkeit der Parteiführer, die abgründige Verlogenheit eines Systems". [36] Die Wehrmacht sei stets gottesfürchtig und gehorsam gewesen, sei von Hitler nur infiltriert und mißbraucht worden, sei sonst aber ein Garant "absolut unpolitischer Einstellung und sauberem Verhalten im Feindesland" gewesen: "Die hohen deutschen Offiziere des Heeres haben das Beste zum Wohl ihres Landes gewollt, doch mußten sie scheitern, weil sie den Machtmitteln einer teuflischen Politik nichts Schlechteres entgegenzusetzen hatten, als ihr wirkliches Können, ihre Aufrichtigkeit und ihre Anständigkeit." [37] »Gehorsam« und »Anständigkeit« wurden hier als Ideal der Wehrmacht gepriesen, die Schuld allein auf Hitler als fokussierter und erklärter »Samiel« abgeschoben. Überhaupt agierte Hitler in der Vorstellung der Rezensenten als omnipräsent und allmächtig.

Hitler persönlich habe bei Kriegsende Aktenbestände zerstört, so daß die vielen Autobiographien von ehemaligen Generälen der Wehrmacht "zeugnishaften Wert" erhalten würden, "die an die Stelle der von Hitler systematisch vernichteten oder durch den Krieg verlorengegangener Dokumente treten müssen als Grundlage einer künftigen historischen Forschung". Dies schrieb im Jahre 1950 ein eigentlich mit Quellenkritik bewanderter promovierter Wissenschaftler wie jener Doktor Reichert: Tatsächlich trat er gänzlich kritiklos dafür ein, Memoiren als Quelle der Geschichtsschreibung zu benutzen. [38]
Dementsprechend wurden auch die »Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher« als fingiertes Siegergericht angesehen, welches, nach Meinung eines anderen Rezensenten, des Oberleutnants außer Diensten Georg-Eberhardt v.Loeper (1921-1984), [39] ungerechtfertigterweise auch die hohen Militärs wie Kesselring, Ritter v.Leeb, List und Keitel auf die Anklagebank gesetzt hatte. Deren Argumente (der Befehlskette und Eidverpflichtung) seien vor dem Gericht nicht gewürdigt worden und hätten diese Beweggründe daher nur einen geringen Einfluß auf die jeweiligen (zu harten) Urteile besessen. Vor allem der Generalfeldmarschall der Wehrmacht Albert Kesselring (1885-1960) [40] wurde von ihm als "die große Persönlichkeit" beschworen, "wie sie nur aus preußisch-deutscher Soldatentradition mit ihren vielen Vorzügen gewachsen sein kann". [41]

Abgesehen davon, daß Kesselring keiner preußische Tradition entstammte, sondern aus Unterfranken kam und ehemals Königlich Bayerischer Offizier gewesen war, der 1919 in die Reichswehr übernommen worden war, gehörte er als Befehlshaber der Luftflotte 1 Berlin zu den Durchführern des Überfalls auf Polen und die Sowjetunion. Am 24. März 1944 ließ er gar mehrere hundert Zivilisten in Italien in den »Adreatinischen Höhlen« als »Sühnemaßnahme« töten (Kesselring unterstützte den Vorschlag des SS-Obersturmbannführers Kappler, für jeden getöteten Deutschen zehn Italiener exekutieren zu lassen) und war Hitler stets loyal ergeben, übersprang in seinen Beförderungen sogar sonst vorgeschriebene Ränge und war zuletzt Oberbefehlshaber West. Geiselerschießungen und gehorsame Hitlertreue wurden aber vom Rezensenten v.Loeper ausgeblendet, wenn er von »preußisch-deutscher Soldatentradition mit ihren vielen Vorzügen« sprach.

Andere Rezensenten waren da kritischer. Sie bemühten sich um eine Rechtfertigung jener Adeliger, die 1944 das Attentat um Stauffenberg ausgeführt hatten. Kurz nach diesem Ereignis hatte die »Deutsche Adelsgenossenschaft« gefordert, daß die Namen der Attentäter für immer aus dem Geschichtsbuch des deutschen Adels gestrichen werden müßten - jetzt, einige Jahre später, bemühte sich das »Deutsche Adelsarchiv« um die gegenteilige Perspektive und zog dazu neue Argumente heran, da man selbst unbedingt auf der Seite der »Gutmenschen« stehen wollte.

Umsomehr schien ihm dies aufzuscheinen, als Hitler am 30. Januar 1933 Hindenburg geschworen habe, die Weimarer Reichsverfassung zu beschützen (jene Verfassung, die Groll 1929 verachtete). Diesen Eid habe Hitler gebrochen und so seien auch die Wehrmachtsoffiziere nicht eidbrüchig geworden, die sich in den Widerstand gegen Hitler begeben hätten: Weil Hitler seinen Eid nicht gehalten habe, bräuchten seine Untergeben ihren Eid auch nicht halten. Mit dieser Gedankenkonstruktion rechtfertigte sich v.Groll freilich nachträglich selbst, da er ebenfalls einen Eid in der Wehrmacht auf Hitler geleistet hatte.
Der Historiker v.Groll, der in der Öffentlichkeit bis 1942 noch durchweg als Anhänger Hitlers auftrat, zitierte sogar 1952 folgende Zeilen aus »Mein Kampf«: "Wenn durch die Hilfsmittel der Regierungsgewalt ein Volkstum dem Untergang entgegengeführt wird, dann ist die Rebellion eines jeden Angehörigen eines solchen Volkes nicht nur Recht, sondern Pflicht", ohne daß diese Verpflichtung bei ihm selbst als Rezensenten im Dritten Reich zutage getreten wäre.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß v.Groll nach 1945 in seinen Buchbesprechungen keine Worte des Zweifels findet über seine eigene Tätigkeit oder die der Wehrmacht aus der Zeit von vor 1945. Aber: Für v.Groll waren die »Widerständler des 20. Juli 1944« eindeutig »Patrioten« und keine »Verräter«: Eine neue »Dolchstoßlegende« lehnte er ab, wollte sich vielmehr lieber den drängenden Gegenwartsproblemen widmen anstatt die Vergangenheit wieder und wieder umzuwühlen; hier äußert sich die bekannte »Schlußstrichmentalität« der ersten Nachkriegszeit. [42]

