Institut Deutsche Adelsforschung
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Kultursoziologie der Portechaise

Annotationen zur soziokulturellen Bedeutung einer adeligen Mobilitätsform der Frühen Neuzeit [1]

I. Vorwegwort

Am 2.Januar 1745 reichte der Hugenotte Jean Teste aus Berlin eine Rechnung an den preußischen Königshof ein: "Memoir pour avoir porté Sa Majesté le Roy de Prusse dimanche 20 decembre 1744 porté 2 fois 2 Rtlr. 16 Gr., vendredy 26 dito 2 Rtlr. 16 Gr., vendredy 25 porté le colonel de Kaiserling 2 fois 16 Gr." [2] Was hinter diesem schlichten ökonomischen Zeugnis steht, war eine bemerkenswerte Transportart, wie sie vor allem der europäische Adel in der Frühen Neuzeit benützte und die heute zu den weitgehend vergessenen und bestenfalls gelegentlich belächelten Merkmalen von »Adeligkeit« gehörten.

Denn »Adeligkeit« als Begriff bedeutete ein Kaleidoskop an Merkmalen, welche sich vor allem darin äußerten und manifestierten, daß sie anders waren als Merkmale für andere Bevölkerungsgruppen. Die soziale Abgrenzung, die auf nahezu alle Lebensbereiche einwirkte, äußerte sich vor allem durch unterschiedliche Lebensweisen, Anschauungen, Haltungen und Handlungen. Diese virtuellen und ungeschriebenen Merkmale konnte man unter dem im 18.Jahrhundert zeitgenössischen Begriff »Wohlanständigkeit« [3] oder auch im frühneuzeitlichen Konzept des »Honêtte Homme« [4] zusammenfassen.
Die erwähnten Konzepte sahen vor, daß sich der Adel so verhalten müsse, daß er als adelig angesehen würde; er mußte sich also zwangsläufig in allen Lebenserscheinungen von anderen Ständen im Ancien Régime unterscheiden. Zu diesen Unterscheidungen gehörte auch der deviante Einsatz von Gebrauchsgegenständen wie beispielsweise "des bekannten vierfüßigen Thiers, das noch in keinem zoologischen Werke beschrieben ist, und das unter dem Namen von Portechaise in allen großen Städten häufig herumschleicht." [5] Denn der Adel bediente sich in der Frühen Neuzeit oft und gern der in Deutschland auch gelegentlich »Tragsessel«, »Traghäuschen«, »Tragechaise« oder »Tragstuhl« genannten Fortbewegungsmittel. [6]

»Das Thier« war ein kostspieliges, unhandliches, unpraktisches, umständliches, für produktive Arbeit sinnloses und aus verschwenderisch eingesetzten Finanzmitteln angeschafftes Kultgut und gerade deswegen allgemein anerkanntes Mittel in der Nobilität, um Prestige zu verbreiten, um Adeligkeit zu stiften und über die Zeiten auch zu erhalten. Die Portechaise diente damit nicht in erster Linie der Fortbewegung, sondern vor allem der dauerhaften Herstellung von Renommage im Sinne der ökonomischen Theorie des Soziologen Thorstein Veblen (1857-1929). [7]

In dieser Arbeit [8] soll es darum gehen, das Phänomen der Portechaise als derartiges probates Mittel des Ansehens seines Benutzers zu klassifizieren und mit historischen Beispielen gemäß Veblens Lehre gebührend zu erläutern. [9] Das besondere Augenmerk liegt dabei nicht auf Bauweise, Verbreitung, Material oder Funktion einzelner Portechaisen, nicht auf Biographien von Sänftenbenützern oder -trägern, sondern auf der sozialen und kulturellen Bedeutungsaufladung von Portechaisen als symbolisches »Zeichen« und der mit ihnen umgehenden sozialen Akteure in der europäischen Ständegesellschaft.
Behandelt werden sollen hier gleichfalls nicht die rein dem praktischen Zweck des Siechentransports gewidmete Benützung der Portechaise bei kranken Personen, die aufgrund einer temporären oder aber auch dauerhaften Gehschwäche nicht den gewöhnlichen Fußgang absolvieren konnten. Für sie freilich war die Portechaise nur ein Hilfsmittel und weniger eine Mittel der ständischen Repräsentation. Zwei Beispiele hierfür bieten in Preußen der Earl-Marshal of Scotland George Keith (1693-1778), der sich in seinen Alterstagen gern in einer Sänfte transportieren ließ, wenn es zusammen mit Friedrich dem Großen philosophierte.

Aber auch von dem mecklenburgischen Edelmann Hans Christoph v.Lehsten (1618-1643), Königlich Schwedischer Obristleutnant zu Roß, ist bekannt, daß er einen Tragsessel benützte: Er war schon in jungen Jahren zu den höchsten Ehrenstellen der Armee in Schweden avanciert, so zum Oberst und Kommandeur über eigene Truppenteile. In seinem militairischen Leben hatte er jedoch manches Ungemach auszustehen. Manche Diener und Burschen waren ihm entlaufen, Krankheiten suchten ihn in Ungarn heim, einige Pferde waren ihm "unvermuthlich umbgefallen und verdorben / er auch selbst mit einer harten Leibesschwachheit angegriffen / also / daß er weder reiten noch gehen können." Da aber die Armee täglich marschierte, mußte er sich zeitweilig einige Wochen in einer Sänfte tragen lassen. [10]

Nicht behandelt werden hier auch die sogenannten Sesselträger von Honoratioren. Bei diesen Ehrenämtern handelte es sich um das Privileg, einem Herrscher während bestimmter Zeremonien dessen Sessel  zu tragen, wenn er seinen Sitzplatz in einem Raum veränderte. Dieses Amt gab es bereits zu Anfang des 16.Jahrhunderts als Lehensverpflichtung. Denn an den Besitz der nordschweizerischen Vogtei Weiningen war die vererbliche Verpflichtung des Erbsesselträgers des gefürsteten reichsunmittelbaren Abtes zu Einsiedeln gebunden. [11]

Diese Würde lag von 1437 bis 1798 in den Händen der Vogtherrenfamilie Meyer v.Knonau: "In der Verleihung des Vogtrechtes fand sich von 1532 bis 1781 die Bestimmung, daß der Lehensinhaber schuldig sei, zu den vier hochzeitlichen Festen in Einsiedeln seinem Herrn den Sessel zu tragen, einer Verpflichtung, der aber nicht mehr nachgekommen wurde. Anläßlich des Lehensempfangs vom 7.August 1715 erhoben die Junker Meyer eine Protestation gegen dieses Sesseltragen. Doch nahm der Abt diese nicht an, erlaubte aber, daß sie einen Stellvertreter stellten." 1798 erlosch infolge der Mediation die Verbindung der Vogtei zum Stift Einsiedeln und die Erbsesselträgerwürde starb damit ebenfalls. [12] Dieses Sesseltragen war aber eben kein Tragen einer Portechaise, sondern eines einfachen Sessels, der dem Abt hinterhergetragen werden mußte, wie denn auch der französische Hof unter Ludwig XIV. das Amt des Leibsesselträgers kannte. [13]

Gleichfalls wird an dieser Stelle die allgemeine Geschichte der Sänfte von den frühesten Zeiten der Antike an nicht dargestellt, es wird nicht eingegangen werden auf die Entwicklung der mit Maultieren oder Pferden betriebenen mehrsitzigen oder großen Sänften, auch nicht auf einen chronologische stringent dargestellte Entwicklung des Sänftenbaus. Interessant ist hier lediglich die potentielle und tatsächliche Zeichenhaftigkeit der Portechaisen als Träger von Renommage, Ansehen und Prestige. [14]

Der Aufsatz fragt damit also ausschließlich nach der repräsentativen sozialen Funktion von Portechaisen als Prestigeobjekt und dessen Wandlung im Untersuchungszeitraum. Er interessiert sich für die Frage, wann »werkinstinktiv« veranlagte Tragesessel zu »ehrinstinktiv« zu lesenden Portechaisen wurden und wie sich dies äußerte: »Ehrinstinktiv« und damit prestigeträchtig war ein Gebrauchsgegenstandes immer nur dann, wenn er praktischen, werkbezüglichen oder produktiven Zwecken weitgehend widersprach oder sie behinderte.

Um diesen Umstand gebührend darzustellen, werden zuerst Definitionen der oft nur unklar beschriebenen Begriffe von »Prestige« (Kapitel II.) und »Portechaise« (Kapitel III.), wie sie hier verwendet werden sollen, erläutert. Anschließend wird chronologisch aufsteigend die Konjunktur der Portechaise in Europa in den verschiedenen Zeitläuften beleuchtet (Kapitel IV.). Danach steht die Portechaise als Zeichen in der satirischen und adelsfeindlichen Kritik im Mittelpunkt des Interesses (Kapitel V.), bevor die Frage einzelner soziokultureller Eigenheiten der Portechaise erörtert wird ( Kapitel VI.) und ein Resuméeteil den Abschluß bildet (Kapital VII.)

II. Begriffsklärung »Prestige«

Wenn hier von »Prestige« die Rede ist und die soziokulturellen Bedingungen von Prestige anhand der Portechaise im Mittelpunkt stehen, so muß zuvor eine Definition des Begriffs »Prestige« statthaben. Unter Prestige wird daher hier die Zuschreibung von Werturteilen beschrieben, die eine Erhöhung oder eine Erniedrigung von Rang, Status, Stellung, Ansehen, Hoheit, Ruhm, Ruf, Vorrang, Nimbus, Weihe, Würde, Größe oder Erhabenheit eine potentiellen Prestigeträgers ergeben. Dieser potentielle Prestigeträger wird aber erst durch die Zuschreibung des Prestigesgebers mit Werturteilen wirklicher Prestigeträger, der sodann ein negatives oder ein positives Image zugeschrieben bekommt.

Bei dem Vorgang der Zuschreibung von Werturteilen sind also drei beteiligte Faktoren zu unterscheiden: 1) Prestigegeber, 2) Prestigemittler und 3) Prestigeträger. Geber haben dabei den aktiven Part, sie schreiben Prestige zu, Träger bekommen als passiver Part Prestige zugeschrieben. Die Zuschreibung selbst geschieht über den Prestigemittler, der immaterieller oder materieller Natur sein kann. Immaterielle Zuschreibung vollzieht sich aufgrund von Kompetenz, Wissen, Macht oder Einfluß, materielle Zuschreibung durch Gegenstände. Diese Gegenstände können sehr vielfältiger Natur sein und beispielsweise in Hausrat, Gärten, Parkanlagen oder Pferden und so weiter bestehen.

Um aber überhaupt Prestige erhalten zu können, müssen drei Bedingungen zwischen Prestigegeber und -träger erfüllt sein: a) Interesse, b) das Vorhandensein und die Kenntnis zuschreibungsfähiger Werte und c) eine spezifische Distanz. [15]

Interesse ist insofern eine Voraussetzung, als mangelndes Interesse an einem potentiellen Prestigeträger auch keine positive Zuschreibung auslösen kann. Prestige, das jemand besitzt, kann nur bei Interesse erzeugt werden, also in einer Situation, in der der Prestigegeber auf den potentiellen Träger von Renommage schaut. Weiters ist das Vorhandensein und die Kenntnis zuschreibungsfähiger Werte auf Seiten des potentiellen Prestigegebers nötig, um überhaupt jemanden Prestige zuzuerkennen; diese Werte lassen sich meist unter den Begriffen von diffuser Bewunderung und allgemeiner und unkonkretisierter Anerkennung zusammenfassen. Zuletzt ist auch die spezifische Distanz vonnöten, um Prestige erzeugen zu können. Unter spezifischer Distanz ist eine nicht zu große Entfernung, aber auch eine nicht zu große Nähe zum Prestigeträger zu verstehen. Bei zu großer Entfernung würde das Interesse nachlassen, bei zu großer Nähe erfolgen selten Zuschreibungen, weil große Nähe Zuschreibungen durch Kenntnisse verdrängt.

Zuschreibungen des Prestiges sind daher stets vage und eher unbestimmter Natur und allein darin liegt ihre ganz Wirkkraft begründet. Umschreiben lassen sich Zuschreibungen aber mit zwei unterschiedlichen Gefühlen, die diesen Werturteilen zugrunde liegen, denn Zuschreibungen sind weniger rationale als viel mehr emotionale Faktoren, die darüber entscheiden, ob jemandem Prestige beigemessen wurde oder nicht. In aller Regal sind dafür a) entweder Bewunderung oder b) Neid verantwortlich.

»Neid« wird hier als Gefühl verstanden, auf ein materielles Gut zu schauen, daß jemand besitzt, der sozial nicht zu weit vom eigenen Standpunkt entfernt ist; ein wesentlicher Punkt des Neides ist also die Vergleichsmöglichkeit. Dem Neid innewohnend ist außerdem der Wunsch diesen Gegenstand ebenfalls zu besitzen. [16] Die »Bewunderung« eines Menschen wegen eines Gegenstandes, den er besitzt oder benützt, ist ähnlich gelagert, besitzt aber keine aktivierende Wirkung, dieses bewußte Gut auch besitzen zu wollen, sondern äußert sich nur in Hochachtung. Beide Gefühle spielten auch im Falle der Portechaise eine Rolle: Der Bewunderung der einen Prestigegeber verdankte sie ihr Ansehen, dem Neid der anderen Prestigeträger ihre Verbreitung.

Dabei spielte Distanz wie erwähnt eine große Rolle. Waren Prestigegeber und Prestigeträger sozial weit voneinander entfernt, war entweder mit einer Reaktion von Hochachtung oder einer Verachtung zu rechnen, während größere soziale Distanz eher Neid auslöste. Renommage war daher nicht per se existent, sondern mußte erst in einem Prozeß der Zuschreibung erlangt werden, da die Herstellung, der Erhalt oder der Verfall derselben immer von dem oder den Rezipienten abhängig war. Der Soziologe Heinz Kluth unterschied zwar Sozialprestige (Geltung kraft Zuschreibung) von sozialem Ansehen (Geltung kraft Leistung), vergaß dabei aber, daß beide Arten von der Zuschreibung der Rezipienten lebten und erst durch diese Wahrnehmung existieren konnten. Leistung allein schuf nicht folgerichtig Prestige, sondern der Rezipient mußte diese Leistung erst einmal anerkennen, um sie zu Prestige werden zu lassen. Kriegerische Leistungen beispielsweise wurden nur dann als Verdienst betrachtet, wenn der Rezipient vom Militär als Institution eine hohe Meinung hatte. Kriegsdienstgegner besaßen dahingegen für Meriten, die im Krieg oder bei kriegerischer Tätigkeit erworben wurden, kein Verständnis und mußten sogar im Gegenteil einen Prestigeverlust der betrachteten Personen konstatieren. [17] Ein Gleiches gilt für das Sozialprestige, das auch nur dann entstehen konnte, wenn der Rezipient die auftretenden Faktoren für prestigeträchtig hielt.

Dabei verhielt es sich wie bei Demonstrationen. Demonstranten machten ihr Anliegen öffentlich und hatten Zuschauer, die ihre Thesen rezipierten oder auch nicht rezipierten. Die Wahrnehmung von Anliegen, seien es Demonstrationen oder Prestige (wobei beide in ihrer Wirkungsweise der Öffentlichkeit bedurften und daher diesbeziehentlich einander ähnlich waren), war daher immer vom Betrachter und seinem Wertesystem abhängig.

Trotzdem ist es nicht zu leugnen, das gewisse kulturelle übereinstimmende Codices Prestige schufen, ohne daß beim Zuseher nachgefragt werden mußte, ob eine bestimmte Maßnahme wirklich Renommage erzeugte. Dies war umso eher der Fall sein, je feudaler und ständestaatlicher eine Gesellschaft organisiert war, da in der monarchischen Staatsform die Schaffung von Prestige durch die Zementierung sozialer Ungleichheit bereits offenkundig war; die Feststellung von dem, was unter Prestige sonst zu verstehen sei, war dahingegen in der postmodernen europäischen Gesellschaft weiter gefächert und schwieriger, jedenfalls weniger einheitlich, zu beantworten.

Beispielsweise wäre annehmbar, daß im XXI. Jahrhundert die Portechaise wieder zu einem Prestigeobjekt werden könnte. Denn auch heute wäre sie und die Haltung von Porteurs in Livree teuer, unbequem, aufwendig, unnütz und ehrinstinktiv. Schwerlich aber würde der Betrachter des XXI.Centenariums einem Sänftenbenützer Prestige beilegen, weil die Portechaise vom Menschen der Kommunikationsgesellschaft durchweg als anachronistisch und bestenfalls als skurriler Spaß betrachtet würde. [18]

Prestige konnte in einer Gesellschaft fernerhin nur dann geschaffen werden, wenn es sich um innovative, kostspielige und unnütze Produkte handelt, welche die Mehrheit der Gesellschaft in einer stillschweigenden Übereinkunft als »modern« empfand, beispielsweise Neuerungen im kommunikationstechnischen Bereich. So war das Prestige eines bestimmten Konsumartikels in drei Phasen zunächst a) bei der Erfindung renommagelos, dann b) mit steigender öffentlicher Akzeptanz und infolgedessen auch steigendem Verbreitungsgrad renommagehaft und schließlich c) prestigemindernd, wenn es begann, in Massenproduktion den Markt zu überschwemmen.

So waren in den Erfindungs- und Erprobungsjahren 1825 die spurkranzgeführte Eisenbahn der Stockton and Darlington Railway in Großbritannien, 1886 der Benzinkraftwagen des Karl Benz, 1923 das Radioempfangsgerät, 1926 das Mobiltelefon, 1928 das Ferntonkino (Fernseher) oder 1969 das Arpanet (späteres virtuelles Weltnetz) noch eine Randerscheinung und Skurrilität. Einige Jahre oder auch Jahrzehnte später dahingegen wurden sie in einer zweiten Phase begehrlicher Knappheit allesamt Prestigeobjekte, bis sie in die dritte Phase der Massenverbreitung eintraten. Nun galten nur noch bestimmte Formen der Objekte als prestigefördernd, die im Falle der Eisenbahn schneller (TGV), im Falle des Kraftwagens kostspieliger (Rolls Royce), im Falle des Radios digital, im Falle des Telefons mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet, im Falle des Fernsehers großformatig und im Falle des Weltnetzes schneller (Kanalkapazitäten bis 1 Gigabit per Sekunde durch FTTH) waren.

Ebenso wie die vorgenannten technischen Neuerungen unterlag indes auch die Portechaise den Wandlungen von Ruhmhaftigkeit und der Beilegung und Minderung von Renommage. Objekte mit Prestige zu erwerben und demonstrativ zur Schau zu stellen, bedurfte also jeweilig in den Zeiten und einzelnen Gesellschaften oder Kulturen einer genauen Beobachtung des Marktes und der Verbreitung von Novitäten.
Aber nicht nur Produkte und Leistungen konnten prestigebeeinflussend sein, sondern auch andere Faktoren, die zudem nicht wie bei Produkten der Konsumgesellschaft, in drei Phasen abliefen, sondern zeitlich ein unabhängiges Leben führten. Dies galt zum Beispiel für Verhaltensweisen. So war die Päderastie als Erziehungsmittel im antiken Griechenland prestigefördernd, die Pädosexualität des XX. Jahrhunderts aber wirkte prestigemindernd.

Ähnlich verhielt es sich mit Eigenschaften, so der Zugehörigkeit zum Judentum und der Nobilitierung getaufter Juden im frühen XIX. Centenarium. Diese Adelungen galten im Judentum selbst als erfolgreicher und prestigefördernder Punkt eines sozialen Aufstiegs und der erfolgreich absolvierten Emanzipation, wurden aber im Dritten Reich von den Völkischen als prestigemindernd angesehen und konnten sogar lebensgefährlich werden.

Nach der Betrachtung der drei Faktoren der Prestigegeber, -mittler und -nehmer sind aber ferner auch noch zwei Arten von Prestige zu unterscheiden: I.) Personalprestige und II.) Gruppalprestige. Das Personalprestige bezog sich lediglich auf eine bestimmte Person, das Gruppalprestige schrieb Prestige aufgrund allgemeiner Gruppenmerkmale vor. Da nun gerade beim Adel, dessen einzelne Angehörige sich (bis auf renegatische Ausnahmen) meistens immer auch als Repräsentanten des Standes betrachteten, die Vermischung beider Arten besonders stark und nicht immer voneinander zu trennen war, fand hier auch eine Vermischung wechselseitigen Prestiges statt: Induktiv schloß man vom Verhalten eines Adeligen auf den ganzen Stand und zugleich auch deduktiv wurden vom Stand Erwartungen an den einzelnen Adeligen gestellt, an denen er gemessen wurde.

Dieses doppelte Phänomen traf auch auf den materiellen Prestigemittler der Portechaise zu: Einem einzelnen Adeligen, der die Portechaise benützte, wurde über den materiellen Mittler Prestige von interessierten Außenstehenden zugeschrieben. Zugleich aber wurde auch allen Personen, die sich in einer Portechaise tragen ließ, Prestige zuerkannt, weil man ihnen infolge des materiellen Mittlers unterstellte, daß sie »vornehm« sein müßten. [19]

Was nun die Werturteile anlangt, mit denen entschieden wurde, ob mittels des Prestigemittlers ein negatives oder ein positives Image verliehen wurde, sich also ein Prestigegewinn oder ein Prestigeverlust ergab, so entzogen sich die Motivationen dazu häufig genug rationalen Erwägungen und sind nicht ohne weiteres erklär- und nachvollziehbar.

Prestigeverlust entstand jedenfalls im Umkehrschluß zum Prestigegewinn immer dann, wenn einer der drei erwähnten nötigen Bedingungen der Zuschreibung sich verändern, wenn also a) das Interesse, b) die zuschreibungsfähigen Werte oder c) die spezifische Distanz eine Modifikation erfahren: "Erlischt das Interesse an dem Träger des Prestiges oder werden die außergewöhnlichen Werte und Leistungen, die er zu besitzen schien, aus irgendwelchen Gründen zu alltäglichen gestempelt oder als alltägliche anerkannt, so erlischt sein Prestige." [20]

Dasselbe galt natürlich auch für eine Veränderung der Werte und die Vergrößerung oder Verkleinerung der Distanz des Prestigegebers zum Prestigeträger. Sowohl Prestigegewinn als auch Prestigeverlust lassen sich am Beispiel der Portechaise nachweisen, sie äußern sich, wie in der folgenden Untersuchung zu zeigen sein wird, einmal im modischen Aufkommen im XVII. Jahrhundert und dann im Untergang der Portechaise im XIX. Jahrhundert.

Die bisherige Forschung hat sich mit den Portechaisen im Speziellen und auch den Sänften im Allgemeinen bisher kaum auseinandergesetzt, vielleicht, weil sie für die Gegenwart keinerlei Bedeutung mehr besitzen, weder verkehrsbeziehentlich noch kulturell. [21] Allenfalls in der musealen Realienkunde, [22] in der Kunstgeschichte, [23] in der ehrinstinktiv ausgerichteten hippologischen Fachliteratur [24] und in der Regionalliteratur [25] scheinen Sänften eine gewisses Interesse erzeugt zu haben, so daß die letzte größere Arbeit über Portechaisen immer noch die von Schramm aus dem Jahre 1737 ist, der sich darin aber nicht mit soziokulturellen Aspekten beschäftigte, [26] während Kultursoziologen wiederum keine Bezüge zur Portechaise herstellten. Diesem Forschungsdesiderat soll hier abgeholfen werden.

III. Begriffsklärung »Portechaise«

Portechaisen gehören baugeschichtlich zur Familie der Sänften. Sänften waren keine ausschließlich abendländische Erfindung, sondern stammten aus dem Orient, wo sie bereits in der ägyptischen Hochkultur benutzt wurden und später vor allem im Römischen Reich. Da der vorliegende Aufsatz den zeitlichen Blick allein auf die klassische historische Periode der Portechaise in der Frühen Neuzeit und damit etwa die Zeitepoche von 1500 bis bis zur Revolution von 1848 fokussiert, wird die Frühgeschichte der Sänften hier nur sehr summarisch dargestellt, sofern sie für das Verständnis der nachfolgenden Ausführungen von Belang ist.

Als sich Akzident und Okzident durch die Kreuzzüge des Mittelalters näherrückten und Kreuzfahrer Gewürze und andere Gegenstände und Ideen aus dem Morgenland mitbrachten, gehörte auch die Sänfte zu jenen Gegenständen mittelalterlichen Technologietransfers, die das Abendland bereicherten. Schon in der Frühgeschichte der Menschheit waren Sänften »vornehmen« Personen, die damit einen Teil ihrer Identität als Elite demonstrieren wollten, ein bedeutendes Mittel der Wahl zur Erreichung der Steigerung von Renommage. Im Morgenland waren die Sänften häufig sehr prachtvoll und von beeindruckenden Ausmaßen, wie sie in Europa nie erreicht wurden. [27] Eine bestimmte Sänfte aus Japan beispielsweise wurde bei einer kaiserlichen Trauerzeremonie von 51 Männern getragen, war 7 Meter lang und wog 1,5 Tonnen. [28] Hier kannte man als Sonderform auch noch den »Palankin«, einen mit einer Liege versehenen Kasten, der von vier bis acht Männern getragen wurde und der einen liegenden Transport ermöglichte. Dieser Kasten wurde vermittels von Bambusstäben auf dem Rücken getragen, aber auch er hatte sich, ebenso wie die römischen Liegesänften, in Europa nicht eingebürgert. [29]

Von besonderem Interesse waren aber jene gedeckten Tragsessel namens »seda gestatoria« oder »fertoria«, die dem Wesen nach der frühneuzeitlichen Portechaise sehr nahe kamen, von zwei Mann getragen wurden, die teils rot livriert waren, und die zu Zeiten des Kaisers Claudius (10 vor Christus bis 54 nach Christus) in Rom unter der elitären Gesellschaft weit verbreitet waren. Für weniger vermögende Vornehme gab es zudem bereits Mietsessel, die an öffentlichen Haltplätzen (»castra lecticariorum«) aufgestellt waren. [30] Das ganze System, wie es sich späterhin wieder in Europa in der Frühen Neuzeit kopiert findet, war daher zwar auch in Europa »bekannt«, sicherlich aber so verschüttet und aus dem allgemeinen Bewußtsein verdrängt, daß es sich um 1600 in Mittel- und Nordeuropa um eine »geradezu unerhörte Neuheit« handelte.

Diese Novität namens »Portechaise« (lautsprachlich je nach Gegend »Portschähs«, »Portschäß« [31] oder »Portschäse« [32] ausgesprochen), schrieb im Jahre 1861 Eugen Pierer in seinem Universal-Lexikon, "war ein Tragsessel; die jetzt gewöhnlichen P.[ortechaisen] bestehen aus einem mannshohen Kasten, an dessen Hinterseite inwendig ein Sitz angebracht ist, die Vorderseite bildet eine Thüre, in dieser u.[nd] in den Seitenwänden sind Fenster mit Vorhängen; auswendig befinden sich an der Seite eiserne Ringe, durch welche starke Stangen gesteckt werden, so daß zwei Männer (Portechaisenträger) die P.[ortechaise] sammt der innesitzenden Person bequem tragen können. [33] Die P[ortechaise]n waren früher in größeren Städten, gewöhnlich wo sich begüterte Personen bei schlechtem Wetter darin an einen Ort tragen ließen; in neuerer Zeit sind sie jedoch durch die Fiaker u.[nd] Droschken fast überall verdrängt worden." [34]

Ähnliche Definitionen findet man auch noch an anderer Stelle, wo Portechaisen als tragbarer, gedeckter und mit Fenstern versehener Kasten, der eine Bank besaß, beschrieben wurde [35] oder als "ein hölzernes, mit Leder überzogenes und mit Fenstern versehenes Behältniß, darinne man sich durch Hülfe zweyer Menschen, oder auch wohl ein paar Thiere, gar sanfft und gemächlich von einem Ort zum andern bringen lässet." [36]

Durch die französische Herkunft des Wortes »Portechaise« ist nicht verwunderlich, daß der Begriff »Tragsessel (-stuhl)« oder »Tragesessel (-stuhl)« in der Ständegesellschaft mit ihrem französischen Vorbild Ludwig XIV. den deutschen »terminus technicus« eher selten übernommen hat. Durch die zu jener Zeit an den Höfen und auch im Land- oder Stadtadel vorherrschende Frankophilie war es daher nur folgerichtig, zusammen mit der absolutistischen Staatsidee auch die kulturellen und materiellen Ausformungen derselben aus dem Vorbildlande zu importieren. Der Begriff »Tragsessel (-stuhl)« schien dazu oftmals ungeeignet, da er lediglich die tatsächliche Funktion des Kulturgutes beschrieb, aber auf die Renommage nicht hinwies. [37]

Dies tat ein französischer Begriff umso mehr, da es ersichtlich sein mußte, daß die Betreffenden, die davon sprachen, Zeit genug vergeudet hatten, um fremde Sprachen zu erlernen und sogar zum Teil des eigenen Kulturgutes werden zu lassen. Wer die Bezeichnung »Portechaise« benützte, konnte daher sicher sein, beim Betrachter die Wirkung hervorzurufen, daß er vor allem ästhetisches Wissen vor sachlichem Wissen erlernt hatte und er wurde vor allem nur von solchen Mitgliedern der Gesellschaft verstanden, die selbst den hohen Aufwand zur Erlernung welscher Sprachen betrieben hatten.
Die Benutzung des Wortes »Tragesessel (-stuhl)« dahingegen hätte eine Anerkennung und Hochschätzung praktischen Wissens bedeutet und damit einen Prestigeverlust: "Im gesellschaftlichen Leben" so schrieb dazu im Jahre 1817 rückblickende ein niedersächsischer Stadt- und Hofchronist, "auch im Briefwechsel, herrschte ein Gemisch von deutscher und von französischer Sprache, so daß es schwer war zu erkennen, was eigentlich die Muttersprache war. Noch war derozeit das Übergewicht in der Politur der französischen Sprache. In Hannover lieferte die kluge Churfürstinn Sophie ein auffallendes Beispiel: Diese deutsche Fürstinn  [sic!] schrieb Französisch wie ein Gelehrter, und Deutsch wie eine Wäscherinn [sic!]." [38]

Ähnliches ist auch von Friedrich dem Großen und anderen Fürsten jener Zeit bekannt. Somit war die Portechaise eine repräsentativ aufgeladene Potenzierung des rein formellen Aktes des Tragens einer sitzenden Person auf einem »mobilen Sessel« von einem Ort zum Anderen. Das Wort »Tragesessel« umschrieb letztlich nur die Tätigkeit und den Profanzweck des Möbels an sich, die Bezeichnung »Portechaise« aber sprach explizit von der symbolischen Funktion sowie der sprachlichen Andockung an das französische Vorbild, von dem man Renommage im Zuge der »Abglanztheorie« zu übernehmen gedachte: Die Frankophilie des europäischen Adels sollte einen Teil des Prestiges, den der Hof des Sonnenkönigs besaß, in Form der Kopierung von Kulturimporten und durch schlichte »Imitation im Kleinen« auf die eigenen Höfe ausstrahlen lassen. [39]

Zugleich war der Begriff »Portechaise« ein eingedeutschtes französisches Lehnwort, da es in Frankreich ausschließlich unter dem Namen »Chaises à porteurs« bekannt war. Krünitz bezeichnete daher die Portechaise in seiner Enzyklopädie auch nicht ganz zu Unrecht speziell als »Deutsche Sänfte«. [40] Gleichwohl war die Portechaise im engeren Sinne ein in ganz Europa auftretender Prestigegegenstand von regionalen oder nationalen Eliten. [41] Getragen wurde er durch zwei körperlich kräftige Bediente, die meistens Livreen trugen; sie hießen meist »Porteure« oder »Portechaiser« [42], in Wien und München »Sesseltrager« [43] sowie »Sesselträger«, [44] in London »Chairmen«. [45]

Indes muß bemerkt werden, daß in den Quellen des 17. bis 21.Jahrhunderts die Begriffe »Sänfte« und »Portechaise« häufig genug unspezifisch verwendet worden sind. Beide Bezeichnungen und auch deren Synonyme wurden im Untersuchungszeitraum sehr heterogen verwendet, da die Zeitgenossen teils offene »Tragsessel« als tatsächlich getragene Sessel von geschlossenen »Tragstühlen« (Portechaisen) unterschieden, teils damit aber mit »Tragsesseln« auch »Portechaisen« bezeichneten. Die Abgrenzung der Begrifflichkeiten in der vorliegenden Untersuchung und den angegebenen Quellen konnte daher nicht immer eindeutig geklärt werden, was vor allem die Darstellung der Genesis der Portechaise schwierig macht. Zusätzlich ist vielfach, namentlich in frühen Quellen, nur von einer Sänfte die Rede, wobei dann mangels einer genaueren Beschreibung fraglich bleiben mußte, ob es sich hierbei um eine Portechaise oder um eine andere Art von Sänfte handelte. Es blieb daher nicht aus, daß in der folgenden Darstellung der chronologisch aufsteigenden Konjunkturentwicklung der Portechaise zunächst vor allem auf die Sänften eingegangen wird, aus denen sich dann mit der Zeit die Portechaise als spezielle Unterform herausschälte.

