Institut Deutsche Adelsforschung
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Sachsenadel vom X. bis XVIII. Jahrhundert

Rezensionen zu Neuerscheinungen der sächsischen Nobilitätshistorie

Diese Weltnetzseite enthält mehrere im Institut Deutsche Adelsforschung entstandene Besprechungen von Büchern, die in den Jahren zwischen 2007 bis 2010 erschienen sind. Der Erstabdruck dieser Rezensionen erfolgte in der institutseigenen Zeitschrift Nobilitas für deutsche Adelsforschung im Jahrgang XIII. (2010) und im Jahrgang XIV. (2011).

1. Besprechung
 
Ute Essegern: Fürstinnen am kursächsischen Hof. Lebenskonzept und Lebensläufe zwischen Familie, Hof und Politik in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2007, gebunden, 524 Seiten, erhältlich zum Preis von 72 Euro.

Erst Ende Mai 2010 fand eine wissenschaftliche Konferenz unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann in Wolfenbüttel statt, die von der »Hochschule für Musik und Theater« in Hannover ausgerichtet worden ist. Im Mittelpunkt dieser Konferenz stand das Wirken von hochadeligen Frauen, namentlich Fürstinnen, und ihr kultureller Einfluß auf die Musik. Und schon zuvor war die Frage nach der Wirkung von Fürstinnen an frühneuzeitlichen Häfen kein unbekanntes Thema, das bereits früher, unter anderem durch die »Residenzenkommission«, bearbeitet worden ist. [1] Es ist also nicht verwunderlich, daß die lange Zeit durch eine patriarchalische Geschichtsschreibung verursachte einseitige Bild einer Fürstin, die in aller Regel nur als »des Fürsten Zier« gesehen wurde, überholt erscheint angesichts neuer Fragestellungen, die vor allem durch die Kulturwissenschaft und die Genderforschung aufgekommen sind.

In diesem Sinne betätigte sich auch Ute Essegern, die ihre bereits 2007 erschienene Dissertation im Leipziger Universitätsverlag veröffentlichte, in der sie sich drei exemplarischen Fürstinnen am kursächsischen Hofe widmete. Dabei handelt es sich um Hedwig von Dänemark (1581-1641), Sibylla Elisabeth von Württemberg (1584-1606) sowie Magdalena Sibylla von Preußen (1586-1659). Essegern fragt sich in ihrer umfangreichen und voluminösen Fleißarbeit unter Benutzung zahlreicher in- und ausländischer Archivalien und Privatbriefe vor allem, welchen Gestaltungsraum diesen drei Ehefrauen der beiden sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. (1585-1656) sowie dessen Bruder Christian II. (1583-1611) zugewiesen wurde und welchen sie sich nahmen.

Zunächst muß dabei festgehalten werden, daß, oberflächlich besehen, die Stellung der Fürstinnen eine den Ehegatten untergeordnete Rolle spielte, da der adelige Mann einesteils als Haushaltungsvorstand galt und es üblich war, Frauen als Trophäen der eigenen Machtfülle zu installieren, die sich anderenteils zusätzlich auch noch als dynastische Verbindungsnetzwerkglieder nutzen ließen. Politik war »Männersache«, die Haushaltung »Frauensache« und auf diese Weise erfolgte auch Erziehung und Sozialisation der jungen Prinzessinnen, die, obwohl sie aus sehr unterschiedlichen europäischen Häusern stammten, doch relativ gleich war: Ausgerichtet auf die »Zierde des Fürsten«, war ihre Aufgabe vor allem die Ausübung stellvertretender Muße für ihren Ehegatten. [2] Diese Merkmale waren indes sozial konstruiert und nicht biologisch determiniert, da adelige Männer "ein starkes Interesse an Heldentaten und Abenteuern, an Beschäftigungen im Freien mit Einsatz körperlicher Leistungsfähigkeit, ... überhaupt an physikalischen Erscheinungen und Erfindungen, gewöhnlich auch an Geschäften und Betrieben" beigebracht wurde, während Frauen eher dahingehend erzogen wurden, Interesse an häuslichen Angelegenheiten, ästhetischen Gegenständen und sozialen Betätigungen zu haben. [3]

Hier machten auch die drei Kurfürstinnen keine Ausnahme. Aber: Daß sich die Lebensläufe und Einflußmöglichkeiten der drei Kurfürstinnen voneinander unterschieden und durchaus Spielraum für persönliche Entscheidungen und individuelle Lebenswege in Grenzen ermöglichten, zeigt ein Vergleich der Viten deutlich. Trotzdem muß das Verhältnis zwischen eigenen Vorstellungen und den Erwartungen des Standes kritisch besehen werden. Hedwig von Dänemark kam als 20jährige aus Nyköbing an den Hof nach Dresden, wohin sie durch Verwandte verheiratet worden war. Sie wurde daher als Handelsware um Macht und Prestige benutzt, da sich die Arrangeure damit dynastische Verbindungen erhofften, die den Ober- und Niedersächsischen Reichskreis miteinander verbinden sollten. Hedwigs Leben war daher zunächst sehr angepaßt an die Anforderungen, die an eine Fürstin gestellt wurden: Praktischer Arbeit durfte sie nicht nachgehen, ihr blieben somit nur soziale und mäzenatische Tätigkeiten übrig, beispielsweise die Anlegung einer Gemäldesammlung.

Erst mit dem frühen Tode ihres alkoholkranken Gatten, der infolge übermäßigen Spirituosenkonsums starb (Essegern Seite 97 und 105), erhielt sie erst als Witwe weitreichendere Befugnisse zur erweiterten Selbstbestimmung ihres Lebens, da sie nun auch über ihre Wittumsämter verfügte, die sie wirtschaftlich autarker machten und die sie mehr oder minder selbst zu leiten hatte, abgesehen davon, daß aus Gründen der Renommage dafür etliche Domestiken eingestellt worden sind, um für diese wiederum stellvertretenden Konsum zu demonstrieren. Essegern bescheinigte Hedwig zwar auch politischen Einfluß; dieser aber machte sich doch nur lediglich in Bezug auf den Erhalt der Wittumsämter und der Sicherung ihrer Einkünfte geltend, war also egozentrisch veranlagt und diente nur im Sinne des neidvollen Vergleichs und räuberischen Wettbewerbs ihr selbst, nicht aber der Allgemeinheit. Trotzdem war nicht zu verkennen, daß Hedwig zahlreich Kultur- und Wissenstransfer betrieb und einen Austausch von Fachleuten, unter anderem Handwerker, zwischen Dänemark und Sachsen beförderte.

In Hedwigs Lebenshandeln werden daher zwei Pole deutlich; es waren dieselben, die sie auch in ihre Handbibel vermerkte: "Hoheit vnd Ehr hab ich von Goth, von Gothes gnad. Hedwig geborne auss Königlichem Stamm Dänemark, Churfürstin zu sachssen, 1631". [4] Das, was sie war, hatte sie dem Zufall ihrer ständischen Geburt zu verdanken, aber auch der geschickten lancierten Ehepolitik ihrer Eltern und Verwandten. Zugleich aber war sie stolz auf ihre Herkunft und ihre Stellung, die sie in dieser Form, als durchaus fromme Frau, zusammen mit der Verpflichtung Gott gegenüber, mit dem entsprechendem Bewußtsein ausfüllte. Die mit ihrem Rang verbundenen Rechte nahm sie dahingegen ganz den Erwartungen gemäß wahr, die das frühneuzeitliche Konzept der »Honêtte Femme« an sie stellte. [5]

Von Sybilla Elisabeth von Württemberg ist dahingegen vergleichsweise nur wenig bekannt und nur einzelne Quellen können noch ihr Leben beleuchten; es fehlten vor allem Egodokumente, die für die beiden anderen Fürstinnen von Essegern ausgewertet werden konnten. Dennoch kann gesagt werden, daß es sich, anders als bei Hedwig von Dänemark, um eine soziale Aufsteigerin handelte, die aus Süddeutschland und lediglich aus einem gräflichen Hause stammte, sich dennoch mit 20 Jahren den Pflichten der demonstrativen Verschwendung und des sozialfürsorglichen Lebens einfügte, auch wenn sie nicht zur Kurfürstin, sondern nur zur Herzogin von Sachsen aufstieg, bevor sie früh und kinderlos (dies wurde als Makel und Verstoß wider die Dynastie interpretiert) durch ein Fieber verblich.

