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Mitteldeutscher Adel 1600-1900 im Spiegel seiner Testamente

Verzeichnis von über 3.100 letztwilligen Verfügungen deutscher Edelleute

Auf dieser Webseite finden Sie ein Register zu ungedruckten und daher einmaligen handschriftlichen letztwilligen Verfügungen, Testamenten, Codizills und ähnlichen ein Vermächtnis betreffenden Schriftstücken nebst einer thematischen Einleitung mit weiteren Erklärungen zum Quellenbestand sowie den Indices zu allen nachweisbaren Dokumenten der alphabetisch gegliederten Buchstabengruppen A-B, C-G, H-K, L-O, P-S und T-Z.

Mitteldeutsche Testamente

Letztwillige Verfügungen sind nicht nur ein Spiegelbild historischer Persönlichkeiten, sondern immer auch Quelle für Standesselbstverständnisse, namentlich beim Adel. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um das Vermögen zu erhalten, woraus bestand dieses Vermögen und wer waren die Erbberechtigten oder wer sollte Erbe sein? Welche Leitlinien irdischen Daseins und welche Erbgänge nach einem eventuellen Tod an der Front bewegten junge Offiziere, die vor dem Kriegszug noch rasch ihr Testament schrieben (wie z.B. der später nicht gefallene konservative "Frondeur" Friedrich August Ludwig v.der Marwitz)? Diese und weitere Fragen können unveröffentlichte Original-Testamente in überreichem Maße beantworten.

Doch zunächst einmal zur genauen Definition. Eine Letztwillige Verfügung: Dieser Begriff wurde synonym für drei andere unten näher erläuterte Definitionen mit gleicher Bedeutung benutzt: Schriftliche, in Vollbesitz der geistigen Kräfte und aus freiem Willen bei Gerichten niedergelegte Verfügungen einer Person, in der sie im Falle ihres Todes den Erbgang ihres Vermögens bestimmte.

Früher - zur Entstehungszeit dieser hier besprochenen letzwilligen Verfügungen (17.-19.Jahrhundert) - unterschied man drei Formen, die auch alle in dem benannten Bestand vorkommen:

Ist eines der oben erwähnten Dokumente von einer historischen Persönlichkeit erhalten geblieben, lassen sich daraus Rückschlüsse sehr vielfältiger Art ziehen. In der Regel sind nämlich folgende Bestandteile einer letztwilligen Verfügung vorhanden, auch wenn eine Musterregel zum Abfassen letzwilliger Verfügungen erst im 19.Jahrhundert eingeführt wurde und die Codizille im Zeitraum von dreihundert Jahren sich in der äußeren und inneren Form sehr wandelten. Mindestbestandteile jedoch waren die ganze Zeit über: Letztwillige Verfügungen wurden den Gerichtsbehörden eingereicht, die solche Dokumente mehr oder minder vollständig aufbewahrten. Sind in späterer Zeit von den die Akten übernehmenden Archiven keine radikalen Kassationsgrundsätze angewendet worden und auch keine kriegsbedingten Ausfälle zu verzeichnen, so finden sich solche Testamente im Original oder in Abschrift, versehen mit weiterem Schriftverkehr der Gerichte in deutschen Staatsarchiven. Dort sind sie unterschiedlich gut erschlossen, zum Teil durch Findbücher, durch Findkarteien oder auch nur chronologisch oder nach den Nachnamenbuchstaben der Personen, die ihre letztwillige Verfügung einreichten.

So verfügt das Schleswig-Holsteinische Landesarchiv zu Schleswig über einen Bestand an Testamenten von Adeligen und Nichtadeligen aus dem 19.Jahrhundert in seinem Bestand der Deutschen Kanzlei (Rep.62.5), der jedoch nur nach Nachnamenbuchstaben und chronologisch sortiert ist sowie überwiegend Verfügungen von in Schleswig-Holstein ansässigen Personen enthält. Ein Register der Personen, die ihre letzwilligen Verfügungen einreichten, ist dort leider nicht vorhanden. Ähnlich sieht es in Beständen anderer Archive aus.

Einführung in den von uns indexierten Bestand

Wir haben einen dem oben erwähnten ähnlichen Bestand an fast 3.200 einzelnen Testamenten, Codizillen und Erbverträgen aus dem Zeitraum von 1611 bis 1882 ermittelt und großzügig indexiert. Der Bestand enthält unter anderem die Testamente von so bekannten Persönlichkeiten wie dem französischen Maler Antoine Pesne (1757) und dem schon oben erwähnten Politiker und militär Friedrich Ludwig August v.der Marwitz. Auch das Dichterhepaar Baron und Baronin de la Motte-Fouqué, der Gerichtsmediziner Johann Theodor Pyl (1795), die Musikertochter Gräfin Wilhelmine Lichtenau geborene Enke (die Geliebte König Friedrich Wilhelm II. von Preußen), der Hofbaurat Friedrich Gottlieb Schadow (1831) oder der Philosoph Arthur Schopenhauer (1822) sind mit ihren letztwilligen Verfügungen in diesem Aktenbestand ebenso enthalten wie der Naturforscher Alexander v.Humboldt, der friederizianische Architekt Georg Wenzelaus v.Knobelsdorff oder der General Friedrich Heinrich Graf Kleist v.Nollendorff.

Daneben aber finden sich tausende von letztwilligen Verfügungen von historisch unbekannteren Persönlichkeiten, vor allem von Offizieren jeden Ranges - vom Fähnrich bis zum General -, aber auch von verarmten adeligen Torschreibern, Verwaltungsbeamten und deren Töchtern oder Ehefrauen, auch von Stiftsfräuleins.

Unsere Indexierung weist folgende Merkmale auf: Bei jeder Person, die eine letztwillige Verfügung hinterlassen hat, sind folgende Angaben - soweit ersichtlich und vorhanden - erfaßt worden (an einem fiktiven Beispiel):
 
Nachname Vorname Geburtsname bei Frauen Stand / Beruf Datum Aktenbezeichnung
Arenstorff,  Agnes Friederike v., *Gräfin v.Kospoth MajorsGattin (1813), >Nrn.1542f

Der vorige Eintrag sagt Folgendes aus:


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Online gestellt am 04.10.2000