Institut Deutsche Adelsforschung
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Schlüsselbegriffe zur Kultur- und Sozialgeographie

Besprechung einer Einführungsnovität aus Stuttgart

Der britische Architekt und Reisende Thomas Allom (1804-1872) reiste viel in seinem langen Leben und hinterließ etliche Reiseberichte, unter anderem auch über seine Erlebnisse in China. Er veröffentlichte sie 1843 in einer eigenen Publikation, die eine Mischung war aus dem Berichten über gegenständliche Sehenswürdigkeiten und aus seiner emotionalen und moralischen Prägung dieser Gegenständlichkeiten. Anders ausgedrückt könnte man sagen: Was Allom sah, schilderte er deskriptiv in Form der schlichten Beschreibung von äußeren Eigenschaften von ihm auf der Reise begegnenden Soziofakten und Artefakten, zugleich aber verband er damit unauflöslich eine mentefaktische Brille, [1] die seine interkulturellen Erfahrungen widerspiegelten, aber auch seine eigene kulturelle Verortung, sein mentales Sinn- und Ordnungsstiftungssystem abbildeten. Entsprechend dieser mutuellen Verknüpfung schrieb Allom in seinem Kapitel „Tsi-sing-yen oder das sieben Sternengebirge“ [2] über einen Besuch der Provinz Guangdong in Südostchina: 

„Die sieben Sternenhügel sind in der ganzen romantischen Landschaft der zwei und siebenzig Bergspitzen, die aus dem Westdistrict von Quang-tong hervortreten, nicht allein die auffallendsten, sondern geben auch das vollständigste Bild von der Beschaffenheit des Bodens dieser an Naturscenen reichen Provinz und seiner Cultur. Der ganze geologische Bau dieser Landschaft muß auch dem oberflächlichsten Beschauer Interesse einflößen; die außerordentlich romantischen Formen desselben gewähren der Phantasie die angenehmste Befriedigung, und keine andere Gegend in Quang-tong charakterisirt in diesem Maße die ländliche Thätigkeit der südlichen Bewohner von China. Wahrscheinlich lagen ehedem diese Niederungen, die man zwischen den steil emporsteigenden Felsenmassen entdeckt, unter der Wasserfläche, und der angeschwemmte Boden bestätigt diese Muthmaßung. Die abgerissenen Massen, die so steil inmitten der Landschaft emporragen, und derselben durch ihre Anzahl den Namen gaben, bestehen aus einer zweiten Lehmformation, und sind theils durch den Regen, theils durch die anbrandenden Meereswogen grotesk und höhlenartig gebildet worden. 

Weiter hinten erhebt sich der Wu-fong-schih oder Fünfspitzenberg, der eine Höhe von fünftausend Fuß erreicht, und dessen einziger Bestandtheil Granit ist. Jeder noch so steile Fleck dieser Hügelinseln ist der ackerbauenden Betriebsamkeit der Bewohner zinsbar, und die ganze, früher so unfruchtbare Oberfläche dieser Gegend ein wahrer Garten geworden. An einigen Stellen hat man den Urfelsen mit solcher Sorgfalt urbar gemacht, daß die Theepflanze weit üppiger auf demselben gedeiht, als auf fetterem Boden; an andern Stellen wurde der nackte Stein bis zu einer solchen Höhe mit Erde überdeckt, daß jede Fruchtgattung darauf gedeihen kann. Nichts liefert einen besser[e]n Beweis von dem Fleiß und der Culturfähigkeit der Chinesen, als die schönen Hütten, welche die steilen Wände und Spitzen des sieben Sternengebirges krönen, und die Maulbeerbaum und Theepflanzungen, die der ganzen Gegend Schatten verleihen. 

Der ärmere Theil der Bewohner und Diejenigen, welche weniger vom Schweiß ihres Antlitzes ernten mochten, waren gezwungen, zur Fristung ihres Daseyns aus diesem Eden in die höher liegenden Gebirge zu flüchten, wo das Beispiel ihrer fleißigeren Brüder sie ebenfalls zur Tätigkeit ermunterte, und ihnen zu einem gleich zufriedenen Loose verhalf. Die runden Bergspitzen, die so majestätisch aus der fruchtbaren Ebene von Tsi-sing-yen hervorragen, schließen zahlreiche kleinere Landschaften ein, die der Chinese wegen ihres erhabenen, reizenden Charakters feiert. Von dem Fünfspitzenberge stürzt sich ein Wasserfall so majestätisch herab, daß derselbe in der Entfernung von einer Viertelstunde sich wie ein großer Vorhang von Glas ausnimmt, während das Donnergetöse, mit dem er das Flußbett erreicht, mehrere Meilen weit gehört wird. Dieser malerische Katarakt hat seinen Ursprung in einer runden Felsenhöhlung, die von vier Bergkuppeln, deren höchste Spitzen dichtes Gebüsch krönt, gänzlich überhangen und umgeben ist.“ [3]

