Institut Deutsche Adelsforschung
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Erinnerungsgemeinschaftsbildung des ehemals schlesischen Adels

Untersuchung zur Zeit ab 1945 mit der Methode der Oral History

Über den schlesischen Adel und seine besonders als traditionell verstandene „Schollenbindung“ hieß es im Jahre 1924 seitens einer deutsch-österreichischen Sportzeitung: „Wer aus Gegenden mit überwiegend bäuerlichem Grundbesitz nach Schlesien kommt und dessen Fluren nach verschiedenen Richtungen hin durchschweift, dem fällt im Gegensatz zu jenen häufig die große Ausdehnung der Feldfluren auf; hat er außerdem noch ein durch Erfahrungen geschärftes Auge für die Art der Bebauung und die Ausnützung aller modernen Erfindungen im Dienste der Landwirtschaft, so wird er auch aus alledem auf das Vorhandensein eines gewaltigen Großgrundbesitzes innerhalb der geschichtlichen Grenzen des jetzt leider so arg zerstückelten Gesamtschlesiens schließen. Verfolgt man die Verteilung von Grund und Boden auf einer Karte, so zeigt sich uns das rechte Oderufer als das klassische Land des Großgrundbesitzes, von Oberschlesien aus bis in die Kreise Militsch, Groß-Wartenberg und Öls des Regierungsbezirkes Breslau hinein. 

Eine zweite Zone bilden die Großbesitze auf der linken Oderseite, die sich hauptsächlich auf dem Boden der niederschlesisch-lausitzer Heidelandschaft und dem Falkenberger Waldlande sowie zwischen diesen beiden im Schlesischen Gebirge entwickelt haben. Schon dieser flüchtige Überblick läßt erkennen, daß zwischen dem heutigen Waldbestande, dem Reste des wegen seiner geringeren Güte nicht gerodeten Landes, und der Bildung unseres Großgrundbesitzes ein enger Zusammenhang besteht. Ein bedeutender Teil davon ist in staatlichem Besitz; fragt man aber nach den Namen der übrigen Besitzer, so erhalten wir eine lange Reihe ad[e]liger Namen verschiedensten Klanges und verschiedenster Herkunft. 

Slawische, deutsche, französische, italienische Namen tönen uns entgegen, deren Träger zum Teil auf eine längere Ahnenreihe innerhalb der schlesischen Grenzen zurückblicken können. Schlesien ist seiner Natur nach ein Grenzland, das zeigt sich auch in der Zusammensetzung seines landsässigen Adels, Nord und Süd, Ost und West haben an ihm Anteil, und auch in ihm spiegelt sich in klaren Zügen die Strittigkeit des schlesischen Bodens zwischen Deutschtum und Slawentum, zwischen den einst um die Vorherrschaft in Deutschland ringenden Großmächten Preußen und Österreich. Nicht als ob diese Gegensätze heute noch vorhanden wären; sehen wir von dem Sprossen eines im 17. Jahrhundert in den Reichsgrafenstand erhobenen rein deutschen Geschlechtes ab, der in den letzten Jahren mit fliegenden Fahnen in das polnische Lager übergegangen ist, so eignet dem schlesischen Adel neben seinem aus der geschichtlichen Entwicklung begründeten Standesgefühl die treudeutsche Gesinnung, mit der er auch im Weltkriege dem großen Vaterlande sein Blutopfer gebracht hat.“ [1]

Diese „Meistererzählung“ aus der Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges, einerseits an der Humandifferenzierung „Adel“, andererseits an der der „Nation“ anknüpfend, kennzeichnete sich vor allem durch die Behauptung von Homogenität und Verwurzelung im Boden. Da dies über Jahrhunderte so wahrgenommen worden ist, war es kaum vorstellbar, daß dieser Konnex einmal aufgehoben werden könnte. Und dennoch kam es dazu mit dem zweiten Weltkrieg und seinen Folgen.

