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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Schalburg, Robert v.

Dr.jur., Rechtsanwalt, * Güstrow 23.März 1905, † Eutin 15.Juli 1989.

Er stammte aus einer ehemals großbürgerlichen mecklenburgischen Kaufmanns- und Reederfamilie, in der sein gleichnamiger Großvater 1896 den Großherzoglich Mecklenburgischen Adelsstand erhalten hatte. Seine Eltern waren der früh verstorbene Königlich Preußische Hauptmann Friedrich Wilhelm v.S. (1871-1905) und seine Gattin Sophia Knebusch (1875-1960). Von seiner Mutter allein erzogen, studierte er nach dem Abitur die Rechte, trat in den mecklenburgischen Staatsdienst als Referendar ein, machte sich aber nach seiner Promotion zum Dr.jur. selbständig und ließ sich in Güstrow als Rechtsanwalt nieder. Diese Tätigkeit übte er bis zur Flucht in der Nachkriegszeit aus.

Im Februar 1930 nahm sein standespolitisches Wirken seinen Ausgang mit dem Beitritt zur Deutschen Adelsgenossenschaft, Landesabteilung Mecklenburg. Im gleichen Jahr gehörte er schon dem Führungsorgan an, dem Mecklenburgischen Adelskapitel. Hier war er seit Oktober 1933 als Schriftführer tätig und übernahm zusätzlich seit Mitte 1939 das Schatzmeisteramt der Landesabteilung. 1934 verheiratete er sich mit der Rittmeisterstochter Elisabeth v.Maltzan, Freiin zu Wartenberg und Penzlin (1905-1984) aus einer der angesehendsten Familien des Mecklenburger Adels.

Im zweiten Weltkrieg eingezogen, geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und mußte danach härteste körperliche Arbeit in der sowjetischen Besatzungszone durchleben. Später verließ er Mitteldeutschland und ging nun nach Nordrhein-Westfalen, genauer nach Bonn. Hier gehörte sein Engagement nunmehr dem neu organisierten Adel. In der 1954 neugegründeten Vereingung des Adels im Rheinland wurde er bald zum Vorstandsmitglied gewählt und in der im Mai 1956 gegründeten Vereinigung der Deutschen Adelsverbände (VdDA) bekleidete er sogleich das Amt des Geschäftsführers.

Als solcher unterstütze und gestaltete er maßgeblich die Umwandlung der Adelsgenossenschaft der Vorkriegszeit als zentral gelenktes Organ in die mehr föderative Struktur der VdDA. 1964 war S. ferner Mitglied des Vereins Deutsches Adelsarchiv e.V. in Marburg und bis zum Januar 1978 Geschäftsführer desselben.

Er war seit Beginn der fünfziger Jahre bis 1976 außerdem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände e.V. in Bonn und hat als solcher über zwei Jahrzehnte lang  die Verbandsarbeit bedeutend mitgestaltet. Sein Engagement, das auch aus seinen persönlichen Erfahrung nach 1945 in Mecklenburg herrührte, gründete sich stets auf den Grundsatz freien Eigentums. Daher gehörte in den Anfangsjahren des Verbandes sein Kampf der Besitzvernichtung durch Bodenreform, in späteren Jahren wandte er sich den Fragen des Lastenausgleich und der Bodengewinn- und Wertzuwachsbesteuerung zu.

Dabei betonte er immer wieder die Sozialbindung- und -pflichtigkeit von Grundeigentum, die jedoch nur möglich sein konnte, wenn der Staat dem Grundeigentümer die Freiheit seines Besitzes ließe. Hierfür setzte er sich mit streitbarer Schärfe, Energie und Durchsetzungsvermögen ein und war gerade deswegen von Freunden und Gegnern geachtet. Im Verband leitete er außerdem zahlreiche Jugendseminare und den Arbeitskreis für Steuerfragen der Wald- und Grundbesitzerverbände, in der naturgemäß viele Edelleute aktiv waren.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld fand S. aus seiner tiefen christlichen Überzeugung heraus im Johanniterorden. Seit 1952 Ehrenritter, seit 1964 Rechtsritter und seit 1977 Ehrenkommendator der Mecklenburgischen Genossenschaft geworden, übernahm er 1964 auch das Amt des Ordenshauptmanns der Balley Brandenburg. Seinen Ruhestand verbrachte er in Eutin und mußte erleben, wie in jahrelange Krankheit an seinen zahlreichen Aktivitäten hinderte. Nach großem langem körperlichen Leiden wurde er schließlich im 85.Lebensjahr abberufen.

Werke: Schalburg, Dr.Robert v.: Die deutschen Adelsverbände in der Bundesrepublik. Ihre Einrichtungen und Aufgaben, Liste der Vorstandsmitglieder der Vereinigung der deutschen Adelsverbände und der Jugendsprecher der angeschlossenen Verbände, in: Verband der Angehörigen der Baltischen Ritterschaften (Hg.): Nachrichtenblatt, Jg.VIII, H.1, März 1966, S.2-4

Quellen und Schrifttum: Ingelore Winter: Der Adel. Ein deutsches Gruppenportrait, München 1981, S.194 --- Claus Heinrich Bill: Die Landesabteilung Mecklenburg der Deutschen Adelsgenossenschaft in den Jahren 1920-1945, in: Claus Heinrich Bill: Mecklenburgische Adelskunde 1700-1997, Owschlag 1997, S.90, 100, 112 --- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Bd.I (1954), 107-118 --- Claus Heinrich Bill: Robert v.Schalburg (1831-1896) - Soziale Transformation durch adelige Verhaltensethik im Mecklenburg des XIX. Jahrhunderts. Zu einem Multifunktionsträger in landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen in Mecklenburg (Schriftenreihe des Instituts für Preußische Historiographie - Forschungsstelle für Deutsche Adelsgeschichte, Bd.VIII, 1997), S.7 und 66 --- Nachruf und Traueranzeige des Präsidenten der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände, Prinz Johannes zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXVII (1989), S.191 --- Frhr. v.Ketteler / v.d.Borne: Robert v.Schalburg, in: Anlage zum Informationsbrief der Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände e.V. 1989 (Nachruf vom 10.8.1989) --- NN: Bekanntmachungen von Verbänden, VdDA, Neuwahl des Vorstandes, in: Deutsches Adelsblatt, XVII (1978), S.188 --- Vereinigung des Adels im Rheinland, in: Deutsches Adelsarchiv, JgXI (1955), S.205


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