Was Allom hier in einer Melange aus Bewunderung (z.B. „außerordentlich romantischen Formen“, „reizenden Charakters“, „majestätisch“) und Beschreibung (z.B. „wurde der nackte Stein bis zu einer solchen Höhe mit Erde überdeckt“, „ein Wasserfall“, „bestehen aus einer zweiten Lehmformation“) schildert, ist ein spezielles Landschaftserleben, eine persönliche „Färbung“ der Landschaft, überhaupt aber auch eine performative Erschaffung eines bestimmten Landschaftsbildes und -erlebens, welches er, auch nach seinem Tode, erneut und sich stets bei jedem Lesevorgang erneuernd, vor Leser*Innen ausbreitet, und das sich nachempfinden läßt. Die von Allom noch selbst durch visuelle Konsumption besichtigte Natur (vielmehr wohl: Kulturlandschaft) wurde dabei allelopoietisch in eine Textform transformiert und wurde (und wird immer noch!) als Kulturlandschaft erneut im bildhaften Gedächtnis aller Rezipient*Innen späterer Zeiten reproduziert und projiziert. [4]

Was uns hier am Beispiel Alloms entgegen tritt, führt mitten hinein in ein typisches Anwendungsgebiet der Kultur- und Sozialgeographie, welche sich unter anderem mit dem subjektiven und konstruktiven Landschaftserleben als Teil kulturgeographischer Forschungsfelder befaßt.

Derlei kultur- wie sozialgeographische Studien verbinden die Komponente der Kultur als einem erwähnten sinn- und ordnungsstiftenden, begrenzt gültigen regionalen oder kulturkreisartigen System mit der Komponente des Raumes. [5] Daß dieses Konzept, dieser Synkretismus, auch für die historisch orientierten Kulturwissenschaften  fruchtbar gemacht werden kann, liegt auf der Hand und erscheint reizvoll. So gaben die drei Human- und Sozialgeograph*Innen Julia Lossau aus Bremen, Tim Freytag aus Freiburg und Roland Lippuner aus Bremen im Jahre 2014  ein Lehrbuch zu Schlüsselbegriffen der Kultur- und Sozialgeographie heraus, [6] welches in die Begrifflichkeiten einführt, die diesem interdisziplinären Arbeitsbereich zugrunde liegen.

Über Fälle wie Allom schreiben die drei Herausgebenden beispielsweise, wie sich Tourismus als spezielle Reiseform etabliert und entwickelt hat und welche voyeuristischen Anteile er besitzt, was nicht zuletzt auch im Wort „Sehens-Würdigkeiten“ zum Ausdruck kommt: „Die Geschichte des modernen Tourismus ist die Geschichte der Herstellung, Veränderung und Anwendung eines nicht-alltäglichen Blicks auf Szenen, Landschaften und Städte. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts  wurden Orte und Gebäude zu touristischen Sehenswürdigkeiten, indem sie nicht mehr benutzt, sondern betrachtet wurden. Im Englischen wurde aus dem site ein sight ... Die Dominanz des Visuellen führt zu einer visual consumption, die Tourismusdestinationen zu kommerziell verwertbaren Gütern macht ... [Derartiger] Konsum ist nicht in erster Linie ein Verbrauch der Güter selbst , sondern besteht in der Produktion und Reproduktion von Zeichen, die für diese Güter stehen.“ (Seite 267). 

Nach Lossau, Freytag und Lippuner wäre demnach die Allomsche Schilderung des chinesischen Siebensterngebirges vor allem semiotisch zu sehen, auch aber als ein unter einer bestimmten Kommunikationssituation erstelltes „Bild“, [7] eine Repräsentation des Gesehenen, weniger aber eine reale Abbildung dessen, was Allom rein physikalisch an Farben und Formen sah. Vielmehr entwarf Allom mit seinem asiatischen „Text-Gemälde“ eine Form von Emotionalgeographie, die als weiterführendes Gedankenkonstrukt zur touristischen Landschaftsinszenierung bei Lossau, Freytag und Lippuner in einem eigenen Kapitelsabschnitt vorgestellt wird (Seite 45-49).