Wie aber sah die Welt der Erinnerungsgemeinschaftsbildung namens „der Adel“ aus, der zwar aus Schlesien stammte, dann aber, nach Flucht und Vertreibung, „im Westen“ lebte? [2] Der niederbayerische Historiker Simon Donig hat dazu nun eine umfangreiche Studie mit dem fragenden Titel „Adel ohne Land – Land ohne Adel?“ vorgelegt. [3] Sie, die teils auch entsprechend bebildert ist (wobei die Bildunterschriften stets eine wissenschaftliche Färbung haben und nicht allein deskriptiv und als Illustration dienen), hat zwei Besonderheiten. Erstens nutzt sie die aus den Sozialwissenschaften kommende Interviewtechnik der Oral History, die lebende Zeitzeug*innen als Quelle heranzieht. [4]

Es ist dies eine äußert aufwendige Methode, besonders wertvoll sind aber auch die Erkenntnisse daraus und die anonymisierten Aussagen der Betroffenen, die als bald versiegende Geschichtsquelle hier unter dem Stern der Erfahrungs-, Wahrnehmungs- und erinnerungspolitischen Geschichte konserviert worden sind. Donig folgt damit (unbewußt) einigen anderen Adelsstudien ähnlicher Art, so unter anderem der von Mansfield. [5] Insgesamt folgt Donig jedoch einem in neuerer Zeit beobachtbaren breiteren Trend, das Thema „Adel“ auch nach seinem staatsrechtlichen Ende 1918/19 forschend zu betrachten und durch performative Schriftvollzüge aufzuwerten. [6] 

Hieraus erwuchsen indes äußert wertvolle und nun konservierte Erinnerungen und Selbstsichten, die keine andere Quelle bereithalten kann, so zu allen Lebensbereichen, besonders aber auch zu traumatischen Verlusterfahrungen, -verarbeitungen, psychischen und resilienten Bewältigungsstrategien infolge von Flucht und Vertreibung.

Die zweite Besonderheit besteht darin, daß Donig den Blick jenseits der OderNeiße-Grenze schweifen läßt und danach fragt, wie unterschiedlich man gesellschaftlich ebenso wie staatlicherseits mit dem adeligen baulich-artefaktischen Erbe und der Deutung des Adels in zeitgenössischen Diskursen in Polen umgegangen ist. Damit folgte Donig neueren ähnlichen Studien, die derzeit mehrfach angestellt worden sind. [7] Auch hat er einen großen Anteil seiner Archivquellen aus polnischen Archiven geschöpft. Dieser Ansatz „Adel ohne Land“ und zugleich „Land ohne Adel“ zu analysieren, besticht indes und macht den besonderen Reiz der Dissertation aus, da der binationale Zugriff hier Perspektiven eröffnet, die in der Adelsforschung bisher eher unüblich waren.

Der Zeitgeschichtshistoriker und Politologe Simon Donig, der mit dieser Arbeit im Sommersemester 2019 an der Universität Passau promoviert worden ist, [8] und der mittlerweile am „Lehrstuhl für Digital Humanities“ der gleichen Universität tätig ist, hat mit seiner dichten Studie und Beschreibung, eng am Selbstempfinden der Untersuchungsgruppenbildung arbeitend, ein wichtiges Werk geschaffen, das wegen seiner hybriden Anlage, die unterschiedliche Entwicklung von Land und Adelserinnerungsgemeinschaftsbildung nachzuzeichnen versucht, als innovativ gelten darf. Dabei hat er auch Tabuthemen in den Interviews nicht ausgespart, so das Verhältnis der ehemaligen Adelsfamilien zum Nationalsozialismus und zu den Zwangsarbeitenden, aber auch traumatische Erfahrungen von Vergewaltigung und Zerstörung, bei der Artefakte und Menschen „Opfer“ negativer Stereotype „des Adels“ wurden. Minutiös nachgezeichnet werden außerdem, beruhend auf den 35 zwischen 2011 und 2013 geführten Interviews (Seite 515-516), die gescheiterten und geglückten wirtschaftlichen Neuanfänge, die Erinnerungspolitik der Betroffenen, die Bedeutung von personalen Netzwerken, Freundeskreisen und der Jagdbetätigung.

Donig kommt dann zu dem Schluß, daß die meisten Adelsfamilien radikal expropriiert worden seien, ihre Liminalität sie in ein völlig neues Nachkriegsleben geworfen habe. [9] Kulturelle Einflüsse hätten auch Heiratsverhalten und Berufswahl verändert, andererseits seien adelige Habitusmerkmale (z.B. die Jagdaffinität oder Manieren) dennoch erhalten geblieben (Seite 500). Der schlesische Adel, so Donig, könne weiters als Diaspora mit spezifischer ihn von der Mehrheitsgesellschaft des 21. Jahrhunderts getrennter Tradierungsbildung verstanden werden (Seite 502-503). Seine Studie hat die erweitere Forschung über die Adelsgruppenbildung nach 1945 wichtige Beiträge geliefert und ist ein Zeichen dafür, daß sich diese Richtung der Forschung weiter etabliert.

