Institut Deutsche Adelsforschung
Gegründet 1993
Online seit 1998

Start | Sitemap | Tipps | Anfragen | Zeitschrift | Neues | Über uns | AGB | Impressum

Mecklenburgischer Adel in der Frühen Neuzeit 1500-1750

Volltext-Edition zu Lebensläufen aus mecklenburgischen Leichenpredigten

Auf diesen Seiten finden Sie kostenfrei den Volltext einer Publikation mit einer thematischen Einleitung und Übersicht aus unserem Hause, die sich mit der Auswertung von Leichenpredigten aus der Landesbibliothek von Mecklenburg-Vorpommern zu Schwerin beschäftigt und vor allem aus kulturgeschichtlichem Blickwinkel verfaßt wurde. Bei Zitaten unserer Texte erbitten wir die entsprechende Quellenangabe.

Ulrich v.Negendanck (1639-1695)

Herr auf Eggerstorff, Ständischer Deputierter zum Engeren Ausschuß

Geboren wurde er am 28.Oktober 1639 als Sohn des Hans Albrecht v.Negendanck auf Eggerstorff und Maudien und der Margaretha v.Kardorff. Als er ein Jahr alt war, starb sein Vater und so war es die Mutter, die "nach ihrer belobten Gottesfurcht und sonderbahrem tugend Eyffer ... ihren hertzlich geliebten Sohn wohl in dem Catechismo und was mehr darzu vonnöten, und zum christlichen Glauben dienen kan", unterrichten ließ. Um seine Erziehung zu fördern, nahm sie ihn mit nach Wismar, wo er weiter sowohl in der Schule als auch unter privaten Informatoren bis in sein 18.Lebensjahr lernte. Die Vormünder des Jungen - Paul Detlof v.Bülow auf Plüschow, Viktor v.Rabe auf Stück und Rittmeister Bartold v.Bülow auf Zurow - entscheiden dann, daß er in vorgerücktem Alter und Wissen einer weiteren Ausbildung bedürfe. 

Da ein v.Bülowscher Sohn (der später auch auf Zurow saß und noch Major werden sollte) etwa im gleichen Alter war und dieser einen vortrefflichen Informator hatte, wurde er diesem als Kamerad beigegeben. Nach etwa anderthalb Jahren entschieden die Vormünder, er solle in die Kompanie des Majors v.Bülow gehen "umb frembde Länder zu sehen, allerhand Sprachen zu lernen und sich in wohlanständlichen Adelichen Exercitien zu üben". 

Über Hamburg und Bremen reiste er deshalb zunächst auf die Universität Leiden, wo er ein Jahr als Student verbrachte. Dann hatte "ihn die Lust und Begierde sich ferner zu perfectioniren veranlasset", auch andere Teile der Niederlande zu besuchen. Er zog daher nach dem Haag, besichtigte Amsterdam und andere vornehme Städte, in den spanischen Niederlanden ebenso viele Städte und auch Festungen und hielt sich einige Wochen in Brüssel auf, wo er "alle Curiositäten remarquiret und die Denckwürdigkeiten auffgezeichnet" hatte. Er setzte seine Peregrination dann durch das übrige Spanien fort, ging nach Paris, wo er besonders Französisch, Fechten, Tanzen und Reiten lernte "und was einem von Adel wohl anstehet". Da in Großbritannien der Krieg gerade zu Ende gegangen war und die Engländer einen neuen König hatten, entschloß er sich, dieses Eiland zu besuchen und begab sich über Calais mit dem Schiff nach London. 

Hier wurde er Augenzeuge der mit mehreren 100 Schiffen begangenen feierlichen Einholung König Carl II. Nachdem er Erkundigungen über den englichen Staat eingezogen hatte, reiste er wieder nach Paris, übte hier nochmals die üblichen adeligen Exerzitien und ging anschließend nach Lion und Genf in die Schweiz. Hier informierte er sich umfassend über die Eidgenossenschaft und andere "Staats-Sachen". Über Basel ging es weiter nach Straßburg, wo er ein weiteres Jahr verblieb. Heidelberg, Frankfurt, Köln waren die Stationen seiner Rückreise, die nach drei Jahren den Abschluß seiner Studienzeit bildeten. Als er in Stuttgart vorbeikam, wurde ihm hier zwar eine Ehrenstelle angeboten, jedoch hatte er abgelehnt, da er nach Hause zu seiner Familie zurückwollte und die väterlichen Güter übernahm. 

Am 22.September 1663 heiratete er außerdem Agnes Dorothea v.Behr, die Tochter des Hinrich Ulrich v.Behr. Vier Söhne und sechs Töchter entsprossen dieser glücklichen Ehegemeinschaft. Von ihnen wurde Hinrich Ulrich Kammerjunker in Mecklenburg bei der regierenden Herzogin. 

