Institut Deutsche Adelsforschung
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General Friedrich v.Friedeburg (1866 bis 1933)

Lebenslauf des Königlich Preußischen Generalleutnants außer Dienst und Ritters hoher Orden 

Fritz v.Friedeburg wurde am 5.März 1866 in eine badische Offiziersfamilie hineingeboren. Sein Vater Friedrich v.Friedeburg (1836-1888), diente zur Zeit seiner Geburt als Großherzoglich badischer Oberleutnant in Karlsruhe, wo auch sein 1813 nobilitierter Großvater, der badische Oberstleutnant a.D. Ferdinand v.Friedeburg geborener Stiefbold (1794-1871) noch lebte. [22]

Ihren Namen hatte die Familie von der Friedeburg in Sachsen-Anhalt, die einst der Familie v.Steuben gehört hatte und deren Bezeichnung bei der Nobilitierung auf Ferdinand Stiefbold übergegangen war. Im Wappen führt die Familie heute noch in rotem Schild eine silberne Burg mit dem Wahlspruch "Pax nobis". 
Fritz v.Friedeburgs Mutter Marie geborene Walz entstammte ebenfalls einer badischen, jedoch bürgerlichen Familie. Früh schon kam der auf die Namen Friedrich Emil Ludwig Leopold Ferdinand getaufte Soldatensohn also mit dem Militär in Berührung und so war die Offizierslaufbahn eine selbstverständlich zu ergreifende Lebensbahn. Mit seinen drei Schwestern Eleonore, Pauline und Margarethe wuchs er in Freiburg im Breisgau auf. Eleonore (1867-1947) war übrigens jene Künstlerin, die sich später mit Bildnismalereien bekannt gemacht hat. [23]

Das Schicksal der Offizierskinder teilend besuchte er gemäß den Kommandierungen seines Vaters die Gymnasien in Berlin, in Frankfurt an der Oder, in Konstanz, in Karlruhe und in Metz, bevor er daselbst seine Matura mit Erfolg ablegte. Sein Konfirmationsspruch "Sei getreu bis an den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben", entwickelte sich in der Tat zu einer Maxime für ihn. Mit besonderer Treue am Hohenzollernhaus hängend, dem sich beruflich jetzt auch sein Vater widmete, wurden ihm die höchsten Stellungen in der preußischen Armee eröffnet.

Seine militärische Laufbahn begann er im Alter von 16 einhalb Jahren, indem er vom Lyzeum zu Metz am 21.September 1883 als Fahnenjunker ins Erste-Garde-Regiment zu Fuß eingestellt wurde. [24] Folgte die Ernennung zum Portepee-Fähnrich nach einem halben Jahr, so konnte er bereits im Februar 1885 sein Patent als Sekondelieutnant vom König Wilhelm I. in Empfang nehmen.

Bald danach erhielt er eine wenn auch nicht außergewöhnliche, doch mindestens nicht alltägliche Kommandierung zum Lehr-Infanterie-Bataillon, wo er die Jahre 1890 bis 1893 verbrachte. Nach seiner Beförderung zum überzähligen Premierleutnant kehrte er für drei Jahre als Regimentsadjutant bis 1896 ins Erste Garde-Regiment zurück. Da er organisatorische Fähigkeiten über dem Durchschnitt aufwies, sandten ihn seine Vorgesetzten ab April 1896 für zwölf Monate in den Großen Generalstab nach Berlin, 1897 wurde er à la suite des Generalstabes gestellt und im gleichen Jahr noch zum Hauptmann ernannt. Anschließend ab 1898 im Generalstab des Gardekorps tätig, kehrte er im September 1900 wieder in den Garnisondienst seines alten Stammregiments nach Potsdam zurück und führte hier fortan die vierte Kompanie.   

