Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Ehrenkrook, Hans-Friedrich v.

Oberregierungsrat a.D., * Berlin 20.Januar 1880, † Marburg Lahn 1.Februar 1968.

E. stammte aus einem ehemals schwedischen Geschlecht, welches urkundlich 1600 erstmals erwähnt wurde und 1682 den dortigen Adelsstand erhielt. 1708 trat E.`s dreifacher Urgroßvater in braunschweigische Militärdienste über und gelangte damit nach Deutschland. E.`s Eltern waren der Kaiserlich Deutsche Korvettenkapitän a.D., vormalige Herr auf Neuendorf und Mitglied der Admiralität Friedrich v.Ehrenkrook (1850-1929) und dessen Gemahlin Mary Hemmingson (1855-1925); sie stammte aus schottischem Landadel.

E. wuchs mit drei Brüdern auf, welche später in die Landwirtschaft und ins Militär gingen. Er selbst entschied sich jedoch für eine Laufbahn in der Verwaltung und studierte daher nach seinem 1907 in Goslar abgelegten Abitur Rechtswissenschaften in München, Freiburg und Göttingen.

1910 trat er als Gerichtsreferendar in den preußischen Vorbereitungsdienst ein, wurde dann Regierungsreferendar und endlich 1919 Regierungsassessor in Berlin. Bis dahin war er im Landratsamt Isenhagen und in Magdeburg tätig gewesen. Mit Kriegsausbruch 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde aber zu seinem großen Bedauern aufgrund seiner kleinen Statur nicht angenommen. Nach Kriegsende verblieb er im Verwaltungsdienst, 1924 schließlich erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat und Leiter des Finanzamtes in Ludwigslust, womit er nach Mecklenburg gelangte. In den Jahren 1935 bis 1945 schließlich war seine letzte Dienststelle die eine stellvertretenden Leiters des Finanzamtes Breslau-Land.

1919 wurde er als Ehrenritter bei der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St.Johannis vom Spital zu Jerusalem angenommen, wo er ab 1924 der Mecklenburgischen Genossenschaft angehörte. Im zweiten Weltkrieg, in dem er mit seiner Frau drei Söhne verlor, die 1943 und 1945 fielen, mußte E. außerdem mit dienstlicher Zurücksetzung leben, da er als Konservativer und Monarchist nicht dem Zeitbild entsprach. Erst im Zuge der Wiedergutmachung aufgrund des Bundesentschädigungsgesetztes von 1953 wurde er später rückwirkend von der BRD noch zum Oberregierungsrat ernannt.

1945 flüchtete er vor dem russischen Zugriff aus Breslau über Berlin nach Niedersachsen, wo er mit seiner Familie zuerst in Wrisbergholzen eine Unterkunft fand; 1951 bis 1958 wohnte er auf Schloß Schönstadt nahe Marburg an der Lahn. Schließlich baute er sich 1958 in Marburg selbst ein Haus (Am Glaskopf 21), in dem er nun bis zu seinem Tode lebte. Auch öffentlich wurde er bald wieder tätig: noch im Jahr der Kapitulation 1945 war er für einige Monate kommissarischer Bürgermeister der Stadt Alfeld an der Leine.

Innerlich ein integrer Charakter, äußerlich ein seltener Kavalier der alten Schule, beruflich und sachlich durchsetzungsfreudig, interessierte er sich schon von Jugend an für den Adel, dessen Genealogie und Recht. Bestärkt wurde er dabei durch seine persönlichen Kontakte zu Joachim Friedrich v.Owstien (1881-1970) und Freiherr Albrecht v.Houwald (1866-1958) aus dem Preußischen Heroldsamt in Berlin. 1913 hatte er außerdem Carola v.Hagen (1890-1977) geheiratet, die seine Interessen teilte und für über fünf Jahrzehnte seine wichtigste Mitarbeiterin in genealogischen und Standesfragen war.

Bald auch Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft, wurde er hier besonders aktiv, war Schriftführer und nach dem ersten Weltkrieg in den Landesabteilungen Mecklenburg, Magdeburg-Anhalt und Schlesien Genealoge und Leiter der familienkundlichen Abteilungen. In Fortsetzung der adelsrechtlichen Tätigkeit des Heroldsamtes gehörte er ferner als Mitglied der Abteilung für adelsrechtliche Fragen der Adelsgenossenschaft sowie zusammen mit v.Owstien, Frhr.v.Houwald und Bernhard Koerner (1875-1952) dem Adelsgerichtshof (1934-1936) an und nahm hier direkten Einfluß auf die privatisierte Adelsjurisdiktion.