Und dennoch sehnte er sich manchmal nach einem Zurückholen verpaßter Gelegenheiten. So war er der Auffassung, daß die richtige Integration der Sowjetbürger ins Dritte Reich im zweiten Weltkrieg noch einen »Endsieg im Osten» gewährleistet hätte, da der Nationalsozialismus dem Sowjetbürger das "freiere Regime" gebracht haben würde. [43]

Entsprechend kritisch sah v.Groll daher auch »nestbeschmutzende« Verfasser von Büchern, welche "die wahre Unmoral und Verderbtheit unseres damaligen Regimes" leugneten, sich aber bei der Neigung zu eigener Erklärung und Rechtfertigung zu sehr engagierten. [44]

Zum Ende des Untersuchungszeitraumes hin scheint v.Groll aber eigener Selbstkritik gegenüber offener geworden zu sein: Er habe in den letzten Jahren "so viel erlebt an dramatischen und grausamen Schicksalen führender Männer, die führten und führen zu müssen glaubten" und er identifizierte sich mit dem Stuttgarter Generalleutnant außer Diensten Moriz (sic!) Faber du Faur, "der die Leistungen unseres Heeres in zwei großen Kriegen bewundert und doch ihre Führung  anklagen muß, der die Verwerflichkeit eines diktatorischen Regimes sah und ihm dennoch diente." [45] Allerdings, abseits aller Unmöglichkeit, die letzten Winkel der weltanschaulichen v.Grollschen Prinzipien sehen zu können, zählt, was v.Groll im Jahre 1954 schrieb und was auch auf ihn angewendet werden könnte, nämlich "daß uns, zumindest heute, nicht mehr das Wollen und die möglichen Absichten, sondern allein ihr tatsächliches Handeln und die Erbschaft interessieren kann, die sie dem deutschen Volk hinterließen." [46]

Was aber hinterließ Hans Erich v.Groll dem deutschen Adel? Der Vielrezensent war zwiegespalten. Er war nicht nur Zeuge von vier deutschen Staatsformen, sondern auch Mitgestalter deutscher Kultur, zumindest deutscher (adeliger) Subkultur: Anfänglich als Antidemokrat, dann als Unterstützer des Nationalsozialismus, schließlich als konservativer (geläuterter?) Demokrat und Republikaner in Zeiten der Bundesrepublik. Ein einheitliches oder Pauschalurteil über seine Weltanschauung, die es in einer statischen Form wohl nicht gegeben hat und immer in einem fortwährenden Entwicklungsprozeß begriffen war, ist daher nicht möglich.

III.2. Kulturproduktion durch Bedeutungszuweisungen

Besieht man sich die Rezensionen im »Deutschen Adelsarchiv«, so waren diese nicht nur von literarischem Interesse, sondern auch eminent politisch. Dem entgegen kam eine zutiefst dichotomische Weltanschauung des deutschen historischen Adels, die es ermöglichte, Phänomene »einfach« in »gute« und »schlechte«, positive und negative Erscheinungen einzuteilen. Verläßlichkeit in der Urteilsfindung und die gemeinsame Befürwortung oder Verurteilung von Werten war hier eines der wichtigsten Bezugspunkte in einer Zeit der Wandlung, der Improvisation, der Neuschaffung und Umwertung von Werten. Mit weitgehend aus der Zeit von vor 1945 stammenden Werthaltungen wurden daher auch die Bücher und Literaturen der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg vom ehemaligen deutschen Adel beurteilt und kategorisiert. Wie im Einzelnen diese Kategorisierung in positive und negative Aspekte stattfand, sollen die folgenden beiden Kapitel »en detail« darlegen.

III.3. Positive und inklusive Bedeutungszuweisungen

Es war vor allem die Vergangenheit, die positiv für den Adel wirkte und immer wieder herangezogen wurde. Sie stellte so etwas wie den roten ethischen Faden der Nobilität dar, etwas, was bei der Veränderung vor allem der materiellen Lebenssituation identitätsstiftend wirken konnte. Allerdings wurde nur eine bestimmte Vergangenheit hervorgekehrt: Die Zeit von 1870 bis 1918 galt im Allgemeinen als Vorbild, während die Jahre 1918 bis 1933 kritisch gesehen wurden und eine strikte Ablehnung der Zeit von 1933 bis 1945 vorherrschte. Vor diesem Hintergrund muß man die folgenden Zeilen verstehen, die sich durchaus nicht auf die Aufarbeitung der Rolle des Adels in der damals unmittelbaren Vergangenheit des Nationalsozialismus bezogen, darauf aber aus anderer Perspektive durchaus angewendet werden könnten: "Ein Volk, das seine Vergangenheit vergißt, gibt sich selbst auf. In einer Zeit, wo sich bei der Jugend, auch in ihren älteren Jahrgängen, ein so erschreckender Mangel an Vertrautheit mit unserer Vergangenheit zeigt, ist jeder Versuch zur Abhilfe willkommen zu heißen." [47]

