Institut Deutsche Adelsforschung
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Audienzen im interkulturellen Kontext

Außereuropäisch-europäische Begegnungen in Früher Neuzeit

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Zwecke des Handels zwischen Rußland und China wurde bereits in der Frühzeit des XVII. Jahrhunderts mehrfach in Angriff genommen, allein von den dazu nach Peking abgesandten russischen Gesandtschaften kamen offensichtlich die wenigsten an ihrem Bestimmungsort an. Einige kehrten vorzeitig um, weil die Schwierigkeiten der Reise unüberwindlich schienen, andere gingen verschollen.  Die erste Gesandtschaft, bei der bereits die Ankunft derselben in Peking immerhin als Erfolg gewertet werden konnte, war im Jahre 1654 die Gesandtschaft des russischen Diplomat Isaacowitz Baikoff (Baikow), der beim chinesischen Herrscher, in zeitgenössischen europäischen Quellen „Chan“ genannt, in ökonomischer Hinsicht Vergünstigungen für das zaristische Rußland zu erlangen suchte. Auftraggeber der Reise war der russische Zar Alexej Michalowitsch (1629-1767). Baikow verfaßte zu seiner Gesandtschaft einen russischen Reisebericht, der später ins Niederländische übersetzt wurde und in Auszügen auch in Deutschland rezipiert worden war. [1] Abgesehen von zahlreichen Übersetzungsverlusten kann der Reisebericht dennoch als gute Quelle für interkulturelle Begegnungen in der Frühen Neuzeit dienen.

Demgemäß reiste Baikoff von Tobolsk in Sibirien aus seit Juni 1654 nach Peking, wo er endlich am 3. März 1656 anlangte. Nach seiner Mission reiste er am 14. September desselben Jahres wieder nach Sibirien zurück, wo er am 31. Juli 1657 seine Reise beendete.

Um es vorweg zu nehmen, sei gesagt, daß Baikows Reise scheiterte. Er war nicht bereit, als Vertreter des Zaren die Grenzen des eigenen kulturellen Zeremoniells zu überwinden und sich an die zeremoniellen chinesischen Gepflogenheiten anzupassen. Dazu schrieb ein deutscher Chronist: „Übrigens erhellet aus der Sammlung Russischer Geschichte, daß diese Gesandtschaft in Ansehung der eigentlichen Geschäfte des Gesandten Baikow nicht glücklich war, weil er nicht, wie man in Sina verlangte, mit der Regierung sich einlassen, sondern das tzarische Schreiben dem Chan selbst überreichen, sich jedoch um der Ehre seiner Nation nichts zu vergeben, zu den erniedrigenden Formalitäten, welche die Sineser ehedem fremden Gesandten vor der Audienz zumutheten, nicht verstehen wollte und daher keine Audienz bey dem Chan erhielt. Indeß hatte diese Gesandtschaft den Nutzen, daß man nun in Rußland umständlichere und gewissere Nachrichten von Sina, als man bisher gehabt hatte, bekam, und insonderheit, daß man den Weg nach Sina kennen lernte.“ [2]

Näheres zu dem Scheitern der Mission läßt sich einer anderen historischen Einordnung der Geschehnisse entnehmen, in der Peking als Chambula bezeichnet wurde: „Auf dem Wege dahin [nach Peking; Anmerkung des Rezensenten] versammelte er [Baikoff] um sich eine Karawane von Russischen und Bucharischen Kaufleuten, und lebte mit dieser 6 Monate lang in der Residenzstadt von China. Dennoch wußten am Ende `weder er noch seine Leute, ob Chambalu groß sei oder klein´, weil man sie in dem Gesandtschaftshause eingeschlossen hielt, wie in einem Kerker. Sein Benehmen gegen die Chinesischen Machthaber ist nichts weniger als biegsam gewesen. Er klagt, daß man ihm zur Bewillkommung nur zehn Hofleute und nur ½ Werst weit von der Stadt entgegengesendet habe. Auch brachte man ihn nicht dazu, am Stadtthore vom Pferde zu steigen, und das Knie zu beugen vor dem Wohnsitz des Herrschers, denn er behauptete, selbst seinen eignen Zaren grüße er nur wenn er ihn sahe, und zwar stehend, und nur durch Abziehung des Hutes! 