Dabei erweist sich die erwähnte Neuerscheinung zugleich als eine noch wesentlich weiter ausgreifende Einführung in die überaus spannende Thematik. Sie nimmt bewußt kulturwissenschaftliche Konzepte auf, die sich aus Genderforschungen, der postkolonialen Theorie, der Tourismusforschung, den Fragen von De- und Entterritorialisierung et cetera speisen, also von ebenso vergleichsweise neuen Ansätzen aus der Kulturwissenschaft. Das Reizvolle an diesem Standpunkt und Blickwinkel ist, daß das Buch nicht etwa von Kulturwissenschaftler*Innen stammt, sondern von Humangeograph*Innen, die folglich vor allem den kulturwissenschaftlich imprägnierten Blick von Naturwissenschaftler*Innen zu einer Verschränkung anthropologischer Raumkunde erheben, eben dadurch aber auch Kulturwissenschaftler*Innen die Raumdimension näher bringen. Auf diese eher holistische und interdisziplinäre Weise kann das Buch in breiten Feldern und Disziplinen fruchtbare und bereichernde Anwendung finden. 

Schon zu Beginn geben die Verfasseer*Innen freilich zu, daß die von ihnen herangezogenen Themenbereiche nur subjektiv ausgewählt wurden (Seite 8). Ergänzen könnte man hier freilich auch noch - dies nur als Anregung für künftig zu überarbeitende Neuauflagen - die sehr jungen Subdisziplinen der Crowdingforschung, [8] der Sound Studies [9] und der Light Studies, die auch jeweils verschiedenste Aspekte mit der Komponente Raum eingehen, denkt man hier nur beispielsweise an landschaftliche Klangteppiche und Lichtlandschaften, an urbanen Lärm und ebendortige Lichtverschmutzung, einbeziehen. Auch eine noch ausstehende Verschränkung mit Erkenntnissen der Architekturpsychologie ließe sich denken, [10] ebenso an Konzepte der räumlichen Damnatio memoriae [11] durch die Zerstörung oder den Umbau von Bauwerken, wie er exemplarisch und systematisch in der DDR mit den Herrensitzen des ehemaligen Adels vollzogen wurde.

Auch wenn diese Bereiche in der vorliegend besprochenen Einführung keine Rolle spielen, ist das Werk doch uneingeschränkt empfehlenswert. Als Literatur- und Aktualitätsbericht faßt es neueste Erkenntnisse des Forschungsstandes zusammen und präsentiert diese in ihren wesentlichen Kernergebnissen, leitet weiter an die Originaluntersuchungen durch die Literaturverzeichnisse, bietet einen raschen Einstieg über das Sachverzeichnis. Der didaktisch höchst ansprechend mit zusammenfassenden und leuchtend blau gestalteten Marginalien, mit Abbildungen, Visualisierungen und grauen Kästchen zur Begriffsdefinition (wie z.B. für Biomacht, Eugenik, Kommodifizierung, Diaspora, Warenfetischismus, Carbon footprint oder Essentialismus, um hier nur einige wenige Begrifflichkeiten zu nennen) durchsetzte Haupttext widmet sich daher in vier Kapiteln den Grundlagen, Prozessen, Strukturen und Praktiken kultur- wie soziogeographischer Vorgänge. Berührt werden daher so heterogene Bereiche wie Migration, Konsum, Landschaftserleben, Governance, Globaler Wandel, aber ebenso auch das aus Frankreich kommende Konzept der Lieux de mémoire (Erinnerungsorte). [12] Somit bietet die vorliegende Einführung eine Fülle von Anregungen für eigene Analysen aus einem sehr breiten Feld kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze, die jedoch sämtlich die räumliche Komponente miteinander gemein haben. Sie öffnet zudem den Blick auf neue Perspektiven, ohne dabei zu versäumen, die eigene Perspektivhaftigkeit zu reflektieren. Im besten Sinne handelt es sich daher um eine sowohl für Studierende und Lehrende als auch für Forscher*Innen gedachte Introduktion in ein Feld anthropologischer Grundkonstanten, zu denen namentlich „Raum“ und „Zeit“ zählen. [13] Daß fast alle der Untersuchungsgebiete auch für die Geschichtswissenschaft und die Adelskunde anwendbar sind, muß nicht extra betont werden und ist am Beginn der Rezension durch das historische Eingangszitat hinreichend belegt worden.