IV. Konjunktur der Portechaise

Die Konjunkturentwicklung der Portechaise läßt sich zeitlich zwar nicht exakt und klar abgrenzen, aber dennoch zur Kategorisierung und Übersichtlichkeit in drei ineinander übergehende zeitliche Phasen einteilen: a) in eine Frühepoche von 1500 bis 1650, b) in eine Hochepoche von 1650 bis 1790 und c) in eine Spätepoche von 1790 bis 1850. Alle drei Portechaisen-Epochen, dargestellt in den nachstehenden Kapitel IV.1., IV.2. und IV.3., sollen daher hier nach ihren jeweiligen soziokulturellen Codices und mit etlichen Beispielen aus der Praxis vorgestellt werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Verknüpfung der Realienkunde mit der Frage von Prestigegewinn, Prestigeerhalt und Prestigeverlust.

IV.1. Frühepoche von 1500 bis 1650

Die Frühepoche der Portechaise kann mit dem auslaufenden Mittelalter und dem Beginn der Frühen Neuzeit beginnend und endend mit der Zeit des aufkommenden Absolutismus umschrieben werden. Es war die Zeit, in der aus der Sänfte eine weitere Spezialform entwickelt wurde, deren Bauweise von den bisherigen Sänften, die meist größer waren, abwich. Es wird im Folgenden daher darum gehen, sich zunächst die Sänften bei Hof anzusehen (Kapitel IV.1.1.), wo sie als Kennzeichen der »Würde«, »Ehre« und »Wohlanständigkeit« weit verbreitet waren. Einzugehen ist dann auf die Vorbildwirkung der mediterranen Tragestühle in italienischen Küstenstädten (Kapitel IV.1.2.), bevor die anfängliche Stigmatisierung des neuen Fortbewegungsmittels in Europa untersucht wird (Kapitel IV.1.3.).

IV.1.1. Höfische Sänften im Allgemeinen

Von frühen deutschen Verfechtern des »Pendulum Polychrestum« (»einer zu vielen Zwecken nützlichen Bewegung«) wurde die Sänfte hauptsächlich wegen ihrer werkinstinktiven Verwendung gelobt. Demnach diente sie im Allgemeinen dem Toten-, Siechen-, Schwangeren- und Krankentransport, mit ihnen wurde der Transport von Verurteilten [46] bewerkstelligt, sie dienten zur Abhaltung der Mittagsruhe nach dem Essen, dem Herumtragen von Götzenbildern, als Reisemittel, um 1700 auch zur Behandlung bei Seekrankheit, zur Unterstützung der Herstellung von metrischen Oratorien sowie der Behandlung »nervöser« Menschen. [47] Eine seltene werkinstinktive Verwendung der Portechaise führte zusätzlich um 1770 die Marschallin v.Montmerency-Luxemburg in Frankreich durch, die infolge Heizungsmangels ihre Portechaise in den Salon stellen ließ und sich dort bei großer Kälte in einer Art kleinen Ersatzwohnung aufhielt. [48]

Der Hauptzweck der Portechaise aber bestand in ehrinstinktiv veranlagten Absichten, vor allem in »einer trefflichen Ergötzlichkeit / in lauter E[h]rbarkeit«, [49] also zum »demonstrativen Spazierentragen«. [50] Dieses »demonstrative Spazierentragen« war vor allem zunächst dem Hochadel vorbehalten. Zu Beginn der Frühen Neuzeit waren an europäischen Fürstenhöfen vor allem Sänften aller möglichen Bauarten verbreitet, namentlich solche, die von zwei Maultieren gemäß dem römischen Vorbilde getragen wurden. So schenkte im Jahre 1564 der französischen König dem Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568) "eine schön verzierte Senfte" für vier Maulesel. [51] Und anläßlich der Hochzeit von Erzherzog Leopold V. und der Erzherzogin Claudia von Toscana wurde die Braut 1626 "in einer prächtigen mit Gold austapezierten Senfte, getragen von 2 weißen Maulthieren" zur Hochzeit getragen.52 Auch König Philipp II. von Spanien (1527-1598) verwendete zu Ende des 16.Jahrhunderts ebenfalls eine von zwei Mauleseln getragene Sänfte. [53]

Eine Reihe weiterer Sänften, über deren Bauart nichts bekannt ist, wurde zusätzlich an den Höfen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit verwendet: Im 1389 benützte die noch kindliche Isabella von Bayern (1371-1435), die Braut Kaiser Karl VI. (1368-1422), bei ihrem Einzug in Paris eine Sänfte. [54]

Im Jahre 1404 ließ sich der sieche Albrecht IV. der Geduldige (1377-1404) in einer Sänfte nach Klosterneuburg tragen, [55] wobei hier werkinstinktive Gründe der Krankheit maßgebend waren. Nachgewiesenermaßen rein ehrinstinktiv wurden Sänften aber am Hofe der Herzogin Isabella von Burgund (1397-1471) verwendet, wo in den Jahren 1426 bis 1459 mehrere Porteure und »valets de litière« (Sänftenknechte) angestellt waren. [56]

Anläßlich einer Königszusammenkunft im Juli 1515 ist eine Sänfte aber auch für König Wladislaw von Ungarn nachweisbar. [57] Gleichfalls besaß im Jahre 1519 der Erzbischof von Mainz eine Sänfte sowie 1 Sänftenknecht [58] und 1552 floh Kaiser Karl V. (1500-1558) in einer Sänfte vor dem Überfall von Moritz von Sachsen aus Innsbruck. [59] Eine seiner Sänften war dabei "ein Ding zwischen Ledertruhe und sklavischer Kibitke ... und einer großen Wiege sehr ähnlich". [60] Mindestens drei Sänftenknechte standen im Jahre 1586 fernerhin im Dienst von Herzog Julius zu Braunschweig und Lüneburg (1528-1589). [61]

Auch im XVII.Jahrhundert verwendete der europäische Hochadel weiterhin Sänften verschiedenster Ausführungen: Im Jahre 1629 besaß Erzherzog Leopold der Fromme (1586-1632) in Innsbruck 6 Senftenknechte. [62] Auch der Sozialaufsteiger Albrecht Wenzel Eusebius v.Waldstein (1583-1634), seit 1623 Herzog von Friedland und Fürst von Sagan, hatte einen verschwenderischen Hofstaat errichtet, zu dem im Jahre 1633 insgesamt 20 Kutscher, 10 Eseltreiber und Sänftenknechte gehörten. [63] Im gleichen Jahre 1633 erschien zur Hochzeit von Herzog Albrecht von Sachsen-Eisenach (1599-1644) mit Dorothea von Sachsen-Altenburg (1601-1675) in Weimar als Gast eine Gräfin von Schwarzburg mit 30 Personen und 28 Pferden, darunter "eine Menge Troß, Lakaien, Sänftenknechte, Kammerschreiber und Edelknaben." [64]

Auch in anderen europäischen Ländern war die Sänfte verbreitet: Als 1642 Maria von Medici (1575-1642), Königin von Frankreich, kurz vor ihrem Ableben ihr Testament anfertigte, verschenkte sie große Summen Geldes als Dank für die Verdienste ihres Hofstaates, darunter erhielten auch zwei ihrer »Stuhlträger« Gratifikationen zugedacht. [65]

Freilich nahm in Frankreich die Sänfte eine bedeutende Stellung schon unter König Ludwig XII. (1462-1515) ein, da seine junge Gattin Maria Tudor (1496-1533) bei ihrem Einzug in Paris zur Hochzeit im Jahre 1514 in einer kostbaren Sänfte, die von acht Herzögen getragen wurde. [66] Auch Ludwig XIII. und Ludwig XIV. nahmen ebenfalls reich gestaltete Sänften an ihren Höfen für sich in Anspruch. Kardinal Richelieu (1585-1642) benütze gar im September 1642 kurz vor seinem Tode eine von 18 Porteuren getragene Großsänfte für seine Reise von Lyon nach Paris, die wie ein Zimmer eingerichtet war, ein Bett und einen Tisch enthielt, an dem ein Sekretär Diktate entgegennahm. [67] Bei den meisten der erwähnten und nicht näher beschriebenen Sänften dürfte es sich jedoch nicht um Portechaisen gehandelt haben, sondern um größere Sänften.

IV.1.2. Das Vorbild Italien

Wann und weshalb sich nicht nur deutsche Fürsten, sondern auch der Adel und andere Eliten anfingen für die Portechaise zu interessieren und auf welche Weise es zur Erweiterung der bisherigen Sänftenformen kam, ist indes wegen der Unklarheit der Begriffsverwendung bei den Zeitgenossen, aber auch bei Globalität der Portechaise ungewiß. Denkbar waren indes zwei Gründe, die einesteils in ausländischen Einflüssen und anderenteils in der Entwicklung des Ständestaats gelegen haben könnten.

Ausländische Einflüsse dürften dabei auf zwei Wegen, vor allem über Spanien und Italien, nach Frankreich, England und ins Heilige Römische Reich deutscher Nation eingedrungen sein. Spanien war namentlich im 16.Jahrhundert, etwa zwischen dem Ende der Rekonquista 1492 und Westfälischem Frieden von 1648, die bedeutendste und wohlhabendste europäische Hegemonialmacht, deren Kultur auch auf die übrigen europäischen Fürstenhöfe ausstrahlte. Schon im Jahre 1655 schenkte der König von Spanien dem Fürstenhause Sachsen eine rotsamtene Portechaise mit goldenen Postamenten und »Chrystallscheiben«, die noch 1783 auf der Dresdener Rüstkammer verwahrt wurde. [68]

Dies war 1655 noch etwas Besonderes, da man Glas im 17.Jahrhundert noch nicht industriell und meist im aufwendigen Mondglasverfahren für kleine Butzenscheiben herstellte, die nicht durchsichtig waren, sondern nur durchscheinend. Die erwähnten »Chrystallscheiben« dürften mit Manganoxid entfärbte und daher durchsichtige Soda-Kalkgläser gewesen sein, die man in Venedig, der Pionierstadt der europäischen Glasmacherei, »crystallo« nannte. [69] Derartige Scheiben waren 1655 noch relativ selten und daher sehr kostspielig, wie es für ein verschwenderisches und praktischen Zwecken gänzlich abholdes Fürstengeschenk typisch war. Die Erwähnung der kristallinen Eigenschaft der Scheiben läßt zudem darauf schließen, daß die Scheiben ihrerzeit 1655 in Sachsen noch etwas Außergewöhnliches waren, da man sonst nur schlicht von Fensterscheiben gesprochen hätte.

Außer in Spanien war die Sänfte in Italien bereits in mediävistischen Zeiten beheimatet. Zunächst war der Gebrauch der Sänften beim Heiligen Stuhl bereits im 13.Jahrhundert abwechselnd mit dem Benützen von Pferden zum Reiten in Gebrauch. Auch für längere Reisen wurden Sänften in Gebrauch genommen, so von Papst Innocenz IV. († 1254) und Papst Urban IV. († 1264). Sänften in religiösen Zeremonien verwendeten fernerhin Papst Paul IV. (1476-1559) und Papst Pius V. (1504-1572). [70] Seit dem 15.Jahrhundert war damit die »sedia gestatoria« nach oben erwähnten römischem Vorbilde aus den Zeiten des Kaisers Claudius als mobiler Papstthron in Gebrauch, der jedoch keine Ummantelung besaß, sondern offen war.

Der wichtigste Impuls zur Herausbildung und Ausformung der europäischen und frühneuzeitlichen Portechaise kam jedoch wahrscheinlich nicht aus Rom, sondern aus Ligurien. Hier lieferte die Stadt Genua frühe Beispiele nicht nur für Sänften, sondern speziell für Portechaisen, was hauptsächlich an der sozial und geographisch bedingten Struktur der Stadt lag. Genua war als Küstenstadt konzipiert und schon wenig landeinwärts stieg das Gebirge des Apennin so steil an, daß expansive Erweiterungsmöglichkeiten der Stadt in der urbanen Ausbreitung in die Fläche des Hinterlandes nur sehr begrenzt genutzt werden konnten. Außerdem blieb Genua erhalten und von Kriegsschäden verschont, so daß die Altstadt mit ihren engen Gassen nie modernisiert wurde. Andererseits lebten in Genua in der Via Garibaldi, der Via Balbi und der Via Cairoli in Genua reichgeworden Seefahrerdynastien mit ihren teils bereits aus dem XVI. Jahrhundert stammenden Villen und prunkvollen Stadtpalästen, die als historisches Stadtzentrum seit 2006 zum Welterbe der Unesco erklärt wurden.

Ein nahezu unveränderliches geographisches Stadtbild und die permanente Anwesenheit von reichen Eliten bot daher auch der Portechaise eine lange Blütezeit. Sie ist für Genua spätestens im Jahre 1599 nachgewiesen [71] und noch 1846 hieß es: "Da Kutschen nicht in diese Straßen gelangen können, so kann man an verschiedenen Plätzen vergoldete und buntbemalte Portechaisen miethen. Viele von den Vornehmeren halten sich auch selbst solche Portechaisen; und Abends kann man sie in allen Richtungen hin und her tragen sehen und vor ihnen Leute mit großen Laternen, die aus einem mit Leinwand überspanntem Gestelle bestehen. Die Portechaisen und Laternen sind die legitimen Nachfolger der langen Reihen der geduldigen und vielgeschmähten Maulthiere, die den ganzen Tag lang mit ihren kleinen Schellen durch diese engen Straßen klingeln." [72]

Ergänzend dazu formulierte eine andere Quelle des 19.Jahrhunderts: " Die Häuser sind aneinander geschichtet, die Straßen meist erstaunlich eng, dazu von acht- bis neunstöckigen Häusern eingefaßt und sehr düster, aber äußerst sauber gehalten. Sie führen bald auf-, bald abwärts und sind hier und da durch Marmortreppen oder, wo ein Felsenspalt sie trennt, durch Brücken miteinander verbunden ... Gefahren wird nur in einigen breiten Hauptstraßen; sonst dienen Portechaisen den Menschen als Transportmittel, während zahlreiche Reihen von Maultieren die Waren fortschaffen." [73]

Daß es sich bei den in Genua benützten Sänften tatsächlich um Portechaisen handelte, zeigte ein anderer Text über Genua aus dem Jahre 1689: "Weil die Gassen sehr enge und schmahl / und selten über 4 oder 5 Schritte breit / so / daß man deßwegen vielmehr sich der Sänfften und Trag-Stühle / weder der Kammer-Wagen / bedienet ... Sonst aber macht die Vielheit der hin und her wandlenden Leute den Durchgang sehr beschwerlich / Massen man offt mit einem Pferde kaum durchdringet. Alles wird fast auf Rossen und Maul-Eseln geführet; Schwere Lasten aber bringet man mit 6, 8, 1o, auch wol 20 Trägern / und furnehme Personen in Sesseln fort. Welche Sesseln eben wie die Sänfften überzogen und bedecket seynd / auch schöne durchsichtige Gläser und Thürlein haben." [74]

In einer weiteren Genua-Beschreibung des Jahres 1593 heißt es außerdem, daß die Tragstühle dort »Seggioli« hießen und von Männern wie Frauen benützt wurden. Diese Art von Sänften war geschlossen mit einem beweglichen inneren Vorhang, so daß man von außen die Insassen nicht erkennen, der Innensitzende aber hinaussehen könne und die Sichtbereiche waren mit gläsernen Scheiben versehen. Getragen wurden sie an zwei Stangen von zwei kräftigen Männern, von denen der eine Mann vor dem Kasten, der andere Mann dahinter ging. [75]

Überhaupt beeindruckte die reiche Handelsstadt Genua durch ihre Vornehmheit und die geradezu aristokratischen Verhaltensweisen in der Kleidung und im Zeremoniell seiner republikanischen Bevölkerung. [76] Alle diese Beschreibungen, die den Geruch des Neuen und daher Prestigeträchtigen atmeten, weil sie so genaue Beschreibungen der ungewöhnlichen urbanen Reisegefährte beinhalteten, die von der Norm der fremden Betrachter abwich, stammten von frühneuzeitlichen Reisenden, von Nichtadeligen wie dem Briten Fynes Moryson (1566-1630) oder auch von Adeligen wie Herzog Friedrich I. von Württemberg (1557-1608). Der Erstere hatte 1593 Genua besucht, der Letztgenannte 1599.

Ähnliche Verhältnisse geographischer, infrastruktureller, verkehrsbezüglicher und sozialer Art trafen auch auf die weiter südlicher liegende kampanische Küstenstadt Neapel am Tyrrhenischen Meer zu, wo man ebenfalls zur selben Zeit bereits eine ähnliche Sänfte verwendete. [77] Hinzu kam hier zusätzlich, daß Neapel zwischen 1282 und 1860 die Residenzstadt des Königreichs Neapel, welches territorial nahezu die ganze südliche Apenninenhalbinsel umfaßte, war. So waren es denn in Neapel nicht Patrizier wie in Genua, sondern hauptsächlich die höfische Nobilität, die zu den Nutzern dieser Sänfte zählten. Dazu bemerkte bereits im Jahre 1605 der Italiener Thomaso Garzoni in seinem Berufslexikon im Abschnitt »Der Sieben und siebentzigste Discurs. Von den Stulträgern / so in etlichen Stätten in Italia / sonderlich aber zu Neapoli sich damit nehren / daß sie die Leute auff Stülen tragen / wohin sie begeren«: [78] "Die Portaseggietten zu Neapoli sindt die Delitiae, Freude vnnd Wonne der Edelleute / der Cortisanen / vnnd aller deren so mit den Secretis der Liebe vmbgehen." [79] Allerdings handelte es sich hierbei wohl noch nicht um die spätere endgültige Form der Portechaise, da diese Sänfte auf den Schultern von zwei Portaseggieten getragen wurde. [80]

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Adelige in Neapel und Genua am Ende des 16. und zu Beginn des 17.Jahrhunderts, namentlich auf ihren Kavalierstouren, Informationen über die »Seggioli« und die übrigen italienischen Sänften in eigener Anschauung kennenlernten. Und da zu dieser Zeit gerade Italien in der Hierarchie der Reiseländer während der adeligen Peregrination in den Jahren bis 1648 hochangesehen war, bevor die Jungadeligen auf ihrer Erziehungstour nach dem Westfälischen Frieden vor allem nach Frankreich reisten, kam den auf der Apenninenhalbinsel gesammelten Eindrücken ein besonderer Stellenwert zu. Die adeligen europäischen »Grandtouristen«, die Italien besuchten, brachten Informationen und Inspirationen für Malerei, Kunst, Musik und Architektur mit in ihre Heimatländer; hierzu zählten letztlich auch Schilderungen über die »Seggioli«, die dann andere Multiplikatoren und Protagonisten in Deutschland weiter verbreiteten. [81]

Die Einführung der Portechaise dürfte aber nicht nur dem Wissenstransfer und dem Import von Gegenständen infolge internationaler Kulturberührungen an der Peripherie der europäischen Kulturgrenzen zu verdanken sein, [82] sondern auch dem neidvollen Vergleich und Wettbewerb in der Frühen Neuzeit. So war es in der Schweiz die Pracht morgenländischer und italienischer Fürsten, die schon im 13.Jahrhundert durch die engen Kontakte über die Handelsrouten nach Süden auf die reiche Kaufmannschaft, die Patrizier und den Stadtadel ausstrahlten: Daraufhin stellten auch sie Köche, Marschälle und Sesselträger ein, übten sich in neuen Sitten, bauten importierte Pflanzen an. [83]

Was sich hier herauskristallisierte, war in erster Linie das Bewußtsein, mit der Portechaise ein Mittel zur Hand zu haben, um soziale Devianz zu zelebrieren. Was die Portechaise modisch hat werden lassen, war zusätzlich die Schärfung des Bewußtseins der Geringschätzung des bürgerlichen Gehens, von dem der Adel und alle übrigen sich vornehm Dünkenden absetzen wollten. [84] Vielfach wurde es zu Beginn des XVIII.Jahrhunderts, beispielsweise in Kassel, noch als »unanständig« betrachtet, sich seiner Füße zu bedienen und so waren Porteure "in jedem vornehmen Hause zu finden und eine große Menge derselben, mit den Nummern ihrer Portechaisen bezeichnet, waren Tag und Nacht bereit, dem Rufe zu folgen, damit nicht irgendein reicher oder angesehener Mann das Unglück erlebe, einige Schritte auf der Straße gehen zu müssen." [85]

IV.1.3. Anfängliche Widerstände gegen die Portechaise

Wann und wo genau die Portechaise nach dem Genueser Vorbild die bisherigen Sänften in Mittel- und Nordeuropa ergänzte, ist nicht mehr eindeutig zu klären. [86] Hierzu muß bedacht werden, daß es nicht flächendeckend zu einer Einführung der Portechaise kam, sondern diese zeitversetzt in den unterschiedlichsten europäischen Ländern einsetzte. Außerdem war die Portechaise nicht sogleich nach ihrer jeweiligen Einführung aus dem Ausland ein allseits beliebtes und anerkanntes Beförderungsmittel, sondern traf vor allem in der Zeiten ihrer Frühepoche auch auf Kritik und Widerstand.
Ein Beispiel dafür ist für das XV.Jahrhundert aus Frankreich belegbar. Dort hatte man einem Pair des Reichs [87] wegen einiger Verbrechen den Prozeß gemacht, "unter welchen auch dasjenige war, daß er, wie die Worte der Anklage lauteten, mit Verachtung des Respekts, den ein Mensch dem andern schuldig ist, in seinem Garten bey völliger Gesundheit, in eignem mit Stangen versehenen Tragsessel, von zwey Wesen seiner Gattung sich hätte herumtragen lassen." [88]

In Großbritannien soll die erste Portechaise bereits um 1581 aus Frankreich importiert worden sein, hatte aber noch keinen großen Anklang gefunden. [89] Erst später, etwa um 1624, holte der erste Herzog von Buckingham [90] unter König Jakob I. (Regierungszeit 1603-1625) eine weitere Portechaise nach London. [91] Bei der Benützung schlug auch ihm anfangs seitens der Gesellschaft erneut Verachtung entgegen, da man sich darüber empörte, Menschen wie Pferde und als Lastvieh zu mißbrauchen. [92]

Bezog sich die bisher geäußerte Kritik noch auf Personen und Institutionen aus der gleichen gesellschaftlichen Schicht, so wurden die Reaktionen drastischer, je größer die soziale Distanz zwischen Betrachter und Objekt war. Die eingangs erwähnte soziale Distanz zum potentiellen Prestigeträger war dafür verantwortlich zu machen, daß sich hier anfangs nicht nur kein Prestigegewinn, sondern sogar eine ausgesprochene Prestigeminderung einstellte.

Diese Aversion der weniger wohlhabenden Volksklassen wider die Portechaise war in der Frühepoche allgemein verbreitet. In Nürnberg hieß es für den Beginn des XVIII.Centenariums: "Niemand wollte sich anfangs derselben bedienen, der Unternehmer ließ sich daher selbst durch die Stadt hin und her tragen. Die Leute liefen Schaarenweise [sic!] mit, spotteten und nannten es Sünde, daß ein Mensch des andern Esel würde, man warf sogar mit Koth und Steinen darnach." [93]

In Würzburg hatte sich etwa zur selben Zeit ein Sattlermeister eine erste Portechaise erworben oder selbst gebaut, getraute sich aber nicht, sie in Gebrauch zu nehmen: "So lächerlich schien es damahls noch jedem, daß man sich in einem solchen Kasten über die Gasse sollte schleppen lassen, so lange man noch gesunde Füße hatte. Eine Art Kasten, worin man Kranke und Tode [sic!] von einem Ort zum andern brachte, kannte man zwar schon vorher: Aber der Gebrauch von Sänften war bis 1715 unbekannt. Endlich hatte eine Frau Rödlein, deren Mann in Schönbornischen Diensten stand, den Muth sich von ihrem Hause in die Kirche in die Kirche tragen zu lassen. Sie that dieß nachher noch öfter, ohne sich um das Gelärm des großen Haufens, der sie begleitete und ihr Grobheiten zuschrie, zu bekümmern." [94]

Wie besehen waren es daher vor allem unerschrockene und selbstbewußte »Trendsetter«, die sich nicht vom schimpfenden »Pöbel« beeinflussen ließen. Denn der Adel selbst lief den Portechaisen aufgrund seines Affektverdrängungsgebots [95] nicht schimpfend nach, sondern erwarb sich im Gegenteil mit der Zeit eine stille Bewunderung für diese vornehme Art von Stadttransport, während die Animositäten der Arbeiter, Handwerker sowie der Landbevölkerung wider die Portechaise wohl nie ganz erlosch und nach der Französischen Revolution wieder vermehrt aufbrach.

Über die stille Bewunderung des Adels setzte sich daher unter den europäischen Snobisten diese Art der Fortbewegung durch und wurde populärer, denn in Großbritannien gab es beispielsweise Menschen, "die getragen sein wollten, und Andere, welche sahen, daß man für Tragen Geld bekam - folglich trugen sie und die Sänfte wurden öffentliches Institut". Durch die neu sich eröffnende Markterschließung und Möglichkeit Geld mit den »neuen Grillen« des Adels und »der Vornehmen« verdienen zu können, wandelte sich also zumindest ein Teil der Abneigung des Volkes wider die Portechaisen in ein Interesse am wirtschaftlichen Nutzen um.

Die anfängliche Ablehnung von Tragstühlen entsprang vermutlich den Grundgedanken des Humanismus, in der die Würde des einzelnen Menschen hoch angesehen war und Sklaverei verabscheut wurde. So schien die Zeit in der Renaissance noch nicht reif für die Tragstuhlidee. Dies aber änderte sich mit dem Zeitalter des Mittel- und Spätbarock. Nun traten auch die positiven Aspekte der Portechaise hervor, die man als neuartige »gehende Kunst-Machine« begrüßte, welche ein neues Bewegungserlebnis versprach und eine bisher unbekannte »Schwebefahrt in der Lufft alß fliegend« ermöglichte. [96]

IV.2. Hochepoche von 1650 bis 1790

Die Darstellung der Hochepoche der Portechaise widmet sich drei Bereichen. Sie bespricht zunächst die Verbreitung der öffentlichen Mietportechaisen in den europäischen Städten mitsamt ihrer Konjunktur (Kapital IV.2.1.) und stellt sodann die damit bereits leicht heraufdämmernde symbolisch-zeichenhafte Entwertung der Portechaise dar (Kapital IV.2.2.), bevor ein Blick auf die Kontinuität der höfisch konnotierte Portechaise geworfen wird (Kapital IV.2.3).

Zum Beginn der Hochepoche öffnete sich der Adressatenkreis der Portechaise und anders als die auf fast ausschließlich auf die Höfe beschränkte Benützung der Portechaisen in der Frühepoche zeichnete sich der Gebrauch der einsitzigen Tragstühle in dieser Hochphase vor allem durch eine Erweiterung des Nutzerspektrums aus. Spätestens zur Zeit König Ludwigs XIV. (1638-1715), dessen Hof in Versailles ab etwa 1651 als souveräner junger Fürst bis zu seinem Tode vorbildwirkend für ganz Europa wirkte, kamen die Portechaisen auch in niederen Adelskreisen in Mode [97] und fanden die weiteste Verbreitung. [98] Die Ursachen dafür lagen vor allem im eingangs erwähnten neidvollen Vergleich und dem Wunsch von adeligen Standesgenossen, Vornehmen oder anderen elitären Amts- und Würdenträgern, es denjenigen gleichzutun, die bereits eine Portechaise benützten.

Für diese Zeit der Hochepoche gilt weiters, was Anne Kuhlmann-Smirnov im Jahre 2008 über ein anderes der Portechaise vergleichbares Statusmerkmal schrieb: "In diesem Sinne kamen ihrer Präsenz bei Hofe der Charakter vom Zeichen zu, die den außergewöhnlichen Status des Herrschers und seiner Familie benannten. Indem die Verwendung dieser Zeichen auf den Adel beschränkt blieb, indem sie so den besonderen Wert desselben betonten, kam dem Zeichen selbst Prestige zu: Zeichen und Zeichenträger verwiesen somit gegenseitig aufeinander." [99] Mit dem Absolutismus und dem Barockzeitalter schwang sich die Portchaise nun tatsächlich zu ihrer Blütezeit auf und brachte die kunsthandwerklich anspruchsvollsten Ausführungen hervor.

Zugleich gekennzeichnet für diese Hochepoche ist aber auch die Ausweitung der Anwendung der Portechaise vom höfischen auf den profanweltlichen Einsatz, die Vermassung des Angebots für die gutgutsituierte Öffentlichkeit und die mietbare Dienstleistung einer Beförderung im öffentlichen urbanen Raum. Die Entwicklung vom höfischen Kultgegenstand hin zum praktischen Beförderungsmittel bedeutete dabei nicht nur eine Erweiterung der Zielgruppen, sondern auch eine Mischung aus ehrinstinktiver und werkinstinktiver Verwendung. Die Portechaise diente nicht mehr länger ausschließlich ökonomisch sinnlosen, sondern auch produktiven Zwecken, nicht mehr nur der Repräsentation eines bestimmten Statusverhältnisses sozialer Art, sondern auch dem praktischen räumlichen Fortkommen auf Kurzstrecken.
Diese langsam schleichende Verweltlichung und Entmythisierung der Portechaise führte letztlich zu einer sozialen Entwertung dieser Sänftenform für den Adel, sofern sie nicht mit einer besonders aufwendigen Ausstattung verknüpft wurde. Bemerkenswert aber war: Trotz der weitgehenden Öffnung des Gebrauchs behielt die Portechaise ihr höfisches Zeicheninventar von »Würde«, »Ehre« und »Vornehmheit« bei. Es war gleichgültig, wer sich damit transportieren ließ, ihm war jedenfalls das Ansehen sicher, daß es sich bei dem Tragegast in den Augen des Publikums um »einen Vornehmen« handeln müsse. Sicher auch aus diesem Grunde war die Portechaise zeitweise auch bei nichtadeligen Eliten oder Adeligen ohne eigenen Hofstaat sehr beliebt. Diese Personen waren die ersten Abnehmer außerhalb eines Fürstenhofes, die den ursprünglich nur fürstlichen konnotierten Kultgegenstand rezipierten und danach strebten, sich privat in den Besitz einer Portechaise und von Porteuren zu bringen.