Nicht minder zeigte er sich beleidigt, als man ihn beim Eintritt in Peking im Namen des Beherrschers von China mit Thee bewirthete, denn obgleich es in der ersten Woche der grossen Fasten ... geschah, so sei doch, sündhafter Weise und wie ihm zum Hohne, der Thee mit Butter und Milch gekocht gewesen. Beikow verstand sich nach ernstlichem Zureden dazu, eine Tasse zu nehmen, gab sie aber ungeleert zurück, und er bemerkt, die Chinesischen Hofleute haben dazu geschwiegen. Sie schienen um desto zorniger gedacht zu haben über den Kosackischen Freimuth. Am folgenden Tage kamen sie zu den Russen, um auf Befehl des Bogdu Chan gegen eine auszustellende Quittung die Zarischen Geschenke von ihnen in Empfang zu nehmen. 

Auch dieses erfolgte erst nach manchen Weigerungen des kühnen Tobolsker, denn er behauptete: in Rußland sei es Gebrauch, daß die Gesandten zuvor den Brief des fremden Herrschers, und erst in der Folge dessen Geschenke als Liebeszeichen überreichten. Es vergingen dann einige Monate, während welcher Baikow vergeblich aufgefordert wurde, seine Briefe dem Minister des Bogdu Chan zu übergeben, und bis zu der ihm bevorstehenden Audienz bei dem Herrscher, die üblichen Ehrfurchts-Bezeugungen zu erlernen. Er beharrte darauf, den Zarischen Brief nicht anders als eigenhändig zu bestellen, und Seine Mandjuische Majestät nur nach Russischer Sitte zu grüßen, bis daß ihm endlich, am 12ten August desselben Jahres, seine Geschenke zurückgebracht wurden, mit der Weisung, abzureisen; denn er habe den Wünschen des Herrschers in Nichts entsprochen; sein Verlangen, den Bogdu Chan ohne Weiteres zu sehen, sei anmassend, denn selbst von dessen eignem Volke stehe Dieses nur den Vornehmsten zu, und die Verweigerung des üblichen Grußes sei um so anstössiger, als schon früher ein weit vornehmerer Russischer Botschafter, namens Petr Jarúischkin, ihn eben so wie alle Europäischen Gesandten in Peking vollzogen habe. [3] Diese gelinde Belehrung erscheint als ein auffallendes Beispiel von dem Langmuthe der Chinesen; Baikow dachte aber anders, und in seiner naiven Weise klagt er vielmehr, daß man ihn nun ohne weitere Höflichkeiten und nur mit den nöthigen Wegweisern aus der Stadt gehen ließ. 

Höchst auffallend ist, daß er diese Ansichten später bereute, denn nach neun Tagereisen von Peking machte er wiederum Halt, und schickte einen Indier, der bei der Karawane als Kaschewàr d.i. Breikocher oder Küchenmeister diente, nach der Hauptstadt zurück, bat beim Bogdu Chan um Verzeihung, und versprach nun Alles von ihm Gewünschte zu vollziehen. Wirklich wurden die Unterhandlungen noch einmal angeknüpft, sehr bald aber um so entschiedener abgebrochen, wegen einer neuen Unschicklichkeit von Baikows Seite. Die Chinesischen Eilboten, die von Peking gesandt wurden, fanden ihn nämlich nicht mehr an dem Orte, an welchem ihn sein Koch verlassen hatte, vielmehr hatte er sich von dort, man weiß nicht weßhalb, noch um drei Tagereisen weiter von Peking entfernt. Dies meldete man nach der Hauptstadt, und andre Reiter, welche nun von dort in das Russische Lager kamen, bestellten schließlich an Baikow, wie er uns selbst berichtet: ein Benehmen wie das seinige, zeuge von geringem Verstande, und obgleich er sich einen Zarischen Gesandten nenne, so verstehe er doch durchaus nicht, das ihm übertragene Ehrenamt zu führen.“ [4]

Da diese Audienz also gar nicht stattfand, könnte man gemeinhin von einer eher uninteresssanten Schilderung der Angelegenheit ausgehen, einer historiograpischen Randbemerkung, einem historischen Treppenwitz ohne Wert. Denn sie hatte keine immediaten Folgen auf den Handel oder die Beziehungen der beiden Herrscher zwischen China und Rußland, sie hatte keine Konsequenzen für die `Haupt- und Staatsaktionen´. Und selbst Berichte stattgehabter Audienzen waren oftmals nur Ausdruck von Exotismus oder galten als reelle schriftliche Nacherzählungen und reine „Abbildungen“ von tatsächlich stattgefundenen Ereignissen, die dann aber über den chronikalischen oder Wert des Skurrilen nicht hinaus gingen.