In seinem christlichen Lebenswandel war er vielen ein Vorbild. In Wismar schenkte Ulrich der Kirche zur Erbauung eines Kirchen- und Turmgewölbes 100 Reichstaler und eine Taufe mit vielen Ornamenten. Der Kirche zu Hohenkirchen offerierte er eine Krone. Einige arme Kinder hatte er auf seine Kosten zur Schule gehen lassen und der Jugend ein Stipendium vermacht. Großzügige Unterstützung gewährte er auch dem Armenhaus in Weitendorf. Von der Ritterschaft war er sowohl zum Deputierten seines Rittschaftlichen Amtes für den Landtag als auch den Engeren Ausschuß gewählt worden. 

In den letzten zehn Lebensjahren litt er am "Ovartan-Fieber", das er durch verschiedene Medizin, aber auch Kuren in Ems zu lindern suchte. Am Karfreitag 1695 wurde er in der Kirche beim Gebet von einer Schwachheit befallen und kam erst nach etlichen Tagen wieder auf die Beine. Am Sterbetag aber fiel ihn um 6 Uhr morgens ein neues Fieber an, das ihn mehrmals ohnmächtig werden ließ. Schließlich verschied er im 56.Lebensjahr abends um 8 Uhr am 6.April 1695 auf seinem Rittersitz Eggerstorff. Sein Leichnam wurde am 13.Juni 1695 in der Kirche zu Proseken beigesetzt. 

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Personalschriften, Sign.: v.nege 3


Christina Hippolyta v.Oertzen (1642-1670) 

geborene v.Wackerbarth 

Das Licht der Welt erblickte sie als Tochter des Otto v.Wackerbarth, Fürstl. Mecklenburg-Schweri- nischen Geheimen Regierungsrats und Hofmarschalls und seiner Angetrauten Margaretha Catharina v.Dannenberg. Dies Ereignis trat in Sonderburg im Schleswigschen am 4.Dezember 1642 ein. Mit christlicher Sorgfalt erzogen, stellten ihr die Eltern einen Präzeptor an, der sie zum Besuch des Gottesdienstes anhielt und mit ihr fleißig die Heilige Schrift las. Mit elf Jahren verlor sie ihre Mutter am 20.Januar 1654 in Schwerin und wurde daher nun von ihrem Vater zur Fortführung der weiblichen Erziehung der Domina v.Estorff im Kloster Lühne im Lüneburger Land anvertraut, wo sie zwei weitere Jahre erzogen wurde. Als der Vater ein zweites Mal heiratete, holte er sie aus dem Kloster wieder zurück nach Hause. 

Wenig später hielt der Kgl. Schwedische Obristleutnant zu Pferd Detloff v.Oertzen um ihre Hand bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter an. Sie erklärten sich mit der Ehe einverstanden, die 1664 auf des Bräutigams Rittersitz Gorow abgehalten wurde. 
Ihrer Ehe entstammten drei Kinder, davon zwei Söhne. Nach der Geburt der Tochter Dorothea Christina am 4.Februar 1670, die das jüngste Kind war, verfiel sie jedoch noch im Wochenbett einer hitzigen Krankheit "und ob zwar alle ersinliche menschenmügliche Mittel dagegen gebraucht worden, so ist doch alles ümbsonst gewesen und hat ihr der feindselige Ehetrenner, der Tod, den Lebensfaden abgeschnitten." 

Kurz vor ihrem Tode hatte sie noch den Pastor Müller aus Rostock gebeten, zu ihr zu kommen, damit er ihr ihre Sünden vergeben würden. Im Beisein der Familie schwanden ihre Kräfte schließlich am 6.Februar 1670 abends um 10 Uhr im Alter von 28 Jahren. Die eben erst geborene Tochter indes starb überraschend am 9.Februar. Am 14.Juni dann wurde die Leiche der Mutter auf dem Fürstlichen Amtshaus in Doberan beigesetzt. 

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Personalschriften, Sign.: v.oert 2


Detloff v.Oertzen (1635-1677)

Kgl. Dänischer Obristleutnant

Er war der Sohn des Claus v.Oertzen auf Gorow und der Dorothea v.Reventlow, ihres Zeichens Tochter des Fürstl. Mecklenburgischen Landrats Hennecke v.Reventlow auf Ziesendorff und Reetz. Geboren wurde Detloff im November 1635 und wuchs zusammen mit fünf weiteren Geschwistern auf, sein Bruder Jürgen wurde am 13.Juli 1657 in Bukow ermordet, zwei andere Söhne Claus und Hennecke starben noch im Kindesalter. Auch der Vater starb bereits - noch in der Blüte seiner Jahre - 1638 in Rostock am Plackenfieber. 

