Institut Deutsche Adelsforschung
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Aristokratismus als sich perpetuierendes Adelskonzept

Anwendungen der Adelsthematik in nachadeliger Zeit ab 1918 und in der Hochmoderne

Im Jahre 1910 erschien in einer ungarischen Zeitung eine Meldung, die eine Sensation für Lesende bedeutet haben muß; sie bezog sich unter anderem auf einen Aristokratismus. Dieser Begriff kann definiert werden als die Hereinnahme oder als Import des Wortes „Adel“ und der damit in je spezifischen Situationen, Orten und Zeiten wahrgenommenen Konnotationen in einen ursprünglich als nichtadelig aufgefaßten Kontext. [1] Die Meldung lautete in der Überschrift: „Ein Graf Apponyi heiratet eine Bürgerliche“. Schon allein der darin enthaltene und am Beginn stehende unbestimmte Artikel deutete darauf hin, daß es weniger um das Individuum ging (hier in der Schlagzeile auch nicht mit Vornamen erwähnt), sondern um eine soziale Rolle, die im Vordergrund stehen sollte. [2]

Der Rollentragende hatte anscheinend eine Handlung durchgeführt, die als deviant [3] und ungewöhnlich wahrgenommen worden ist, abweichend von der in den Köpfen sozialer Umgebungen befindlichen Prototypikalität „des Adels“, die als Maßstab an das Grafenverhalten angelegt worden war. Eben deswegen, so eine hier aufzustellende These, war sie auffällig, war sie es überhaupt wert, als Meldung mit Neuigkeitswert präsentiert zu werden. Der Inhalt des Artikel lautete sodann wie folgt: 

„Wie die gestrigen Budapester Blätter melden, hat sich Graf Anton Apponyi jun., der Sohn des weil. Grafen Ludwig Apponyi, Hofmarschalls in Ungarn, in Brüssel mit Fräulein Eugenie Lindes aus Skt. Petersburg verlobt. Graf Anton Apponyi, der gegenwärtig im 34. Lebensjahre steht, bekleidet in Brüssel die Stelle eines Berichterstatters des k.[öniglich] ung.[arischen] Handelsministeriums und ist k. u. k. Kämmerer und Reserveleutnant des 16.Husarenregiments. Er ist einer der sympathischesten [sic!] Mitglieder der jüngeren aristokratischen Generation und mitsamt seinem um einige Jahre älteren Bruder, dem Grafen Julius Apponyi auch in Hofkreisen äußerst beliebt. Die beiden Brüder Apponyi, bildschöne Männer und hochelegante Erscheinungen, fungierten auf den Hofbällen in der Budaer Hofburg stets als Staberlherren [sic!] und Vortänzer, die mit einer Erzherzogin den Tanz eröffneten. Die Braut des Grafen Anton Apponyi entstammt einer ungemein reichen Petersburger Familie, die angeblich amerikanischer Herkunft ist und deren einzelne Mitglieder dem kleinrussischen Bauernadel angehören. 

Sie ist eine blonde Beaute. Der Graf machte die Bekanntschaft seiner nunmehrigen Braut in Brüssel, wo sie in Begleitung ihres Onkels längeren Aufenthalt nahm. Der Graf verliebte sich alsbald in die schöne junge Dame und lud sie zu einem Besuche seiner Familie in Ungarn ein. Fräulein Lindes, die ebenfalls von aufrichtiger Zuneigung für den jungen Magnaten erfüllt war, leistete dieser Einladung Folge. Sie wohnte mit ihrem Onkel im Grand Hotel. Der junge Graf stellte die Dame seiner Mutter und seiner Familie vor, wo sie sehr freundliche Aufnahme fand. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Ausflug auf die Fother Besitzung des Schwagers des Grafen Anton Apponyi, des Grafen Ladislaus Karolyi unternommen. Nach mehrtägigem Aufenthalte in Ungarn kehrte die junge Dame mit ihrem Onkel nach Brüssel zurück und auch der Graf bezog wieder seinen dortigen Posten. Die Bekanntschaft gestaltete sich immer intimer und führte nun zur Verlobung der Liebenden. Das Brautpaar ist gegenwärtig im Radvanyer Schlosse des Grafen Ladislaus Karolyi zu Besuch.“ [4]