 Erst Ende des verflossenen XX. Jahrhunderts nahm die Forschung auch eine dekonstruktivistische Sichtweise auf diese Art der Begegnung zwischen Kulturen auf, eine Sichtweise, die im Zeitalter ganz normaler zunehmender interkultureller Begegnungen scheinbar auf größer werdendes Interesse stößt. Interkulturalität ist derzeit, im XXI. Säkulum, ein magisches Wort. Interkulturelle Studien werden in allen geisteswissenschaftlichen Disziplinen angestellt, haben auch im Management und in der Betriebswirtschaftslehre (bei der Frage von Geschäftsbeziehungen zu Übersee oder Werkeröffnungen in Übersee) eine feste Heimstatt gefunden. Daß nun ein Tagungsband im Anschluß an einen Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema „Audienzen transkulturell. Ritualisierte Kommunikation und inszenierte Begegnung in der Frühen Neuzeit“ erscheint, ist daher nur folgerichtig. Der aktuelle Blick auf interkulturelle Begegnung im eigenen Land, in Europa, auch das Hereintragen außereuropäischer Konflikte und kultureller Lebensentwürfe und -weisen läßt auch den Blick auf die Geschichte dieser Begegnungen als Beitrag der Geschichtswissenschaft zumindest verständlich, wenn nicht notwendig, erscheinen.

Daher veranstalteten die Kulturwissenschaftler Prof. Dr. phil. Peter Burschel M.A. von der Humboldt-Universität zu Berlin und Prof. Dr. phil. Christine Vogel von der Universität Vechta 2011 einen Workshop mit verschiedenen Beiträgern, aus denen 2014 der vorliegend zu besprechende Sammelband mit einer Einführung und zehn Einzelfall-Aufsätzen entstand. Der Band, herausgegeben von den beiden eben Erwähnten, trägt den Titel „Die Audienz. Ritualisierter Kulturkontakt in der Frühen Neuzeit“ und umfaßt die Schilderung und profunde Analyse von zehn verschiedenen Audienzszenarien zwischen dem XVI. und XIX. Jahrhundert. [5] Eingeleitet wird er durch allgemeine Bemerkungen und den Versuch einer thematisch-theoretischen Klammer in Bezug auf Audienzen. Diese besteht laut Burschel als Gemeinsamkeit aller behandelten Fälle in einem Quintett aus a) einem symbolisch hoch verdichteten Raum der Begegnung, b) einem interkulturellen Setting der Hybridisierung von Auffassungen, Riten, Zeremonien und diplomatischen Handlungsweisen, [6] c) der Nutzung eines breit gefächerten und reich bestückten Werkzeugkastens zur Imitation oder Karnevalisierung alteritärer diplomatischer Gebräuche, d) das Fehlen einer transkulturellen Öffentlichkeit sowie e) der Problematik, daß Audienzen in der Frühen Neuzeit selbst keine interkulturelle, sondern immer nur eine eigenkulturelle Sichtweise zelebriert hätten. [7] 

Dem Quintett entsprechend multiperspektivisch sind auch die Beiträge des Sammelbandes ausgerichtet. Der Artikel der Münsterschen Doktorandin Christina Brauner M.A. beispielsweise - über westafrikanische-europäische Audienzkonflikte in den Jahren 1751/52 (auf Seite 265-306) - geht dabei weit über eine Einzelfallschilderung hinaus, bietet und erläutert vielmehr grundlegende theoretische Überlegungen zum „semiotischen Abenteuer“ namens „Audienz“, einem an Zeichenhaftigkeit und performativen Aspekten überaus reichen, wenn nicht sogar ausschließlich daraus bestehenden interkulturellen Vorgang. Sie macht aufmerksam auf die verschiedenen Beeinflussungen der Narrationen, die von derartigen Audienzen berichten, die zur Abgrenzung vom Fremden, zur Abgrenzung von präkolonialen Konkurrenten oder zur Selbsterhöhung dienen konnten. Dabei fällt bei genauerem Hinsehen die Reichhaltigkeit an enzyklischer wie auch apozyklischer Hermeneutik auf, [8] die sich aus den Audienzberichten herauslesen läßt, wenn man sie entsprechend, wie Brauner, dekonstruiert. So bestätigt Brauner in ihrem Beitrag die schauspielerische Weisheit „Der König wird nicht vom König gespielt, sondern vom Volk“, mithin die aktive Zuschreibung von Prestige und Rang durch historische Akteur*Innen.