Mitte April 1902 vollzog sich in seinem Leben eine entscheidende Wendung, denn er wurde von Kaiser Wilhelm II. zum Diensttuenden Flügeladjutanten ernannt. 
Dies war ein besonderer Vertrauensbeweis des Monarchen, der sich seine Flügeladjutanten selbst aussuchte. Einem Flügeladjutanten oblag der aktive, das heißt persönliche Dienst beim Kaiser, praktisch die Aufgaben eines Diensttuenden Kammerherrn. Mindestens zwei Flügeladjutanten hatten fortwährend Dienst, während dem sie dem Kaiser "unausgesetzt", das hieß Tag und Nacht, zur Verfügung zu stehen hatten. 

Fritz v.Friedeburg gehörte zwar zum militärischen Gefolge des Kaisers in dessen Großem Hauptquartier und unterstand Hans v.Plessen als dem Diensttuenden Generaladjutanten, hatte aber in diesem Amt keine primär militärische Funktion. Da der Kaiser das Militär vor den Zivilbedienten präferierte, war der Flügeladjutant immer ein Offizier der preußischen Armee, in anderen europäischen Staaten hingegen wurde der Flügeladjutant hingegen auch oft zivil besetzt.  
Die Ernennung zum Flügeladjutanten bedeutete in Preußen zugleich die Öffnung höchster Kommandostellen, zu denen man in der Regel rascher aufstieg als andere Offiziere der Armee; damit wurde das Militärische Gefolge zur Drehscheibe für begabte und befähigte Offiziere. [25] 

Zunächst jedoch brachte der persönliche Dienst beim Kaiser auch Verpflichtungen mit sich, die nicht alltäglich waren. So konnte Fritz v.Friedeburg als Diensttuender Flügeladjutant den Kaiser auf zwei Nordlandfahrten 1905 und 1906 mit der Kaiserlichen Yacht "Hohenzollern" in skandinavische Gewässer begleiten. [26] Im persönlichen Dienst  war Fritz v.Friedeburg nahezu zwölf Jahre verblieben, nämlich bis zum April 1914, das war eine ungewöhnlich lange Zeit.  
Allerdings blieb die Tätigkeit im militärischen Gefolge seines kaiserlichen Herrn nicht die einzige Aufgabe Fritz v.Friedeburgs. Wenige Monate später wurde er im August 1902 zusätzlich noch in die General-Ordenskommission berufen, die Gutachten zu Kandidaten für eine Ordensverleihung erstellen mußte und die sämtliche phaleristischen Angelegenheiten des preußischen Königs regelte. 

Zu Weihnachten 1912 erlangte er den Majorsrang, wurde 1905 zum Kommandeur der traditionsreichen Schloßgarde-Kompanie ernannt und bekleidete damit wiederum ein halb militärisch, halb höfisches Amt. 

Die Kompanie, 1829 aus halbinvaliden Unteroffizieren gebildet, 1861 in Schloßgarde-Kompanie umbenannt, versah seither die Beaufsichtigung der königlichen Schlösser und Gärten in Berlin, Charlottenburg, Potsdam und Kassel-Wilhelmshöhe, übernahm aber auch bei feierlichen Anlässen den Wachdienst im Inneren. [27] Ihre Kommandeure waren ausnahmslos Stabsoffiziere und entstammten dem deutschen Adel. [28]    

Über sechs Jahre kommandierte Fritz v.Friedeburg, der 1908 zum Oberstleutnant befördert worden war, diese Haustruppe und erst im März 1911 schied er aus dieser Stellung wie auch aus der General-Ordenskommission aus. Der Kaiser hatte ihn zum Kommandeur des Ersten Garde-Regiments ernannt, welches er nun bis zum Kriegsausbruch 1914 als letzter Friedenskommandeur im Garnisondienst führte, dabei weiterhin sein Amt als Diensttuender Flügeladjutant beibehaltend. Im April desselben Jahres wurde er Oberst, fast genau ein Jahr später 1914 Generalmajor unter gleichzeitiger Ernennung zum General à la suite Seiner Majestät des Kaisers und Königs.  

