Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Houwald, Albrecht Freiherr v.

Oberjustizrat a.D., Genealoge, * Köslin in Pommern 10.6.1866, † Neuhaus bei Lübben (DDR) 17.Januar 1958.

Nach der ersten Schulausbildung in Frankfurt Oder und auf der Klosterschule Ilfeld im Harz, wo er 1887 sein Abitur bestand, kam H. auf die Universitäten Leipzig, Bonn und Berlin, wo er in den Jahren 1887 bis 1890 die Rechte studierte. Seit 1890 Rechtsreferendar, durchlief er nun den preußischen Vorbereitungsdienst für die Verwaltung und wurde nach mehreren Stationen 1892 zum Regierungsassessor ernannt. Die folgenden elf Jahre war er nun u.a. als Hilfsarbeiter des Landratsamtes Waldenburg in Schlesien und bei der Regierung zu Oppeln tätig, bis er 1903 die Ernennung zum Regierungsrat erhielt.

Als solcher 1904 an die Regierung zu Frankfurt Oder versetzt, verlobte er sich hier 1909 mit mit Gräfin Helene v.Carmer, der Tochter eines Königlich Preußischen Generalmajors; 1910 wurde er vom Johanniterorden als Ehrenritter angenommen. Von 1911 bis 1913 als Stellvertreter des Polizeipräsidenten in Posen beamtet, vollzog sich seine entscheidende berufliche Wendung im letzten Friedensjahr vor dem ersten Weltkrieg, als er auf eigenen Antrag hin zum Preußischen Heroldsamt (1855-1920) nach Berlin versetzt wurde.

Albrecht Freiherr v.HouwaldHier war er seit dem Neujahrstag 1914 als ordentlicher Beamter angenommen worden und arbeitete sich rasch und gewissenhaft sowie gründlich in sein neues Arbeitsgebiet ein, die Entscheidungen über alle Adelsfragen in der preußischen Monarchie. Da er in seiner Kindheit bei einem Unfall eine Handverletzung nachbehalten hatte, wurde er vom Militärdienst beim ausbrechenden Weltkrieg suspendiert, so daß er sich voll und ganz den weiteren, jetzt freilich immer mehr abnehmenden Geschäften im Heroldsamt widmen konnte.

Nach der Auflösung des Heroldsamtes als einer monarchischen, nun von der Republik nicht mehr benötigten Behörde, wurde er ab 1920 mit dessen Abwicklung beauftragt, selbst aber bereits Ende 1919 in den Ruhestand versetzt. Zugleich erfolgte die Übernahme in den Reichsdienst als Referent für Namensfragen im Reichsjustizministerium. Seit 1919 in Potsdam wohnhaft, wurde er auf eigenen Antrag im Juni 1920 als Oberjustizrat a.D. aus dem Staatsdienst entlassen.

Trotzdem widmete er sich fortan - zusammen mit seinem Kollegen v.Owstien, der ebenfalls in Potsdam wohnte - sehr rührig um die Fortsetzung der Heroldsamtsarbeit auf privater Ebene. Wichtigster Plan hierzu war ihm die baldige Errichtung eines deutschen Adelsbuches, das in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Adelsgenossenschaft entstehen sollte. Zweck war, die Rechte des adeligen Namens zu schützen und Namensschwindlern wie Adelsadoptionen zu bekämpfen.

Hatte seine standesorientirte Arbeit mit der Tätigkeit seit 1913 im Heroldsamt begonnen, so ging H.s Bestreben bald nach 1920 dahin, eine Adelsmatrikel zu schaffen, die jedoch nicht wie üblich den gesamten Adel eines geographischen Bereiches aufnehmen sollte, sondern nur "reinblütige" Edelleute. Darunter verstand er Angehörige des historischen deutschen Adels, die vor 1750 keine Vorfahren jüdischer Herkunft hatten. Auf zahlreichen Zuspruch mit dieser Idee stoßend, kann er als eigentlicher Gründer und Initiator der EDDA, des Eisernes Buch Deutschen Adels Deutscher Art (1925-1942), gelten, für die er auch in den Folgejahren die Hauptbearbeitung übernahm. Daneben war er weiterhin in adelsrechtlichen Fragen tätig, u.a. im Adelsgerichtshof (1934-1936).

Da es jedoch zwischen H. und anderen Edelleuten in der Deutsche Adelsgenossenschaft zu heftigen Kontroversen um die Führung solch einer Matrikel kam, einigte man sich schließlich darauf, sowohl eine allgemeine, als auch eine nach biologischen Gesichtspunkten aufgestellte Matrikel zu führen. Die Gothaischen Genealogischen Taschenbücher des Adels erschienen daher weiter, dazu noch die EDDA, die jedoch im Gegensatz nicht die Familien mit ihren Deszendenzen, sondern nur einzelne Probanden mit ihren Vorfahren aufnahm.