Der Untergang dieser scheinbar erstrebenswerten Vergangenheit färbte zugleich die Gegenwart des Adels in der jungen Bundesrepublik negativ: Man empfand im Jahre 1950 "das heutige Unglück der Welt ... Ein Vergleich zwischen 1913 und 1950 macht klar, was an Reichtum, Kulturgut [und] menschlicher Intelligenz ... verschleudert worden ist." [48] Gern unterschied man im deutschen historischen Adel in den ersten Nachkriegsjahren "zwischen dem trostlosen Jetzt und dem beglückenden Einst". [49]

Was nach dem zweiten Weltkrieg blieb, war die Suche nach einer Rechtfertigung der vielen Gefallenen, die man brauchte, um sich nicht eingestehen zu müssen, daß die Söhne, Vettern, Brüder und Väter keineswegs für "Deutschlands Zukunft" gefallen waren, sondern »nur« einem menschenfeindlichen Regime zum Opfer gefallen waren. Gelobt wurden daher historische Romane, die Analogien zum Zerfall des Dritten Reiches mit dem Zäsurjahr 1945 aufwiesen. Als Beispiel hierfür sei der positiv besprochene Roman »Ein Land entsteigt der Dämmerung« von 1938 genannt, dessen Autor Josef Pietsch ein reiner Vorkriegsautor gewesen war, der nur im Dritten Reich veröffentlicht hatte. [50]

Entsprechend pathetisch verherrlichte Pietsch in seinem Werk, welches in der Zeit der Besiedlung Schlesiens durch Westdeutsche im Mittelalter berichtete, Kampf und Tod der Pionierfiguren seines Romans: "Es ist", so der Rezensent Dr. Reichert dazu, "ein hohes Lied vom deutschen Wesen" in seiner reinen Gestalt. Und dann die Bewährung alles dessen in der Stunde der Not, als die Tatern kommen ... Zu großartiger Höhe erhebt sich die Darstellung in der Schilderung der Schlacht auf der Walstatt. [51] Mit fast priesterlicher Weihe wird die Größe der Stunde beschworen: »Heiliger Boden meines Vaterlandes! Nur mit Ehrfurcht nah ich mich dir, nur mit heiligem Schauer betrete ich dich! Denn dein Boden hat das Blut der Besten getrunken, und deine Erde verwahrt die sterblichen Leiber unsterblicher Helden. Ihren ist die Krone der Ehre zuteil geworden und der Kranz des Ruhms durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag ... manche Geschlechter starben ganz aus, und ihre Wappenschilde wurden zerbrochen.« ... Würdiger ist nie von dem großen Tage gesungen worden, an dem Schlesien zum ersten Male das Blut seiner Besten opferte, um die deutsche Welt vor der Barbarei des Ostens zu bewahren. Die Dichtung hat für unsere Tage eine schmerzvolle neue Bedeutung gewonnen." [52]

Auffallend war hier nicht nur die Parallele zur Zeit des zweiten Weltkrieges und die Sichtweise, der deutsche Adel habe sich einer Sowjetisierung des als Opfer dargestellten Dritten Reiches entgegengesetzt, sondern zugleich auch eine im folgenden konstruierte Überhöhung des Autors des Romans, der von der »Ostdeutschen Verlagsanstalt« unerverändert nach 1945 nachgedruckt worden war: Der Rezensent Dr. Reichert glaubte, daß Pietsch, der "allem literarischen Modewesen und seiner Betriebsamkeit abhold [gewesen sei], immer zu sehr im Schatten eines Hauptmann und Stehr [53] gestanden [habe], die er doch an Größe der Gesinnung, seelischer Tiefe und volkhafter Deutung zweifellos überragt." Auch Walter v.Sanden aus Guja in Ostpreußen sei "den soviel bekannteren Werken von Bengt Berg völlig ebenbürtig", so daß allenthalben das Urteil »der Massen« über »verkannte« Schriftsteller im »Deutschen Adelsarchiv« allgemein beklagt wurde. [54]

Neben gemäßigten Stimmen gab es aber auch solche, die offen für eine geistige Kontinuität des Nationalsozialismus eintraten. So wurde im Oktober 1949 in einer Besprechung zu des Schriftstellers Heinrich Sohnreys 90.Wiegenfest das Dritte Reich gerühmt und die Niederlage des Nationalsozialismus betrauert: "Unser Volk ist heute mehr denn je in Gefahr, von westlicher Zivilisation überrannt zu werden, unterstützt von zerbrochenem Glauben an sich selbst und irre geworden an der Vergangenheit und schließlich an der ihm auferlegten moralischen und sittlichen Umerziehung durch die Siegermächte." Auch das "richtig erkannte Ideal von Blut und Boden" wurde weiterhin - vier Jahre nach Kriegsende - unverhohlen gerühmt. [55] Der hier kritiklos weiterhin gefeierte Sohnrey gehörte im Oktober 1933 zu einer Gruppe von 88 Autoren, die Adolf Hitler ein Treuegelöbnis unterzeichnet hatten. [56]