Als am 1.August 1914 der erste Weltkrieg begann, brauchte der Kaiser den erfahrenen Offizier in höheren Stellungen und ernannte ihn am ersten Kriegstag zum Kommandeur der 6.Garde-Infanterie-Brigade. In einer feierlichen Zeremonie übergab der Kaiser im Lustgarten des Potsdamer Stadtschlosses am 9.August das "erste Regiment der Christenheit" seinem zweiten Sohn Oberst Prinz Eitel Friedrich von Preußen (1883-1942).  

Fritz v.Friedeburg indes führte seine Brigade, der auch die Gardefüsiliere und das Lehr-Infanterie-Bataillon unterstanden, zunächst im Westen, nahm an der erfolgreichen Eroberung der Festung Namur teil, wurde aber bereits im September 1914 an die Ostfront verladen, wo er ohne Pause bis zum Januar 1915 tätig war. Besonders hervor tat sich die Brigade hier bei der Eroberung des Dorfes Brzenica im südpolnischen Feldzug Mitte Oktober 1914. Anschließend kurz zur Reserve der Obersten Heeresleitung gestellt, erfolgte dann ein schwerer Einsatz an der osteuropäischen Karpathenfront, der dadurch sehr anspruchsvoll war, daß hier erstmals besondere Erfahrungen im Gebirgskrieg notwendig wurden, die schließlich im Mai 1915 zur Bildung des "Alpenkorps" unter Generalleutnant Krafft v.Dellmensingen führten. [29] 

Wie er seinen Männern vertraute und welch vorbildlicher Offizier er war, der seine Grenzen genau kannte, zeigte sich jetzt. Als an der Karpathenfront im Februar 1915 seine schon lange in hartem Einsatz befindlichen Regimenter nicht mehr vorwärts kamen und die Front erstarrte, andererseits aber eine ausgeruhte österreich-ungarische Division in der Nähe vorhanden war, wurde er beim Armeeoberkommando vorstellig und verlangte erfolgreich die dringende Ablösung seiner Männer.  [30] 

Dies bewirkte, daß aber auch seine Regimenter zu ihm standen, wenn es darauf ankam. Als er in Galizien Anfang Juni 1915 mit seiner Brigade gegen die Russen das nördliche Dnjestr-Ufer verteidigen und schließlich räumen sollte, stand ein Kampf bevor, der nicht einfach zu führen war. 

Unübersichtliche Stellungen, mangelnde Möglichkeiten für Munitions- und Nachschubversorgung und geringe Gefechtsstärke verschlechterten die Ausgangslage erheblich. Fritz v.Friedeburg aber vertraute seinen Regimentskommandeuren, denen er noch einmal einschärfte: "Sofortige Besetzung und Verstärkung der neuen Stellung, Ausscheiden starker Reserven zum Gegenstoß, Feldartillerie dicht hinter der vorderen Linie, die schweren Batterien über den Strom zurück." Die Bemühungen hatten sich schließlich bezahlt gemacht, nur im Zusammenspiel mit allen Regimentern gelang der geplante Rückzug, ohne daß der Russe seinen Einheiten größeren Schaden hatte zufügen können.

Ende Juli 1915 übernahm Fritz v.Friedeburg die 1.Garde-Infanterie-Brigade und focht mit ihr in der Herbstschlacht bei La Bassée und Arras, 1916 unterstellte der Kaiser ihm die 2.Garde-Infanterie-Division, die er in der Sommeschlacht und an der Aisne im Stellungskrieg führte. Den ganzen Weltkrieg verbrachte Fritz v.Friedeburg mit seiner Gardedivision jetzt an vorderster Front, war 1917 an der Durchbruchsschlacht in Ostgalizien und an der Eroberung von Riga beteiligt, bevor er im Februar 1918 zum Generalleutnant befördert wurde. Hier führte er seine Division wieder im Westen, bei Soissons, dann erfolgreich im August 1918 in der Schlacht bei St.Péronne-Albert. 