Im Jahre 1921 gehörte E. zu den deutschvölkischen Protagonisten, die den Arierparagraph in die Adelsgenossenschaft einführten. Und aufgrund der Angaben im »Semi-Gotha«, vor allem dem dritten Band namens »Semigothaisches genealogisches Taschenbuch ari(st)okratisch-jüdischer Heiraten mit Enkel-Listen (Deszendenz-Verfolgen). Aufsammlung aller adeligen Ehen mit vollblutjüdischen und gemischblütigen Frauen« erstellte E. ab dem Jahre 1931 die »Semika« oder »Kartothek der lebenden Nachkommen aus arisch-semitischen Verbindungen adliger Geschlechter«. Ehrenkrook stellte einen Großteil der Informationen zur Verfügung, die zu über 200 Exklusionen nach 1933 führten und die Betroffenen ins gesellschaftliche Abseits verwiesen.

Sein publizistisches Schaffen weist eine große thematische Breite auf, in vier rund 350 Seiten starken Bänden veröffentlichte er zunächst die "Ahnenreihen aus allen deutschen Gauen", deren Harausgeber und Hauptredakteur er war. Die "Stammfolgen schlesischer Adelsgeschlechter" stammen von ihm ebenso wie viele einzelen Familiengeschichten, genannt seien die der Geschlechter v.Bültzingslöwen, v.Ehrenkrook oder v.Boeltzig.  Es folgten viele Aufsätze und Artikel vor allem im Deutschen Adelsblatt (ab 1962). Gleich im Oktober 1945 gründete er zusammen mit Jürgen v.Flotow (1902-1976) den Verlag Deutsches Adelsarchiv, in der er erst die Flüchtlingslisten (1945-1948), seit 1949 die Zeitschrift Deutsches Adelsarchiv (1949-1961) und seit 1962 schließlich das Deutschen Adelsblatt herausgab. Ende 1949 gründete er außerdem mit seinem Mitstreiter das Hilfswerk des Deutschen Adelsarchivs. Auch die Überführung der Geschäftsakten des Eisernen Buches Deutschen Adels Deutscher Art (1925-1942) nach Marburg in ein Depositum des Hessischen Staatsarchivs ging auf seine Initiative zurück.

Ein besonderes Anliegen war E. aber auch die Entlarvung von Namensschwindlern, die unter Ausnutzung der ungeordneten Zeitumstände der ersten Nachkriegszeit die adelige Solidarität auszunutzen suchten und sich einen falschen adeligen Namen zulegten. Über 1.000 solcher Fälle deckte E. auf und veröffentlichte sie in seinen Periodika zur Warnung. Damit entwicklete er sich bald zu einem gesuchten Fachmann in diesen Fragen und wurde auch von Behörden oft deswegen zu Rate gezogen. Über 1962 hinaus blieb er zwar Mitinhaber des Verlages Deutsches Adelsblatt, gab aber die Schriftleitung an Jürgen v.Flotow ab, er selbst widmete sich wieder den genealogischen Fragen und erweiterte seine nach Kriegsende neu angelegte Sammlung, vor allem um Bildnisnachweise des Adels.

Systematisch erwarb er nach 1945 die einschlägige Literatur, übernahm ganze Bibliotheksbestände, Archivalien, aber auch unveröffentlichte Forschungsergebnisse von Genealogen. Zusammen mit dem Verlag C.A.Starke begründete er 1951 die Reihe des Genealogischen Handbuches des Adels und hatte bis Band XXXV die Hauptschriftleitung inne. Standespolitisch tätig wurde er auch in der nach dem Kriege neu gegründeten Vereinigung des Adels in Hessen, in der er bis 1958 als Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Marburg angehörte.

Weiterhin gründete E. den Adelsrechtsausschuß des Deutschen Adels und formulierte dessen erste Satzung. In diesem Gremium war E. schließlich stellvertretender Präsident und spezialisierte sich auf die Nichtbeanstandung adeliger Namensführungen. Als eine der Kristallisationspersonen des deutschen Adels fing er auch an, Auskünfte aus seinem reichen Wissen und Material zu geben, zog sich aber mit zunehmendem Alter aus seinen Ämtern zurück.

Durch einen Mitte August 1957 geschlossenen Vertrag verkaufte er der neugegründeten Vereinigung des Deutschen Adels (VdDA) seine Sammlungen, wobei S.D. Fürst Max Egon zu Fürstenberg einen bedeutenden finanziellen Beitrag leistete. Im Jahr 1963 wurde E. zum Obmann des Wissenschaftlichen Beirates des 1961 gegründeten Deutschen Adelsarchivs gewählt, das zudem auf seine Initiative als e.V. ins Leben gerufen worden war. 1963 startete mit seinem Einverständnis ein Aufruf zur Gründung einer E.-Stiftung zum Erhalt seiner Sammlungen.