Die in der Überschrift noch versprochene Sensation mit aufmerksamkeitserheischendem Sensations- und Nachrichtenwert ist mithin, wie in der Textverfolgung dieser Massenpresse-Meldung deutlich wurde, merklich abgeschwächt worden. So versuchte die anonym gebliebene journalistisch tätige Person die angekündigte „Unebenbürtigkeit“, „unstandesgemäße“ Heirat oder „ungleiche Ehe“ nicht etwa als Mesaillance, [5] sondern als eine willkommene Beziehung darzustellen. Dazu trug nicht nur die Betonung von Schönheit und Reichtum der Braut bei, sondern auch die aristokratisierende Bemerkung der Herkunft der Braut aus dem „Bauernadel“. Das, was sonst vielfach zu beobachten war, daß reiche „bürgerliche“ Bräute armen adeligen Männern als Ehepartner*innen willkommen waren, wurde auch hier bestätigt, zugleich noch ausgehend von der Prämisse, daß Adelige nur im eigenen Stande ehelichen sollten. Daß hier beides positiv verhandelt und wieder aufgerufen wurde, zeigt nicht zuletzt die Ambivalenz, mit der verschiedene Adelskonzepte und -ideen nebeneinander stehen konnten; typisch für eine ständische Übergangsgesellschaft, [6] die sich vor allem durch Hybridität und Amalgamierung auszeichnete.

Eben jene beiden flottierenden Bereiche der Adelsforschung, die Aristokratisierung des Bauerntums als „Bauernadel“, aber auch Prototypikalität im Zusammenhang mit „dem Adel“, sind nun in einem neuen Sammelband detailliert behandelt worden. [7] Er geht zurück auf eine in Marburg an der Lahn bereits im September 2015 stattgefundene Tagung zum Thema „Aristokratismus“, beschäftigt sich mithin mit der „Wanderung“ und den Transferwegen des Adelsbegriffes  und der -idee in ursprünglich nichtadelige Bereiche. [8] In diesem Band wurden durchweg innovative Wege beschritten, sowohl kleinere empirische Studien angestellt als auch theoretische Ausführungen gemacht. So ist besonders ein theoriediskutierender Beitrag hervorzuheben, der aus semantischer Sicht die Frame-Theorie vorstellt und auslotet, welche Chancen und Risiken diese für eine Begriffsbehandlung in der Adelsforschung bietet (Seite 151-182). 

Auch wenn das Wort „Adel“ in dem entsprechenden Aufsatz nur marginal vorkommt und dort keine Anwendung der Theorie auf „den Adel“ erfolgt, so ist dieser Beitrag doch wertvoll für künftige Studien. Abgesehen davon aber wird die Frametheorie dann in zwei Folgeaufsätzen angewendet, einmal in Bezug auf adelsbezügliche Werke des Autors Stefan George (Seite 183- 208), einmal auf den Begriff „Bauernadel“, wie er oben schon erwähnt worden ist, hier dann jedoch ausschließlich mit Bezug auf den Nationalsozialismus und insbesondere auf dessen Verwendung bei Richard Walther Darré (Seite 209-224). [9]