Auch in vielen anderen Bereichen besitzt das kleine Lehrbuch Vorbildcharakter, beispielsweise erörtert es eine geographiegebundene Konsumptionsforschung am Beispiel der Marke „Bionade“, einer aus vorwiegend ökologisch angebauten Zutaten hergestellten Limonade. Auch in diesem Bereich lassen sich für die Adelsforschung fruchtbar Transferleistungen erbringen: Wenn aktuell geographische Umstände bei Kaufentscheidungen opportun sind (z.b. die Frage ob denn alle Litschis, die für die Bionade verwendet wurden, wirklich aus ökologischem Anbau stammen können), so gilt dies auch für frühneuzeitliche Wunderkammergegenstände an europäischen Fürstenhöfen. Hochadelige sammelten vor allem die der eigenen Kultur fremden und exotischen Artefakte (bisweilen sogar Soziofakte, wie an auf Adelsölgemälden mit fächerwedelnden oder Tee reichenden abgebildeten sogenannten „Mohren“ zu sehen ist), um sie auszustellen, anderen Adeligen zu zeigen und betrieben damit einen entsprechenden Prestigekonsum. 

Selbstredend mußten derlei Exponate von Wunderkammern zumeist aus anderen Räumen als den eigenen stammen, da sie nur dann exotisch genug waren, daß heißt zu interkultureller Betrachtung einluden. Dabei konnten Kulturunterschiede sowohl zeitlich wie räumlich existierend wirken (Gegenstände aus anderen Zeiten oder Räumen), so daß neben Ausgrabungen, Urzeitwerkzeugen, Meteoriten auch ausgestopfte Tiere et cetera zu den begehrten Objekten der Kammern zählten. Hier könnte man an ein wirkungsvolles Anwendungsgebiet des Lehrbuchs denken, da Wunderkammern unter dem Aspekt der Kulturgeographie nur wenig betrachtet worden sind, jedenfalls nicht systematisch. [14] Damit eröffnen sich Fragen wie die nach den Rekurtierungsorten und Konsumpräferenzorten, die über die geographische Konsum(ent*Innen)forschung ermittelt werden könnten.

Lossau, Freytag und Lippuner haben daher mit ihren Schlüsselbegriffen ein mustergültiges, gut lesbares sowie lernorientiertes und viele neue Anwendungsfelder eröffnendes einführendes Lehrbuch geschrieben, das eine Fülle von Ansätzen und  fachübergreifenden Verschränkungen enthält, die vor allem auf das Bewußtmachen von Perspektivität und Reflexivität in der Geographie abheben, zwei der wichtigsten Kennzeichen des „Cultural turn“ und der Kulturwissenschaften (um eine kurze und hervorragende Definition des Faches zu geben, die auf Seite 8 des besprochenen Werkes abgedruckt wurde).

Diese Rezension, verfaßt von Claus Heinrich Bill (B.A.), erscheint zugleich in unserer instutseigenen Zeitschrift für deutsche Adelsforschung.

Annotationen:

  • [1] = Zur Faktenaufteilung in Kulturen siehe das kultusemiotische Modell von Laurenz Volkmann: Die Vermittlung kulturwissenschaftlicher Inhalte und Methoden, in: Klaus Sierstorfer / Laurenz Volkmann (Herausgebende): Kulturwissenschaft interdisziplinär, Tübingen 2005, Seite 279
  • [2] = Dies ist heute Qixingyan (Sieben-Stern-Felsen ), Provinz Guangdong, Südoastchina
  • [3] = Thomas Allom: China historisch, romantisch, malerisch, Carlsruhe 1843, Seite 78-79
  • [4] =Zum Konzept der Allelopoiese oder Lehre der Rezeptionsformen siehe Hartmut Böhme / Lutz Bergemann / Martin Dönike / Albert Schirrmeister / Gorg Toepfer / Marco Walter / Julia Weitbrecht (Herausgebende): Transformation. Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels, Paderborn 2011
  • [5] = Zur umstrittenen Kulturkreislehre (Kulturmorphologie) siehe Joachim Ritter / Karlfried Gründer (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band IV., Darmstadt 1976, Spalte 1338-1339 sowie unter postmodernem Verständnis neuerdings auch Fernand Kreff / Eva-Maria Knoll / Andre Gingrich (Herausgebende): Lexikon der Globalisierung, Bielefeld 2011, Seite 217-220
  • [6] = Julia Lossau / Tim Freytag / Roland Lippuner (Herausgebende): Schlüsselbegriffe zur Kultur- und Sozialgeographie, erschienen mit 279 Seiten und 34 Abbildungen, Tabellen und Grafiken im Ulmerverlag, Stuttgart 2014, mit der ISBN-Nummer 978-3-8252-3898-8; das kartoniert gebundene Werk kostet im Buchhandel 22,99 Euro.
  • [7] = Welche vielfältigen Faktoren in eher detaillierten Modellen zur Kommunikation vor allem auf Seiten der Rezipient*Innen eine Rolle spielen, verdeutlicht der Beitrag über Kunstsoziologie bei René König (Hg.): Handbuch der empirischen Sozialforschung, Band XIII., Stuttgart 21979, Seite 254 (Grafik zu den Wirkungsvariablen im Kommunikationsprozeß nach Hackforth). 
  • [8] = Siehe dazu das Lemma „Crowding“ (soziale Dichte und Enge) bei Hans-Werner Bierhoff / Dieter Frey (Hg.): Handbuch der Sozialpsychologie und Kommunikationspsychologie, Göttingen 2006, Seite 777-783
  • [9] = Zu derlei auditive Kulturstudien siehe Stephan Moebius (Hg.): Kultur. Von den Cultural Studies bis zu den Visual Studies, Bielefeld 2012, Seite 242-257 sowie bei Jens Schröter (Hg.): Handbuch Medienwissenschaften, Stuttgart 2014, Seite 440-446
  • [10] = Wegweisend dazu Peter G. Richter (Herausgebender): Architekturpsychologie. Eine Einführung, Lengerich / Berlin / Bremen / Miami / Riga / Viernheim / Wien / Zagreb 32009, 420 Seiten
  • [11] = Zur gewöhnlichen (d.h. nicht räumlich bezogenen) Erinnerungstilgung siehe das Lemma „Damnatio memoriae“ bei Uwe Fleckner / Martin Warnke / Hendrik Ziegler (Hg.): Handbuch der politischen Ikonographie, Band I., München 2011, Seite 208-215. Wenn demnach anzunehmen ist, daß Orte (übrigens auch nichtgeographische Orte!) Erinnerungen speichern und durch visuelle Konsumption performativ immer wieder neu an Betrachtende abgeben, so wäre auch nach der Umkehrung zu fragen, nach einer Theorie der örtlichen Erinnerungstilgung oder -Neubesetzung. Praktische aktuelle Beispiele hierfür wäre a) die Zerstörung der großen steineren Buddhastatuen von Bamiyan im Afghanistankrieg im Jahre 2001 und b) die Gedenkstätte von Ground Zero in New York (als Leerstellenstrategie der Erinnerung; hier geschieht memoriale Deutung durch etwas, was nicht mehr existent ist, vordem aber lange Zeit vor Ort anwesend war. Durch die Kombination der Erhaltung der früheren Umgebung und der Beibehaltung der Lücke entsteht daher eine ganz besondere Form von kollektiven und kulturgeographisch geprägten Gedächtnisinhalten. Eine entsprechende Theorie eine „räumlichen Damnatio memoriae“, die auch Anklänge aus der Denkmalforschung zu berücksichtigen hätte, wäre freilich noch erst auszuarbeiten.
  • [12] = Siehe dazu auch das Lemma „Lieux de mémoire“ bei Ansgar Nünning (Hg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart 5.Auflage 2013, Seite 446-446 sowie das Lemma „Erinnerungsorte“, in: Julia Lossau / Tim Freytag / Roland Lippuner (Hg.): Schlüsselbegriffe der Kultur- und Sozialgeographie, Stuttgart 2014, Seite 212-226
  • [13] = Siehe dazu auch die Grafiken im Anhangsabschnitt mit dem Titel „Methoden und Theorien in der Praxis globalhistorischen Arbeitens“ bei Andrea Komlosy: Globalgeschichte. Methoden und Theorien, Wien / Köln / Weimar 2011, Seite 248-259 
  • [14] = Zur ersten Einführung betreffend die Kunstkammern siehe das Lemma „Kunstsammlung“ (Kunstkabinett, Wunderkammer) bei Friedrich Jaeger (Hg.): Enzyklopädie der Neuzeit, Band VII., Stuttgart 2008, Spalte 351-359 sowie das Lemma „Kuriositätenkabinett“ bei Friedrich Jaeger (Hg.): Enzyklopädie der Neuzeit, Band VII., Stuttgart 2008, Spalte 404-408. Siehe allgemein zum Thema Gabriele Beßler: Wunderkammern. Weltmodelle von der Renaissance bis zur Kunst der Gegenwart, Berlin 2.Auflage 2012

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