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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Koerner, Bernhard

Dr.jur., Reichspräsidialrat, * Berlin 23.Juli 1875, † Wiedensahl bei Stadthagen 1.Oktober 1952.

Als Sohn des Landschafts- und Marinemalers Ernst Koerner in der Reichshauptstadt geboren, besuchte er zunächst von 1882 bis 1893 das Luisen-Gymnasium seiner Heimatstadt und schloß daran ein Studium der Rechte in Heidelberg und Berlin an. 1896 trat er in den preußischen Verwaltungsdienst als Gerichtsreferendar ein und promovierte im gleichen Jahr zum Dr.jur. 1900 wurde er zur Regierung nach Stettin versetzt und arbeitete als Regierungsreferendar ab 1901 beim Landratsamt in Greifenhagen, wenig südlich von Stettin. Zu jener Zeit leistete er auch seinen Militärdienst ab und wurde schließlich zum Leutnant der Reserve des Hessischen Garde-Dragoner-Regiments ernannt.

1902 wechselte K. als Regierungsassessor zum Landratsamt nach Konitz in Westpreußen und bekam 1903 die seltene Chance, als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter ins Preußischen Heroldsamt (1855-1920) nach Berlin versetzt zu werden. Hier arbeitete er nun - seit 1909 als Regierungsrat - bis ins Jahr 1920 und der Auflösung des Heroldsamtes als Kollege von Joachim Friedrich v.Owstien (1881-1970) und Albrecht Freiherr v.Houwald (1866-1958).

Unterbrochen wurde diese Tätigkeit nur durch seinen Wehrdienst als Kommandeur der Fußartillerie-Gefechtsstaffel des VII.Reserve-Korps, womit er sich das Eiserne Kreuz II.Klasse erwarb (zuletzt Major der Landwehr-Kavallerie a.D.). Früh wandte sich K. völkischem Gedankengut zu. Vor dem Weltkrieg schon war er Mitglied der List-Gesellschaft des scheinadeligen Philosophen Guido von List (1848-1919), Bruder im Reichshammerbund und im Germanen-Orden, in dem er seit 1916 das Amt eines "Großsippenwahrers" übernommen hatte, geworden.

Auch dem 1911 von List begründeten Hohen Armanen-Orden trat er bei und ließ sich hier "Arz-Femo-Aithari" nennen, wobei er sich als Hohepriester und "Ratgebietiger" des achten Grades in der kabbalistischen Hierarchie verstand. Schließlich machte sich K. einen Namen in der Runenforschung, wobei er für List die Adelswappen untersuchte und feststellte, inwiefern sie armanische Relikte enthielten. Da K. dies sehr häufig feststellte, glaubte er, der Adel an sich sei einer der drei Urstände der Bauern, Priester und Könige aus der germanischen Vorgeschichte. Allgemein war sein Adelsbild stark geprägt von völkischen Adelsreformideen.

Seines Vorliebe für germanische Heraldik drückte sich auch in der Vereinsgründungen des "Roland. Verein für völkische Sippenkunde" aus, die 1902 erfolgte. Seither gehörte er daher dem völkischen Flügel der Adelsbeamten im Heroldsamt um Freiherr Albrecht v.Houwald (1866-1958) an und befürwortete nach 1918 auch die Einführung des Eisernen Buches Deutschen Adels Deutscher Art (1925-1942). Anders als Frhr.v.Houwald aber wurde er auch über den reinen Standesbereich hinaus politisch in der genannten Richtung aktiv. In den Jahren 1924 bis 1928 war er im Preußischen Landtag mit einem Mandat für die Deutsch-Völkische Freiheitspartei tätig.

Beruflich verblieb er nach der Auflösung seiner Behörde im Staatsdienst und wurde 1920 Oberjustizrat und Referent im preußischen Justizministerium. 1925 wechselte er als Oberregierungsrat in den Verwaltungsdienst und war nun im Oberpräsidium der Provinz Brandenburg in Berlin tätig. Seit 1933 dann war er Ministerialrat im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern, seit 1934 dann in der "Präsidialkanzlei des Führers und Reichskanzlers" als Referent für den Bereich Titel und Orden zuständig; zuletzt als Reichspräsidialrat. Daneben war er weiterhin in adelsrechtlichen Fragen tätig, u.a. zusammen mit Joachim Friedrich v.Owstien (1881-1970) und Hans-Friedrich v.Ehrenkrook (1880-1968) im Adelsgerichtshof (1934-1936).

Nach 1937 ging K. schließlich in den Ruhestand und widmete sich fortan stärker als je der Genealogie. Durch einen Bombenangriff auf Berlin wurde seine Wohnung am Tiergarten in der Klopstockstraße mit seinen wertvollen Beständen völlig zerstört. Er begab sich daraufhin nach Westpreußen und Dresden, flüchtete schließlich aber nach Westdeutschland, wo er sich in der Nähe von Stadthagen endgültig niederließ.

1913 gründete er die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde, seit 1906 war er Mitarbeiter in der Redaktion der Gothaischen Genealogischen Taschenbücher und von Januar 1934 bis ins Jahr 1941 gehörte er als berufenes Mitglied dem Adelsgerichtshof der Deutschen Adelsgenossenschaft an. In seiner Freizeit widmete er sich der Herausgabe der Bände 6 bis 119 des Deutschen Geschlechterbuches und dem vierbändigen Handbuch der Heroldskunst.

Quellen und Schrifttum: Deutsches Biographisches Archiv II, Fiche 735, S.357-360 --- Deutsches Geschlechterbuch, Bd.CXVI, Gotha 1942, 249-250 --- Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz 1997, S.44, 46, 62, 67-69, 112, 118-119 --- Joist Grolle: Deutsches Geschlechterbuch. Ahnenkult und Rassenwahn, in: Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde, Jg.LXXIV (1999), H.4, S.311-326 (darin eine versteckte Biographie K.s)


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Online gestellt am 11.01.2001