Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Heydebreck, Konrad Tessen v.

Rittergutsbesitzer, Adelsfunktionär, * Neubuckow 13.Juli 1872, † Köslin 3.Juli 1926.

H. stammte aus einem schon im 13.Jahrhundert erwähnten pommerschen Uradelsgeschlecht. Durch seine Eltern Friedrich v.H. (1833-1903), Herrn auf Neubuckow, Schlennin, Barzlin und Nedlin und dessen Gattin Helene v.Zastrow (1838-1920) schon von früh auf mit der Landwirtschaft verbunden, besuchte er zunächst in Köslin das humanistische Gymnasium, legte hier sein Abitur ab und wurde anschließend Einjährig-Freiwilliger bei dem Dragoner-Regiment Nr.12 (v.Arnim) in Gnesen. Wegen seines Bluterleidens mußte er jedoch bereits nach sechs Wochen den Dienst wieder verlassen, erlernte die praktische Landwirtschaft und studierte Agrarwissenschaften in Berlin.

Konrad Tessen v.HeydebreckSeit 1898 mit der Bewirtschaftung der väterlichen Güter betraut, übernahm er die über 100 ha umfassenden Rittergüter seit dem Tod seines Vaters. Im ersten Weltkrieg als Johanniter in der Verwundetenpflege aktiv, wurde er nach Kriegsende standes- und lokalpolitisch von seinem Hauptwohnsitz Barzlin aus tätig. Obwohl als konservativer Monarchist kritisch gegenüber der Republik eingestellt, wurde er jedoch bald zum Landschaftsrat und Vertreter der Bezirksdirektion Treptow der Pommerschen Landschaft berufen. Ferner war er Mitglied des Kreistages  und des Kreisausschusses Köslin. Auch dem Pommerschen Landbund, den sein Standesgenosse Fritz v.Bodungen (1879-1943) mitbegründet hatte, war er 1923 Vorstandsmitglied, ebenso im Kreisverein Köslin der DNVP, ferner Gründer des Kriegerverbandes Thunow und Mitglied des Nationalverband Deutscher Offiziere.

In der Deutschen Adelsgenossenschaft gehörte er zu einen der frühen Mitglieder, die bereits vor 1898 eingetreten waren. Aber erst jetzt - in der Zeit der Weimarer Republik - begann H. auch Funktionen in der Adelsgenossenschaft zu übernehmen. Sogleich bei Gründung der Landesabteilung Mitte Januar 1921 war er zu einem von 15 Vorstandsbeisitzern gewählt worden, die als Vertrauensmänner für ihre Kreise fungierten. Im März 1924 war H. nach dem Tode des bisherigen Landesvorsitzenden v.Kleist einstimmig zu dessen Nachfolger gewählt worden. In der Folge gehörte er der kritischen politischen Fraktion der  Adelsgenossenschaft an. So hatte er sich in die EDDA eintragen lassen und sprach sich 1921 für einen Antrag des Gutsbesitzers v.Hertzberg-Lottin aus, nach dem Geschäfte des Adels mit Juden unter Ordnungsstrafe zu stellen seien und den Mitgliedern zu empfehlen sei, moderne Tänze aus dem Ausland zu meiden.

Adelige Freimaurer, die in die Deutsche Adelsgenossenschaft aufgenommen zu werden wünschten, wurden von ihm abgelehnt, da sie seiner Auffassung nach nicht zweifelsfrei auf monarchischem Boden ständen. In seiner Zeit als 1.Vorsitzender war H. aber außerdem auch karitativ tätig: so verhandelte er mit Bad Polziner Einrichtungen zur Verbilligung von Bäderpreisen für bedürftige Angehörige der Adelsgenossenschaft, 1925 referierte er vor seiner Landesabteilung über die Ziele des deutschen Adels und wies dabei besonders auf die Ziffer zwei der Satzung der Deutsche Adelsgenossenschaft hin "und betonte die Pflicht jedes deutschen Edelmannes und jeder deutschen Edelfrau, das ganze Leben entsprechend einzustellen."

H. wurde 1925 neben seinem Amt als 1.Vorsitzender auch in den hinterpommerschen Adelsausschuß gewählt. Im gleichen Jahr empfahl er den Eintritt junger Standesgenossen in die Reichswehr. Er warnte er vor dem herrschenden Materialismus "vor unstandesgemäßem Auftreten, insonderheit auf öffentlichen Tanzdielen. Er gab bekannt,  daß er unbedingt weibliche Mitglieder vor unbegründeten Gerüchten und Klatschereien schützen würde und zu diesem Zweck gegebenenfalls ein besonderer Ehrenhof für Damen ins Leben gerufen würde."

Bereitwillig öffnete H. sein Barzliner Haus auch für Veranstaltungen des Ringkreises und der Gesellschaft Deutscher Staat, dem viele Edelleute angehörten. Auf Tagungen dieser Gruppen wurde über eine grundsätzliche Neuorientierung des deutschen Adels und dessen "geistige Wiedergeburt" gesprochen, die auf konservativ-reformerischer Ebene eingeleitet werden sollte. Sie führte zu dem Versuch, der bewußt und unbewußt so empfundenen mangelnden staatlichen Erziehung (Militär) eine politische Schulung des Jungadels entgegenzusetzten. Ideen der jungadeligen ständischen Wanderlehrer kamen auf, ebenso aber die Empfehlung Prinz Oskars v.Preußen, nun verstärkt den Beruf des Geistlichen zu ergreifen. An allen diesen komplexen Selbstbestimmungsvorgängen mit vielen Diskussionen nahm auch H. regen Anteil, konnte aber langfristige Erfolge nicht verzeichnen, da er 1926 unerwartet an den Folgen eines Sturzes vom Pferd verstarb.

Quellen und Schrifttum: NN: Bericht über die Mitgliederversammlung der Landes-Abteilung Hinterpommern vom 24.2.1925 in Köslin unter dem Vorsitz Konard Tessen v.Heydebrecks --- Deutsches Adelsblatt Nr.8 v.11.3.1926, S.153 (Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung der Landesabteilung Hinterpommern vom 12.2.1926) --- Kösliner Zeitung Nr.155 v. 5.7.1926, Artikel: Aus Stadt und Land, Landschaftsrat v.Heydebreck † --- Traueranzeige seiner Familie in: Preußische Zeitung (Kreuz-Ztg.) Nr.306 vom 5.7.1926 --- Walter Görlitz: Die Junker, Adel und Bauer im deutschen Osten, Limburg Lahn 1980, S.351-353 --- Der Pommersche Landbund, Stettin, Nr. 9 vom 29.2.1920, S.140 (Rubrik: "Aus den Kreisgruppen") sowie Nachrichtenblatt des Kreislandbundes Köslin Nr.7 vom 14.Februar 1925, S.58 --- Vorpommersches Landesarchiv Greifswald: Rep.60 Nr.2515, Blatt 203, Einladung zur Generalversammlung des Pommerschen Landbundes vom 10.1.1923 --- Deutsche Adelsgenossenschaft (Hg.): Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft 1898, Berlin 1898, 186, Nr.618 --- Jahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft, Berlin 1927, Vorblatt o.S. (hieraus auch das hier abgebildete Portrait) u. S.281-282 (Nachruf) 


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