Romane, in denen das Schicksal der Vertriebenen dargestellt wurde, und die zur Identifizierung einluden, waren gern gesehen und sind dementsprechend empfohlen worden, wie der hinter Stacheldraht in alliierter Kriegsgefangenschaft zwischen den Jahren 1945 und 1947 entstandene und 1949 erschienenen Roman »Rätsel um Pylar« des Generals der Infanterie Egar Röhricht (1892-1967). [57] Vieles, was aus "der Zeit vor den großen Umwälzungen" stammte und "ganz geborgen in dem Frieden von Alters bewahrter Ordnungen stand",58 konnte demnach auf eine wohlwollende Besprechung im »Deutschen Adelsarchiv« hoffen: Derartige Bücher waren Rückzugsrefugien geistiger Art als Gegensatz zum oft dürftigen Nachkriegsleben der ersten Jahre "im Westen". In der Besprechung eines Romans aus dem Jahre 1950 wurde dies wie folgt formuliert: "Es sind auch unsere Fragen, vor welche sich die Menschen in diesem Roman gestellt sehen: innere und äußere Heimatlosigkeit, und das Erfühlen des letzten Halts, den nur die bewußte Verbundenheit mit geliebten Menschen geben kann." [59]

Positive Bedeutungszuweisungen wurden auch mithilfe von tatsächlichen oder romanhaften Naturschilderungen erreicht. Romane hatten beim »Deutschen Adelsarchiv« Erfolg, sofern sie sich auf die Jagd und die Landschaft an sich "im Moor zwischen den Kranichen, auf der Heide bei den Birkhähnen, im Wald zur Blattzeit der Rehbocks" bezogen: Auch dies war eine Form von angeblich »heiler Welt«. [60] Die Naturverbundenheit ging sogar soweit, daß in den Besprechungen hier "die Farbskizzen einiger Gewürzkräutern von Ingeborg Wiederbusch" als "etwas besonders Reizvolles", dort "ein Erlebnis mit Seeadlern auf der vereisten Müritz mit seltenen und gelungenen Vogelaufnahmen" gepriesen wurden. [61]

Insgesamt wurde die Zeit vor 1933, mehr noch die Zeit von vor 1914 allgemein, als positiv bewertet und als untergegangene Welt betrauert. An Büchern lobte man daher "ein reizvolles Bild jener unbeschwert friedvollen Zeit um die Jahrhundertwende",62 die deutlich als »heile Welt« verklärt wurde. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß der Adel vor 1914 noch weitgehende Privilegien besessen hatte, die nach 1918 (Rechtsstatus) und noch mehr nach 1945 (Grundbesitz) verloren gegangen waren.

Viele Gefühle und Haltungen des historischen deutschen Adels überdauerten aber auch das »Dritte Reich« und pendelten sich auch nach 1945 wieder auf alter Linie ein. Dies trifft auch zu auf die alten adeligen Geschlechterrollen, die sich auch noch nach 1945 konstatieren lassen: So heißt es in einer Biographie über Margarethe v.Wrangell (1876-1932), die als Frau in Deutschland im Jahre 1923 zum Professor ernannt worden war: "Es ist das Schöne, daß diese Frau bei aller streng wissenschaftlichen und umfangreich organisatorischen Arbeit doch immer Frau bleibt und damit einen ersten und sogleich schlagenden Beweis dafür liefert, welche Aufgabe der Frau, da sie nun einmal den erhaltenden und pflegenden Kräften näher steht [als der Mann], in unserem Daseinsgefühl auch auf dem geistigen Felde vorbehalten ist." [63]

III.4. Negative und exklusive Bedeutungszuweisungen

Negative Bedeutungszuweisungen sind vor allem in Richtung Kommunismus, Sozialismus und Nationalsozialismus konstruiert worden. Darin erschient der Nationalsozialismus an prominenter Stelle, was mit dem geringen Zeitabstand zu den Ereignissen des Dritten Reiches erklärbar ist, aber auch mit der Tendenz der Verdrängung eigener Verantwortung und Zurückweisung von Schuldanteilen. Somit erschient das NS-System in den Rezensionen als oktroyiertes System, als "braune Flut", die über den traditionsverhafteten Adel mit seinen alten Werten von Ritterlichkeit und Parteilosigkeit wie ein Naturereignis hereingebrochen sei und sich "unheilvoll an den besten Männern dieses Volkes versündigt" habe. [64]

Ein beliebtes Motiv war auch die Ablehnung jedweder Mittelmäßigkeit, die Ablehnung von »Masse« und »Vermassung«, von dem »Untergang des Adels« in der Nachkriegsgesellschaft, verbunden gelegentlich mit einer Herabwürdigung von vorgeblich mittelmäßig Gebildeten und Nichtabiturienten: Für den die alte barocke aristokratische Welt vorstellenden Roman »Der blaue Kammerherr« vom Suhrkampverlag könnten wohl, so die Rezensentin Angela v.Britzen, "den heute jungen Menschen mit ihrer Real-Schulbildung ... zum Teil die Voraussetzungen zur Würdigung ... fehlen, aber es wäre trotzdem anzuraten, einem jeden jungen Aristokraten dies Buch in die Hand zu geben, an dessen vollen Bild er sich bewußt werden kann, was verspielt wurde und woher die Zeichen des Untergangs sich ableiten, die ihn, den Nachfahren, nun, nach ihrer Entfaltung, in die Masse verweisen, in der er sich mit seinem Leben wird einrichten müssen."

