Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Adelsbibliographien

Nach früherem Verständnis war die A. generell die Lehre vom gedruckten Buch, das sich mit dem Adel beschäftigte. In heutiger Beschreibung ist es die unverzichtbare Sammlung von Literatur- und anderen Hinweisen zur erleichternden Forschungs- und Ermittlungsarbeit. Für den Adel kommen in erster Linie Fachbibliographien in Frage, da sie sich mit dem Adel als Korporation oder Institution befassen, nicht aber mit dem nationalen oder rein personalen Bucherscheinungen.

Die Notwendigkeit zur Erstellung einer deutschen A. ergab sich durch vermehrtes Literaturangebot bereits seit dem 18.Jahrhundert. Als eine der ersten umfangreichsten Schrifttumslisten - überwiegend mit Nachweisen für lateinische Werke - kann die Bibliographie mit über 300 Titeln in Carl Friedrich Paulis Werk: "Einleitung in die Kenntniß des deutschen hohen und niedern deutschen Adels" gelten, welches 1753 in Halle erschien.

Für deutschsprachige Werke hingegen war lange Zeit kein Verzeichnis vorhanden, was den Forschern schon bald schmerzlich auffiel: Bereits im Mai 1840 schrieb die Zeitung für den deutschen Adel (1840-1844) die heute durchaus noch sehr aktuelle Bemerkung: "Bei der ungeheuren Menge von literarischen Erzeugnissen jeder Art, welche jährlich zu vielen Tausenden sich vermehrt, ist es dahin gekommen, daß man in der Literatur sozusagen den Wald vor Bäumen nicht sieht, daß man nur mit größter Mühe über einzelne gewisse Gegenstände von gerade speciellem Interesse sich eine Übersicht der erscheinenden Literatur erhält, geschweige der erschienenen ... Der Gelehrte muß ein Drittheil der Zeit, die er nachher auf das Durchstudiren der ihm nöthigen Werke wendet, vorher mühselig verbrauchen, um sich über diese Werke Nachweis zu verschaffen. Wer aber nicht darauf angewiesen ist, seine Zeit zu solchen Forschungen zu verwenden, wer ... schnelle und doch gründliche Auskunft wünscht, der sieht sich vollends verlassen. Ein solches gilt z.B. über die Adelsliteratur."

Seitens der Herausgeber der Zeitung sollte hier baldmöglichst Abhilfe geschaffen werden, indem in fortlaufenden Anzeigen eine Bibliographie erstellt werden sollte: "Wir müssen aber bemerken, daß die Umstände uns nur gestatten: Material zu liefern; daß wir die Ordnung - alphabetische und systematische - denen überlassen müssen, denen es um eine gründliche Belehrung über den Gegenstand zu thun ist. Für uns würde es in diesen Blättern zu zeitraubend sein", stellten die Herausgeber Gustav v.Alvensleben (1800-1868) und Baron Friedrich de la Motte-Fouqué (1777-1843) fest und umrissen damit gleichzeitig Intention und Systematik ihrer Sammlung.

Leider blieb der löbliche Versuch der beiden Vormärz-Edelleute in ihren Anfängen stecken, was auch mit dem bald erfolgten Tod Baron de la Motte-Fouqués und der dadurch geänderten Motivation der Zeitung zusammenhing. Sie brachte ab Mai 1840 viele lateinische Titel, im übrigen aber auch deutschsprachige Werke. Der Schwerpunkt lag auf der Sammlung von Schrifterzeugnissen über den reichsfreien Adel. Zeitlich brachte sie vor allem Werke aus dem 18.Jahrhundert, verzeichnete aber auch in loser Folge abwechselnd alte Literatur sowie Neuerscheinungen ihrer Zeit. Wertvoll ist die Schrifttumsliste, die leider schon nach nur 161 Aufzählungen eingestellt wurde, vor allem wegen der vielen nichtdeutschsprachigen Werke.