Die in dem Sammelbande vertretenen Thesen sind insofern auch besonders wertvoll, als sie Positionen aufzeigen, die streitbar erscheinen und daher die Forschung und Auseinandersetzung anregen werden. So wird im Vorwort die Behauptung aufgestellt, der Adel habe einen „sozialen Abstieg“ erfahren (Seite 7). Diese Auffassung wird hier nicht vertreten. Gerade das soziale „Obenbleiben“, das gesellschaftliche Echo, daß der Adelsbegriff auch nach 1918 bei Rezipierenden verschiedener Couleur auslöste, der „Widerhall der Dinge“ [10], führten, so zumindest auch bislang die überwiegende Forschungsmeinung, eben nicht zu einem sozialen Niedergang, sondern einem Gefühl des Zusammenbleibens, [11] auch zum heutigen noch in der Erinnerungsgemeinschaft des historischen Adels [12] gepflegten Ansatz und Gefühl, zwar nicht nicht mehr „besser“, aber „anders“ als der Rest der Bevölkerung zu sein. [13] Zuzustimmen wäre aber wiederum der These, daß die Nobilität einen politischen Niedergang erfahren habe (Seite 10). Gerade diese Ambivalenz, der rechtliche Privilegienabbau einerseits und die nach wie vor hohe soziale Attraktivität des Adels – die „ästhetische Attraktion, die er zu jeder Zeit ausgeübt hat“ [14] – machten als „Projektionsfläche“ den Aristokratismus erst möglich, [15] entstand doch aus eben jener Melange der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ [16] eine fortwährende kreative Spannung, entstanden vielfache Anschlußmöglichkeiten transformierender Akte, wie Appropriationen, Assimilationen, Disjunktionen, Einkapselungen, Ausblendungen, Hybridisierungen, Ignorierungen, kreative Zerstörungen, Montage, Assemblagen, Negationen, ergänzende Rekonstruktionen, Substitutionen, Übersetzungen, umdeutende Inversionen oder gar mehrschichtige komplexe Transformationsprozesse. [17]

Die im Band enthaltenen Beiträge spiegeln dieses kreative Potential, die Mannigfaltigkeit der verwertenden und „recycelnden“ Ansätze. Neben einer thematischen Einleitung der Marburger Herausgebenden (Seite 7-18) geht es um biologistische Adelskonzepte bei dem Siedlungsprotagonisten Willibald Hentschel (Seite 35-43), Adelstransformationen in der „Nordischen Bewegung“ (Seite 45-56), innovativ auch mittels einer historischen Bildanalyse aus literaturwissenschaftlicher Sicht um Fontanes Spätwerk „Der Stechlin“ von 1899 (Seite 57-72). [18] Dort wird in einer originellen Untersuchung das Bild der kränkelnden Aloe () im Stechlin erörtert, die nur durch den zufälligen Beiwuchs des Wasserlieschs (Butomus umbellatus aus der Familie der Butomaceae) blühend sei. 

Hierbei wird die dickfleischige, sukkulente und stechende Aloe als „der Adel“ interpretiert, der langjährig sei und alt werde, nun aber, in der Formierungsphase der Moderne, „angekränkelt“ sei, bedrängt werde durch neue Sozialformationen, trotzdem aber in Gelassenheit auf eine lange Ahnenreihe zurücksehe und daher den „gesellschaftlichen Beiwuchs“ dulde. Für gewöhnlich hätte man, so die Verfasserin des entsprechenden Aufsatzes, den Beiwuchs entfernt, [19] doch verblieb er im Pflanzkübel, um noch „mit einem kranken Stamm Staat“ zu „machen“(Seite 66-67). Diese Interpretation ist insofern originell, als die Aloe in der Literatur eine reiche Symbolgeschichte besitzt und dort allgemein eher für Keuschheit, Leiden, Buße, Fruchtbarkeit, Unfurchtbarkeit, späte Hoffnungserfüllung, Geduld, große Werke und Liebe steht. [20] Dennoch kann die Symbolik zum Adel hin nachvollzogen werden. 