H. war im Übrigen ein fleißiger Forscher und Publizist, schrieb viele Artikel für das Deutsche Adelsblatt von 1918 bis 1945, und war bis 1945 im Zuge der EDDA-Forschungen Leiter der Buchungshauptstelle Deutschen Adels Deutscher Art, Arbeitsabteilung IV der Deutsche Adelsgenossenschaft. Mit seinem Hauptwerk betonte er seine Einstellung zu einem erbbiologisch geformten Adel, die zumindest vom organisierten Adel sehr begrüßt wurde. Außerdem war er bereits seit dem Jahre 1931 Mitglied der NSDAP.

Von bleibender Bedeutung ist außer den rund 30 Publikationen von EDDA-Artikeln, die nichtjüdische Familien vor angeblichen jüdischen Vorfahren schützen sollte, die von ihm fortgeführte Matrikel der Brandenburg-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenakte für die Zeit von 1873 bis 1918, eine Fortzsetzung von Maximilian Gritzners Matrikel. Ferner veröffentlichte H. von 1894 bis 1942 über zehn familiengeschichtliche Werke zu seiner eigenen Familie, dazu noch viele Aufsätze in der Zeitschrift Herold, im Deutschen Adelsblatt (1883-1944), in den Familiengeschichtlichen Blättern oder im Deutschen Roland. Außerdem hatte er seit frühester Jugend Material aus den Archiven gesammelt, die noch ihrer Auswertung harren und wegen des Verlustes der Archivalien durch den zweiten Weltkrieg heute doppelt wertvoll sind, beispielsweise seine umfangreiche Sammlung zu den Besitzern Geschichten der Niederlausitzer Rittergüter, die sukzessive von seinem Sohn Frhr. Götz v.Houwald im Verlag Degener in Neustadt an der Aisch in Bayern herausgegeben wurde.

Hintergrund aller seiner Arbeiten war das Bestreben, Genealogie nicht nur als Freizeitbeschäftigung und Steckenpferd zu betreiben, sondern der Familienforschung einen wissenschaftlichen Rang zu geben, mit wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten.

Nach 1945 wurde es ruhig um ihn. Er war nicht, wie viele seiner Standesgenossen es mußten, geflüchtet, sondern verbrachte seinen Lebensabend im Spreewald in einem kleinen Dorf, in das er bereits 1931 von Potsdam aus umgezogen war. Dies lag zunächst in der Ostzone, dann in der DDR. Hier mußte er miterleben, wie 1945 die russiche Besatzung seine Sammlung zerstörte, mit Unrat seine Kartotheken vor dem Haus überhäufte und seine Bibliothek auseinanderriß.

Fast erblindet wurde er außerdem vom Landrat des Kreises Lübben im April 1948 ausgewiesen. Erst mit 91 Jahren wurde der ehemals begeisterte Freizeit-Bergsteiger vom Leben abberufen, nachdem er nach Lübben hatte zurückkehren dürfen. Die Vereinigung der Deutschen Adelsverbände als auch die alte, nunmehr ruhende Deutsche Adelsgenossenschaft, sprachen in einem Nachruf davon, H. sei "mit ungewöhnlichem Wissen von den Dingen, die den Adel angehen, begabt ... Seine umfassende Tätigkeit lebt auch heute fort in der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände, insbesondere im Ausschuß für adelsrechtliche Fragen. Der deutsche Adel schuldet diesem wahrhaften Edelmann großen Dank und sein Andenken wird durch seine Schöpfung, die EDDA, bis in fernste Zeiten unter uns fortwirken." Trotz dieser lobenden Worte wurde nach 1945 jedoch von seinen deutschvölkischen Grundsätzen in der Adelsmatrikel abgerückt; seitdem gelangen auch wieder stillschweigend Edelleute mit jüdischen Vorfahren ins Genealogische Handbuch des Adels.

H. aber bleibt aufgrund seiner Professionalität und hohen Zuverlässigkeit in seinen Forschungen einer der Wegbereiter der wissenschaftlichen Genealogie und nicht zuletzt hat er seit 1914 entscheidend die preußische Adelspolitik mitgeprägt, weil der sehr häufig König Wilhelm II. v.Preußen Gutachten über die Würdigkeit eines zu adelnden Kandidaten einzureichen hatte. Aufgrund seiner persönlichen Bekanntschaft mit Hans-Friedrich v.Ehrenkrook (1880-1968) wirkte sein Wissen auch noch in die Adelsgremien der Bundesrepublik Deutschland fort.