Die Mutter jedoch besorgte berühmte Präzeptoren für ihren Sohn, welche ihn bis zum 14.Lebensjahr unterrichteten. Anschließend sandte sie ihn ins Schleswigsche zu ihrem Bruder, dem Kgl. Dänisch-Norwegischen Amtmann von Hadersleben und Kanzler Detlef v.Reventlow, der ihn abermals neben seinen Söhnen von Präzeptoren anleiten ließ. Sieben Jahre blieb er in Nordschleswig, dann bemerkte der Onkel, daß seines Zöglings "intention dahin gerichtet, daß Er nun bey hohen Potentaten in der Welt seine Fortun suchen und dadurch sich renumiret ... machen" wollte. 

Er vermittelte dem mittlerweile 16jährigen daraufhin eine Stellung als Page bei König Carl Gustav von Schweden, in der er vier Jahre diente. Als er zwanzig Jahre alt geworden war, entließ ihn der König mit der Verleihung des Degens als Sinnbild der Wehrhaftmachung nach Hause. Er blieb einige Zeit bei seiner Mutter und begab sich dann auf die Peregrination. Drei Jahre lang hielt er sich in Frankreich auf und kehrte für kurze Zeit wieder nach Hause zurück, anschließend wurde er durch Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg zum Kammerjunker bestellt und gleichzeitig als Kornett in die Leibgarde eingestellt.  Im Auftrage des Herzogs reiste er nun in ganz Deutschland umher, um gegen die Kriegsfeinde Verbündete zu suchen. Er besuchte dabei alle kurfürstlichen Höfe und wurde nach seiner Rückkehr als Dank für seine diplomatischen Missionen in der Leibgarde zuerst zum Kapitänleutnant, dann zum Rittmeister befördert. Jetzt konnte er auch an eine Familiengründung denken; in Gorow heiratete er am 3.November 1664 Christiana Hippolyta, die Tochter des Fürstl. Mecklenburgischen Geheimrats und Hofmarschalls Otto v.Wackerbarth. 

Dann jedoch zog es ihn in den Krieg. Als Obristleutnant diente er nun im Regiment des Obristen v.Lützow für den Bischof von Münster, kämpfte auch drei Jahre gegen die Niederländer. Anschließend errichtete er eine eigene Eskadron und stellte sich als Söldnerführer zur Vermietung frei. Da der Feldmarschall v.Wrangel für den König von Schweden noch Truppen suchte, ließ er sich von ihm anmieten und kämpfte jetzt im Regiment des Obristen Giese zwei Jahre für die Schweden. Nach dem Frieden von Bremen wurde das Regiment aufgelöst und Detloff kehrte nach Gorow zurück. 

Nach sechs glücklichen Ehejahren wurden ihm bald darauf binnen wenigen Tagen Gattin und jüngste Tochter durch den Tod entrissen. Als Witwer zunächst weiter auf Gorow lebend, harrten seiner noch weitere öffentliche Aufgaben. Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg nämlich bestellte ihn bald darauf zum Amtshauptmann von Bützow und zum Kommandanten der gleichnamigen Festung. Nach einem Jahr Amtszeit drohte jedoch wieder ein Krieg auszubrechen und er stellte erneut eine Eskadron auf, diesmal, um für seinen eigenen Landesherrn zu kämpfen. Da der Krieg jedoch an den Grenzen Mecklenburgs Halt machte, wurde die Eskadron vom Herzog an den König von Dänemark und Norwegen vermietet. Detloff v.Oertzen kam jetzt als Teil des neu aufgestellten Leibregiments unter das Kommando des Obristen v.Rantzau. Nach drei Jahren ließ der dänische König ihn 1675 ein Regiment Dragoner werben, mit dem er an dem Feldzug nach Pommern und der Eroberung der Stadt Wismar teilnahm. 
Später wurde er vom König nach der Besetzung der Vierlande zu deren Gouveneur bestellt. Lange jedoch blieb er nicht in dieser Stellung, da der König den erfahrenen Sölnderführer bei der Verwaltung von Rostock benötigte. So wurde er nun hier Gouverneur. Am 20.August 1673 wurde er abberufen und führte sein Regiment per Schiff über Dänemark und Schonen gegen die Schweden. Am 4.Dezember kam es zu einer Schlacht, in der der tapfere Obristleutnant verwundet wurde und wenig später einen schweren Schuß durch die Brust erhielt. Von den Schweden gefangengenommen, wurde er nach Malmö transportiert, wo ihn der Feldscher und schwedische Leibmedikus versorgte. 

