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Anfang Juni 2000 fanden in der vorpommerschen Universitäts- und Hansestadt Greifswald die "Pommerntage 2000" statt, eine kulturelle Veranstaltung des Vertriebenenverbandes der Pommerschen Landsmannschaft. Zu diesem Treffen von alten und neuen Pommern, Ansässigen und Vertriebenen, betonte der Bundesminister des Innern, Otto Schily, in seinem Grußwort:
Hierzu einen Beitrag zu leisten, hat sich auch das Institut Deutsche Adelsforschung verpflichtet. Seine Aufgabe ist die Quellenvermittlung von historischem Aktenmaterial, also einmaligen Zeugnissen deutscher Kultur namentlich für Hinterpommern. Nach Flucht und Vertreibung und der anfänglichen Tilgung jeglicher deutscher Kulturspuren, der Zerstörung und Plünderung von Guts- und Herrenhäusern ist erst jetzt nach vielen Jahrzehnten ein Umdenkungsprozeß zu bemerken. Trotzdem rückt die Erinnerung an deutsches Leben in Hinterpommern immer mehr in Vergessenheit und die junge Generation hat kaum mehr eine heimatliche Beziehung zum Land ihrer Vorfahren. Das muß namentlich für den deutschen Adel konstatiert werden.
Um den hinterpommerschen Adelsfamilien und allen Forschenden auf diesem Gebiet die kostenfreie Möglichkeit zu geben, sich mit den Quellen auseinanderzusetzen, ihre Vergangenheit besser kennenzulernen und an Traditionen anknüpfen zu können, welche die Lebendigkeit Hinterpommerns in der Nachkriegsgeneration wachhalten soll, wurde dieses Forschungsprojekt in alleiniger Regie des Instituts Deutsche Adelsforschung durchgeführt.
Warum nun ausgerechnet Aktenverzeichnisse? Neben der Literatur, dem Brauchtum, den Trachten und den baulichen Zeugnissen spiegelt sich deutsches hinterpommersches Leben vor allem in Alltagsschilderungen wider und diese finden wir ganz authentisch nur in Akten. Akten sind daher eine Quelle ersten Ranges für die Familien- und Sozialforschung des deutschen Adels.
II. Das Landesarchiv in Vorpommern
Das Vorpommersche Landesarchiv ist eines der jüngsten bundesdeutschen Staatsarchive. Es wurde erst 1946 begründet und hat die Aufgabe, die behördliche archivalische Überlieferung des östlichen Landesteiles Vorpommern des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern sowie der entsprechenden Vorgänger zu sichern und der Öffentlichkeit sowie der Forschung zur Verfügung zu stellen. Zugleich besitzt das Landesarchiv im Kontext zu anderen deutschen Staatsarchiven eine Besonderheit: Es ist nämlich auch zuständig für die Überlieferung von Beständen des alten Staatsarchivs für die preußische Provinz Pommern in Stettin, welches dort bis 1945 die vor- und hinterpommerschen Behördenakten sammelte.
Anders als in vergleichbaren Grenzregionen (zum Beispiel zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark) wurde hier das sogenannte Territorialitätsprinzip außer Kraft gesetzt. Aus diesem Grunde befinden sich heute Akten über Hinterpommern sowohl in Greifswald im Vorpommerschen Landesarchiv, im polnischen Wojewodschaftsarchiv in Stettin als auch im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.
Diese Bestandssplitterung macht die Forschung gerade für Hinterpommern schwieriger als für andere Territorien, da nicht nur die Bestände an unterschiedlichen Orten lagern, sondern auch in sich getrennt wurden. Infolge von Krieg, Zerstörung, Aus-, Um- und Rücklagerung sind die Bestände im Laufe der Jahre durcheinandergeraten und derzeit - was den Greifswalder Bestand anlangt - meist ohne Register nicht alphabetisch in Zettelform nach Behörden und innerhalb diesen nach Rubriken sortiert. Eine elektronische Zugriffsmöglichkeit bestand bisher nicht, besonders, wenn man biographische Forschung betreibt..