Jedoch hält es die Verfasserin für durchaus „normal“ (damit nimmt sie für Ihre Auffassung die höhere Weihe der „Normalität“ in Anspruch, ohne dies indes nachzuweisen), daß man kränkelnde Pflanzen grundsätzlich entsorgen oder durch eine neue Pflanze ersetzen würde (Seite 66). Dem ist zu widersprechen, schließlich muß nicht jede Pflanze, die krank ist, umgehend kompostiert oder verbrannt werden, da auch bei Pflanzen Gesundungsprozesse stattfinden können; [21] Krankheit ist nicht mit dem Tod gleichzusetzen oder doch nur dann, wenn Pflanzen von den gärtnerisch tätigen Personen aufgegeben werden. Die Krankheit des verhärteten Spargelwächses wird in dem Aufsatz jedoch dystopisch als angeblich folgerichtige Vorstufe des Ablebens heraufbeschworen. [22] Verwechselt wird zudem von der Verfasserin die Aloe (die Art ist nicht näher im Stechlin bestimmt, möglicherweise war es aber „vera“) aus der Familie der Xanthorrhoeaceae mit einer Agave americana aus der Familie der Asparagaceae (Seite 66). Schon Linné "theilte die Aloepflanzen die von je her beysammen geblieben waren, in zwey unterschiedene Geschlechter. Dem einen ließ er den alten Namen und nannte selbiges ebenfalls Aloe, dem andern hat er die Benennung Agave [...] beygeleget. Zu dem erstern zählt er alle diejenigen Pflanzen, welche röhrichte Blumen haben und deren Staubfäden alle nicht merklich über die Röhre der Blumen hervorstehen. Die Aloepflanzen aber mit trichterförmigen Blumen und über die Blumenblätter hervorstehenden Staubfäden setze er unter das Geschlecht der Agave." [23]

Andere Literaturwissenschaftler*innen sahen außerdem in der am Romanbeginn erwähnten Topfsymbiose eine evolutionäre Wandlung vom Alten zum Neuen, sahen darin den Adel nur noch als illusionistische Glorie (der zwar nicht mehr selbst blühe, aber unübersehbar noch existent sei), aber in der Gefahr stehe, vom vierten Stand (dem „plebejischen“ Wasserliesch) bald verdrängt zu werden. [24] 

Die Verfasserin des erwähnten Aufsatz widerspricht dieser Meinung schließlich aber doch noch; sie glaubt am Ende, der „Adel“ bestehe nun doch auch weiterhin, auch nach dem Stechlin, gewandelt zwar, von seinen Originalen (wie dem alten Dubslav) entkernt, doch eine „dauernde Wertsubstanz“ [25] darstellend, die sich über die Zeitläufte erhalten würde (Seite 72); lediglich „durchlässiger“ sei die Adelswelt geworden.

Ein weiterer Beitrag des Sammelbandes lotet sodann den Myrioramismus verschiedener Formen aristokratisierender Adelserweiterungen wie den Geistesadel oder den Tugend- und Gesinnungsadel – insgesamt acht Formen – gekonnt aus (Seite 116-117). Hilfreich und anschaulich präsentiert werden außerdem mehrere Grafiken zur konkreten Umsetzung der Frame-Thoerie (Seite 162-163, 171, 188, 196), die ihre Anwendbarkeit auch für andere Arbeitsfelder oder Untersuchungsgegenstände aus der Adelsforschung erleichtert und zur Nachahmung und Adaption einladen.

So liegt mit diesem Sammelband, der vorwiegend germanistisch orientiert ist, durchaus aber auch hybridisiert kulturwissenschaftliche Anteile hat (die Herausgebenden wie Verfassenden vertreten hier eine interdisziplinäre, bisweilen auch nur eine multidisziplinäre  Sicht), vielfach eine produktive und konstruktive Wechselperspektive zwischen Geschichts- und Literaturwissenschaft anbietet, ein lesenswerter und anregender Band vor, der aufzeigt, daß das Aristokratismus-Konzept ein fruchtbares Forschungsfeld geworden ist.

Diese Rezension stammt von Dr. phil. Claus Heinrich Bill. M.A., M.A., B.A. und erscheint ebenso gedruckt in der Zeitschrift für deutsche Adelsforschung.