Am 18.Januar wurde er gegen einen schwedischen Obristen aus der Gefangenschaft entlassen und an Dänemark ausgeliefert. Er ging daraufhin zu seinem ebenfalls schwer verwundeten Bruder Claus v.Oertzen nach Kopenhagen, um hier seine schwere Kriegsverletzung auszuheilen. Doch war der Schuß so unglücklich, daß er schließlich am 24.Januar 1677 in Kopenhagen "mit guter vorbereitung unter andächtigem Gebet" im 42.Lebensjahr seiner Verwundung erlag. Anschließend wurde seine Leiche nach Rostock überführt und am 25.Mai 1677 in das Hansdorfsche Erbbegräbnis seiner Familie eingesenkt. 

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Personalschriften, Sign.: v.oert 4


Helmuth Friedrich v.Oertzen (1673-1754)

Herzogl. Mecklenburgischer Landrat, Erbherr auf Roggow, Wackendorf, Gerdeshagen

Er war der Sohn des Joachim v.Oertzen, Erbherrn auf Roggow, Gerdeshagen und Wackendorf und der Charlotte Beata Baronin v.Erskein, Tochter des Freiherrn Alexander v.Erskein, Vorpommerschen Hofgerichtspräsidenten und Kgl. Schwedischen Geheimrats. Geboren wurde er am 14.Oktober 1673. Bereits zehn Tage nach seiner Geburt verlor er seine Mutter, die an den Folgen des dritten Kindbetts starb. Der Vater nahm sich nach Ablauf einer Trauerzeit daher eine zweite Frau und heiratete die Jungfrau Barbara Sophie v.der Lühe a.d.H. Schulenburg. Ein aufgeweckter Verstand ließ den jüngsten Sohn unter der Fittiche von Vater und Stiefmutter in einer neuen intakten Familien aufwachsen und schnell lernen. Durch die Erkenntnis: "Es sind insonderheit zween Wege, dadurch der Adel zu dem höchsten Gipfel der Ehren gelangen kann, die Gelehrsamkeit und der Degen", hatte er sich in beiden geübt, aber eine deutlich Hinneigung zu dem letzteren Dienst verspürt. 

Als Page ging er deshalb zunächst an den Hof König Christian V. von Dänemark und Norwegen. 1692 dann avancierte er zum Fähnrich in der Kgl. Leibgarde zu Fuß. Da in Dänemark jedoch kein Krieg in Sicht war, erbat er einen dreijährigen Urlaub und machte daraufhin als Volontär der alliierten Armee den Feldzug in Brabant gegen Frankreich mit. Bald aber schlug sein einst feindseliges Verhältnis gegen Frankreich in Bewunderung, namentlich der Kultur, um. Denn gegen Winter ging er von dort nach Paris, peregrenierte hier ein wenig und besah die Lustschlösser der Umgebung, "insonderheit aber befliß er sich, nicht allein in der französischen Sprache, sondern in allerhand ritterlichen Übungen die möglichste Fertigkeit zu erlangen." 

Als 1694 Frankreich einen neuen Krieg führte, wechselte er sein Zivilgewand wieder mit dem bunten Rock und trat als Volontär in die französische Armee ein. Er kämpfte in Flandern, nahm dann erneut seinen Abschied und besah die vornehmsten Städte in Flandern, bevor er wiederum nach Paris zurückkehrte. Da sein dreijähriger Urlaub bald zu Ende ging, reiste er 1696 über Brüssel, Aachen, Köln, Düsseldorf (wo er das kurpfälzische Hoflager besuchte) und Hannover zunächst zu seinen Eltern zurück. Hier verblieb er noch einige Zeit und kehrte dann nach Kopenhagen zurück, wo ihn der König zum Leutnant der Leibgarde zu Fuß ernannte. Er erreichte hier zwar noch den Rang eines Kapitäns, aber sein kränklicher Vater rief ihn wenige Zeit später nach Mecklenburg zurück, da er seiner Hilfe bei der Verwaltung der Güter bedurfte. 

Am 19.Oktober 1703 ehelichte er außerdem Susanna Francisca v.Bülow, die Tochter des Hofrichters und Erblandmarschalls v.Bülow auf Gudow in Sachsen-Lauenburg. Er kaufte sich daraufhin, da er über nicht unerhebliche Mittel von seinem Vater verfügte, das mecklenburgische Gut Vogelsang und ließ sich hier nieder. Von seinem Vater bekam er außerdem die eine Hälfte von Gerdeshagen überschrieben, die andere Hälfte erhielt sein älterer Bruder. Der kleinen Familie wurde am 6.Oktober 1704 die Tochter Sophia Charlotta geboren, die sich 1724 mit Johann Arnold Werner v.Bodeck verheiratete. 1704 folgte der Sohn Joachim Werner, der sich später als Offizier in Fürstl. Schwarzburgische Dienste begab. Der dritte Sohn Otto Dietrich war 1737 bei einer Campagne als Volontär bei der Kaiserlichen Armee auf dem Feldzug in Serbien verstorben; er war wie der Vater auch Kgl. Dänischer Hofjunker gewesen. 1707 dann starb sein Vater und nach der Kavelung fielen seinem älteren Bruder Roggow und Wackendorf zu, ihm aber das Gut Bolland und die eine Hälfte von Gerdeshagen.