Länger dahingegen währte wiederum das Leben Magdalena Sibyllas von Preußen, von der auch persönliche Dokumente erhalten blieben. Sie war die angepaßteste Fürstin in der Reihe der hier untersuchten drei Frauen, die in ihrer Rolle als Monarchin »perfekt funktionierte«,, die aber privatim gelegentlich renegatisch reagierte (Essegern Seite 410). Als Fürstin war sie aber auch Förderin und Befürworterin von als »ehrenhaft« verstandener Gewalt und Krieg (welches eine typische Beschäftigung der müßiggängerischen Klasse in der Ständegesellschaft war),[6] wenn diese Maßnahmen nur dem Luthertum dienten, welches sie dogmatisch vertrat. Ebenso sah sie auf Rang und Stand, verlangte von den Untertanen bedingungslosen Gehorsam und ebensolche Gefolgschaft, wachte eifersüchtig über das Streben ihrer Untertanen nach Renommage, die nicht verschwenderischer leben durften als sie selbst.

Essegern hat diesen Frauen in fünf großen Anschnitten nachgespürt. Nach drei ausführlichen Vitenverläufen stellt das Kapitel »Lebenskonzepte und Lebensläufe kursächsischer Fürstinnen 1601-1659« den Hauptpunkt ihrer Arbeit dar, in der sie auf die Ambivalenz des Lebens als Fürstin hinweist, auf Verpflichtungen, aber auch persönliche Handlungsspielräume, ökonomisches, religiöses und soziales Engagement, ganz im Sinne der Herstellung »demonstrativer Muße«. Entstanden ist auf diese Weise ein differenziertes Bild mitteldeutschen Monarchinnenlebens, welches sich von den reinen Propagandaschriften wie den zeitgenössischen Leichenpredigten wohltuend abhebt, auch wenn Essegern keine dezidierte Forschungstheorie und methoden- oder modellgesteuerte Fragestellung verwendet hat. Die Arbeit kann daher weniger im soziokulturellen oder psychohistorischen als mehr im soziobiographischen und personalhistorischen Bereich angesiedelt werden, wegen der detaillierten Ausführungen zur Eheanbahnung und den Eheverträgen aber auch im rechtlichen Bereich.

Der Anhang umfaßt nahezu 100 Seiten; dort sind Karten, genealogische Aszendenz- und Deszendenztafeln abgebildet, Portraits und Gleichdruckschriftzüge der drei Fürstinnen, dazu vollständig transkribierte Abschriften der Testamente derselben, ein Quellen- und Literaturverzeichnis ist selbstverständlich ebenfalls angefügt, als Plus ein gut ausgearbeitetes Personenverzeichnis, das bei den Fürsten leider nicht nach Hausnamen, sondern nach Vornamen sortiert ist, also zwei verschiedene Erfassungskriterien kennt, was die Ermittlung aller Angehörigen einer Familie bedauerlicherweise unnötig erschwert. Doch Essegerns Dissertation, mit der die heute 40jährige Diplomarchivarin und Leiterin des »Archivs Sächsische Zeitung und Morgenpost Sachsen« bereits 2004 in Chemnitz promoviert wurde, darf trotz der bewußten Ausklammerung kulturwissenschaftlicher Fragestellungen eine entsprechend hohe Beachtung in der Adelsforschung beanspruchen, kann sie doch zukünftig herangezogen werden, um auch andere erkenntnisleitende Interessen anhand des aufgeworfenen Materials zu deutschen Fürstinnen der Frühen Neuzeit zu beantworten.

2.Besprechung
 
Martina Schattkowsky: Zwischen Rittergut, Residenz und Reich. Die Lebenswelt des kursächsischen Landadligen Christoph v.Loss auf Schleinitz (1574-1620). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2007, gebunden, 528 Seiten, erhältlich zum Preis von 54 Euro.

Das vorliegend zu besprechende Werk ist dem Ende der DDR im Jahre 1989/90 zu verdanken, die es ermöglichte, die bisher verfemte Geschichte des mitteldeutschen Adels aus ihrem Vakuum zu befreien, welches sie nahezu 40 Jahre gekennzeichnet hatte: Für westdeutsche Adelsforscher war das Archivmaterial nur schwer zugänglich, mitteldeutsche Historiker befaßten sich mehr mit der Geschichte der Arbeiterbewegung oder dem Feudalismus der Zeit bis 1789 [7] und eine Problematik der stiefmütterlichen DDR-Behandlung des Archivmaterials ist die auch noch heute gelegentlich anzutreffende Mangel an Findmitteln, da Adelsakten als archivunwürdig oder zumindest minderwertig galten. Martina Schattkowsky begab sich daher ab etwa 1992, dem Beginn des Forschungsprojektes Ostelbische Gutsherrschaft als sozialhistorisches Phänomen", auf ein unbeackertes Neuland, in dem sie mit dieser Arbeit 2000 an der Universität Potsdam habilitiert wurde. Für sie selbst, sozialisiert als Diplom-Historikerin in der DDR und Jahrgang 1953, war dieses Thema allerdings kein absolutes Neuland, da sie sich bereits in ihrer Dissertation von 1983 mit Grundbesitzfragen beschäftigt hatte. Den Duktus marxistisch-leninistischer Geschichtsauffassung hat sie jedoch überwunden und hier nach neuen Methoden gearbeitet, auch wenn dem bäuerlichen Widerstand gegen Gutsherrenentscheidungen in Form von Dragonaden ein relativ breiter Raum eingeräumt wird, was noch Anklänge an ihre Zeit als DDR-Historikerin erkennen läßt.

Mitnichten aber ist die Arbeit, wie der Titel etwas irreführend vermuten läßt, die bloße Biographie eines sächsischen Landadeligen oder die Edition seines Tagebuchs oder seiner frühneuzeitlichen Memoiren. Vielmehr erschließt Schattkowsky anhand des roten Fadens des Lebenslaufes ein agrar- und sozialhistorisches Kaleidoskop rund um das Rittergut und das Renaissance-Herrenhaus Schleinitz in der Gemeinde Leuben-Schleinitz im Landkreis Meißen des Bundeslandes Sachsen, das aus einer Wasserburg des Mittelalters hervorgegangen war.[8] Sie bedient sich hierbei des strategischen Forschungsansatzes der Mikrohistorie, die als induktive Methode durch die Darstellung und Untersuchung des Einzelfalles oder zumindest eines stark eingegrenzten Untersuchungsgebietes größere Zusammenhänge erschließen will. Teils freilich geht es auch in durchaus lesenswerten Exkursen mehr um eine Darstellung des allgemeinen Forschungsstandes bestimmter »Merkmale des Adeligseins« als die Spezifikation des Protagonisten, etwa, wenn sich Schattkowsky mit der Religion befaßt [9] oder auf das kulturgeschichtliche Feld wagt und dort Ausführungen über die Peregrination als Institution adeliger Pädagogik (Seiten 121-127) macht.

Die Bildungsreise des Christoph v.Loß war das Beispiel einer frühen Peregrination, wie sie erst neuerdings in den Blickfeld der Forschung geraten ist. Die Frühepoche reichte von etwa 1550 bis 1618, dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Über die Reise ihres Protagonisten weiß Schattkowsky allerdings wenig zu berichten, da ihre Quellenlage hierzu dürftig war: Demnach war Loß nach seinem Studium der Jurisprudenz in Leipzig und Jena 1594 zusammen mit seinen Brüdern Joachim und Nikolaus nach Italien gereist (Seite 124), um sich dort ständisch zu bilden und Jura zu studieren (Seite 468). Über die Dauer und den Zeitpunkt der Rückkehr, die Intention und die Reiseroute lagen Schattkowsky bedauerlicherweise Quellen nicht vor. Indes muß das Ende spätestens ins Jahr 1597 gefallen sein, weil Loß dann in Kursachsen zum Hof- und Justizrat berufen wurde (Seite 152 und 469).

