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Generalmajor Hans Wilhelm v.Bandemer (1725-1788)

Beispielbiographie aus dem Reihenwerk über die großen brandenburg-preußischen Heerführer

Der Vorgenannte wurde als Sohn des Hans Georg v.Bandemer aus altem uradeligem Geschlecht, der als Herr auf dem Gute Wendisch-Buckow in Hinterpommern saß, und dessen Frau Barbara Diana v.Bandemer geborene v.Rotenburg zu Hohensolz im pommerschen Kreis Neustettin geboren.

Er wuchs inmitten einer größeren Geschwisterschar auf, aber seine beiden älteren Brüder wurden durch eine natürliche Ursache an einem weiteren Ausbau ihre Karriere gehindert, da sie jung verstarben. Anders beim dritten Sohn Hans Wilhelm (1725-1788), der zuletzt nicht nur sein Lebenswerk als Kgl. Preußischer Generalmajor, sondern auch als Herr auf Soltenitz b, Hohenholz und Barckenbrügge beschließen konnte.

In ihm begegnen wir dem typischen friederizianischen Offizer: Treu und tapfer, bescheiden und verwegen, verantwortungsvoll im Umgang mit seinen Truppen, organisatorisch begabt und durch zähen Fleiß an seinem Aufstieg durch überdurchschnittliche Leistung arbeitend.

Wie seine Brüder entstammte auch der dem Kadettenkorps Berlin, wo er seit dem 4.März 1741 diente und die ersten Ausbildungen in militärischer Wissenschaft erhielt.. Am 28.April 1743 verließ er seine Mitschüler als Unteroffizier ins alte Infanterie-Regiment Nr.36 mit Garnison Königsberg in der Neumark, später Brandenburg.

Der am 7.August 1744 zum Fähnrich Ernannte konnte im Februar 1748 sein erstes Patent zum Subalternoffizier und Sekondeleutnant entgegennehmen. Im zweiten Schlesischen Krieg (1744-1745) focht er als Fähnrich bereits bei den Belagerungen von Prag und und gegen die Panduren in der seit 1745 rückeroberten preußischen Festung Cosel.

Der 7.Dezember 1756 sah ihn dann als Premierleutnant und schon bald sollte er erneut Gelegenheit haben, sein Können und seine Fähigkeiten in der Praxis auszuüben. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde Hans Wilhelm am 18.Juni 1757 bei Colin am Kopf verwundet, in der Schlacht bei Leuthen wurde ihm am 5.Dezember 1757 der Fuß angeschossen, was eine unheilbare Wunde nach sich zog, die sich schwer entzündet hatte.

Nach der Gefangennahme seines Regiments am 21.November 1758 bei Maxen wurde er mit der Neuaufstellung eines Bataillons in Schweidnitz beuftragt, wo er eine weitere Verwundung hinnehmen mußte. Es folgte im Februar 1759 die Beförderung zum Stabscapitän und im Oktober 1760 die zum Hauptmann und Kompaniechef. Gegen die feindliche Belagerung und Eroberung der Festung setzte er sich 1760 energisch zu Wehr, wurde aber in Fort Nr.4 erneut verwundet und gefangengenommen, kam aber bald wieder frei.

Da er durch seine mehrfachen Verwundungen im Felddienst nicht mehr brauchbar war, ernannte ihn König Friedrich der Große nacheinander zum Kommandanten zweier schlesischer Festungen. Zum 12.Mai 1765 wurde der zum Major ernannte Edelmann zum Kommandant des Forts Preußen im schlesischen Neisse bestimmt, wo er durch königliche Order am 1.November 1769 Obristleutnant wurde.

Seine Kommandierung dorthin war seiner durch die Verwundungen nicht mehr hergestellten Felddienstfähigkeit zu verdanken. Aber auch in dieser rückwärtigen, wenngleich auch verantwortungsvollen Position bekam er nach einigen Jahren Schwierigkeiten bei der täglichen Dienstverrichtung und bat daher 1778 - mitten im Bayerischen Erbfolgekrieg (1778-1779) - König Friedrich den Großen v.Preußen um seinen Abschied.