Die Pioniere dieser Art von Konsumausweitung erregten denn auch noch einiges Aufsehen, wie beispielsweise im Jahre 1730 der Kammerrat v.Heinitz, der sich in der Stadt Meißen als bislang einziger lokaler Besitzer solch eines Fortbewegungsmittels herumtragen ließ. [100] Die Erlangung von Prestige durch diesen Prestigemittler war allerdings pekuniär recht aufwendig, denn Bau, Anschaffung, Unterhalt und Ausstattung einer Portechaise verlangte eine erhebliche finanzielle Liquidation. Wer sich indes keine Neuanfertigung leisten konnte, suchte in den öffentlichen Blättern nach Abhilfe, wo gelegentlich, wie im Jahr 1750 in Braunschweig, gebrauchte Portechaisen aus fürstlichem Besitz annonciert wurden: "Was zu verkaufen. In Braunschweig. Es ist eine gute Portechaise, mit verguldeten Leisten, zu verkaufen. Wer Belieben hat, solche zu erhandeln, kann bey dem Fürstl. Intelligenzcomtoir davon weitere Nachricht bekommen." [101] Gebrauchte private Portchaisen wurden auch aus Nachlässen an den Meistbietenden versteigert, so nach dem Tode des verblichenen Hofrats Willerding in Wolfenbüttel im Jahre 1747. [102]

Trotzdem stürzten sich Adelige in Unkosten, um durch Statuskonsum neidvolle Vergleiche ihrer Standesgenossen herauszufordern. Diese Vergeudungssucht nahm teils derartige Ausmaße an, daß die Obrigkeit ein Auge darauf warf. In der ersten Hälfte des XVIII.Centenariums erließen deutsche Fürsten daher sogar Verbote zur Benützung der Tragchaisen, um die Verschwendung, vor allem bei Beisetzungsfeierlichkeiten, zu unterbinden und die Vornehmen ihres Landes vor finanziellem Ruin zu bewahren. Entsprechende Verfügungen ergingen hierzu beispielsweise 1729 durch Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel (1662-1731), im Jahre 1730 durch Kurfürst Georg II. August von Hannover (1683-1760) [103] sowie 1731 im Kurfürstentum Hessen-Cassel, wo derjenige, "der es nicht außerdem alltäglich gewohnt ist, bei Kindtaufen, sie geschehen in der Kirche oder Privathäusern, sich der Kutschen oder PorteChaisen bei fünf Reichsthaler Strafe nicht bedienen dürfe." [104]

IV.2.1. Die Verbreitung der öffentlichen Mietportechaisen

Allgemein besehen erschloß sich die Portechaise in der Hochepoche unaufhaltsam breitere Nutzerschichten außerhalb der Höfe. An den Jahren der öffentlichen Einführung der Portechaisen als konzessioniertem Taxidienst läßt sich folglich der soziokulturelle Wertewandel und die symbolische Umwandlung der bisher allein höfischen Bedeutungszuweisung der Portechaise gut ablesen. Ihre Anfänge nahm sie bereits vor dem Absolutismus in Frankreich und sie strahlte noch bis zur Mitte des 18.Jahrhunderts nach Deutschland hinein: Öffentliche Sänften in Form von Taxiunternehmen mit obrigkeitlichem Privileg gab es in Paris seit 1617, [105] in London seit 1634, in Kopenhagen ab 1664, [106] in Edinburgh seit 1687, in Berlin seit 1688, [107] in München ab 1688, [108] in Hannover ab etwa 1694, [109] in Naumburg an der Saale ab 1700, in Wien [110] und Leipzig jeweils ab 1703, [111] in Dresden seit 1705, [112] in Frankfurt am Main ab 1709, [113] in Regensburg seit 1712, [114]  in Nürnberg ab 1713, [115] in Würzburg ab 1715, [116] in Köln ab 1716, [117] in Hamburg seit 1717, [118] in Prag mindestens ab 1718, [119] in Aachen seit 1720, [120] in Ansbach seit 1726, [121] in Freiberg in Sachsen seit 1730 [122], in Cassel ab 1731, [123] in Laibach ab 1735, [124] in Wolfenbüttel ab 1735, in Stuttgart ab 1737 [125] sowie in Madrid seit 1787. [126]

Die ersten freien Betriebskonzessionen wurden vor allem Hofpersonen oder -bediensteten erteilt: In Wien wurde 1703 der Kaiserliche Kammerdiener Rauchmüller Inhaber des Privilegiums. [127] Unter Kaiserin Maria Theresia war es 1781 allein dem Baron v.Pichler gestattet, einen öffentlichen Sänftendienst zu unterhalten. Eine seiner Tragesesselreisen kostete in Österreichs Hauptstadt seinerzeit 34 Kronen, wovon die Hälfte dem Besitzer der Sessel überlassen wurde, die andere Hälfte aber vom Unternehmer eingestrichen wurde. [128]

1719 entstand auf Anregung des Trabantenhauptmanns Freiherr v.Seiffertitz die Korporation der Dresdener Hofportechaisenträger, [129] im Jahre 1749 beantrage der Oberstleutnant v.Römer die Erteilung einer Betriebskonzession für einen öffentlichen Portechaisendienst in Dresden. [130] Und in Wolfenbüttel erhielt 1735 der fürstliche Oberkammerdiener Johann Heinrich Möhle die Genehmigung zur Haltung von »Portechaisen zum allgemeinen Gebrauch«, [131] welche im Jahre 1737 auch dem Oberkammerdiener Adolf Schäffer verliehen wurde. [132] Auch abgebaute oder unterbeschäftigte Träger von fürstlichen Portechaisen sicherten sich durch die Aufnahme ihrer Tätigkeit im öffentlichen und daher für sie neuen Umfeld und unter Anwendung ihrer Berufserfahrung ihren Lebensunterhalt durch Erschließung neuer Märkte: Von den 24 mietbaren Portechaisen, die im Jahre 1744 in Dresden zur Verfügung standen, wurden seit 1712 das eine Dutzend vom Oberhofmarschallamt, das andere Dutzend seit 1705 vom Stadtmagistrat betrieben. [133]

An anderen Orten wie in Kopenhagen waren es ausländische Geschäftsleute, die in den Portechaisendienstleistungen leichte Verdienstmöglichkeiten witterten. [134] Tatsächlich bildete sich mit der breiten Einführung der Mietsänften auch ein neuer Berufsstand heraus, der eine Marktlücke schloß. Der Arbeitsmarkt der Portechaisenträger war vor allem für Arbeitslose, sozial deviante Randgruppen und Ungelernte interessant, sofern sie über genügend körperliche Kraft verfügten. Als berufliche Quereinsteiger kamen auf diese Weise sonst nur schwer Vermittelbare in Lohn und Brot; daher wurden auch in öffentlichen Zeitungen im 18.Centenarium Stellengesuche für Portechaisenträger inseriert. [135]

Mit den genannten Konzessionsvergaben schuf man staatlicherseits zudem die ersten Regelements für den »Öffentlichen Personennahverkehr«. Krünitz hatte in seiner Enzyklopädie die Dresdener Rats-Chaisen-Ordnung in der Fassung von 1766 abgedruckt [136] und auch die ähnlich gehaltene Nürnberger Sänftentäger-Ordnung von 1806 liegt im Druck vor. [137] Zum ausgehenden 18.Centenarium war die Portechaisen also in den deutschen Städten so weit verbeitet, daß es schon auffiel, wenn eine Stadt weder Trage-Sessel noch Mietkutschen besaß, was für Fremde, so ein Zeitgenosse, sehr beschwerlich sei. [138] Dennoch blieben die Portechaisen auch im öffentlichen Raum vornehme urbane Beförderungsmittel: In Kassel wurde sie im 18.Jahrhundert hauptsächlich von Offizieren benutzt, um zu den Hofbällen zu kommen.[139] In der 1703 in Wien erlassenen österreichischen Tragsessel-Ordnung war außerdem der Personenkreis der zu Transportierenden auf den ehrinstinktiven Bereich beschränkt worden, da es den Porteuren offiziell verboten war, Kranke, Lakaien und Juden als Traggäste aufzunehmen. [140] Auch an anderen Orten wie in Ansbach war das Tragen von Kranken in gewöhnlichen Mietportechaisen verboten, wofür eigene Krankentragesessel reserviert waren. [141]

In der Hochepoche eroberte sich der Volksmund ebenso wie der Adel die Portechaisen und bedachte sie bald schon mit Spott und Hohn: »Affenkasten« [142] und »Fettschlepper« [143] hießen sie wegen der seltsam kostümierten oder übergewichtigen Insassen landläufig in Sachsen und »Schosterbood« (Schusterbude) [144] nannte der schleswig-holsteinische Volksmund verächtlich die Portechaisen wie auch die Kutschen der Reichen. [145]

In Mannheim bestellte man zum Tragen mundartlich landläufig eine »Boddschees« [146] und im Rheinland drang die Portechaise gar in die Kinderspiele ein: »Portscheesje« spielten die Kinder, indem sie zwei Hände ineinander verflochten und das dritte Kind darauf setzten. Auch die Wendung »Komm unner kei Portschees!« war dem Volksmund eigen, der damit in der Spätepoche ausdrücken wollte, daß überflüssige Warnungen aller Art von Ungefragten obsolet seien. Es gab in vielen Varianten mündlich weitergegebene Portechaisengeschichten [147] und Portechaisenwitze, beispielsweise: "Die umfassende Portechaise. Eine vornehme Dame ließ sich bei sehr stürmischem Wetter mit ihrer fünfjährigen Tochter in einer Portechaise nach Hause tragen. Voll Mitleid bat das Kind: „O liebe Mama! Nimm doch die armen Leute auch herein in unsern Kasten." [148]

Alle diese regionalspezifischen Vorkommen deuten darauf hin, daß die Portechaise in Deutschland weit verbreitet war und im Straßenbild der Städte aufmerksam registriert wurde. Die in vielen Städten in der Hochepoche anzutreffenden Mietsänften machten es noch mehr potentiellen Benützern möglich, die ehrenden Eigenschaften der Portechaise bei kleinstmöglichem pekuniären Einsatz in Anspruch zu nehmen. Auf diese Weise weitere sich der interessierte Personenkreis noch einmal so erheblich aus, daß es später Allgemeingut auch des Niederadels war, sich möglichst mit einem Portechaiseneinsatz zu schmücken.
Dieser Einsatz wurde als nahezu unverzichtbar dargestellt und empfunden, selbst wenn der eigene Etat zum Leben nur sehr gering ausfiel. Für Dresden hieß es dazu im Jahre 1794: "Viele Staatsbeamte, die selbst in kleinern Residenzen nicht ohne Wagen und Pferde sein können, gehen hier [in Dresden] zu Fuße oder behelfen sich in feierlichen Fällen mit Tragsesseln. Wie hätte auch der Herr Rath nöthig, oder wie könnte er auch nur wagen, Aufwand in dieser Art zu machten, wenn er mehrere seiner Minister, in einfachem Frack, zu Fuße einhergehen sieht; wie der Hauptmann und Major, wenn er seinen General, bloß von einer Ordonanz oder von einem Stallknecht begleitet, zu Fuße oder zu Pferde, auf den Straßen von Dresden sieht?" [149] Auch in Ansbach waren die Traggäste vor allem adelige Hofbeamte, die sich zu ihrer Arbeitsstelle ins Schloß hinein bis zum Treppenaufgang tragen ließen. [150]

Die überwiegend ehrinstinktive Festlegung auch der Mietportechaisen brachte außerdem ein spezielles Kriminaldelikt hervor, dessen sich Tragpreispreller mithilfe fiktiver vornehmer Bezeichnungen bedienten. Die Betrüger ließen sich dabei, "unter Angabe eines wohlklingenden Namens, vor das Haus eines angesehen Mannes tragen, behaupteten, gleich zurückzukehren und verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Oder aber sie versuchten die Sänfte im Namen eines wohlhabenden Bürgers zu bestellen, ließen sich - angeblich in dessen Auftrag - hierhin und dorthin tragen und verschwanden bei günstiger Gelegenheit spurlos. Wurde die Rechnung an die angegebene Adresse geschickt, so protestierte der ahnungslose Adressat zunächst heftig, die Sänftenträger beschwerten sich auch, so daß es meist zu häßlichen Auseinandersetzungen vor dem Polizeigericht kam." [151] Diesem Delikt wurde jedoch häufig durch die Änderung in den Zahlungmodi ein Riegel vorgeschoben, so daß häufig nur noch gegen Vorkasse transportiert wurde.

Neben Staatsbeamten und sonstigen Adeligen, die die Portechaise mehr wegen der ehrinstinktiven Beilegungen und Zuschreibungen schätzte, gab es auch Benützergruppen fast rein werkinstinktiver Prägung, deren Berufsalltag durch das Anfordernis einer hohen lokalen Mobilität geprägt war. Ihnen kam die Portechaise als neues städtisches Verkehrsmittel sehr Recht: "Kranke und Verunglückte konnten rasch und bequem transportiert werden, bei schlechtem Wetter benutzte man sie, um sich von einem Theile der Stadt zum andern tragen zu lassen, Ärzte, Wundärzte, Hebammen wurden Nachts mit Portechaisen geholt, und wieder zurückgebracht, und wie oft sah man alte gebrechliche Leute, welche sich der Nässe nicht aussetzen dürfen, oder wo die Füße auch auf kurzen Strecken den Dienst versagen, sich dieses Transportmittels bedienen, um in die Kirche zu kommen." [152]

Die Konjunktur der öffentlichen Portechaisen war jedoch nicht unbegrenzt, sondern abhängig von den Wegeverhältnissen in den Städten der europäischen Neuzeit. So lange noch vor allem unbefestigte und teils auch enge oder steile Stadtwege die urbane Mobilität mit einer Kutsche als unbequemes Fortbewegungsmittel hinderten, waren Portechaisen infolge ihrer natürlichen Abfederung durch die Muskeln der Porteure für Kurzstrecken eine echte oder oftmals auch die einzige Alternative. Überland reiste der Adel fast ausschließlich mit der Kutsche, in der Stadt eher mit der Portechaise von Haus zu Haus. [153] Außerstädtische Reisen wie die von Prinzessin Amelia von Großbritannien, die sich 1782 in einem »Sedan-Chair« von Saint James nach Bath tragen ließ, waren die Ausnahme. [154]

IV.2.2. Die symbolische Entwertung der Portechaise

Die Ausweitung des Benützerkreises hatte eine Prestigeminderung zur Folge, was sich an den Preisvergleichen zwischen Pferden und Portechaisen in Leipzig (1703), Göttingen (1788) und Gotha (1796) im Folgenden ablesen läßt. Preiswert waren werkinstinktive, teuer jedoch ehrinstinktiv höher besetzte Fortbewegungsarten. Für Leipzig hieß es: "Wer sich herumtragen lassen will, der kann sich den Sänften oder Portechaisen bedienen ..., welche seit dem 29. September 1703 in Leipzig eingeführt sind, und sich nach der am 26. September 1703 vorher gegebenen Portechaisen-Ordnung richten müssen. Vor einen Gang innerhalb der Ringmauer wird zwey Groschen, in die Vorstädte hinaus aber vier Groschen bezahlt, und nach Thorschlusse muß derjenige, welcher sich hereintragen laßt, auch 2 Groschen Thorgeld bezahlen. Wenn eine Person die Portechaise stundenweise dingen will, so muß sie für die erste Stunde 6 Groschen, für jede folgende aber nur 4 Groschen bezahlen; hingegen für einen ganzen Tag müssen die Sänftenträger von jeder Portechaise einen Thaler erhalten. Da diese Personen dem ganzen Publicum gewidmet sind, so darf man sie schlechterdings nicht auf sich warten lassen; und wenn dieß geschieht, so muß jede Sänfte für die erste Viertelstunde alsdenn einen Groschen, für eine halbe Stunde aber zwey, und für eine ganze Stunde endlich vier Groschen Wartegeld erhalten.

Zum Herumfahren in der Stadt oder auf die benachbarten Lustörter findet jeder Fremde und Einheimische hier stündlich Gelegenheit vor jedem innern Stadtthore, besonders vor dem Petersthore und Halleschen Thore, wo beständig Lohnkutscher mit angespannten Kutschen und Chaisen halten, die außer den Messen sehr billig zu haben sind. Übrigens kann man sich auch die Lohnbedienten und Hausknechte dergleichen Miethkutschen in der Stadt besorgen lassen. An den Sonntagen, Montagen, Mittewochen und Freytagen sind die Miethkutschen gewöhnlich theurer, weil an diesen Tagen bey guter und schlechter Witterung immer viele Landparthieen gemacht werden. Für Liebhaber der Reutkunst haben hier die vielen Pferdeverleiher reichlich gesorgt, und man kann in der Regel für einen Thaler auf einen ganzen Tag ein Pferd miethen. Wenn der Fremde nicht bekannt genug ist, so muß er sich gefallen lassen, einen Reutknecht mitzunehmen, und auch für diesen das Pferd bezahlen." [155]

In einem Studienführer für die Georgia-Augusta zu Göttingen, gedruckt im Jahr 1788 zum Besten der Herren wohlfeilen Studenten, konnte man den Verfall des Prestiges der Porteschaisen ebenfalls am Preis erkennen: Unter dem Punkt »Kosten und oeconomische Einrichtung« hieß es dort: "K) Carriolen und Pferde: 1) Für eine Carriole den ganzen Tag 1. Rthlr. 24. Gr. Trinkgeld 6. Gr.; 2) Für eine Carriole den halben Tag 30. Gr. Trinkgeld ü. Gr. 3) Für ein Mieth-Pferd den ganzen Tag 30. Gr. Trinkgeld 3. Gr.; 4) Für ein Mieth-Pferd den halben Tag 18. Gr. Trinkgeld 3.Gr.; 5) Für ein Mieth-Pferd die ganze Woche 2 1/2. Rthlr. bis 3. Rthlr. L) Mieth-Laquaien und Portechaisen: 1) Für einen Mieth-Laquaien täglich 18 Gr.; die Porteuers bekommen für jeden Gang diesseits des Leine-Canals innerhalb der alten Ring-Mauren 3 Gr., jenseits des Leine-Canals aber und außerhalb der alten Ring-Mauren 3 Ggr., und für jede Viertelstunde, die sie warten müssen, 1 Ggr." [156]

Ähnliches galt im Jahre 1796 für die Stadt Gotha, wo die Preisverhältnisse zwischen Pferdefuhrwerken und Portechaisen ebenso auf den ideellen Werteverfall der Tragesessel hinwiesen: "16 ggl. für eine Miethkutsche, so lange sie nicht länger, als zwey Stunden im Gebrauch ist. 1 thlr. für dieselbe, wenn sie länger als zwey Stunden gebraucht wird, doch nicht über einen halben Tag. 1 thlr. 8 ggl., wenn der Wagen länger als einen halben Tag gebraucht wird ... Für eine Portechaise zahlet man bei jedem Gang, wenn es eine neue ist, drey ggl. für eine alte aber zwey ggl.; vor der Stadt zahlet man 4 gl. Die Träger gehn in Livree" [157]

Dieser Preisabfall verriet, daß Portechaisen mit der Zeit zu einer mehr werkinstinktiven Benutzung abgesunken und damit Alltagsgut auch weniger gut verdienender Volksschichten geworden war, da es teuerer war ein Pferd oder eine Kutsche zu mieten als eine Portechaise: Die Arbeitskraft von zwei Porteuren war, wie auch in vielen anderen Berufen, a conto des massenhaften Angebots auch an eingeschränkt einsatzfähigen Menschen, in der Agrargesellschaft nicht viel wert, ein Pferd jedoch stellte bereits einen beträchtlichen und auch prestigeträchtigen Besitz dar, mit dem pfleglich umzugehen war. Dieses Verhältnis schlug sich letztlich auch in der Preisgestaltung nieder, bei der das Leihpferd kostspieliger war.

Auf der Seite der Besitzer von Portechaisen versuchte man mit der Zeit nun ebenfalls, Kosten einzusparen und einen Kompromiß zwischen werk- und ehrinstinktiver Geldausgabe zu finden. Dort, wo eine rein verschwenderische Nutzung pekuniär durch den Fürstenetat nicht mehr gedeckt werden konnte, wurden andere Wege beschritten: Am württembergischen Hof zu Stuttgart suchte man die vergeudenden Ehrinstinktkosten des Hofes zu in der ersten Hälfte des XVIII.Centenariums durch »Outsourcing« und ökonomische Auslagerung auf Drittunternehmen zu begrenzen, ohne auf die Wirkung der Portechaise verzichten zu wollen.

Hier verfiel man auf die Idee, Portechaisenkonzessionen für den allgemeinen Miettragetaxis nur unter der Bedingung der Gegenleistung für den Fürstenhof abzugeben: "Im Jahr 1737 wurde in Stuttgart auch der Gebrauch der Portechaisen oder Sänften eingeführt und hiezu sechs Träger aufgestellt, welche am 21.August dieses Jahres ihren eigenen Staat erhielten. Sie mußten sich verpflichten, dem Oberhofmarschallen-Amt »gehorsam und folgsam« zu seyn, jeden Tag Sommers von 6, Winters von 8 Uhr Morgens an »bei Hofe aufzuwarten« und bis zum Einbruch der Nacht da zu bleiben, eine saubere Kleidung von gelber Farbe zu tragen und die vom Herzog angeschafften Portechaisen wohl in Acht zu nehmen.

Die Hofdamen und die obersten Hofbeamten mußten sie unentgeltlich zwischen dem Schloß und dem Prinzenbau hin und her tragen, sonst erhielten sie für jeden Gang in der Nähe des Schlosses 10 kr., weiter hin 15 kr., Wartgeld für die halbe Stunde 10 kr., für die ganze 20 kr. Sie klagten aber schon im Januar 1741, daß einige Bürger sich Eingriffe in ihr Gewerbe erlaubten, da doch sie allein »einheimische und fremde Kavaliers und Dames«, die Hofleute und Honoratioren zu tragen das Recht hätten, worauf man den 17. November 1741 alle Eingriffe in ihr Gewerbe verbot. Später wurde das Portechaisentragen an einige »Entrepreneurs« verpachtet, denen man am 8. April 1744 gebot, noch 2 bis 3 weitere Portechaisen anzuschaffen." [158]

IV.2.3. Die höfisch konnotierte Portechaise

Im höfischen Bereich dahingegen entwickelte sich die Portechaise in der Hocheopche zu einem nahezu unverzichtbaren Repräsentationsmittel des Adels. Ihr schrieb man mehr denn je eine große ehrinstinktive Wirkung zu und sie war damit zugleich ein Indikator für hohen gesellschaftlichen Rang. Deutlich wird dies bei der Betrachtung höfischer Zeremonien im Spätbarock, bei denen die Porteschaise ausschließlich als Attribut der wichtigsten Persönlichkeiten verwendet wurde:

Als beispielsweise in Frankfurt am Main am 24.Januar 1742 ein neuer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt wurde, [159] geschah dies unter Anwesenheit der Wahlkurfürsten und eines großen und prächtigen Gefolges. Die Wahl fand in der Sankt-Bartholomäus-Kirche statt. Schon die Prozession der hochadeligen Wahlmänner, der ab 11 Uhr vormittags vom Römer zur Kirche führte, war als Prachtumzug organisiert und in strengem Rangreglement abgelaufen. Unter den einzelnen im Zug befindlichen 43 Rang-Positionen besetzten die ersten Abteilungen Fouriere und Bediente der Kurfürsten, es folgten Kanzleibediente, Pagen, Gesandtschaftskavaliere, alle zu Fuß. Die erste Position zu Pferd bekleidete die Nummer 35, der Kurmainzische Oberhofmarschall Graf Stadion, sodann folgte an Stelle "36) Ihro Churfürstl. Gnaden zu Mayntz, in einer roth-sammetnen mit Gold reich besetzten Porte-Chaise, von Dero Heyducken getragen. Zu beyden Seiten giengen der Herr Ober Stallmeister und der Hr. Oberste von in Leib-Garde; nebenher giengen die Chur-Mayntzischen Heyducken." [160] Anschließend ritten die übrigen Kurfürsten oder ihre Wahlgesandten auf prächtig geschmückten Pferden, bevor zwei letzte Abteilungen Elitetruppen zu Fuß den Zug beschlossen.

Position 36, der Mainzer Kurfürst, es war dies Philipp Karl v.Eltz-Kempenich (1665-1743), war in diesem Zug besonders durch die Porte-Chaise, die er allein gebrauchen durfte, hervorgehoben. Er präsidierte im Rang daher sichtlich hervorgehoben sämtlichen Subalternen, die lediglich zu Fuß gehen und allen anderen Wählern und Wahlgesandten, die »nur« zu Pferde reiten durften. Diese besondere Stellung im Zug von 1742 leitete sich ab von Eltzens Amt des »Reichserzkanzlers«, der nach dem Tode eines verstorbenen Kaisers traditionell die Wahl eines neuen Kaiser zu leiten hatte. Dabei erschien die Portechaise als das Zeichen größter Würde, was ihre Verwendung in diesem Kontext erklärt.

Eine gleiche wichtige Position nahm die Portechaise auch bei der spätbarocken Taufe des Prinzen Josephus Ludovicus von Bayern am 6.Oktober 1728 ein, denn auch dort war der Trag-Sessel der Mittelpunkt und die bedeutendste Stelle im Taufzug zwischen der Residenz und der Stifts-Kirche Unserer Lieben Frauen in München gewesen, als die Hofdame Baroneß v.Lerchenfeld den Täufling auf dem Sessel sitzend, flankiert von zwei zu Fuß gehenden Kammerherren, zur Zeremonie trug.161 Vorbilder dieser Zeremonien existierten bereits im frühen 16.Jahrhundert, da nachweisbar ist, daß der spätere Kaiser Karl V. (1500-1558) bei seiner Taufe im Jahre 1500 in den Armen von Herzogin Margareta von York (1446-1503) lag, die ihrerseits wiederum auf einer Sänfte zu dem Ritual getragen worden war. [162]

Ein ähnliches Ritual ist auch für die am 15.Dezember 1731 stattgefundene Taufe der Prinzessin Maria Josepha von Polen und Sachsen (1731-1767), späterer Dauphine von Frankreich nachgewiesen, die am Dresdener Hof gleichfalls per Portechaise von zwei Heiducken in die Kirche getragen worden war. [163] Auch ihr Bruder Karl Prinz von Polen und Sachsen (1733-1796), späterer Herzog von Kurland, wurde in gleicher Weise getauft; das Protokoll vom 23.August 1733 vermerkte zum Einsatz der Portechaise, daß Kurfürst und Kurfürstin in einem Zug zu Fuß vom Prinzlichen Palais in Dresden mit ihren Bedienten zur Kirche gingen, während der Täufling in einem zweiten Zug vom Prinzlichen Palais über die Gasse durch das Große Tor in die Kapelle transportiert wurde.

Er wurde dabei auf dem Schoß der Hofdame Aya Freiin v.Proskowitz gehalten, die ihrerseits wieder in einer Portechaise, getragen von zwei Heiducken, saß. Rechts und links davon gingen zwei Kammerherren, die jeweils eine Ecke des über den Prinzen gedeckten Tuches hielten. [164] Bei der großen Tür der Capelle stieg die Hofdame mit dem Prinzen aus der Portechaise aus und reihte sich in den kurfürstlichen Zug ein. Die unter Trompeten- und Paukenschall vollzogene kirchliche Taufzeremonie endigte schließlich mit dem Auszug des Hofstaats, wobei sich Freiin v.Proskowitz mit dem Getauften wieder an der großen Tür der Capelle in die Portechaise setzte, über die Gasse wieder ins Prinzliche Palais verbracht wurde, wo sie erneut die Portechaise verließ. [165]

Wurden mehrere Portechaisen in einem Zeremoniell zum Einsatz gebracht, so achtete man auf deren unterschiedliche Ausführung: Im Rangstatus wichtigere Personen erhielten reicher ausgeschmückte, die übrigen Personen nur bescheiden geschmückte Tragstühle zugewiesen: Anläßlich eines Besuches von Königin Sophie Dorothea von Preußen (1685–1757), [166] bei ihrem Vater König Georg I. von Großbritannien (1660-1727) im niedersächsischen Herrenhausen am 23.Juli 1723 wurde für die Bewegung des Gastes und seines umfangreichen preußischen Hofstaates entsprechend des Ranges bei Hof verschieden wertvolle Sänften zum Einsatz gebracht: "Für die Königin von Preußen wurde die neue sammetne [sic!] und bordi[e]rte Portechaise und für die Damen des Gefolges [167] ein andere in Bereitschaft gehalten. Vier Hof-Porteurs wurden nach Herrenhausen beordert, um die genannten Herrschaften stets tragen zu können." [168]

König Friedrich I. in Preußen setzte die Portechaise im Hochbarock auch gelegentlich in mehreren Versionen ein; so ließ er sich bei der Taufe seines ältesten Enkels, des bald wieder verstorbenen Prinzen Friedrich Ludwig von Oranien (1707-1708), am 4.Dezember 1707 auf einem Trag-Sessel in die Berliner Domkirche führen. Während der Predigt wurde dann auch der kleine Täufling in einer eigenen Kinderportechaise hereingetragen und anschließend getauft. [169]

Bei Hofe genügte es bisweilen auch ohne Einsatz der Portechaise auf die ehrinstinktive Wirkung der Sänftenidee in machtzelebrierenden Zeremonien zu verweisen. So liefen am 22.Mai 1712 anläßlich der Krönung des deutschen Kaiser Karl VI. (1685-1740) zum König von Ungarn in Preßburg "die Kays. Heiducken / Sessel-Trager / Lauffer / Leib-Laqueyen und andern zu Fuß in schön. Kays. Librey" lediglich in der Inthronisierungs-Prozession mit, während der Kaiser selbst ein Pferd ritt, um zur Krönungsfeierlichkeit in die Kirche Sankt Martin zu gelangen. [170] Dieses Verfahren war ein bewußtes Zeichen weiterer demonstrativer Vergeudung von Geldmitteln, da es sich der Kaiser leisten konnte, Porteure in fashionablen und luxuriös gearbeiteten Livreen zu beschäftigen, ohne daß diese eine Portechaise, auf deren zu praktischen Zwecken nutzlose Existenz sie verwiesen, hätten tragen müssen. Mit dieser zeichenhaften Verweismethode auf das Zeichen selbst hatte die Portcheaise aber bereits ihren Zenit erreicht, der in der kommenden Spätepoche wieder sank.

IV.3. Spätepoche von 1790 bis 1850

Zur Schilderung der Spätepoche der Portechaise, die im Allgemeinen von einer erneuten und breiten Stigmatisierung bestimmt wurde, werden Angaben zur Portechaise als Anachronismus (Kapitel IV.3.1.) folgen, obzwar sich diese Sänftenform im Fürstenhof als letztes Reservat der Portechaise noch lange Zeit behaupten konnte (Kapital IV.3.2.), während sie im öffentlichen Leben bereits weitgehend untergegangen war. Beschlossen werden die Ausführungen zur Spätepoche mit einem Exkurs zur Konjunktur der Sänften am Wiener Hof (Kapitel IV.3.2.1.), die durch zeitliche Längsschnitte über das Prestige von -Trag und -stühlen durch die Zeitläufte Auskunft geben will.