Der Roman sei ein Widerstandsakt gegen die Gleichmacherei, er ließe "noch einmal ... eine Welt der innersten Noblesse aufleuchten, die von Liebe zu den Menschen und zum eigenen Volke, aber auch von der Notwendigkeit der Strenge durchdrungen war. Und die Wenigen, die dafür eintraten, taten es zum Preis der Einsamkeit und hatten ... »vom Gifte der Skepsis« gekostet." [65]

Interessant ist hier die Ablehnung der pragmatisch orientierten Realschulbildung, die nach den Humboldtschen Bildungsreformen im XIX. Centenarium entstanden war und sich im Gegensatz zum humanistischen Gymnasium auf die Naturwissenschaften und moderne Sprachen konzentrierte, um auf eine Ingenieur- oder mittlere Beamtenlaufbahn vorzubereiten. Als im Jahre 1955 eine Neuordnung des westdeutschen Schulsystems anstand, entschied man sich für die Gliederung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium, während in den östlichen Ländern unter Ägide der DDR ein Einheitsschulsystem eingeführt worden war. Die angesprochene Rezensentin nun sah sich selbst und »den Adel« als Eliteschüler, die selbstverständlich das Gymnasium zu besuchen hätten, um so die besten Bildungs- und Entwicklungschancen zu bieten. Zugleich sprach daraus jedoch der Wunsch nach einer Festlegung sozialer Ungleichheit. [66]

Auch die Ablehnung der demokratischen Lebensauffassung läßt sich aus den Zeilen der Rezensentin von 1950 herauslesen: "Denn dies Buch trägt noch einmal, wie mit einem langen, ausklingenden Fanfarenton, die ganze aristokratische Lebensauffassung, das Weltbild der souveränen Macht und ihrer Verpflichtung in sich und über sich hinaus." [67] Nicht einer durch das Volk legitimierten zeitgebundenen Macht von temporär mit Staatsämtern Beauftragten wird hier das Wort geredet, sondern der souveränen Macht politischer Entscheidungträger durch Erbgang. Genau in diesem Bereich sah die Rezensentin »den Adel«, der nur seinen eigenen Verpflichtungen und hohen ethischen Ansprüchen Genüge tu müsse, um etwas Besonderes darzustellen. Er dürfe sich daher auf keinen Fall einer massenlegitimierten Macht unterstellen. Dies galt nicht nur für die Politik, sondern auch für die Lebenshaltung des einzelnen Nobilitären.

Dieser Verlust der Abhebung »des Adels« durch seine Haltung und seinen speziellen Verhaltens- und Ehrenkodex gegenüber anderen Bevölkerungsteilen wurde daher auch lebhaft betrauert: "Es bedeutet Abschied, einen bewußten, trauernden Abschied von einer Welt, die durch Individuen bestimmt [68] und von deren Verzicht, Selbstsucht und Verantwortlichkeit getragen wurde." [69] Zugleich aber wurde dazu aufgerufen, diese »Haltung« beizubehalten, denn sie sei ursächlich dafür verantwortlich, daß »der Adel« als Stand und Geisteshaltung auch und gerade in der Gesellschaft der jungen Bundesrepublik überleben könne. So heißt es anhand einer Buchbesprechung über eine indische Reiseschilderung einer adeligen Autorin mit deutlichem Bezug auf die eigenen als desillusioniert empfundenen Zeiten des Rezensenten von 1950: "Das überall verbreitete Elend, ohne Anklage hingenommen, ist eine stete Gegenwart in dem Buche. Noch ist das alte Seelentum unerschüttert; das Heilige regiert Leben und Denken. Wird es so bleiben?" [70] Aus diesen Worten spricht deutlich die Furcht des Besprechers: Würde es bei der Haltung des Adels bleiben können? Würde er »untergehen« oder sich als »inneren Stand« in der Massengesellschaft erhalten können?

Dann und wann gab es aber trotzdem auch selbstkritische Stimmen, welche die deutsche Geschichte von 1933 bis 1945 als »Drama« bezeichneten. Man sei Zeuge gewesen "eines Dramas, das wir alle miterlebt haben, mit dem wir alle schuldig wurden und am Ende untergegangen sind." [71]

Im Allgemeinen tief saß jedoch der Schock der Niederlage eines ganzen politischen Systems, auf das große Teile der deutschen organisierten Nobilität vertraut hatten: "Erschütternd auch die Erkenntnis, die wir aus dem Buch mit uns nehmen: Von welch lebenswerter, geistiger, kultureller und sittlicher Höhe wir herabgestiegen sind, um heute vor dem Trümmerhaufen einer zu Tode getroffenen Kultur zu stehen." [72[ Das freilich läßt sich so und so lesen: War hier die Kultur des Dritten Reiches betrauert worden, die der Republik oder gar die des Kaiserreichs?

Gelegentlich fällt die Kritik auch weniger auf die Weltanschauung des Nationalsozialismus, sondern auf »den SS-Staat«, der durch Konzentrationslager und Unterdrückung die guten Kräfte im Volk, vor allem die angeblich politisch neutralen Offiziere (als aktiver Offizier konnte man nicht Mitglied der NSDAP werden) drangsaliert habe. [73] Übersehen wurde dabei auch geflissentlich der Anteil von historischen deutschen Adeligen in dem Offizierkorps der SS.

