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Matrikel deutscher adeliger Corps-Studenten 1798-1960

8.535 Rezeptionsdaten zu Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Studentencorps (sie schreiben sich immer mit "C" und daher ist dieser Buchstabe auch Grundlage aller Abkürzungen im Verbindung mit dem Corps) sind eine Zweckgemeinschaft, die namentlich dem Zusammenhalt der freiwillig sich zusammenschließenden Studenten aus einer Universitätsstadt dienen.

Gestiftet wurde das erste Studentencorps als Landsmannschaft im Jahre 1789 (Jahr umstritten) in Form des Corps Guestphalia zu Halle an der Saale. Die Idee eines Zusammenschlusses von Studenten aber war bereits viel älter und läßt sich auf die Zusammenfassung von Studierenden nach Landsmannschaften zurückführen. Denn bereits im Mittelalter schlossen die Absolventen einer Hochschule sich zu territorial orientierten Bünden zusammen - sogenannten Nationen -, was in der Femde zunächst nur zu verständlich war, da man vor allem bei ausländischen Universitäten eine gewisse Geborgenheit in seiner Nation fand, den gleichen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund besaß und sich in Problemsituationen eher helfen konnte und wollte.

Am Ende des 18.Jahrhunderts wandelten sich die Landsmannschaften oder Nationen unmerklich in Corps um, denn als Voraussetzung zu einer Mitgliedschaft wurden jetzt nicht mehr eine bestimmte Nationalität, sondern die Würdigkeit der Kandidaten ausschlaggebend. Gleichwohl blieben aus dieser Zeit bis heute die landsmannschaftlichen Corpsnamen übrig: Wer der Borussia angehörte, kam aus Preußen, Gustepahlia kennzeichnete die Westfalen, in der Bavaria waren Bayern zusammengefaßt, zur Palatia ressortierten ehemals nur Pfälzer.

Aber erst in den Jahren 1800 bis 1820 gründeten sich die meisten Corps, was im Kontext zu den Forderungen der Französischen Revolution stand. Die deutsche Studentenschaft stand diesen neuen Ideen von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" positiv gegenüber, was auch auf die ungestüme Jugend in den Corps und ihren allgemein vorhandenen Willen zu Reformen zuzuschreiben war. Insofern waren Studentencorps in der nachrevolutionären Zeit des Biedermeiers meist die Träger zwar nicht antimonarschischer, aber die Befürworter einer konstituionellen Monarchie, was damals als "fortschrittlich" gekennzeichnet bezeichnet werden könnte. Die Studenten waren ein Feind jedes "Spießbürgertums" und verabscheuten den gleichlaufenden Takt älterer im engen Berufsleben stehender Personen, die jahrelang tagaus tagein dasselbe taten. So schrieb im Jahre 1841 das Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk:

Dorh zurück den den Corps: Mit der Zeit schlichen sich also auch politische Prämissen in den Aufgabenkatalog der Corps ein und weiterwirkende gesellschaftliche Folgerungen wurden mit einbezogen: Die Mitglieder eines Corps bildeten eine enge nach außen durch allerlei interne Bezeichnungen (Fuchs, Fuchsmajor, Chargierter), eine eigene Sprache (Studentensprache), eine eigene Tracht (Studentenmütze, Farbenband, Wichs, Degen) und eigene Riten (derbe Trinkfestigkeit und Scherze, Mensuren) abgegrenzte Gemeinschaft. Da die Corpsstudenten später zur in aller Regel die militärische und verwaltungstechnische Elite des Staates bildeten, besaßen viele der "Alten Herren" einen nicht geringen Einfluß im öffentlichen Leben. Auch halfen sie den jungen Corpsmitgliedern durch Protektion, so daß sich bis heute eine starke Gemeinschaft und Kameradschaft in jedem Corps gebildet hat, sowohl unter Aktiven als auch unter den Inaktiven (wer Corpsbruder ist, wird bevorzugt).

Ziele der Corps waren und sind die Hilfe der Corpsmitglieder untereinander, auch nach abgeschlossenem Studium, die Pflege commentmäßigen Verhaltens und des Brauchtums der deutschen Studentschaften sowie die Erziehung der Mitglieder zu honorigen, ehrenwerten und nutzvollen Mitgliedern der menschlichen und staatlichen Gesellschaft. Auch wenn einzelne Riten, so der Gruppenzwang beim sinnlosen und schädlichen übermäßigen Alkoholgenuß, auf zunehmende Ablehnung stößt, haben sich die Corps als eine Pflanzstätte der studentischen Gemeinschaft erwiesen, die erzieherische Maßnahmen anwendet und der Jugend einen Rahmen für Geselligkeit, aber auch der Orientierung an Werten bietet.

