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Preußische Kadetten aus Stolp (Ostpommern) 1769-1816

Indices zu Namen und Personaldaten der adeligen Kinder meist pommerscher Familien

"Die Gründung des Kadettenhauses in Stolp in Pommern am 1.VI.1769 entsprang der Fürsorge, die Friedrich der Große der hohen Zahl von Offizierssöhnen angedeihen ließen, die infolge des siebenjährigen Krieges verwaist waren. Das bestehende Kadettenhaus in Berlin war überfüllt, es mußte also zur Gründung einer Zweiganstalt geschritten werden. die Wahl des Königs fiel auf Stolp", so schrieben es Peter v.Gebhardt und Alexander v.Lyncker in den in Leipzig 1927 publizierten Mitteilungen der Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte im Heft XXXVII, Seite V.

Damit verweisen sie auf eine landesherrlich patriarchalische Motivation zur Gründung der Anstalt. Doch welche Motive standen noch hinter der Errichtung? Einige Akten geben dazu Aufschluß:  Bei einer Inspektionsreise durch Stargard in Hinterpommern, die König Friedrich der Große  im Jahre 1765 durchführte, äußerte er mündlich gegenüber seinen Beamten der Stargarder Regierung, daß ihm aufgefallen sei, daß der Offiziersnachwuchs für die Armee aus Hinterpommern, vor allem der Adel aus dem Lauenburgischen und Bütowschen Kreis, noch größtenteils so roh und unerzogen sei, was sich, wenn sie zu den Pagen oder ins Kadettenkrops kommen würden, immer wieder bemerkbar machen würde. Die wenigsten könnten rechnen, lesen und schreiben.

Damals war dem König der Gedanke gekommen, eine Schule für junge Edelleute in einer der hinterpommerschen Städte anzulegen, um diesem Makel abzuhelfen. Zu diesem Zwecke sollte ein Haus gekauft oder neu erbaut werden, das für diese Zwecke geeignet erschien. Die Zöglinge sollten dort essen, wohnen und mit Kleidung versorgt werden sowie von Informatoren erzogen und unterrichtet werden.

Noch bevor Friedrich der Große in seine Residenz nach Potsdam zurückkehrte, hatte er den Kammerpräsidenten zu Stargard, v.Schöning, damit beauftragt, einen Plan anzufertigen und über nähere Möglichkeiten einer Einrichtung zu berichten. Doch erst im kommenden Jahr, im Juni 1766, machten die Räte der Pommerschen Kriegs- und Domainenkammer den König mit ihrem Bericht vertraut. Der Lage nach wäre der Ort Stolp geeignet, hier könnte man das Rambskoppsche Haus für die Zwecke umbauen und herrichten: "Die Stadt scheinet sowohl wegen ihrer Lage, als der wohlfeilen Lebens Arth daselbst zu anlegung einer dergleichen Schule am bequemsten zu seyn." In Stolp sei auch ein Chirurg vorhanden, so daß man leicht medizinische Hilfe erhalten könnte.

Präsident v.Schöning dachte sich die Einrichtung einer Schule für 48 junge Edelleute im Alter von 8 bis 12 Jahren, die von sechs Hofmeistern, einem Oekonom und einem Oberaufseher betreut werden sollten und hatte außerdem von dem Baudirektor Dornstein einen Riß des Gebäudes anfertigen lassen.

An Kosten projektierte v.Schöning für den Ankauf des Hauses 2.500 Gulden, für den Umbau des Hauses 2.692 Gulden, für die Unterhaltung der Kleidung der jungen Adeligen, den Hofmeister, den Oekonom und den Oberaufseher 4.822 Gulden. Die Uniform projektierte er hier bereits als "gantz blau ... mit rothem Kragen". Hierzu sollten "5 Ellen Tuch zu Rock" mit doppelten Vorderteilen der Weste und Beinkleider beschafft werden, roter Flanellstoff für den Kragen, Dousinknöpfe, Hüte nebst Troddel und Schnur, Unter- und Oberhemden, Hals- und Haarbinden, Strümpfe, leinene Hosen, zur Pfelge Puder und Schuhwichse.
An Nahrungsmitteln sollte den Edelleuten "Mittags-Mahlzeit und Abend-Essen, benebst Frühstück und Vesper-Brod auch Bier" gereicht werden, die Möblierung sollte mit 24 Bettstellen für je zwei junge Edelleute gestellt werden.