Welche hohe Bedeutung dieser Art von Reisen zukommt, wird deutlich, wenn man bedenkt, in welcher biographischen und lebenszyklischen Situation sich der junge noch in seiner Entwicklung stehende Loß befand, der auf dieser Reise als Adoleszent seinen letzten ehrinstinktiven Feinschliff erhielt, um anschließend als ausgebildeter Edelmann im Sinne des Konzeptes eines »Honêtte Homme« agieren zu können. Denn Loß befand sich zu dieser Zeit seines Lebens im dritten Sozialisationssektor des berufsbezogenen Qualifikationstrainings, bevor er ins Berufsleben eintrat. [10] Somit war die Reise für ihn in der Übergangsphase des sozial geprägten zum sozial prägenden Gesellschaftsmitglied ein wichtiger Abschnitt und ein Abschluß seiner auslaufenden Jugendzeit. Schattkowsky stellt nun fest, daß die drei erwähnten Brüder Loß nicht dieselben Motivationen besaßen, sondern in Italien durchaus unterschiedliche Stationen angelaufen haben könnten, um den Auslandsaufenthalt interessenspezifisch zu gestalten. Dies war durchaus üblich, wie vergleichbare Reiseverläufe, die besser dokumentiert sind, bezeugen.

Als Beispiel möge hier der 23-jährige mecklenburgische Edelmann Carl Mathias v.Vieregge (1607-1637) dienen, der nach einem Studium der Jurisprudenz auf der Landesuniversität zu Rostock zusammen mit seinem Bruder 1630 zu seiner vierjährigen Grand Tour durch Europa aufbrach. Die beiden Edelleute begaben sich dafür zuerst mit ihrem gelehrten Hofmeister Clement nach Leiden in die Niederlande, besichtigten dort die "denckwürdigsten Sachen" im Haag. Zugleich immatrikulierten sie sich in Leiden und setzten ibidem ihre in Rostock begonnenen Studien fort. Nach zwei Jahren im Ausland wollten sie noch andere Hochschulen und Länder aufsuchen und reisten nun durch Holland, dann auf dem Seewege nach England, blieben einige Wochen am englischen Königshof in London und begaben sich anschließend nach Calais in Frankreich.

Von dort aus führte sie ihr Weg in die spanische Niederlande. Brabant und Flandern durchreisten sie und begaben sich dann für längere Zeit nach Brüssel. Hier machten sie der Infantin ihre Aufwartung für etliche Wochen, nahmen dann die Straße über Artois und den Hennegau nach Paris. Wieder verblieben sie hier geraume Zeit, studierten und nahmen Unterricht in den adeligen Übungen (dazu zählte Reiten, Fechten, Tanzen und die typischen übrigen sogenannten räuberischen Beschäftigungen der müßigen Klasse). [11]

Um die italienische und spanische Sprache zu lernen, fuhren sie von Marsilien nach Italien über das Mittelmeer nach Genua. Die Lombardei, Venedig und Padua waren die nächsten Stationen ihrer Kavalierstour. Am Fluß Po besahen sie die vornehmsten Städte und Festungen, blieben auch eine Weile auf der Universität Padua. Da Hofmeister Clement in Padua von einer Leibesschwachheit heimgesucht wurde, reisten die beiden Brüder allein nach Rom, lernten hier in einigen Monaten leidlich italienisch zu sprechen. Neapel, Sizilien und Syrakus frequentierten sie ebenso. Im letztgenannten Ort nahmen sie eine der zahlreichen Malteser-Ritter-Galeeren, um nach Malta zu segeln. Motivation war, einmal den Ort zu sehen, an dem der Apostel Paulus Schiffbruch erlitten hatte, zum anderen die Wohnstätte und Repräsentanz des Johanniter-Ordens zu sehen. Anläßlich ihrer Überfahrt wurden einige türkische Schiffe gekapert und erobert.

Sizilien, Reggio und Kalabrien sahen sie anschließend, dann besuchten sie die Universitäten in Siena und Florenz und gingen von Frankreich nach Spanien an den Hof zu Madrid. Nach einigen Wochen verfügten sie sich wieder nach Mecklenburg zu ihren Eltern. Nach dieser vierjährigen Peregrination konnten sie französisch, italienisch und spanisch gut sprechen, auf griechisch und englisch leidlich Konversation pflegen. Die Rechte waren ihnen ebenso bekannt wie die Wissenschaft der öffentlichen Sachen und der Geschichte. Nach seiner Rückkehr nach Mecklenburg wurde er dort zum Herzoglichen Rat ernannt und trat damit ins Erwachsenenleben ein. [12]

Ähnlich dürfte auch die Reise des Christoph v.Loß ausgesehen haben, bei der es mehrere Parallelen zu Vieregge gab. Auch Loß hatte auf der kursächsischen Landesuniversitäten Leipzig zuerst die Rechte studiert und war dann mit seinen Brüdern zur Grand Tour aufgebrochen, die drei Jahre dauerte und ihn durch Europa geführt hatte. Seine Reise fiel dabei in eine Zeit der Wandlung der adeligen Kavalierstur, die außer den bisher schon geübten adeligen Exerzitien auch Bildungsinhalte aufnahm, die sich mit Landesverwaltung, Staatskunst, Kriegswesen, Festungsbau, Diplomatie und Bildende Künste sowie schöne Literatur befaßten. [13] Man darf vermuten, daß diese Wandlung auch Loß ergriff und entsprechende Inhalte und ähnliche Reiseorte wie bei Vieregge angestrebt wurden.

Klafft also bei Schattkowsky für die Jahre 1594 bis 1597 eine Lücke in ihrer Forschung, so können wir hier einige Aspekte aus dieser Zeit aus anderen Quellen ergänzen, die zunächst die Divergenz der Motive unter den Loßbrüdern bei der Bildungsreise unterstreichen. Denn es war ausschließlich Christoph v.Loß, der sich am 10.Februar 1596 im pommerschen Stettin in das Stammbuch des Grafen Hans Jacob II. von Eberstein eintrug, nicht aber seine beiden Brüder. [14] Später ging die Reise nach Italien, wo in Florenz Christophs Bruder Joachim nachweisbar ist (Schattkowsky Seite 124), nicht aber Christoph v.Loß selbst. Dann aber es wieder Christoph v.Loß, nicht aber sein Bruder Nikolaus, der sich am 19.November 1596 bei der »Deutschen Nation« zu Siena in der Toskana immatrikulieren ließ. [15] Diese »Nation« war eine mit Waffentragerecht, Gerichtsbarkeit und Zollfreiheit privilegierte Gruppierung der Landsleute aus dem Heiligen Römischen Reich, die in der an der Universität studierten, der man sich freiwillig anschließen konnte.

Aus der Immatrikulationsumgebung des Christoph v.Loß läßt sich ersehen, daß die Studenten, die in den letzten Jahren des XVI.Centenariums Mitglied wurden, dies zu unterschiedlichsten Zeiten taten, so daß es nur selten mehrere Immatrikulationen an einem Tage gab. Vielmehr traten die Studenten nach und nach und einzeln der Nation bei. Christoph v.Loß war einer jener Studenten, die allein beitraten und ohne erkennbare Verbindung zu seinen im Monat 1596 ebenfalls beitretenden Kommilitonen stand; es muß sich also um ein eigenständige Entscheidung gehandelt haben, die vermutlich nicht unter einer unmittelbaren Gruppenkonvention stand.

Allerdings war Loß mit dem Beitritt zur Nation einer traditionellen Gewohnheit gefolgt, da vor ihm schon andere Adelige aus Kursachsen sich dort immatrikuliert hatten oder sogar noch Mitglied der Nation waren, als er beitrat. So waren beispielsweise Rudolf v.Bünau am 14.Mai 1590, Bernhard v.Pöllnitz am 14.März 1595, Sebastian Friedrich v.Kötteritz am 5.April 1596, Johannes v.Einsiedel am 18.August 1596, Andreas Theodor v.Schleinitz am 7.Oktober 1596 und Rudolf v.Bünau-Püchau im Juni 1598 immatrikuliert worden. [16] Schließlich folgte auch Joachim v.Loß dem Beispiel des Bruders und immatrikulierte sich, wenn auch wesentlich später, am 19.Mai 1598 bei der Nation. [17]

Siena war dabei ein für einen reisenden Adeligen von einigem Prestigewert auf seinen Reisestationen, da die selbstbewußte mittelitalienische Stadt Teil des Großherzogtums Toskana war und die Universität, die 1240 bereits gegründet wurde, einen guten Ruf besaß.18 Zu ihr strömten vor allem in den Jahren ab 1573 in einer Modewelle deutsche Studenten; sie traten der Nation freiwillig bei, um den Privilegien teilhaftig zu werden, auch wenn sie nicht an der Universität studierten und sich nur auf der Durchreise befanden.