Mit dem kommenden Kriegende begann sich Fritz v.Friedeburgs Stellung als Kommandeur zu verändern. Am 1.November 1918 wurde er mit seiner Division aus der Front herausgezogen und auf Antrag des Kriegsministers mit seiner als "unbedingt zuverlässig" beurteilten Truppe in die Heimat gesandt, um eine Revolution zu verhindern. Da sich jedoch die Ereignisse in Berlin jetzt zunehmend beschleunigten und unkontrollierbar wurden, konnte der Auftrag nicht mehr ausgeführt werden. 

Fritz v.Friedeburg erschien zwar noch am 6.November im Großen Hauptquartier zum Empfang beim Kaiser, kam aber nicht mehr rechtzeitig mit seinen Truppen nach Berlin, am 9.November war bereits die Republik ausgerufen worden. Einen Tag später befand sich die Division aufgrund der schlechten verkehrstechnischen Infrastruktur erst an der belgischen Grenze. Die Oberste Heeresleitung, mit der möglichst geordneten Rückführung der deutschen Armeen beschäftigt, sandte indes die Division nach Oberschlesien zum Grenzschutz, wo die Grenze und die deutsche Bevölkerung durch polnische Insurgenten bedroht wurde. Auf der Fahrt schmolz die Regimentsstärke zwar auf 250 bis 300 Mann zusammen, dafür aber verblieben nur absolut zuverlässige Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften in der Truppe. 

Der Krieg war nun mit dem Waffenstillstand zwar beendet, aber für Fritz v.Friedeburg hieß es, sich einer neuen Aufgabe im Inneren zu widmen. Durch seine Zuverlässigkeit der Obersten Heeresleitung bekannt, gab es für ihn und seine Division noch keine Ruhe und auf verändertem Kampffeld übernahm er daher Sicherungsaufgaben für den neuen Staat, obwohl sein Selbstverständnis als preußischer Monarchist von der Revolution zutiefst erschüttert war.  
Der Dienst in Oberschlesien, der sich nicht nur wegen der polnischen Bedrängung als besonders prekär erwies, war zudem wegen des hohen Bevölkerungsanteils von Industriearbeitern eine nicht leicht zu lösende Aufgabe. Ende November 1918  wurde Fritz v.Friedeburg aber zum Kommandeur des Grenzschutzes im Osten ernannt, im Dezember traten zu den zahlenmäßig viel zu geringen Truppen Freiwilligenverbände hinzu - die Freikorps.   
Als im April 1919 plötzlich in München spartakistische Unruhen gemeldet werden, mußte Fritz v.Friedeburg mit seinen Einheiten nach Bayern abreisen. Als Befehlsgruppenleiter nahm er dann an der erfolgreichen Befreiung Münchens in den Monaten April und Mai 1919 teil. [31] 

Er kehrte anschließend nach Oberschlesien zurück, wurde hier Führer der Reserve-Brigade Nr.26 und schließlich Ende Juni 1919 Vertreter des Kommandierenden Generals des VI.Armeekorps und zugleich Oberbefehlshaber des Oberkommandos Grenzschutz-Süd. Erst Ende März 1920 wurde er unter Gewährung seiner Pension als Generalleutnant a.D. verabschiedet, in Oberschlesien ging derweil der Kampf um die deutsche bzw. polnische Staatszugehörigkeit noch bis zur Volksabstimmung 1921 weiter. 

Fritz v.Friedeburg kehrte aus dem Krieg, der für ihn persönlich jetzt erst nach sechs langen Jahren zu Ende ging, reich dekoriert zurück, unter seinen insgesamt einundzwanzig ermittelbaren deutschen und fünfzehn europäischen Orden und Ehrenzeichen stechen zwei besonders hervor, beide wurden ihm im Weltkrieg verliehen: für seine überragenden taktischen Leistungen bei der Schlacht von St.Péronne-Albert vom August 1918 erhielt er einen Monat später den höchsten deutschen Tapferkeitsorden, den Pour le mérite. [32] Außerdem hatte der Kaiser seine Verdienste an der  Karpathenfront 1915 ebenfalls entsprechend gewürdigt und ihm dafür schon damals das Komturkreuz des Hohenzollernschen Hausordens mit Schwertern verliehen.