Diese detaillierten Vorstellungen wurden nun an den König eingesandt, der jedoch noch einige Abänderungen an dem Plan wünschte, wie er seiner Kammer zu Stargard Ende Mai 1766 mitteilte. Dergleichen jedoch geschah zunächst nicht. Erst 1767 nahm sich im Auftrag des Königs Generalleutnnt v.Buddenbrock des Plans an, nachdem Friedrich der Große bei der Revue zu Stargard im gleichen Jahr dem Kammerpräsidenten mündlich mitgeteilt hatte, die Schule solle nunmehr realisiert werden.

Im Mai 1768 verfügte König Friedrich der Große von Küstrin aus, daß v.Schöning den Umbau auf künftigen Trinitatis beginnen sollte, zu welchem Zwecke er vom Geheimen Finanzrat v.Brenkenhoff das nötige Geld erhalten sollte. Jetzt war auch erstmals die Rede von der "Anlegung einer Cadetten Schule für arme adeliche Kinder".

Daher wurde am 27.Juni 1767 mit dem Gastwirt Rambsdorff der Kaufkontrakt geschlossen, wonach er und seine Ehefrau an den König ihr an der Ecke der Langen Straße belegenes Wirtshaus für 2.500 Reichstaler verkaufte. Nach Erteilung der Gelder durch v.Brenkenhoff im Dezember 1768 befahl der König, die Schule zu Trinitatis 1769 zu eröffnen. Schon jetzt drang die Kunde der geplanten Schuleröffnung auch in die entlegensten pommerschen Dörfer. Denn nach wenigen Umbaumaßnahmen, die zügig vorangingen und für die v.Schöning als Kammerpräsident die Verantwortung trug, meldeten sich bereits vor der geplanten Eröffnung am 1.Juni 1767 die ersten jungen Edeleute; sie baten schon Mitte Mai um freie Vorspannpässe zur kostenlosen Anreise, da sie nicht einmal das Geld für die Passage von ihrem Zuhause aus nach Stolp besitzen würden. Da die Berliner Kadetten diese ebenfalls erhielten, sah Friedrich der Große keinen Grund, weshalb er dies verneinen sollte; alle Interessenten erhielten die freie Anreise.

Die geplante Gründung schien sich rasch auch im außerpommerschen Adel herumgesprochen zu haben, denn plötzlich meldeten sich Ende Mai 1769 die Landräte der neumärkischen Ritterschaft bei der Neumärkischen Kammer mit der sondierenden Anfrage, ob auch Adelssöhne aus der Mark Brandenburg nach Stolp gehen könnten. Allerdings bat man auch hier um freie Vorspannpässe, was der König ebenfalls genehmigte, obgleich die Schule eigentlich nur für den hinterpommerschen Adel gedacht war. Der neumärkische Adel rechnete sich aber einen Erfolg aus, "da gedachte anzahl junger Edelleute aus Pommern nicht gleich gantz complet zusammenkommen mögte", wie man hoffte.

Diese Hoffnung wurde jedoch enttäuscht, denn die ersten  48 "junckers", wie sie nun genannt wurden, stammten fast ausschließlich aus den pommerschen Kreisen Bütow, Rummelsburg und Lauenburg, einer kam aus Polen, einer aus Schlesien,  und einige wenige aus Brandenburg.

1769 dann begann in der Tat der Betrieb der Lehranstalt. Erster Kommandeur des Kadettenhauses Stolp wurde Hauptmann v.Kötteritz, dem man die Einrichtung des Lehrbetriebes und genügend pädagogisches Geschick zutraute; er kam als bisheriger Kompaniechef aus dem Berliner Kadettenhaus. Seit 1777 wurde die Anzahl der jungen Edelleute wegen des Andrags der Zöglinge auf 96 Kadetten verdoppelt, die sich nun auf sechs Klassen verteilten. Wochentags war von 8 bis 11 Uhr und von 14 bis 17 Uhr Unterricht an vier Woschentagen, sonntags wurde gemeinschaftlich der Gottesdienst besucht. Nach dem Tode von v.Kötteritz übernahm im Jahre 1774 der bürgerliche Hauptmann Eckard die Leitung der Schule, bevor 1795 mit dem Hauptmann Friedrich Wilhelm Ludwig v.Dedenroth wieder ein Edelmann diese Position einnahm.