Da der Beitritt zur Nation ein freiwilliger Beitritt war, der nicht an die Immatrikulation an der Universität gebunden war, [19] handelte es sich bei den Mitglieder derselben um meist vornehme Personen, die über den Beitritt eine Verbesserung ihrer Renommage im Ausland suchten, indem sie Vorrechte für sich in Anspruch nahmen, wie sie im allgemeinen, besonders beim Waffentragen und der eigenen Gerichtsbarbeit, nur Adeligen zustand. [20]

Christoph v.Loß hatte daher auch bereits in Siena die Anforderungen an die »Wohlanständigkeit« und das Konzept des »Honêtte Homme« beachtet und sich Distinktion zu verschaffen gewußt, gleichwohl mit einem offenbar hohen finanziellen Aufwand, da er im Rechnungsbuch der Nation als Schuldner aufgeführt wurde. [21] Loß hielt sich in Siena, ähnlich wie Vieregge ins einen Reiseorten, mehrere Monate auf, da er sich noch am 4.Dezember 1596 in das Stammbuch des aus Nürnberg stammenden Hieronymus Fretzer eintrug. [22]

Schon aus diesen wenigen Quellen zur wichtigsten letzten Sozialisationsphase des Jungadeligen Loß läßt sich ersehen, daß er bei seiner Grand Tour eine Mischung aus theoretischem und praktischem Wissen anstrebte: Siena war Universitätsstadt, Stettin besaß bedeutende Festungswerke und ein zur Zeiten des Besuches von Loß noch im Bau befindliches »modernes« Schloß der Greifenherzöge im Renaissancestil. Auf seiner Reise durch Europa ist es nicht ausgeschlossen, daß sich Loß auch an der Universität Siena oder einer der anderen italienischen oder europäischen Universität immatrikuliert hat, [23] was aber von Schattkowsky nicht weiter untersucht worden ist. Sicher ist: Loß erlangte Weltläufigkeit auf seinen Reisen und wurde zum potentiellen Träger von Kultur- und Wissenstransferprozessen in einer globalisierten europäischen Adelswelt.

Schattkowsky wendet sich anschließend nach ihren Ausführungen zur Grand Tour dem Buchbesitz des Christoph v.Loß zu. Dieser Buchbesitz läßt sich aber sicher nur für drei Bibelausgaben, ein Gebetsbuch und ein unbekanntes Buch nachweisen (Seite 136). Trotzdem referiert Schattkowsky über eine sogenannte »Loßsche Bibliothek«, indem sie aus einem gutsherrschaftlichen Schleinitzschen Bibliothekskatalog des Jahres 1916 die Zusammenstellung der vor 1620 erschienenen Werke analysiert, die mit Loß aber gar nichts zu tun haben müssen. Zwar bringt sie in diesem Kapitel über »Buchbesitz und Schriftlichkeit« den Vermerk, daß die Rekonstruktion einer Büchersammlung des Christoph von Loß aufgrund fehlender zeitgenössischer Inventarverzeichnisse unmöglich sei, macht aber Bemerkungen zu der Bibliothek des Landadeligen und seiner angeblichen Interessen, was aber mangels von zeitgenössischen Inventaren aus dem XVII.Centenarium gar nicht nachweisbar ist. Für die Biographie des Christoph v.Loß und seine persönlichen Buchvorlieben ist der Erkenntnisgewinn daher mehr als gering, für die Darstellung der allgemeinen europäischen Adelsgeschichte allerdings von Gewinn.

In diesem Fall liegt also ein sonst fast stringent durchgehaltener mikrogeschichtlicher Ansatz durchaus nicht vor, sondern eine deduktive Herangehensweise, da Schattkowsky von süddeutschen, österreichischen und französischen Adelsbibliotheken auf den Buchgebrauch des Christoph v.Loß schließt.

Mikrohistorie kann daher etwas Zwiespältiges an sich haben; und jene Zwiespältigkeit liegt zweifellos darin, daß dabei Generalisierungen zum einen vermieden und zum Anderen geradezu angeboten werden. Vermieden werden sie, weil der Blick auf das Detail jede Pauschalisierung untersagt, angeboten werden sie, weil die Anwender der Theorie sich anschließend nicht enthalten können, induktive Ableitungen zu konstatieren. Trotzdem ist dieser Ansatz in der etablierten, soll heißen bisherigen klassischen Geschichtswissenschaft, noch immer in Mode. Das führt zu Mißverständnissen, zumal, wenn der mikrohistorische Ansatz schon im Titel einer Untersuchung derart hervorgestrichen wird, wie dies beispielsweise extrem bei Eckart Conzes im Jahre 2000 erschienene Arbeit mit dem Titel »Von deutschem Adel« mit dem relativierenden Untertitel »Die Grafen v.Bernstorff im 20.Jahrhundert« der Fall war. [24]

Man gerät bei diesen Untersuchungen leicht in die Versuchung, das für allgemein zu halten, was einem im Einzelfall begegnet. Inwieweit der Landadelige Christoph v.Loß tatsächlich ein typischer Vertreter seines Standes war, läßt sich eben kaum sagen, wenn man nicht zugleich auch andere Landadelige untersucht; Schattkowsky versucht diesem Dilemma indes doch einigermaßen erfolgreich zu entfliehen, indem sie ihre Ergebnisse mit der bisherigen Forschung vergleicht und sie entsprechend einbettet. Ihr ist außerdem bewußt, welche Risiken in dieser Form der Untersuchung liegen (ibidem Seite 61 und 435-436). Freilich: Eine Biographie ohne übergeordnete Fragestellung wäre keine wissenschaftliche Arbeit, mit der man sich an deutschen Hochschulen habilitieren könnte und zugegebenermaßen ist die Verallgemeinerung einer historischen Aussage, die letztlich, bleibt sie nah an ihrem Untersuchungsgegenstand, immer mikrohistorisch und selektiv-subjektiv sein muß, bei individuell vorgebildeten und sozialisierten Wissenschaftlern forschungsinhärent. Die Frage lautet nur, ob und inwieweit man mit der Attitüde und dem Anspruch auftritt, damit eine Makrogeschichte schreiben zu wollen. Prinzipiell hat allerdings beides seine Berechtigung, denn beide Ansätze stellen subjektive »Wahrheiten« einzelner Forscher dar, die man auch als solche erkennen und anerkennen darf; nur als unwiderlegbaren Gesamtblick sollte man diese Akzentuierungen besser nicht werten.

Schattkowskys Habilitation nun beschäftigt sich mit wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Determinanten adeliger Herrschaft auf dem Lande, den Funktionen des Supplikationswesens sowie den ökonomischen Grundlagen der Herrschaft, dort allerdings nur den Einkünften, nicht aber den Ausgaben, die Aussagen über die Standesidentität zugelassen hätten. [25] Gleichwohl werden ebenso die Verhältnisse zwischen Landadel und Fürsten einerseits sowie zwischen Landadel und den Bauern andererseits erörtert, werden anhand von Dissenseröffnungen, Dissensverläufen und Dissenslösungen bei sich aus den Reibungspunkten um Dienst- und andere Lasten ergebende Konflikte dargestellt (eine traditionelle und in der alten DDR-Geschichtswissenschaft bis 1989 beliebte Materie, die sich wohl aus Schattkowskys Interesse und aus ihrer Sozialisation als »Feudalismusforscherin« ergab). Aus diesem rechtshistorischen und finanzpolitischen Ansatz her resultieren schließlich auch Überlegungen zu juristischen Rahmenbedingungen von Auseinandersetzungen zwischen Grundherr und Bauer, aber auch zum Amt des Reichspfennigmeisters, das der biographierte Christoph v.Loß innehatte.

Schattkowskys Studie zur Herrschaftspraxis des kursächsischen Landadels in der Frühen Neuzeit wirft einen breitgefächerten und ausführlichen Blick in die agrarische und soziale Funktion gesellschaftlicher Individuen in der mitteldeutschen Ständegesellschaft und wird durch Testaments- und Leichenpredigtabschriften ebenso ergänzt wie durch ein Quellenverzeichnis sowie ein kombiniertes Personen- sowie Ortsregister; 21 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, Grundrisse, Tabellen und Gleichdrucke runden den über 500 Druckseiten umfassenden und im Ganzen besehen empfehlenswerten Band ab.