Das Ende der Portechaise wurde mit zunehmender Befestigung der innerstädtischen Wege und dem neuzeitlichen Städtebau eingeläutet, da nunmehr über breitere Kopfsteinpflaster Mietkutschen schneller und bequemer fahren konnten, die Städte wuchsen und damit die Reichweite der Portechaisen überschritten [171] und wegen der erhöhten Transportquantität und Schnelligkeit der Beförderung den Portechaisen bevorzugt wurden. [172]

Nun brach die Zeit der Mietdroschken mit Pferden an, die in Berlin bereits seit 1737 den öffentlichen Personennahverkehr bereicherten, was die Portechaisen in einem schleichenden Prozeß vom Markt zu verdrängen begann. Als jedoch die Privatpferdedroschken mehr und mehr in Mode kamen, verschwanden auch die öffentlich zu nutzenden »Fiacres« wieder von Berlins Straßen und 1779 erweckte ein Privatmann namens v.Clair das eingeschlafene Geschäft der Portechaisen in Berlin wieder zum Leben, schien sich aber nur bis etwa bis zur Französischen Revolution von 1789 gehalten zu haben: [173] „Die Sache war neu und was neu ist, lockt bekanntlich auf einige Zeit raschen Beifall ab. So erging es auch den Sänften. In allen Vierteln der Stadt wurden dergleichen Tragekutschen ausgestellt, mit Trägern in besondere Montur versehen, und anfänglich ließen sich wirklich viele Menschen, nicht zur Bequemlichkeit, sondern mehr aus Neugierde umhertragen. Als diese aber befriedigt waren, geriet das Unternehmen bald wieder ins Stocken und am Ende blieben, wie zuvor, nur noch einige Sänften übrig, die überdem wenig zu tun hatten, und bloß in Notfällen gebraucht wurden.“ [174]

Trotz dieser kurzfristigen Renaissance der Berliner Portechaise war aber der Siegeszug der schnelleren Pferdedroschke im begonnenen XIX.Centenarium nicht mehr aufzuhalten: Mietkutschen wurden erst mit dem Aufkommen des Automobils ab etwa 1900 zu einer Seltenheit und noch einmal durch Schnelligkeit und Effizienz in der Handhabung sowie Arbeitserleichterung vom öffentlichen Straßenbild verdrängt, wo sie zum Beginn des XXI.Jahrhunderts, dem Zeitalter der beschleunigten Kommunikationsgesellschaft, nur noch als Touristenattraktion, beispielsweise in Wien, anzutreffen waren. [175]

Mit fortschreitender Zeit wurden Portechaisen daher ab etwa 1790 stark anachronistisch. Dies galt weniger für die höfischen Tragestuhl in den urbanen fürstlichen Zentren Europas als vielmehr für die öffentlichen Miettragesessel, die häufig genug schmucklos und unbequem warren, als Sitzgelegenheit im Inneren nur ein Brett besaßen, aber selten eine Polsterung. [176]

Das Jahr 1790 könnte man als Scheidejahr zumindest für diese repräsentativ verstandenen Portechaisen betrachten, weil sie eindeutig als symbolisch aufgeladener Kultgegenstand dem Ancien Régime angehörten, welches mit der Jakobinerherrschaft nach dem Sturz der Bourbonen und ihren Folgen für den Adel als der sozial einflußreichste Einschnitt angenommen werden kann: "Die Revolution nahte und unter den tausend Dingen, die sie zertrümmerte oder umstieß, gehörten auch die Portechaisen und Vinaigretten." [177]

Diese Widerzeitlichkeit nach dem Jahre 1790 und die Liquidation des feudalabsolutistischen Ständestaats äußerte sich bald schon darin, daß das Empfinden vieler Zeitgenossen den Einsatz der Portechaise nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit ansah, sondern als etwas Seltsam-Skurilles, eine Schrulle. Dies belegt auch die Äußerung eines Liberalen aus dem 1794, der die »Staatsportechaisenträger«, die »Kapitäne der Windhunde« und ähnliche Würdenträger am Hof des Sonnenkönigs als Träger »lächerlicher Titel« bezeichnete sowie als »von dem Schweiße der Armen theuer bezahlte Müßiggänger«. [178] Tatsächlich gab es bis 1789 unter den Sesselträgern zusätzlich rangbeziehentliche Abstufungen und Titelträger: Gewöhnliche »Porteure« trugen öffentliche Mietchaisen, »Hof-Porteure« nur Mitglieder des Fürstenhofes, »Leib-Porteure« schließlich nur bestimmte Fürstlichkeiten; [179] in Dresden dahingegen unterschied man nur »Ratssänftenträger« (auch »Ratschaisenträger«) von »Hofsänftenträgern«. [180] Mit der Französischen Revolution allerdings endigten diese feinen Unterscheidungsmerkmale des Prestiges im Bereich des stellvertretenden Konsums schon sehr bald.

Entsprechend wurde es von der Öffentlichkeit als doppelt merkwürdig empfunden, daß sich die Königinwitwe von Dänemark181 noch um 1794 gern von Heiducken in ihrer Portechaise im Schloß Christiansborg in Kopenhagen selbst für den Weg von einem Zimmer in ein Anderes tragen ließ; sie erntete damit selbst bei Standesgenossen nur unverständliches Kopfschütteln.[182]

Ähnliche negative Reaktionen in der öffentlichen Wahrnehmung gab es gleichfalls im Jahre 1814, zur Zeit der Herrschaft König Ludwig XVIII. (1755-1824), das mit der Verkündung der »Charte Constitutionnelle« am 4.Juni die Restauration der Bourbonen eingeleitet hatte. Hier kam es auch zu einer Reaktivierung der höfischen Portechaisen, indem der Gouverneur des Louvre den Gebrauch derselben im »Palais des Tuileries« gestattete. Kurz danach begannen die »Hundert Tage« [183] (März bis Juni 1815) und es war nicht verwunderlich, daß dieser offensichtliche Anachronismus vor allem von der Satire dankbar aufgegriffen wurde: "Es erschien eine Karikatur, wo ein Haufe[n] Hofleute aus dieser Zeit in ihren Portechaisen sitzend und vor ihnen ein kommandi[e]render General in Husarenuniform abgebildet war; sie antworteten auf seine kriegerisch Harangue: »Ja, Monseigneur, wir sind bereit zu kämpfen, und erwarten nur unsere Portechaisenträger, um vorzurücken.« [184]

In einigen Städten allerdings bestätigten Ausnahmen die Regel dieser spätepochalen Konjunktur, beispielsweise in London. Dort soll die große Verschwendung, die am 8. April 1795 im Sankt James Palace in London bei der Hochzeit von Prince George of Wales (1762-1830) [185] herrschte, einen bedeutenden, wenn auch nur kurzfristigen, Aufschwung für das Portechaisenwesen auf der Insel nach sich gezogen haben. [186]

Insgesamt aber verlor die Portechaise durch die veränderte Wahrnehmung, die Folgen der Durchsetzung der republikanischen und damit antiaristokratischen Idee sowie die Fortschritte im Straßenbau an Bedeutung. Denn mit Beginn des 18.Jahrhunderts kam es auch zur Wiederentdeckung der römischen Kunststraßen, die nun als infrastrukturelle Netze der Mobilität in ihrer Entwicklung forciert wurden. Frankreich war dabei wie auch schon bei der Portechaise Vorbild, wo ab etwa 1700 an Kunststraßenforschungen betrieben und neue Straßen angelegt wurden, die als Chausseen auch in Deutschland Einzug hielten. 1720 setzte der Bau von Kunststraßen in Hessen, 1733 in Baden, in den 1760er Jahren in Bayern und Württemberg, in den 1790er Jahren in Preußen ein. [187] Mit dem zunehmenden Bau künstlicher Chausseen begann zudem auch die massenhafte Kutschenfertigung, so daß alle diese Gründe die bis dato noch gern und häufig genutzte Dienstleistung der Portechaise im Verlauf des 19.Jahrhunderts allmählich bedeutungslos werden ließen: 1815 wurde der öffentliche Portechaisenbetrieb in Naumburg eingestellt, etwa 1818 in Aachen, [188] 1840 in Nürnberg, [189] 1850 in Edinburgh, 1868 in Ansbach und Kassel, [190] 1878 in Dresden, 1886 in Leipzig [191] sowie 1888 in Wien.

IV.3.1. Die Portechaise als lächerlicher Anachronismus

Die Zunahme der Bedeutungslosigkeit hatte allerdings nicht nur technische Gründe, sondern war, wie erwähnt, auch einer Umwertung der Werte von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft zu verdanken. Diese veränderte Zuschreibung von Werten hatte einen Prestigeverlust zur Folge, da nunmehr eine der Voraussetzungen fehlte, um Ansehen auf Seiten eines Prestigegebers zu erzeugen, wie bereits oben im Kapitel II. erläutert worden ist. Den Zeitgenossen der bürgerlichen Ära erschien die Portechaise daher auch in ihrem inneren Erleben mehr und mehr als eine komische Possierlichkeit, eine lächerliche Verschrobenheit, eine schrullenhafte Hanswurstiade, eine verlebte Mode und eine gefallsüchtigen Groteskerei. Im Gegensatz zur Frühepoche erfaßte die Kritik nun aber nicht nur die niederen durch große soziale Distanz von den Portechaisenbenützern getrennten Volksschichten, sondern auch zunehmend den Adel selbst. Dieser Verfall und die Kehrtwendung der Werte in der Schicht der ehemaligen hauptsächlichen Benützer bedeutete daher auch den Todesstoß für die Portechaise als Modeerscheinung, weil "jede beliebige Erscheinung [nur ] so lange als gefällig und hübsch anerkannt wird, bis sie ihre Neuheit verloren hat oder bis die Funktion, Bürge des Prestiges zu sein, einer anderen neueren Erfindung übertragen wird, die demselben Zwecke dient". [192] Der Adel suchte sich daher neue Prestigemittel, nun hauptsächlich Kutschen, später Automobile, und es war bezeichnend, daß die ersten Kutschen und die ersten kraftstoffbetriebenen Selbstfahrer im Besitz von Adeligen waren.

Im Jahre 1835 schrieb zum Prestigeverlust der Portechaise ein Anonymus betreffend die Stadt Frankfurt am Main: "Aus dem vorigen Jahrhundert existiren in unserer guten Stadt noch zwei Portechaisen, welche aber Theils wegen ihrer Baufälligkeit, ihres unmodernen Aussehens und Theils weil sie nicht mehr zum Luxus der gegenwärtigen Zeit passen, keine Benutzung finden ... Für den Mittelstand, der nicht immer bei solchen Veranlassungen den Miethkutscher bezahlen, und außerdem noch dem Kutscher ein besonderes Trinkgeld geben kann, ist der Verfall des Portechaisensystems am aller empfindlichsten. Das goldene Zeitalter der Portechaisen ist dahin, und wir wollen es zwar nicht wieder zurück rufen, allein warum folgen wir nicht dem Vorbild anderer Städte und ersetzen diese Tragstühle durch Fiaker? Städte, welche nicht so viel Einwohner halben, nur wenig Handel besitzen, bei weitem nicht den großen Zusammenfluß von Fremden aufweisen können, und namentlich weit kleiner sind, wie unsere Stadt, haben eine gewisse Anzahl gut und elegant eingerichteter Fiakerfuhrwerke, welche bei billigem Lohn recht gute Geschäfte machen." [193]

Auch die Berliner wollten ihre Portechaisen zur selben Zeit nicht mehr nutzen und derartige Einmannsänften wurden nur noch als obskure Museumsexemplare behandelt. Als der österreichische Schriftsteller Albin Johann Baptist v.Meddlhammer um 1830 zum zweiten Male die Stadt Berlin besuchte, bemerkte er hierzu, daß dort noch "eine sehr wohl konditioni[e]rte Portechaise in einem Winkel des königlichen Schlosses, nahe an einem der Hauptthore steht, und von jedem Vorübergehenden nothwendig bemerkt werden muß. Jeder Berliner dürfte um so gewisser von dieser Portechaise Kenntniß haben, als selbe schon seit mehreren Decennien unverrückt ihren Posten zu behaupten, und eben so unbeweglich zu sein scheint, als weiland Ludwig XVIII. von Frankreich. Schon bei meinem ersten Aufenthalte in Berlin hatte mir diese gemüthliche ... Portechaise ein lebhaftes Interesse eingeflößt; als ich daher nach Verlauf von sieben Jahren wieder nach Berlin zurückgekehrt war, eilte ich sogleich in die Königsburg, mich nach ihr zu erkundigen, und sie zu begrüßen. Ich fand sie zu meiner innigsten Freude noch an ihrer alten Stelle, und der erste Blick zeigte mir, daß weder Zeit noch Verhältnisse ihre Ruhe gestört hatten: Nur etwas tiefer in den Boden war sie eingesunken und dürfte im Laufe der Zeiten das Schicksal der Pyramiden Ägyptens theilen. Warum kein Bewohner Berlins sich dieser Portechaise bedienen will, ist um so weniger zu erklären, als der Eigenthümer derselben durch eine beigefügte Inschrift deutlich erklärt, daß Personen, welche Lust und Belieben tragen, sich ihrer zu bedienen, nur in die, ungefähr eine Viertelmeile vom königlichen Schlosse entfernte, im Berliner Revier gelegene Nagelgasse zu kommen, und daselbst, ihr Verlangen anzuzeigen haben." [194]

Die genannten Beispiele der Entwertung der Portechaisen lassen sich noch bedeutend vermehren: Im Jahre 1840 wurde in Manchester eine Mrs. Atherton belächelt, da sie die einzige Person war, die sich noch öffentlich mit livrierten Begleitern auf den Straßen herumtragen ließ, [195] und in Dresden gab es 1859 nur noch wenige Portechaisen, die leicht ironisch zudem als »antediluvianisch« bezeichnet wurden, da sie aus »vorsintflutlicher« Zeit stammen würden. [196] Im Jahre 1835 bestaunte zudem ein Reisender die alte wappengeschmückte Portechaise eines Kanonikers der St.Johanniskirche aus Lyon: "Sie war sorgfältig bemalt und vergoldet; ungeachtet ihres verblichenen Zustandes konnte man ihr doch ansehen, daß sie einst sehr brillant gewesen sein mochte." [197]

Und über das schleswig-holsteinische Kiel an der Förde der Ostsee schrieb ein Chronist im Jahre 1856: "Die Gassen aber waren dermalen überall so schmutzig, daß man jetzt keinen Begriff mehr davon hat. Wer also unbeschmutzt in eine anständige Gesellschaft wollte, mußte sich, bei Tage wie bei Nacht, tragen lassen; da aber immer nur eine Person zur Zeit fortgeschafft werden konnte, ... so war solche Beförderung immer sehr kostspielig. Die ehemalige große Anzahl von Portechaisen, welche an bestimmten Orten in den Stadtvierteln, hauptsächlich am Nikolaikirchhof postirt [sic!] waren, ist nach und nach verschwunden, so wie der Gebrauch von verdeckten Wagen mehr und mehr auf kam, und gegenwärtig sind nur einige wenige dieser antiken Beförderungsmittel noch vorhanden, welche nur mitunter, bei besonderen Gelegenheiten, an die frische Luft gebracht werden, und dann bei älteren Leuten, denen ihre frühere Periode des Glanzes erinnerlich ist, ein gar wehmüthiges Gefühl hervorrufen." [198]

Auch ein Österreichreisender habe sich im Jahre 1856 in Anbetracht der neuen Eisenbahntechnologie gefreut, "daß ich die verflixten rothröckigen Sesseltrager mit ihren Torturkästchen in den Straßen von Wien nicht mehr gesehen habe. Eisenbahnen und Tragsessel! Nicht mehr als billig, daß die Schnecke wich, als der schnaubende Dampfriese sich bequemte, den Menschen stürmisch durch die Welt zu führen." [199]

Schließlich sei noch ein ähnliches Zeugnis der Edelfrau Hedwig v.Bismarck hier aufgenommen, die um 1852 als Backfisch den früheren Erzieher König Albert von Sachsens, Albert v.Langenn (1798-1868) in Dresden, besucht hatte, "ein Mann, vor dessen Gelehrsamkeit ich schauderte, bevor ich seine Bekanntschaft gemacht hatte: Doktor der Philosophie, der Jurisprudenz und, o Schrecken, auch noch der Theologie, wirklicher Geheimer Rat, Chefpräsident des Appellationsgerichts in Dresden - das waren Titel und Würden, die mich mehr fürchten denn hoffen ließen ... In der katholischen Kirche, die wir der Musik wegen besuchten, kamen mir viel alte Erinnerungen aus meinen Kindertagen. Jetzt war von dem Pomp des königlichen Zuges nichts mehr zu sehen; wir konnten nur Exzellenz Langenn in Hoftoilette bewundern, als er während unserer Anwesenheit einmal zur königlichen Tafel befohlen wurde. Die Galauniform, weiße Beinkleider und reich gestickter Rock, waren dem einfachen Mann wenig gemütlich. Um diese vor dem lästigen Kohlenstaube zu schützen, bestieg er eine Portechaise, ein in Dresden noch übliches Beförderungsmittel aus Urväterzeit. Tante Lottchen und ich begleiteten den Geheimrat in den Hausflur, um ihn einsteigen zu sehen und waren allerdings beide mehr dadurch belustigt, als er." [200]

IV.3.2. Der Fürstenhof als letztes Reservat der Portechaise

Wenn auch im öffentlichen Leben die Bedeutung der Portechaise in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts rasant abnahm, bestand sie aber zur selben Zeit noch im höfischen Bereich als rein ehrinstinktiv benutzter Kultgegenstand in den sozialen Fürsten- und Adelsbiotopen für einige Zeit fort. [201] Er war allerdings nur noch dann ein höfischer Zeichenträger, wenn er sich von den gewöhnlichen Mietsportechaisen unterschied. Diese Differenz ließ sich nur noch durch zwei Merkmale aufrechterhalten: 1) eine Qualitätssteigerung (Schmuckwerk) und 2) eine Quantitätssteigerung (Größe und Ausmaß). Da das Letztere beim Tragen durch zwei Porteure nahezu ausgeschlossen war, verlegten sich die Auftraggeber von Hof- und Privatportechaisen vor allem auf den ersten Punkt.

Wer jetzt noch die Portechaise als Abbildung und Manifestation eines geistigen Prinzips sehen wollte, mußte dem Ehrinstinkt Opfer bringen; das erforderte eine phantasievolle, kreative, absonderliche, skurrile und vor allem verschwenderische »Installation des Besonderen«, wie sie vor allem in den Prunk- und Galaportechaisen zum Ausdruck kam.

In Zeiten der öffentlichen Konkurrenz der Portechaisenidee mußten die fürstlichen Tragesessel besonders ausgestattet sein. Ähnlich lief die Entwicklung vergleichbarer adeliger Kultgebrauchsgegenstände ab: Die Kutsche wurde durch die Karosse ersetzt, die Karosse von der Kraftdroschke verdrängt, die Kraftdroschke schließlich im ehrinstinktiven Rang von der Limousine unterlaufen.

Es war in der Spätepoche daher notwendig geworden, dem Zwang zur größtmöglichen Entfernung vom praktischen ursprünglichen (Beförderungs-) Zweck zu folgen, indem Portechaisen möglichst nach dem Grundsatz der »Potenzierung ökonomischer Sinnlosigkeit« entstehen mußten. Hinzu kam das Erfordernis der Torpedierung und Vermeidung von jeglicher Form von Mittelmäßigkeit und Gleichheit. Dort aber, wo bei der Benützung der Portechaise auch nur der Anschein von Vergleichbarkeit auftrat, mußte er durch die erneute Erhöhung der Intensität des Aufwandes im Sinne des Prestigeerhalts gebrochen werden: Queen Anne von Großbritannien (1665-1714) [202] beispielsweise verehrte dem König in Preußen [203] einen überaus reich geschmückten Sedan-Chair im Wert von 8.000 Pfund. [204] Und im Jahre 1794 besaß die Kurfürstin Elisabeth Auguste von der Pfalz (1721-1794) in ihrem Düsseldorfer Residenz "eine Porte-Chaise, mit vergoldetem Messing beschlagen und rothem Damast gefüttert" im Wert von 500 Reichsthalern. [205]

Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667-1739) setzte dahingegen lieber auf eine Prestigemehrung infolge demonstrativer weltmännischer Globalität, indem er um 1689 Verhandlungen für den Ankauf einer ausländischen Sänfte aus Wien führen ließ. [206] Auch Ferdinand Freiherr v.Fürstenberg (1626-1683) ließ sich zur Zurschaustellung von Muße und Konsum als Fürstbischof von Paderborn und Münster ausländische Erzeugnisse kommen und hatte aus Paris nach Münster in Westfalen einen mit rotem Samt und Gold reich verzierten Tragsessel importiert. [207]

Mit einem ähnlich demonstrativ zu besichtigenden Aufwand wurden andere Portechaisen versehen und wenn diese nicht durch Globalität Prestige verbreiten konnten, so durch Prunk, denn die Kaiserin von Rußland [208] ließ sich in Wildbad im Schwarzwald noch bei ihrer Kur um 1858 "in einer verschlossenen Portechaise von vier Bedienten in blauer, mit Gold bestickter Livree aus dem Bade tragen." [209] Dies schien nötig geworden zu sein, nachdem der allgemeine und nun nicht mehr nur dem Adel vorbehaltene Badetourismus mit der Verbreitung der Eisenbahn eine »Demokratisierung der Heilquellen« mit sich gebracht hatte, zumal sich in Kurorten die nun überwiegend wieder werkinstinktiv genutzte Portechaise auch nach der Abschaffung der öffentlichen Taxiportechaisen noch ein letztes Reservat behaupten konnte. [210]

Ebenfalls aufwendig gestaltet war der geschlossene Tragsessel, den die Kurfürstin Maria Anna von Bayern (1728-1797), eine gebürtige Prinzessin von Polen und Sachsen, als Witwe von Kurfürst Max III. Joseph (1727-1777) gegen Ende des 18.Jahrhunderts benützte. Ihre Portechaise war mit einem an Scharnieren aufklappbaren Himmel bedeckt, der das Einsteigen mit hohem Kopfputz erleichterte. Sie besaß venetianisches Glas, war inwendig mit rotem Samt beschlagen sowie mit Schnüren, Fransen und Galonen verziert, außen mit durchwirkten Seidenstoffen und einer Stickerei des Allianzwappens Bayern-Sachsen. [211] Auch Niederadelige übten diese Personalisierung mithilfe von Allianzwappen auf der Portechaise, sofern sie dazu finanziell in der Lage waren. [212]

Wo bei Hofe nicht mit der materiellen Ausstattung der Portechaise demonstrative Verschwendung betrieben wurde, geschah dies über die Domestikenanzahl. So befanden sich im Jahre 1702 im Feldhofstaat Kaiser Leopold I. (1640-1705) zusammen 233 Personen, unter denen auch 6 Senftenknechte waren. [213] Seine Gattin, Erzherzogin Claudia Felizitas (1653-1676), besaß einen eigenen »Sänftenmeister«, ein Amt, daß nur bei besonders großer demonstrativer Verschwendung eingerichtet wurde. Diese Sänftenmeister hatten die Aufsicht, Unterhaltung und Pflege der Portechaisen zu beobachten und die ihnen unterstellten Sänftenknechte zu befehligen. [214]

Auch Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724-1799) verfügte im Jahre 1778 über einen Sänftenmeister und 10 Sänftenknechte. [215] Andere Fürsten konnten sich einen Sänftenmeister nicht leisten: Bei Kurfürst Max III. Joseph von Bayern (1727-1777) waren um 1750 in seinem Obriststallmeisterstab »nur« 14 kurfürstliche Sesselträger beschäftigt. [216] Kurfürst Joseph Clemens von Köln (1671-1723) brachte es dahingegen im Jahre 1719 ebenfalls »nur« auf 6 kurfürstliche Sessel-Träger, [217] während sich der Kurfürst von Mainz 1790 auf lediglich 1 Leibkutscher, 15 Hofkutscher, Vorreiter und Beiläufer, 42 Postillons sowie 4 Senftenknechte beschränken mußte. [218]

Freilich spiegelten Portechaisen im adeligen Bereich nicht nur soziale Devianz, sondern auch soziale Bedürftigkeit aus. Es war das Bedürfnis der Portechaisenbenützer Beachtung und Anerkennung bei anderen Standesgenossen durch den neidvollen Vergleich und bei den niederen Ständen durch Bewunderung und Gehorsam zu finden. Dieser stetige Kampf um Aufmerksamkeit war ressourcenintensiv und anstrengend, wie dies im Jahre 2008 das Museum für Thüringer Volkskunde in einer Ausstellung über »Feine Leute. Mode und Luxus zur Zeit des Empire« wie folgt treffend formuliert hatte: "Feine Leute lassen sich etwas einfallen, dulden keine Nachlässigkeit, spielen ihre Rolle, sind exzentrisch, stehen immer unter Beobachtung und lieben das Erhabene". [219] Alle diese Grundhaltungen spiegeln sich im Gebrauch der Portechaise »bei Hof« wider.

IV.3.2.1. Zur Konjunktur der Sänfte am Wiener Hof

Zuletzt sie noch auf die Konjunkturentwicklung der Sänften und damit auch der Portechaisen bei Hof verwiesen, die sich durch chronologische Vergleiche der spezialisierten Dienerschaft in verschiedenen Jahren ersehen läßt, was im folgenden Abschnitt am Beispiel des Hofes des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation von 1637 bis 1806 und des folgenden Kaiserlich und Königlich Österreich-Ungarischen Hofes aus den Jahren 1804 bis 1866 dargelegt werden soll, der in Europa zu den bedeutendsten Höfen zählte.

Die Wahl des Wiener Hofes wurde an dieser Stelle getroffen, da es sich hier um einen großen Hofstaat handelte, bei dem davon auszugehen ist, daß er die Konjunktur der Sänfterei besonders prägnant abbildete. Dabei wurde hier in einzelnen Stichjahren die Anzahl der Kutsch- und der Sänftenbedienten chronologisch aufsteigend ausgewählt. Dies erlaubte einerseits im Zeitschnitt von 1637 bis 1866 eine Sicht auf die Entwicklung der Beliebtheit von verschwenderischen Ausgaben für Kutschen und Pferde, andererseits aber auch Einblicke in das Verhältnis von Pferderei und Sänfterei.

Im Jahre 1637 befanden sich zuerst im Bereich des Kaiserlichen Obersthofstallmeiststabes 2 Leibkutscher, 24 andere Kutscher, 26 Vorreiter, 1 Sänftenmeister und 10 Sänftenknechte. [220] Beim deutschen Kaiser Leopold I. (1640-1705) dienten im Jahre 1705 dann 8 Sesselträger. [221] Wenige Jahre später expandierte die Zahl der Sänftenbeschäftigten in erhöhtem Maße, denn Kaiser Karl VI. besaß in seiner Hauptresidenz Wien nach einer undatierten (zwischen 1711 und 1740 entstandenen) Aufstellung 7 Leibkutscher, 180 ordentliche Kutscher, Vorreiter und Mitteljungen, während im beigeordneten »Senften-Stall« 30 Senftenknechte und 14 Sessel-Träger tätig waren. [222]

Im Jahre 1746 nahm diese Höchstzahl wieder ab, als sich im Bereich Oberststallmeisteramt nur 4 Leibkutscher, 107 ordinari Kutscher, Vorreuter und Mitteljungen, 6 Sessel-Trager sowie im Senften-Stall zusätzlich 24 Senften-Knechte auf den Besoldungslisten befanden. [223] Noch 1770 war diese Zahl fast unverändert, allerdings zugunsten der Pferderei leicht verschoben: 5 Leibkutscher, 138 andere Kutscher, Vorreiter und Mitteljungen sowie 24 Sänftenknechte wurden jetzt in Lohn und Brot gehalten. [224] Für das Jahr 1772 ergab sich nahezu dasselbe Bild: Im Bereich Kutscher-Stall existierten 5 Leibkutscher, 121 ordinari Kutscher, Vorreiter, und Mitteljungen, im Bereich Hof-Post-Stall 3 Oberpostillone, 35 Unter-Postillone, außerdem im Bereich Hof-Senften-Stall 24 Senften-Knechte. [225]

Nach der französischen Revolution nahm die bisher in der 2.Hälfte des 18.Jahrhunderts relativ konstant gebliebene Anzahl der Beschäftigten in diesem Bereich merkbar ab, denn 1797 waren im Arbeitsfeld der Hofstallungen nur noch 1 Leibkutscher, 60 ordentliche Kutscher, Vorreiter und Mitteljungen, 38 Postillone und 9 Senftenknechte angestellt. [226] Auch im Jahre 1802 blieb der Beschäftigungspegel der Tragedomestiken unverändert, wo der kaiserliche Hof über 1  Leibkutscher, 60 ordentliche Kutscher, Vorreiter und Mitljungen, 50 Postillone und wiederum 9 Senftenknechte verfügte. [227] Das gleich galt für das Jahr 1841, in dem der Hofkutschen- und Sänftenstall 1 Leibkutscher, 1 Sänftenstall-Oberknecht, 108 Kutscher, Vorreiter und Mitteljungen sowie erneut 9 Sänftenknechte aufwies. [228] Das Jahr 1857 dahingegen war eines der letzten Jahre, in denen die Hofzugställe mit 1 Leibkutscher, 1 Leibpostillon, 108 Kutschern und Vorreitern sowie 9 Senftenknechten bestückt waren. [229] Spätestens 1866 wurden im Bereich der Hofzugställe keinerlei »Sessel-Bediente« mehr genannt, [230] womit nun auch bei Hof die gänzliche Bedeutungslosigkeit der Sänften und Portechaisen eingetreten war.

V. Die Portechaise in der satirischen Kritik

Geht man davon aus, daß Portechaisen, wie wir festgestellt haben, Zeichen waren und nicht nur Gebrauchsgegenstände des Alltags, so liegt es nahe, auch auf deren politische Umwidmung einzugehen. Ihre stark eingeschränkte und auf die vormodernen Eliten festgelegte Zeichenhaftigkeit bot sich dabei geradezu für eine Persiflierung des Adelsbegriffes an. Molière war einer der ersten Kritiker der Portechaise, die er in einer seiner Komödien als "eine vortreffliche Schutzwehr gegen die Beleidigungen von Seiten des Schmutzes" bezeichnete. [23]1

Eher harmlos mutet dagegen die Verwendung der Portechaise im Marburger Studentenleben des 19.Jahrhunderts an, die eine Veralberung von Zeremonien beabsichtigte. Denn der Antritt von Karzerstrafen für studentische Nonkonformisten begann in einigen Fällen mit einem viele Einrichtungen der Erwachsenenwelt persiflierten Zug durch die Stadt: "Voran der Couleurdiener mit einer Tafel, die dem staunenden Publikum Ziel und Grund der Reise enthüllte. Unter Bedeckung zweier unheimlicher Gesetzeswächter folgte eine Porte-Chaise, von zwei Trägern getragen, in welcher der Delinquent mit rasiertem Schädel und blauer Sträflingskleidung die Huldigungen der Menge entgegennahm. Bettzeug, Kleider, Bücher, Pfeife und Tabaksbeutel reihten sich an. Ein würdiges Männerquartett in Gala gab dem Schwerverbrecher die letzte Ehre und ein Nachtwächter am Schluß wirkte ebenso sehr durch Hellebarde und Tuthorn, als durch seine außerordentlich passende Physiognomie." [232]

Wurde in diesem Falle die Zeichenhaftigkeit der Portechaise noch weitgehend als Karikatur ihrer selbst benützt und veralbert, diente sie in anderen Zusammenhängen durchaus auch dem Angriff auf den Adel und wurde vor allem in der Literatur als willkommenes Beiwerk eines überheblichen und leicht verschrobenen Edelmannes benützt: Mit der Zeit verkam der bloße Anachronismus zur Skurrilität und Absonderlichkeit, ähnlich wie bei der Verwendung des Monokels als Adels-Beiwerk. Die Benutzung der Portechaise in der Komödie garnierte für viele Zuschauer und Leser einen lächerlich gemachten Edelmann, ein obsoletes Relikt des Ancien Régime.

