Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Uechtritz und Steinkirch, Oldwig v.

Offizier, Adelstheoretiker, * Dortmund 19.Juli 1832, † Dresden 4.März 1910.

U. stammte aus meißnischem Uradel, der 1292 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In Westfalen als jüngstes Kind eines Oberstleutnants und Regimentskommandeurs geboren, sollte er ursprünglich die juristische oder Verwaltungslaufbahn beschreiten. Da er jedoch schon früh seinen Vater verlor, gab ihn die Mutter 1846 ins Potsdamer Kadettenkorps. Als Portepee-Fähnrich trat er 1851 ins nachmalige Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr.2 in Berlin ein. Später ins 4.Garde-Grenadier-Regiment Königin überwiesen, mußte er jedoch 1865 wegen eines schweren Augenleidens als Halbinvalide den aktiven Dienst verlassen, wurde aber als Hauptmann 1866 bei der 6.Gendarmerie-Brigade zu Liegnitz in Schlesien wieder angestellt.

1875 aber trat er als Major in den Ruhestand, siedelte nach Dresden über und befaßte sich nun aufgrund seiner starken Vorliebe für literarische Arbeiten viel mit Standesfragen. Er hatte sich schon von Kindesbeinen an für die politische Geschichte Europas interessert und intensiv die französische Revolution und aus eigenem kindlichen Erleben auch die deutsche Revolution von 1848/49 studiert.

Das hatte bei ihm eine lebhafte Begeisterungssteigerung für das gefährdete Königtum, den Hochkonservatismus und den Legitimismus zur Folge, die in seinen vielen kleinen Aufsätzen und Schriften immer wieder zum Ausdruck kam. Die Jahrbücher für Armee und Marine wie auch das Militärwochenblatt verdanken ihm eine Reihe hervorragender Beiträge, die er aus eigenem Wissen und angeeigneten Forschungen stets formvollendet zu präsentieren wußte.

Selbst zu einem der ersten Mitglieder der Deutschen Adelsgenossenschaft zählend, war er sowohl Mitgründer der Genossenschaft als auch des Deutschen Adelsblattes (1883-1944) und darin bereits früh der Verfechter einer eigenen Standesorganisation und ständiger produktiver Kritiker am Adelsbild. Mit seinen zahlreichen Aufsätzen äußerte er sich vor allem zum adeligen Selbstverständnis und dessen Fortentwicklung. Besonders sensibilisierte er den Adel auf die wichtige Stellung der Edelfrau und hat zu deren Emanzipation nicht unerheblich beigetragen.

In seinen Schriften und Artikeln förderte er aber auch alles, was dem Standesgedanken förderlich war, die Einrichtung des Adelsblattes und der Adelsgenossenschaft und die Erneuerung der wissenschaftlichen Familiengeschichtspublizistik. Dabei war er ein Christ konservativer Prägung, der stets aufrief für Standeserneuerung und -bewußtwerdung: "Wir zweifeln nicht daran, daß mit der steigenden Erkenntniß, daß der Liberalismus mit all seinen Schattirungen, vom zahmen Nationalen bis zum wilden Socialisten, abgewirthschaftet, auch den breiten Volksmassen der Glaube an die Berufung des historisch ersten Standes zu seiner Führerschaft zurückkehren werde, wenn dieser selbst das rechte Vertrauen zu seiner erhabenen Mission zu gewinnen vermag."

Glaubenseifer, Barmherzigkeit und Ritterlichkeit gehörten für ihn immer zum Bild eines "vollkommenen Edelmannes", dessen Erreichung er oft als Ziel des Adels darstellte. Dies geschah genauso in seinen ungezählten Vorträgen auf lokalen und überregionalen Adelstagen, so referierte er auf dem Adelstag von 1885 in Berlin über das Thema "Das Verhältnis des Adels zur sozialen Frage", in dem er er die Festigung des Christentums im Adel als beste Voraussetzung zur Lösung der sozialen Frage ansprach. Damit einher ging außerdem eine starke Ablehnung der jüdischen Glaubensgemeinschaft, so daß U. daneben auch zu den frühen und radikalsten Antisemiten des organisierten Adels zu rechnen ist.

Der Königlich Preußische Major außer Diensten und "Bannerträger des christlich-monarchischen Prinzips", so das Deutsche Adelsblatt in einem Nachruf, verstarb nach einem längeren schweren Leiden 78jährig als Ehrenvorstandsmitglied der Landesabteilung Sachsen der Deutschen Adelsgenossenschaft in Sachsens Hauptstadt Dresden.