3. Besprechung
 
Martina Schattkowsky / Manfred Wilde (Herausgeber): Sachsen und seine Sekundogenituren. Die Nebenlinien Weissenfels, Merseburg und Zeitz (1657-1746). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010, gebunden, 343 Seiten, erhältlich zum Preis von 62 Euro.

Wenn von dem »deutschen Flickenteppich« in territorialer Hinsicht für das »Heilige Römische Reich Deutscher Nation« die Rede ist, so sind drei indurable albertinische Duodezfürstentümer wie die hier besprochenen dafür ursächlich mitverantwortlich: Sachsen-Weißenfels (1657-1746), Sachsen-Zeitz (1657-1718) und Sachsen-Merseburg (1659-1738). Begründet wurden sie durch den letzten Willen des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen, datiert vom 20. Juli 1652. Darin bestimmte er für seine drei jüngeren Söhne Sekundogenituren zu ihrem Lebensunterhalt und als Installierung seiner Familie im politischen deutschen Raum in Form von abhängigen Satellitenstaaten. Nach dem Verbleichen des Kurfürsten im Jahre 1656 formierte sich dieser Wille juristisch durch den »Freundbrüderlichen Hauptvergleich« vom 22. April 1657 (abgedruckt als Abschrift im rezensierten Band auf den Seiten 303-323), der im Detail die Landesteilung festlegte, welche Rechte die Brüder über welche Territorien besitzen sollten. [26]

Daraufhin begründeten die Gebrüder August (1614-1680, künftighin Herzog von Sachsen-Weißenfels), Christian (1615-1691, künftighin Herzog von Sachsen-Merseburg) und Moritz (1619-1681, künftighin Herzog von Sachsen-Zeitz) ihre je eigenen Kleinfürstentümer, die alle drei aus verschiedenen territorial nicht zusammenhängenden Ämtern bestanden. Dieser Umstand führte dazu, die regierenden drei Heröge der Fürsten (nicht Herzog-!) tümer später als »Fürsten ohne Land« zu bezeichnen, auch wenn sie reine Titularfürsten nicht gewesen sind.

Die Forschung hat sich bislang in verschiedensten Aspekten mit der Rechtsgeschichte, der Kultur, Baukunst, Literatur, Theater oder Musik in diesen drei Kleinstresidenzen befaßt. Ein Ergebnis dieser Forschungen ist auch der hier vorzustellende Aufsatzsammelband mit elf Beiträgen einer Tagung zu den sächsischen Sekundogenituren, die mit über 100 Teilnehmern im Jahre 2007 im Schloß Delitzsch stattfand, aber erst jetzt im Jahre 2010 publiziert werden konnte. Er widerlegt die 1925 erstmals geäußerte Behauptung eines Historikers, daß die sächsischen Sekundogenituren lediglich ein gescheitertes verwaltungsgeschichtliches Element der Geschichte seien (Seite 11 und 207) und wirft den Blick auf andere nichtadministrativbeziehentliche  Aspekte der Fürstentümer: Eine Einführung gibt dabei zuerst einen Überblick über den Forschungsstand, bevor quantitative und qualitative Untersuchungen zu den Herzögen, den Fürstinnen, der Verbreitung von Wissenschaften und Künsten, den Untertanenverhältnissen, der Außen- und Ehepolitik folgen.

Bei der Betrachtung der Sekundogenituren böte sich freilich in künftigen Forschungen außerdem ein gemäßigter mikrohistorischer Blickwinkel an, für den hier noch einige Annotationen anhand einer der drei Sekundogenituren folgen sollen: Das Fürstentum Sachsen-Zeitz. Dieses Fürstentum war territorial das mittlerste und zeitlich besehen das am kürzesten bestehende Fürstentum der drei Sekundogenituren. Es kannte lediglich zwei Herzöge, den Stifter Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz (1619-1681) und dessen Sohn, den II. Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz (1664-1718).

Sie waren typische Barockfürsten, die dem Prinzip des Prestigeaufbaus um jeden Preis gehorchten, Ovids Erkenntnis »Dat census honores« (»Reichtum bringt Ansehen«) folgten und durch neidvollen Vergleich unter den Brüdern und Vettern ökonomisch sinnlose Ausgaben tätigten, wofür unter anderem der überdimensionale Schloßbau von Moritzburg in Zeitz stand. [27] Denn bereits im März 1657 erfolgte auf den Gebäudetrümmern der im Dreißigjährigen Krieges zerstörten Bischofsschlosses die Grundsteinlegung zu »Schloß Moritzburg an der Elster« (nicht zu verwechseln mit Schloß Moritzburg bei Dresden), benannt nach dem Bauherrn. 1663 bereits bezog der I. Herzog Moritz das noch unfertige Schloß, welches erst 1678 nach über dreißigjähriger Bauzeit als imposanter Frühbarockbau vollendet werden konnte. Die Kosten des Baues waren enorm und ruinierten die Staatsfinanzen, hinzu kamen laufende Kosten für einen "weitläufigen Hofstaat". [28] Sohn Moritz Wilhelm lebte ebenso verschwenderisch, konvertierte zwei Mal, [29] war cholerisch und höchst exzentrisch, befaßte sich mit der Alchemie und ließ, etwas naiv in seinem Glauben, (erfolglos) nach Schätzen graben, um seine überlastete Schatulle zu sanieren (Seite 217-218). Diese Sanierung gelang offensichtlich nur unvollkommen, denn obwohl das Fürstentum Sachsen-Zeitz 1718 erlosch, mußte die Schuldenregulierung noch bis ins XIX.Jahrhundert fortgeführt werden (Seite 70).

Dementsprechend lauteten die persönlichen Wahlsprüche der Herzöge, die ein starkes Selbstbewußtsein verrieten und einen ebensolchen Selbstdarstellungswillen beinhalteten. Sie stellten die einstige religiöse Fürstenverpflichtungsformel »von Gottes Gnaden« ins Gegenteil um und formten sie zu geradezu egomanischen Rechtsansprüchen: Moritz, der I. Herzog von Sachsen-Zeitz, lebte nach dem Motto »Pro Deo et Meo« (»Für Gott und das was mein ist«), dessen Schwiegertochter Maria Amalie (1670-1739) nach dem dünkelhaften Wahlspruch »Je ne feray rien contre ma naissance et ma gloire« (»Ich werde nichts thun gegen meinen Stand und meine Ehre«). [30] Aus dieser Verschwendungssucht für ökonomisch nutzlose Ausgaben resultierte schließlich auch die bedeutende Förderung von Kunst, Musik und Gelehrsamkeit, [31] so die Förderung des Gymnasiums in Schleusingen durch den II. Herzog Moritz Wilhelm, für den übrigens, wie auch für andere Angehörige dieses Fürstenhauses, eine wissenschaftliche Biographie immer noch aussteht. [32]

Trotz aller Erfolge in der bisherigen Forschung sind noch weite Felder des Untersuchungsobjektes der Sekundogenituren in Sachsen belichtungslos, so beispielsweise vergleichende Untersuchungen zu anderen in selbiger Zeit vorgekommenen Landesteilungen wie der aus dem Jahre 1662 in Sachsen-Marksuhl, Sachsen-Jena, Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach oder der von 1603 in Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Zerbst, gleichfalls Vergleiche zu den »Abgeteilten Herren« des Hauses Oldenburg in Schleswig-Holstein. Gleichwohl muß zugegeben werden, daß vergleichende Untersuchungen zu fürstlichen Landesteilungen vereinzelt bereits aufgegriffen worden sind, [33] auch wenn sich die meisten Forschungen dazu, so wie hier, jeweils nur auf ein Territorium beziehen. [34]

Auch die Erforschung der kulturellen Leistung dieser von der Kurkrone Sachsens stets abhängigen Kleinmonarchien steht noch weitgehend aus und ihre große Zeit ist erst jetzt en vogue: Nach den beiden antifeudalen Systemen des Dritten Reiches und der DDR ergab sich eine Neusicht erst ab dem Jahre 1990. Wie sehr diese Chance geradezu orgiastisch genutzt wurde, zeigt die ansteigende Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, deren Koagulierung im vorliegenden Bande erkennbar ist. Deswegen gilt: Der Sammelband ist in seiner Themenvielfalt sehr verdienstvoll, auch bringt er einen visuellen Überblick über Größe, Zusammengehörigkeit und Lage der zugehörigen Territorienpartikel der drei Fürstentümer als Karte, die erstmals in der Geschichte der Sekundogenituren in dem hier vorliegenden Bande abgedruckt wurden (Seite 23). Schmerzlich vermißt wird freilich vom Rezensenten eine Übersichtstafel zu den biographisch-genealogischen Aspekten der Fürstenhausangehörigen, die man sich aus anderen Quellen heraussuchen muß, [35] die man aber gerade für die dynastischen Überlegungen zum Konnubium gut gebraucht hätte.