Ansonsten wandten sich die Rezensenten angewidert gegen jene Art von Literatur, die sie »Feststellungsliteratur« nannten, sofern sie der Meinung der konservativen Besprecher widersprachen. Dabei beförderten sie derartige Werke selbst in den Rang »unentbehrlicher Geschichtsquellen«. So schrieb Dr. Reichert über die Memoiren eines Dolmetschers aus dem Dritten Reich, es sei "einem übersehbaren Beitrag für die ernsthafte wissenschaftliche Forschung" gleich zu stellen. [74] Wo also Archivquellen noch nicht zugänglich waren, hielt man sich gern an Lebenserinnerungen von Konservativen, die die Determiniertheit von geschichtlichen Vorgängen als reine machtlose Beobachter »feststellten«. Somit fand sich der deutsche historische Adel entschuldigt für seine Verstrickung in den Nationalsozialismus.
Einige Negativismen waren dahingegen auch über Jahrzehnte und diverse Staatssysteme hinaus fest in die Seelen des Nachkriegsadels eingebrannt, nicht nur durch jahrelange Erziehung im Dritten Reich, sondern auch durch gehörte, behauptete, erzählte oder erlebte Ereignisse aus dem Osten. Es war die Feindschaft gegen die Sowjetunion und das durch sie vertretene Gesellschaftssystem des Kommunismus. Bücher wurden daher nicht ausgespart, die zeigten, wie sich die Deutschen im Frühjahr 1945 fühlten, welchen Verfolgungen sie durch die sowjetische Armee ausgesetzt waren. Traumatische Erlebnisse wie "das  Überrollen der Trecks durch die russischen Panzer mit der nicht abreißenden Folge von Plünderungen, Morden, Schändungen in viehischer Bestialität" wurden nicht verschwiegen und schienen Kraft zur Abwehr zu geben.

IV. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung

Rezensionen waren im historischen deutschen Adels in den ersten Jahren nach 1945 nicht nur ein Aufbruch in eine »normalere« und vom Krieg entfernte Alltagswelt, sondern zugleich auch ein probates Mittel zur Erhaltung, Festigung und Neubildung von Wertehaltungen. Dabei zeichnete sich der ehemalige deutsche Adel durchaus durch die Bereitschaft aus, sich mit der Geschichte des »Dritten Reiches« auseinanderzusetzen. Allerdings fand er keinen historisch angemessenen Platz in dieser Geschichte, da sich der Adel meist lediglich als »Zaungast der Geschichte« außen vor wähnte und sich nicht ganz darüber im Klaren war, welchen eigenen quantitativen und qualitativen Anteil er an den Verbrechen des Nationalsozialismus und seinem Aufkommen in Deutschland gehabt hat. Neben Außenbetrachtungen und auch offen pronationalsozialistischen Tönen wurden aber ebenso demokratische Stellungnahmen und Schuldeingeständnisse veröffentlicht. Alles dies war nötig für eine Neueinkleidung vorwiegend alter und überkommener Werte, da das demokratische Modell noch weit davon entfernt war, im historischen deutschen Adel einen tragenden Widerhall zu finden. Der historische deutsche Adel war in den Jahren 1945 bis 1955 zunächst mit dem Überleben und dem Alltagsbewältigung beschäftigt. Wie die Rezensionen zeigten, war aber das Interesse an der Gegenwart und an der Zukunft groß; sie wurde schon wenige Jahre nach Flucht und Vertreibung durch die Festigung der Weltanschauung ausgedrückt.

Dieser Aufsatz © erschien textgleich zuerst in der Zeitschrift Nobilitas für deurtsche Adelsforschung..

Annotationen:

  • [1] = Zitat nach einem Eintrag in der Rubrik Buchbesprechungen (Rezensent »v.L.«), in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Nummer 26, Seite 2
  • [2] = Ina Seidel: Jemand erwarb ein Empfangsgerät, in: Wille Fehse (Herausgeber): Deutsche Erzähler der Gegenwart. Eine Anthologie, Stuttgart 1959, Seite 302-303
  • [3] = Heinz Piontek: Gibst Du es noch nicht auf?, in: Wille Fehse (Herausgeber): Deutsche Erzähler der Gegenwart. Eine Anthologie, Stuttgart 1959, Seite 230
  • [4] = Beispiele für erste Ansätze dazu bieten Almqvist, Paula: Eine Klasse für sich. Adel in Deutschland, Hamburg 1979 --- Bohne, Evelyn: Deutschlands Adel ist immer noch eine Wirtschaftsmacht. Blaublütige Sippen besitzen einen beträchtlichen Teil der BRD, Führungspositionen in der Industrie, bei Banken und Verbänden, in: Frankfurter Rundschau Nummer 177 vom 3.8.1983, Seite 13 --- Dobra, Annegret: Blaues Blut und bunte Blätter. Adel und Zeitschriften in Deutschland, Hannover 1999 (Diplomarbeit an der Hochschule für Musik und Theater Hannover) --- Dornheim, Andreas: Adel. Selbstverständnis, Verhalten und Einfluß einer traditionellen Elite, in: Eliten in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1990, Seiten 142-163 --- Görlitz, Walter: Zur gegenwärtigen Situation des Adels, in: Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser A, Band II., Glücksburg 1955, Seiten XXIII-XXX --- Groll, v.: Geschichte des deutschen Adels im Blickfeld der Gegenwart, in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang XV., Melle 1959, Seite 212-213 --- Löwenstein, Aloys-Konstantin Erbprinz zu: Der Adel und die moderne Entwicklung (Was ist Adel? / Was ist der deutsche Adel heute? / Adeliges Selbstverständnis in der Wandlung / Wie wird der Adel in der modernen Entwicklung stehen?), in: Dt. Adelsblatt, Jahrgang V., Nummer 3 vom 15.3.1966, Seite 52-55 --- Rüdt v.Collenberg-Bödingheim, Kurt Freiherr: Der Adel im heutigen Westdeutschland. Eine Studie, in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang XI., Nummer 92 vom April 1955, Seite 64-67 --- Bill, Claus Heinrich: Adel im öffentlichen Leben Deutschlands 1945-1950, in: Nobilitas. Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jg.I, Folge 1, Owschlag 1998, Seite 3-32
  • [5] = Zum Beispiel Archenholz, Bogislaw v.: Die verlassenen Schlösser. Ein Buch von den großen Familien des deutschen Ostens, Berlin 1967 oder Görlitz, Walter: Die Junker, Adel und Bauern im deutschen Osten, Limburg Lahn 1980
  • [6] = Ausnahmen bilden Dissow, Joachim v. (das ist Rantzau, Johann Albrecht v.): Adel im Übergang. Ein kritischer Standesgenosse berichtet aus Residenzen und Gutshäusern, Stuttgart 1962 sowie Plessen, Elisabeth v.: Mitteilung an den Adel, Frankfurt Main / Wien / Zürich 1978
  • [7] = Die Nutzung der Rubrik »Buchbesprechungen« erfolgte erstmals in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Nummer 23, Seite 2-3
  • [8] = Der erste freie thematische Aufsatz im »Deutschen Adelsarchiv« erschien durch Hans Georg v.Studnitz: Um die Saar, in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Nummer 32, Seite 4
  • [9] = Circuit of culture, in: Jürgen Kramer: Kulturwissenschaft. Anglistik und Amerikanistik, in: Klaus Sierstorfer / Laurenz Volkmann [Herausgeber]: Kulturwissenschaft interdisziplinär, Tübingen 2005, Seite 186
  • [10] = Ibidem, jedoch Seite 186-187
  • [11] = Nomen Nescio: Buchbesprechungen, in: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Nummer 23, Seite 2
  • [12] = Hierarchie menschlicher Bedürfnisse nach Maslow, in: Philip Zimbardo: Psychologie, Berlin 5.Auflage 1992, Seite 352
  • [13] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 19, Jahrgang 1949, Heft 28, Seite 4
  • [14] = Seine Trauerannonce zum Ableben, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang III. (1964), Seite 88-89 (2 Anzeigen)
  • [15] = Seine weitere Identifikation war leider nicht möglich
  • [16] = Irene Strenge: Ferdinand v.Bredow, Berlin 2009 (Zeitgeschichtliche Forschungen, Band XXXIX.), Seite 34
  • [17] = Trauerannonce zum Ableben, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang XV. (1976), Seite 182
  • [18] = Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Band  XX. (1993), Seite 102
  • [19] = Groll, Hans Erich v.[stud.hist.]: "Der Tag der Republik" [antidemokratischer Aufruf gegen die Weimarer Republik], in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang XLVII. (1929), Seite 584b
  • [20] = Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1931, Berlin 1931, Seite 371
  • [21] = Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1938, Berlin 1938, Seite 22
  • [22] = Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1938, Berlin 1938, Seite 155 sowie Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1940, Berlin 1940, Seite 161
  • [23] = Groll, Hans Erich v.[stud.hist.]: "Der Tag der Republik" [antidemokratischer Aufruf gegen die Weimarer Republik], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang XLVII. (1929), Seite 584b --- Groll, Hans Erich v. [1906 geboren, bezeichnete sich zur Zeit der Abfassung des Artikels 1933 als "cand.hist.", lebte im Jahre 1972 als "Dr.phil." und "Pressearchivleiter" in Mainz, arbeitete auch nach 1945 wieder für das Deutsche Adelsblatt]: Deutsche Geschichte 1871-1914. Betrachtungen zum dritten Band [der gleichnamigen Buchreihe von Adalbert Wahl], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LI. (1933), Seite 413 --- Groll, Dr.v.: Kampf gegen das System [Rezension des gleichnamigen Werkes von Walter Eberhard Frhr.v.Medem], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LV. (1937), Seite 1588-1590 --- Groll, Dr.v.: Soldatisches Führertum. Betrachtungen zum Werke von Kurt v.Priesdorff [Rezension], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LV. (1937), Seite 167-168 --- Groll, Dr.v.: Soldatisches Führertum. Die preußischen Generale in der Zeit von 1763 bis 1812 [Rezension des gleichnamigen Werkes], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LV. (1937), Seite 967-968 --- Groll, Dr.v.: Die preußischen Generale von 1813 bis 1840, Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LVI. (1938), Seite 690-692 --- Groll, Dr.v.: Zur preußischen Heeresgeschichte im 19.Jahrhundert [Gußstahlgeschütz, Marine], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LVII. (1939), Seite 212-213 --- Groll, Dr.v.: Zur preußischen Heeresgeschichte in den Jahren 1858-1867, Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LVIII. (1940), Seite 205-206 --- Groll, H.E.v.: Aus der preußisch-deutschen Heeresgeschichte. Betrachtungen zum 8.Band von Kurt v.Priesdorff "Soldatisches Führertum" [Rezension], Aufsatz, Deutsches Adelsblatt, Jahrgang LX. (1942), Seite 106-107.
