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Miszellen zum preußischen Offizierkorps 1813-1814

Wegweiser zu 3.392 Personalia aus Aufmarschplänen, Verlustlisten, Dispositionen und Tagebüchern

Über die Befreiungskriege Deutschlands von 1813-1815 sind sehr viele Werke geschrieben worden, als maßgeblich darf militärhistorisch immer noch die Darstellung des preußischen Generalstabes gelten (Kriegsgeschichtl. Abt. des Großen Generalstabes [Hg.]: Das preußische Heer der Befreiungskriege, 3 Bände, Berlin 1890-1892).

Daneben aber erschien in den Jahren 1817 bis 1818 mit nicht unerheblichem Materialfülle auch das vierbändige Werk des Militärschriftstellers Carl Edler Herr und Frhr.v.Plotho (gestorben 1820) mit dem Titel "Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813-1814", im Einzelnen:

Die in vier Teilen angelegte Schilderung der Kampfhandlungen wird darin vor allem unter militärischen Aspekten beleuchtet und zwar so detailliert, daß sich für jeden Tag die Truppenbewegungen rekonstruieren lassen. Darüber hinaus fügte Frhr.v.Plotho etliche Beilagen an, in denen ein enormes Potential an familienkundlichem Material enthalten ist, welche aber auch willkommene formationsgeschichtliche Details liefern, die im Werk des Großen Generalstabdes nicht verzeichnet sind.

Offizierspersonalia eben aus jener Zeit sind zudem recht selten. Die letzte gedruckte Rangliste der Kgl. Preußischen Armee erschien im Jahre 1806, so daß für das Offizierkorps, das durch die Heeresreform geschaffen wurde, so gute wie keine zusammenhängende Auflistung vorhanden ist. Dieser Umstand macht die zahlreichen Beilagen von Frhr.v.Plotho zu einer nicht unbedeutenden Quelle zur Zusammensetzung des Offizierskorps der Befreiungskriege und dies namentlich auch deswegen, weil die Beilagen auch Ränge und Funktionen aus der Gruppe der Subalternoffiziere und nicht nur aus der Gruppe der Generäle nennen.

Indes werden die Offiziere in sehr unterschiedlichen Zusamenhängen erwähnt, was der Verschiedenartigkeit der Beilagen anzulasten ist, aber nicht unbedingt als Nachteil gewertet werden muß. Mal sind es Truppenaufstellungen an bestimmten Stichtagen, mal Schlachtordnungspläne, dann wieder Listen von blessierten (verwundeten), gebliebenen (gefallenen) oder in Gefangenschaft geratenen Offizieren, schließlich auch  Tagebuchaufzeichnungen verschiedener Offiziere über Belagerungen und Verteidigungen, in denen Dispositionen (Tagesbefehle) abgedruckt werden, in denen andere Offiziere erwähnt und sogar in ihrem Verhalten beurteilt werden. Hieraus kann man auch sehr ausführlich den Belagerungsalltag der Offiziere ersehen und welche Aufgaben ihnen im Einzelnen übertragen wurden.

Neben preußischen Offizieren werden auch einige mecklenburgische, hessische und andere deutsche Truppenteile und Militärs benannt, die wir jedoch von der Indexierung ausgeschlossen haben, da es hier lediglich um preußische Offiziere gehen soll.
In der Regel fehlen die Vornamen, selten aber sind sie angeführt (nur in den - allerdings recht umfangreichen - Gefallenenaufstellungen und Verwundetenlisten des dritten Bandes).

Insgesamt wurden 3.992 Einzelnennungen aufgenommen, 1.081 stammen aus Band I., 1.608 aus dem zweiten Band und 1.317 kamen im dritten Band vor. Ein mehrfach gleichlautender Eintrag bedeutet, daß es ebensoviele Vorkommen gibt, jedoch nicht notwendigerweise von ein und derselben Person.

Quellen für seine Darstellungen über das "Kriegstheater" 1913-1815 fügte Frhr.v.Plotho übrigens nicht an, so daß eine Nachprüfbarkeit des Gesagten nur schwerlich möglich ist. Zu seiner Quellenbeschaffung bemerkte er in einem Vorwort zum ersten Band:

Wir dürfen indes annehmen, daß Frhr.v.Plotho, der sich durch so große Detailtreue auszeichnet, keine unglaubwürdigen Nachrichten verbreitet hat und man daher namentlich seine Anlagen als meist einwandfrei klassifizieren darf. Und man darf ihm als Forscher durchaus auch jetzt noch dankbar sein, daß er die vielen Beilagen in der Tat nicht hat "vermodern" lassen.

Bei den Adelsnamen allerdings sind infolge der großen Masse an Nennungen mehrere Fehler offenkundig, da etliche Namen ohne das Adelszeichen geschrieben wurden, das ihnen eigentlich zugestanden hätte (Lübtow, Krauthof im ersten Band). Wieder andere Namen wurden entstellt bzw. in damals üblicher Schreibweise (Knakfus statt Knackfuß, Brokhausen statt Brockhausen, Sak statt Sack, Kamke statt Kameke, Welzien statt Weltzien, v.Oelsnitz statt v.der Oelsnitz, v.Schulenburg statt v.der Schulenburg, Kökritz statt Köckritz, Benkendorf-Hindenburg statt v.Beneckendorf u.v.Hindenburg, etc.) aufgeführt.