Hervorzuheben ist inhaltlich die Schilderung einer ungewöhnlichen Skandalgeschichte um eine außereheliche Affäre im Herzogshaus Sachsen-Merseburg im Jahre 1720 (Seite 257-287), welche erneut die Zwiespältigkeit zwischen christizistisch-tugendhaftem Anspruch und der Realität adeliger sexueller Doppelmoral sowie die Verlogenheit von Leichenpredigten (Seite 286) nach dem Motto »Da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo« (»Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt«) und »De mortuis nil nisi bene« (»Über die Toten nichts Schlechtes«) offenbart. [36]
Zahlreiche Abbildungen und Gleichdrucke in Schwarz-Weiß und Farbe, Grafiken und Tabellen ergänzen den gediegenen Band ebenso wie ein zusammengefaßtes Orts- und Personenregister, welches die Orientierung in den Aufsätzen erleichtert. Insgesamt besehen räumt der vorliegende Sammelband mit dem Vorurteil auf, die drei Fürstentümer seien nur »Entremets« gewesen, was sicherlich auf sie zutrifft, wenn man sie rein von ihrer zeitlichen Existenz her besieht - aber dieser Blick ist, was der Band eindrucksvoll beweist, durchaus überholt.

4. Besprechung
 
Harald Winkel: Herrschaft und Memoria. Die Wettiner und ihre Hausklöster im Mittelalter, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010, gebunden, 386 Seiten mit kombiniertem Orts- wie Personenregister, 8 Genealogietafeln und 2 Abbildungen, erhältlich zum Preis von 59,00 Euro.

In der Periode der Bildung von Territorialstaaten in Deutschland, die stets an Herrscherdynastien gebunden waren und also biologisch-genealogisch gefestigt werden mußten, spielten Hausklöster im Mittelalter eine nicht unbedeutende Rolle, die sich nicht allein auf die Frömmigkeit der Stifter bezog, sondern noch viel weitreichendere Funktionen besaß. Freilich gilt: Der zunächst naheliegendste Grund für die Stiftung eines Klosters war vordergründig die Gläubigkeit der Dynastenangehörigen und ihr öffentliches Zeichen, sich dem christlichen Glauben mit allen ihren Ressourcen zur Verfügung zu stellen und dafür auch entsprechende materielle Mittel bereitzustellen.

Besieht man sich jedoch die Aufgaben und Pflichten der Hausklöster, so wird recht schnell deutlich, welchen Stellenwert derartige fromme Stiftungen besaßen: Gebetspflichten für die lebenden wie toten Mitglieder des Hauses, Bereitstellung der Grablegen für Familienangehörige und die Pflege der Memoria des Geschlechts, welches durch die mediävistischen Scriptorien der Klöster konstruiert, produziert und in gelehrten Kreisen verbreitet wurde.

Dadurch wird deutlich, daß die Hausklöster keine gewöhnlichen Ort innerer transzendental ausgerichteter Einkehr für Mönche und Nonnen waren, sondern vielmehr symbolisch a) für die überaus eng angelegte Verbindung der Dynastie zu Gott, b) die Herstellung von Hierarchien durch die Mittlerrolle der Dynastie zwischen Gott und den Menschen sowie c) für die Erlangung, Tradierung und Zuschreibung von Prestige stand. [37]

Nicht umsonst war die Verbindung zwischen müßiger Klasse, der die stiftenden Hochadelsfamilien angehörten, und der christizistischen Religion äußerst eng und beide miteinander verflochten. Beide waren räuberisch veranlagt, demonstrierten Reichtum und Wohlstand durch öffentliche Bauten, übten sich in zur Schau gestelltem Konsum von Gütern, befaßten sich mit der Verwaltung und Vermehrung vorhandenen oder kriegerisch eroberten Vermögens und besaßen die Überzeugung, daß gewöhnliche produktive Arbeit nicht in ihren Tätigkeitsbereich zu fallen habe. Kamen aber diese beiden müßigen Klassen in einer entstehenden ständischen Bevölkerungsgliederung zusammen, so entstanden unter anderem der fürstliche Priesterberuf und hochadelige Hausklöster. Durch diese Potenzierung der Verschmelzung der selbstgestellten Aufgaben dieser beiden Klassen ergab sich eine gekonnte und beeindruckende Einheit, die auf den beiden miteinander verwobenen Säulen der  Gottesfurcht und der Repräsentation beruhte. Hausklöster waren daher Sinnbilder für die Stellvertretung Gottes auf Erden durch die Dynastien, die sich als von Gott eingesetzt zu legitimieren suchten; Gott war dabei der größte Müßiggänger und Verschwender, ein Vorstand der müßigen Klasse schlechthin. Die Mode, derlei Hausklöster unter seinen Anhängern zu stiften, fiel daher auch in eine besonders gottesfürchtige Zeit, in der die "religio" und die sakrifizierte Profanwelt noch eine besondere Rolle spielte. Sie war weit verbreitet: So stifteten die Welfen das Kloster Weingarten, [38] die Wittelsbacher das Kloster Lützelburg, die Staufer das Hauskloster Lorch, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Die Welfen machten hier keine Ausnahme und festigten und erweiterten ihren Macht- und Einflußbereich unter anderem durch die Hausklöster Gerbstedt (gegründet vermutlich vor 985), Lauterberg (gegründet 1124) sowie Altzella (gegründet 1162). Bei der Errichtung dieser Klöster als Bauwerk wurden meistens die prestigeträchtigsten Möglichkeiten der Baukunst ausgeschöpft: Die Klöster waren als dauerhafte Behausung und kontinuierlicher Memorialort als massive Steinbauten in Großformat nach dem Prinzip der Raumvergeudung und -verschwendung ausgeführt, besaßen namentlich in den Sakralräumen hohe Decken als Symbol der Verbindung zu Gott in dessen angenommenen Wohnort "Himmel". Sie wurden zudem auf erhabenen geographischen Punkten der Landschaft installiert, entsprachen jedoch nicht immer dem Goldenen Schnitt. [39] So gehorchte der Turm des Klosters Lauterberg als weithin sichtbare Klosterkündung bei 74 Fuß Breite und 92 Fuß Höhe durchaus nicht der "proportio divina". [40] Auch beim Grundriß der Kirche wurde der Goldene Schnitt merkwürdigerweise nicht angewendet; dort herrschte ein Verhältnis der Länge und Breite von 2,764. [41] Hierbei muß jedoch bedacht werden, daß es viele Bauherren gegeben hat, die am Lauterberg wirkten, die teils die "göttliche Teilung" nicht bedacht haben könnten, die zudem durch geographische Grenzen des Berges, auf dem das Kloster erbaut wurde, wohl teils unausführbar blieb und deren Konglomerat an überlieferter Bausubstanz nicht dem ursprünglichen Zustand entsprochen haben muß. Doch kann trotz des Fehlens des Goldenen Schnittes in diesen hauptsächlichsten Formen, dessen Zweck die betrachterseitige Erzeugung der Gefühle von Erhabenheit und Schönheit im Verhältnis der Proportionen war, von einem eindeutigen Projekt zur Schaffung von zuschreibungsfähiger Renommage gesprochen werden.

Den drei Klöstern Gerbstedt, Lauterberg und Altzella widemt sich nun die hier anzuzeigende Bucherscheinung aus dem Jahre 2010, deren Erscheinungsdatum nicht umsonst ins XXI. Jahrhundert fiel: Zwanzig Jahre nach dem Ende der adelsfeindlichen DDR-Doktrin in den Geschichtswissenschaften hat die Adelsforschung nicht nur in den neuen Bundesländern der BRD wieder Hochkonjunktur. Auch wenn einschränkend angemerkt werden muß, daß die vorliegende Arbeit an der Universität Marburg bereits im Wintersemester 2005/06 als Dissertation angenommen wurde und der Verfasser aus dem Landkreis Gießen kommt und nicht aus Sachsen, war es doch notwendig vor Ort in Sachsen die nötigen Archive zu konsultieren und vielfach die Hilfe dort ansässiger Institutionen in Anspruch zu nehmen. Entsprechend der geographischen Ausrichtung erschien die Arbeit daher auch in Leipzig beim Universitätsverlag und nicht etwa in Marburg sowie unter der Ägide und Herausgeberschaft eines sehr aktiven sächsischen Forschungsinstituts für Volkskunde.