Für den 54jährigen begann nun eine neuer Lebensabschnitt, der sich im hauptsächlich im zivilen Leben abspielte, immer aber den Bezug zum Militär behielt. 
Schon sehr bald nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Potsdam betätigte sich Fritz v.Friedeburg auf verschiedenen Ebenen, der lokalen, der standespolitischen, der monarchischen und der militärisch-retrospektiven. 

Zunächst aber widmete er sich auch seiner Familie. 1897 hatte er als 31jähriger Premierleutnant im Großen Generalstab die 24jährige Willy v.Wenckstern (1873-1949) geheiratet. Sie entstammte einem in seinem untitulierten Adel unbeanstandet gebliebenen Offiziersgeschlecht, das erstmals 1637 urkundlich nachgewiesen auftrat und vor allem in hessen-kasselischen sowie preußischen Diensten zuverlässige Offiziere gestellt hatte, aber auch seit dem 18.Jahrhundert mit Verwaltungsbeamten in Ostpreußen ansässig war. Aus dieser Linie entstammte auch Fritz v.Friedeburgs junge Braut. Ihr Vater August v.Wenckstern (1835-1878) hatte sich ebenfalls der Verwaltungslaufbahn zugewandt und war zunächst Amtshauptmann in Mohrungen in Ostpreußen und anschließend Strafanstaltsinspektor in Münster in Westfalen gewesen. [33]      

Mit Willy v.Wenckstern, die ihren Gatten um 16 Jahre überlebte und den Zusammenbruch Deutschlands 1945 noch miterleben mußte, führte Fritz v.Friedeburg eine überaus glückliche Ehe, aus der drei Töchter und zwei Söhne hervorgingen. Fast alle Töchter verheirateten sich mit Militärs, die älteste Tochter Lina (1898-1982) ehelichte Fritz Lindemann, zuletzt General der Artillerie, die zweitälteste Tochter Ilse-Margot war mit dem Major der Reserve Prinz Albrecht v.Hohenzollern ehelich verbunden. Beide Söhne Friedrich (1900-1918) und Wilhelm (1904-1989) wurden Berufsoffiziere, Friedrich jedoch fiel bereits 18jährig als Leutnant und Kompanieführer im Ersten Garde-Regiment zu Fuß, Wilhelm war zuletzt Oberst a.D. und mit Tilda v.Diringshofen, der Tochter des Generalleutnants a.D. Max v.Diringshofen, verheiratet. [34]

Neben dem Familienleben gehörte Fritz v.Friedeburgs Arbeit aber auch einer Reihe von politischen Verbänden. Als überzeugter Monarchist wurde er Mitglied im 1919 begründeten "Bund der Aufrechten" und es war ihm mehr als eine selbstverständliche Pflicht, in den vordersten Reihen für eine Restauration der Monarchie unter den Hohenzollern zu streiten. In diesem Kontext muß auch seine Mitgliedschaft im Ortsgruppenvorstand des Bundes der Aufrechten in Potsdam gesehen werden, in dem er politische Forderungen aufstellte, die sich gegen Sozialismus, materielles Denken, Republik und  Demokratie wandten. Dabei sprach er sich für eine christlich-deutsch orientierte monarchische Staatsform, ein neues Volksheer, Wehrhaftigkeit und eine soziale Reform aus, wobei er diese Ideale auch in einigen Reden vor der Öffentlichkeit proklamierte. [35] Seit der Gründung der Ortsgruppe im Juli 1920 bis zu seinem Tod von 1933 war Fritz v.Friedeburg nun Mitglied des Vorstandes. [36]

Sein Engagement erstreckte sich schließlich auch auf die standespolitische Ebene und drückte sich in seinem Beitritt zur Deutschen Adelsgenossenschaft aus. Er ließ sich in ihr bald zum ersten Vorsitzenden des Gaues Havelland der Landesabteilung Mark Brandenburg wählen. Hier stand er 1929 immerhin über 500 Mitgliedern vor.