Annotationen: 

  • [1] = Zur erweiterten Definition siehe Eckhart Conze / Wencke Meteling / Jörg Schuster / Jochen Strobel: Aristokratisierung und Moderne 1890-1945, in: Eckhart Conze / Wencke Meteling / Jörg Schuster / Jochen Strobel: Aristokratisierung und Moderne 1890-1945. Adel als politisches und kulturelles Konzept 1890-1945, Köln / Weimar / Wien 2013, ,Seite 12-13.
  • [2] = Dazu siehe unter anderem Ottilie Scholz: Die soziale Rolle als gesellschaftlich bedingtes Handlungskonzept. Untersuchungen zur Rollentheorie, Heidelberg 1982, 229 Seiten.
  • [3] = Hierzu weiterführend a) Raymond Boudon / François Bourricaud: Soziologische Stichworte, Opladen 1992, Seite 263-271, b) Gerd Reinhold (Hg.): Soziologie-Lexikon, München 4. Auflage 2000, Seite 3-6 und 366-370 (Typologie), c) Wilhelm Bernsdorf (Hg.): Wörterbuch der Soziologie, Band I., Stuttgart 1979, Seite 15-20, d) Günther Kaiser / Hans-Jürgen Kerner / Fritz Sack / Hartmut Schellhoss (Hg.): Kleines Kriminologisches Wörterbuch, Heidelberg 2. Auflage 1985, Seite 1-5, e) Willi Seitz (Hg.): Kriminal- und Rechtspsychologie. Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen, München / Wien / Baltimore 1983, Seite 4-11, f) Günter Endruweit: Wörterbuch der Soziologie, Konstanz 3. Auflage 2014, Seite 338-342 und 585-590, g) Hans-Uwe Otto / Hans Thiersch (Hg.): Handbuch Soziale Arbeit, München 4. Auflage 2011, Seite 1-9, h)  Hermann Korte / Bernhard Schäfers (Hg.): Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie, Wiesbaden 2010, Seite 107-127, i) Johannes Kopp / Bernhard Schäfers (Hg.): Grundbegriffe der Soziologie, 10. Auflage, Wiesbaden 2010, Seite 337-340, j) Sina Farzin / Stefan Jordan (Hg.): Lexikon Soziologie und Sozialtheorie, Stuttgart 2008, Seite 206-209.
  • [4] = Nomen Nescio: Ein Graf Apponyi heiratet eine Bürgerliche, in: Die Drau. Organ für Politik und Volkswirtschaft (Essek / Osijek), Ausgabe Nr. 203 vom 7. September 1910, Seite 4.
  • [5] = Dazu siehe a) August Friedrich von Batz: Entwickelung des Begriffs unstandesgemäßer Ehen, hauptsächlich der deutschen Reichsstände, aus deutschen Gewohnheiten und Gesetzen, Erlangen 1781; ferner hierzu b) Karl Otto Gräbe: Kurze Darstellung der ungleichen Ehen zwischen Personen des hohen und niedern Adels, Rinteln 1788; ferner dazu c) August Adolf Leopold Graf von  Lehndorf-Bandels: Über ungleiche Ehen, Berlin 1792. Man wird hier indes im Detail genauer zwischen ungleichen Ehen des Hochadels und des Niederadels unterscheiden müssen. Dazu siehe weiters d) Dietmar Willoweit: Standesungleiche Ehen des regierenden hohen Adels in der neuzeitlichen deutschen Rechtsgeschichte. Rechtstatsachen und ihre rechtliche Beurteilung unter besonderer Berücksichtigung der Häuser Bayern und Pfalz, München 2004, 197 Seiten, e) Carolin Doller: Bürgerliche Gattinnen. Standesungleiche Verbindungen im Hause Anhalt-Bernburg, in: Eva Labouvie (Hg.): Adel in Sachsen-Anhalt. Höfische Kultur zwischen Repräsentation, Unternehmertum und Familie, Köln / Weimar / Wien 2007, Seite 17-48, f) Hasso Sühs: Für die Ehe mit der Kantorstochter musste von Bülow seinen Adelstitel hergeben, in: Osterburger Volksstimme – Amtlicher Anzeiger des Landkreises Stendal, Magdeburg 2003, Ausgabe Nr. 34 vom 