Bei einigen kleineren Zuschreibungen seinerseits können indes Zweifel nicht ganz unterdrückt werden. So bezeichnet Donig eine ablehnende Adelshaltung innerhalb eines einflußreichen polnischen Historienromans, der auch auf das Realleben der polnischen Gesellschaft und ihres Umgangs mit baulichen Adelszeugen nach 1945 Auswirkungen gehabt habe, als eine Form der „Exotisierung“ (Seite 424). Da im Exotisierten aber Faszination mitschwingt, was auch Donig zugibt, scheint der Begriff nicht angebracht, denn Donig selbst nennt dann gar keine Belege für eine wie auch immer geartete Faszination am exotisierten Adel. Im Gegenteil gibt er im Unterkaptiel „Exotisierung“ nur negative Stereotpye des Adels wider, zu denen „Langeweile“ und sexuelle Ausschweifungen gehören würden (Seiten 424-426). Es erscheint daher angesichts dieses von Donig selbst geschilderten – rein negativen – Befundes sinnvoller, die literarische Technik des Romans eher als „Othering“ oder „Veranderung“ denn als „Exotisierung“ zu bezeichnen. [10]

Fast nebenbei jedoch hat Donig an anderer Stelle und in anderem Kontext auf einen Umstand hingewiesen, der ihm (bedauerlicherweise noch) erklärungsbedürftig erscheint und nichts weniger als einen schon im Vollzug begriffenen „nobility turn“ bedeutet. Donigs Ausführungen dazu lauten: „Adel […] ist […] nach […] 1918 wie jede Gruppenzugehörigkeit an erster Stelle eine Selbstbeschreibung sowie eine Differenzerfahrung beziehungsweise eine Differenzzuschreibung“ (Seite 13). Hierzu seien einige Annotationen erlaubt. Zunächst verwirrt der Satz, da hier nur eine „erste Stelle“, aber dann keine zweite Stelle“ erwähnt wird. Die Erwartungen der Lesenden, es würde nun ein offenbar angekündigtes mehrteiliges Konzept erläutert werden, wird daher enttäuscht; es bleibt bei der „ersten Stelle“. Gleichwohl ist der Ansatz bahnbrechend, benützt Donig doch das Konzept „un/doing nobility“, [11] das er zwar nicht kennt, aber unbewußt selbst, wenn auch nur in Ansätzen, entwickelt hat. Damit vollzieht er den Schritt von einer herkömmlichen strukturalistischen Perspektive – Adel ist eine Gruppe – hin zu einer konstruktivistischen Sicht – Adel wird als fluide Gruppenbildung gemacht. 

Merkwürdig indes bleibt, auch bei Donig leider unerklärt, wieso diese Definition von Adel genau ab dem Scheidejahr 1918 gelten sollte und nicht auch für Zeit davor. Diese Sichtweise eine klaren zeitlichen Schnitts mit der Novemberrevolution kann man nur ernst meinen, wenn man allein eine staatsrechtliche Stellung des Adels in den Vordergrund stellt und andere Adelsseinsweisen ausblendet. Für Donig ist dies eigentlich irrelevant, da er die Zeit um 1918 gar nicht untersucht. 

Dennoch notiert er, der im Übrigen den Begriff und das Konzept von „Adeligkeit“ teils ablehnt (Seite 21) und teils befürwortet (Seiten 25, 221), an anderer Stelle weitere wegweisende Erkenntnisse. Denn er ist der Auffassung, daß „neben Selbststilisierungen und bewusst [sic!] oder unbewusst [sic!] im Laufe unserer Sozialisation erworbenen Habitusformen gerade auch Zuschreibungen und Erwartungshaltungen unserer sozialen Umgebung einen Einfluss [sic!] darauf haben, wer wir sind und sein können […] Soziale Unterschiede und Hierarchisierungen sind auch deshalb eine Ko-Produktion der umgebenden Gesellschaft und der durch Erwartungen und Zuschreibungen positiv oder negativ herausgehobenen Individuen oder Gruppen.“ (Seite 297). 