Beispielhaft dafür sei die literarische Figur des »Jacob v.Tyboe« aus dem Jahre 1723 genannt, eines fiktiven Edelmannes, der in dem gleichnamigen Roman des norwegischen Theaterdichters Ludvig Baron Holberg (1684-1754) auftrat. [233] Tyboe wird dabei von Holberg als dünkelhaft-adeliger Aufschneider dargestellt, der das »Amusement der ganzen Garnison« bildete. Sein Kennzeichen war die ständige Mitführung von acht Bedienten, seine Schimpftiraden wider die angebliche Unfähigkeit derselben und das stete Mitführen einer Portechaise, in der er saß und deren Träger er mithilfe einer Pfeife militairisch kommandierte: "Fünfte Szene. Tyboe in einer Sänfte. (während er draußen auf dem Gange spectakelt, werden die Stühle zurechtgesetzt.) Hal...t! Hal...t! Hal...t!" (stößt in eine Pfeife ... springt aus der Sänfte und pfeift wieder ... zu den Sänftenträgern, indem er den Degen zieht) Heda, Porteurs, Achtung! Rechtsum kehrt! (die Sänftenträger machen mit der Sänfte kehrt) Marsch! (sie gehen ein wenig zurück) Halt da bis auf weitere Ordre!" [234]

Von gleicher satirischer Qualität war die Figur des »Marquis de Mascarill«, eines mit übermäßig viel »Gänseklein« (Bändern, Spitzen, Federn, Handschuhen) ausgestatteten Schönredners in der Molièreschen Komödie »Die Gezierten«. Auch hier wird die Überheblichkeit des Adels wider Bedieneste niederer Stände persifliert, indem der literarische Charakter des Mascarill, während er in einer Portechaise von zwei grobschlächtigen Porteurrs wegen seiner Faulheit kritisiert wurde, ausruft: "Sollte ich etwa, um Euch eine Unbequemlichkeit zu ersparen, Ihr Tölpel, meine Schuhe mit Koth beschmutzen und meinen wallenden Federschmuck dem Regenwetter aussetzen?" [235]

Auch politisch ist die Portechaise bisweilen in der Literatur benützt worden, so wie es in Zeiten der Metternichschen Restauration der liberale Adelige Gotthilf v.Maltitz tat, der im Jahre 1832 zu einer Abkehr von allen Adelsprivilegien aufrief, zu denen er auch die Portechaise als Sinnbild der nobilitären Dekadenz zählte: "Nicht auf langen Reisezügen, schwer in polternder Carrosse, Nicht vom weichen Tragesessel, oder stolz geschmücktem Rosse, Kannst du, Wißbegieriger Fremdling, richtig schauen Volk und Land. Willst dus wahrhaft kennen lernen, nimm den Wanderstab zur Hand! Nur wer mit dem Bauer gehet, dem geht auf des Bauern Weise; Wie er denkt und lebt und handelt in der Heimath stillem Kreise. Und wer auch im fernsten Thale selbst durchstreift die fernste Bucht, Der nur findt zur Völkerkenntniß jene Pfade, die er sucht. Auf der platten, eingedämmten, abgemessnen Straßenzeile fahren Habsucht nur und Hochmuth mit der Schwester Langeweile; ... Angeerbter Adel sinke mit den Resten deiner Schlösser; Denn ein anderer erblühet edler, mächtiger und größer. Anerkannt durch tausend Ahnen, ebenbürtig jedem Thron: Seelenadel, also nennt sich des Jahrhunderts neuer Sohn." [236]

Der mit derlei Portechaiseneinsätze verbundene offensichtliche Zweck demonstrativen Müßigganges karikierte schließlich Kotzebue in seinem Theaterstück »Pachter Feldkümmel von Tippelskirchen« im Jahre 1812 treffend, indem er den Pfiffikus Schmerle zu dem Pächter Feldkümmel sagen ließ: "Was meinen Sie, Ew. Gnaden, wenn ich unterdessen eine Portechaise holte? So könnten Sie nach vollbrachter Mahlzeit sich ein wenig in der Stadt herumschaukeln lassen", worauf Feldkümmel antwortete: "Thu Er das, mein lieber Kochlöffel, das Schaukeln ist eine gesunde Bewegung. Schmerle erwiderte daraufhin dienstbeflissentlich: "Und sehr in der Mode. Die neuesten Portechaisen werden á l´ espérance genannt. Es lassen sich eine Menge hübsche Leute darin schaukeln, bis sie selig entschlafen." [237]

VI. Soziokulturelle Eigenheiten der Portechaise

Daß Portechaisen nicht nur praktischen, sondern vor allem ökonomisch unpraktischen Zwecken diente, wurde bereits mehrfach oben ausgeführt; hier ist indes noch die Begründung zu dieser Behauptung und Sichtweise nachzureichen. Bei der Betrachtung der erwähnten soziokulturellen Eigenschaften der Tragstühle soll vor allem das mit ihnen verbundenen Zeicheninventar untersucht werden, wobei es um die Portechaise als Mittel demonstrativen Müßigganges (Kapitel VI.1.), als Mittel stellvertretenden Konsums und ebensolchen Müßigganges (Kapitel VI.2.), als Mittel demonstrativen Konsums (Kapitel VI.3.), als Mittel demonstrativer Rangordnung )Kapitel VI.4.) und als Mittel zur Schaffung sozial disparater Räume gehen wird (Kapitel VI.5.).

Zunächst einmal war die Portechaise unbequem und erfüllte damit alle Normen, die für eine sinnlose Vergeudung von Ressourcen im Sinne der ökonomischen Theorie Veblens geeignet war. Sie war in der Ständegesellschaft weniger ein für ihren eigentlichen Transportzweck geeignetes als vielmehr demonstratives Mittel zur Darstellung, Herstellung, Erhaltung und Verbreitung von Ansehen, Ruhm, Ehre, Renommage und Prestige. In ihrer Früh- und Hochepoche, bevor sie ein »plebejisches Allgemeingut« als »gewöhnliches« Tragetaxi in den Städten wurde, war die Portechaise im Adel ein Mobilitätsmittel, welches vor allem vier Aspekte und Bedingungen erfüllte, die den Grund für ihre zeitweise Beliebtheit ausmachten.

VI.1. Mittel demonstrativen Müßigganges

Die Portechaise war naturgemäß in zweierlei Hinsicht ein Mittel demonstrativen Müßigganges. Erstens traf dies zu, weil der Benützer sich selbst sich nicht bewegte und keinerlei produktiver Tätigkeit nachging: Er ließ sich bewegen anstatt sich selbst zu bewegen. Zweitens wohnte der Portechaise aufgrund ihrer Anlage als erweitertes Instrument der Fortbewegung zu Fuß nur eine geringe Reisegeschwindigkeit inne. Wegen ihrer Konstruktion, ihres Gewichtes, des Gewichtes der innensitzenden Person und den oft noch unebenen Wegeverhältnissen in den Residenzen und Städten war eine andere Fortbewegungsgeschwindigkeit auch nicht möglich, hatten doch die Porteure jeweils bis zu einem Zentner Gewicht an jedem Holm - vorn und hinten - zu tragen. Allein also die Geschwindigkeit zeigte bereits, daß hier Zeit im Übermaß vorhanden sein mußte und vom Benützer der Portechaise vergeudet werden konnte. Mithin war die Portechaise per se in ihrer Anlage bereits ein Mittel bewußt zur Schau gestellter Muße. Dieser Umstand wird im Nachfolgenden anhand der Prinzipen der Entschleunigung (Kapital VI.1.1.), der »bewegten Unbeweglichkeit« (Kapital VI.1.2.), der »Illusion des Schwebens« (Kapitel VI.1.3. und dem Einsatz der Portechaise nur für fußläufige Strecken (Kapitel VI.1.4.) erläutert werden.

VI.1.1. Das Prinzip der Entschleunigung

Infolge ihrer Unbeweglichkeit wohnte ihr das ehrende Prinzip der Entschleunigung inne, welches Ehre verlieh. [238] Deutlich wird dies anhand von Beispielen, in denen diese Entschleunigung künstlich in eine Beschleunigung verwandelt wurde. In diesen Fällen verlieh die Portechaise nicht mehr Ehre, sondern nahm sie dem Benützer. Beschleunigung bei Portechaisen wurde daher im Bild oder Film gern als Mittel benützt, um die Tragsesselidee ins Humoristische zu ziehen, wie dies überhaupt mit allen Entfremdungen der ursprünglichen Sinnhaftigkeit der Portechaise stattfand: Jede tatsächliche Entwidmung im Kontext mit der Portechaise war ehrmindernd, beispielsweise öffentliche Streitereien um die Bezahlung zwischen Benützer und Porteuren, Unfälle mit Portechaisen, Diskussionen zwischen Benützern und Porteuren, Probleme beim Ein-und Aussteigen oder auch der schon bei der literarischen Kunstfigur Tyboe beobachtbare militairische Kommandoton unter den Beteiligten.

Ein Beispiel dafür ist fernerhin die Darstellung der Portechaise in der Verfilmung der Romane der britischen Schriftstellerin Elizabeth Gaskell (1810-1865), die 2007 von der BBC unter dem Titel »Cranford« als Serie produziert worden war. In der betreffenden Szene der ersten Episode, die im Juni 1842 in Großbritannien spielt, versuchte die Witwe Mrs. Forrester ein wertvolles Spitzenstück mit Buttermilch in einer flachen Schale zu reinigen. In einem Moment der mangelnden Aufsicht verschluckte dann aber ihre Katze versehentlich beim Buttermilchschlürfen das historisches Kunstwerk aus dem 17.Jahrhundert und wurde daraufhin im Laufschritt in die Stadt gebracht, verfolgt von der zufällig mit ihren beiden Porteuren vorbeikommenden "The Honourable Mrs. Jamieson, a widow with aristocratic pretensions" in ihrer Portechaise, die sich bei Mrs. Forrester nach der Aufregung erkundigen wollte und schließlich als Führungsperson die Abführungsprozedur des Katzendarms übernimmt, aus dem das Spitzenstück mittels künstlich herbeigeführten Durchfalls wieder zum Vorschin kommt. [239]

Hier wurde deutlich das Mittel der Beschleunigung und der stöhnenden Porteure im Laufschritt eingeflochten, um den Eindruck von Lächerlichkeit, Anachronismus und die Skurrilität aristokratisch überlebter Formen zu verbreiten, auch wenn die Portechaise an sich bei der Figur der Mrs. Jamieson als eine liebenswerte Obskurität des rudimentären Originals einer alten Dame Verwendung fand.

VI.1.2. Das Prinzip der »bewegten Unbeweglichkeit«

Ein anderes Prinzip demonstrativer Muße war der visuelle Eindruck der »bewegten Unbeweglichkeit«. Zwar vermittelte die Portechaise Mobilität durch ihre tatsächliche Ortsveränderung infolge der körperlichen Arbeit der Porteure, die bewegte Person aber blieb von jeder produktiven körperlichen Anstrengung verschont, war sogar zum Stillsitzen in dem realitv engen Raum der Portechaise gezwungen. Durch diese Abwesenheit von Anstrengungen körperlicher Art bei gleichzeitiger Freisetzung von Bewegungsenergie durch die Träger vermittelte das Bild automatisch »Würde« und »Ehre«, das getrübt worden wäre, sofern der Transportierte selbst körperlich aktiv geworden wäre. Insofern nahm die Portechaise, ähnlich wie das Pferd, die Stellung ein, die einer Art »beweglichem Thron« gleichkam.
Aus diesem Grunde besaßen stets alle »Fremdbeweger« (Kutschen, Chaisen und Kraftfahrzeuge) bei der Nobilität ein höheres Prestige als die »Selbtbeweger«, insonderheit Fußgänger und Radfahrer. Das Radfahren wurde sogar im XIX.Jahrhundert noch vom Adel despektierlich als Fortbewegungsmittel der niederen Volksklassen abqualifiziert sowie als eine dem Adel unwürdige Fortbewegungsart erachtet [240] und Adelige, die häufig als Erwachsene Rad fuhren, wurden von ihren Standesgenossen vielfach als deklassiert belächelt. [241]

Wie vielfach beim Adel auch in anderen Lebensbereichen zu beobachten, beschränkte sich der Edelmann auch beim Tragestuhl auf das Delegieren von Tätigkeiten: Er ließ sich in der Portechaise bewegen und betrachtete diese Fortbewegungsart damit als »standesgemäß«. Auch sonst arbeiteten die Angehörigen der Nobilität nicht selbst auf ihren Gütern, die sie nur »verwalteten«, sondern »ließen arbeiten«. Als Ausnahmen sind allerdings alle jene Tätigkeiten wie Krieg und Jagd zu nennen, bei denen der Adel selbst körperlich aktiv wurde, da diese Anstrengungen zu den räuberischen und daher ehrenvollen Beschäftigungen gehörten. [242] Wo allerdings nur irgend angängig, beschäftigte der Edelmann im Ancien Régime als Demonstration von Macht, Standeszugehörigkeit und Reichtum abhängige Lohndiener.

VI.1.3. Die »Illusion des Schwebens«

Ein letztes wichtiges demonstrativ müßiggängerisches Prinzip der Portechaise war schließlich die »Illusion des Schwebens«. Durch die Schwerkraft an die Erde gebunden, mußte naturgemäß in der Frühen Neuzeit, die die Schwerelosigkeit im All noch nicht kannte, jeder menschliche Körper naturnotwendig in Kontakt mit dem Erdboden bleiben. Nur die Vögel konnten sich ungehindert, aber von den Menschen bewundert, in den Lüften frei bewegen, übertroffen nur noch von den langsam dahinschwebenden Wolken am Himmel. Der ewige Traum des Fliegens war auch ein Traum des Schwebens und schon früh verband die menschliche Natur das Schweben und Losgelöstsein mit Begriffen und Gefühlen wie »Erhabenheit« oder »Würde«. Auch die Bibel verhieß den Gläubigen im Buch Mose: "Und der Herr wird Dich zum Haupt machen und nicht zum Schwanz, und Du wirst oben schweben und nicht unten liegen, darum daß du gehorsam bist den Geboten des Herrn, Deines Gottes, die ich Dir heute gebiete zu halten und zu tun." [243] Im Buche Jesaja heißt es ähnlich positiv besetzt: "Alsdann wirst Du Lust haben am Herrn, und ich will Dich über die Höhen auf Erden schweben lassen und will Dich speisen." [244]
Der Zustand des Schwebens wurde zudem in der Bibel mehrfach sogar als charakteristische Eigenschaft Gottes bezeichnet: "Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser." [245] sowie "Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher, und er schwebte auf den Fittichen des Windes." [246]

Derart »herrschaftlich« und müßiggängerisch konnotiert war das Gefühl und die Sehnsucht nach einem Schwebezustand ein willkommener Grund für Adelige, sich durch die Benützung einer Portechaise einen Teil dieses Traumes zu personalisieren. Der Hauptgrund ihrer Beliebtheit bei Eliten aber lag in dem Zuwachs des Prestiges und Ansehens, welches »das Schweben« beim Außenstehenden erzeugte, auch wenn es sich nur um eine Illusion des Schwebens handelte. Die getragene Portechaise aber konnte diesen Zustand zeitweise aufrechterhaltenen, wenn auch die Portechaiser geübt sein mußten, im Team arbeiten zu können, um den beabsichtigten Schein zu erreichen und die Bodenverhältnisse auszugleichen. Diese der Zuweisung »göttlicher« und »erhabener« Eigenschaften und Zeichen ließen die Anwendung der Portechaise alltäglich auch für kleinste Wegstrecken interessant werden.

VI.1.4. Der Einsatz der Portechaise nur für fußläufige Strecken

Es wurde sogar zu einer Art alltäglicher Selbstverständlichkeit im Ancien Régime, Portechaisen für die geringsten Wegstrecken zu halten oder zu mieten. In der erwähnten Hochepoche von 1650 bis 1790 war die Portechaise flächendeckend zum Allgemeingut »feiner Leute« geworden, so daß ihr Gebrauch sogar in Benimmempfehlungen für junge Mädchen aufgenommen wurde: "Sollte man außer dem Haus von einem Regen übereilet werden, so muß man sich zeitig nach einem Regenschirm, Tragesessel oder Wagen umthun ... Beym Ein- und Aussteigen in die Kutsche, ingleichen beim Eynsetzen in einen Tragesessel hat man insonderheit wohl auf seine Kleider Acht zu geben." [247]

Entsprechend sah der Alltag aus: In der britischen Kurstadt Bath in der Grafschaft Somerset wurden Portechaisen um 1796 selbst bei den kleinsten Ortsveränderungen von kurenden Damen von einer Straße zur Anderen benützt. [248] Diese Praxis war auch in Deutschland üblich, wie ein Chronist der Residenzstadt Hannover bestätigte: "Überhaupt herrschte in der persönlichen Bedienung der höheren Stände eine Art von asiatischer Weitläufigkeit. Ein Minister, der sich in die tägliche Rathsversammlung begab, war es auch nur ein kurzer Weg, setzte vier Domestiken in großer Livree in Bewegung. In vielen vornehmen Häusern wurden ... ausser der Equipage, auch Sänftenträger gehalten, und wenn der Herr einmal die Straße betreten wollte; so schlich doch die Portechaise nach." [249]

Mietbare Portechaisenträger fanden sich daher vor allem dort ein, "wo Adel und Publikum zahlreich erschienen: Bei großen Tänzen, am Sonntag vor den Kirchthüren am Theater." [250] Mitglieder des österreichischen Kaiserhofes wurden im 17.Jahrhundert mit den Portechaisen von der Hofburg in weiter entfernt liegende Kirchen oder zu anderen Besuchen getragen. [251] Und Friedrich der Große ließ sich bei seinen jährlichen herbstlichen Umzügen vom Schloß Sanssouci zum Stadtschloß in Potsdam in einer Portechaise zwischen seinen Residenzen hin- und hertransportieren. [252] Namentlich waren es daher Wege zwischen Wohnhaus und Arbeits- oder Vergnügungsstelle in derselben Stadt, die mithilfe der Portechaise zurückgelegt wurde.

Eine stehende Redewendung wurde auch der Begriff »nach Hof tragen«, der im Hochadel im Jahre 1668 für Nürnberg [253] und im Dezember 1799 für den Dichter Schiller in Weimar belegt ist. [254] Auch Kurfürst Joseph Clemens von Köln ließ sich 1715 "vom schiff ohne Ceremoni in meinem blauen Tragsessel ganz still nach hoff tragen, ob zahr meine trouppen und das Volckh mich mit grossem geschrei accompagniret." [255]

In Bonn rieten 1731 daher auch die Hofbehörden fremden Kavalieren, die dem Kurfürsten ihre Aufwartung machen wollten, mit der Kutsche oder der Portechaise im Schloß zu erscheinen und nicht etwa zu Fuß. [256] Überhaupt wurden Visiten an fremden Fürstenhöfen anläßlich von Reisen hochgestellter Personen offenbar gern mit Portechaisen erledigt und selbst beim Einkauf von Kleidungsstücken benützten Hofangestellte ebenfalls diese Sänftenart, um sich durch Zurschaustellung stellvertretenden Konsums und Müßigganges im Namen ihres Dienstherrn in die »Boutiquen« tragen zu lassen. [257]

Mietportechaisen und Mietlakaien gab es fernerhin auch in anderen Städten mit Elitenverkehr, wo sie stets einen eigenen Wirtschaftszweig bildeten und auf Zeit buchbar waren. Auf diese Weise hatte, um ein Exempel zu nennen, Carl v.Bodeck aus Frankfurt am Main, der sich bis 1733 immer wieder einmal in Wetzlar aufhielt, um dort seine Reichskammergerichtsprozesse zu führen, über einen Zeitraum von zwei Jahren und drei Monaten für hunderte von Gulden einer gemieteten Portechaise und eines Lohnlakaien bedient. [258] So besehen war die Mietportechaise ein billiges Imitat. Sie spiegelte Verhältnisse vor, die tatsächlich nicht bestanden, vor allem Besitzverhältnisse. Wo die pekuniären Mitteln nicht für eine dauerhafte Demonstration ausreichten, wurde diese Demonstration nur noch temporär durchgeführt: Im Ganzen war es preiswerter sich eine Portechaise dann und wann zu mieten anstatt sie dauernd mit Personal aufwendig unterhalten zu müssen.

Portechaisen waren also vor allem für den fußläufigen Hof- und Behördenverkehr geschaffen worden; die zurückgelegten Strecken überstiegen selten einige Kilometer. Teils aber betrat man eine Portechaise auch nur in einem Gebäude am Treppenfuß, ließ sich hinauftragen, um dann in einem oberen Stockwerk wieder auszusteigen. So geschah es am 23.Dezember 1780, als König Friedrich der Große nach Berlin in die Residenz kam, darunter unter vielen anderen "die Leibjäger in Grün, die Kammer-Husaren in blauen Sammt-Pelzen und langem geflochtenem Zopfe und die colossalen Heyducken in rothen ungarischen Hosen und hoher Mütze. Diese zwei nahmen die [aus einer Kutsche] aussteigenden Prinzessinnen in die Portechaise und trugen sie die Wendeltreppe hinauf zur Tafel." [259]

Ein anderer Fall ist für den 31.August 1755 überliefert, als die die von Friedrich dem Großen getrennt lebende Königin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die in Schloß Schönhausen bei Berlin separiert lebte, das frauenlose Potsdamer Schloß Sanssouci, teils noch eine unfertige Baustelle, besuchte: "Um 4 Uhr besah die Königin die neuen Zimmer auf dem Schloß, ließ sich herumtragen in der Portechaise, Prinz von Preußen [260] führte sie herum, darauf nahm sie von dem Könige in der Kammer Abschied und fuhr wieder nach Berlin." [261]

Es gab auch Tragsessel, die ausschließlich nur in einem einzigen Gebäude verwendet wurden. Dazu zählte nur für die Benützung im Inneren der Wiener Hofburg ein offener Tragsessel, der aus einem gewöhnlichen Sessel bestand, bei dem aber aber unten ein Fußablagebrett und seitlich zwei Stangen angebracht waren. Ein derartiger Tragsessel, im engeren Sinne keine Portechaise, war mit rotem, goldbesticktem Samt ausgestattet und mit goldenen Posamentrie-Borten gesäumt. Die Rückenlehne zeigte in goldener Reliefstickerei das von der Kaiserkrone überhöhte, auf dem Doppeladler aufliegende Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen. [262]

Wegen der erschütterungsärmsten Beförderungsart im Ancien Re´gime wurden aber nicht nur Menschen, sondern auch Gegenstände besonders wertvoller Art mit der Portechaise transportiert, die aber denselben ehrinstinktiven Grundsätzen folgten wie dies schon bei der Beförderung von Personen zutraf. So ließ beispielsweise Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) im Jahre 1810 ein von ihm in Auftrag gegebenes Diorama der Schlacht bei Jena 1806 über 170 Kilometer von Dresden nach Jena in einer Portechaise transportieren, wo es im Schloß aufgestellt werden sollte; [263] für diese Strecke benötigte man schätzungsweise mindestens 2 Tage. Für lange Reisen war die Portechaise aber wenig geeignet und es dürfte daher auch eine Ausnahme gewesen sein, daß König Friedrich IV. von Dänemark und Norwegen (1671-1730) im Jahre 1708 auf seiner Italienreise eine Portechaise nutzte. [264]

VI.2. Mittel stellvertretenden Konsums und ebensolchen Müßigganges

Der Adelige, welcher eine Portechaise benützte, beschäftigte damit notwendigerweise auch zugleich mindestens zwei Porteure. Diese waren, wie bereits geschildert, entweder privatim angestellt oder auch gemietet, wurden nur zu diesem Zwecke gehalten und bezahlt oder aber auch zu anderen Zwecken als Arbeitnehmer eingestellt, aber in entsprechendem Rollenwechsel mit ihrer Livree als auch als Portechaisenträger verwendet. Jedenfalls gehörten sie und damit das »System des Dienens und Herrschens«, welches eine derartige Sänfte im Einsatz vermittelte, unabdingbar zum Wesensgehalt der Portechaise dazu. Das Ansehen der Porteure war gelegentlich gering, weil es sich um Tätigkeiten handelte, die rein werkinstinktiver Natur waren. Tatsächlich gehörten Porteure wegen ihrer rein körperlichen Tätigkeit - die intellektuellen Fähigkeiten wurden nicht in Anspruch genommen - zu den Berufsgruppen, die nur sehr wenig Sozialprestige in Anspruch nehmen konnten. [265]

Dennoch aber war ihre Funktion auch ehrinstinktiv und zwar insofern, als sie stellvertretenden Konsum und stellvertretende Muße für ihren Dienstherrn zur Schau stellten. Denn der Dienstherr konsumierte nicht nur Güter (Portechaise) und Muße (Sichtragenlassen), sondern zeigte der Öffentlichkeit und den Standesgenossen auch, daß er in der Lage war, sich Angestellte zu halten, deren Potential bewußt beschränkt und nicht voll ausgeschöpft wurde: Porteure hatten keine anderen Aufgaben als das ökonomisch sinnlose Umhertragen des Dienstherrn, ihre Arbeitskraft wurde vielmehr nur für eine einzige ehrinstinktive Tätigkeit vergeudet.

Das System der verschwenderischen sowie ehrinstinktiven »Sinnlosigkeit« und damit ein Plus an Renommage ließ sich, begünstigt durch den neidvollen Vergleich, außerdem dadurch steigern, daß man entweder a) Ausländer beschäftigte, b) mehr Porteure anstellte oder aber b) sie in kostbaren Livreen auftreten ließ. Alle drei Methoden der Steigerung des Prestiges lassen sich an historischen Beispielen verifizieren:

Erstens wurden als Träger für Portechaisen und auch Kutschenbegleiter gern Heiducken oder »Heiduquen« verwendet, [266] die in aller Regel großgewachsen und kräftig waren. [267] Dies waren ursprünglich Angehörige von unter türkischem Einfluß stehenden Balkanstaaten, die ihren Namen von ungarischen Viehtreibern herleiteten, deren Bezeichnung aber von osmanischen Behörden auch gern allgemein auf Gesetzesbrecher sowie abtrünnige Viehräuber, Freischärler und Plünderer angewendet wurde. [268] Im 16. und 17. Jahrhundert dann wurden unter Heiducken auch Angehörige ungarischer Söldnertrupen verstanden, im 18.Jahrhundert schließlich in inhaltlicher und herkunftsbeziehentlicher Erweiterung des Begriffes zugleich Domestiken ungarischer Magnanten und endlich Diener an europäischen Fürstenhöfen, wo sie mit der Balkanherkunft nichts mehr zu tun haben mußten, sondern mehr die Eigenart als uniformierte Diener und Lakaien annahmen. [269] In Deutschland war damit also die einstige Herkunftsbezeichnung zu einer allgemeinen Dienstbezeichnung für körperlich starke und große Männer geworden, so daß viele Heiducken deutsche Namen trugen und lediglich als Livrierte fungierten, denen nur noch in der Berufsbezeichnung weltmännisches Flair und die Vorspiegelung einer einst tatsächlich namengebenden Ethnie eigen war.

Heiducken schufen an deutschen Höfen ebenso wie Janitscharen, Mohren, Kammerhusaren, Schweizer, Zwerge oder Kuriositäten-Kabinette ein Prestige der Globalität, denn sie machten den Eindruck, erst aus dem Balkan »importiert« worden zu sein, womit deutlich war, daß der Dienstherr eine gewisse Weltkenntnis haben mußte und internationale Beziehungen vortäuschte, außerdem demonstrierte, daß er in der Lage war, sich auf Reisen in ferne Länder zu begeben, was einen ökonomisch sinnfreien Geld- und Zeitaufwand gleichermaßen bedeutete. Heiducken wurden auf diese Weise zu Prestigemittlern und Sinnträgern von dienstherrlicher Renommage. Damit aber auch erkennbar war, daß es sich bei den Porteuren wirklich um Balkanbewohner handelte, ließ man sie, sofern dies finanziell möglich war, Livreen tragen, die ungarisch stilisiert waren. Die Verwendung von Heiducken, die an vielen europäischen Höfen angestellt wurden, wurde soger in Musterbüchern für die Errichtung eines fürstlichen Hofhaushalts noch im Jahre 1846 empfohlen. [270]

Regional war die Praxis jedoch unterschiedlich: In Berlin setzte sich der Berufsstand der Porteure vor allem aus französischen Glaubensflüchtlingen zusammen und in Wien im Jahre 1699 ließ der »Blaue Kurfürst« Max Emanuel von Bayern (1662-1726) die 12 größten der bei Ofen gefangenen Türken als Heiducken in ungarische Tracht kleiden und als Portechaisenträger einsetzen. [271] Zugleich wurden 12 weitere Träger mit sechs Portechaisen für den Adel eingerichtet, die derselbe am Münchener Marktplatz gegen eine Mietgebühr abrufen konnte. [272] Das Münchener Beispiel war bereits ein Exempel aus der Zeit, in der man zu Surrogat-Heiducken griff, die durch die trachtenähnliche Kostümierung einem Mangel an globalen Prestige ausgleichen sollten.

Den bloßen Anschein der Weltgewandtheit beabsichtigte im Jahre 1792 auch König Gustav III. von Schweden (1746-1792) herzustellen, der sich ebenfalls einer »Port-Chaise« mit Heiduckenträgern bediente. [273] Diese hochadelige Attitüde wurde zudem gern vom Kleinadel imitiert: So sah man in Dresden noch im Jahre 1795 von Heiducken getragenen eigenen Sänften von Standespersonen. [274] Und in Weimar fielen 1776 der Obermarschall Friedrich Hartmann v.Witzleben und der Geheimrat v.Schardt auf, die sich je zwei Heiducken, "welche sehr stattlich costümiert waren", als Porteure hielten, außerdem noch Läufer, die der Sänfte vorausgingen und Bediente, die ihr folgten. [275]

Durch die erhöhte Anzahl der Domestiken entstand auf diese Weise der Eindruck eines in der Stadt beständig umherziehenden verschwenderischen Miniaturhofstaates als Surrogat eines nicht vorhandenen, aber künstlich erzeugten fürstlichen Abglanzes. Dabei galt, daß der Aufwand vor allem den Standesgenossen imponieren sollte und gemäß dem Konzept des »Honêtte Homme« als »naturnotwendig« erachtet wurde, so daß sich Adelige oftmals verschuldeten, nur um den Schein der Repräsentativität aufrecht zu erhalten. Ein Ablassen von der üblich gewordenen Selbstdarstellung und Eigenwerbung hätte dabei einen Verlust von »Würde«, »Ehre« und »Wohlanständigkeit« sowie eine Statusabstufung bedeutet, der nur schlecht hinzunehmen war. [276]

Die stellvertretende Muße beschränkte sich jedoch nicht immer auf das duale Verhältnis zwischen dem Dienstherr und den Porteuren. In den Fällen, in denen der Portechaisenbenützer selbst auch nur ein Vasall oder Arbeitnehmer eines in der Rangordnung höher gestellten Dienstherrn war, ergab sich außerdem das aufeinander aufbauende Prinzip stellvertretenden Müßigganges und ökonomischer Untätigkeit. Belegen läßt sich diese These vor allem mit den höfischen, weniger dahingegen mit den öffentlichen Portechaisen. Hierzu müssen noch einmal die Taufsolennitäten an deutschen Fürstenhöfen bemüht werden: Bei der Taufe von Prinz Karl von Polen und Sachsen im Jahre 1733 stellte die Beziehung zwischen den Porteuren und der Hofdame Freiin Aya v.Proskowitz die erste Stufe stellvertretenden Müßigganges gar. Die zweite Stufe wurde gebildet durch die Beziehung der Hofdame zu dem auf ihrem Schoß sitzenden Täufling, der auf diese Weise die stellvertretende Muße der Hofdame in Anspruch nahm. Die Beziehung zwischen der Hofdame und dem Täufling einerseits und dem Kurfürstenpaar in dessen Eigenschaften als Dienstherr und Eltern andererseits können als dritte Stufe betrachtet werden. Aber der Kurfürst und seine Gattin waren als Kaiserwähler selbst auch nur stellvertretender Müßiggänger für den noch höher gestellten Würdenträger der Kaiserkrone. Und selbst beim Kaiser endete dieses aufeinander aufbauende System von abhängigen und müßiggängerischen Beziehungen nicht, da dieser letzten Endes ein Repräsentant des produktiv untätigen christizistischen Gottes auf Erden war. [277] Dabei galt: Je höher der Rang, desto größer war auch die ökonomische Zweckfreiheit des Seins, denn nicht umsonst wurde Gott von den gläubigen Christen das höchste Prestige zugeschrieben, der frei von jeder Handarbeit war. Je niedriger aber der Rang, desto größer war auch der Anteil der werkinstinktiven Tätigkeit, der körperlich anstrengenden Handarbeit.

Ähnliche Systeme von Beziehungen, die immer wieder müßiggängerisch aufeinander verweisen, lassen sich anhand von weiteren Beispielen leicht erkennen: Auch das »Sich nach Hof tragen lassen« mit mietbaren Portechaisen gehört zu dieser Kategorie, denn Angehörige des Hofstaates oder Besucher der Fürsten waren bei der Benützung der Portechaise einesteils ranghöher als die Porteure, aber zugleich auch rangniedriger als der Fürst und verwiesen permanent zeichenhaft aufeinander.

