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Wirtschaftsgebäude ostelbischer Adelsgüter nach 1900

Landwirtschaftliche Großscheunen im 20.Jahrhundert und ihre Besitzer

Materialien zur Geschichte des ostelbischen Adels sind seit dem Ende des zweiten Weltkrieges durch die Verluste an Archivmaterial, privaten Photographien und Unterlagen recht selten geworden. Umso wertvoller sind da Angaben, die auf jene Bereiche Bezug nehmen und einen Teil des Wissens zurückgeben können. Hierzu zählt auch der Nachlaß eines im landwirtschaftlichen Bereich tätigen Architekten, der 158 photographische Aufnahmen von Scheunen, Wohnungen und Ställen gesammelt hatte, die sämtlich auf 10,3 x 14,6 cm großen Karteikarten aufgeklebt worden waren. Die Abbildungen waren durchschnittlich 3 x 7 cm groß und stellen Wirtschaftsgebäude, insbesondere Scheunen und Lagerhallen des "Sytems Müller"  bzw. des "Systems Müller-Prüss" dar.

Dieses System stellte seinerzeit um die Jahrhundertwende 1900 eine moderne Bauweise in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, da für große Scheunen und Lagerhallen eine spezielle Statik erforderlich war. Entsprechend der hohen Qualität trat die Müller-Prüß-Scheune bald ihren Siegeszug auf den großen Gütern an, die zur Bergung der Ernten Scheunen von großen Ausmaßen benötigten. Unter jenen Abbildungen sind daher naturgemäß auch viele Scheunen, die auf den großen Rittergütern standen.

Die wertvolle Karteikartensammlung, die eine teilweise Rekonstruktion der Wirtschaftsgebäude eines Gutes ermöglichten, wurde 1998 in der Liste 110 des Antiquariats Melchior im baden-württembergischen Auenwald in einzelnen Losen verkauft. Da sich die Sammlung daher in alle Richtungen verstreute und auflöste, andererseits ein Komplettaufkauf der Sammlung für das Institut Deutsche Adelsforschung nicht möglich war, möchten wir an dieser Stelle immerhin die Nachweise bringen, wo solche Scheunen gestanden haben.

Ablesen läßt sich daran in gewisser Weise die Modernitätsfreundlichkeit des Adels. Eine neue Scheune zu bauen war zwar nichts ungewöhnliches, wohl aber die Errichtung einer Scheune nach dem als zeitgemäß betrachteten System Müller-Prüß von der Jahrhundertwende bis etwa 1930. Den Kauf einer solchen Scheune überlegte sich der Besitzer zweimal, denn sie waren allesamt Sonderanfertigungen und entspechend teuer. Von dieser Firma gab es zwar Typenbauten, dennoch war jede Scheune individuell nach den Wünschen und örtlichen Gegebenheiten der Besitzer gestaltet worden, wie die Raum- und Flächenmaße aufzeigen.

Genannt werden im folgenden Abschnitt alle adeligen Besitzer einer solchen Scheunenkonstruktion im Volltext, sortiert nach den Territorien, darin nach dem Alphabet der Gutsnamen. Datumsangaben mit dem Jahr der Aufnahme sind nur in den seltensten Fällen vorhanden, bei den adeligen Besitzern überhaupt nicht. Sie lassen sich annähernd durch den Besitzer bestimmen, stammen aber alle aus den Jahren 1900 bis 1930.

A. Brandenburg

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Online gestellt am 16.05.2001