Den Untersuchungszeitraum des X. bis XV. Jahrhunderts behandelnd und aus größten Teils noch ungedruckten Urkunden schöpfend, hat es der Verfasser der 386 Seiten starken Untersuchung unternommen, sich Fragen der Sozial- und Mentalitätsgeschichte dieser drei wettinischen Hausklöster zu widmen. Für ihn war es interessant herauszufinden, welche Rolle die Gedächtniskultur eines mittelalterlich aufstrebenden Adelsgeschlechts einnahm und welche genealogischen und historiographischen Präsentationen daraus erwuchsen und damit einhergingen: Die sakrifizierte Zurschaustellung von Prestige war dabei ein wesentlicher Punkt, der vor allem nach standesbeziehentlichen Modifikationen wie Rangerhöhungen - hier im Falle Gerbstedts und Lauterbergs die Erlangung der Markgrafenwürde - nötig erschien. Diese Präsentation von Status und Rang schreckte indes in der schriftlichen Überlieferung als entscheidendes Sicherungsmoment von Macht und Einfluß auch vor Urkundenfälschungen sowie vor willkürlich durch machtpolitische Erbinteressen konstruierte Auslassungen, z.B. in der Genealogica Wettinensis nicht zurück, die im Augustiner-Chorherrenstift Lauterberg angefertigt worden war. Welche große Bedeutung derartige frühe mittelalterliche Genealogien hatten, kann man sich verdeutlichen, wenn man bedenkt, daß diese Genealogica Wettinensis Ausgangspunkt aller weiter erschienen Familienstammfolgen der Wettiner wurde. Insofern muß den Wettinern bei dem Aufwand zur Erstellung zugegeben werden, daß Ihre auf die Zukunft gerichtete Absicht, sich ein bestimmtes Bild zu geben, erfolgreich war: Noch über Jahrhunderte wurde die Genealogica Wettinens tradiert, auch wenn sie nicht in allen Bereichen der Realität entsprach.

Dennoch sollte man sich nicht zur Annahme verleiten lassen, daß die Hauskloster bloße Erfüllungsgehilfen der wettinischen Klosterpolitik gewesen wären; sie führten, weil sie der autarken Kirchenorganisation unterstellt waren, durchaus auch ein Eigenleben. An dem Kloster Gerbstedt läßt sich dies sehr gut erkennen: Gegründet von Markgraf Rikdag (985 nach Christus verblichen), wurde es der Familie nach und nach durch die Kirche entfremdet, wobei eine Memorialüberlieferung und -konstruktion nicht einsetzen konnte: Nicht umsonst ist Markgraf Rikdag, obwohl historisch belegt, nicht als erster Wettiner Markgraf im kollektiven Gedächtnis der Gegenwart des XXI. Jahrhunderts verblieben. Auch Kloster Lauterberg spielte nur temporär eine familiär für die Wettiner wichtige Rolle, die durch staufische Bedrängung der Territorialherrschaft bereits zu Beginn des XIII. Centenariums wieder abnahm. Es verblieb als wichtigstes Hauskloster Altzelle, dessen Konjunktur als Memorialstätte, Seelenpflegeamt und Grablege der Wettiner vom XII. bis XIV. Jahrhundert aktuell blieb. Der Frühgeschichte und den Konflikten um die Stellung des Klosters im Netzwerk von Wettinern, konkurrierenden politischen Mächten und dem Konvent selbst widmet sich der Hauptteil der Arbeit.

Insgesamt weist der Verfasser der Untersuchung auf die große Bedeutung der drei wettinischen Hausklöster als Stätte monastischen Selbstverständnisses und der Konstruktion von familiärer Identität hin, dechiffriert die Strategien, die durch Klostergründung, -betrieb und -ausrichtung, durch Sepulkralkultur und Politik angewendet wurden und beleuchtet die Rolle, die die Klöster im Gefüge dynastischer und sakrifizierter Einflußsphären spielten. Er macht deutlich, daß die Klöster nicht nur Stätte der frommen Seelenvorsorge und der mittelalterlichen Gedächtnispflege waren, sondern im Kontext ihrer Umgebung betrachtet weit mehr darstellten als bloße gottehrende Einrichtungen für Mönche und Nonnen: Sie waren ein Politikum und damit Spielball im Kampf um profanweltliche und politische Wirkkraft unter den Mächten der Zeit.