Er zog nun mit seiner Familie dorthin, erhandelte 1710 auch noch das ehemals v.Buchwaldsche Gut Nienhagen. Mit der Zeit von großem Vertrauen seiner Herren Mitritterschaftler getragen, wurde er vor dem Krieg zum Deputierten des Ritterschaftlichen Amtes Bukow gewählt. 

Im Nordischen Krieg durch die Russen bedroht, floh er mit seiner Familie außer Landes und kam im Hause seiner Schwiegereltern in westlich gelegenen Gudow unter. Als der Krieg beendet war, kehrte er nach Gerdeshagen zurück und fand seine Güter in großer Unordnung wieder. Fortan widmete er sich dem Wiederaufbau des verwüsteten Betriebes und ständischen Angelegenheiten. Auf dem Landtag von 1720 nahm er als Kommissionsmitglied für die Kontributuionsverhandlungen in Rostock teil (der Landtag war ausnahmsweise von Malchin dorthin verlegt worden). 

Durch ein gutes wirtschaftliches Denken von Natur aus begnadet, kaufte er 1722 noch das Allodialgut Mickenhagen zu seinen Besitzungen hinzu und schlug es Gerdeshagen bei. Die verstreut liegenden einzelnen Grundstücke verschiedener Bauern in Altenhagen legte er wieder zu einem gut funktionierenden Hof zusammen. 

Als Helmuth Friedrich v.Oertzen in den 1720er Jahren wegen geschäftlicher Verrichtungen nach Holstein reiste, traf er dort zufällig auch den das Herzogtum Holstein besuchenden König Friedrich IV. von Dänemark. Bei dieser Gelegenheit ernannte er ihn zu seinem Etatsrat. 

Von Mecklenburg aber wollte er nicht weggehen, zumal bald sein auf Roggow lebender Bruder verstarb und daher die Güter Roggow und Wackendorf auf ihn kamen. Mitten in diesen Akquisitionen verstarb am 23.Januar 1729 seine Frau. Da er der großen Hauswirtschaft und den vielen Güter nicht allein vorstehen konnte, ging er ein zweites Mal vor den Traualtar und führte am 27.Mai 1731 in Wismar die verwitwete Baronin Elisabeth Maria v.Meerheimb geborene v.Bülow a.d.H. Plüsckow heim. So konnte er sich wieder vermehrt den Landesgeschäften widmen und wurde auch 1734 durch die Ritterschaft als einer von drei Kandidaten für die Ernennung zum Landrat vorgeschlagen und durch den Herzog dazu ernannt. 

Kaiser Karl VI., der sich zwei Landräte aus Mecklenburg für die Kaiserliche Kommissionskasse wünschte, erwählte ihn außerdem zu einem von ihnen, so daß er ab Dezember 1735 auch deren Mitglied war. 12 Jahre fungierte er außerdem als ältester Assessor des Mecklenburgischen Kammerkollegiums, da dieses Amt mit dem Landratsposten verknüpft war. In die Geschichte ging er ein als Retter des Amtes Plau für die Landesherrschaft, da er dem Herzog eigene Gelder vorschoß, um es dem Domanialbestand zu erhalten. 

Für seine Kinder scheute er in der Erziehung keine Kosten, um sie zu wahrer Gottesfurcht "und erlernung nützlicher Wissenschaften anführen zu lassen". Der Kirche gegenüber und seinen Untertanen erwies er sich als Wohltäter, stiftete manche Geschenke, der Kirche zu Satow errichtete er ein neues Pfarrgebäude, auch Holz und Baumaterial stellte er entgeltfrei zur Verfügung. Daneben bekleidete er noch das Amt des Patrons der Kirche zu Russow und konnte zuletzt als Besitzer bzw. Lehnsnehmer auf Roggow, Gerdeshagen, Nienhagen, Wackendorf, Brunshaupten und Altenhagen angesprochen werden. 
Nach vielen Verrichtungen und einem erfüllten Leben kam bald sein irdisches Ende. Zu Ostern 1754 weilte er in Schwerin, um seinen Landesgeschäften nachzugehen, bald aber ergriff ihn eine "ungewöhnliche Unpäßlichkeit", so daß er sich zu Bett legen mußte. Er lebte noch einige Tage und starb schließlich in Schwerin im hohen Alter von fast 81 Jahren am zweiten Pfingsttag 1754 morgens eine Viertelstunde nach 8 Uhr. Zu dieser Zeit konnte er auf die stattliche Anzahl von zehn Kindern, seltenen 54 Enkeln und 10 Urenkeln zurückblicken. Begraben wurde sein Leichnam am 9.Juli 1754 in der Patronatskirche Russow.