Auch der Beitrag von Prof. Dr. Claudia Garnier von der Universität Vechta enthält vieles, was allgemeingültig ist, auch wenn sie ausschließlich deutschsprachige Reiseberichte deutscher Diplomaten des XVI. und XVII. Säkulums am Moskauer Hof auswertet. Jedoch heißt es bei ihr beispielsweise ganz generell, was auch für die übrigen im Buch behandelten Audienzbetrachtungen in Westafrika, Ägypten, Polen, Indien, im Osmanischen Reich, Venedig, Siam, gelten kann: „In der direkten Begegnung wurde die Beziehung durch sprachliche Formulierungen, aber auch durch Zeichen und Gesten zum Ausdruck gebracht. Nicht nur die Anrede oder die Konversation, sondern auch nonverbale Zeichen, wie etwa das Abnehmen der Kopfbedeckung, die Verbeugung, das Aufstehen, Platznehmen oder das Überreichen eines Geschenks sandten unmissverständliche Signale aus.“ (Seite 57) 

Klar und den Reiz der Untersuchungen in diesem Sammelband ausmachend ist auch, daß diese Begegnungen „des Eigenen“ und „des Anderen“ stets ein multikultureller, bisweilen ein interkultureller, noch seltener ein transkultureller Akt war, da, je nach dem Grad größeren Verstehens der jeweiligen Alteri, die Parteien Rücksicht aufeinander nahmen und die je spezifisch geltenden hofzeremoniellen Grundsätze auch schon einmal deviantistisch verformten, um den Alteri entgegen zu kommen. Der “Sonnenkönig“ Ludwig XIV. empfing beispielsweise einen Brief des Herrschers von Siam in einem eigens dafür produzierten „Apparat“, um damit seine Wertschätzung für den Brief als Stellvertreter des siamesichen Herrschers auszudrücken und seine Gäste nicht zu düpieren - und weil ein Brief traditionell hohe Verehrung in Siam besaß (Seite 254).

Analog zu dem erst richtig im XXI. Säkulum aufkeimenden Forschungsfeld der Ritualfehler [9] interessieren sich auffallend viele Verfasser*Innen von Beiträgen zu diesem Sammelband für Zeremonialfehler und Zeremonialkonflikte, die im Gegensatz zu funktionierenden Zeremonialabläufen ebenso wesentliche Aussagen über das Verhältnis zwischen den beteiligten historischen Akteuer*Innen [10] liefern können. Der Band kann somit als ein praktisches Anwendungsfeld einer gleichwohl der Soziologie entnommenen, aber dennoch nichtsoziologischen Devianzforschung par excellence angesprochen werden.

In diese Kategorie ist auch der eingangs erwähnte „Fall Baikoff“ in Peking einzuordnen, der an einem Überschuß an apozyklischer Hermeneutik litt, die richtige Balance zwischen Repräsentationsverlust und Ehrerbietung vor den Alteri nicht finden konnte - und daher zum Scheitern verurteilt war: Baikoff wollte den Brief ausschließlich persönlich übergeben, alles andere hätte für ihn eine Zurücksetzung seines Auftraggebers bedeutet, die Chinesen dagegen sahen in diesem Ansinnen einen Zeremonieverstoß und eine Anmaßung. Zwei Ordnungen und Interessenlagen standen dabei scheinbar unversöhnlich einander gegenüber, die zu dieser Zeit noch, in einem hochsemiotischen Raum der diplomatischen Situation, nicht miteinander in Einklang gebracht werden konnten.