In diesem Zusammenhang wenig verwunderlich ist zudem die selbstsichere Distanzierung der Gruppenbildung [12] des Adels von der These, daß nicht allein sie selbst für die Adelsexistenz nötig wären; so stellte Donig eben auch fest: „Wohl aber wollte längst nicht jeder Mensch [der Interviewten] etwas mit in der Gesamtgesellschaft charakteristischerweise dem Adel zugeschriebenen Praktiken, Werthaltungen und Sprechweisen zu tun haben“(Seite 500). [13] Das ist aus Sicht der Betroffenen verständlich, denn Etablierte waren, so Norbert Elias, stets bestrebt, ihren hervorgehobenen sozialen Status beim Kampf um materielle oder immaterielle Ressourcen zu verteidigen, [14] auch wenn dies um den Preis der Verdrängung gegenüber den Konstruktionsprinzipien des Sozialen stattfinden mußte. [15]

Diese Rezension stammt von Dr. phil. Claus Heinrich Bill, M.A., M.A., B.A., erscheint zugleich in der institutseigenen Zeitschrift für deutsche Adelsforschung und wurde im Jänner 2020 verfertigt.

Annotationen:

  • [1] = Nomen Nescio: Schlesiens Adel, in: Sport im Bild – Das Blatt der guten Gesellschaft (Wien / Berlin), Ausgabe Nr. 14 vom 25. Juli 1924, Seite 818.
  • [2] = Zum Begriff siehe Claus Heinrich Bill: Erinnerung in der Gentilhommerie (Modell Seelig 2015), in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Bildatlas zur deutschen Adelsgeschichte 6 – Adelsgrafiken als Beitrag zur komplexreduzierten Aufbereitung von für die Adelsforschung dienlichen Theorien und Modellen, Sonderburg 2019, Seite 34-35 (aus der Serie Adelsgrafiken hier die Nummer AdGraf 141).
  • [3] = Simon Donig: Adel in Schlesien. Adel ohne Land – Land ohne Adel? Lebenswelt, Gedächtnis und materielle Kultur des schlesischen Adels nach 1945, Berlin / Boston 2019, Verlag de Gruyter, 597 Seiten; zugleich Band 4 der Reihe "Adel in Schlesien" und Band 49 der Reihe "Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im Östlichen Europa", ISBN: 978-3-11-034373-1, broschurgebunden, Preis: 64,95 Euro. Die der Publikation zugrunde liegende akademische Qualifikationsschrift trug noch den Titel „Zwischen Gestern und Heute. Erinnerungskulturen adeliger Zwangsmigranten in der westdeutschen Diaspora und materiale Adelskultur im polnischen Schlesien nach 1945 “.
  • [4] = Dazu siehe die entsprechenden Ausführungen zum Lemma „Oral History“ bei a) Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 5. Auflage 2007, Seite 649-650, bei b) Manfred Asendorf / Jens Flemming / Achatz von Müller / Volker Ulrich: Geschichte. Lexikon der wissenschaftlichen Grundbegriffe, Reinbek 1994, Seite 471-472, c) bei Michael Maurer (Hg.): Aufriß der Historischen Wissenschaften, Band VII., Stuttgart 2003, Seite 81-151, d) bei Ralf Bohnsack / Winfried Marotzki / Michael Meuser (Hg.): Hauptbegriffe qualitativer Sozialforschung, 3. Auflage Opladen 2011, Seite 130-132, e) bei Ruth Becker / Beate Kortendiek (Hg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, Wiesbaden 2010, Seite 359-361, f) bei Stefan Jordan (Hg.): Lexikon Geschichtswissenschaft, Stuttgart 2002, Seite 231-234.
  • [5] = Insgesamt zum Einsatz der Oral History bei der Erinnerungsgemeinschaft des historischen deutschen Adels siehe a) Alexander von Plato: Adel auf der Flucht – und das Leben danach. Überlegungen zu einer Erfahrungsgeschichte einer speziellen Flüchtlingsgruppe nach 1944, in: Bios – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral history und Lebensverlaufsanalysen, Band 27, Heft Nummer 1/2, Leverkusen 2014, Seite 262-277, b) Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen (Hg.): Unbeschwerte Zeit – Jugendjahre auf ostpreußischen Gütern und Landschlössern, Ellingen 2015, 40 Seiten, c) Peter Ufer: Sächsischer Adel auf der