11. Februar  2003, Teil II, Seite 2, g) Michael Sikora: Ungleiche Verbindlichkeiten. Gestaltungsspielräume standesverschiedener Partnerschaften im deutschen Hochadel der Frühen Neuzeit, in: Gudrun Gersmann / Michael Kaiser (Hg): Zeitenblicke, Jahrgang IV., Köln 2005, Ausgabe Nr. 3 (Themenheft „Der Adel in der Vormoderne II – Selbstverständnis, Selbstdarstellung, Selbstbehauptung“), 48 Absätze (PDF-Ausgabe), h) Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg, Bestand Da 36 (Amt Jerichow), Nr. 494: Edikt wegen der ungleichen und zum Teil schändlichen Heiraten im Adelsstand, 1739. 
  • [6] = So Reinhard Blänckner: Die gebildeten Stände. Neuständische Vergesellschaftungen um 1800, in: Manfred Hettling / Richard Pohle (Hg.): Bürgertum. Bilanzen, Perspektiven, Begriffe, Göttingen: Verlag Vandenhoeck & Ruprecht 2019, Seite 111. – Der Begriff geht zurück auf Christof Dipper: Übergangsgesellschaft. Die ländliche Sozialordnung in Mitteleuropa um 1800, in: Zeitschrift für Historische Forschung, Band 23, Heft Nr. 1, Berlin: Duncker & Humblot 1996, Seiten 57-87.
  • [7] = Conze, Eckart / de Vries, Jan / Strobel, Jochen / Thiel, Daniel (Hg.): Aristokratismus. Historische und literarische Semantik von „Adel“ zwischen Kulturkritik der Jahrhundertwende und Nationalsozialismus (1890–1945), Münster: Waxmannverlag, 1. Auflage, erschienen kartoniert im August 2020, Format: 24 cm x 17 cm, 224 Seiten, ISBN: 978-3-8309-4214-6, Preis 39,90 Euro.
  • [8] = Dazu Näheres im Vorgängerband bei Conze, Eckart / Meteling, Wencke / Schuster, Jörg / Strobel, Jochen (Hg.): Aristokratismus und Moderne. Adel als politisches und kulturelles Konzept 1890-1945, Köln / Weimar / Wien: Böhlauverlag 2013, 384 Seiten.
  • [9] = Zur Ergänzung des Forschungsstandes seien bei einigen Aufsätzen noch zusätzlich erwähnt a) Jochen A. Bär: Historische Semantik aus hermeneutisch-linguistischer Perspektive – Dimensionen von Adel um 1800, in: Franz Bölsker / Michael Hirschfeld / Wilfried Kürschner / Franz-Josef Luzak (Hg.): Dona Historica – Freundesgaben für Alwin Hanschmidt zum 80. Geburtstag, Berlin 2017, Seite 361-396, b) Claus Heinrich Bill: Moderne Transformationen des Nobilitäts-Konzeptes in wandelbaren Kongruenzen und Inkongruenzen (1/3), in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang XIX., Folge Nr. 92, Sonderburg 2016, Seite 31-52 (Teil 2/3), in: ibidem, Folge Nr. 93, Sonderburg 2016, Seite 1-52 und Folge 3/3 in: ibidem, Folge Nr. 94, Sonderburg 2016, Seite 2-40), c) Claus Heinrich Bill: Adel und Erbhofgedanke 1933-1945, in: Nobilitas. Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang IV., Folge Nr.15, Sonderburg 2001, Seite 722-744, d) Claus Heinrich Bill: Gesellschaftliche Adelsvorstellungen und ihre Bedeutung für die soziale Erzeugung der Gentilhommerie im 19. Jahrhundert, in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang XXI., Folge Nr. 101, Sonderburg 2018, Seite 2-52.
  • [10] = So einmal treffend formuliert bei Gregor v. Rezzori: Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft,  Teil 2: Adel. Aus guten Kisten und, wenn möglich, noch besseren Ställen. Wertvolle Anleitungen zu Kenntnis und Verständnis d. vorbildgebenden, tonangebenden sowie schlichthin angebenden Gesellschaftsschicht, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1962, Seite 34.