Damit kann festgehalten werden, daß die Höhe des Ranges einer Person im europäischen Ancien Régime dadurch bestimmt wurde, wieviel Personen sie zu stellvertretendem und aufeinander verweisenden Müßiggang veranlaßte. Je höher der Rang war, desto umfangreicher wurde das Verweissystem der Abstufung. Dasselbe Prinzip herrschte auch bei den Hof-Rang-Reglements, die den Vortritt und Status der Hofstaatsangehörigen untereinander nach Berufsgruppen regelte: In kleinen europäischen Duodezfürstentümern bestanden sie aus nur wenigen Stufen, am Kaiserhof zu Wien aus vielen Stufen. Ein Mittel dazu war neben Kleidern und Schlössern im Barock immer auch die Portechaise gewesen.

VI.3. Mittel demonstrativen Konsums

Wer eine Portechaise in Gebrauch nahm, wollte außerdem über demonstrativen Konsum Prestige zugeschrieben erhalten. Bei der Überlegung, sich eine Portechaise anzuschaffen, spielte daher der Gedanke eine Rolle, "daß die Ausgaben, sollen sie das Ansehen des Konsumenten auch wirklich erhöhen, überflüssig sein müssen. Nur Verschwendung bringt Prestige." [278] Hiernach hatte sich auch die Fertigung der Tragesessel in den Werkstätten der Kutschenmacher zu richten. Dem Ziel der demonstrativen Verschwendung und der demonstrativen Bequemlichkeit oder Muße wurde die Bauausführung angepaßt. Krünitz schrieb zu dieser Anforderung im Jahre 1811 in seiner Enzyklopädie: "1) Müssen die Portechaisen gut und bequem gebaut seyn, damit große und starke Personen dann gemächlich sitzen können. Es kann wohl nichts verdrießlicheres seyn, als wenn man in der Sänfte so enge und eingepreßt sitzen muß, daß man sich nicht regen noch bewegen kann, ohne alle Augenblick Gefahr zu laufen, die Fenster zu zerbrechen; oder wenn einem die Decke der Sänfte auf der Nase sitzt. Die gemächliche Bauart der Sänften trägt vieles dazu bey, daß man sich derselben öfters bedient. 2) Müssen die Sänften auch etwas zierlich und manierlich aussehen, sowohl auswendig, als inwendig an ihrem Ausschlag. Wenn sie die Gestalt eines zusammengeschlagenen bret[t]ernen Kastens haben, oder der inwendige Ausschlag aus alten zusammengeflickten Lumpen besteht: so werden sich wenig Leute von Stande und Vermögen ihrer bedienen; und diese sind es gleichwohl, die die Sänften am allermeisten gebrauchen." [279]

Wie allgemein anerkannt die Portechaise im Adel war, zeigt auch das Beispiel des sehr sparsamen und jedem Hofzeremoniell eigentlich abholde Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Er benutzte trotz seiner Abneigung wider jedes höfische Zeicheninventar die Portechaise, als er sich im Januar 1728 bei einem Besuch in Dresden von seinem Quartier, dem Hause des General v.Wackerbarth, zu einem Maskenball bei einem Graf Flemming tragen ließ. [280] Die Portechaise gehörte damit zum offensichtlich selbstverständlichen verschwenderisch-adeligen Grundkanon ihrer Zeit, auf den selbst geizige Ritualgegner keinesfalls verzichten wollten. Auch Friedrich der Große bewilligte seiner jüngeren Schwester Anna Amalie (1723-1787), trotz finanzieller Beschränkung ihrer Bezüge in weiten Teilen des alltäglichen Lebens, immerhin einen Tragstuhl. Bei den geringen Apanagen wurden ihr lediglich eine Kammerfrau, zwei Lakaien und zwei Portechaisenträger bewilligt. Aber allein diese Zuteilung des Personals zeigt die große Bedeutung für eine standesgemäße Fortbewegung, die zugunsten der Vernachlässigung werkinstinktiver Ausgaben aufrecht erhalten wurde. [281]

Beim  überaus prunkliebenden und vielfach auf Äußerlichkeiten bedachte Vater des Soldatenkönigs dahingegen konnte die Auskleidung der Portechaisen nicht kostbar genug sein. Dies wurde im Hochbarock in aller Regel mit aufwendiger Ausstattung in Exterieur und Interieur bewerkstelligt, mit dessen Demonstration man die Verschwendung von Zeit und vor allem Geld und ein Quasimäzenatentum für Sticker, Wagner, Sattler, Riemer, Schlosser, Glaser, Maler, Tischler und Polsterer zur Schau stellte. [282] Im Falle einer Portechaise des Jahres 1708 für die preußische Königin Sophie Luise in Preußen (1685-1735), die dritte Gemahlin Königs Friedrich I. (1657-1713), wurde der Tragsessel sogar personalisiert. In den Goldstickereien waren die Initialen »SL« und »FR« eingelassen, die Herrschaftsinsignien in Form von Wappen angebracht. Die Grundfarbe der Barockportechaise war zudem in Rot gehalten, der traditionellen Farbe der Könige, in der die meisten fürstlichen Portechaisen gehalten waren. Angefertigt vermutlich zur Vermählung des Paares im Jahre 1708 war hier die Verschwendung noch einmal gegenüber einer gewöhnlichen Hofportechaise intensiviert: Mit ihr konnte nur noch die Königin, nicht aber eine andere Hofperson transportiert werden. [283]

In  Salvador da Bahia de todos os Santos, der Hauptstadt Brasiliens bis 1763, wurden derart ehrsteigernden und produktivfernen Einschränkungen gern über Livreen ausgelebt: Dort gab es noch in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts einen öffentlichen mietbaren und florierenden Tragedienst mit Hunderten von sogenannten »Cadeiras«. [284] Diese Sänften waren der europäischen Portechaise insofern verwandt, als sie einen bis auf die beiden Seiten geschlossenen Kasten darstellten, der jeweils seitlich mit Vorhängen versehen war und von Schwarzen auf den Schultern getragen wurde. In den öffentlichen Cadeiras ließen sich werkinstinktiv weiße Kranke und Lahme, aber sonst vor allem ehrinstinktiv Priester, Schiffskapitäne, Emigranten, feinen Damen und Bischöfe transportieren; die Träger der privaten Cadeiras aber setzten sich durch stellvertretenden und demonstrativen Konsum in Form von Livreen und baulichen Verzierungen deutlich von den üblichen Miettragstühlen ab. [285]

Auf höherer, immaterieller Ebene, kann die Portechaise zudem als Mittel demonstrativen Konsums besehen werden, weil mit ihrer Einführung das Prinzip des »exhibitionistischen Voyeurismus« herausgebildet wurde. Dieses Prinzip bestand im Umstand des »Sehens und Gesehenwerdens«. Denn es war für den Nutzer erheblich, daß er selbst durch die Glasscheiben, die er häufig nach Belieben mit Gardinen verhängen konnte, sehen konnte, ohne aber selbst gesehen zu werden. Und auch ohne die Verhängung der Fenster war die Portechaise ein geschlossener und abgegrenzter Raum, der sich zwar innerhalb der Außenwelt bewegte, aber stets einen privaten Raum für sich beanspruchte. [286]

Selbst das Spiegeln der Fenstergläser war eine gewollte Abgrenzung, so daß man von außen auch bei Tag nicht unbedingt sehen konnte, wer vorbeigetragen wurde. Dabei lag der Nützer einer Portechaise durchaus im Trend, in der aufkommenden Massengesellschaft seine Individualität bewahren zu wollen und diese Tendenz hatte bis in das XXI.Jahrhundert im öffentlichen Raum beständig zugenommen, so daß das Prinzip der räumlichen Nähe, kombiniert mit sozialer Distanz, in Form der modernen Kraftwagenepidemie ihrem Höhepunkt zutaumelte. [287] Mit der Portechaise begann daher eine Entwicklung der Entwertung der Straße als sozialem Begegnungsraum hin zu ihrer Degradierung zur reinen Fahrbahn. [288]

Hinter der Portechaise stand weiters der Wille, sich sozialen Raum nicht mehr unhingenommen teilen zu müssen. Das Benutzen eines umschlossenen Tragesessels war daher die bewußte Zurückgezogenheit in die eigenen (wenn auch mobilen) vier Wände, wenn es sich schon nicht vermeiden ließ, in die Öffentlichkeit treten zu müssen. Sie war, außer wenn Krankheit temporär den Gebrauch einer Portechaise werkinstinktiv vonnöten machte, stets die bewußte ehrinstinktive Entscheidung für die Demonstration des Konsums von Privatheit und ein Mittel zur Statuswahrung. Denn wer sah und nur dann gesehen wurde, wenn er es zulassen wollte, besaß einen höheren Status als diejenigen, die sich beobachten lassen mußten, weil sie die Straße lediglich zu Fuß, ohne »Portechaisenverpackung«, überquerten.

VI.4. Mittel demonstrativer Rangordnung

Zugleich war die Präsentation von Privatheit im von der Öffentlichkeit eingehegten eigenen Raum eine Zurschaustellung von Rang oder Präzedenzverhältnissen, die nicht nur durch die unterschiedliche Transportweise des eigenen Körpers deutlich wurde, sondern auch durch die Art der Fortbewegung.

In der Ständegesellschaft des Ancien Régime waren Rang, Status und Einordnungskategorien von höchster Bedeutung, regelten sie doch je nach ihrer Stellung den immediaten Zugang zum Monarchen und damit wesentliche Einflußmöglichkeiten auf Politik und Machterhalt. Wer dem Landesvater am Nächsten stand und ständig mit ihm zu tun hatte, hatte größere Chancen auf die Durchsetzung seiner individuellen Interessen. Dabei befanden sich die um die Gunst des Herrschers buhlenden Personen in starkem neiderfülltem Vergleich und suchten ihre Mitkonkurrenten auszustechen. Ein Mittel dies zu erreichen, war die Demonstration von Rangunterschieden über kostspielige und keinem produktiven Zweck dienenden, mithin ehrinstinktive Konsumgüter. Das Streben nach einem möglichst hohen gesellschaftlichen Rang war daher vielfach ausschlaggebend für die Benutzung einer Portechaise, hofften »die Vornehmen« so doch in den Augen des Publikums »Ehre« zugewiesen zu erhalten.

Auch den Aufstieg der öffentlichen Portechaisen in Kopenhagen seit 1664 rechnete ein zeitgenössischer Verfasser der wachsenden Eitelkeit und Rangsucht der Stadtbewohner an: "Die Stadt wurde vorher von dem Adel, der Geistlichkeit und Bürgerschaft bewohnet, aber nun fing es darin an, von karacterisirten Personen zu wimmeln, welche alle standesmäßig leben wolten [sic!], und daher gleichsam um die Wette in der Pracht sich hervorthaten. Die Bürger, welche sich gleichfals [sic!] nichts geringes zu seyn dünkten, machten auch alles mit. Der König verehrte 1660 dem Hannibal Sehested, dem Christoffer Gabel, dem Erzbischof Swane und dem Präsident Nansen, einem jeden eine Karosse, um ihnen dadurch vor andern seine Gunst zu erkennen zugeben; woraus man stehet, daß in Karossen zu fahren zu den Zeiten etwas ungewöhnliches gewesen sey.

Aber diesen folgten gleich einige andere nach, so daß die Gassensteine für jedermans Füße hart zu werden anfingen; und diejenigen, welche das Vermögen nicht hatten, Pferde und Wagen zu halten, bekamen eine Lust, sich tragen zu lassen. Und weil sich zu dergleichen Beliebungen allezeit dienstwillige Leute finden, welche den schwachen und gemächlichen Leuten an die Hand gehen, insonderheit, wenn ihr eigener Nutzen dadurch zugleich befördert wird: So gab sich damals ein Italiener, mit Namen Michael Angelo Tonri, an, daß er für einen billigen Preis die Stadt mit einer hinlänglichen Anzahl von Tragestühlen versehen wolle, wenn ihm die Erlaubnis, solche allein verfertige und verkaufen zu dürfen, auf zehn Jahre gegeben würde; welches ihm denn auch zugestanden wurde, wie aus dem königlichen Privilegio, das in diesem Jahre [1664] ausgefertiget worden, zu ersehen ist." [289]

Rangverhältnisse wurden aber auch beim Transport selbst deutlich, so heißt es in einem Brief über die Reise der Gräfin v.Aunoy nach Madrid vom 25.Juli 1679 über die »feinen Damen der Gesellschaft« in der spanischen Hauptstadt: [290] "Sie lassen sich in ihrer Sänfte austragen; man macht sie hier erstaunlich groß und weit, und damit sie nicht zu schwer sind, so bestehen sie nur aus einem hölzernen Gestelle, das mit einfachen Zeuge überzogen ist. Diese Zeuge sind allezeit mit Silber oder Gold durchwirkt und sehr prächtig. Es sind drei große Glasscheiben daran, die Decke aber ist von sehr dünnem Leder, und wie das übrige überzogen; man kan[n] die Decke in die Höhe heben, und wieder niederlassen, damit die Dame bequemer ein und aussteigen kan[n]. Man hat vier Träger, die einander ablösen. Ein Bedienter trägt den Hut des vordersten Trägers, denn so schlecht das Wetter auch immer sein mögte, darf er doch unter den Augen seiner Gebieterin den Hut nicht aufbehalten. Eine Kutsche mit vier Maulthieren folgt langsam der Sänfte. Sie ist mehrentheils mit zwei alten Stallmeistern und fünf oder sechs Pagen bepackt. Wenn eine Dame in dem Hause, wo sie Besuch geben will, anköm[m]t, so tragen sie die Sänftenträger bis in das Vorzimmer. Sobald sie ausgestiegen sind, schickt sie ihre Leute und Karossen zurück, und bestim[m]t ihnen die Stunde, wo sie wiederkommen sollen. Dies ist gemeiniglich des Abends zwischen zehn und eilf Uhr. Denn alle ihre Besuche dauern so lange, daß einem die Geduld ausgeht." [291]

Rangunterschiede traten hierbei, auch wenn es sich nicht um eine klassiche Portechaise mit zwei Porteuren handelte, auf verschiedenen Ebenen zutage: Zum Einen wurde der Status durch das Tragen und Tragenlassen manifestiert, zum Anderen auch durch die Weisungsabsender und -adressaten der Befehlgebenden und -nehmenden. Weiters war das ungeschriebene Gebot den Hut unmittelbar vor dem Sichtfeld der Dienstherrin abgesetzt zu lassen, eine öffentliche Zurschaustellung von Rangungleichheit, von »Ehre« seitens der Dienstherrin und von »Demut« auf Seiten des Porteurs.

Es galt also: In den angeführten Fällen wurde die Portechaise vom Adel benützt, um über die unausgesprochene Zeichenhaftigkeit des Tragstuhls »Adeligkeit« und damit »Rangstatus« zu demonstrieren und demonstrativ auszustellen. Umgekehrt konnte es aber auch vorkommen, daß die Benützung einer Portechaise nötig war und geradezu von außen eingefordert wurde, um »Adeligkeit« in den Augen der Öffentlichkeit und der Standesgenossen zu erhalten und einem drohenden Prestigeverlust zu entgehen. In zwei Fällen läßt sich dieser konventionelle Zwang zur Portechaise eindrücklich nachweisen, die wohl nicht zufällig erstens im Ausland und zweitens unter jugendlichen Adeligen vorkamen. Sie mußten sich erst noch durch Erlernung der »Wohlanständigkeit« orientieren und sich außerdem mit den unbekannten Gepflogenheiten des ausländischen Adels befassen und sie imitieren, wollten sie als vollgültige Adelige gelten.

Wie wichtig nicht nur der adelige Habitus, der Flitterstaat (Kleidung) und das manierliche Verhalten der Edelleute war, sondern auch die Art der Fortbewegung, wird deutlich, als Graf Felix Ignaz v.Törring-Jettenbach im 18.Jahrhundert Überlegungen darüber anstellte, daß sein Sohn auf dessen Kavalierstour durch Frankreich in Versailles im Jahre 1732 mit vier Pferden vor der Kutsche eintreffen müsse, während in Paris selbst für die Bewegung in der Stadt zwei Kutschpferde genügen würden. Im lothringischen Lünstadt (Lunéville), zwischen 1702 und 1766 Residenz von Herzog Franz III. von Lothringen und Bar (1708-1765), waren ähnliche Fragen zu bewältigen. Hier erschien es dem Hofmeister des jungen reisenden Grafen Max Emanuel v.Törring-Jettenbach angebracht, eine Portechaise für seinen Schützling zu mieten, weil dies unter Edelleuten so üblich sei, wenn die Messe besucht würde und deren Benutzung große Ehrhaftigkeit verleihen würde. [292]

Als im Jahre 1688 schließlich drei Grafen v.Dernath aus Schleswig-Holstein an der Ritterakademie in Turin weilten, wurden sie regelrecht zurückgesetzt und gehänselt, weil sie das Konzept des »Honêtte Homme« mißachtet hatten und der Direktor der Akademie rügte den Hofmeister der drei Grafen, weil diese ohne die sonst üblichen Kutsche oder Portechaise erschienen waren. [293] In diesem Falle war die Verpflichtung zur Rangdemonstration sogar offenkundig eingefordert worden; in den meisten Fällen aber wird sie als ständische Eigenart gepflegt worden sein, ohne daß das adelige Individuum dazu aufgefordert werde mußte: Rangunterschiede zur Schau zu stellen war Konvention und ließ sich außerdem beliebig auf weitere Lebensbereiche ausdehnen: So trug der männliche Adelige im Absolutismus beispielsweise seinen Zopf möglichst nicht frei wie die dienende Gesellschaft, sondern in einem seidenen Taffet-Haarbeutel versteckt. [294]

VI.5. Mittel zur Schaffung sozial disparater Räume

Unter Beachtung eines weiteren soziokulturellen Aspektes war die Portechaise fernerhin eine Etablierung privater sozialer Räume in der Halböffentlichkeit des fürstlichen Hofbezirks oder der Öffentlichkeit der Residenzstadt. Sie war ein Fortbewegungsmittel, welches sich allein aufgrund ihres Einsatzbereiches starker Aufmerksamkeit erfreute. Ihre Benützung in urbanen Ballungsräumen hatte mehrere Gründe. Zum Einen waren dort die Entfernungen für menschliche Träger noch zu bewältigen, zum Anderen waren sie sicherlich einer Beobachtung durch andere Mitglieder der Gesellschaft ausgesetzt. Denn eine Nichtbeobachtung demonstrativer Vergeudung von Ressourcen war für den adeligen Portechaisenherr sinnlos. Er war geradezu darauf angewiesen, die Portechaise in der Stadt einzusetzen, dort also, wo er mitsamt der Sänfte Objekt öffentlicher oder zumindest halböffentlicher Sicht wurde. Befördert wurde diese Absicht noch durch die lautstarken Achtungsrufe der Porteure im öffentlichen Verkehr, die in Leipzig »Vorgesehn!«, [295] in Wien »Aufg´ schaut!« und in Hamburg »Platz vör der Portechaise!« riefen. [296]

Die Benutzung einer Portechaise zog also automatisch die Etablierung sozialer Räume für alle Beteiligten nach sich. [297] Der Portechaisenbenützer schuf seinen eigenen privaten Raum durch die materielle Abgrenzung des Tragstuhls, grundsätzlich durch die vier Wände mit Fenstern und die Tür, zusätzlich eventuell und je nach Ausführung der Chaise mit Hilfe von Ausstattungen im Inneren wie Wandverkleidungen, Polsterungen, Gardinen oder Deckenverzierungen. Das Besondere an diesem privaten Raum war die fest umrissene Eingehegtheit und die Mobilität im öffentlichen Raum. Die diesen Raum bewegenden Porteure übten dabei eine symbolische und praktische Mittlerfunktion zwischen beiden Räumen ausübten. Sie gehörten sowohl wegen der unmittelbaren Nähe zum Benützer zu dessen privatem Raum, waren aber von diesem durch die Vorder- und Rückwand dennoch klar abgegrenzt. Zugleich aber waren sie die »Motoren« der Portechaise und mit ihren Füßen das Verbindungsglied zum öffentlichen Bodenraum.

Insofern wurden bei der Portechaisen-Benützung drei Zonen etabliert und in Beziehung zueinander gesetzt: a) die private Zone des Inneren der Sänfte, b) die Verbindungszone der Porteure und c) die öffentliche Zone der Straße. Während des Transports blieben die drei Zonen möglichst unangetastet. Wie in einigen Beispielen bereits ausgeführt, suchte der Adel möglichst eine Berührung der drei Zonen zu vermeiden. Besonders bei den privaten Portechaisen wurde dies Prinzip verfolgt: Man ging nicht etwa auf die Straße, um eine Portechaise zu benützen, sondern stieg möglichst bereits im eigenen Wohnhause ein. Ebenso verließ man die Portechaise möglichst erst im Ankunftsgebäude und nicht etwa davor auf der Straße.

Somit kennzeichnete sich die Sänfte in einer Brückenfunktion als ein Mittel der Übertragung adeliger Körper von einem in den anderen Privat- oder Sakralraum, wie zahlreiche schon erwähnte Beispiele zeigten: Im Falle der Gräfin v.Aunoy wurden die Damen bis ins Vorzimmer getragen und erst dort stiegen sie aus. Bei Richelieus Reise mit der Großzimmersänfte von Lyon nach Paris mußten Mauern abgebrochen werden, um der Verlegenheit zu entgehen, die Straße betreten zu müssen. Auch in Ansbach portierte man die Traggäste nachgewiesenermaßen bis ins Schloß hinein.

VII. Resumée

Sänften waren innerstädtische Transportmittel der vornehmen Gesellschaft und sonstiger Eliten im Europa der Frühen Neuzeit. Über Vorbilder aus dem antiken Rom und aus dem mittelalterlichen Orient verbreiteten sie sich unter anderem über Reisende und ihren Wissenstransfer nach Mittel- und Nordeuropa, wo sie erstmals bei den Patriziern in Genua als Portechaise auftauchten und sich dann nach Frankreich, England, Deutschland, Skandinavien und auf andere Länder ausbreiteten. Sie waren vom mittleren 17. bis frühen 19.Jahrhundert in Mode und vor allem an den Fürstenhöfen en vogue, weniger kurz als öffentliche Mietsänften im Einsatz.

Im gesellschaftlichen Bild stand die Portechaise, abgesehen von der Frühe- und Spätepoche, in denen sie erheblicher Kritik unterlag, in hohem Ansehen, welches vor allem auf einem neidvollem Vergleich zeitgenössischer Elitenangehörigen beruhte. Wer sich in einer Portechaise transportieren ließ, repräsentierte seinen bevorrechtigten Status, denn er war in der Lage, andere Menschen für sich arbeiten zu lassen und Domestiken zu beschäftigen, die viel Geld kosteten. Durch die »Entrückung vom profanen Boden«, den der Auftraggeber nicht mit seinen eigenen Füßen berühren mußte, wurde ihm zugleich eine besondere Stellung zugewiesen. Er mußte sich nicht Schuhwerk und Beinkleider beschmutzen, was bei allgemein schlechten Wegeverhältnissen sonst sehr häufig vorkam. Mit dem scheinbaren »Schweben über dem Boden« wurde außerdem demjenigen, der in dem Traghäuschen saß, ein vornehmer Nimbus von der Außenwelt verliehen, was beabsichtigt war. Portechaisen wurden daher bewußt auch als Mittel der Repräsentation des Standes der »Übervornehmen« eingesetzt; [298] sie waren bewußt eingesetzte Prestigemittler zur demonstrativen Zurschaustellung von Muße und Konsumfähigkeit und zur Erzeugung von Renommage.

Bei der Portechaise ergab sich durch ihren engen höfischen Wirkungskreis von allein eine enge Verwandtschaft geistiger Prinzipien mit dem Gegenstand. Die Merkmale Immobilität, Bequemlichkeit, Getragenwerden, Arbeitenlassen, Stillstand, körperlicher Passivität und Tradition der Portechaisenbenützer standen der Mobilität, Beschwerlichkeit, körperlicher Aktivität, Bewegung der Porteure gegenüber.
In Erweiterung ihrer Denkkategorien konnten diese Merkmale schließlich auch metaphorisch als Zeichen des Ancien Régime verstanden werden: Sie waren Symbol für Beharrung und Tradition einerseits, Reform und Revolution andererseits. Der Ehrinstinkt, der den Bau von Portechaisen für den Adel steuerte, wurde auf diese Weise zum Antipoden des liberalistischen Gedankens.
Doch die Portchaise konnte dem bürgerlichen Zeitalter nicht widerstehen, sie ging daher sowohl als ehrinstinktives Zeichen als auch in ihrer Form als werkinstinktives Transportmittel zu Grunde und wurde durch die Pferdedroschke und schließlich das Automobil aus dem öffentlichen Straßenbild Europas verdrängt. Was bleibt, ist ihre Bedeutung als soziokulturelles Phänomen und materialisierter Teil des adeligen Konzepts des »Honêtte Homme« und der adelig konnotierten »Wohlanständigkeit« in der Frühen Neuzeit.

Als Resumée ist einem Autor über die Dresdener Verkehrsverhältnisse aus dem Jahre 1903 beizupflichten, der sehr klarsichtig die Ehrinstinktivität der Portechaise erkannt hatte: "Die Sänften des Altertums entsprachen ebenso wenig wie die des 18. und 19.Jahrhunderts den Anforderungen, welche man in wirtschaftlicher Hinsicht an ein Personentransportmittel stellen muß. Ihre äußerst geringe wirtschaftliche Bedeutung erhellt aus folgenden Gründen: 1. Sie ermöglichten nur eine kostspielige Einzelbeförderung im Gegensatze zur heutigen billigen Massenbewältigung. 2. Ihre Geschwindigkeit ging kaum über die eines Fußgängers hinaus und verschaffte daher keinen wirtschaftlichen Nutzen (Zeitersparnis), wie er aus der gesteigerten Raschheit der jetzigen Beförderung resultiert. 3. Sie waren deshalb und vor allem der hohen Tarife zufolge mehr ein Gegenstand des privatwirtschaftlichen Luxus der wohlhabenden Klassen und kein der Allgemeinheit zugängliches Personentransportmittel." [299]