Auch bestehen keine Pertinenzfindbücher zum Adel, der in den Jahren der DDR-Existenz forschungsmäßig vernachlässigt wurde, wohingegen Quellenhinweise zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung hervorragend ediert wurden. Diesem Ungleichgewicht abzuhelfen, wurde das vorliegende Findhilfsmittel erstellt.
Abgedeckt wurden dabei jeweils nur Bruchteile von Beständen des Landesarchivs. Das Archiv verüfgt über rund 3.000 laufende Meter Akten aus der Zeit von vor 1945. Die elektronische Erfassung aller dieser Aktentitel dürfte mindestens mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Begründet liegt die hier durchgeführte Beschränkung daher vor allem in der zeitlichen Begrenzung des Forschungsprojektes. Ausgewählt wurden hierfür Teile von Überlieferungen, in denen besonders viel Edelleute vorkamen. Und es sei an dieser Stelle betont, daß auschließlich Aktentitel erfaßt wurden, die sich mit Adeligen beschäftigen, alle anderen Aktenbezeichnungen blieben außen vor!
Aus den ausgewählten Rubriken der einzelnen Bestände wurden jedoch grundsätzlich alle Adeligen ermittelt und die Dokumentation ist daher für diese Rubriken als vollständig zu betrachten. Die Auflistung der Aktentiel erfolgte nach dem Vorkommen, nicht aber alphabetisch oder chronologisch. Es besteht aber über unsere Suchmaschine die Möglichkeit, einzelne Namen leicht zu finden. Achten Sie dann darauf, daß die Namen unter der Bezeichnung "Pommerscher Adel in deutschen Dokumenten 1500-1945" auftauchen!
Noch eine Bemerkung zur Signaturengestaltung: Die Verzeichnungsebenen im Vorpommerschen Landesarchiv sind in Reposituren ("Rep.", vergleichbar mit Abteilungen in anderen Staatsarchiven) untergliedert, die jeweils eine spezielle Behörde oder Provenienz kennzeichnen. Innerhalb dieser Reposituren sind sehr unterschiedliche Gleiderungsstrukturen festzustellen. Aus diesem Grund der Uneinheitlichkeit und damit es bei Identifikationen nicht zu Verwechslungen kommt, wurde grundsätzlich bei jedem Aktentitel die vollständige Signatur angegeben. Teilweise erfolgt nach der Repositur nur noch eine Nummer, teilweise folgen weitere Untergliederungen in Teile ("Pars") und Titel ("Tit."). Die Signatur ist notwendig, um eine bestimmte Akte einwandfrei zu bezeichnen.
III. Übersicht über alle unsere virtuellen Quellenhinweise zum pommerschen Adel
Rep.04, Herzoglich Stettiner Archiv, 1700-1815
Wenn Sie Interesse an den Akten haben, besuchen Sie bitte das Landesarchiv in Greifswald. Sollte der Umfang der Akten nicht allzu groß sein, können Sie auch Reproduktionen in Form von Mikrofilmaufnahmen erhalten und sich zusenden lassen. Bitte deswegen immer nur beim Archiv, nicht bei uns anfragen! Bitte wenden Sie sich an das:
Ass = Assessor
Capt = Capitän (entspricht dem Rang eines Hauptmanns)
Dir = Direktor
Fähnr = Fähnrich
Fin = Finanz
Geh = Geheim
Gen = General
Genltn = Generalleutnant
GenMajor = Generalmajor
GenSt = Generalstab
Ger = Gerichts-
Gr. = Groß- (bei Ortsnamen)
Hptm = Hauptmann
Kdo = Kommando
Khr = Kammerherr
Kl. = Klein- (bei Ortsnamen)
Kontr = Kontrolleur
Ld = Land-
Ltn = Leutnant
Mstr = Meister
Ob = Ober-
Präs = Präsident
Premltn = Premierleutnant (entspricht dem Rang eines Oberleutnants)
Ref = Referendar
Reg = Regierungs-
Rittmstr = Rittmeister (ein Kavallerieoffizier im Hauptmannsrang)
Sekltn = Sekondeleutnant (entspricht dem Rang eines Leutnants)
Sekr = Sekretär
verst. = verstorben
wg. = wegen
Wirkl = wirklicher