Allerdings ist es problematisch, allein vom „Schietern“ einer solchen Mission zu sprechen, denn der Baikoffsche Bericht kann zugleich auch als Erfolg der Mission bezeichnet werden. Er war nämlich ebenso eine schriftperformative Aufführung, die ausschließlich für ein russisches Publikum gedacht und damit bewußt oder unbewußt auch auf diese Zielgruppe ausgerichtet war. Da sonst kaum Beobachter in Peking vor Ort waren, die dem russischen Zar von der Reise hätten berichten können, war Baikoff gezwungen, seine Reise über den Reisebericht in Rußland bekannt zu machen, in literarischer Form zu „wiederholen“, sie „aufzuführen“. Inwiefern Baikoff dann hierbei auf die Befindlichkeiten des Zaren Rücksicht genommen hat, indem er in dem Bericht besonderes Augenmerk auf sein Verhältnis zum Zaren und dessen Stellung nahm (und damit Unterordnung demonstrieren wollte), oder ob er sich in Peking tatsächlich so verhalten hat wie geschildert, ist nicht mehr zu klären. Deutlich wird aber allein an den Strukturbedingungen der Publikation solcher Berichte die Problematik von Audienzschilderungen, die am ergiebigsten dann sind, wenn sie aus unterschiedlicher Perspektive verfaßt, von beiden beteiligen Seiten überliefert wurden. [11]

Der neu erschienene Sammelband von Burschel und Vogel ist mit seinen Beiträgen gut geeignet, diese und andere neue Sichtweisen auf Audienzen im interkulturellen Kontext zu entwerfen und neue Forschungsfelder im genannten Sinne zu erschließen. Für 39,90 Euro ist der im Böhlauverlag in Köln, Weimar und Wien erschienene hardcovergebundene Band mit weißem Lesebändchen und einer Farbabbildung auf dem Buchtitel und -rücken im Buchhandel zu erwerben.

Diese Rezension erscheint ebenso gedruckt in der Zeitschrift für deutsche Adelsforschung und stammt von B.A. Claus Heinrich Bill (Kiel).

Annotationen:

  • [1] = Zum Beispiel bei Nomen Nescio: Ergänzung zu Kilburgers Unterricht vom Rußischen Handel (Schluß), in: Gelehrte Beyträge zu den Braunschweigischen Anzeigen, Stück Nr. 38 vom 16. May 1781, Spalte 295-300
  • [2] = Nomen Nescio: Extract aus derjenigen Reyße, die der moscowitische Tzar nach Christi Geburt Ao. 1654 und nach Reußischer Jahrszahl Ao. 7162 wegen einrichtung [sic!] der Commercien in die Chinisische Residentz Stadt Peking, welches die Reussem [sic!] Kambalik nennen, gesendet hat, in: Gotthold Ephraim Lessing / Johann Joachim Eschenburg (Herausgebende): Zur Geschichte und Litteratur aus dem Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Band V., Braunschweig 1781, Seite 182. Daß allerdings selbst bei offenkundigem apozyklischem Verhalten trotzdem eine enzyklische Absicht vorliegen konnte, zeigte der zu differenzierende Fall eines von Baikoff zwischen dem Zaren und dem chinesischen Herrscher angestellten Ehrerbietungsvergleichs. Hierbei hatte Baikoff, als er in den Verhandlungen mit den chinesischen Behörden auf eine Audienz zur Einführung in die chinesischen Gepflogenheiten auf einem von ihm sogenannten „Gerichtshof“ (einer Zeremonialbehörde) erscheinen sollte, angemerkt: „Bevor ich nicht euren Kaiser gesehen habe, kann ich nicht in den Gerichtshof kommen. Mein Monarch hat mir befohlen, eurem Kaiser nicht weniger Ehrfurcht als ihm selbst zu erweisen.“ Siehe dazu Auszug aus dem Reise-Journal des russischen Gesandten Feodor Isakowitsch Baikoff nach China, im Jahre 7162 (1654), den 25. Juni, in: Friedrich Murhard / Benjamin Heideke (Herausgebende): Konstantinopel und Sankt Petersburg, der Orient und der Norden, Jahrgang II., Band III., Heft Nr.7, Sankt Petersburg / Penig [in Sachsen] 1806, Seite 6
  • [3] = Zur Wichtigkeit von Grußpraktiken im interkulturell-diplomatischen Kontext siehe übrigens den Beitrag der Privatdozentin Dr. phil. Antje Flüchter M.A. von der Universität Oslo mit dem Titel „Den Herrscher grüßen? Grußpraktiken bei Audienzen am Mogulhof im europäischen Diskurs der Frühen Neuzeit im hier besprochenen Sammelband von Burschel und Vogel (Seite 17-56).
  • [4] = Adolph Erman: Reise um die Erde durch Nord-Asien und die beiden Oceane in den Jahren 1828, 1829 und 1830, Berlin 1838, Seite 113-115
  • [5] = Das Schwergewicht des Bandes liegt zwar auf der Frühen Neuzeit, ein Beitrag sticht diesbezüglich jedoch hervor, weil er eigentlich bereits in der sich formierenden Moderne und Neuzeit liegt. Denn der Kieler Juniorprofessor Dr. phil. Felix Konrad befaßt sich darin (Seite 307-335) mit den Marketingstrategien der ägyptischen Vizekönige des Osmanischen Reiches, deren Agency mithilfe von Audienzen europäischer Diplomaten vor allem auf einer Beeinflussung der europäischen Öffentlichkeit lag. 
  • [6] = Burschels Einordnung sagt (Seite 12), daß Audienzen nicht dazu geeignet wären, ein „cultural mißunderstanding“ zu kultivieren. Im Falle Baikoff mag er damit Recht haben, denn die projektierte Audienz scheiterte bereits vor ihrer Abhaltung an Baikoffs apozyklischer Hermeneutik und mangelnden Toleranz gegenüber einheimischen diplomatischen Gepflogenheiten. Allerdings bedeutete allein das Abhalten einer Audienz nicht automatisch einen interkulturellen Erfolg. Genauso gab es auch Audienzen, die ihren eigentlichen Zweck verfehlten und die während ihrer Abhaltung oder danach an Gründen des „cultural mißunderstandig“ scheiterten. Genannt sie hier als im Popperschen Sinne Burschels Behauptung falsifizierendes Beispiel nur die gescheiterten Audienzen von Briten in China (der sich vor allem um die Einordnung der Gesandtschaft als Tributbringende und den Kotauvollzug entzündete). Siehe dazu Walter Demel: Als Fremde in China. Das Reich der Mitte im Spiegel frühneuzeitlicher europäischer Reiseberichte, München 1988, Seite 142 
  • [7] = In diesem Zusammenhang sei aber darauf verwiesen, daß z.B. das Modell von Yousefi und Braun geeignet ist, eine detaillierte interkulturelle Dechiffrierung derartiger autokultureller Sichtweisen vorzunehmen. Siehe dazu Hamid Reza Yousefi / Ina Braun: Interkulturalität. Eine interdisziplinäre Einführung, Darmstadt 2011, Seite 42-92
  • [8] = Siehe dazu  Hamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation, Darmstadt 2014, Seite 100-106
  • [9] = Siehe dazu das Lemma „Ritualfehler“ bei Christiane Brosius / Axel Michaels / Paula Achrode (Herausgebende): Ritual und Ritualdynamik, Göttingen 2013, Seite 129-134
  • [10] = Die Akteur*Innen auf derlei Gesandtschaften waren Personen mit als männlich bezeichneten Geschlechtsmerkmalen. Trotzdem wird hier von Akteur*Innen gesprochen, da nicht bekannt ist, ob sich nicht unter Ihnen auch Transsexuelle oder Personen mit anderer Genderidentität befunden haben.
  • [11] = Das ist annähernd der Fall in folgender Schilderung, der an eine Wiederholung des Scheiterns der Mission von Baikow erinnert und sich 1806 bei der russischen Gesandtschaft des Grafen Golowkin in Peking zutrug. Zu den teils überlieferten chinesischen Reaktionen darauf siehe Nomen Nescio („v.St.“): Die russische Gesandtschaft nach China im Jahre 1805 (Beschluß), in: Christian Daniel Voß (Herausgebender): Die Zeiten oder Archiv für neueste Staatengeschichte und Politik, Stück Nr. 9 (September), Leipzig 1812, Seite 343-357

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