Major v.Proeck, sein Nachfolger, blieb bis 1806 Kommandeur der Schule, hatte dann die Leitung des Berliner Hauptinstituts übernommen und gab seinen Posten an den vorletzten Kommandeur ab, Major v.Bonin (1810). Die französische Besatzungszeit überlebte Stolp mehr schlecht als recht, ständig gefährdet durch mangelnde Lebensmittellieferungen. Nur dem mutigen finanziellen Einsatz der pommerschen Stände und allen voran des Rittergutsbesitzers und Hauptmanns a.D. Karl Gustav v.Below war es in den schweren Jahren zu verdanken gewesen, daß die Anstalt nicht geschlossen werden mußte, wie es mit den jüngeren Instituten zu Culm und Kalisch geschehen war.

Dennoch hatte der Krieg weitreichende Folgen anderer Art: Im Zuge der Neuorganisation des preußischen Staates wurde auch das Kadettenwesen reformiert und das Stolper Haus aufgelöst. Das Potsdamer Haus sollte nach Berlin gelegt werden, die Stolper Kadetten nach Potsdam kommen. Am 21.September 1810 schloß der letzte Stolper Kommandeur Major Marschall v.Bieberstein für immer die Pforten dieser Lehranstalt. Auf 13 verdeckten Leiterwagen rumpelten am 21.November 1811 die Gespanne mit den letzten Kadetten über die Stolper Straßen gen Potsdam.

Damit war die Geschichte der Kadettenvoranstalt beendet. Nach 42 Jahren konnte sich die Bilanz des Hauses sehen lassen: zwischen 1769 und 1786 wurden 203 Zöglinge in das Berliner Hauptinstitut überwiesen, 13 traten unmittelbar in Regimenter ein, nur 19 wurden als unbrauchbar entlassen und vier waren während der Ausbildung verstorben. Von 1786 bis 1797 waren es 225 Kadetten, die nach Berlin wechselten. Das war ein jährlicher Schnitt von 14 jungen Edelleuten, die auf der Stolper Anstalt die ersten Gründe des Offiziersberufes erlernten, um sie in Berlin auf der Hauptanstalt zu vervollkommenen.

Was aus den Stolper Kadetten wurde, ist gesamtbiographisch nich nie geklärt wurden, die meisten jedoch gingen, sofern sie nicht schon die Kadettenanstalt in Stolp im zarten Jungenalter wegen Schwächlichkeit verlassen mußten, als Offiziere in die Kgl. Preußische Armee, wo sich ihre Namen teilweise in den Ranglisten des Jahres 1806 wiederfinden.

Ein besonders schweres Schicksal hatte Friedrich Wilhelm v.Wedell, der 1791 im Alter von achteinhalb Jahren nach Stolp kam, anschließend als Sekondeleutnant im 2.Garde-Infanterie-Regiment Ende März 1813 beide Beine abgeschossen bekam.

Außergewöhnlich war auch die Aufnahme des erst vierdreiviertel Jahre alten Eduard v.Kaminskj im Jahre 1797; er wurde später Stabscapitän in Stolp an der Kadettenanstalt. Bemerkenswert war auch, daß sich unter den knapp mehr als 900 effektiven Kadetten immerhin fünf Nichtadelige (Jahn, Feige, Belian I., Belian II., Wagenhöfer) befanden.

Im folgenden Onlineregister A-L und M-Z werden drei Gruppen von Kadetten unterschieden:

Quellen für den obigen Text: Frhr.v.Brand / Helmut Eckert: Kadetten. Aus drei Jahrhunderten deutscher Kadettenkorps, Band 1, München 1981, S.209-213 --- Haslingen, Graf v.: Geschichte des Kadettenhauses in Potsdam, Berlin 1806 (darin S.1-71 über die Anstalt in Stolp) --- Mitteilungen der Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte im Heft XXXVII, S.V-VII


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