 Aus gesundheitlichen Gründen aber schränkte er hier wie anderswo auch seine Tätigkeit ein, bis er bei der Neuwahl des Vorstandes Ende Februar 1931 nicht mehr kandidierte. Sein Nachfolger als 1.Vorsitzender wurde dann der Potsdamer General der Infanterie a.D. Exzellenz Freiherr v.Esebeck. [37]  In einem Nachruf würdigte die Adelsgenossenschaft in ihm einen "deutschen Edelmann, der als Offizier, Führer und Mensch uns Vorbild war. Getragen vom Vertrauen seines Kaisers und Königs, dem er bis zum letzten Atemzuge ein treuer Diener war, hat er sich auf verantwortungsvollem Posten in Krieg und Frieden hervorragende Verdienste erworben. Uns war er als langjähriges Vorstandsmitglied der Landesabteilung und Vorsitzender des Gaues Havelland wertvoller und weiser Berater. Seine vornehmen menschlichen Eigenschaften erwarben ihm Vertrauen und Hochachtung bei allen." [38]

Weitere Tätigkeit band Fritz v.Friedeburg an den Potsdamer Familienrat der Stiftung Luisen-Denkmal, einer karitativen Einrichtung. Eine besondere Aufgabe übernahm er außerdem 1921 auch mit dem Amt eines Vorsitzenden des Semper-talis-Bundes, dem Kameradschaftsbund der ehemaligen Gardisten. Ihm stand er in den Jahren 1921 bis 1931 vor und gebot hier 1929 über 7000 Mitglieder in 13 Gauen und 188 Ortsgruppen im ganzen Deutschen Reich. Zusätzlich engagierte er sich als Vorsitzender des Vereins der Offiziere des ehemaligen Ersten Garde-Regiments zu Fuß. 

So waren die kommenden Jahre mit tätiger Arbeit im Traditionsverband angefüllt. Daneben war Fritz v.Friedeburg, dessen Haus Wörtherstraße 16, später (1930) Am Kanal 67 bald zu einem beliebten Treffpunkt der alten Gardisten wurde, schriftstellerisch tätig. Sein größtes Werk war dabei die Regimentsgeschichte, für deren Schilderung und Veröffentlichung er sich den Zeitraum von 1871 bis 1914 vorgenommen hatte. Bald jedoch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. 

In Weimar erlitt er 1932 während der Arbeit an der Regimentsgeschichte bei seiner Mutter einen Schlaganfall und war bereits in der Sprache gelähmt, doch im Herzen noch voller Freude für seine große Aufgabe, als Chronist wirken zu können. 

Das Erscheinen des von ihm verfaßten dritten Bandes der Regimentsgeschichte erlebte er nicht mehr mit, aber er hatte zusammen mit Graf Gustav v.Waldersee soviel an Material zusammengetragen, daß das 1933 erschienene Werk, das 296 Seiten umfasste, nur eine stark gekürzte Fassung darstellte.  
Auch einem anderen Erinnerungswerk widmete er sich viele Jahre als freier Mitarbeiter im Reichsarchiv in Potsdam auf dem Brauhausberg. Als dieses 1923 für die projektierte Schriftenreihe "Schlachten des Weltkrieges - In Einzeldarstellungen bearbeitet" Offiziere der Alten Armee als Verfasser suchte, war Fritz v.Friedeburg einer der ersten, die sich freiwillig hierfür meldeten. Er fertigte schließlich in nur kurzer Zeit den Band 2 der Reihe. In ihm beschrieb er in ergreifender Weise seine Erlebnisse als Generalmajor und Kommandeur der 3.Garde-Infanterie-Brigade in der Karpathen- und Dnjestr-Schlacht innerhalb des Korps Graf Bothmer im ersten Halbjahr 1915.  Das Werk, das bei seiner ersten Auflage 1923 nachhaltigen Anklang gefunden hatte, konnte sogar 1926 noch einmal aufgelegt werden. [39]