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Personalschriften, Sign.: v.oert 10 und v.oert 13


Jaspar v.Oertzen (1616-1657)

Kgl. Dän.-Norweg. Rat, Drost der Grafschaft Pinneberg, Erbherr auf Gerdeshagen u. Claustorff

Am 16.August 1616 wurde er als Sohn des Sievert v.Oertzen auf Gerdeshagen und Claustorff und seiner Gattin Anna Valentina v.Reventlow a.d.H. Ziesendorff und Reetz auf dem alten familiären Stammhaus Gorow geboren. Hier wuchs er auch neben einem Bruder und zehn Schwestern auf, von denen aber nur sechs das Kleinkindalter überlebten: Heinrich (oo v.dem Knesebeck), Margaretha (oo I. v.Bülow, oo II. v.Tessin), Sophia (oo v.Bibow), Anna (oo v.Raben), Elisabeth (oo v.Voß) und Dorothea (oo v.Plessen). 

Von Beginn an in Gottesfürchtigkeit erzogen, wurden ihm private Informatoren bestellt, die ihn in den freien Künsten unterrichteten, bis er im Alter von 16 Jahren an die Universität nach Rostock verschickt werden konnte. Als seine Eltern seine Fortschritte bemerkten, sandten sie ihn auf die Universität nach Oxford, wo er neben der englischen Sprache auch viele Wissenschaften erlernte. Etliche Jahre brachte er anschließend in Frankreich zu, vervollkommnete hier sein Französisch und übte sich auch in den ritterlichen Fächern. Außerdem studierte er die Rechte, Geschichte und Philosophie. Und da "einer ritterlichen Persohn Wissenschaft des Krieges und der Waffen" gebührte, ging er nach den Niederlanden, wo er bei General Prinz Friedrich Heinrich in der prinzlichen Leibgarde aufgenommen wurde. 

Nach dem Tode seines Vaters wollte er nun ursprünglich sich auf seine ererbten Güter begeben, da diese aber durch den Dreißigjährigen Krieg ruiniert waren, beschloß er auf Anraten seiner Mutter, an den oldenburgischen Hof zu gehen. 1641 war er außerdem in den Diensten des Fürsten Johann von Anhalt und mit dem dänischen Abgesandten besuchte er den Reichstag in Regensburg. Beim Erzbischof von Bremen erlangte er anschließend eine Stelle als Rat und dann auch als Hofmarschall. Da in der Folge sein Dienstherr zum König von Dänemark avancierte, vergrößerten sich auch seine Chancen auf neue Meriten. 

Das Leben bei Hofe schien ihm jedoch nicht so zuzusagen, denn er bat bald darum, ihm das Drostenamt über die Grafschaft Pinneberg in Holstein anzuvertrauen. Bis dies geschah, nahm er von seinem bisherigen Posten Urlaub und heiratete am 11.Februar 1649 am Gräfl. Oldenburgischen Hof Anna Maria v.dem Knesebeck. Als Ambassadeur ging er dann für seinen Fürsten zu den niedersächsischen Höfen. Als der Krieg auch Holstein erreichte und er flüchten mußte, wurde er recht krank. Er bekam Durchfall, mußte sich fünf Wochen vor dem Weihnachtsfest von 1657 dauerhaft zu Bett legen. Er versammelte noch einmal seine Familie um sich und ließ den Prediger kommen, damit er ihm die Absolution erteile. Nach 42 Lebens- und neun Ehejahren hauchte er sein Leben schließlich am Weihnachtsmorgen 1657 aus. 

Quelle: LdsBbil. Schwerin, Mkl gen o 1180


Hans Dietrich v.Oldenburg (1646-1677)

Erbherr auf Niegleve

Er wurde auf Tolzin am 6.April 1646 zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags als Sohn des Fritz v.Oldenburg, Erbherrn auf Niegleve und der Elisabeth v.Halberstadt a.d.H. Lütten-Brütz geboren. Von seinen Eltern von klein auf zum seligmachenden christlichen Glauben erzogen, war es ihr pädagogisches Ziel, ihn früh "bey vornehmen Leuten unterzubringen", so daß sie ihn in die Obhut des Erbherrn auf Wattmannshagen Olof v.der Lancken gaben. Auf dessen Empfehlung wechselte er später  zu dessen Schwiegersohn, dem pommerschen Vizegouverneur und Kgl. Schwedischen Feldmarschall v.Mardefeld, dem er vier Jahre als Page diente. 