Zum Teil kommen dieselben Namen auch in zwei Versionen vor (falsch Haxhausen in Band II., und richtig Haxthausen in Band III.) Und endlich tauchen mit dem Adelszeichen "v." Personen auf, bei denen überhaupt fraglich ist, ob sie wirklich adelig waren (von Gammert, von Mumme, von Bonicke). Wir nennen daher auch die als nichtadelig erscheinenden Offiziere, so wie Sie Frhr.v.Plotho nennt, da man sich auf seine Angaben betr. die Schreibweise der Namen sowie die Adelseigenschaft nicht verlassen kann. Diese sind also vorsichtig zu behandeln.

Der Verfasser der vier Bände, der zuletzt als Obristleutnant verstarb, beschäftigte sich vor allem mit Kriegsdarstellungen und mit dem russsichen Militär. Er hat außerdem folgende Bücher geschrieben:

Nicht zuletzt möchten wir uns an dieser Stelle noch vielmals bedanken bei Erich-Christoph Edler Herr u. Frhr.v.Plotho aus München, der freundlicherweise auf die genannte Quelle aufmerksam gemacht hat.

Indexiert wurden von uns aus seinen drei Bänden (der vierte lag uns nicht vor) die folgenden Abschnitte (die anderen enthalten so gut wie keine für unsere Fragestellung relevanten Auskünfte):

Einige Beispiele für die in der Quelle genannten Volleinträge, damit man sich ein Bild von dem Material machen kann, welches einen erwartet:

A. Beispiel aus einer Formationsdarstellung:
(Übersicht über die preußischen Streitkräfte am 10ten August 1813)
 
Kommandirender General, der General der Kavallerie v.Blücher
Chef des Generalstabes der G.[eneral] M.[ajor] v.Gneisenau
Ober Quartirmeister der Obrist v.Müffling
Adjutanten der Obrist Graf v.der Goltz, die Capitains v.Unruh, v.Brünneck ...
Das 2te Armee-Corps kommandirt der G.[eneral] M.[ajor] v.Kleist
Chef des Generalstabes der Obrist v.Tippelskirch
Ober Quartirmeister der Obristlt[eut]n.[ant] v.Grollmann
Adjutanten der Maj.[or] v.Watzdorf, Maj. v.Hax[t]hausen, Prem. Lieut. v.Voß ...
Die Reserve-Kavallerie, Chef der G.[eneral] M.[ajor] v.Röder. Generalstab der Cap[itän] v.Brandenstein und Prem.[ier] Lieut.[nant] v.Dinther. Adjutanten die Rittmeister v.Cosel, v.Winterfeldt u.[nd] v.Glaser
Brig.[ade]-Com[man]d.[eur] der Obrist v.Mutius
4 Esq.[uadronen] des 7.Schlesischen Landwehr-Kavall.[erie]-Reg.[iments], Com[man]d.[eur] Rittm.[eister] v.Schmidt
4 Esq.[uadronen] des 8.Schlesischen Landwehr-Kavall.[erie]-Reg.[iment], Com[man]d.[eur] Rittm.[eister] v.Studnitz

B. Beispiel aus einer Gefallenenaufstellung:
(Verlust des 1ten Preußischen Armee-Corps ... am 2ten October 1813)
 
Gefecht bei Wartenburg am 2ten October 1813
2. Die Blessirten Offiziere
5. Schlesisches Landwehr-Inf.[anterie]-Reg.[iment]
12. Der Sec.[onde]-Lieut.[ant] v.Schulter
13. Der Sec.[onde]-Lieut.[ant] v.Riedel
14. Der Cap.[itän] v.Gärtner

C. Beispiel aus einer Tagebuchaufzeichnung:
(Tagebuch von der Belagerung der Festung Wittenberg 1814/14)
 
"... suchte ich einen freiwilligen Offizier zu bekommen, und gab demselben auf ... eine Rampe von Faschinen zu erbauen ... vermittelst welcher man über die ... Sturmpfähle gelange ... Der Leutnant v.Pannewitz übernahm diese gefahrvolle Expedition mit 30 Mann. Ich gab ihm den Befehl, mit seiner Mannschaft hinter der Rampe liegen zu bleiben, wenn dieselbe fertig sey, und den Angriff auf die Festung zu erwarten. Dies ward pünktlich ausgeführt, so wie auch die Rampe sehr gut gemacht; und der genannte Officier blieb mit seinem Detachement auf dem Eise hinter der Rampe liegen ..."
Wittenberg, den 14ten November 1814
 
v.Plauzen
Obrist und kommandirender Ingenieur-Offizier des 4ten Armee-Corps, 
beauftragt mit der Leitung der Belagerung von Wittenberg


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Online gestellt am 6.Mai 2001