Der Nationalsozialismus betrachtete die Vielzahl der Corps als Folge der Zersplitterung der deutschen Studentenschaft und lehnte deren Individualität und Autonomie stirkt ab. Für ihn galt es die "Volksgemeinschaft" zu verwirklichen, in der es kein Platz für Vielfalt gab. Daher wurden die deutschen Studentencorps zwangsaufgelöst und im NSDStB (Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund) gleichgeschaltet. Manche Corps und Dachgemeischaften, wie der Kösener Seniorenconvent, schlossen sich dem Nationalsozialismus an, wurden aber auch verboten, aus wiederum anderen Corps kamen führende Widerständler gegen Hitler.

Die Zahl der deutschen Studentencorps war immer schwankend, da gelegentlich - namentlich in der Zeit des Fürsten Metternich in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ("Demagogenverfolgungen") viele verboten wurden, sich auflösten oder wieder neu begründeten. Obwohl eigentlich eine Domäne der Nichtadeligem, fanden sich doch auch fortschrittliche gesinnte Adelige in den Corps, die nach 1848/49 durchaus meist konservativen Charakter annahmen.

Das Leben in den Corps des 19.Jahrhunderts war gefährlich. Deren Mitglieder neigten sehr zu Duellen und nicht selten wurden Tote oder Verletzte vom Platz getragen. Auch rechtliche Konsequenzen konnten sich aus einer Mitgliedschaft ergeben: In einem besonders seltsamen Fall - dem des Beflissenen der Landwirtschaft Ewald v.Massow, konnte eine Zugehörigkeit zu einem der deutschen Studentencoprs weitreichende Folgen haben: Er wurde 1839 wegen der "Teilnahme an hochverräterischen Verbindungen, Unterstützung des Preßvereins, Majestätsbeleidigung" zur Konfiskation seines gesamten Vermögens und zehn Jahren Arrest verurteilt und verlor damit auch gerichtlich seinen Adel, was zumindest in Preußen nur in diesem einen Fall vorgekommen war!

Im folgenden Verzeichnis und Register finden sich die Namen und die Anzahl aller Corpsstudenten, die in sämtlichen deutschen Studenten-Corps vom Beginn studentischer Korporationsgeschichte bis hin ins Jahr 1909 aktiv waren und zwar sowohl von den seinerzeit aktiven als auch den Ende 1909 schon suspendierten (aufgelösten) Verbindungen.

Enthalten ist in der Originalquelle stets Name, Vorname, Rezeptionsjahr (Eintrittsjahr), Berufe, Wohnort und ein Vermerk, ob der Betreffende 1909 noch lebte. Grundlage für das folgende Register ist ein literarisches Werk, dessen genauen Titel und Standortnachweis in einer deutschen Bibliothek wir Ihnen bei Bedarf gern zusenden. Aufgenommen wurden in dieses Online-Verzeichnis nur Niederadelige sowie Angehörige von freiherrlichen und Grafenhäuser! Nicht enthalten sind Hochadelige und Bürgerliche!

Genannt wird die Corpsnummer (zwischen 1 und 211) sowie innerhalb des Corps die jeweils einmalige Personennummer, mit der die gewünschte Person identifizierbar und in der Originalquelle auffindbar ist.

Drei Beispieleinträge der Orignalquelle:

Hier geht es zu den Register-Teilen aller adeligen deutschen Corpsbrüder 1798-1960: Einleitung | Aa-Bi | Bl-Bu | By-En | Ep-Go | Gr-Ha | He-Ka | Ke-Le | Li-Mo | Mu-Pl | Po-Ro | Ru-Sc | Se-Tr | Ts-Wa | We-Zy.

Ferner möchten wir noch hinweisen auf einige heutige Studentenverbindungen. Manche von den vorgenannten Corps existieren heute immer noch bzw. wurden nach Aufhebung ihrer Suspendierung nach 1945 wieder neu begründet. Aktuelles finden Sie unter den folgenden Website-Verweisen: Online-Volltext-Lexikas mit Begriffen aus der Studentensprache von A bis Z bieten gleich mehrere Corps an:

Links zu einzelnen ausgewählten Corps (gut erkennbar deren unterschiedliche, aber doch zeichnerisch verwandten Erkennungszeichen ["Zirkel"], die ein Corpsmitglied üblicherweise in Schreiben an Corpsbrüder neben seine Unterschrift setzt und die auch bei Traueranzeigen etc. zu sehen sind. Vor allem in den 50er bis 80er Jahren finden sich im Deutschen Adelsblatt Anzeigen verschiedener Corps, in denen sie ihrer verstorbenen adeligen Mitglieder gedenken. Dies ist in den 90er Jahren vollkommen aus der Mode gekommen, weil immer mehr Nichtadelige Corpsbrüder werden): I. Corps Brunsviga zu Göttingen: http://www.corps-guestphalia.de --- II. Corps Albertina zu Hamburg: http://www.albertina.de --- IV. Corps Makaria zu München: http://www.corps-makaria.de --- VI. Kösener Corpsstudenten (Dachverband): http://www.die-corps.de --- VII. Corps Guestphalia zu Bonn: http://www.corps-guestphalia.de


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Verbessert online gestellt am 21.04.2002