Um bei vorgerücktem Alter "seinen Adel mit eigener Tapferkeit zu ziehren", ging er um Ende 1664 zur Kgl. Schwedischen Armee nach Bremen. Doch kam es anders, er erkrankte schwer und mußte in Stade 27 Wochen das Bett hüten. Danach wollten ihn seine Eltern wiederum nach Hause haben, so daß er Ostern 1667 nach Niegleve zurückkehrte. Als sein Vater starb, entschloß er sich nach Rat durch seine Verwandten, der Mutter bei der Verwaltung von Niegleve zu helfen, das er nun erbte. 

Am 14.Februar 1677 heiratete er außerdem Dorothea Elisabeth v.Oldenburg, die Tochter des Jürgen Christoph v.Oldenburg, Erbherrn auf Vietgest. Im April aber begann er über einige körperliche Beschwerlichkeiten zu klagen und mußte sich am 1.Mai dauerhaft zu Bett legen, es wurde ihm noch das Abendmahl gegeben und die Absolution erteilt und schließlich verblich er nach längerem Leiden am 10.Mai 1677 morgens zwischen 7 und 8 Uhr im 32.Lebensjahr. Beigesetzt wurde er auf Wattmannshagen am 29.Mai 1677 im Erbbegräbnis der Familie. 

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Personalschriften, Sign.: v.olde 2


Joachim v.Oldenburg (1551-1622)

Klosterhauptmann zu Dobbertin, Oberhofmarschall, Herr auf Gemlin 

Nach Martini 1551 kam er als Sohn des Claus v.Oldenburg, Fürstl. Mecklenburgischen Rats, Provisors des Klosters Dobbertin, Herrn auf Gremlin, Vietgest und Pinnow und seiner Frau Ilse v.Bredow a.d.H.Reinsberg zur Welt. Seine Eltern hatten ihn "zur Haußdisziplin von blühender Jugend an [und] sobald er nur Alters halber zum lernen tüchtig worden ... / in der zucht und vermahnung zu dem HErrn / zu aller Gottesfurcht / Catechismo und adelichen Tugenden trewlich und fleissig aufferzogen". Sie hielten ihm und seinen Brüdern private Präzeptoren und ließen ihn bis zu seinem 15.Lebensjahr im Hause informieren. 
Da er bald eine Neigung zur geistigen Arbeit gezeigt hatte, gab ihn sein Vater auf die Schule nach Güstrow, die er vier Jahre besuchte. Hier hatte er die ersten Grundlagen der freien Künste und der Sprachen kennengelernt. Anschließend gelüstete es ihn, eine höhere Lehrantalt zu besuchen: Denn "wie man Herren und Fürsten dienen / Land und Leute regieren sol / das lernet man nicht daheim / Sondern unter andern auch auff hohen Schulen / bey gelehrten Leuten / Und viel studiert haben, das macht den rechten Adel".

So begab er sich mit dem Einverständnis seines Vaters nach Rostock auf die Universität und setzte hier seine Studien in Politik, in der Geschichte und in den Rechten fort. Später immatrikulierte er sich auch in Frankfurt a.d.O. und brachte dort ebenfalls eine Zeitlang rühmlich und mit Lerneifer zu. Im April 1577 dann wandte er sich nach Leipzig und für ein Jahr auch nach Heidelberg. 
Von dort begann er seine Grand Tour, die er zur Erinnerung in seinem Stammbuch mit der Route vermerkte: Verona, Padua, Venedig, Farraria, Florenz, Rom, Neapel sah er auf dieser Kavalierstour und erlernte dabei die italienische Sprache leidlich. Außerdem setzte er seine Studien in der alten Geschichte und in der Politik fort. Er ging schließlich noch ins Welschland und auf der Rückreise über Mailand und die Schweiz (Basel) zog er nach Straßburg. In Speyer besuchte er das Reichskammergericht und blieb hier noch ein ganzes Jahr, um genaue Kundschaft von dieser Behörde einzuziehen und Umgang mit den gelehrten Räten zu haben. 

