Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.
 

Berg-Markienen, Friedrich v.

Adelsmarschall, Exzellenz, * Markienen 20.11.1866, † ebenda 9.März 1939.

B. stammte aus uckermärkischem Uradel, der 1375 die erste urkundliche Erwähnung nachweisen konnte. Er war der Sohn des Kgl. Preußischen Majors a.D. Friedrich v.B. (1835-1888), Herrn auf Markienen im Kreis Bartenstein in Ostpreußen, und dessen Gemahlin Elisabeth v.Pressentin gen. v.Rautter (1842-1901). Nach dem Abitur wurde er zunächst Berufsoffizier und trat in das Erste Garde-Regiment zu Fuß ein, in dem er 1892 seinen Abschied nahm. Infolge des Todes seines Vaters war er 1888 außerdem Rittergutsbesitzer von Markienen geworden.

Er studierte indes 1894 die Rechte in Breslau und Bonn, wo er als Borusse Korpsbruder des Prinzen Wilhelm (1859-1941) war, des nachmaligen Kaisers (Wilhelm II.). Anschließend trat er 1894 in den preußischen Verwaltungsdienst ein, wo er bis 1896 als Gerichts-Referendar in Bartenstein tätig war. 1896 bis 1898 war er Regierungs-Referendar in Danzig, 1899 Regierungs-Assessor in Berlin und in Niederbarnim bevor er 1903 das Amt des Landrats in Goldap erhielt. Nach drei Jahren avancierte er 1906 als Vortragender Rat ins Kaiserliche Geheime Zivilkabinett, war jedoch auch 1909 bis 1916 Landeshauptmann von Ostpreußen.

Hierhin kehrte er dann 1916 bis 1918 als Oberpräsident zurück, nachdem sein Vorgänger Adolf Tortilowicz v.Batocki-Friebe das Kriegsernährungsamt übernommen hatte. Von den Generalen Ludendorff und v.Hindenburg gefördert, versah B. von Januar 1918 an als letzter das Amt des Chefs des Geheimen Zivilkabinetts. Zwar überzeugter Protestant und Monarchist, war es ihm in seinem hohen Amt jedoch nicht gelungen, die Revolution abzuwenden. Als im Oktober 1918 das Kabinett Prinz Max v. Badens gebildet wurde, legte er sein Amt nieder und kehrte in seine Heimat zurück. Hier wurde er 1919 Vorsitzender des Provinziallandtages, Mitglied des Kirchensenats und Präses der ostpreußischen Synode. 1921 berief ihn sein Studienfreund Wilhelm II. zum Nachfolger des verstorbenen ehemaligen preußischen Ministers des Kgl. Hauses, Graf Friedrich zu Eulenburg, zum Generalbevollmächtigten des Preußischen Königshauses.  Als solcher führte B. zusammen mit dem zweiten Kaisersohn Prinz Eitel Friedrich v.Preußen (1883-1942) unter anderem die Verhandlungen der Vermögensauseinandersetzung der ehemaligen Krone mit dem Deutschen Reich in den Jahren 1921 bis 1926.

Sein bedeutendes standespolitisches Leben begann 1920, als er zum Adelsmarschall der Deutschen Adelsgenossenschaft gewählt wurde. In der zunehmenden Ausrichtung der Deutsche Adelsgenossenschaft-Basis ab den zwanziger Jahren auf den Nationalsozilismus geriet B., der stets monarchisch gesonnen blieb, in immer häufigere Konflikte, auch mit den Behörden. Unter ihm entwickelte der Deutsches Adelsblatt-Leitartikler Freiherr W.E. v.Medem Angriffe auf die Regierung Stresemann, was schließlich im September 1929 dazu führte, daß Reichswehrminister Wilhelm Groener für Reichswehrangehörige die Mitgliedschaft in der Deutsche Adelsgenossenschaft verbot. In die gleiche Phase fiel die Spaltung der Deutsche Adelsgenossenschaft in Völkische und Monarchisten. Hier mußte B. vermitteln, ohne beide Lager versöhnen zu können. Durch die Entlassung des Freiherrn v.Medem aus der Redaktion konnte er zumindest ein drohendes Verbot der Deutsche Adelsgenossenschaft verhindern.