Flucht, in: Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 19. November 2015, Seite 19, d) Alexander von Pachelbel: The impact of the Third Reich and the Holocaust on members of the German nobility – A phenomenological study, XI und 271 Seiten, e) Mario Niemann: Mecklenburgischer Großgrundbesitz im Dritten Reich. Soziale Struktur, wirtschaftliche Stellung und politische Bedeutung, Köln / Weimar / Wien 2000, 421 Seiten, f) Barbara Mansfield: Wir sind nicht besser aber anders – Deutscher Adel in der Nachkriegszeit und in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Selbstverständnis unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechtes derer von Arnim, Berlin 2019, 500 Seiten. – Donig indes kennt diese Studien zumeist bedauerlicherweise nicht und hat sie nicht berücksichtigt, wie ein Blick in sein Literaturverzeichnis offenbart (Seite 524-567); allein die hier erwähnten Aufsätze von Plato und Niemann hat er benützt.
  • [6] = Zu diesem zeithistorischen „nobilty memory sector “ zählen – beispielhaft – auch a) Christian Baetge / Gert G. von Harling: Aus alten Wurzeln – Wiedereinrichter zwischen Ostsee und Thüringer Wald. Dokumentation zur wechselvollen Geschichte der Landwirtschaft in Ostdeutschland, Hannover 2010, 216 Seiten, b) Katja Bülow: Jakob Schwichtenberg promoviert über Adel in der DDR, in: Rostock delüx – Gesellschaftsmagazin für Rostock und Umgebung, Jahrgang 10, Rostock 2017, Ausgabe 1 (Frühling 2017), Seite 14-15, c) Eckart Conze: Der Edelmann als Bürger? Standesbewußtsein und Wertewandel im Adel der frühen Bundesrepublik, in: Manfred Hettling / Bernd Ulrich (Hg.): Bürgertum nach 1945, Hamburg 2005, Seite 347-371, d) Astrid von Friesen: Der lange Abschied – Psychische Spätfolgen für die 2. Generation deutscher Vertriebener, in: Deutsches Adelsblatt – Mitteilungsblatt der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände, Jahrgang 39, Kirchbrak 2000, Ausgabe Nr. 5 vom 15. Mai 2000, Seite 127-129, e) Hartmut Ellrich: Der Deutsche Adel im 20. und 21. Jahrhundert, Petersberg 2016, 240 Seiten, f) Maciej Görny: Die Adelsproblematik in den marxistischen Geschichtswissenschaften in Polen, der Tschechoslowakei und der DDR (späte 1940er bis frühe 1960er Jahre), in: Miloš Rezník / Lubos Velek (Hg.): Adelsgeschichte als Elitenforschung, München 2012, Seite 39-47; g) Erhard Crome: Der Gentry-Faktor, in: Kultursoziologie – Aspekte Analysen Argumente. Wissenschaftliche Halbjahreshefte der Gesellschaft für Kultursoziologie, Jahrgang 10, Leipzig 2001, Heft Nr. 1, Seite 163-176. Die beiden letztgenannten Aufsätze wurde von Donig bedauerlicherweise nicht genützt, obschon für sein Thema (polnischer Umgang mit dem Thema „Adel“) einschlägig.
  • [7] = Dazu siehe beispielhaft Thomas Bienert: Aus den Augen, aus dem Sinn? Verlustkatalog Thüringer Schlösser, Guts- und Herrenhäuser nach Befehl Nr. 209 der Sowjetischen Militäradministration 1946 bis 1949 sowie in der Zeit der DDR und der Gegenwart bis 2015, Altenburg 2019, 248 Seiten.
  • [8] = So die entsprechende Angabe auf der Webseite der Universität Passau [Adresse: „uni-passau.de/bereiche/beschaeftigte/aktuelles/meldung/detail/promotionenhabilitationen-april-bis- juni-2019“], die Einreichung der Dissertation erfolgte nach Donig im Winter 2018 (Seite 10).
  • [9] = In diesem Zusammenhang beschäftigte sich Donig auch mit der sonst in der Adelsforschung nur selten benützten Quellengattung der Bayreuther Lastenausgleichsakten des Bundesarchivs (Seite 184-185 und 514), die auch für andere Fragestellungen, Untersuchungsgebiete und Familien sowohl für die Zeit vor als auch nach 1945 von Belang sein dürfte. In Bayreuth sind außerdem rund 30.000 Berichte der sogenannten „Ostdokumentation“ vorhanden; sie enthalten Erinnerungsberichte von (auch ehedem adeligen) Geflüchteten. 
