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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Schulenburg-Beetzendorf, Graf Werner v.der

Adelsgenossenschafts-Vorsitzender, * Beetzendorf 1.April 1829, gest. ebenda 5.Januar 1911.

Als Sohn des Kgl. Preußischen Landrats Werner v.der Schulenburg und seiner Gattin Charlotte Freiin v.Friesen auf dem väterlichen Fideikommiß Beetzendorf geboren, besuchte er die Klosterschule Roßleben seit 1842 und war dann Absolvent der Brandenburger Ritterakademie. Er entschied sich danach zunächst für eine militärische Laufbahn und erhielt sein erstes Patent als Sekondelieutnant 1851 im Magdeburgischen Husaren-Regiment Nr.10 in Aschersleben.

1854 aber nahm er schon den Abschied, um sich der Bewirtschaftung des väterlichen Fideikommisses zu widmen.1853 war er zudem Mitherr, 1879 dann alleiniger Herr des Fideikommisses Klosterrode bei Sangerhausen geworden. Als Rittmeister und Eskadronführer nahm er an den Kriegen von 1866 und 1870/71 in Reservetruppen teil.

Politisch war S. schon früh aktiv. Seit 1866 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, war er 1867 bis 1870 auch Mitglied des konstituierenden und des ersten Deutschen Reichstages, 1872 erhielt er die Berufung ins Preußische Herrenhaus. 1904 jedoch mußte er den Sitz in diesem Parlament wieder aufgeben, da er das Fideikommiß Klosterrode verkauft hatte, an dem das Recht zur Präsentation eines Kandidaten für das Herrenhaus klebte.

Daneben hatte er zahlreiche lokale Ehrenämter inne und auch Ämter, die seiner Familie eigen waren, wie das des Erbküchenmeisters der Kurmark Brandenburg. Als die Deutsche Adelsgenossenschaft 1874 gegründet wurde, nahm er daran tätigen Anteil. 1876 wurde er in die Reihe der von der Genossenschaft bestellten Vertrauensmänner berufen, dann übernahm er 1878 den zweiten Vorsitz, bevor er nach dem Tode v.Knebel Doeberitzens im Jahre 1880 dessen Amt als erster Vorsitzender der Genossenschaft erhielt.

Durch ständig erfolgte Wiederwahl repräsentierte er die Genossenschaft 23 Jahre lang und lenkte deren Geschicke als die der ersten großen Standesorganisation des Deutschen Reiches bis 1903. Unter seiner Führung wurde die Genossenschaft effizient ausgebaut, schon 1881 erfolgte die Einrichtung eines ständigen Ausschusses, der zwischen den Adelstagen Entscheidungen treffen konnte und die Genossenschaft beweglicher machte. 1883 erfolgte die Anerkennung als Korporation, 1884 ging das Organ der Genossenschaft, das Deutsche Adelsblatt (1883-1944), unter der Führung von S. in den Besitz des "Vereins zur Förderung des Deutschen Adelsblattes" über, dessen Vorsitzender er zugleich war.

Mit dem Engagement von S. erfolgte 1888 die erstmalige Einteilung in Landes- und Bezirksabteilungen; im gleichen Jahr wurde der Zentralhilfsverein der Adelsgenossenschaft begründet. An allen diesen Projekten hatte S. maßgeblich mitgewirkt. Wenn auch viele seiner Initiativen auf fruchtbaren Boden gefallen war, so scheitetre er doch mit der geplanten Einrichtung von Land-Adelsmarschällen in den Provinzen. Namentlich die süddeutschen Standesherren verweigerten diese Einrichtung, deren Verwirklichung nach jahrelangen Diskussionen verworfen wurde.

S. war auch außerhalb der Genossenschaft hervorragend tätig: 1867 bis 1871 war er konservatives Mitglied des Reichstages. Durch seine vielfältige Tätigkeit war er über den Kreis der politischen Freunde hinaus ein geschätzter Mann und ohne seinen überdurchschnittlichen Einsatz wäre der deutsche Adel seinerzeit nicht so hervorragend organisiert gewesen.

Quellen und Schrifttum: Deutsches Biographisches Archiv II, Fiche 1192, S.346 --- Detlev Werner v.der Schulenburg / Hans Wätjen: Geschichte des Geschlechts v.der Schulenburg 1273-1983, Wolfsburg 1983, S.233 und 429-430 --- Nachruf und Traueranzeigen, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXIX, Berlin 1911, S.23, 25 und 38-39


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