VIII. Annotationen:

  • [1] = Dieser Aufsatz von Claus Heinrich Bill erschien zuerst in der Zeitschrift Nobilitas für deutsche Adelsforschung und ist die ergänzte und vermehrte Weiterbearbeitung eines gleichnamigen Vortrages des Verfassers für die Druckform anläßlich des Symposiums »Der andere Blick hinter die Kulissen. Kulturwissenschaften und Adelsforschung« im Admiral-Reinhold-von-Fischer-Loszainen-Haus (Institut Deutsche Adelsforschung) zu Kiel-Düsternbrook am 22. X. 2008
  • [2] = Paul Seidel: Friedrich der Große und die Berliner Sänftenträger, in: Hohenzollern-Jahrbuch, Jahrgang XIX., Berlin 1915, Seite 228. Getragen worden war Friedrich der Große an den besagten Tagen zweimal (mit hin- und Rücktour) zu einem relativ hohen Preis und für dieselbe Dienstleistung auch extra dessen Adjutant zu einem wesentlich geringeren Preis. Die Rechnung blieb erhalten in den Schatullpapieren des Königlichen Hausarchivs.
  • [3] = Siehe zum Begriff zeitgenössisch mit gewisser barocker Weitläufigkeit den gleichnamigen Eintrag bei Johann Heinrich Zedler: Großes vollständiges Universal-Lexicon, Leipzig / Halle 1748, Band LVIII., Spalte 82-92
  • [4] = Zum Begriff »Honêtte Homme« siehe Friedrich Jaeger (Herausgeber): Enzyklopädie der Neuzeit, Band V., Stuttgart 2007, Spalte 643-646
  • [5] = Georg Christoph Lichtenbergs Vermischte Schriften, Band I., Göttingen 1844, Seite 92
  • [6] = So zum Beispiel im Reglement und Ordnung, die Trag-Sessel und deren Träger betreffend, mit Approbation ... Eines Hoch-Edelen ... Rahts dahiesiger ... Stadt Colln am Rhein, Köln 1761
  • [7] = Die Abhandlung folgt den Leitgedanken seines Hauptwerkes: Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Köln / Berlin 1958, 383 Seiten (zuerst 1899 in englischer Sprache erschienen) und möchte die höfische Portechaise als untergegangenes materielles Kulturgut des Absolutismus anhand seiner These der ökonomischen Theorie untersuchen und darstellen. Es ist dabei jedoch sehr wichtig darauf hinzuweisen, was schon Veblen sagte, wenn hier vom Terminus »Verschwendung« die Rede ist: "Es liegt uns jedoch völlig fern, irgendeinen Aspekt menschlichen Charakters oder irgendeine Phase des Lebensprozesses entweder zu loben oder zu tadeln. Die verschiedenen Elemente der menschlichen Natur werden einzig und allein vom Standpunkt der ökonomischen Theorie aus betrachtet." (Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 254)
  • [8] = Die Arbeit an diesem Manuskript währte wegen der zunächst notwendigen Sammlung verstreuter Literatur- und Quellenermittlungen unverhältnismäßig lange, nämlich fast 13 Jahre, vom 26.September 1997 (Exposé) bis zum 30.Mai 2010 (Schlußredaktion)
  • [9] = Zu Veblen selbst, der eine eigentümliche Erscheinung war, siehe die Biographie in Robert L. Heilbroner: Die Denker der Wirtschaft. Ideen u. Konzepte der großen Wirtschaftsphilosophen, München 2006, Seite 211-244
  • [10] = Claus Heinrich Bill: Mecklenburgischer Adel 1550-1750. Lebenswelten zwischen Reformation und Landesgrundgesetzlichem Erbvergleich, Sonderburg 1999, 106
  • [11] = Nomen Nescio: Unser Liebe Frau zu Einsidlen, ohne Ort 1630, Seite 134 sowie Hans Jacob Leu: Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches oder Schweitzerisches Lexicon, Band VI., Zürich 1752, Seite 291
  • [12] = Klosterarchiv Einsiedeln, Bestand KAE, A.16/1: Maschinenschriftliches Manuskript von Rudolph Henggeler: Die Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu Einsiedeln. Geschichte des Klosters, der Wallfahrt, der Stiftspfarreien und Stiftsbesitzungen Klostergeschichte, ohne Ort und ohne Jahr (20.Jahrhundert), Seite 1207-1209
  • [13] = Martin Doehlemann: Dummes Zeug. Zur kulturellen Konstruktion von Unsinn, Münster 2001, Seite 47 (Kapitel »Adelsstand und Volksmund«)
  • [14] = Siehe hierzu besser Werner Paravicini / Jan Hirschbiegel / Jörg Wettlaufer: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe, Teilband I., Ostfildern 2005.Seite 126-128. Dort liefert Dagmar Böcker im Artikel »Sänften« einen chronologischen Überblick verschiedenster Sänftenformen von 1200 bis 1650. Derartige Großsänften findet man vereinzelt noch in europäischen Museen, zum Beispiel »Liteira« für 2 Maultiere des Bischofs von Braganza mit eingebautem Toilette, ohne Fenster, aber mit Ledergardinen und Wappenschmuck auf dem Verschlag (Museu do Abade de Baçal in Braganza in Nordportugal) --- Zweisitzige »Gala-Maultiersänfte« zur Überführung des Erzherzogshutes aus dem Stift Klosterneuburg zur Erbhuldigung nach Sankt Stephan in Wien und wieder zurück, zuletzt bei der Erbhuldigung von 1835 verwendet (Kunsthistorisches Museum Wien)
  • [15] = Nach Heinz Kluth: Sozialprestige und sozialer Status, Stuttgart 1957, Seite 9, der die Begrifflichkeiten jedoch anders handhabt, die hier zugunsten von Vergleichbarkeit und Kategorisierung vereinheitlicht worden sind.
  • [16] = Christoph Demmerling / Hilge Landweer: Philosophie der Gefühle, Stuttgart 2007, Seite 197
  • [17] = Ein gutes Beispiel dafür ist die Sicht des Marxismus-Leninismus der DDR-Intelligenz auf den Adel
  • [18]  = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Großherzogliches Haus (Hausarchiv Abt. IV) Nr. 376/1: Acta mit Briefen des Landgrafen Ernst Ludwig an seine Gemahlin Dorothea Charlotte (130 Briefe), 1685-1698 und 1704, intus unter anderem: Reise des Landgrafen Ernst Ludwig über Regensburg nach Wien, Bericht über eine Audienz bei Kaiser Leopold I., Teilnahme an der Hochzeit des Ernst Rüdiger v.Starhemberg, Verhandlungen über den Kauf einer Sänfte in Wien
  • [19] = Der Soziologe Kluth (Heinz Kluth: Sozialprestige und sozialer Status, Stuttgart 1957, Seite 42) bestreitet dies ohne weitere Begründung, dabei läßt sich anhand der Portechaise als Zeichen durchaus nachweisen, daß das Zeichen selbst in der Lage war, Sozialprestige zu erzeugen (so auch die These von Veblen).
  • [20] = Heinz Kluth: Sozialprestige und sozialer Status, Stuttgart 1957, Seite 16
  • [21] = In Christoph Maria Merki: Verkehrsgeschichte und Mobilität, Stuttgart 2008, findet sich nur ein Vermerk auf die Herkunft der Sänfte in der Steinzeit, während Pferde, Fahrrad, Eisenbahn, Kraftdroschken und Raketen ausführlich besprochen werden
  • [22] = Beispielsweise Rudolf Wackernagel: Staats- und Galawagen der Wittelsbacher. Kutschen, Schlitten und Sänften aus dem Marstallmuseum Schloß Nymphenburg, Stuttgart 2002
  • [23] = Helmut Caspar: Stier und Preußenadler auf der Portechaise. Sänfte der Königin Sophie Luise aus Mecklenburger Haus in Charlottenburg zu besichtigen, in: Mecklenburg-Magazin, Jahrgang 2000, Ausgabe 13, Seite 22
  • [24] = Beispielsweise Johann Christian Ginzrot: Die Wagen und Fahrwerke der verschiedenen Völker des Mittelalters und der Kutschen-Bau neuester Zeiten, Band III., München 1830, Seite 132-148 (Capitel X.: Die Sänfte)
  • [25] = Zum Beispiel Thomas Metzner: So seltsam wie ein weißer Rabe. Die Sänfte war Wismars erstes innerstädtisches Beförderungsmittel, in: Ostsee-Zeitung, Jahrgang LI., Ausgabe Nro. 298 vom 23.12.2003, Seite 14
  • [26] = Carl Christian Schramm: Abhandlung der Porto-Chaises oder Trage-Sänften durch Menschen oder Tier ein allen vier Teilen der Welt, nach der Critic, Mechanic, Historie, dem Recht wie auch Cammer- und Polizeiwesen, Nürnberg 1737. Schramm benützt in seinem Titel zwar den Begriff Portechaise als zeitgenössischen Terminus technicus, meint damit aber auch andere Sänften. Er befaßte sich 1) mit den Sänften des Altertums, 2) mit der Technik des Sänftenbaus, 3) mit der Beschreibung in- und ausländischer Sänften, 4) mit den Sänften in Dresden, 5) mit den Maultiersänften, 6) mit polizeilichen Sänftenreglements und schließlich 7) mit Überlegungen zum künftigen Sänftenverkehr in den Städten. Schramm machte auch Ausführungen über neue Schrittfolgen der Porteure, damit die Portechaise sich in Zukunft noch sanfter bewegen könne und referierte über neue Sänftenbauformen, die die Verwendung unterschiedlich großer Porteure ermöglichen sollte.
  • [27] = Näheres bei Gabriel Christoph Benjamin Busch: Handbuch der Erfindungen, Zehnten Teils zweite Abtheilung (Band X.), Eisenach 4.Auflage 1820, Seite 420
  • [28] = Klaus Antoni: Shinto und die Konzeption des japanischen Nationalwesens, Köln 1998, Seite 356
  • [29] = Brockhaus Konversationslexikon, Band XII., Leipzig 1894, Seite 812
  • [30] = Ernst Guhl / Wilhelm Koner: Das Leben der Griechen und Römer nach antiken Bildwerken, Berlin 21864, Seite 630
  • [31] = Otto Friedrich Rammler: Universal-Briefsteller, Leipzig 1840, Seite 393
  • [32] = Johann Christian August Heyses allgemeines verdeutschendes und erklärendes Fremdwörterbuch, 12.Ausgabe, Hannover 1859, Seite 717
  • [33] = In Spanien und Portugal gab es bei einsitzigen Portechaisen mit zwei Porteuren noch häufig einen Laternenträger (bei Tag und Nacht) sowie bis zu acht weitere Beiläufer, die auf den unsicheren Wegeverhältnissen die Träger stützen sollten (Sammlung der besten und neuesten Reisebeschreibungen, Band VII., Berlin 1769, Seite 429-430, aus dem Kapitel »Beschreibungen der Königreiche Spanien und Portugall aus den Bemerkungen des Herrn Clarke und anderer Schriftsteller«)
  • [34] = Pierers Universal-Lexikon, Band XIII., Altenburg 1861, Seite 372
  • [35] = Brockhaus Konversationslexikon, Band XIII., Leipzig 1895, Seite 278
  • [36] = Großes Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig und Halle 1742, Band XXXIII., Spalte 477
  • [37] = In der Schweiz wurde der Begriff »Seßl« für die Portechaise verwendet (Christoph Friedrich Nicolai: Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781, Seite 131) und in Dänemark auch die Bezeichnung »Baerechaise« oder »Baerestol« (Salomonsens Konversations-Leksikon, Band XIX., Kopenhagen 1925, Seite 430
  • [38] = Christian Ludwig Albrecht Patje: Wie war Hannover? Oder Fragmente von dem vormaligen Zustande der Residenz-Stadt Hannover, Hannover 1817, Seite 154
  • [39] = Zur »Abglanztheorie« siehe Josef Mazerath: Auf Reisen und auf dem Rittergut. Die soziale und natürliche Umwelt des Friedrich August v.Watzdorf aus der Perspektive seines Tagebuchs, in: Heike Düselder / Olga Weckenbrock / Siegrid Westphal (Herausgeberinnen): Adel und Umwelt. Horizonte adeliger Existenz in der Frühen Neuzeit, Köln 2008, Seite 352 sowie Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Köln / Berlin 1958, Seite 92. Hier ist weiters zu verweisen auf die Abglanztheorie im alten Ägypten, wo die Sänfte zuerst nur Königen vorbehalten war, bevor später auch königliche Beamte sich ihrer bedienten (Regine Schulz: Die Entwicklung und Bedeutung des kuboiden Statuentypus. Eine Untersuchung zu den sogenannten Würfelhockern, Hildesheim 1992, Seite 754)
  • [40] = Johann Georg Krünitz: Ökonomisch-Technologische Encyklopädie, Band CXV., Berlin 1810, Seite 179
  • [41] = Derartige Portechaisen findet man vereinzelt noch in weltweit verstreut liegenden Museen unter den verschiedenen landesüblichen Bezeichnungen: »Leib-Sänfte« der Kurfürstin Maria Antonia von Bayern, hergestellt in Paris um 1684/85 (Marstallmuseum Schloss Nymphenburg) --- einen stark verzierten »Sedan Chair« (Bermuda Historical Society Museum) --- sechs »Sedjete« des Rokoko italienischer Herkunft, aus dem Privatbesitz von Dubrovniker Adelsfamilien stammend und verziert mit auf Holz gemalten Bildern und vergoldeten Schnitzereien (Kulturgeschichtliches Museum Dubrovnik in Kroatien) --- eine schlichten »Mietsedanchaire« (Tenby Museum in Wales) --- ein weiterer einfacher »Sedan Chair« (Ely Museum in Großbritannien) --- einen gänzlich außen mit Leder beschlagenen »Sedan Chair« (Museum of London) --- ein »Sedan Chair« der Familie der Earls of Spencer (Museum Althorp House in Großbritannien) --- eine Sänfte der Dresdner Rats-Chaisenträgergilde aus dem Jahre 1705 (Verkehrsmuseum Dresden) --- mehrere »Chaises à Porteurs« (Musées Royaux d´ Art et Historie in Brüssel) --- Sänfte der Landgräfin zu Hessen-Cassel in der Grünen Diele (Schloßmusum Glücksburg) --- Portechaise mit Fürstenmonogramm "CW" für Wilhelmine Christiane von Schwarzburg-Sondershausen aus dem Jahre 1700 (Schloßmuseum Sondershausen) --- Damensänften des 18. und 19.Jahrhunderts (Schl0ßmuseum Sigmaringen) --- Sänfte der Herzogin Anna Amalia (Museum Wittumspalais in Weimar) --- »Sedan Chair« für den Krankentransport, hergestellt 1701, verwendet in Südamerika (Science Museum London) --- »Silla de Manos«, eine französische Portechaise des 18.Jahrhunderts (Museo Cerralbo in Madrid) --- Hölzerner unverkleideter »Sedan Chair« (Graciosa Museum in Santa Cruz in der Karibik auf den Kleinen Antillen) --- »Sedan Chair« of Queen María Luisa of Parma aus dem Jahre 1795 (Royal Palace Museum / National Heritage in Madrid) --- reich verzierter ärztlicher »Sedan Chair« für Krankenbesuche (National Museum of Scotland in Edinburgh) --- mit Blumen, Füllhorn- und Girlandenmotiven bemalte fensterlose hellhölzerne Portechaise (Ploskovice Castle in Nordböhmen) --- stark goldverzierte Rokoko-Portechaise mit Votivmalereien (California Palace of the Legion of Honor in San Francisco) --- ein weiterer »Sedan Chair« (Amalfi Cathedral) --- schließlich ein Palanquín de paseo de los Reyes de España (Museo Arqueológico in Madrid).
  • [42] = Daniel Sanders: Wörterbuch der deutschen Sprache, Band II., 1.Theil, Leipzig 1863, Seite 574
  • [43] = Nomen Nescio: Idioticon Austriacum, Wien 1824, Seite 122
  • [44] = August Ellrich: Genre-Bilder aus Oestreich und den verwandten Ländern, Berlin 1833, Seite 86
  • [45] = William Andrews: Bygone England. Social Studies in Its Historic Byways and Highways, London 1892, Seite 108
  • [46] = August v.Kotzebue: Bemerkungen auf einer Reise aus Liefland nach Rom und Neapel, Band II., Köln 1810, Seite 180
  • [47] = Erhard Weigel: Pendulum Polychrestum. Eine Schwebefahrt zu vielerleyen Nutzen in so mancherley Gestalt (als eines Schiffs / einer Chesen / einer Sommer-Laibe / eines Sessels / einer Sänffte / oder bloß) wie man sie haben will, ohne Ort und Jahr (als vierseitiges Druckflugblatt um 1700 erschienen), Seite 1-4
  • [48] = Max v.Boehn: Rokoko. Frankreich im XVIII.Jahrhundert, Berlin 1919, Seite 491
  • [49] = Erhard Weigel: Pendulum Polychrestum. Eine Schwebefahrt zu vielerleyen Nutzen in so mancherley Gestalt (als eines Schiffs / einer Chesen / einer Sommer-Laibe / eines Sessels / einer Sänffte / oder bloß) wie man sie haben will, ohne Ort und Jahr (als vierseitiges Druckflugblatt um 1700 erschienen), Seite 1-4
  • [50] = Allgemeines Haushaltungs-Lexicon, Band III., Leipzig 1751, Seite 296
  • [51] = Nomen Nescio: Beiträge zur Kunde Preussens, Band 2, Königsberg 1819, Seite 64
  • [52] = Franz Carl Zoller: Geschichte und Denkwürdigkeiten der Stadt Innsbruck, Innsbruck 1816, Seite 316
  • [53] = Gregorio Leti: Leben Philipps des Andern Königs in Spanien, Band II., Leipzig 1716, Seite 548
  • [54] = Nomen Nescio: Skizzen einer Geschichte von Sitten und Gebräuchen der Franzosen von ältesten bis zu den neuesten Zeiten, Leipzig 1790, Seite 102
  • [55] = Nomen Nescio: Österreichische National-Encyklopädie, Band I., Wien 1835, Seite 47
  • [56] = Holger Kruse: Hof, Amt und Gagen. Die täglichen Gagenlisten des burgundischen Hofes (1430-1467) und der erste Hofstaat Karls des Kühnen (1456), Bonn 1996, Seite 77 und 82
  • [57] = Siehe zur Verwendung von fürstlichen Sänften im Mittelalter für die Jahre 1200 bis 1650 überblicksartig nach drei Zeitepochen gegliedert vor allem Dagmar Böcker: Sänften, in: Werner Paravicini (Herausgeber): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe, Teilband I., Ostfildern 2005, Seite 126-128
  • [58] = B. Greiff: Was Kaiser Carolus dem V. die Römisch Künglich Walcost im 1520 Jar, in: Vierunddreißigster Jahres-Bericht des historischen Kreis-Vereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg für das Jahr 1868, Augsburg 1869, Seite 34
  • [59] = Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 4, Leipzig 71827,
  • [60] = A. Kaiser (Übersetzer): Das Klosterleben Kaiser Karls des Fünften, Leipzig 1853, Seite 283-284
  • [61] = Staatsarchiv Wolfenbüttel: Bestallungen Nr.230, Bestallung des Herzogs Julius für Salpetersieder, Sänften-, Sattelknechte, einige Handwerker und Reitschmiede, intus auch: Bericht des Amtmanns Johann Blome in Stolzenau über Annahme der Sänftenknechte Arend Brüggemann, Jobst Kerekman und Hermann Kruse, 1586
  • [62] = Nomen Nescio: Hofstaat, Hofsitte und Hoffestlichkeiten unter Erzherzog Leopold dem Frommen zu Innsbruck, in: Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, Band II., Innsbruck 1836, Seite 31
  • [63] = Julius Max Schottky: Über Wallensteins Privatleben, München 1832, Seite 177
  • [64] = Dr. Burkhardt: Eine fürstliche Hochzeit zu Weimar während des dreißigjährigen Krieges, in: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg Nr.49 vom 2.Dezember 1863, Seite 299
  • [65] = Nomen Nescio: Tagebuch oder Auffzeichnus täglicher Geschäffte des Hrn. Cardinals und Hertzogs de Richelieu, Frankfurt 1669, Seite 836-838, 841 und 844
  • [66] = Nomen Nescio: Allgemeines europäisches Journal 1795, Band XI., Brünn 1795, Seite 157
  • [67] = Friedrich Straß: Handbuch der Weltgeschichte, Band V., Jena 1842, Seite 179-180
  • [68] = Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens, Band II., Leipzig 1783, Seite 783
  • [69] = Sie hierzu Winfrid Glocker / Hans-Joachim Becker: Glas, München 1992
  • [70] = Nomen Nescio: Die päpstlichen Sänften, in: Blätter für literarische Unterhaltung, Ausgabe 106 vom 21.Juni 1851, Leipzig 1851, Seite 576-577
  • [71] = Thomas Freller: Kavalierstour und Abenteuer im Ancien Régime. Der deutsche Adel auf Reisen, Teil XXI., Der Junker Fritz v.Sponeck und sein Geheimnis. Ein Landesfürst reist inkognito, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang XLVII., Kirchbrak 2008, Ausgabe 1 vom 15.Januar 2008, Seite 5
  • [72] = Charles Dickens: Italienische Reisebilder, Erster Theil, Leipzig 1846, Seite 52-53
  • [73] = Meyers Konversationslexikon, Band VII., Leipzig / Wien 41885/92,  Seite 117
  • [74] = Eberhard Werner Happel: Mundus Mirabilis Tripartiti, Theil III., ohne Ort 1689, Seite 370
  • [75] = Fynes Moryson: An itineary, Volume I., Glasgow 1907, Seite 239 (Neapel) und 360 (Genua)
  • [76] = Johann Christoph Georg Adler: Reisebemerkungen aus einer Reise nach Rom, Altona 1784, Seite 310-315
  • [77] = Johann Beckmann: Litteratur der älteren Reisebeschreibungen, Band I., Göttingen 1807, Seite 215
  • [78] = Thomaso Garzoni: La piazza universale, Seravalle di Venetia 1605, Seite 615-617, hier speziell der »Discorso LXXVIII.« namens »De porta seggiette«
  • [79] = Piazza Universale, das ist: Allgemeiner Schauwplatz/ oder Marckt/ und Zusammenkunfft aller Professionen/ Künsten/ Geschäfften/ Händlen und Handtwercken/ so in der gantzen Welt geübt werden: Deßgleichen Wann/ und von wem sie erfunden; Sampt außführlicher Beschreibung alles dessen/ so darzu gehörig/ Erstlich durch Thomam Garzonum auß allerhand Authoribus und experimentis Italiänisch zusammen getragen ... Nunmehro aber ... auffs trewlichste in unsere Muttersprach ubersetzt/ Und so wol mit nohtwendigen Marginalien, als unterschiedlichen Registern geziert, Franckfurt am Mayn 1619, Seite 478
  • [80] = Garzoni läßt sich auf seinen drei Druckseiten außer in der Bemerkung des Schultertragens nicht über die Bauart der Sänften zu Neapel aus, sondern versucht vielmehr eine Ehrenrettung des übel beleumundeten Berufstandes der Portaseggietten, so daß der Quellenwert zur Frage der Sänftenform bei ihm nur gering ist.
  • [81] = Nomen Nescio: Genueser Eytelkeit und Trauer Kleid, ohne Ort 1657, ohne Seitenangabe: "Vornehme Leut lasse sich in Sesseln / so wie die Sänfften, Thürlens und schön helle Fenster-Gläser haben / auch gar in Sänfften von Mauleseln tragen". Die These des Wissentransfers der Portechaise aus Italien nach Deutschland vertritt auch Johann Christian Ginzrot: Die Wagen und Fahrwerke der verschiedenen Völker des Mittelalters und der Kutschen-Bau neuester Zeiten, Band III., München 1830, Seite 132
  • [82] = Nachgewiesen ist dies explizit bei den Portechaisen in Nürnberg, die im Jahre 1713 von einem Stadtgardisten eingerichtet wurden, "welcher einige jungen Herren auf Reisen begleitet und auswärts den Gebrauch der Sänften kennen gelernt hatte". (Nomen Nescio: Zur Geschichte der Sänften in Nürnberg, in: Journal von und für Franken, Jahrgang 1790, Band I., Seite 581)
  • [83] = Kurze Geschichte der Schweitz, Zürich 1782, Seite 24-25
  • [84] = Armin Günther: Sozialwissenschaftliche Ökologie, Berlin 1998, Seite 122
  • [85] = Franz Carl Theodor Piderit: Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Kassel, Kassel 1844, Seite 292
  • [86] = Der Streit, wo die europäische Portechaise zuerst auftauchte, ist ohnehin müßig. Manche Verfasser finden, sie sei aus Frankreich nach England importiert worden, andere sprechen davon, sie sei von England nach Frankreich importiert worden (siehe dazu Christoph Heyl: A passion for privacy. Untersuchungen zur Genese der bürgerlichen Privatsphäre in London 1660-1800, München 2004, Seite 149). Fest steht jedenfalls, daß die Portechaise nach heutigem Forschungsstand in keinem Lande der Frühen Neuzeit früher erwähnt wird als in Italien am Ende des XVI.Jahrhunderts.
  • [87] = Möglicherweise handelte es sich um Johann I. Herzog von Alencon (1409-1476), der wegen Majestätsbeleidigung am 10.Oktober 1458 bei einem Prozeß in Vendome zum Tode verurteilt worden war (nicht vollstreckt)
  • [88] = Johann Wilhelm v.Archenholz: Annalen der Brittischen Geschichte des Jahres 1795, Band 16, Carlsruhe 1799, Seite 159
  • [89] = William Andrews: Bygone England. Social Studies in Its Historic Byways and Highways, London 1892, Seite 102
  • [90] = Dies war George Villiers (1592-1628), seit 1623 »1.Duke of Buckingham«. Zu seiner Biographie, auch in Bezug auf die Erstverwendung des Sedan-Chairs, siehe den sehr ausführlichen Artikel »Georg Villiers Duke of Buckingham«, in: The select circulating library, Part 1, Volumen 15, Philadelphia 1841, Seite 83-93
  • [91] = Die Chronisten streiten sich über die Herkunft, einige sprechen von Paris, andere von Spanien
  • [92] = Johann Beckmann: Litteratur der älteren Reisebeschreibungen, Band I., Göttingen 1807, Seite 216
  • [93] = Nomen Nescio: Zur Geschichte der Sänften in Nürnberg, in: Journal von und für Franken, Jahrgang 1790, Band I., Seite 581
  • [94] = Nomen Nescio: Einführung der Chaisen und Sänften in Wirzburg, in: Journal von und für Franken, Jahrgang II. (1791), Seite 601- 602
  • [95] = Siehe hierzu Roland Asch: Europäischer Adel in der Frühen Neuzeit, Köln 2008, Seite 222
  • [96] = Erhard Weigel: Pendulum Polychrestum. Eine Schwebefahrt zu vielerleyen Nutzen in so mancherley Gestalt (als eines Schiffs / einer Chesen / einer Sommer-Laibe / eines Sessels / einer Sänffte / oder bloß) wie man sie haben will, ohne Ort und Jahr (als vierseitiges Druckflugblatt um 1700 erschienen), Seite 1-4
  • [97] = Pierers Universal-Lexikon, Band XIV., Altenburg 1862, Seite 863-864
  • [98] = Ähnliches läßt sich vom venezianischen Adel sagen, der sich aber statt der Portechaisen Gondeln und livrierte Domestiken zum Statussymbol erwählte. Deren Anzahl und Ausschmückung wurde jeweils zum Indikator für Reichtum und Repräsentativität im neidvollen Vergleich unter den Patrizierfamilien im Venedig des 18.Jahrhunderts. Siehe hierzu Volker Hunecke: Der venezianische Adel am Ende der Republik 1646-1797, Tübingen 1995, besonders Seite 316-333 (Kapitel »Diener und Gondeln«). Hunecke vermutet zum Schluß (Seite 333) ganz vorsichtig, daß die Verschwendungssucht der reichen Familien in Bezug auf die Gondeln nicht nur der eigenen Bequemlichkeit diente, sondern auch aus den bekannten Veblenschen Gründen bestehen könnte. Er scheint Veblens ökonomische Theorie nicht gekannt zu haben.
  • [99] = Anne Kuhlmann-Smirnov: Globalität als Prestigemerkmal?, in: Heike Düselder / Olga Weckenbrock / Siegrid Westphal (Herausgeberinnen): Adel und Umwelt. Horizonte adeliger Existenz in der Frühen Neuzeit, Köln 2008, Seite 299-300
  • [100] = Nomen Nescio: Die Einführung der Dresdner Chaisen, in: Sachsengrün. Culturgeschichtliche Zeitschrift aus sämmtlichen Landen sächsischen Stammes, Band I., Dresden 1861, Seite 32
  • [101] = Braunschweigische Anzeigen, Braunschweig, 88.Stück vom 4.November 1750, Spalte 1781
  • [102] =Braunschweigische Anzeigen, Braunschweig, 75.Stück vom 20.September 1747, Spalte 1657
  • [103] = Johannes Beste: Geschichte des Braunschweigischen Landeskirche von der Reformation bis auf unsere Tage, Wolfenbüttel 1889, Seite 400 sowie Ernst Spangenberg (Herausgeber): Corpus Constitutionum Ducatus Lauenburgici oder Sammlung der für das Herzogthum Lauenburg ergangenen Verordnungen und Ausschreiben, Hannover 1822, Seite 421
  • [104] = Nomen Nescio: Aus alter und neuer Zeit, in: Hessenland. Zeitschrift für Hessische Geschichte und Literatur, Jahrgang XVI., Ausgabe Nro.7 vom 1.April 1902, Seite 98
  • [105] = Frieda Neumann: Einrichtung und Bedeutung der Personen-Transportmittel in deutschen Städten, Ort Leipzig-Reudnitz 1914, Seite 18. Bereits im Jahre 1606 hatte der Hauptmann Peter Petit aus der Königlichen Leibgarde eine Konzession zum Betrieb von Tragsesseln für die Stadt Paris erhalten, die aber von Maultieren oder Eseln getragen wurden. Im Juni 1645 erhielt ein Fräulein von Biron außerdem die Genehmigung, in einer Fabrik Tragbahren und Sänften ohne Räder zu verfertigen, welche durch Männer in Paris getragen werden sollten (Johann Christian Ginzrot: Die Wagen und Fahrwerke der verschiedenen Völker des Mittelalters und der Kutschen-Bau neuester Zeiten, Band III., München 1830, Seite 139)
  • [106] = Johann Beckmann: Litteratur der älteren Reisebeschreibungen, Band I., Göttingen 1807, Seite 216. Dieses Privileg der Kopenhagener Portechaisen, landesüblich auch »Baere-Stole« genannt, übernahm 1703 einer der wenigen ermittelbaren Adeligen unter den europäischen Monopolinhabern, nämlich der damalige Kammerjunker Jacob Friedrich v.der Osten (1664-1739) aus pommerschem Uradel, der zuletzt Kammerherr und Königlich Dänischer Staatsminister war. (E. C. Werlauff: Holbergiana, in: Nyt historisk Tidsskrift, Band VI., Kopenhagen 1856, Seite 354)
  • [107] = Gegen Ende des XVII.Centenariums erließ der Große Kürfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg sein »Reglement Wie es mit denen Sänfften in der Churfürstlich-Brandenburgischen Residenz vom 1. Januar Anno 1688 an gehalten werden soll«, um eine gewisse Anzahl von arbeitslosen und berufsunqualifizierten hugenottische Exulanten in Berlin zu beschäftigen, "damit durch dieses Mittel solche Leute ihr Brod verdienen, und von schändlichen Müßiggang abgehalten werden können. Mit diesem Reglement wurden 24 Hugenotten an 12 Porte-Chaisen beschäftigt. Siehe hierzu auch Adolph Streckfuß: Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt, Band II., Berlin 1864, Seite 325-326 / Albert Ballhorn: Das Polizei-Präsidium zu Berlin. Eine geschichtliche Darstellung der Polizeiverwaltung von Berlin aus der frühesten Zeit bis auf die jetzige, Berlin 1852, Seite 97-98 / Nomen Nescio: Die Einführung öffentlicher Sänften, in: Der Bär, Jahrgang XVIII., Berlin 1892, Seite 584
  • [108] = Nomen Nescio: Die deutschen Handschriften der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek zu München, Band I., München 1866, Seite 258
  • [109] = Hauptstaatsarchiv Hannover: Städtesachen des Fürstentums Calenberg-Göttingen, Nr.893, Privileg für die Sänftenträger zu Hannover, 1694-1697
  • [110] = Johann Pezzl: Beschreibung der Haupt- und Residenz-Stadt Wien, Wien 1816, Seite 114
  • [111] = Nomen Nescio: Zur Geschichte der Dresdner Portechaisen, in: Das Pfennig-Magazin für Belehrung und Unterhaltung, Neue Folge, Jahrgang V., Leipzig 1847, Seite 331
  • [112] = Karl v.Weber: Zur Chronik Dresdens, Leipzig 1859, Seite 99. In diesem Werke finden sich auch längere Ausführungen über die Dresdener Portechaiseninnung auf den Seiten 98-103 in einem eigenen Kapitel.
  • [113] = Gottlieb Schnapper-Arndt: Studien zur Geschichte der Lebenshaltung in Frankfurt am Main während des 17. und 18.Jahrhunderts. Auf Grund des Nachlasses von Gottlieb Schnapper-Arndt herausgegeben von Karl Bräuer (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Frankfurt am Main 2/1-2), Band II., Frankfurt am Main 1915, Seite 394
  • [114] = Christian Gottlieb Gumpelzhaimer: Regensburgs Geschichte, Band III., Regensburg 1838, Seite 1526
  • [115] = Nomen Nescio: Zur Geschichte der Sänften in Nürnberg, in: Journal von und für Franken, Jahrgang 1790, Band I., Seite 581
  • [116] = Einführung der Chaisen und Sänften in Wirzburg, in: Journal von und für Franken, Jahrgang II. (1791) Seite 601-602
  • [117] = Architekten- und Ingenieurverein für Niederrhein und Westfalen (Herausgeber): Köln und seine Bauten. Festschrift zur VIII.Wanderversammlung des Verbandes, Köln 1888, Seite 150
  • [118] = Rudolf Nehlsen: Hamburgische Geschichte nach Quellen und Urkunden, Band II., Hamburg 1897, Seite 386
  • [119] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 123, wo allerdings bemerkt wurde, daß es bereits vorher in Prag Sänften gegeben habe.
  • [120] = Alfred Haselmann: Die Aachener Kleinbahnen, Jena 1909, Seite 10
  • [121] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 113
  • [122] = Nomen Nescio: Die Einführung der Dresdner Chaisen, in: Sachsengrün. Culturgeschichtliche Zeitschrift aus sämmtlichen Landen sächsischen Stammes, Band I., Dresden 1861, Seite 32
  • [123] = Nomen Nescio: Aus alter und neuer Zeit, in: Hessenland. Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, Jahrgang XVI., Ausgabe Nro.7 vom 1.April 1902, Seite 98 (mit Auszügen aus dem Kasseler Portechaisenreglement)
