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Zur Geschichte des Kulturgutes Projensdorf

Überblick über die historischen Entwicklungsgänge eines norddeutschen Herrensitzes

Der Name des Ortes und Gutes im Dänischen Wohld, Kreis Rendsburg-Eckernförde, nahe Kiel, welches im Jahre 1378 erstmals urkundlich als "villam Prodenstorpe" erwähnt wurde, stammt aus dem Niederdeutschen und hat, wie die wortgeschichtliche Herkunft verlauten läßt, die Bedeutung "Dorf des Prodan". Projensdorf ist heute eine zur amtsfreien Gemeinde Altenholz gehörige Gemarkung. Aber schon früher als im Mittelalter war Projensdorf Siedlungsraum: Auf dem Achtstückeberg westlich des Gutes befinden sich jungsteinzeitliche Großsteingräber und bronzezeitliche Grabhügel, die auf eine menschliche Siedlung etwa in den Jahren 4.300 bis 550 vor Christus hinweisen.

Als ehemaliges "adeliches Gut" war es mit bestimmten Rechten und Privilegien der Gutsherrschaft ausgestattet und lag einst im sogenannten Kieler Güterdistrikt. Im 14.Jahrhundert erwarb die Germarkung der Kieler Bürgermeister Johann Bisch (1379 verblichen). In seinem letzten Willen bestimmte er, daß die Einkünfte aus Projensorf einer Vikarie der Kirche Sankt Nicolai zu Kiel (heute noch vorhanden als Kerngebäude der ehemaligen Altstadtinsel) dienen sollten. Bis 1497 währte diese Verbindung, bis auf dem Landtag diesen Jahres Projensdorf dem Landesherren zugesprochen wurde, über den es zunächst an den Orginarii und eingeborenen schleswig-holsteinischen Adeligen Hans v.Ahlefeldt kam.

Anschließend gelangte es wohl recht bald in den Besitz der altadeligen Familie v.Wittorf; jedenfalls wurde Joachim v.Wittorff (urkundlich 1496-1519 erwähnt) damit belehnt. Dieser hatte zuerst als Edelknabe am Gottorfer Hof gedient und war später Kirchspielvogt zu Neumünster gewesen, aber auch im Jahre 1502 mit dem Herzog zu dessen Hochzeit mit Anna von Bradenburg nach Stendal geritten. Trotz seiner Bedienung in Neumünster besaß er neben Projensdorf aber gleichwohl auch im Jahre 1500 ein Grundstück am Markt in Kiel, bevor er 1519 verblich.

Im Jahre 1543 dann wurde Joachims Sohn Jasper v.Wittorf (gestorben spätestens 1564) als Besitzer genannt. Auch Jasper war wie sein Vater in herzoglichen Diensten und als streitbarer Amtmann zu Neumünster tätig gewesen, besaß Hausbesitz in Lübeck und vermachte dem Kieler "Gast- und Armenhaus" eine jährliche Rente.

Als 1597 auf dem "Vmschlage zum Kyle" (Kieler Umschlag) ein Verzeichnis ein Fräuleinschatzregister der Herzogtümer Schleswig und Holstein angefertigt wurde, war die genannte Familie immer noch im Besitz von Projensdorf und man findet darin als Eintrag Jaspers Sohn "Powell Wittorf (Paul v.Wittorf) als Besitzer von "Progestorp" vermerkt. Dieser Edelherr, der 1598 verstarb, war wirtschafltich nicht so erfolgreich wie sein Vater und verkaufte einige seiner Besitztümer.

Im Jahre 1626 verfügte Anna v.Rantzau über das Gut.Über Erbschaften gelangte es dann schließlich 1689 (zusammen mit dem Gute Knoop) an den Gottorfer Amtmann und Landrat Friedrich v.Rantzau zu Knoop und Uhlenhorst (1723 gestorben). Von ihm hieß es: "Er war aufrichtig, liebte die Tugend und Geschicklichkeit, war ein Gönner der Gelehrten, ein guter Richter nach seiner Einsicht, hingegen ein Feind von Geschenken und Gaben; er hielt seine Versprechungen heilig und war daher sehr geehrt und geliebt. In seiner Jugend hatte er das Unglück, einen dänischen Edelmann aus der Familie v.der Wisch zu töten, was ihn bisweilen schwermütig machte."

1738 war die Geheimrätin v.Rantzau Herrin der Gemarkung. Später dann war der Königlich Dänische Rittmeister Joachim Christoph v.Buchwald im Besitz von Projenstorf und Knoop. Seine Tochter Dorothea v.Buchwald (1683-1709) ehelichte im Jahre 1699 Wulf Heinrich Graf v.Baudissin (1671-1748), einen dänischen Kabinettsminister und General, der nicht nur im Jahre 1741 den Grafentitel im Kursächsischen Reichsvikariat erhielt, sodern auch zahlreiche Güter in Schleswig-Holstein und besonders im Dänischen Wohld erwarb, was vor allem in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts geschah.