Ein neuer bedeutender Anlauf wurde verursacht durch die 1898 erfolgte Gründung der Bibliothek der Deutschen Adelsgenossenschaft, die sich der Sammlung der deutschen Adelsliteratur verschrieben hatte. Sie gab bereits im darauffolgenden Jahr ein Verzeichnis der in ihr befindlichen Schriften heraus und erweiterte diese Verzeichnisse später um die neu hinzugekommenen Werke. Aber es blieb vorläufig bei der Ansammlung von Einzelwerken, abgedruckt in sechs Folgen im Deutschen Adelsblatt (1883-1944) im Jg.XVIII (1900) mit drei kleinen Nachträgen von 1901 und 1902.

Angelegt war die Bibliothek der 1874 gegründeten Genossenschaft nach dem Alphabet und daher in 24 Gruppen von A bis Z unterteilt (siehe Nr.22 dieser Bibliographie).5 Jeder Buchstabengruppe ordnete man nun ein Thema zu, das mit dem gleichen Buchstaben begann: Unter "F" standen alle Familiengeschichten, unter "J" fand man Juristisches und unter "O" Ordenswerke. Die Bibliothek enthielt neben adelsspezifischer Literatur auch allgemeine Werk zur Geographie oder Reihenwerke wie verschiedene in diesem Kontext uninteressante Konversations- und Allgemeinlexika. Zu diesem Zeitpunkt umfaßte die Bibliothek nur wenige hundert Werke, Zeitschriftentitel wurden dementsprechend nicht ausgeworfen.

Diese Systematik wurde offenbar auch in späteren Zeiten beibehalten und die Büchersammlung kontinuierlich ausgebaut. 1936 gab es in der Bibliothek mehrere tausend Bände und zu diesem Zeitpunkt gab es immer noch die bekannten 24 Sachgruppen. Bibliographisch interessant war hier vor allem die Abteilung 9, der Buchstabe "G" mit dem Titel "Geschichte des Adels", denn in eben diesem Themenbereich setzt auch die heutige Ausarbeitung einer A. ein: "Diese berücksichtigt keinerlei Arbeiten über einzelne Geschlechter, sondern nur solche zur Geschichte des Adels als Stand, seinen Ursprung, seine Entwicklung, seine Aufgaben, seinen Verfall, seine Umwandlung und Neugestaltung usw. Diese Bibliographie soll einmal das Material zu größeren Untersuchungen über die Grundlagen einer allgemeinen Adelsgeschichte, über das Leben und Sterben eines Standes in historischer, soziologischer und biologischer Beziehung bereitstellen helfen," umriß Prinz Wilhelm Karl zu Isenburg (1903-1956) im Jahre 1936 die Aufgaben solch einer Bibliographie.

Noch vorher begann Baron Otto v.Kruedener mit einer etwas andersartigen Bibliographie des deutschen Adels, die ab Ende November 1936 regelmäßig im Deutschen Adelsblatt veröffentlicht wurde, aber nach einem guten halben Hundert Folgen 1939 nicht mehr regelmäßig und nur noch sehr sporadisch erschien. Sie schloß auch die Literatur einzelner Vertreter des deutschen Adels mit ein, auch Autobiographien, Biographien, Familiengeschichten, Werke über den ausländischen Adel und schöne Literatur und gehörte mit zu den größten Sammlungen ihrer Art.

Zu einer umfassenden Adelsgeschichte, wie sie 1936 Prinz Isenburg gefordert hatte, und auch zu einer systematisch gegliederten publizierten Bibliographie ist es seinerzeit und auch später allerdings nicht gekommen, da auch die wertvolle Bibliothek der Deutschen Adelsgenossenschaft in den Wirren des zweiten Weltkrieges unterging. Noch Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg besaß der Adel keine geschlossen publizierte Schrifttumslliste.