Werke (Auswahl): Unser Adel in Gegenwart und Zukunft, in: Monatsschrift für Stadt u.Land (Allgemeine Konservative Monatsschrift), 1879, Jg.XXXVI, 183-190 --- Der Schild, ein Symbol und Pladium adliger Ehre, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.I, Berlin 1883, 2-4 --- Adelsgedicht ohne Titel, in: Artikel Deutsche Adelsgenossenschaft, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.I, Berlin 1883, 23 --- Der christliche Adel, ein Gemeingut des deutschen Volkes, in: Sonntagsbeilage der Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung Nr.29 vom 22.7.1883, 2 S. --- Berechtigter Ahnenstolz (des Adels), in: Deutsches Adelsblatt Jg.I (1883), 79 --- Stammguth und Stammes-Heimath (in Beziehung zum Edelmann), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.I, Berlin 1883, 226-227 und 238-241 --- Der Adel im Rath der Fürsten, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.I, Berlin 1883, 300-303 und 316-318 --- Der Standesgeist der Gegenwart im Spiegel des mittelalterlichen Ritterthums, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.I, Berlin 1883, 446-448, 463-465, 480-481, 480-481 u. 496-497 --- Streifzüge durch das Gebiet der adligen Stiftung, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.II, Berlin 1884, 51-53, 67-68, 80-82 --- Die deutsche Edelfrau und ihre Aufgabe in der Gegenwart, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.II, Berlin 1884, 484-485, 494-496, 509-510, 519-521, 532-534 und 543-545 --- Der Adel in der christlich-sozialen Bewegung der Gegenwart, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.II, Berlin 1884, 542-543 --- Desgl. in: Zeitfragen des christlichen Volkslebens, Bd.I, Heft 7 (1884) --- Der Adel in der christlich-socialen Bewegung, Heilbronn 1884, 48 S. --- Der Adel und das Legitimitätsprinzip, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.III, Berlin 1885, 112-115 u. 124-127 --- Semitismus und Adel, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.III, Berlin 1885, 196-198, 208-209, 223-224 und 232-235 --- Die Mitarbeit der adligen Jugend an der Standeszukunft, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.III, Berlin 1885, 390-391, 402-403, 412-413 und 424-425 --- Der Edelmann im Parteileben der Gegenwart, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.III, Berlin 1885, 435-436, 448-449, 460-461, 473-474, 484,  496-498, 507-508 und 521-522 --- Die Tradition in ihren Beziehungen zum Standesleben, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.IV, Berlin 1886, 394-395, 409-410, 424-425 und 442-444 --- Königthum und Monarchie, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.IV, Berlin 1886, 466-467, 484-486, 502-503 und 518-520 --- Der Niedergang des Standesvermögens und die von denselben  gebotene Abwehr, Teil 1 in: Deutsches Adelsblatt Nr.5 v.30.1.1887, 84f --- Teil 2 ebd. in Nr.6 v.6.2.1887, 101ff --- Teil 3 in Nr.7 v.13.2.1887, 124f --- Teil 4 in Nr.8 v.20.2.1887, 140 --- Teil 5 in Nr.9 v.27.2.1887, 160f --- Unsere Frauen in der Standes-Reform-Bewegung, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.V, Berlin 1887, 381-382, 400-401, 420-421 und 436-438 --- Der vollkommene Edelmann, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII, Berlin 1889, 502-507 --- Die Vertiefung des Adels-Gedankens ein sociales Gebot der Zeit, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII, Berlin 1889, 598-600,615-617, 646-64 und 666-667 --- Die Sonderaufgaben des Adels in den social-reformatorischen Bestrebungen der Gegenwart, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII, Berlin 1889, 792-794,808-810 und 826-828 --- Rückblicke und Ausblicke (Aufgaben des Adels um 1890), in: Deutsches Adelsblatt Jg.VIII (1890), 53-55 --- Das aristokratische Prinzip in der Welt- und Gesellschaftentwicklung, in: Deutsches Adelsblatt Jg.VIII (1890), 66-68, 84-86, 102-104 und 121-123 --- Der deutsche Adel in der Literatur, in: Deutsches Adelsblatt 1894,  108,148 --- Sind wir exklusiv? Referat des Herrn v.Uechtritz in der Sitzung der Landestabteilung des Königreichs Sachsen vom 15.Dezember 1894, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XIII, Berlin 1895, 34-36,51-52 --- Die Geburtsaristokratie im Dienst der Gesellschaft, Stuttgart 1895, 30 S. (Zeitfragen des christlichen Volkslebens, Bd.XX, Heft 2) --- Die deutsche Edelfrau. Ein Sozial-Historisches Charakterbild. Vortrag, gehalten in der Landesabteilung Königreich Sachsen der Deutsche Adelsgenossenschaft am 7.Februar 1903, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXI, Berlin 1903, 462-464, 478-481, 496-497 u. 510-513

Schrifttum und Quellen: Deutsches Biographisches Archiv II, Fiche 1292, S.236-237 --- Deutsches Adelsblatt, Jg.XXVIII, Berlin 1910, S.137-139 (Nachrufe der Deutschen Adelsgenossenschaft, der Landesabteilung Sachsen der Deutschen Adelsgenossenschaft und Nachruf von anonymer Hand) 


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