  • [24] = Lies: Der Deutschen Adelsgenossenschaft
  • [25] = Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1937, Seite 1588
  • [26] = Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1937, Seite 1589
  • [27] = Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1937, Seite 1469
  • [28] = Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1942, Seite 106
  • [29] = Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1942, Seite 107
  • [30] = Hans-Adolf Jacobsen: Der Weg zur Teilung der Welt, Koblenz und Bonn 1977, Seite 108-109
  • [31] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1951, Seite 37
  • [32] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1951, Seite 72
  • [33] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1953, Seite 151
  • [34] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1951, Seite 119
  • [35] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1951, Seite 132 (am Beispiel des Generals Guderian)
  • [36] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 31, Seite 3 (mit einer erneuten Lobpreisung Guderians) sowie Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 36, Seite 3 (mit einer Lobpreisung des Generals Westphal)
  • [37] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 36, Seite 3. Man vergleiche hierzu die sehr wohl politischen Aussagen ranghoher Militärführer in Nobilitas, Jahrgang VI. (2003), Folge 27, Seite 1341-1347
  • [38] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 38, Seite 5
  • [39] = Zu ihm siehe Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Band  XXIV. (2002), Seite 188
  • [40] = Zu ihm siehe neuerdings Kerstin v.Lingen: Kesselrings letzte Schlacht. Kriegsverbrecherprozesse, Vergangenheitspolitik und Wiederbewaffnung. Der Fall Kesselring, Paderborn 2004 sowie Elmar Krautkrämer: Generalfeldmarschall Albert Kesselring; in: Gerd Ueberschär (Herausgeber): Hitlers militärische Elite, Band 1, Darmstadt 1998, Seite 121-129
  • [41] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 39, Seite 5
  • [42] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1952, Seite 143. Das geschah auch durch seine Beurteilung der Hindenburgbiographie von Walter Görlitz (1913-1991), die v.Groll im Jahre 1953 als "d i e abschließende und zusammenfassende Hindenburg-Biographie" bezeichnete (Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1953, Seite 209)
  • [43] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1952, Seite 226
  • [44] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1952, Seite 226
  • [45] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1953, Seite 229
  • [46] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1954, Seitre 188
  • [47] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 33, Seite 3
  • [48] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 33, Seite 4
  • [49] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 35, Seite 4
  • [50] = Der Autor Josef Pietsch (1899-1945, vermißt) war Doktor der Philosophie aus Breslau und schrieb unter dem Pseudonym »Cosmus Flam» Werke wie »Die Wallfahrten des großen Pilgers Daniel Paschasius von Osterberg, und wie er zu Albendorf das schlesische Jerusalem aufbaute zum Ruhm Gottes« (erschienen 1935) oder eben das hier besprochene Werk  »Ein Land entsteigt der Dämmerung« (erschienen 1938)
  • [51] = Gemeint ist die Schlacht bei Wahlstatt vom 9.April 1241, als ein mongolisches Heer eine polnisch-deutsche Streitmacht besiegte. Die Schlacht hatte für den deutschen Adel teils bis heute stark idenitätsstiftende Momente, da sich aus den überlebenden Feldzugsteilnehmern die Gemeinschaft der "Vettern von Wahlstatt" gründeten, denen die sechs schlesischen Adelsfamilien v.Nostitz, v.Zedlitz, v.Rothkirch, v.Strachwitz, v.Seydlitz und v.Prittwitz angehören.
  • [52] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 34, Seite 6
  • [53] = Für den konservativen Adel war das verständlich: Gerhart Hauptmann (1862-1946) eignete sich wegen seiner sozialdemokratischen Sichtweise und seiner Neigung zur Schilderung dse Alltags von sozial Schwachen (»Die Weber«) nicht als Gallionsfigur für die Nobilität. Der erwähnte andere Schriftsteller, Hermann Stehr (1864-1940), war wie Hauptmann ebenfalls gebürtiger Schlesier, aber in seinen Werken kirchenkritisch und hatte sich dadurch als Lehrer die Feindschaft seiner Vorgesetzen zugezogen. In der Weimarer Republik eckte Stehr beim deutschen Adel zudem an, weil er als Wahlredner für die Deutsche Demokratische Partei tätig war.
  • [54] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 35, Seite 3
  • [55] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Heft 26, Seite 2
  • [56] = Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, Seite 575
  • [57] = Seine Kurzbiographie siehe im Weltnetz unter "http://www.deutsche-kriegsmarine.de/Personenregister/R/ RoehrichtEdgar-R.htm". Ansonsten Deutsches Adelsarchiv Jahrgang 1950, Heft 29, Seite 3
  • [58] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 29, Seite 3
  • [59] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 32, Seite 3
  • [60] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 29, Seite 4
  • [61] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 32, Seite 3
  • [62] = Gemeint war 1900/1901: Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 33, Seite 3
  • [63] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 33, Seite 3
  • [64] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Heft 23, Seite 3
  • [65] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft34, Seite 6
  • [66] = Ab dem Jahre 2000 haben die Studien »Program for International Student Assessment« (PISA) der »Organisation for Economic Co-operation and Development« (OECD) bestätigt, daß Schulleistungen, Schülerentwicklung und Karrierechancen wesentlich mit der besuchten Schulform und dem sozialen Hintergrund der Schüler in Korrelation stehen.
  • [67] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft34, Seite 6
  • [68] = Gemeint ist die Auffassung, Geschichte werde allein durch »berühmte Männer« und »Tatmenschen« gestaltet, durch Monarchen und Minister, Militärs und Diplomaten
  • [69] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft34, Seite 6
  • [70] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft35, Seite 2
  • [71] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Heft 24, Seite 2
  • [72] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Heft 26, Seite 2
  • [73] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1949, Heft 27, Seite 3
  • [74] = Deutsches Adelsarchiv, Jahrgang 1950, Heft 30, Seite 3

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