Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Ehrentafeln der Kriegsopfer des deutschen Adels 1921-1998

Listen und Tafeln mit Gefallenen gab es in der Vergangenheit zu vielen Kriegen, in der preußischen Armee wurden sie unter der Bezeichnung Verlustlisten geführt. Spezielle Ehrentafeln für Angehörige des Adelsstandes gab es jedoch erst seit 1921. Das lag sicher daran, daß der Weltkrieg von 1914 bis 1918 zum ersten Mal ein territorienübergreifender, nicht lokal begrenzter Krieg war, der mehr Tote und Gefallene forderte als irgend ein Krieg vorher.

Daher entstand für die im ersten Weltkrieg gebliebenen Angehörigen des reichsdeutschen Adels schon früh die Idee einer besonderen Würdigung in Form einer Zusammenstellung der durch den Krieg und die Kriegsfolgen umgekommenen Edelleute. Seit 1914 wurde in den Gothaischen Genealogischen Taschenbüchern hierfür eine Extrarubrik eingeführt, welche die Gefallenen mit ihrem Namen, Rang und Datum des Todes aufführten. Aus der Ansammlung dieser Listen schließlich wollte man eine Ehrentafel fertigen, einschließlich derer, die auch 1919 bei Rückzugs- und Freikorpskämpfen ihr Leben gelassen hatten. Sie wurde schließlich in würdiger Form 1921 unter dem Titel "Ehrentafel der Kriegsopfer des reichsdeutschen Adels" von Alexander v.Schoenermarck herausgegeben und enthielt  alle ermittelbaren 4.780 adeligen Toten, darunter 4.010 Gefallene - das war nahezu die gesamte waffenfähige Mannschaft des deutschen Adels. Die Aussage der schlichten Listen spricht für sich, neben der Nennung der Namen fällt auf, daß der Adel gegenüber dem Bürgertum einen überproportional hohen Blutzoll zahlte.

Ein ähnliches Vorhaben für die Toten des zweiten Weltkrieges konnte indes nicht so rasch verwirklicht werden wie zur Zeit der Weimarer Republik. Einmal wurden die Listen nicht mehr zentral erfaßt, denn 1942 stellte das Gothaische Genealogische Taaschenbuch sein Erscheinen ein. Zwar erschien noch regelmäßig seit 1939 eine Liste der Gefallenen im  Deutschen Adelsblatt (1883-1944) in der Rubrik "Aus den Reihen des deutsche Adels ließen ihr Leben für das Vaterland", zum Teil auch unter dem Titel "Es fielen für Deutschlands Zukunft", aber diese wurden 1944 ebenfalls eingestellt.

Sie enthielten wertvolle Bilddokumentationen mit vier bis acht Portraits und persönlichen Angaben je Ausgabe, aber dies konnte naturgemäß keine vollständige Liste sein, zumal die Gefallenen von 1945 und diejenigen, die durch Flucht und Vertreibung umkamen, hier nicht mehr genannt werden konnten.

Indes nahmen bereits im Oktober 1945 Jürgen v.Flotow und Hans-Friedrich v.Ehrenkrook(1880-1968) die Listenführung in den Flüchtlingslisten und dann im Deutschen Adelsarchiv (1949-1961) in veränderter Form wieder auf. Nun erfolgte auch eine erste Erweiterung auf die an den Kriegsfolgen verstorbenen Edlelleute. 1945 bis 1948 dienten hierzu die Rubriken  "Freiwillig aus dem Leben schieden"  für die Selbsttötungen, 1946 bis 1948 die Rubrik "Als Opfer des Nationalsozialismus starben" für die hingerichteten und in Konzentrationslagern umgekommenen Adeligen sowie 1946 bis 1948 "Erschossen wurden" für die Erschießungen im deutschen Adel infolge alliierter Beatzung.

1948 wurden die Rubriken eingestellt und das Datenmaterial nur noch unveröffentlicht gesammelt. Grund hierfür war die politische Lage, der immense Verlust an Familienarchiven in Mittel- und Ostdeutschland und die anfängliche Verstreutheit der Familien. Nach Gründung des Deutschen Adelsarchivs e.V. konnte ein Vorhaben wie das der Ehrentafel zunächst jedoch nicht in Angriff genommen werden.

1965 dann entschloß sich Bibliotheksdirektor Dr. phil. Graf Matthias v.Schmettow mit seiner Gattin zur Erarbeitung einer neuen Ehrentafel. Auf seine Initiative ging die Erstellung des sogenannten Gedenkbuches zurück, für das er das Deutsche Adelsarchiv e.V. gewinnen konnte. So wurde ihm die Zusammenstellung und Herausgabe übergeben. Er faßte die genannten Listen zusammen, recherechierte aber auch  in vielen Einzelanfragen, um möglichst große Vollständigkeit zu erzielen. Seine Arbeit, die 8.284 Namen, darunter 4.690 Gefallene enthält, wurde schließlich 1967 und dem Titel "Gedenkbuch des Deutschen Adels" in der Schriftenreihe "Aus dem Deutschen Adelsarchiv" veröffentlicht; hierzu erschien 1980 ein Nachtrag. Von der ersten Planung bis zur Herausgabe wurde er dabei wesentlich von seiner Gattin, Gräfin Ingrid geborene v.Renesse, unterstützt.

