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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Meißen, Markgraf Friedrich-Christian v.

Königliche Hoheit, *31.Dezember 1893, † Samedan (Schweiz, Kanton Graubünden) 9.August 1968 .

Von den Wettinern aus einem der ältesten herrschaftsbildenden Geschlechter Mittel- und Ostdeutschlands stammend, war M. ein Sohn des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. (1865-1932) und seiner Gattin Luise geborne Erzherzogin v.Toskana. Da M., der als Prinz v.Sachsen und Herzog zu Sachsen geborenen worden war, nicht der unmittelbare Thronfolger war, ergriff er die Militärlaufbahn, die er nach dem humanistischen Abitur einschlug. Bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 stand er als Oberleutnant beim Königlich Sächsischen 1.(Leib-) Grenadier-Regiment Nr.100 in Dresden und wurde im Krieg außer in seiner militärischen Funktion auch in diplomatischen Missionen verwendet, so bei seinem Vetter Kaiser Karl v.Österreich oder bei Sultan Mohammed V. sowie König Ferdinand von Bulgarien.

Bei Kriegsende führte er seine Truppe von der Westfront zurück in die Heimat und ging dann als Hauptmann a.D. mit seinem Vater ins Exil nach Sybillenort in Schlesien. Entgegen dem Verlangen der sächsischen Regierung Zeigner verzichtete er wie auch sein Bruder, Kronprinz Georg, nicht auf die Rechte an der sächsischen Königskrone.

Bald daruf begann er ein Studium der Rechte, daß er mit dem Dr.jur. abschloß und nun Wohnsitz in Bamberg nahm, wo er auch Großmeister des Marien-Ritterordens war. Nachdem sein Bruder Kronprinz Georg katholischer Priester geworden war, erlangte M. 1924 den Status als Kronprinz und 1932 nach dem Tode seines Vaters das Amt als Chef des Hauses Sachsen. 1937 baute er sich ein neues Haus bei Dresden-Wachwitz, das künftig zu einem Zentrum des geistigen und kulturellen Lebens in Sachsen wurde. Als Mäzen unterstütze M. nun zahlreiche Künstler, trat aber auch in Kontakt mit Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus wie den Generalen Olbricht und Oster. Auch gehörte er schon 1938 als Schutzherr der Landesabteilung Sachsen der Deutschen Adelsgenossenschaft an.

1945 flüchtete er mit seiner Gattin Marie Helene geborene Prinzessin v.Thurn und Taxis und fünf Kindern in den Westen. Als mittelloser Flüchtling  unter Heimatvertriebenen galt seine erste Sorge der Zusammenführung der alten Sachsen im Westen. Seine vielfachen Vorträge schlungen so bald ein einigendes Band um die Heimatvertriebenen, zumal er als sächsischer Prinz eine besondere Repräsentations- und Integrationsrolle innehatte.

Seiner Initiative war außerdem die Reorganisation der Sächsischen Landesabteilung der Deutschen Adelsgenossenschaft zu verdanken. Entsprechend großen Anteil hatte M. an der 1951 erfolgten Gründung des Verbandes "Der Sächsische Adel e.V.", dessen Schirmherrschaft er übernahm. Die Bundeslandmannschaft der Sachsen fand in ihm ebenfalls einen ihrer Mitbegründer. Die Einrichtung der Studiengruppe für Sächsische Geschichte und Kultur in München wie auch der neuen Matrikel zu den Rittern des Königlich Sächsischen Militär-St.Heinrichs-Ordens oder des Sachsenmuseums auf Schloß Nymphenburg gingen ebenfalls auf ihn zurück.

Maßgeblich beteiligt war M. ferner an der Gründung der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände (VdDA) im Jahre 1956. Der Chef des Sächsischen Königshauses verstarb im 75.Lebensjahr als Ehrenmitglied der VdDA und des Vereins der Offiziere der ehemaligen Königlich Preußischen 2.Garde-Ulanden-Regiments.

Quellen und Schrifttum: Fürst Friedrich Wilhelm v.Hohenzollern: Nachruf auf M., in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII (1968), S.245 --- NN: Friedrich Christian Markgraf v.Meißen, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII (1968), S.283 --- Traueranzeige des vorsitzenden des Vereins ehemaliger Offiziere des Kgl. Preuß. 2.Gerade-Ulanen-Regiments, Vicco v.Bülow-Schwante, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII (1968), S.297 --- Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft, Berlin 1938, S.250 


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