Die Folgen des Krieges, Flucht und Vertreibung, die gänzlich neuen Lebensverhältnisse und Existenzgründungsnöte der ersten Nachkriegszeit lähmten in den folgenden Jahrzehnten das Vorhaben einer modernen A.; indes wuchs aber langsam die Anzahl der Veröffentlichungen wieder an und drohte erneut unüberschaubar zu werden. Als nächstes größeres Werk entstand nun die A. von S.H. Dr.phil. Herzog Carl Gregor zu Mecklenburg (*1933), der gegen Ende der 70er Jahre den Versuch wagte, eine Bibliographie des deutschen Adels aufzustellen. Ihm kam es besonders auf den Themenbereich "Mentalität und Lebensstil des Adels im deutschen Sprachraum vom Ende des 19.Jahrhunderts bis zur Gegenwart" an, also auf Werke mit emotionalen, psychologischen und mentalitätsbedingten Aspekten, ferner auf die Entdeckung und Erforschung adeliger Atmosphäre. Er veröffentlichte 1979 mehrere wertvolle Schrifttumslisten zu Einzelaspekten adeligen Lebens mit zusammen fast 630 Titeln, die unter anderem auch Bibliographien der Schloß- und Gutsromane, der jagdlichen Erinnerungen von Adeligen oder der Dissertationen zum Adel enthielten.

Nach den bislang genannten veröffentlichten A. soll auch noch auf zwei große unvollendete adelsschriftkundliche Werke eingegangen werden. Als es notwendig wurde, nach 1945 die Quellen zum deutschen - vor allem zum mittel- und ostdeutschen - Adel zu erfassen, arbeitete der Düsseldorfer Bibliotheksdirektor Dr. Graf Matthias Gottfried v.Schmettow (1925-1978), auch Verfasser des Gedenkbuches des deutschen Adels der Schriftenreihe "Aus dem Deutschen Adelsarchiv", an einer Erfassung sämtlicher Adelsliteratur. Er verzettelte sie zunächst privat in mühevollster Kleinarbeit und sortierte sie in mehrere Karteikästen ein, sah sich jedoch nicht mehr in der Lage, sie fortzuführen. Im Jahre 1975 traf er sich daher mit einem anderen Interessenten, dem Diplomaten Matthias v.Kummer (*1947). Dieser hatte schon als Jugendlicher ehrenamtlich im Deutschen Adelsarchiv gearbeitet, dessen Wissenschaftlicher Beirat auf seiner ersten Sitzung 1963 in Marburg die Erstellung einer Schrifttumsliste ins Auge gefaßt hatte.

Matthias v.Kummer plante nun die Erstellung einer A., wozu ihm Graf Schmettow in Hamburg 1975 seine Sammlung zur weiteren Vervollständigung übergab. Zu dieser Zeit umfaßte die Bibliographie 740 Monographie-Nachweise und Angaben zu 1.725 Zeitschriftenaufsätzen. Beide besprachen eine erste Grobgliederung der Arbeit. Matthias v.Kummer nutzte die ehemalige v.Schmettowsche Sammlung nun für den Privatgebrauch, erweiterte sie jedoch ständig unter dem Arbeitstitel "Bibliographie zu Adelsgeschichte und Adelsrecht der Neuzeit in den deutschsprachigen Ländern" auf bibliographische Hinweise zu insgesamt 1.200 Monographien, während der Ausbau des Verzeichnisses zur Aufsatzliteratur mangels der Verfügbarkeit bibliographischer Sammelwerke unterbleiben mußte. Herr v.Kummer konnte jedoch Anfang der 90er Jahre von Freiherr Thomas v.Fritsch-Seerhausen dessen Zettelsammlung zum Thema "Adelgeschichte und Adelsrecht" übernehmen, die zur Einarbeitung in die Bibliographie gedacht war. Infolge starker beruflicher Inanspruchnahme im auswärtigen Dienst konnte eine Vervollständigung bis zum Jahr 2000 jedoch nicht verwirklicht werden.