Als er Anfang Februar 1932 anläßlich der Reichspräsidentenwahl eigenmächtig einen Aufruf zur Wiederwahl Hindenburgs gegen Hitler empfahl, brach der Konflikt der Basislager in der Genossenschaft offen aus. Aufgrund der heftigen Prosteste der völkischen Fraktion legte er schließlich sein Amt resiginert nieder und ein Vertreter der sich durchsetzenden völkischen Richtung, Fürst Adolf zu Bentheim-Tecklenburg, wurde sein Nachfolger.

Danach ist B. nicht mehr standespolitisch hervorgetreten. Er starb noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges auf seiner ostpreußischen Besitzung Markienen. An Ehrungen hatte es dem verdienten Verwaltungsbeamten, der zuletzt auch im Range eines Majors a.D. stand, nicht gefehlt. Seit 1910 Kgl. Preußischer Kammerherr, erhielt B. ferner die theologische Doktorwürde der Universität Königsberg ehrenhalber verliehen, 1917 auch die Ehrenbürgerschaft der Stadt Allenstein. Zuletzt war er außerdem Kgl. Preußischer Wirklicher Geheimer Rat, von 1916 bis 1918 Mitglied des preußischen Herrenhauses sowie durch seinen starken christlichen Glauben bedingt seit 1910 Ehrenkommendator der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St.Johannis vom Spital zu Jerusalem.

Werke (Auswahl): Ein Wort (der Deutsche Adelsgenossenschaft) zu den Wahlen, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XLII, Berlin 1924, S.79 --- Aufruf zu den Wahlen, in: ebd., S.373 --- Die Deutsche Adelsgemeinschaft (Vorstellung der Ziele der Deutsche Adelsgenossenschaft), in: Süddeutsche Monatshefte, Jg.XXIII, Heft 5 (Themenheft "Deutscher Adel"), München 1926, S.402-403 --- Zum 50jährigen Jubiläum (der Deutsche Adelsgenossenschaft), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XLII, Berlin 1924, S.49 --- Die Losbrieflotterie der Zentral-Hilfe der Deutschen Adelsgenossenschaft, in: Deutsches Adelsblatt Nr.27 vom 21.9.1927, S.597 --- Werberuf. Welches sind die Aufgaben der Deutschen Adelsgenossenschaft?, in: Deutsches Adelsblatt Nr.13 vom 1.5.1926, S.253 und  in: Deutsches Adelsblatt Nr.28 vom 1.10.1926, S.573 --- Was will die Deutsche Adelsgenossenschaft? Ein Werberuf, in: Deutsches Adelsblatt Nr.37 vom 12.9.1931, S.601-602 --- Gründung des Deutschen Adelshauses, in: Deutsches Adelsblatt Nr.3 vom 21.1.1927, S.37 sowie in: Deutsches Adelsblatt Nr.7 vom 1.3.1927, S.121--- H.Potthoff (Hg.): Friedrich v.Berg als Chef des Geheimen Zivilkabinetts. Erinnerungen, Düsseldorf 1971

Quellen und Schrifttum: Below, E.v.: Nachruf auf den Adelsmarschall Friedrich v.Berg-Markienen, in: Deutsches Adelsblatt Nr.12 vom 18.3.1939, S.410 --- GHdA Adelige Häuser A, Bd.XVI (1981), S.3 (mit Portrait vor S.1) --- Friedrich v.Berg-Markienen. Zu seinem 100.Geburtstag am 20.November 1966, Deutsches Adelsblatt, Jg.V, Nr.10 vom 15.10.1966, S.202-203 --- NN: Friedrich v.Berg-Markienen, 1909 LdsHptm von Ostpreußen, in: Deutsches Adelsblatt Jg.XXVII (1909), S.183 --- NN: Friedrich Wilhelm Bernhard v.Berg-Markienen (1866-1939), in: Dieter Fricke (Hg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland 1789-1945, Leipzig 1983-1986, Bd.I, S.197, 530, 537, 539, 542 543 und ebenda, jedoch in Bd.II, S.110 --- NN: Friedrich v.Berg, ObPr. und Ldshptm., Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXIV (1916), S.185 --- Karl Bosl (Bearbeiter): Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte, Bd.I, Augsburg 1995, Sp.239-240 --- Iris Freifrau v. Hoyningen gen. Huene: Adel in der Weimarer Republik. Die rechtlich-soziale Situation des reichsdeutschen Adels 1918-1933, Limburg Lahn 1992, S.64-65 und 72-73
 


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