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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels

Die G. ist eine Adelskorporation, die am 12.Januar 1835 auf die Initiative von Johann Wilhelm Freiherr v.Mirbach (1784-1849) gegründet, ihr schlossen sich am selben Tag 30 rheinische, vorwiegend niederrheinische Edelleute an. Voraussetzung zur Mitgliedschaft war, wie in den meisten anderen Ritterschaften dieser Zeit auch, der Acht-Ahnen-Adel. War anfangs nur mitgliedsberechtigt, wer Grundbesitz im Rheinland hatte, konnten später anderswo in Deutschland grundbesitzende Familien Mitglied werden.

Die Gründung der G. ging zurück auf die spezifische Situation des Adels im Rheinland, der durch die napoleonische Herrschaft stark zu leiden hatte. Anders als in Ostelbien wurde hier auch das Sozialgefüge zerstört, die Güter in den Jahren 1803 bis 1813 enteignet und versteigert. Erst als 1814 die Rheinprovinz unter preußischer Herrschaft geschaffen wurde, konnte es wieder an eine Reorganisation des Adels gehen und so gründete sich nach der Wiederherstellung des Adels 1835 die G., die neben dem Zwecke der rechtlichen Vertretung der grundbesitzenden Edelleute besonders auch die Pflege der adeligen Gesinnung übernahm, wie sie in bedeutendem Maße vom Gründer gefordert worden war.

Dies schlug sich nieder in den zwölf Artikeln des Statuts, die ausschließlich dem Adelsideal gewidmet waren, während nur fünf Punkte die Verbandsorganisation beschrieben. Die G. wurde daraufhin sogleich vielfältig aktiv, Baron Mirbach, als Ritterhauptmann Vorsteher der G., vertrat den rheinischen Adel bereits im Dezember 1835 bei Verhandlungen zur Autonomie seines Standes gegenüber dem preußischen Justizministerium.

Im Mai 1837 genehmigte König Friedrich Wilhelm II. die Statuten, 1841 und 1842 wurden von ihm auch die ritterschaftlichen Einrichtungen einer Erziehungsanstalt und einer Fräuleinstiftung statuarisch verankert. Für die Ritterakadamie wurde 1839 das leerstehende, ehemals Gräflich Salm-Reifferscheidt`sche Anwesen Bedburg gekauft, wo Anfang Mai 1842 die Eröffnung gefeiert werden konnte.

Zunächst nur für katholische Edelknaben reserviert, öffnete sich die Ritterakademie Bedburg bald auch nichtadeligen Jungen und wurde daher vom Internat zum Externat. Der Anteil ritterschaftlicher Schüler nahm mit den Jahren immer mehr ab. Daher und auch wegen der hohen Unterhaltungskosten blieb die Akademie nur bis 1922 in Tätigkeit, dann wurde Bedburg an das Braunkohlenwerk Union veräußert.

Die Fräuleinstiftung, die zunächst ohne eigenes Haus war, erhielt 1924 das durch Erbschaft an die G. gelangte Stift Ehreshoven unweit Köln mit rund 1.300 ha Land. Hier wurde Anfang Oktober 1924 das Fräuleinstift eröffnet, das noch heute besteht. 1980 wurde die Rechtsform in einen e.V. umgewandelt und mit einer Satzung versehen. Demnach vertritt die G. die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belange ihrer Mitglieder und wird geleitet vom bis zu vierköpfigen von der Mitgliederversammlung gewählten Ritterrat, dem der Ritterhauptmann präsidiert. Seit Gründung der G. bis 1987 gab es 31 Ritterratsperioden und 13 Ritterhauptleute.

Quellen und Schrifttum: Ritterhauptmann Frhr. v.Salis-Soglio: Die Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels in ihrer Entwicklung, in: Deutsches Adelsblatt Nr.18 vom 21.6.1927, S.396-398 --- Anton Joseph Frhr.v. Salis-Soglio (Hg.):  Die Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels 1837-1937. Festschrift zur Erinnerung an den hundersten Jahrestag ihrer Gründung, Schloß Gemünden (Hunsrück), 1937 --- Bernhard Gondorf: Die Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels. Herausgegben zur Erinnerung an den hundertundfünzigsten Jahrestag ihrer Gründung vom Ritterrat, o.O. 1987, S.19-41 --- Robens, Arnold: Der Ritterbürtige landständische Adel des Großherzogthums Niederrhein, dargest. in Wappen und Abstammung, Aachen 1818 --- Neudruck: Wiesbaden 1981 (Bd.I mit 392 S. und Bd.II mit 403 S.). 


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