Institut Deutsche Adelsforschung
Gegründet 1993
Online seit 1998

Start | Sitemap | Tipps | Anfragen | Zeitschrift | Neues | Über uns | AGB | Impressum

Gender und Migration 

Kombinierte Faktoren in der Einwanderungspolitik – Eine Rezension

Gender Mainstreaming – Flüchtlinge – Migration und Refugees welcome. Die aktuelle Zeit wird von einem Diskurs geprägt, der genau diese Themen in den Vordergrund rückt. Aber wie sieht hier eigentlich die Forschungslage aus? Welche Projekte gibt es für bzw. gegen Rollenstereotype? Wie kann eine Integration gelingen? Wie sieht eine „vorurteilsfreie“ Schule aus? Über viele dieser Themenschwerpunkte gibt das Buch „Gender und Migration“ gute und interessante Einblicke. [1] 

Es werden in den unterschiedlichen Kapiteln, die jeweils über aktuelle Projekte in Europa berichten, gute Definitionen benannt. Mit einzelnen Instrumentarien wird aufgezeigt, wie Integration gelingen kann. Der Begriff Inklusion rückt dabei in den Fokus des Buches. 

Die einzelnen Projekte, die in dem Buch Gender und Migration beschrieben sind, zeigen auf, wie der Begriff gedeutet und umgesetzt werden sollte. Dabei wird an der zweiten Sozialisationsinstanz angesetzt und dies an zwei unterschiedlichen Punkten. [2] Ein Ansatzpunkt stellt die Vielfältigkeit von verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern dar. Hier wird unter anderem in dem Aufsatz von Gregor Jöstl „Geschlechterstereotype in der Bildungssozialisation – Reflexive Koedukation als Lösungsansatz“ an der Ebene des Lehrkörpers angesetzt, um über die Vermittlung und den Inhalt der Rollenstereotype eine inklusivere Schulform anzustreben. Ziel ist es in dem Projekt, Geschlechtsvorurteile abzubauen, was gleichzeitig auf einer anderen Ebene mit dem Abbau von Hürden für z.B. Frauen im Mathematikunterricht einhergeht. Dieser Ansatz stellt einen ersten Schritt zur Inklusion auf der Ebene der zweiten Sozialisationsinstanz dar. 

Während im Aufsatz von Jöstl auf die Gleichheit der Geschlechter eingegangen wird, gehen andere Autor*Innen von einem diametralen Ansatz aus und nehmen die Unterschiedlichkeiten in den Fokus der Forschung. Klaudia Kramer und Sabina Enzelberger beschreiben in Ihrem Aufsatz „Wie entwickeln sich die Interessen von Mädchen und Jungen? – Neuere Befunde und Ihre Implikation für die wissenschaftliche Genderdiskussion“ genau diese Unterschiedlichkeiten von Geschlechtern. Beide Ansätze sind in sich evident, sie greifen die Vielfalt auf und beschreiben Diversität als Gewinn. 

Gleichzeitig versuchen die Ansätze Einfluß auf die bestehenden Strukturen zu nehmen, dabei bauen sie Hürden ab und können somit als inklusive Instrumente verstanden werden. Ein anderer Ansatzpunkt auf der Ebene der zweiten Sozilisationsinstanz nimmt die Migration in den Fokus. In dem Aufsatz von Astrid Messerschmidt „Sprechen über Andere? Thematisierung von Geschlechterverhältnissen in der Migrationsgesellschaft“ greift Messerschmidt die Verwobenheit beider ausschlußerzeugenden Differenzen auf. Sie spricht in Ihrem Aufsatz unter anderem vom „Wissen über Kulturen“ und stellt den Betrachtungspunkt der National-Kulturalität (des Nationalcharaskters) [3] kritisch zur Diskussion. Dabei greift Sie die Geschlechterunterschiede im Fokus der unterschiedlichen Kulturen und Migrationsbewegungen von Menschen auf.

In einem weiteren Aufsatz von Michael Weis „Schulen ohne Rassismus? – Lehrerinnen und Lehrer mit Courage! Diskriminierungskritische Pädagogik als Perspektive für die schulische Praxis“ tritt nun Migration in den Vordergrund der Diskussion. Der Aufsatz von Weis ist mit zahlreichen schlüssigen Definitionen ausgestattet und versucht trennscharf auf die Problematik von Diskriminierung und Rassismus einzugehen. Dabei wird aufgezeigt, auf welche Hürden eine Schule treffen kann. Integration wird dabei so dargestellt, dass diese nur gelingen kann, wenn mit Hilfe von Inklusion institutionelle Zugangsbehinderungen abgebaut werden.

Das Buch „Migration und Gender – Bildungschancen durch Diversity-Kompetenzen“ ist eine Ansammlung von Aufsätzen mit unterschiedlichen Ansätzen, für ganz individuelle Problemlagen.  Die Vielfalt der Aufsätze spiegelt dabei nicht nur die Problematik des Themas wieder, sondern lässt auch Rückschlüsse zu, wie komplex die Themen Migration und Gender sind. Diese mit Diversitätsansätzen zu verbinden, stellt einen Gewinn für alle dar. Das Buch gibt dabei eindrucksvoll wieder, wie die o.g. Themen angegangen werden könnten, wie weit die Forschung gediehen ist und in welche Richtung es gehen kann. 

Gerade in der heutigen Zeit stellen erprobte Instrumente eine wichtige Grundlage da, um auf die sich verändernde Gesellschaft und deren Herausforderungen adäquat reagieren zu können. Da Migration und Gender zudem hochaktuelle Themenfelder des XXI. Jahrhunderts und der Gegenwart sind, ist dieses Buch eine erste wichtige Orientierung, um sich den Thema anzunähern, aber auch, um dafür sensibel zu werden.

Diese Rezension erscheint ebenso gedruckt in der Zeitschrift für deutsche Adelsforschung und stammt von Sven Lütt B.A. (Kiel).

Annotationen: 

  • [1] = Birgit Hoyer (Hg.): Migration und Gender. Bildungschancen durch Diversity-Kompetenz, Verlag Budrich UniPress, Leverkusen 2015, Hardcoverbindung, ISBN: 978-3-86388-091-0, 200 Seiten, Preis: 29,90 €
  • [2] = Zu den Sozialisationsinstanzen siehe Gerd Reinhold (Hg.): Soziologie-Lexikon, München 4.Auflage 2000, Seite 604 sowie Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 5.Auflage 2007, Seite 820.
  • [3] = Siehe dazu das die teils widersprüchlichen Diskurse zum Lemma „Nationalcharakter“ (der Deutschen) bei a) Günter Endruweit: Wörterbuch der Soziologie, Konstanz 3.Auflage 2014, Seite 335-336, b) Hannes Stubbe: Lexikon der psychologischen Anthropologie, Gießen 2012, Seite 480-481, c) Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 5.Auflage 2007, Seite 607, d) Wilhelm Bernsdorf (Hg.): Wörterbuch der Soziologie, Band II., Stuttgart 2.Auflage 1975, Seite 571-575, e) Paul Herre (Hg.): Politisches Handwörterbuch, Band I., Leipzig 1923, Seite 391-394. 

©  Institut Deutsche Adelsforschung - Quellenvermittlung für Wissenschaft, Familienforschung, Ahnenforschung | Seitenanfang