Für sein außergewöhnliches Adelsengagement - und dieser Grund dürfte einmalig in der republikanischen BRD sein - wurde er anläßlich seines 80.Geburtstages 1958 unter Verdrängung seiner völkischen Grundhaltung im Dritten Reich durch Bundespräsident Theodor Heuss mit dem Bundesverdienstkreuz 1.Klasse ausgezeichnet. Als E. unter anderem als Ehrenvorsitzender des Adelsrechtsausschusses, Ehrenvorsitzender der Bezirksgruppe Marburg der Vereinigung des Adels in Hessen (seit 1958) und Ehrenmitglied des Vereins Herold für Genealogie, Heraldik und verwandte Wissenschaften 79jährig verstarb, hatte der deutsche Adel einen denkwürdigen Edelmann von Namen und Geist verloren, der als nicht unumstrittener Vorkämpfer des Adels maßgeblich die Erstorganisation in vielen Gremien durchgeführt hatte. Seine Tochter Roswitha und deren Gemahl Freiherr Friedrich Wilhelm v.Lyncker-Ehrenkrook setzten des Vaters Werk am deutschen Adel in ähnlicher Weise fort.

Werke (Auswahl): Die Wirkungen der Umwälzung in Deutschland auf die Adelsverhältnisse, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXVII, Berlin 1919, 112-114 --- Die Edda, in: Deutsches Adelsblatt Nr.4 v.1.2.1926, 72-73 --- Zum Schutze gegen den Mißbrauch adliger Namen, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXIX, Berlin 1921, 87 --- Nochmals die Anrede "Baron" beim titulierten und untitulierten Adel, in: ebd., 244  --- Das Ende der freiherrlichen Familie v.Zassow. Moderner Adels- und Namensschwindel, in: Familie und Volk. Zeitschrift für Genealogie und Bevölkerungskunde, Jg.III, Neustadt Aisch 1954, 51 --- Vom Adoptionsschwindel, in: Deutsches Adelsarchiv, Jg.XI, Nr.97 v.15.9.1955, 165--- Familienverbände des Uradels nun mit nichtadeligen Mitgliedern? Geben die Familienverbände des Adels ihre Grundlagen auf?, in: Deutsches Adelsarchiv, 12.Jg., Nr.8 v.15.8.1956, 146 --- Zum Aufsatz "Verlorener Adel", in: Archiv für Sippenforschung, Jg.III, Nürnberg 1926, 122 --- Die genealogischen Taschenbücher der adligen Häuser 1877 bis 1894 des Frhrn. A.v.Dachenhausen, in: Deutsches Adelsblatt Nr.7 v.1.3.1927, 137 --- Rückblick und Ausblick zur Herausgabe von Band 10 des "Genealogischen Handbuchs des Adels", in: GHdA Gräfliche Häuser A,Glücksburg 1955, IX-XI --- Das Deutsche Adelsarchiv, in: Göttinger Mitteilungen. Mitteilungen zur Förderung genealogischer und heraldischer Arbeiten, Jg.II, Göttingen 1949, 67 --- Genealogische Quellen und Forschungsmöglichkeiten in Hessen. Das Deutsche Adelsarchiv in Schönstadt, in: Hessische Familienkunde, Bd.III (1956), 617 --- Die Adoptionsmanie im Adel. Eine Verfallserscheinung der Nachkriegszeit, in: Deutsches Adelsarchiv, Jg.IX, Nr.67 v.März 1953, 45 --- Stammfolgen schlesischer Adelsgeschlechter, Bd.I, Lfg.2, Geschlechter, hg. unter Förderung der LA Schlesien der Deutsche Adelsgenossenschaft, Görlitz 1941, 160 S.

Quellen und Schrifttum: Claus Heinrich Bill: Mecklenburgische Adelskunde 1700-1997, Owschlag 1997, 90, 112 --- GHdA, Adelige Häuser B, Bd.I (1954), 57 --- GHdA, Adelige Häuser B, Bd.VIII (1968), 54-62 --- Thomas Frhr. v.Fritsch-Seerhausen: Hans-Friedrich v. Ehrenkrook, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XVII (1978), 51-52 --- Hans Friedrich v.Ehrenkrook-Stiftung, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.II (1963), 182 --- NN: Die genealogischen Sammlungen der Deutschen Adelsverbände, in: Deutsches Adelsarchiv, Jg.XV (1959), 194 --- Nachrufe auf E. von Hans Kretschmer, Friedrich Wilhelm Fürst v.Hohenzollern, Alfred Graf v.Kageneck und v.Flotow, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.VII (1968), 27-28 und 43 (Portrait auf S.27) --- Freiherr Thomas v.Fritsch-Seerhausen: Hans-Friedrich v.Ehrenkrook, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXVII (1998), 38-41 --- Anonymus: Goldene Hochzeit (von H.F. v.Ehrenkrook und seiner Gattin Carola mit Lebenslauf), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.II (1963), 142 --- NN: Hohe Auszeichnung (über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an H.), in: Deutsches Adalsarchiv, Melle 1958,159 --- Anonymus: Hans Friedrich v.Ehrenkrook †, in: Genealogie, Jg.XVII, Neustadt an der Aisch 1968, 73 


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