Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Roëll, Paul  v.

Berufsoffizier, Schriftsteller, Herausgeber, * Berlin 2.Februar 1854, gest. nach 1885.

Als Sohn eines Oberstleutnants in der preußischen Hauptstadt geboren. Zuerst von seinem Vater für die Offizierslaufbahn bestimmt, besuchte R. die Kadettenhäuser in Potsdam und Berlin und machte 1866 den Feldzug gegen Österreich als Portepee-Fähnrich und Offiziersanwärter mit.

1870/71 war er im deutsch-französischen Krieg erneut vor der Front, diesmal als Sekonde-Leutnant im Füsilier-Regiment Prinz Heinrich von Preußen (Brandenburgisches) Nr.35; im Gefecht von Vionville am 16.August 1870 wurde er zudem schwer verwundet durch einen Schuß in den rechten Oberarm. Anschließend aber verließ er als Invalide den Militärdienst und studierte jetzt Volkswirtschaft, Staats- und Verwaltungsrecht, um danach eine Tätigkeit beim Pressebüro des Auswärtigen Amtes anzunehmen.

1873 betätigte er sich als Redakteur bei der "Deutschen Börsen- und Handelszeitung". Er wechselte dann in den Verwaltungsdienst über und wurde 1884 zum Amtmann in Dietz im Nassauischen ernannt. Beruflich brachte ihn der König 1887 als Grenz-Kommissar nach Eydtkuhnen, bevor er als Landrat 1893 in Meseritz und seit 1894 in Pleschen arbeitete.

1901 siedelte er aber nach Berlin über und begründete hier die  "Neue Politische Korrespondenz", zugleich begann er sich im heraldisch-genealogischen und standespolitischen Bereich zu engagieren. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er jetzt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Ordens-Almanach-Gesellschaft, die den Deutschen Ordensalmanach, der insgesamt leider nur dreimal erschien (1904/05, 1906/07 und 1908/09) und ein halbamtliches Handbuch aller deutschen Ordensinhaber aller Stufen darstellte, herausgab.

Daneben konnte auch die Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz ihn als ihren Mitgründer ansehen. 1882 wandte er sich zudem der sich formierenden deutschen Adelsbewegung zu, die eine organisatorische Zusammenfassung erstrebte. Ferner war R. von 1883 bis 1886 Herausgeber der ersten drei Jahrgänge des Deutschen Adelsblattes (1883-1944), danach zusammen mit v.Mosch Mitherausgeber desselben.

Auch gehörte seine Liebe der schöngeistigen und patriotischen Literatur; er gab selbst Lyrik heraus und schrieb dramatische Schauspiele. Für die Kreuz-Zeitung verfaßte er regelmäßig vaterländische Gedichte, so daß er schließlich weithin nur noch als "der Hohenzollerndichter" bekannt war. Neben dem Eisernen Kreuz aus dem Krieg von 1870/71 trug er außerdem den Stern der Ehrenritter des Johanniterordens und war Fürstlich Lippescher Kammerherr. 1903 allerdings untersagte ihm das preußische Heroldsamt die Führung des Freiherrentitels, den er für sich beansprucht hatte.

Quellen und Schrifttum: Deutsches Biographisches Archiv II, Fiche 1086, S.160-163 --- Willi Geile: Der Ordens-Almanach, in: Werner Sauer (Hg.): Orden-Militaria-Magazin, Jg.XI, Nr.48 vom Juni 1992, S.15-17


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