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Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.
Aus thüringischem Uradel durch uneheliche Geburt seines Vaters herstammend und daher nichtadelig geboren, schlug B. die gleiche Laufbahn wie sein Vater ein. Dieser - Ferdinand von Bodungen (1825-1889) - war zuletzt Forstmeister in den Reichslanden von Elsaß-Lothringen. B. indes beabsichtigte in den preußischen Forstdienst zu gehen, erlangte 1898 in Straßburg das Abitur, war dann bis 1899 Einjährig-Freiwilliger, zuletzt im Magdeburgischen Jäger-Bataillons Nr.4, 1900 wurde er Leutnant der Reserve und für kurze Zeit zum Reitenden Feldjägerkorps zur aktiven Dienstleistung versetzt. 1899 bis 1906 durchlief er die forstliche Ausbildung, wurde jedoch nicht Forstbeamter, da er die Pfarrerstochter Rose-Marie Taubert ehelichte und von deren Adoptivmutter er das etwa 300 ha große Rittergut Eichwerder im Krs. Greifenhagen in Hinterpommern nahe Stettin übernahm.
1910 wurde bei einer Prüfung des Preußischen Heroldsamtes (1855-1920) offenbar, daß er unrechtmäßig den untitulierten Adel führte. Der drohenden Aberkennung kam B. durch ein Immediatgesuch vor, so wurde er durch König Wilhelm II. 1910 in den Adelsstand erhoben. Eine Veröffentlichung der Erhebung unterblieb auf ausdrücklichen Wunsch des Begnadeten. Seit 1906 begann er verbandspolitisch tätig zu werden, unter anderem in der ländlichen Stromversorgung und in der Moorkolonisation. Im ersten Weltkrieg Führer der Garde-Maschinengewehr-Abteilung und zuletzt Leiter der Kaiserlichen Forstinspektion Reval in Estland, kehrte er verbittert über den Kriegsausgang und dessen Folgen 1918 nach Pommern zurück und engagierte sich nun wieder vermehrt politisch.
Er wurde Mitglied in Kriegervereinen, Landgenossenschaften, dem Verein für soziale Reform, wurde Mitgründer des Pommerschen Landbundes, Organisator des Freikorps Roßbach, als solcher 1921 in einen Fememord verwickelt, Geheimmitglied des Skaldenordens und Mitgründer des Verbandes pommerscher Landgemeinden. 1921 gründete er die erste pommersche Ortsgruppe der NSDAP in Stettin, die jedoch bald verboten wurde. Danach war er 1924-1925 einer von zwei gleichberechtigten Gauführern Pommern der NS-Ersatzorganisation "Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung", nach deren Zerfall von 1925 pommerscher Gauführer der Deutschvölkischen Freiheitspartei, Parteigenosse von Bernhard Koerner (1875-1952) und Gegner Hitlers.
Seither galt sein besonderes Augenmerk einer Adelsreform durch "Reinigung des Adels" von jüdischen Mitgliedern, ähnlich wie dies schon Jahre zuvor in völkischen Adelsreformideen (1911) angeklungen war. Durch Bürgschaft des nachmaligen Generalfeldmarschalls - damaligen Majors - Walther v.Brauchitsch wurde er 1921 Mitglied der Landesabteilung Pommern der Deutschen Adelsgenossenschaft und wurde im Oktober desselben Jahres deren Schatzmeister, wo er über 600 Mitglieder verwaltete. Bei einer Wahlveranstaltung im Mai 1924 hatte er einzelne Vertreter der Familie v.Zitzewitz der Schleifung Helgolands, der persönlichen Bereicherung und der jüdischen familiären Verflechtung beschuldigt.
Daher eröffnete der pommersche Ehrenrat der Adelsgenossenschaft ein Ehrenverfahren gegen ihn. B., der darin den Beweis "heuchlerischer Standesgenossenliebe" gegen "Rassenschande" sah, erhielt im Februar 1925 einen Verweis. Er war der Auffassung, "daß der deutsche Adel kein Vorrecht habe ... in Überhebung sich über andere zu stellen, daß er nur ein einziges Recht habe, auf Grund seiner Abstammungsweise die Pflicht zu erfüllen, allen anderen in der Reinhaltung des Blutes voranzugehen. Ich habe ... erklärt, daß der deutsche Adel eine Unterlassungssünde begangen hätte in früheren Zeiten, daß er nicht voll Preußenstolz vor den Kaiser hingetreten wäre mit den Worten: Majestät, wir verbitten uns, daß Juden geadelt werden." Als Beispiel nannte er den Landrat a.D. Erich v.Flügge, von dem er behauptete, dieser sei wegen seiner biologischen Herkunft "blutsmäßig dazu bestimmt, die Genossenschaft abzuwürgen".
Daraufhin wurde er von der Adelsgenossenschaft 1926 ausgeschlossen. B. bemängelte jedoch die Art und Weise seiner Ausschließung: "Man hat mich nun nach den mildesten Bestimmungen ausgeschlossen, d.h. beschlossen, daß ich in der Mitgliederliste ausgeschlossen wurde. Ich habe Berufung eingelegt mit der Begründung, daß es mir nicht ankäme auf Zugehörigkeit, sondern lediglich darauf, daß ... Flügge eine ehrenwerte Persönlichkeit des deutschen Adels sei. Wenn das der Fall wäre, so bat ich darum, mich nicht nach der mildesten, sondern nach der schärfsten Bestimmung auszuschliessen."
Da nichts geschah, war B. schließlich zu der Überzeugung gelangt, "daß echter deutscher Adel heute außerhalb der Adelsgenossenschaft steht und heute überall im Volke zum Durchbruch kommt: das ungemischte Deutsche Blut adelt!" Damit war B.`s Adelsengagement beendet, er war seit 1928 mittellos, bis 1933 politischer Wanderrender in Schleswig-Holstein für Erich Ludendorffs Tannenbergbund, seitdem wieder im Privatforst- und Staatsdienst, zuletzt als angestellter Forstmeister in Ostpreußen. Obwohl in Pommern an einflußreicher Stelle stehend, war es ihm trotz der kritischen Einstellung der Adelsgenossenschaft zu jüdischen Edelleuten nicht gelungen, den Adel zu teilen.
Quellen und Schrifttum: Deutsche Wochenschau, Berlin, Nr.6, Ausgabe vom 5.Februar 1928 --- Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv Schleswig, Abt.301 Nr.4551, Bericht über einen Vortrag Fritz v. Bodungens als Tannenbergbund-Wanderredner im Rendsburger Restaurant Schützenhof, Abschrift S.27 (mit Erwähnung seiner biologisch motivierten Forderungen an den deutschen Adel) --- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin: I.HA Rep. 176 VI. B Nr.844: Immediatbericht des Preuß. Heroldsamtes Berlin an Kaiser Wilhelm II. vom 14.4.1910 --- Familienarchiv v.Bodungen: Lebenslauf und Abschrift des Berichtes des Forstmeisters a.D. Kirchner über die Tätigkeit Fritz v.Bodungens in Estland --- Zentrales Staatsarchiv Estland in Reval (Eesti Tallinna Riiklik Keskarciiv Tallinn): Fond 1028 (R-1431) --- Claus Heinrich Bill: Friedrich Wilhelm v.Bodungen (1879-1943). Portrait einer ungewöhnlichen militärischen Laufbahn, in: Zeitschrift für Heereskunde, Jg.LX (1996), Nr.381, S.94-99