Werke (Auswahl): Eisernes Buch deutschen Adels deutscher Art (EDDA), Bd.I (Gotha 1925) Bd.II (Gotha 1929), Bd.III (Gotha 1936) und Bd.IV (Gotha 1942) --- Eisernes Buch deutschen Adels deutscher Art, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXVIII, Berlin 1920, 402-404 --- Adel und Scheinadel, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXIX, Berlin 1921, 17-19 --- Eisernes Buch deutschen Adels deutscher Art, in: Der Deutsche Roland. Mitteilungsblatt des Deutschen Rolands Verein für deutsch-völkische Sippenkunde zu Berlin e.V., Jg.IX, Berlin 1921, 213 --- Erwiderung auf den Aufsatz "Adelsbuch und Rassenreinheit" in Nr.6 des Adelsblatts, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXIX, Berlin 1921, 97-99 --- Edda- und Matrikeleintragung, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XLII, Berlin 1924, 81-82 --- Eine Drucklegung der Ahnentafel der "Edda"!, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XLII, Berlin 1924, 98-99 --- Eisernes Buch Deutschen Adels Deutscher Art "Edda", in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XLII, Berlin 1924, 311-313 --- Das Eiserne Buch Deutschen Adels Deutscher Art, abgekürzt Edda, in: Monatsblatt der Heraldischen Gesellschaft Adler, Bd.X, Wien 1926, 9-11 --- Die Edda und die gothaischen Taschenbücher, in: Deutsches Adelsblatt Nr.23 v.11.8.1927, 524 --- Aus der Praxis der Buchungshauptstelle für die Eddaeintragungen, in: Deutsches Adelsblatt Nr.18 v.3.5.1930, 246 --- Houwald, Frhr.v.: Rassefremde Verbindungen (von Adeligen), in: Deutsches Adelsblatt Nr.36 v.5.9.1931, 591 --- Denkt an die Edda!, in: Deutsches Adelsblatt Nr.36 v.3.9.1932, 509 --- Die Edda, in: Deutsches Adelsblatt Nr.25 v.17.6.1933, 436-437 --- Was wird aus der Edda, in: Deutsches Adelsblatt Nr.42 v.14.10.1933, 738-739 --- Zum Ariernachweis. Greift das Stichjahr 1750 in dem Arierparagraphen der neuen Deutsche Adelsgenossenschaft-Satzung nicht unnötig weit zurück?, in: Deutsches Adelsblatt Nr.43 v.21.10.1933, 756-757 --- Zum Arierparagraphen (der neuen Deutsche Adelsgenossenschaft-Satzung) in: Deutsches Adelsblatt Nr.3. v.13.1.1934, 42 --- Judenblut im deutschen Adel, in:  Hammer, Jg.XXXIV, Leipzig 1935, Heft 97/98, 339-343 --- Betrifft die Edda-Eintragungen, in: Deutsches Adelsblatt Nr.2 v.9.1.1936, 51 --- Adel und Edda, in: Deutsches Adelsblatt Nr.11 v.7.3.1936, 321-322 --- Denkt an die Edda!, in: Deutsches Adelsblatt Nr.42 v. 10.10.1936, 1408 --- Die Schädigung der Erbmasse durch Vermischung mit artfremdem Blut (im Adel), in: Deutsches Adelsblatt Nr.49 v.3.12.1938, 1663-1664 --- Das Fortbestehen der Edda gefährdet!, in: Deutsches Adelsblatt Nr.8 v.18.2.1939, 244f --- Brandenburg-Preußische Standeserhöhungen und Gnadenakte für die Zeit 1873-1918, Görlitz 1939, VII u. 235 S. --- Denkt an die Edda!, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.LXI, Berlin 1943, Seite 26-27

Quellen und Schrifttum: Kalm, Harald v.: Das Preußische Heroldsamt 1855-1920, Adelsbehörde und Adelsrecht in der preußischen Verfassungsentwicklung, Berlin 1994, 241-246 --- Nachruf der ehemaligen Deutsche Adelsgenossenschaft, der VdDA und des ausschusses für adelsrechtliche Fragen, in: Deutsches Adelsarchiv, Jg.XIV, Melle 1958, 57 --- Schriftliche Auskünfte und Nachruf von Götz Frhr.v.Houwald auf seinen Vater Albrecht Frhr.v.Houwald, o.D., freundlicherweise von Götz Frhr.v.Houwald (†) dem Verfasser zugesandt am 30.März und 14.Mai 1999 --- Zur NSDAP-Mitgliedschaft siehe Stephan Malinowski: Die Deutsche Adelsgenossenschaft und der Deutsche Herrenklub, in: Heinz Reif (Hg.): Adel und Bürgertum in Deutschland, Band II., Berlin 2001, S.190 


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