Zugehörige Annotationen

  • [1] = Siehe fernerhin auch Sabine Ulbricht: Fürstinnen in der Sächsischen Geschichte 1382-1622, Beucha 2010 / Peter Neu: Arenberger Frauen. Fürstinnen, Herzoginnen, Ratgeberinnen, Mütter. Frauenschicksale im Hause Arenberg in sieben Jahrhunderten, Koblenz 2006 / Bärbel Raschke: Madame Vous etiéz faite pour Gouvernér des Empires. Möglichkeiten und Grenzen politischer Aktivitäten verheirateter Fürstinnen am Beispiel Luise Dorotheas von Sachsen-Gotha, in: Handlungsspielräume von Frauen um 1800, Heidelberg 2005, Seite 311-330 / Jörg Rogge: Nur verkaufte Töchter? Überlegungen zu Aufgaben, Quellen, Methoden und Perspektiven einer Sozial- und Kulturgeschichte hochadeliger Frauen und Fürstinnen im deutschen Reich während des späten Mittelalters und am Beginn der Neuzeit, in: Principes. Dynastien und Höfe im späten Mittelalter. Interdisziplinäre Tagung des Lehrstuhls für allgemeine Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften in Greifswald in Verbindung mit der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vom 15.-18. Juni 2000, Stuttgart 2002, Seite 235-276
  • [2] = Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 40-41 und 68
  • [3] = Hans Hiebsch / M. Vorweg: Einführung in die marxistische Sozialpsychologie, (Ost-) Berlin 1971, Seite 87
  • [4] = Karl Falkenstein: Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Dresden 1839, Seite 671
  • [5] = Niedergelegt beispielsweise bei Joachim Magdeburgius: Die ware und in Gottes wort gegründte Lere (1. Vom rechten Adel der Fürstinnen, und aller erbarn Matronen, und tugetsamen Ehefrawen, 2. Von allen nötigsten stücken, den heiligen Ehestand belangend, 3. Von christlicher Haushaltung und Narung), Eisleben 1563
  • [6] = Zum ehrenhaften Charakter von Krieg und Gewalt siehe Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 36 und 236-237
  • [7] = Typisch dafür ist die 1990 eingestellte Schriftenreihe »Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus«, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Jahrgang I.-XIV., (Ost-) Berlin 1977-1990
  • [8] = Wir vermeiden hier die bei Schattkowsky durchgängig benutzte Bezeichnung »Schloß«, da es sich bei dem Rittergut nie um eine landesfürstliche Residenz gehandelt hat. Die Bezeichnung mag irgendwann aufgetaucht sein, um dem durchaus imposanten und noch heute erhaltenen Baukomplex ein höheres Prestige zu verleihen. Dies wird auch von dem im Herrensitz befindlichen Hotel beabsichtigt, das den Bau heute (2010) ebenfalls »Schloß« nennt; siehe hierzu die Weltnetzseite »http://www.schloss-schleinitz.de«)
  • [9] = Hier wäre (zu Seite 142-144 zu Schattkowskys eher allgemeinen Aussagen, die sich nicht auf den Protagonisten beziehen) noch zu ergänzen, daß Christoph v.Loß persönlich kirchenpolitisch tätig war und Einfluß auf die kursächsische Kirchenverfassung nahm (Georg Müller: Verfassung- und Verwaltungsgeschichte der sächsischen Landeskirche [Dritter Vortrag: Die kirchlichen Behörden ...], in: Franz Dibelius / Theodor Brieger [Herausgeber]: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte, Heft 9, Leipzig 1894, Seite 129)
  • [10] = Die Sektoren nach Karl Reinhold Mühlbauer: Sozialisation, München 1980, Seite 311
  • [11] = Siehe dazu Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 226
  • [12] = Claus Heinrich Bill: Mecklenburgischer Adel in der Frühen Neuzeit 1550 bis 1750. Lebenswelten zwischen Reformation und Landesgrundgesetzlichem Erbvergleich, Sonderburg 1999 (Schriftenreihe des Instituts Deutsche Adelsforschung, Band XV.), Seite 170-171
  • [13] = Walter Rüegg (Herausgeber): Geschichte der Universität in Europa, Band II., München 1996, Seite 314
  • [14] = Lotte Kurras: Die Handschriften des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Band V. (Die Stammbücher, Teil 1, Die bis 1750 begonnenen Stammbücher), Wiesbaden 1988, Seite 23
  • [15] = Fritz Weigle: Die Matrikel der Deutschen Nation in Siena 1573-1738, Band I., Tübingen 1962, Seite 135, Immatrikulationsnummer 2741 (Eintrag zu »Christopherus a Loss junior«)
  • [16] = Ibidem (Weigle), jedoch Seite 106, 128, 132 und 135, 141
  • [17] = Ibidem (Weigle), jedoch Seite 141
  • [18] = Ausführlicher dazu anhand eines zeitlich in dieselbe Epoche fallenden Beispiels siehe Karl Steinacker: Ostfälische Kulturbeziehungen zu Italien im 16.Jahrhundert. Barthold v.Gadenstedts Italienreise 1587-1589, Braunschweig 1941
  • [19] = Claudia Zonta: Schlesier an italienischen Universitäten der Frühen Neuzeit 1526-1740, Stuttgart 2000 (Diss. Univ. Stuttgart 1999), Seite 92
  • [20] = Ibidem (Zonta), jedoch Seite 10-11
  • [21] = Arnold Luschin v.Ebengreuth: Österreicher an italienischen Universitäten zur Zeit der Reception des römischen Rechts, in: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge, Band XVIII., Wien 1884, Seite 440-441
  • [22] = Lotte Kurras: Die Handschriften des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Band V. (Die Stammbücher, Teil 1, Die bis 1750 begonnenen Stammbücher), Wiesbaden 1988, Seite 38
  • [23] = Als Student in Bologna ist Loß jedenfalls nicht nachweisbar (Gustav Knod: Deutsche Studenten in Bologna 1289 bis 1562. Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae Universitatis Bononiensis, Berlin 1899, Seite 314 (unter dem Buchstaben der Nachnamen mit »Lo«). Nach anderer Quelle (Deutsches Historisches Institut in Rom [Herausgeber]: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, Band XXXIX., Berlin 1954) läßt er sich gleichfalls nicht in Pisa als Student ermitteln.
  • [24] = Ein weiteres, wenn auch weit älteres Beispiel ist die Dissertation von Winfried Sühlo: Georg Herbert Graf zu Münster. Erblandmarschall im Königreich Hannover. Ein biographischer Beitrag zur Frage der politischen Bedeutung des deutschen Uradels für die Entwicklung vom Feudalismus zum industriellen Nationalstaat, Hildesheim 1968
  • [25] = Schattkowsky widerspricht sich in diesem Bereich auf Seite 180 übrigens. Einerseits lehnt sie die ökonomische Theorie Thorstein Veblens (hierzu Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958) explizit ab und behauptet, sie sei aus heutiger Sicht »paradox«, andererseits schreibt sie ibidem, der Adel habe auch durch Prestigeausgaben durchaus eine eigene Rationalität verfolgt, die darauf beruhe, daß politischer Kredit (der mit Repräsentation und Renommage zu erreichen war), auch die Vergabe von monetären Krediten befördern konnte. Damit stimmt sie Veblens Modell »Konsum zur Prestigeerlangung« doch wieder zu. Insgesamt ist aber erkennbar, daß Schattkowsky bedauerlicherweise mit Veblens Modell nicht gearbeitet hat, wobei sie negativ von Schirmer beeinflußt wurde (Uwe Schirmer: Der Adel in Sachsen am Ende des Mittelalters  und zu Beginn der Frühen Neuzeit, in: Katrin Keller / Josef Matzerath [Herausgeber]: Geschichte des sächsischen Adels, Köln 1997, Seite 54)
  • [26] = Siehe hierzu weiterführend Maik Reichel: Das Testament Kurfürst Johann Georgs I. aus dem Jahre 1652 und der Weg zum Freundbrüderlichen Hauptvergleich 1657. Die Entstehung der Sekundogenituren Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz, in: Die sächsischen Wurzeln des Landes Sachsen-Anhalt und die Rolle der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz, Halle 1997, Seite 19-42
  • [27] = Hierzu siehe vertiefend Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seiten 48-50 (neidvoller Vergleich), Seiten 59-61 (müßige Beschäftigungsobjekte), Seite 108 (Wohlanständigkeit zwingt zum Statuskonsum), Seiten 116-117 (Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse erfordert spezifischen Aufwand), Seite 154 (Würdelosigkeit billiger Dinge)
  • [28] = Saxonia. Museum für sächsische Vaterlandskunde, Band II., Dresden 1836, Seite 40
  • [29] = Schon die Heirat von Herzog Moritz Wilhelm und Marie Amalia von Brandenburg war nicht unumstritten, da sie die Frage erhob, ob Fürsten lutherischen und solche reformierten Bekenntnisses überhaupt eine Ehe eingehen sollten oder nicht.
  • [30] = Max Löbe: Wahlsprüche, Devisen und Sinnsprüche deutscher Fürstengeschlechter des XVI. und XVII.Jahrhunderts, Leipzig 1883, Seite 223
  • [31] = Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln / Berlin 1958, Seite 375-380 (Geringschätzung praktischen Wissens und Bevorzungung der klassischen Bildung und toter Sprachen)
  • [32] = Ludwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung, Berlin 1864, Seite 290
  • [33] = Thomas Vöge: Die fürstlichen Landesteilungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Ein Vergleich, Kiel 1994 (Qualifikationsarbeit zur Erlangung des Grades eines M.A. an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
  • [34] = Weitere Beispiele sind Karina Zawodni: Die Leipziger Teilung von 1485. Zum Phänomen der Landesteilungen am Beispiel der Wettiner, Hamburg 2007 sowie Gudrun Pischke: Die Landesteilungen der Welfen im Mittelalter, Hildesheim 1987
  • [35] = Europäische Stammtafeln: Band I.1, Tafel 173 = Sachsen-Zeitz / Tafel 171 = Sachsen-Weißenfels / Tafel 172 = Sachsen-Merseburg
  • [36] = Siehe hierzu auch Claus Heinrich Bill: Adelige Sinnlichkeit und Christenmoral im Barock, in: Nobilitas. Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang VII., Folge 33, Sonderburg 2004, Seite 197-203
  • [37] = Hierzu Thorstein Bundle Veblen: Theorie der feinen Leute, Köln 1958, Seite 123-124 (prachtvolle und unbequeme Kirchenbauten), 256 (religiöse Kulte stellen demonstrative Verschwendung von Ressourcen dar) und 320-322 (religiöse Kulte als Merkmal der modernen müßigen Klasse)
  • [38] = Hierzu Odilo Engels: Weingarten, das Hauskloster der Welfen und die politische Bedeutung der Pilgerfahrt Heinrichs des Löwen nach Compostela, in: Klaus Herbers / Dieter R. Bauer (Herausgeber): Der Jakobuskult in Süddeutschland: Kultgeschichte in regionaler und europäischer Perspektive, Tübingen 1995, Seite 279-292
  • [39] = Hierzu siehe Franz Xaver Pfeifer: Der Goldene Schnitt und dessen Erscheinungsformen in Mathematik, Natur und Kunst, Augsburg 1885 sowie  Albert van der Schoot: Die Geschichte des Goldenen Schnitts. Aufstieg und Fall der göttlichen Proportion, Stuttgart-Bad Cannstatt 2005
  • [40] = Das Zahlenverhältnis ergibt lediglich "1,243" und nicht, wie beim Goldenen Schnitt, "1,618"

  • [41] = Die Berechnungen zum Goldenen Schnitt wurden angestellt aufgrund der Größenangaben in: Nomen Nescio Ritter: Die Klosterkirche auf dem Petersberg bei Halle und ihre Restauration in den Jahren 1853 bis 1857, in: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang VIII., Berlin 1858, Spalte 33 und beiliegende maßstabsgetreue Grundrißkarte des Klosters Lauterberg

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