Fritz v.Friedeburg verstarb schließlich kurz nach seinem 67.Lebensjahr nach langem Leiden am 27.April 1933 in seiner Heimatstadt Potsdam.  
Unter einem großen Trauergefolge, bei dem Prinz Eitel Friedrich von Preußen das kaiserliche Haus vertrat, und viele Abordnungen von Regimentern der alten Armee mit Trauerflor erschienen waren, wurden seine sterblichen Überreste wenige Tage später auf dem Alten Friedhof zu Potsdam beigesetzt. Die Traueransprache hielt sein langjähriger Freund, der ehemalige Hofprediger und Mitvorsitzende im Potsdamer Bund der Aufrechten, Oberpfarrer Walter Richter-Reichhelm. Auch vom Traditionstruppenteil, dem Infanterie-Regiment Nr.9, waren Abordnungen erschienen, die unter anderem den Sarg trugen und ihm voraus das Ordenskissen. In seiner Aussegnung betonte Richter-Reichhelm besonders Fritz v.Friedeburgs stets bewiesenen Mut und seine Tatkraft sowie die unerschütterliche Loyalität zum Herrscherhaus: "Das alte von Schlieffen gebrauchte Wort: `Mehr sein als scheinen´ - hier an diesem Sarge ... wird es Ereignis. Denn das ist die Tiefe der Treue, daß sie nicht mit Worten, sondern mit Taten und im Leiden spricht und in beidem derselbe Mensch und dieselbe Kraft bleibt, die sich nicht wenden und wandeln kann, die im Leiden ebenso leuchtete wie im Wirken und Handeln. So war, ist und bleibt Friedrich v.Friedeburg der Mensch der Treue vor seinem himmlischen und irdischen König: Treu seinem Gott! Treu seinem König! Treu seinem Haus!" [40] 

Nachwort: Für Fritz v.Friedeburg, dessen Grabstätte in der DDR-Zeit eingeebnet wurde, konnte vor wenigen Jahren eine neue würdige Erinnerungsstätte geschaffen werden. Ein marmornes Grabkreuz wurde nach der deutschen Wiedervereinigung auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam aufgestellt und auch als Erinnerungsmal für die Gefallenen beider Weltkriege des Regiments Ende Oktober 1992 eingeweiht. Dies geschah in Anwesenheit der Familie v.Friedeburg, von Deputierten des Semper-talis-Bundes e.V. und einer Abordnung des Bundeswehr-Wachbataillons, welches heute die Tradition des Ersten Garde-Regiments trägt. Das Grabkreuz trägt die Aufschrift "Semper talis - Meine Augen sehen auf die Treuen im Lande" und auf dem Sockel die persönlichen Daten Fritz v.Friedeburgs und seines 1918 gefallenen gleichnamigen Sohnes.

Dieser Aufsatz erschien zuerst in der Zeitschrift Nobilitas für deutsche Adelsforschung, Folge 33 (2004) und stammt von Claus Heinrich Bill.

Annotationen:

  • [22] = Zur Familiengeschichte und der ungewöhnlichen Erhebung in den Adelsstand siehe  Claus Heinrich Bill: Forschungsbericht über die Familie v.Friedeburg (Bd.3 der Schriftenreihe des Instituts für Preußische Historiographie Owschlag), Owschlag 1995
  • [23] = Hans Sollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20.Jahrhunderts, Band II, 1955
  • [24] = Die militärische Laufbahn überwiegend dargestellt aufgrund folgender Quellen, Anonymus: Offizierstammliste des Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1869-1913, Berlin 1913 / Generalmajor a.D. v.der Osten: Generalleutnant a.D. Friedrich v.Friedeburg, Nachruf in: Semper-talis. Nachrichtenblatt für alle ehemaligen Angehörigen des alten Ersten Garde-Regiments zu Fuß und der aus ihm entstandenen Truppeteile, Jg.XIII, Potsdam 1933, Nr.51 vom Juni 1933 / Hanns Möller: Geschichte der Ritter des Ordens Pour le mérite im Weltkrieg, Band 1, Berlin 1935, S.337-338
  • [25] = Wilhelm Deist: Kaiser Wilhelm II. in the context of his military and naval entourage, in: John C.G.Röhl / Nicolaus Sombart (Hg.): Kaiser Wilhelm II. New interpretationes, the Corfu papers, Cambridge 1982, S.180-183,191
  • [26] = Birgit Marschall: Reisen und Regieren. Die Nordlandfahrten Kaiser Wilhelm II., Hamburg 1991, S.223 
  • [27] = Leo v.Pfannenberg: Geschichte der Schloß-Garde-Kompanie Seiner Majestät des Kaisers und Königs 1829-1909, Berlin 1909, 214 S.
  • [28] = Bredow / Wedel: Historische Rang- und Stammliste des deutschen Heeres, Berlin 1905, S.158-159
  • [29] = Hermann Cron (u.a.): Ruhmeshalle unserer Alten Armee, Band 1 der 5.Auflage, Berlin o.D. (1934), S.344 und 374. Zur Geschichte des Alpenkorps ausführlich Roland Kaltenegger: Das deutsche Alpenkorps im ersten Weltkrieg, Graz 1995, 320 Seiten
  • [30] = Fritz v.Friedeburg: Karpathen- und Dnjestr-Schlacht 1915, Reihe Schlachten des Weltkrieges, Band 2, Oldenburg 1926, S.47, von S.139 auch das nachfolgende Zitat zur Dnjestr-Schlacht
  • [31] = Friedrich Wilhelm v.Oertzen: Die deutschen Freikorps, München 1936, S.24 und 342 sowie J. Benoist-Méchin: Geschichte des deutschen Heeres seit dem Waffenstillstand 1918-1938, Band 1, Berlin 1939, S.207
  • [32] = Jürgen Brinkmann: Die Ritter des Ordens Pour le mérite 1914-1918, Bückeburg 1982, o.S. (Eintrag: Friedrich v.Friedeburg) sowie v.Roell (Hg.): Deutscher Ordensalmanach, Jg. 1908/09, Berlin 1909, S.403
  • [33] = Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band VI, Limburg 1964, S.404 und 415 
  • [34] = Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band XXI, Limburg 1995, S.92-93
  • [35] = Carsten Reuß: Der Bund der Aufrechten. Wesen, Wirkung, Widersprüche. Ein Beitrag zur Geschichte der monarchischen Bewegung in Deutschland, Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades an der Universität zu Münster i.W., Alpen 1993, S.42 sowie Anonymus: Der Bund der Aufrechten (Zielsetzung), in: Ernst Pfeiffer (Hg.): Der Aufrechte. Ein Kämpfer für christlich-deutsche Erneuerung. Wahrhaft. Wehrhaft. furchtlos. Treu, Ein sonntägliches Volksblatt für Stadt und Land, Jg.I, Berlin 1919, Nr.23 vom 22.Juni 1919, S.184-186 
  • [36] = Ernst Pfeiffer (Hg.): Der Aufrechte, Jg.II, Ausgabe vom 18.Juli 1920, S.227
  • [37] = Deutsches Adelsblatt, Jg.XLVIII, Berlin 1930, Nr.12 v.22.3.1930, S.171 / Nr.16 v.10.5.1930, S.267 / Nr.42 v.18.10.1930, S.582 / Jg.XLIX, Berlin 1931, Nr 24 v. 13.6.1931, S.409
  • [38] = Deutsches Adelsblatt, Jg.LI, Berlin 1933, S.307 
  • [39] = Fritz v.Friedeburg: Karpathen- und Dnjestr-Schlacht 1915, Reihe Schlachten des Weltkrieges, Band 2, Stallingverlag, Erste Auflage Oldenburg 1923, Zweite Auflage ebenda 1926, 160 Seiten
  • [40] = Walter Richter-Reichhelm: Worte am Sarge des Generalleutnants à la suite Friedrich v.Friedeburg am 2.Mai 1933 auf dem Alten Friedhof zu Potsdam gesprochen, in: Semper talis, Nachrichtenblatt, Jg.XIII, Potsdam 1933, Nr.51 vom 15.Juni 1933, S.4-5

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