Ein weiteres literaturkundlich erschließendes Projekt unter dem Arbeitstitel "Bibliographie zum deutschen Adel 1700-1945" wurde 1995 begonnen. Es entstand als eigenständiges Unternehmen zum Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Elitenwandel in der gesellschaftlichen Modernisierung, Adel und bürgerliche Führungsschichten in Deutschland 1750-1933" am Institut für Geschichtswissenschaft der Humboldt-Universität in Berlin. Im Fachbereich der Neueren Geschichte hatte hier Prof. Dr. Harnisch die Federführung über dieses Projekt mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter und zwei Hilfskräften in Angriff genommen. Neu war auch die Erfassung der Literatur durch eine rechnergestützte Datenbank mit Deskriptorensystem, das heißt mit der Suchmöglichkeit durch miteinander vernetzte Schlagwörter. Ziel war die Sammlung von Literatur in Form von 75 Einzelgruppen, enthaltend neben allgemeiner Adelsliteratur auch Memoiren, edierte Briefwechsel und Familiengeschichten. Ihr Schwerpunkt lag im Zeitraum des 19. bis 20.Jahrhunderts. Publiziert werden sollte sie ursprünglich in späteren Jahren auf einer CD-ROM.

Bedingt durch Sparmaßnahmen jedoch wurde das Projekt Anfang 1997 nach der Erfassung von immerhin 3.300 Titeln (jeweils rund 1.300 Titel Adelsbibliographie, 600 Familiengeschichten, 260 Autobiographien, 130 edierte Briefwechsel) in seiner ursprünglich geplanten Form fallengelassen und dient seither nur noch der internen Auskunft für die Mitarbeiter der Universität Berlin.

So war die Erfassung der Zeitschriftenaufsätze zum Thema aus dem Zeitraum 1800-1950 geplant, konnte aber aus den genannten Gründen nicht mehr durchgeführt werden. Eine laufende interne Ergänzung wird zwar immer noch praktiziert, doch wird hierbei nur Literatur ab dem Erscheinungsjahr 1992 aufgenommen. Eine Publikation der Datenbank ist nicht mehr vorgesehen.

1999 schließlich erschien die vom Umfang her bisher größte moderne A. unter dem Titel Bibliographie zum deutschen Adel 1200-1999, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, gerade auch in Anbetracht der schon geradezu historischen Problematik der Abgrenzung zu anderen Themenbereichen. Vom Institut Deutsche Adelsforschung erarbeitet, umfaßt die Schrifttumsliste die Zeit 1200 bis 1999 mit über 8.400 Nennungen an selbständigen Werken und Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften zu allen Bereichen des deutschen Adels, bibliographisch eingeteilt nach der Literatur zu 18 einzelnen deutschen Landschaften und 35 Sachthemen. Diese A. ist die bisher einzig online im Volltext gratis zugängliche große Schrifttumsliste zum deutschen Adel.

Diese Bemerkung führt zu einem weiteren Problemkreis der A., der noch nicht befriedigend gelöst wurde: Der Ermittlung und dauerhaften Konservierung von Internet-Websiten zum deutschen Adel. Hier sind zum Teil einige interessante Homepages zu finden, die nicht in gedruckter Version existieren, wozu beispielsweise das vorliegende Adelslexikon zählt. Die Schwierigkeit liegt aber für den Bibliographen in der Flüchtigkeit dieser Quelle. Sie kann durch den Betreiber jederzeit verändert, aktualisiert, gelöscht oder neu erstellt werden, die Adressen können von einem auf den anderen Tag durch einen Providerwechsel oder Wechsel des Dateinamens modifiziert werden. Daher hat eine Bibliographierung von Websites zum deutschen Adel keinen Sinn, es sei denn, man würde die Seiten an einer zentralen Stelle regelmäßig ausdrucken, sammeln und indizieren. Da dies noch nicht der Fall ist, mußte auf die Ermittlung solcher Adelsinhalte in Websiten verzichtet werden.

Quellen und Schrifttum: Claus Heinrich Bill: Bibliographie zum deutschen Adel 1200-1999, 2 Bände (Schriftenreihe des Instituts Deutsche Adelsforschung), Sonderburg 1999, S.6-10 mit weiteren Literaturangaben 


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