  • [124] = Ivan Vrhovec: Die Wohllöbliche Landesfürstliche Hauptstadt Laibach, Laibach (Ljubljana in Slowenien) 1886, Seite 132
  • [125] = Karl Pfaff: Geschichte der Stadt Stuttgart nach Archival-Urkunden und andern bewährten Quellen, Teil 2, Stuttgart 1846, Seite 137
  • [126] = Johann Beckmann: Physikalisch-ökonomische Bibliothek, Band XVIII./1, Göttingen 1793, Seite 67
  • [127] = Eduard Breier: Die Rosenkreuzer in Wien, Band I., Wien 1863, Seite 77
  • [128] = Historische Nachrichten, 7. Aufgehobene Privilegien, in: Ephemeriden der Menschheit, Band II. (1781), Seite 736-737
  • [129] = Karl v.Weber: Zur Chronik Dresdens, Leipzig 1859, Seite 100
  • [130] = Karl v.Weber: Zur Chronik Dresdens, Leipzig 1859, Seite 103
  • [131] = Staatsarchiv Wolfenbüttel: Verordnungssammlung älterer Teil, Nr. 5639, Herzog Ferdinand Albrecht II. zu Braunschweig-Lüneburgs gedrucktes Privileg für den Oberkammerdiener Johann Heinrich Möhle zur Haltung von Sänften (Portechaisen) zum allgemeinen Gebrauch vom 18.Mai 1735
  • [132] = Staatsarchiv Wolfenbüttel: Stadt Wolfenbüttel, Gesamte Verwaltung bis 1870, Nr.7112, Aufsicht über Straßen, Tier- und Viehhaltung, darin: Kontrolle der öffentlichen und privaten Portechaisen, auch Übertragung des Privilegs zur Vermietung von Portechaisen auf das Polizeiamt Wolfenbüttel, Portechaisen-Privileg für den Intendanten Johann Heinrich Flögen 1725 (Druck); Portechaisen-Privileg für den Oberkammerdiener Adolf Schäffer 1737 (Druck); Reglement für die öffentlichen Portechaisen und die Träger 1775; eigenhändiges Schreiben des Arztes und Naturforschers Franz Ernst Brückmann zum Vorwurf des Verstoßes gegen die Portechaisen-Ordnung 1750
  • [133] = Carl Christian Schramm: Neues Europäisches historisches Reise-Lexicon, Leipzig 1744, Seite 358
  • [134] = Herrn Ludvig Holbergs Dänische Reichs-Historie ins Deutsche übersetzt, Band 3, Flensburg / Altona 1744, Seite 628-630
  • [135] = Braunschweigische Anzeigen, 68.Stück vom 26.August 1758, Spalte 1101-1102
  • [136] = Johann Georg Krünitz: Ökonomisch-Technologische Encyklopädie, Band CXV., Berlin 1810, Seite 183-185
  • [137] = Johann Carl Sigmund Kiefhaber: Nachrichten zur ältern und neuern Geschichte der Freyen Reichsstadt Nürnberg, Band III., Nürnberg 1807, Seite 88-93
  • [138] = K. Strauven: Über Künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf, Düsseldorf 1862, Seite 31
  • [139] = Nomen Nescio: Aus alter und neuer Zeit, in: Hessenland. Zeitschrift für Hessische Geschichte und Literatur, Jahrgang XVI., Ausgabe Nro.7 vom 1.April 1902, Seite 98 sowie Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Jahrgang 1896, Kassel 1987, Seite 28
  • [140] = C.W.v.Dohm: Miscellaneen, statistischen und historischen Inhalts, in: Deutsches Museum, Band II., Leipzig 1776, Seite 1041
  • [141] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 113
  • [142] = Johannes Moser: Distinktion und Repräsentation, in: Thomas Hengartner / Johannes Moser (Herausgeber): Grenzen und Differenzen. Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehungen, Leipzig 2006, Seite 116
  • [143] = Kurt-Rudolf Böttger: Neues Leipziger Taschenwörterbuch für Einheimische, Leipzig 1999, Seite 44
  • [144] = Ursprünglich nach Bood (Bude), womit bewegliche Händler-Baracken auf den Märkten gemeint waren
  • [145] = Johann Friedrich Schütze: Holsteinisches Idiotikon. Ein Beitrag zur Volkssittengeschichte, Teil 1, Hamburg 1800, Seite 125
  • [146] = Sonja Steiner-Welz: 400 Jahre Stadt Mannheim, Band II., Mannheim 2007, Seite 177
  • [147] = Da zu zählte 1) die Geschichte des Tragegastes, der von einem Diner kam und Säcke in seiner Kleidung versteckt hatte, bevor er die Portechaise bestellt hatte. Dann trat er aus und erleicherte sich vorgeblich in einem Gebüsch, wobei er sich der zusätzlichen Gewichte entledigte. Die Porteure waren dann von dem Gewichtsverlust derart überrascht, daß sie anschließend mit deftigen Worten über die Menge der Ausscheidungen des Traggastes spekulierten. 2) die Geschichte, wonach die Porteure bei einem ihnen schon bekannten und unbeliebtem Tragegast aus Rache den Boden der Portechaise entfernt hatten, um mit ihm anschließend durch staubige Wege und Pfützen zu laufen, wobei der Tragegast seine eigenen Füße benutzen mußte.
  • [148] = Moritz Gottlieb Saphir: Conversations-Lexikon für Geist, Witz & Humor, Band II. Dresden 1852, Seite 1030
  • [149] = Nomen Nescio: Elb-Athen und Isar-Florenz vor zweiundsiebzig Jahren, in: Berliner Revue. Social-politische Wochenschrift, Band 46, Berlin 1866, Seite 218
  • [150] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 115
  • [151] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 120
  • [152] = Nomen Nescio: Fiaker, in Frankfurter Jahrbücher, Band VIII., Ausgabe 16 vom 13.Oktober 1836, Seite 100. Zur Benutzung durch Kranke siehe auch Nomen Nescio: Korrespondenz-Nachrichten, in: Morgenblatt für gebildete Stände, Band XXIX., 1835 Ausgabe Nro.140 vom 12.Juni 1835, Seite 560
  • [153] = So bevorzugte Prinz Georg von Hessen-Kassel bei seinem Besuch des Königs Georg I. von Großbritannien in der Stadt Hannover am 14.Dezember 1723 in für die Strecke vom Gasthof zur Reichskrone (wo er zunächst abgestiegen war) nach dem Schloß statt einer Kutsche eine Portechaise (Ernst v.Malortie: Beiträge zur Geschichte des Braunschweig-Lüneburgischen Hauses und Hofes, Seite 126)
  • [154] = William Andrews: Bygone England. Social Studies in its Historic Byways and Highways, London 1892, Seite 110
  • [155] = Friedrich Gottlob Leonhardi: Geschichte und Beschreibung der Kreis- und Handelsstadt Leipzig nebst der umliegenden Gegend, Leipzig 1799, Seite 677-678
  • [156] = Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen vom Geheimen Justitzrath Pütter, Band II., Göttingen 1788, Seite 387-388
  • [157] = Albert Klebe: Gotha und die umliegende Gegend, Gotha 1796, Seite 148-149
  • [158] = Karl Pfaff: Geschichte der Stadt Stuttgart nach Archival-Urkunden und andern bewährten Quellen, Teil 2, Stuttgart 1846, Seite 137
  • [159] = Gewählt wurde Karl Albrecht Herzog von Bayern (1697-1745), der das Deutsche Reich von 1742 bis 1745 als Karl VII. regierte
  • [160] = Nomen Nescio: Die neue Europäische Fama, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket, Theil 73, ohne Ort 1741, Seite 674 und 677 (der ganze Vorgang der Wahl sehr ausführlich auf den Seiten 672-693)
  • [161] = Nomen Nescio: Die europäische Fama, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket, Band 313, ohne Ort 1728, Seite 306
  • [162] = Christina Hofmann: Das spanische Hofzeremoniell von 1500-1700, Frankfurt am Main 1985, Seite 106
  • [163] = Carl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, Band 33, Hamburg 1854, Seite 192
  • [164] = Dabei kann es sich dann eigentlich nicht um eine geschlossene Sänfte gehandelt haben
  • [165] = Königlich Polnischer und Khurfürstlicher Sächsischer Hof- und Staats-Calender auf das Jahr 1735, Leipzig 1735 (ohne Seitenangabe aus dem Abschnitt nach dem Kalendarium)
  • [166] = Gattin des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
  • [167] = Dies waren unter anderen Oberhofmeisterin v.Kameke, Gräfin Wartensleben, Gräfin Finkh, Fräulein v.Bülow
  • [168] = Ernst v.Malortie: Beiträge zur Geschichte des Braunschweig-Lüneburgischen Hauses und Hofes, Seite 109
  • [169] = Christian Heinrich Gütther: Leben und Thaten Herrn Friederichs des Ersten, Breslau 1750, Seite 341
  • [170] = Historischer Mercurius, Band I., Augsburg 1712, Seite 355 und 358
  • [171] = Ernst Fidicin: Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte Berlins, Theil V., Berlin 1842, Seite 449
  • [172] = Hierzu paßt die Schilderung, daß es Prostete der Portechaisenträger wegen der Einführung gepflasterter Straßen gab (Karl Julis Weber: Die Möncherei, Band IV., Stuttgart 21836, Seite 284). Auch gab es Demonstrationen der Sänftenträger gegen die zunehmende Verbreitung von Kutschen, die Moralisten zudem als Verweichlichungsanstalt ansahen (Friedrich Georg Wieck: Das Buch der Erfindungen, Band III., Leipzig 1862, Seite 133)
  • [173] = Ernst Fidicin: Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte Berlins, Theil V., Berlin 1842, Seite 450
  • [174] = Michaela Vieser: Der Sesselträger, in: Der Tagesspiegel Nr.20 vom 13.09.2009, Seite 21
  • [175] = Österreichischer »Sänftendienst Flinker Hirsch« (Näheres siehe unter »http://members.aon.at/saenftendienst«)
  • [176] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 113
  • [177] = Nomen Nescio: Korrespondenz-Nachrichten, in: Morgenblatt für gebildete Stände, Band XXIX., 1835 Ausgabe Nro.141 vom 13.Juni 1835, Seite 564. Die Vinaigrette war ein Zwischenstadium zwischen Portechaise und Kutsche, die unter dem Mittelstand, unter Professoren und Ärzten in Frankreich vor 1789 en vogue war. Bei der Vinaigrette handelte es sich um eine fahrbare Erweiterung der Portechaise, indem der Sitz des Fahrgastes auf einer Achse Räder montiert war und vorn in der Deichsel ein Mann oder ein Pferd eingespannt war. Eine zeitgenössische Abbildung dieses auch »Chaise roulante« oder verniedlichend »Fahr-Chaisgen« genannten Fortbewegungsmittels findet man in Wolfgang Griep: Vom Reisen in der Kutschenzeit, Heide 1989, Seite 22. Eine ausführliche Beschreibung der Vinaigrette findet sich bei Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 118-119
  • [178] = Christoph Girtanner: Historische Nachrichten und politische Betrachtungen über die französische Revolution, Band I., Berlin 1794, Seite 13
  • [179] = Hessisches Staatsarchiv Marburg: Bestand 259, Hofgericht Kassel, Nr.172: Schuldforderung des Porteurs bei der Prinzessin von Hessen-Philippsthal Johann Valentin Jäger gegen seinen Schwager, den Leib-Porteur Hopfeld, 1753-1754
  • [180] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 122
  • [181] = Juliane Marie geborene Prinzessin von Braunschweig (1729- 1796)
  • [182] = Georg Friedrich v.Jenssen-Tusch: Zur Regierungsgeschichte Friedrich VI. Königs von Dänemark, Band I., Kiel 1851, Seite 180
  • [183] = Zeitraum der erneuten Herrschaft Napoleon Bonapartes nach seiner Rückkehr von der Verbannung aus Elba bis zur verlustreichen Schlacht bei Waterloo
  • [184] = Nomen Nescio: Korrespondenz-Nachrichten, in: Morgenblatt für gebildete Stände, Band XXIX., 1835 Ausgabe Nro.141 vom 13.Juni 1835, Seite 564
  • [185] = Später König Georg IV. August Friedrich von Großbritannien und Irland sowie König von Hannover
  • [186] = Johann Wilhelm v.Archenholz: Annalen der Brittischen Geschichte des Jahres 1795, Band 16, Carlsruhe 1799, Seite 159
  • [187] = Werner Sombart: Der moderne Kapitalismus, Band II. (Das europäische Wirtschaftsleben im Zeitalter des Frühkapitalismus im 16., 17. und 18.Jahrhundert), München 1919, Seite 245
  • [188] = Alfred Haselmann: Die Aachener Kleinbahnen, Jena 1909, Seite 12
  • [189] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 123
  • [190] = Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 173
  • [191] = Wilhelm Sternberg: Das Verkehrsgewerbe Leipzigs, Jena 1905, Seite 7
  • [192] = Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 173
  • [193] = Nomen Nescio: Fiaker, in Frankfurter Jahrbücher, Band VIII., Ausgabe 16 vom 13.Oktober 1836, Seite 100
  • [194] = August Ellrich: Genre-Bilder aus Oestreich und den verwandten Ländern, Berlin 1833, Seite 88-89
  • [195] = William Andrews: Bygone England. Social Studies in Its Historic Byways and Highways, London 1892, Seite 104
  • [196] = Karl v.Weber: Zur Chronik Dresdens, Leipzig 1859, Seite 98
  • [197] = Nomen Nescio: Korrespondenz-Nachrichten, in: Morgenblatt für gebildete Stände, Band XXIX., 1835 Ausgabe Nro.140 vom 12.Juni 1835, Seite 560
  • [198] = Friedrich Prahl: Chronica der Stadt Kiel nach den besten Quellen bearbeitet, Kiel 1856, Seite 93
  • [199] = Carl Spindler (Herausgeber): Lustige Geschichten für ernste Zeit, Band I., Stuttgart 1856, Seite 67
  • [200] = Hedwig v.Bismarck: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen, Halle 151913, Seite 127-130
  • [201] = Daß sich in der Frühen Neuzeit ausschließlich der Mittelstand der Portechaise bediente, ist eine stark vereinfachte Sicht auf nur einen Teilaspekt ihrer Geschichte, die in der Forschung tradiert wird (Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum ersten Weltkrieg, München 2007, Seite 529).
  • [202] = 1702-1707 Königin von England und Schottland, 1707-1714 dann Königin von Großbritannien
  • [203] = Vermutlich Friedrich I. (regierte bis 1713) oder aber dessen Sohn Friedrich Wilhelm I. (regierte ab 1713)
  • [204] = William Andrews: Bygone England. Social Studies in its Historic Byways and Highways, London 1892, Seite 109
  • [205] = Otto Redlich: Düsseldorf und das Herzogthum Berg nach der Rückkehr der Österreicher aus Belgien 1794 und 1795, in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Band X., Düsseldorf 1895, Seite 93 (Beilage III./A: Inventar des Düsseldorfer Schlosses vom Jahre 1794)
  • [206] = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Großherzogliches Haus (Hausarchiv Abt. IV) Nr. 376/1: Acta mit Briefen des Landgrafen Ernst Ludwig an seine Gemahlin Dorothea Charlotte (130 Briefe), 1685-1698 und 1704, intus unter anderem: Reise des Landgrafen Ernst Ludwig über Regensburg nach Wien, Bericht über eine Audienz bei Kaiser Leopold I., Teilnahme an der Hochzeit des Ernst Rüdiger v. Starhemberg, Verhandlungen über den Kauf einer Sänfte in Wien
  • [207] = Franz Joseph Micus (Bearbeiter): Ferdinands Testament vom 29.April 1683, in: Ferdinand Freiherr v.Fürstenberg: Denkmale des Landes Paderborn (Monumenta Paderbornensia), Paderborn 1844, Seite 135
  • [208] = Zarin Marija Alexandrowna von Rußland geborene Marie Prinzessin von Hessen und bei Rhein (1824-1880), seit 1841 mit Alexander II. vermählt, der ab 1855 den russischen Thron als Zar bestiegen hatte.
  • [209] = Ernst Kossak: Bade-Bilder, Berlin 1858, Seite 38
  • [210] = Ludwig Lohmeier: Die Brom-, Eisen- und Jod-haltigen Soolquellen zu Elmen bei Groß-Salze, Halle 1846, Seite 183
  • [211] = Eine Abbildung und Beschreibung dieser Portechaise findet man bei Johann Christian Ginzrot: Die Wagen und Fahrwerke der verschiedenen Völker des Mittelalters und der Kutschen-Bau neuester Zeiten, Band III., München 1830, Seite 136 und in der Figur 2 auf der Bild-Tafel XXII.
  • [212] = Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Band XV., Wiesbaden 1879, Seite 22-23 (Nachweis einer Portechaise mit dem Doppelwappen v.Trott und v.Trotha aus dem Besitz des Grafen zu Eltz im Museum)
  • [213] = Johann Sporschil: Geschichte des Entstehens, des Wachsthums und der Grösse der österreichischen Monarchie, Band V., Leipzig 1844, Seite 725
  • [214] = Nomen Nescio: Hofstaat, Hofsitte und Hoffestlichkeiten unter Erzherzog Leopold dem Frommen zu Innsbruck, in: Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, Band II., Innsbruck 1836, Seite 35
  • [215] = Christian v.Stramberg: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, 2.Abtheilung, Band VIII., Coblenz 1859, Seite 698
  • [216] = Carl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, Band XXIV., Vierte Abtheilung, Die Geschichte der Höfe der Häuser Baiern, Würtemberg, Baden und Hessen, zweiter Theil, Hamburg 1853, Seite 59
  • [217] = Churkölnischer Hof-Kalender für das Jahr nach der gnadenreichen Geburt unseres Erlösers Jesu Christi 1719, Köln 1719, ohne Seitenangabe
  • [218] = Kurmainzischer Hof- und Staats-Kalender auf das Jahr 1790, Mainz 1790, Seite 114
  • [219] = Museum für Thüringer Volkskunde (Herausgeber): Flugblatt zur gleichnamigen Ausstellung, Erfurt 2008
  • [220] = Nomen Nescio: Der erste Hof- und Staats-Schematismus in Wien [aus dem Jahre 1637], in: Katholischer Familien-Kalender für das gemeine Jahr 1842, Band I., Wien 1842, Seite 51
  • [221] = Eduard Vehse: Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie, Teil 6, Hamburg 1852, Seite 49
  • [222] = Friedrich Förster: Die Höfe und Cabinette Europas im achtzehnten Jahrhundert, Band II., Potsdam 1836, Seite 52
  • [223] = Schematismus derer Kayserlich Königlichen wie auch Erz-Herzoglichen Instantzien pro Anno MDCCXLVI, Wien 1746, Seite 22
  • [224] = Johann Pezzl: Beschreibung der K.K. Haupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1770, Seite 44
  • [225] = Kayserlich- und Königlicher, wie auch Erz-Herzoglicher Staats- und Standes-Calender auf das gnadenreiche Jahr Jesu Christi MDCCLXXII., Wien 1772, Seite 485
  • [226] = Hof- und Staats-Schematismus der römisch kaiserlich auch kaiserlich-königlich und erzherzoglichen Haupt- und Residenz-Stadt Wien, Wien 1797, Seite 371
  • [227] = Hof- und Staats-Schematismus der römisch kaiserlich auch kaiserlich-königlich und erzherzoglichen Haupt- und Residenz-Stadt Wien, Wien 1802, Seite 410
  • [228] = Hof- und Staats-Schematismus des Österreichischen Kaiserthumes, Teil 1, Wien 1841, Seite 165
  • [229] = Allgemeines Beamten-Adreßbuch für die K.K. Haupt- und Residenzstadt Wien, Jahrgang I. (1853/54), Wien 1853, Seite 17
  • [230] = Hof- und Staats-Handbuch des Kaiserthumes Österreich für das Jahr 1866, Wien 1866, Seite 21
  • [231] = Adolf Laun: Molière mit deutschem Commentar, Einleitungen und Excursen, Berlin 1873, Seite 180 (betreffend die Komödie »Die Gezierten«)
  • [232] = Ludwig Müller: Marburger Studenten-Erinnerungen, Marburg 1908, Seite 99-100
  • [233] = Im Original 1723 erschienen unter dem Titel »Jacob von Tyboe eller den stortalende Soldat«
  • [234] = »Jacob v.Tyboe oder der großsprecherische Soldat«, Komödie in fünf Akten, in: Robert Prutz: Ludwig Holbergs ausgewählte Komödien, Erster Theil, Hildburghausen 1868, Seite 44
  • [235] = Schröder: Molières sämmtliche [sic!] Werke in zwei Bänden, Band I., Leipzig 1871, Seite 107
  • [236] = Gotthilf »Freiherr« v.Maltitz: Pfefferkörner. Im Geschmack der Zeit ernster und satyrischer Gattung, Heft 3, Hamburg 1832, Seite 35 und 48 (Gedicht »Ahnentrümmer«)
  • [237] = August v.Kotzebue: Theater, Band XXVII., Leipzig / Wien 1841, darin: Seite 189 (Dritter Act, Erste Szene)
  • [238] = Im Gegensatz zum beginnenden XXI.Centenarium, in dem nur »Beschleunigung« Prestige verlieh
  • [239] = Video "cranford ep1 cat & lace" bei Youtube (http://www.youtube.com/watch?v=n-_AOBDCVIw) nach dem Stand vom 6.Mai 2010
  • [240] = So schrieb das Adelsblatt im Jahre 1898: "Die sociale Bedeutung des Radfahrwesens wird in conservativen Kreisen keinesfalls verkannt. Es wird niemals außer Acht gelassen werden, daß die Benutzung des Fahrrades dem Gewerbs- und Arbeiterstande größte Vortheile bringt, daß sie mehr als bisher ermöglicht, außerhalb des städtischen Weichbildes Wohnung zu nehmen, und daß sie namentlich den mittleren und unteren Klassen eine Quelle gesunder Erholung bietet." (Nomen Nescio: Die Ausschreitungen der Radfahrer, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 1898, Seite 258)
  • [241] = Als Beispiel hierzu siehe Andreas v.Bernstorff (1868-1945) als Radfahrer, in Eckart Conze: Von deutschem Adel. Die Grafen v.Bernstorff im 20.Jahrhundert, Stuttgart / München 2000, Seite 168
  • [242] = Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 55-56
  • [243] = 5.Mose 28,13
  • [244] = Jesaja 58,14
  • [245] = 1.Mose 1,2
  • [246] = 2.Samuel 22,11
  • [247] = Nomen Nescio: Besondere Regeln sein Vermögen zu bewahren, in: Georg Heinrich Zincke: Leipziger Sammlungen von Wirthschafftlichen, Policey-Cammer- und Finanzsachen, Band XV., Leipzig 1761, Seite 465-466
  • [248] = Johann Wilhelm v.Archenholz: Annalen der Brittischen Geschichte des Jahres 1796, Band XIX., Carlsruhe 1802, Seite 185
  • [249] = Christian Ludwig Albrecht Patje: Wie war Hannover? oder Fragmente von dem vormaligen Zustande der Residenz-Stadt Hannover, Hannover 1817, Seite 153. An anderer Stelle heißt es ähnlich von einem Kritiker: "Als böser Auswuchs der gesellschaftlichen Ordnung herrschte längere Zeit ein engherziger Stolz auf Rang und Stand. Es gab in Hannover nicht Classen sondern wahre Kasten, die sich fast gar nicht berührten, wie bei den Hindus ... in vielen vornehmen Wohnungen ließen sich Herr und Frau, selbst wenn sie allein dinirten, von mehreren Bedienten aufwarten; angesehene Staatsbeamte hielten sich außer ihren Equipagen auch noch Sänften: wenn sie kaum die Straße betraten, mußte die Sänfte nachgetragen werden. Begaben sie sich in das Ministerium oder die Rathsversammlung, so befanden sich immer mehrere Bedienten in der Nähe des gestrengen Herrn. Dies ceremonielle Gepränge bemerkte man durch alle Stände; Geldmittel und Credit waren der einzige Maßstab." (Rudolph Ludwig Hoppe: Geschichte der Stadt Hannover, Hannover 1845, Seite 267-268)
  • [250] = Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit, Band IV., Leipzig 51867, Seite 139
  • [251] = Nomen Nescio: Hofstaat, Hofsitte und Hoffestlichkeiten unter Erzherzog Leopold dem Frommen zu Innsbruck, in: Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, Band II., Innsbruck 1836, Seite 35
  • [252] = Nomen Nescio: Bruchstücke aus Reichhardts Autobiographie, in: Allgemeine musikalische Zeitung, Jahrgang XV., Leipzig 1813, Ausgabe Nr.37 vom 15.September 1813, Spalte 609
  • [253] = Johann Jacob Lugger: Spiegel der Ehren des höchstlöblichsten Kayser und Königlichen Erzhauses Österreich, Nürnberg 1668
  • [254] = Heinz Amelung (Herausgeber): Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Band III., Berlin 1913, Seite 98
  • [255] = K. Th. Heigel: Ein Bericht des Kurfürsten Joseph Clemens von Köln über die Vertreibung der Holländer aus Bonn am 11.December 1715, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln, Heft XXXIX., Köln 1883, Seite 167
  • [256] = Joachim Rees: Die Höfische Gesellschaft unterwegs, in: Günter Lottes (Herausgeber): Hofkultur und aufgeklärte Öffentlichkeit. Potsdam im 18. Jahrhundert im europäischen Kontext, Seite 70 (hier beziehentlich einer Reise des Rochus Friedrich Graf zu Lynar an Hof nach Bonn vom 10.August 1731)
  • [257] = Wilhelm Freiherr v.Waldenfels: Die Reise-Rechnung des Erbprinzen Friedrich von Bayreuth bei Heimführung seiner Gemahlin Wilhelmine, in: Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken, Band XXII., Heft 1, Bayreuth 1902, Seite 96-97 (betrifft den Zeitraum 1730/31)
  • [258] = Aus dieser Dienstleistung, die Bodeck nicht beglich, resultierte dann selbst ein Prozeß des Portechaisers wider den Frankfurter Edelmann, der 1743 damit endete, daß Bodeck 607 Gulden, ein Vielfaches des ursprünglichen Preises, an den Porteur zahlen mußte. Siehe dazu Inge Kaltwasser: Inventar der Akten des Reichskammergerichts 1495-1806. Frankfurter Bestand, Frankfurt am Main 2000, Seite 1011
  • [259] = Johann Gottfried Schadow: Kunst-Werke und Kunst-Ansichten, Berlin 1849, Seite XI
  • [260] = Gemeint war der Kronprinz
  • [261] = Kriegsgeschichtliche Abteilung II. des Großen Generalstabes (Herausgeber): Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres, Band  II., Heft 10: Potsdamer Tagebücher 1740 bis 1756, Berlin 1906, Seite 58
  • [262] = Weltnetzseite "http://www.khm.at/wagenburg/highlights/tragsessel-und-saenften-des-wiener-hofes" nach der Version vom 4.Mai 2010
  • [263] = Nomen Nescio: Briefwechsel des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach mit Goethe in den Jahren 1755 bis 1828, Band II., Weimar 1863, Seite 11-12
  • [264] = Johann Nikolaus Hoest: Frederik den Fjerdes Danmarks og Norges store Konges Privatlevnet, Kopenhagen 1855, Seite 107
  • [265] = Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 86-89
  • [266] = Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyklopädie, Band XXII., Brünn 1789, Seite 758
  • [267] = Theodor Heinsius: Teut oder Theoretisch-praktisches Lehrbuch der gesammten deutschen Sprachwissenschaft, Band II., Berlin 1838, Seite 452
  • [268] = Markus Koller: Bosnien an der Schwelle zur Neuzeit. Eine Kulturgeschichte der Gewalt, München 2004, Seite 127-128
  • [269] = Tibor Kesztyüs: Untersuchungen zu den ungarischen Lehn- und Fremdwörtern, in: Finnisch-Ugrische Mittelingen, Band XXI./XXII. (1997/98), Hamburg 1999, Seite 92-93
  • [270] = Ernst v.Malortie: Der Hof-Marschall. Handbuch zur Einrichtung und Führung eines Hofhalts, Hannover 1846, Seite 92
  • [271] = Topor Graf Morawitzky: Beiträge zur Geschichte der Türkenkriege von 1683 bis 1688, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band XVII., München 1857, Seite 180
  • [272] = Johann Christian Ginzrot: Die Wagen und Fahrwerke der verschiedenen Völker des Mittelalters und der Kutschen-Bau neuester Zeiten, Band III., München 1830, Seite 143
  • [273] = Statssekreteraren Elis Schröderheims anteckningar till Konung Gustaf III:s Historia, Örebro 1851, Seite 124
  • [274] = Nomen Nescio: Zur Geschichte der Dresdner Portechaisen, in: Das Pfennig-Magazin für Belehrung und Unterhaltung, Neue Folge, Jahrgang V., Leipzig 1847, Seite 331
  • [275] = Konrad Kratzsch: Klatschnest Weimar. Ernstes und Heiteres, Würzburg 22003, Seite 12 sowie Carl Wilhelm Heinrich Freiherr v.Lyncker: Ich diente am Weimarer Hof, Köln 1997, Seite 37 als Primärquelle
  • [276] = Hierzu siehe die Ausführungen zur Sicherung und Demonstration des Status (als oberste Priorität adeligen Wirtschaftens in der Frühen Neuzeit) bei Barbara Kink: Adelige Lebenswelt in Bayern im 18.Jahrhundert. Die Tage- und Ausgabebücher des Freiherrn Sebastian v.Pemler von Hurlach und Leutstetten (1718-1772), München 2007 (Band XXVI. der Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte), Seite 165-167
  • [277] = Insofern gewinnt das Gottesgnadentum des Adels eine neue Dimension. Fürsten fühlten sich nicht nur Gottes Geboten verpflichtet und leiteten daraus ihre weltliche Macht ab, sondern sie waren schlicht besehen auch stellvertretende Müßiggänger im Sinne der ökonomischen Theorie für ihren Dienstherrn namens Gott.
  • [278] = Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 103
  • [279] = Johann Georg Krünitz: Ökonomisch-Technologische Encyklopädie, Band CXV., Berlin 1810, Seite 181
  • [280] = Friedrich Christoph Förster: Die Höfe und Cabinette Europas im achtzehnten Jahrhundert, Band 3, Potsdam 1839, Seite 464
  • [281] = Carl Eduard Geppert: Chronik von Berlin von Entstehung der Stadt an, Band III., Berlin 1841, Seite 97
  • [282] = Hermann Dallhammer: Die Portechaise. Sänften in Ansbach und anderswo, in: Jahrbuch des Historischen Verein für Mittelfranken, Band LXXVIII., Ansbach 1959, Seite 121
  • [283] = Uta Christiane Bergemann: Stickereien. Bestandskatalog der Kunstsammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Berlin 2000, Seite 11-12 mit Abbildungen. Drei andere Abbildungen der Portechaise findet man im Hohenzollern-Jahrbuch, Jahrgang XIX., Berlin 1915, Seite 77 und 79
  • [284] = Gustav Adolph v.Klöden: Handbuch der Länder- und Staatenkunde, Berlin 1862, Seite 647
  • [285] = Alexander Marjoribanks: Travels in South and North America, London 51854, Seite 94-95 sowie Nomen Nescio: Letters of a South-American Seaman, in: The Edinburgh magazine and literary miscellany, Ausgabe vom Juli 1825, Edinburgh 1825, Seite 451
  • [286] = Zum Ansatz der sozialen Distanziertheit und Abgrenzung von Sänftenbenützern siehe neuerdings auch am römischen Beispiel Martin Jehne: Augustus in der Sänfte. Über die Invisibilisierung des Kaisers, seiner Macht und Ohnmacht, in: Gert Melville (Herausgeber): Das Sichtbare und das Unsichtbare der Macht. Institutionelle Prozesse in Antike, Mittelalter und Neuzeit, Köln 2005, Seite 283-305. Ferner Christoph Heyl: A passion for privacy. Untersuchungen zur Genese der bürgerlichen Privatsphäre in London 1660-1800, München 2004, Seite 149
  • [287] = Der dann im Stau (der Kollision des Wunsches nach Privatheit im Öffentlichen mit dem zur Verfügung stehenden Platz) kulminiert, der »unbewegten Beweglichkeit« , einer Umkehrung des Prinzips der »bewegten Unbeweglichkeit« der Portechaise
  • [288] = Christoph Maria Merki: Verkehrsgeschichte und Mobilität, Stuttgart 2008, Seite 89
  • [289] = Herrn Ludvig Holbergs Dänische Reichs-Historie ins Deutsche übersetzt, Band 3, Flensburg / Altona 1744, Seite 628-630
  • [290] = Es handelte sich dabei um Marie Catherine LeJumel de Barneville d´ Aulnoy
  • [291] = Reise der Gräfin v.Aunoy nach Spanien, in: Deutsches Museum, Band I., Leipzig 1786, Seite 336-337
  • [292] = Mathis Leibetseder: Die Kavalierstour. Adlige Erziehungsreisen im 17. u. 18.Jahrhundert, Köln 2004, Seite 75
  • [293] = Mathis Leibetseder: Die Kavalierstour. Adlige Erziehungsreisen, Köln 2004, Seite 76
  • [294] = Rudolph Ludwig Hoppe: Geschichte der Stadt Hannover, Hannover 1845, Seite 267
  • [295] = Nomen Nescio (G.) Wustmann: Drei Leipziger Neudrucke, Leipzig 1902, Seite 27 (aus: Benjamin Heidecke: Tableau von Leipzig im Jahr 1783)
  • [296] = Rudolf Nehlsen: Hamburgische Geschichte nach Quellen und Urkunden, Band II., Hamburg 1897, Seite 386
  • [297] = Hierzu vertiefend Claus Heinrich Bill: Die soziale Dimension der Ökonomie des Raumes. Aspekte zur Bedeutung des Raum-Macht-Komplexes, in: Nobilitas. Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang XII., Folge 58, Sonderburg 2009, Seite 196-208 sowie Folge 59, Sonderburg 2009, Seite 211-217
  • [298] = Ludwig Bechstein (Herausgeber): Album der Haupt- und Residenzstädte Europas. Wien (Erste Section, III.Lieferung), Schweinfurt 1843, Seite 49
  • [299] = Hermann Grossmann: Die kommunale Bedeutung des Strassenbehnwesens, beleuchtet am Werdegange der Dresdner Straßenbahnen, Dresden 1903, Seite 4
Verfasser dieses Aufsatzes ist Claus Heinrich Bill.

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