  • [10] = Das Konzept des Othering ist möglicherweise wesentlich weniger verbreitet als das der Exotisierung. Zu den Differenzen und Definitionen siehe Andre Gingrich: Othering (Ver-Anderung), in: Fernand Kreff / Eva-Maria Knoll / Andre Gingrich (Hg.): Lexikon der Globalisierung, Bielefeld 2011, Seite 323-324, sodann die vielfach erörterten und verbreiteten Lemmata „exotisch“, „Exotismus“ und „Exotisierung“ bei Karlheinz Barck (Hg.): Ästhetische Grundbegriffe, Band II., Stuttgart 2001, Seite 338-366, bei Heinz Thoma (Hg.): Handbuch Europäische Aufklärung, Stuttgart 2015, Seite 201-210, bei Volker Meid (Hg.): Literaturlexikon, Band XIII., Gütersloh / München 1992, Seite 280-281, bei Achim Trebeß (Hg.): Metzler Lexikon Ästhetik, Stuttgart / Weimar 2006, Seite 102, bei Ansgar Nünning (Hg.): Grundbegriffe der Kulturtheorie und Kulturwissenschaften, Stuttgart 2005, Seite 40-41, bei Ansgar Nünning (Hg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart 5.Auflage 2013, Seite 197-198, bei Dieter Burdorf / Christoph Fasbender / Burkhard Moennighoff (Hg.): Metzler Lexikon Literatur, Stuttgart 3.Auflage 2007, Seite 220-221, bei Friedrich Jaeger (Hg.): Enzyklopädie der Neuzeit, Band III., Stuttgart 2006, Spalte 682-689, bei Hannes Stubbe: Lexikon der psychologischen Anthropologie, Gießen 2012, Seite 204, bei Klaus Weimar (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Band I., Berlin 1997, Seite 544-546, bei Stefanie Samida / Manfred Eggert / Hans Peter Hahn (Hg.): Handbuch Materielle Kultur, Stuttgart 2014, Seite 201-205, bei Wolfhart Henckmann / Konrad Lotter (Hg.): Lexikon der Ästhetik, München 2.Auflage 2004, Seite 96-97.
  • [11] = Dazu siehe Claus Heinrich Bill: Konzept des Adelsbegriffs „Un/doing Nobility“, in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Bildatlas zur deutschen Adelsgeschichte 4, Sonderburg 2018, Seite 40-41; erstellt als poststrukturalistisch-dynamischer Gegenentwurf (oder, je nach Perspektive, als Weiterentwicklung) zum herkömmlichen statischen Forschungsmodell, das „beeing nobility“ genannt werden könnte und Adel als fest-stabile „Gruppe“ und nicht als fluide und labile „Gruppenbildung“ verstehen will.
  • [12] = Donig spricht leider durchgehend vom Adel als Gruppe; zur Kritik an diesem Begriff und zum Plädoyer für den passender erscheinenden Begriff „Gruppenbildung“ siehe indes Bruno Latour: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft, Frankfurt am Main 2010, Seite 50-75.
  • [13] = Dies kann als Versuch gewertet werden, die Aufrechterhaltung von Humandifferenzierungen aus eigener Selbstdefinition zu befürworten und jedes Ähnlichkeitsdenken zu negieren. Dazu siehe a) Stephan Hirschauer / Tobias Boll: Un/doing Differences. Zur Theorie und Empirie eines Forschungsprogramms, in: Stefan Hirschauer (Hg.): Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung, Weilerswist 2017, Seite 7-26 sowie b) Anil Bhatti / Dorothee Kimmich / Albrecht Koschorke / Rudolf Schlögl / Jürgen Wertheimer: Ähnlichkeit. Ein kulturtheoretisches Paradigma, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 36, Ausgabe Nr. 1, Berlin 2011, Seite 233-247.
  • [14] = Dazu siehe Norbert Elias / John L. Scotson: Etablierte und Außenseiter, Frankfurt am Main 2016, 315 Seiten; die Erstauflage erschien in London 1965 unter dem Titel „The established and the outsiders – A sociological enquiry into community problems“.
  • [15] = Zu einem neueren und anderen Ansatz siehe Frank Hillebrandt: Praxistheorie, in: Georg Kneer / Markus Schroer (Hg.): Handbuch Soziologische Theorien, Wiesbaden 2009, Seite 369-394.
 

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