  • [11] = Dazu a) Wolfgang Wüst: Kommunikation in der Adelslandschaft – Zum Phänomen des „Unter sich Bleibens“, in: Wolfgang Wüst (Hg.): Bayerns Adel – Mikro- und Makrokosmos aristokratischer Lebensformen, Frankfurt am Main 2017, Seite 33-55, b) Silke Marburg / Josef Matzerath,: Vom Obenbleiben zum Zusammenbleiben. Der Wandel des Adels in der Moderne, in: Walther Schmitz / Jens Stüben / Matthias Weber (Hg.): Adel in Schlesien, Band 3 (Adel in Schlesien und Mitteleuropa. Literatur und Kultur von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart), München 2013, Seite 299-311, c) Sophie v.Knobelsdorff / Josef Matzerath: Die Leistungen des deutschen Adels in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in: Deutsches Adelsblatt – Mitteilungsblatt der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände (Kirchbrak), Jahrgang 45, Ausgabe Nr. 7 vom 15. Juli 2006, Seite 170-174, d) Matthew Rendle: The Problems of „Becoming Soviet“ – Former Nobles in Soviet Society 1917-41, in: European History Quarterly, Band 38, Heft Nr. 1, London 2008, Seite 7-33.
  • [12] = So ein Terminus bei Ewald Frie: Regionale Adelsforschung in internationaler Perspektive. Traditionale Eliten auf dem Weg ins Europa der Moderne, in: Mark Hengerer / Elmar L. Kuhn (Hg.): Adel im Wandel. Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Band I., Ostfildern 2006, Seite 17-30.
  • [13] = Zu diesen Binnensichten der gegenwärtigen gentilhommesken Sozialgruppenbildung(en) siehe a) Monique de Saint Martin: Der Adel. Soziologie eines Standes, aus dem Französischen übersetzt von Jörg Ohnacker, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2003, 284 Seiten (Band 8 der Schriftenreihe „Édition discours. Klassische und zeitgenössische Texte der französischsprachigen Humanwissenschaften“), b) Andreas Z´Graggen (unter Mitarbeit von Barbara Franzen / Ruedi Arnold / Vera Bohren): Adel in der Schweiz – Wie Herrschaftsfamilien unser Land über Jahrhunderte prägten, Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung Libro 2018 , 232 Seiten, c) Barbara Mansfield: Wir sind nicht besser aber anders – Deutscher Adel in der Nachkriegszeit und in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Selbstverständnis unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechtes derer von Arnim, Berlin; Simon-Verlag für Bibliothekswissen 2019, 500 Seiten.
  • [14] = So Georg Simmel: Soziologie, München: Duncker & Humblot 2. Auflage 1922, Seite 550.
  • [15] = Dazu siehe Silke Marburg / Sophia von Kuenheim (Hg.): Projektionsflächen von Adel (Beiheft 69 der Historischen Zeitschrift), Berlin 2016, 230 Seiten.
  • [16] = Dazu siehe aus historiographischer Perspektive Stefan Jordan (Hg.): Lexikon Geschichtswissenschaft, Stuttgart 2002, Seite 134-137 (Lemma „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“).
  • [17] = Terminologisch und jeweils auch beispielhaft aufgeführt bei Hartmut Böhme / Lutz Bergemann / Martin Dönike / Albert Schirrmeister / Gorg Toepfer / Marco Walter / Julia Weitbrecht: Transformation, in: Hartmut Böhme / Lutz Bergemann / Martin Dönike / Albert Schirrmeister / Gorg Toepfer / Marco Walter / Julia Weitbrecht (Hg.):  Transformation. Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels, Paderborn: Wilhelm-Fink-Verlag 2011, Seite 47-54.