Über die Buchwaldtsche Tochter gelangte "Projenstorf" schließlich in die Famlie ihres Gatten, hier nun 1750 an ihren gemeinsamen Sohn, den sächsischen Kammerherrn Heinrich Christoph Graf v.Baudissin (1709-1786), der zuerst als meißnischer Adeliger in sächsischen Kriegsdiensten gestanden hatte und erst 1741 mit seinem Vater vom Kaiser gegraft worden war. Ihm gehörten neben Projensdorf noch weitere Güter in der Nähe wie beispielsweise Friedeburg, Knoop, Uhlenhorst, Lamershagen, Tramm.

Dann folgte als Besitzer im Jahre 1776 sein Sohn, der Geheime Konferenzrat Heinrich Friedrich Graf v.Baudissin (1753-1818) aus Neu-Nordsee. Der letzte adelige Besitzer von Projensdorf war der Königlich Dänische Kammerherr und Rittmeister außer Diensten Joseph Graf v.Baudissin (1797-1824) aus Borstel, der dort seit 1824 wirtschaftete, bevor es 1838 durch drohenden Konkurs und einen überhaupt lebhaften Güterhandel in Schleswig-Holstein an einen finanzkräftigen Ausländer, den Hamburger Syndikus Amsinck, gelangte.

Später wurde die Familie Klemp Eigentümerin des Gutes Projensdorf, auf dem heute auch ein Reiterhof untergebracht ist. Die heutige Besitzerin Almuth Klemp, die im Herrenhaus wohnt, hat ihr Haus für kostenpflichtige Trauungen und kulturelle Zusammenkünfte geöffnet und veranstalt außerdem jährlich seit 2006 das "Festival der Elemente" mit Künstlern und Kunsthandwerkern aus der näheren Umgebung.

Eine Besonderheit von Projensdorf ist es, daß das Gut, obwohl sehr ländlich belegen und in große Felder und Äcker eingebettet, direkt an der meistbefahren künstlichen Wasserstraße der Welt liegt, da seit 1895 der Kaiser-Wilhelm-Kanal, heute erweitert und umbenannt in Nordostseekanal, nur wenige Meter vom Herrensitz aus gebaut wurde und die Gemarkung Projensdorf seitdem in zwei Teile, einen städtischen (der zu Kiel gehört) und einen ländlichen (der Altenholz zugehörig ist), teilt. Durch den stetigen maritimen Verkehrslärm großer Frachtschiffe ist daher selbst der ländliche Teil des Gutes stets in der maschinellen Moderne gefangen.

Im Jahre 1937 starb in Projensdorf außerdem Ferdinand Graf v.Spee, der 1855 in Glindfeld in Westfalen geboren worden war und einem rheinischen ritterbürtigen Geschlecht angehörte. Ungewöhnlicherweise wurde Graf Spee entgegen den Traditionen seiner Familie Mediziner und hatte sein Studium in Bonn und Kiel absolviert, bevor er 1881 promovierte und 1885 habilitierte. Seit 1898 war er in Kiel ordentlicher Professor für Anatomie, schrieb viele fachliche Abhandlungen und trat auch als Mitautor an Handbüchern zur Anatomie hervor. Bis zu seiner Emeritierung wohnte er in Kiel-Düsternbrook im Niemannsweg 17, später aber in Projensdorf, wo er auch am 14.März 1937 verstarb. Bis heute erinnert im Stadtteil Düsternbrook auch die "Graf-Spee-Straße" an seine Familie.

Das Gut Projensdorf wurde dann im Jahre 1937 von der Erbengemeinschaft des Grafen Spee an den Bankier Dr. Otto Knapp veräußert. Dieser verebrte es auf seinen Sohn, den Landwirt Klaus-Dieter Knapp (*1925), der mit Sigrid v.Conrady (*1928), die sich später nichtadelig Knapp-von Conrady nannte, vermählt war. Beide übertrugen im Jahre 1999 schließlich Projensdorf an die gemeinsame Tochter Almuth Knapp, jetzt verehelichte Klemp.

Quellen zu der  vorgenannten Zusammenstellung:

Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2.Auflage, Neumünster 1992, Seite 525 --- Johannes von Schröder: Topograpie des Herzogthums Holstein, Teil II., Oldenburg in Holstein 1841, Seite 243-244 --- Paul v.Hedemann-Heespen: Eine neue Landesmatrikel, in: Zeitschrift für Schelswig-Holstienische Geshcichte, Band XXXVIII., Leipzig 1908, Seite 93 [zur Familie v.Wittorf]--- Danmarks Adels Aarbog, Band LVI., Kopenhagen 1938, Teil II., Seite 103-108 [zur Familie v.Wittorf]--- Nomen Nescio: Schleswig-Holstein Topographie, Band I., Flensburg 2001, Seite 80 --- Willy Gorzny (Herausgaber): Deutsches Biographisches Archiv II., München, Fiche NF 1238, Aufnahmen 408-411 [zu Graf Spee]--- Genelaogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser A, Band III., Glücksburg 1958, Seite 19-20, 28 [zu den Grafen v.Baudissin] --- Henning Oldekop: Topographie des Herzogtums Schleswig, Kiel 1906, Abschnitt II. (Kreis Eckernförde), Seite 74 -- Freundliche schriftliche Auskünfte von Frau Almuth Klemp aus Projensdorf.


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