Dieser antwortete im Februar 1779 verstimmt und warf ihm zwischen den Zeilen mangelnden Patriotismus vor: "Es befremdet Mich sehr, wie Ihr gegenwärtig im Kriege auf die Gedanken kommet, Eure Entlassung nachzusuchen. Ihr habet ja da jetzt nichts zu thun und wenn Ihr auch zuweilen etwas Schmertzen leidet, so wird Euch das nicht hindern, und könnet Ihr dem ohnerachtet wohl noch dableiben und solange warten, bis es wieder Frieden wird. Es ist auch keine Manier, daß Officiers mitten im Kriege abgehen."

Auch unter Friedrich des Großen Nachfolger, König Friedrich Wilhelm II., diente Hans Wilhelm noch einige Jahre, ohne das er wagte, das Gesuch um Verabschiedung zu wiederholen. Der König brachte ihn sogar noch zu einer weiteren Dienststellung. Als Oberst und Kommandant im schlesischen Glatz wechselte er am 2.September 1787 nochmals seine Stellung, die er am 2.August 1788 mit der Beförderung zum Generalmajor krönen konnte.

Als sein Gesundheitszustand immer schlechter wurde, ließ der König ihm durch den Generalleutnant v.Götzen seine besten Wünsche übermitteln, "da ich an demselben einen tätigen und rechtschaffenen Officier verliehre. Ihr könnet ihm zu erkennen geben, daß ich von seinem Diensteyffer sowie von seinen guthen Qualitäten gantz überzeugt bin und daß ich dahero wünsche, daß er wiederhergestellet werden und Mir noch ferner nützliche dienste leisten möge". Doch dergleichen geschah nicht, Hans Wilhelm verstarb wenige Tage darauf 1788 in Glatz, übrigens unvermählt.

In seinem Leben sollte er vielen nachfolgenden Bandemers als Vorbild dienen, hing doch sein Portrait als Aufforderung zur Nachahmung seiner Eigenschaften und als Mittel der Identitätsstftung und -bewahrung kommender Vettern bis mindestens 1874 auf Selesen, einem der wichtigsten Familiengüter im Kreis Stolp in Pommern. Desgleichen soll angeblich vor 1920 ein Stich von ihm Pariser Louvre gehangen haben.

Eine Betrachtung seiner Person wäre allerdings ohne die Erwähnung seines Grundbesitzes unvollständig. Seit 1770 - dem Tode seines Vaters - war Hans Wilhelm Erbe der Lehngüter Soltenitz b, Hohenholz und Barckenbrügge, nachdem seine beiden älteren Brüder - wie schon erwähnt - bereits vor ihm verstorben waren. Da es eine Erbteilung mit seinem jüngeren Bruder Ernst Bogislaw gegeben hatte, Ernst Wilhelm aber alle drei der väerlichen Güter behielt, steht zu vermuten, daß er seinen jüngeren Bruder in Geld ausbezahlte. Dafür spricht auch, daß Ernst Boguslaw später mit nicht unerheblichen Geldmitteln neue Güter in Brandenburg erwarb.

Ernst Wilhelm behielt indes bis zu seinem Lebensende nur Hohenholz und Soltenitz b, denn Barckenbrügge überließ er 1781 dem Staatsminister Ewald Friedrich v.Hertzberg. Bemerkenswerterweise sind aber auch die beiden Ernst Wilhelm verbliebenen Güter nicht mehr in die Familie v.Bandemer zurückgekehrt. Obgleich nach seinem Tode seine Brüder Söhne besaßen, erhielt Georg v.Lemcke als Erbe Soltenitz und Hohenholz im Wert von rund 6.000 Talern.



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