  • [18] = Dazu siehe auch Walter Keitel: Fontane und der Adel. Zum 150.Geburtstag Theodor Fontanes, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang IX, Kirchbrak 1970, Seite 4-6 und 27-28.
  • [19] = Zur gegenteiligen gärtnerischen Idee (der Nützlichkeit des Beiwuchses) siehe dagegen Bill Mollison / David Holmgren: Permakultur, Band 1 (Landwirtschaft in Harmonie mit der Natur), Schaafheim: Pala-Verlag 1978, 166 Seiten.
  • [20] = Jan Mohr: Aloe, in: Günter Butzer / Joachim Jacob (Hg.): Metzler Lexikon literarischer Symbole, Stuttgart / Weimar 2008, Seite 12-13. 
  • [21] = Dazu siehe a) Otto Schmid / Silvia Henggeler: Biologischer Pflanzenschutz im Garten, Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer 10. Auflage 2012, 256 Seiten, sowie b) Klaus Margraf / Marlene Gemke: Kranke Pflanzen gesund pflegen. Schäden und Krankheiten richtig behandeln, mit Vorbeuge-Massnahmen, München: Gräfe und Unzer 1995, 63 Seiten.
  • [22] = Tatsächlich aber war die Aloe eine beliebte und distinktive Adelspflanze, dafür spricht auch folgendes Inserat aus der Leipziger Zeitung, Ausgabe Nr. 159 vom 16. August 1817, Seite 1830, der gegenwärtigen Beliebtheit einer Titanwurz gleichkommend: „Bekanntmachung. Mehrere Kenner und Blumenfreunde aus Schlesien und aus der Oberlausitz, die während ihrer Anwesenheit in Liebenwerda den Garten in Friedland besuchten, äußerten gegen den Unterfertigten den Wunsch, die daselbst befindliche große Aloe (Agave americana) blühen zu sehen, weil man dieses seltene Naturereigniß schon dieses Jahr an dieser Pflanze wahrzunehmen hoffte. Da nun alle Anzeichen dieser Blüthe da sind, so giebt sich der Unterfertigte die Ehre, allen Natur- und Blumenfreunden bekanntzumachen, daß diese äußerst merkwürdige Pflanze den Anfang ihres Triebes am Stamme bereits den 11ten Jun. d. J. zusehends gemacht, während der Zeit bis zum 18ten Jul. schon 12 Schuh 8 Zoll ihrer Höhe erreicht habe, und ohne Zweifel in der Hälfte des Augusts den Anfang ihrer hierlands so seltenen Blüthe machen, sodann auch einige Wochen ihren prachtvollen Flor behalten werde. Man bemerkt übrigens noch, daß blos die Blumenstange 12 Schuh, der Stock 4 Schuh 6 Zoll, mithin die ganze Prachtpflanze 11 Schuh 2 Zoll Oestreich. Maaß bis zum 18. Jul. betragen habe. Friedland, den 18. Jul.1817. Rudolph Ledbebe, Gräfl. Clam-Gallascher Obergärtner.“ –  Schloß Friedland lag in Böhmen (heute Tschechien).
  • [23] = Friedrich Heinrich Wilhelm Martini: Allgemeine Geschichte der Natur in alphabetischer Ordnung, Band 2, Berlin / Stettin: Verlag Joachim Pauli 1775, Seite 61.
  • [24] = Zum „vierten Stand“ siehe Claus Heinrich Bill: Aristokratisches Proletariat bei Wilhelm Heinrich Riehl, in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Bildatlas zur deutschen Adelsgeschichte 5 – Adelsgrafiken als Beitrag zur komplexreduzierten Aufbereitung von für die Adelsforschung dienlichen Theorien und Modellen, Sonderburg 2018, Seite 20-21.
  • [25] = So bei Georg Simmel: Soziologie, München: Duncker & Humblot 2. Auflage 1922, Seite 549.
 

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