Gegenüber den umfänglich sehr großen Opfern der beiden großen Weltkriege aber trat der Opfergang des Adels im deutsch-französischen Kriege entscheidend zurück. Erst 1998 erschien im Institut Deutsche Adelsforschung das "Ehrenbuch des Preußischen Adels", in der neben den gefallenen auch die vermißten und verwundeten Edelleute aus dem preußischen Heereskontingent - insgesamt auch hier mehrere tausend Personen aller Dienstränge - aufgeführt werden. Entegen den beiden vorgenannten Werken wurden hier aber auch genaue Daten über die Art der Verwundung gemacht und für einzelne Gefallene und Verwundete Portraits und Kurzbiographien gebracht.

Damit ist nunmehr für jeden der letzten drei großen Kriege eine Zusammenstellung gegeben, die weit über die nackten Lebensdaten hinaus ein Denkmal bilded für die Opfer, die der deutsche Adel in den brachte und für den Adel selbst, der auf traurige Art und Weise bewies, das er nicht nur Rechte in Anspruch nehmen, sondern auch Pflichten bewußt wahrnehmen konnte.

Quellen und Schrifttum zur Ehrentafel: Ehrentafel der Kriegsopfer des reichsdeutschen Adels 1914-1919, Gotha 1921, IV u. 287 S. sowie Nachtrag IV und 84 S. --- NN: Ehrentafel der Kriegsopfer des deutschen Adels, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXVIII, Berlin 1920, 134-135 --- Kekule v.Stradonitz, St.: Eine Kriegsehrentafel des reichsdeutschen Adels, in: Der Dt. Herold, Berlin 1920, Jg.LI, 48 --- Desgl. in: Der Dt.Herold, Berlin 1922, Jg.LIII, 5f u. 75 --- Zobeltitz, F.v.: Ehrentafel des deutschen Adels, in: Eiserne Blätter, Berlin 1926, Jg.8, 593 --- Owstien, v.: Die Ehrentafel der Kriegsopfer des reichsdeutschen Adels, in: Deutsches Adelsblatt Nr.13 v.1.5.1926, 267 --- K.v.: Die Gothaischen Genealogischen Taschenbücher und die Ehrentafel der Kriegsopfer des deutschen Adels, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXIX, Berlin 1921, 50-51 --- Hünerbein, Kurt v.: Ehrentafel des pommerschen Adels (Die gefallenen pomm. Edelleute im 1.Weltkrieg), in: Pommernadel. Nachrichtenblatt für die Mitglieder der Landesabteilung Pommern der Deutsche Adelsgenossenschaft, Nr.5 v.1.8.1925, 1-3 --- NN: Ehrentafel der Kriegsopfer des deutschen Adels, in: Familiengeschichtl. Blätter, Jg.XVIII (1920), 143

Quellen und Schrifttum zum Gedenkbuch: Schmettow, Matthias Graf v. (Hg.): Gedenkbuch des Deutschen Adels, Limburg Lahn 1967 (Aus dem Deutschen Adelsarchiv Bd.III), XI u. 397 S., darin Vorwort (zur Vorgeschichte und zur Entstehung des Werkes, VIII-X) --- Hierzu Schmettow, Matthias Graf v. / Schmettow, Ingrid Gräfin v. (Hg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. Nachtrag, Limburg Lahn 1980, VIII u. 68 S. --- Hierzu Schmettow, Matthias Graf v.: Gedenkbuch unserer Toten, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.V, Nr.3 v.15.3.1966, 51 --- Hierzu Deutsches Adelsarchiv: Gedenkbuch unserer Toten, in: Deutsches Adelsblatt, 5.Jg., Nr.10 v.15.10.1966, 203 --- Hierzu NN: Gefallenenliste des deutschen Adels (Aufruf zur Mitarbeit), in: Archiv für Sippenforschung, Jg.XXXII, Limburg Lahn 1966, 100 --- Hierzu Schmettow, Matthias Graf v.: Gefallenenliste des deutschen Adels, in: Ostdeutsche Familienkunde, Jg.XIV, Herne 1966, 185 --- Hierzu NN: Gefallenenliste des deutschen Adels, in: Adler. Zeitschrift für Genealogie u.Heraldik, N.F., Wien 1966, 169 --- Hierzu Fritsch, Thomas v.: Gedenkbuch des deutschen Adels, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VI, Nr.12 v.15.12.1967, 260-261

Quellen und Schrifttum zum Ehrenbuch: Ehrenbuch des Preußischen Adels für die Gefallenen, Vermißten und Verwundeten des deutsch-französischen Krieges 1870/71 (Band 11 der Schriftenreihe des Instituts Deutsche Adelsforschung (damals noch unter der Bezeichnung Institut für Preußische Historiographie - Forschungsstelle für Deutsche Adelsgeschichte), Owschlag 1998, 168 Seiten 


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