Als 1582 in Augsburg der große Reichstag abgehalten wurde, nahm er an diesem auch noch teil. Er reiste wieder nach Speyer, konnte hier die Herzöge Hans, Ulrich und Sigismund August, beides Kur- und Reichsfürsten, sehen. Auf Anforderung seines Vaters war er nach sechs Jahren Kavalierstour wieder nach Hause zurückgekehrt. Bald danach wurde er an den mecklenburgischen Hof bestallt und erhielt von Herzog Ulrich von Mecklenburg Anfang 1585 die Stelle eines Kammerherrn und Oberschenken. 1586 aber schon erhielt er das Amt des Hofmarschalls, 1587 erfolgte die Beförderung zum Oberhofmarschall. 1591 nahm er zwar seinen Abschied, erhielt aber vom gleichen Herzog noch im selben Jahr eine Bestallung zum Rat, um von ihm "in wichtigen legationen und abfertigungen" gebraucht zu werden. 

1591 schloß er ein Ehegelübde mit einer Jungfrau; seine Braut war Adelheid v.Below, Tochter des Gerd v.Below, Fürstl. Mecklenburgischen Hofmarschalls, Herrn auf Nossentin und Provisor des Klosters Dobbertin. Die Heirat fand am 19.September 1591 auf dem Rathaus in Güstrow statt. Neue Ehren ließen nicht lange auf sich warten, denn im kommenden Jahre 1592 bekam er vom Herzog die Amtshauptmannsstelle über Doberan und Ribnitz verliehen, nach einigen Jahren dann wechselte er als Amtshauptmann nur nach Ribnitz.

Da er nach nur 21wöchiger Ehe Mitte Februar 1592 seine Frau verloren hatte, begab er sich 1601 erneut vor den Traualtar und nahm nun nach neunjährigem Witwerstand  Ilse v.Moltzahn zur Frau, die Tochter des Hartwig v.Moltzahn, Pommernschen Erbmarschalls und Wolgastischen Landrats, Herrn auf Kummerow, Vanselow und Osten. An Baptistae wurde die Hochzeit in Ribnitz gehalten. Sie hielt drei Jahre und drei Monate. 

Die Witwe Clara Maria Herzogin von Mecklenburg, geborene Fürstin zu Pommern-Stettin, bestellte ihn schließlich 1605 zum Hofmeister und Hauptmann in Strelitz, 1608 folgte von Herzog Carl zu Mecklenburg die Bestallung als Hof- und Regierungsrat zu Güstrow. Im selben Jahre wurde er noch von Herzog Hans Albrecht von Mecklenburg zum Gesandten ernannt, 1610 folgte auch noch der Geheime Rat. 

1612 endlich dankte er von seiner Ratsstelle in Güstrow ab und ging nun als Rat zur Herzoginwitwe Sophie von Mecklenburg nach Lübz. Zuletzt war er daher 36 Jahre lang in fürstlich mecklenburgischen Hofdiensten gewesen, hatte drei regierenden Landesfürsten und zwei Witwen aus dem Herzogshause gedient. Zu erwähnen ist noch, daß er am 29.März 1610 zum Provisor des Dobbertiner Klosters gewählt worden war und dieses Amt 12 Jahre lang bekleidete. Als solcher war es seine Aufgabe, den Haushaltsetat des Klosters zu überwachen, die jährlichen Kornpachten zu kontrollieren und den Wohlstand des Klosters zu mehren. Unter seine Amtszeit konnte er dem Kloster auch ein Landgut einverleiben, das mehrere tausend Gulden wert war. 
Im Dorf Dobbertin hatte er 100 Gulden für das Lazarett gespendet. 

Im Frühling 1621 fing er aber an zu kränkeln und bekam eine "schwere Brust" (Asthma), daneben setzte ihm auch eine Geschwulst an den Schenkeln zu. Danach nahmen seine Kräfte Tag für Tag ab, auch wenn er aus Güstrow berühmte Mediziner kommen ließ. Er verreiste am 15.März 1622 noch einmal nach Grubenhagen, wohin ihn Fritz vom Berge, der Frstl. Braunschweig-Lüneburgische Landrat, bestellt hatte. Hier aber war er von einer unvermuteten Ohnmacht angefallen worden und mußte sich dauerhaft zu Bett legen. Er wollte zwar noch nach Dobbertin zurückreisen, Fritz vom Berge aber hielt ihn davon zurück. So starb er auf Grubenhagen am 21.März 1622 donnerstags nach Reminiscere zwischen 9 und 10 Uhr vormittags. Der 71 Jahre alt gewordene Hofmann wurde anschließend nach Dobbertin überführt und hier in der Kirche am 22.Mai 1622 beigesetzt.

Quelle: LdsBibl. Schwerin, Schmidt` sche Bibliothek Bd.LXIX (25)


©  Institut Deutsche Adelsforschung - Quellenvermittlung für Wissenschaft, Familienforschung, Ahnenforschung | Seitenanfang